Archiv des Autors: Gerhard Pierer

19. Tag Sonntag, 05. Juli 2020 Herrentierbach – Klepsau

Heute bin ich wieder sehr früh dran. Da es vor Ort keine Möglichkeit zum Frühstücken gibt, bin ich um 6 Uhr aus dem Haus. Es ist gerade noch angenehm kühl, der Westwind hält sich in Grenzen.

Der Weg schlängelt sich über die Hochebene. Das frühe Unterwegssein hat auch den Vorteil, dass ich viel mehr Tiere sehe als sonst. Ein Rehkitz springt wenige Meter vor mir aus dem Acker und flüchtet in den Wald. Auch andere Rehe, Hasen und sogar ein Fuchs sind kurz zu beobachten.

Nahe Herrentierbach

Dann führt der Weg hinab ins Tal der Jagst, wo ich bei Heimhausen den Fluss überquere.

Heimhausen
Jagstbrücke

Zeitweise hat sich der Fluss eng an den Berg heran gearbeitet, sodass nur wenig Platz für den Weg bleibt.

Ich komme zur kleinen katholischen Kirche St. Anna, die sich in einem Winkel versteckt. Dort treffe ich eine Frau, die genauer über die Verhältnisse Bescheid weiß. Im Volksmund sagt man, dass Luther vom Berg nicht herunter gehen wollte, deshalb sind sie im Dorf im Gegensatz zu den anderen katholisch geblieben. Die Kapelle birgt einen prächtigen Altar von Riemenschneider, der die Sippe der Hl. Anna darstellt.

St. Anna
Sippenaltar der Hl. Anna

Kurz vor Dörzbach hat ein Künstler seinen Lebensablauf mit einem Steinkreis symbolisiert.

LebensZeichenStein für Manfred Rapp
LebensZeichenStein für Manfred Rapp

Ich überquere in Dörzbach wieder die Jagst und komme am Schloss Eyb vorbei, das seit Generationen in Familienbesitz ist.

Schloss Eyb
Schloss Eyb
Schloss Eyb

Ich mache eine Mittagspause im Dorfgasthaus, das von einem Griechen geführt wird. Das Personal ist knapp, das Hilfspersonal total überfordert. So dauert es halt länger. Das Essen ist ausgezeichnet und alle sind freundlich.

Gut ausgerastet gehe ich weiter und komme zum Bahnhof der stillgelegten Jagsttalbahn, Die Schmalspurbahn wurde 1901 in Betrieb genommen und verkehrte mit zwischenzeitlichen Pausen bis 1988.

Bahnhof Dörsbach
Alte Personenwagen
Schmalspur

Ab hier beginnt auch der Weinanbau, der früher viel ein größeres Ausmaß gehabt hat. Die meisten Betriebe werden im Nebenerwerb oder hobbymäßig geführt.

Weingärten in Terrassenanlage

Das Schildhäuschen erinnert an die vergangene Grenze und die zähen Verhandlungen nach 1945, die zum Entstehen von Baden-Württemberg geführt haben.

Ich komme nach Klepsau, das ist ein kleines Dorf, das auf seine Geschichte stolz ist. Neben dem Fass an der Straße steht auch ein „Corona-Tisch“.

Abstand ist sicher

Der Dorfkirche sieht man im Inneren sofort an, dass sie katholisch ist.

Kirche St. Georg

Dieses alte Bürgerhaus trägt die Jahreszahl 1701 und ist das schönste im Dorf.

Ich wohne in der Ferienwohnung- und Privatzimmervermietung Heßlinger direkt am Jakobsweg.

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Tagesstrecke:  26.8 km; ↑ 341m; ↓ 560 m

18. Tag Samstag, 04. Juli 2020 Rothenburg ob der Tauber – Herrentierbach

Nach angenehmer Nacht bin ich kurz nach 7 Uhr beim Frühstück in einem Cafe nahe dem Marktplatz. Das Wetter ist wieder schön. Es gibt leichten, kühlen Wind – ideal zum Wandern. Ich starte heute mit dem nächsten Abschnitt des Jakobswegs, der sich am Verlauf der „Hohen Straße“, die in frühgeschichtlicher Zeit ein Fernverbindungsweg war, orientiert.

An der Befestigungsmauer über der Tauber

Auf einem kleinen Steig geht es hinunter in das Tal der Tauber, die eher ein müdes Bächlein ist. Vorbei am Kirchlein „Unsere liebe Frau zu Kobolzell“ komme ich zur Tauber-Doppelbrücke. Diese ursprünglich mittelalterliche Brücke (um 1330) wurde 1945 einen Tag vor der Besetzung der Stadt durch US-Truppen von der Deutschen Wehrmacht gesprengt.

Nach der Überquerung kommt man auf den Gegenhang der Tauber und hat schöne Ausblicke auf das Panorama der Stadt.

Nach kurzem Marsch durch Wald öffnet sich die Hochebene mit vielen Feldern. Grenzüberschreitung: Hier verlasse ich Bayern und wechsle nach Baden-Württemberg!

Die Windräder sind aus der Landschaft nicht mehr wegzudenken.

Die Auswahl an verschieden Wegen ist groß. Ich orientiere mich am blauen Schild mit dem gelben Muschelsymbol und der Roten Markierung für den Fernweg 8, dem Frankenweg.

Es ist Kirschenzeit. Auch die Vogelkirschen schmecken sehr gut. An die kommen auch wir Kleinen.

Ich sehe meine ersten Orchideen am Wegrand, eines der vielen Knabenkräuter. Auch eine Unzahl von Schmetterlingen begleitet mich ein Stück des Weges.

Kaisermantel (Argynnis paphia L.)

Die Feldränder sind noch nicht / nicht mehr niedergespritzt und dürfen bunt sein.

Was dieser Karpfen mitten auf dem Feldweg  wollte, wird ungeklärt bleiben. Der war mindestens 40 cm lang.

Dann geht es lange durch Wälder, immer flach, mit kerzengeraden Wegen. Erst als ich die schöne Sequoia sehe, weiß ich, dass ich mich dem nächsten Ort nähere.

Schrozberg ist der erste Ort, wenn man von ein paar Weilern mit drei Höfen absieht. Im Zentrum steht eine Schlossanlage, die für kommunale Zwecke genutzt wird.

Vor der geschlossenen Kirche wartet schon wieder ein Pilger auf mich, auch wenn er nicht gerade begeistert wirkt.

Mein Ziel nähert sich langsam. Auch wenn es dauert, bis die Kirche von Herrentierbach wirklich erreicht ist, gesehen habe ich sie schon aus vier Kilometern Entfernung.

In der Kirche komme ich mit der Mesnerin ins Gespräch, die mir ein bisschen aus der Geschichte erzählt. Besonders interessant ist der bemalte Altar, der 1683 aufgestellt wurde und Wendetafeln hat. Er lag lange Zeit in dem Lager der Kirche, bis er 1967 wieder aufgebaut wurde.

Ich residiere heute im alten Rathaus. Das ehemalige Bürgerhaus wurde zum Rathaus und nach der Zusammenlegung der Gemeinden wurde es von einer privaten Initiative „Besondere Unterkünfte in Hohenlohe-Franken“ zur Ferienwohnung umfunktioniert und restauriert. Per Anruf bekomme ich eine Mail mit Schlüsselcode und kann das Etablissement benutzen. Der Schnäppchenpreis wird am Küchentisch deponiert.

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Tagesstrecke: 29,5 km; ↑ 311 m; ↓ 298m

17. Tag Freitag, 03. Juli 2020 Binzwangen – Rothenburg ob der Tauber

Ich bekomme mein Frühstück auf der Dachterrasse serviert. Das ist sicher schöner als im Zimmer. Die Gastgeberin erzählt von ihrem Dorf, das nichts als Ruhe und Beschaulichkeit zu bieten hat und vor allem von Kindern und Schülern sehr gut angenommen wird. Ich starte bei angenehm kühler Temperatur und heiterem Himmel um 8 Uhr. Heute habe ich ja nicht weit. Vor dem Gasthaus ist heute der „Corona-Tisch“ noch leer.

Die Gegend ist flach, die Hügel kaum der Rede wert. Hier darf man noch über echte Wiesenwege wandern. Gut, dass sie schon einmal gemäht worden sind, sonst hätte mich fast ein schlechtes Gewissen geplagt. Es gibt auffällig viele Flächen ohne Intensivnutzung. Dort finden sich dann viele Blütenpflanzen.

Wiesenweg vor Stettberg
Wiesenstorchschnabel (Geranium pratense L.)
Blick auf Geslau

Vor einem ehemaligen Fischteich wird der Jakobsweg umgeleitet. Ich suche mir eine Eigenversion und lese auf einer Tafel, dass ein neuer Eigentümer Probleme mit der Behörde hat.

Ehemaliger Fischteich bei der Karachmühle

Rundum zwitschern die Vögel, steigen die Lerchen in die Lüfte und der Rotmilan scheint um mich zu kreisen, obwohl ich eigentlich nicht in sein Beuteschema passe.

Rotmilan (Milvus milvus L.)

Wieder bin ich am Wasserscheideweg unterwegs.

Eine schöne Einrichtung ist, dass am Wegrand Obstbäume zum Genießen freigegeben sind. Die reifen Früchte sind entweder schon abgeerntet oder so hoch oben, dass sie für uns Kleinen unerreichbar sind. Eine nette Frau erntet gerade ihre „frühen“ Kirschen und bietet mir auch welche aus ihrem Korb an. Ich pflücke sie mir selbst vom Baum.

Dann komme ich zum „Lug ins Land“ und sehe zum ersten Mal Rothenburg.

Bis zur Stadt sind es noch vier Kilometer, doch auch das ist bald gut geschafft und ich beziehe mein Quartier gleich hinter dem Galgentor in der Rosengasse.

Im 2. Weltkrieg wurden viele Gebäude im Osten zerstört, weil Rothenburg von Bombern als Ersatzangriffsziel angeflogen wurde. Vor der Einnahme der Stadt durch die US-Truppen wurde von einer Beschießung Abstand genommen, weil der zuständige US-Kommandant von seiner Mutter gehört hatte, welches Kleinod die Stadt sei. Rothenburg und Hallstatt haben eines gemeinsam: vor Corona – „Overtourism“, vor allen durch Gäste aus Fernost und den USA, nach Corona „tote Hose“. Beides sind halt Extreme.

Ich gehe zur evangelisch-lutherischen Stadtpfarrkirche St. Jakob, die die Hauptkirche der Stadt ist. Ihre Ausstattung ist einzigartig. Hier treffe ich den Pilgerfreund vom Vorjahr wieder.

Jakobskirche

Als Pilger auf dem Jakobsweg ist der Eintritt frei. Ich freue mich über einen schönen Stempel und tratsche mit der Kassiererin, weil der Andrang an der Kasse gleich Null ist. Dann gebe ich mich dem Kunstgenuss hin.

Zwölf-Boten-Altar 1466
Maria-Krönungs-Altar
Hinter der Orgel steht der Heiligblut-Altar
Heiligblut – Altar von Tilmann Riemenschneider 1501
Johannes schläft auf dem Schoß Jesu (versteckt)
Heiligblut – Reliquie im Bergkristall

Nach einer Stärkung mit Fränkischer Bratwurst und Sauerkraut setze ich die Stadtbesichtigung fort. Es ist wie in einer Bilderbuchstadt. An jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken.

Von den Stadtmauern kann man in das Tal der Tauber sehen, aber auch die Ausdehnung der Altstadt erahnen.

Durch ein anderes Tor geht es zurück in das Zentrum.

Der von der Tauber abgewandte Teil der Stadt wird von einer langen Stadtmauer umgeben, die auf einem schmalen Brüstungsgang begangen werden kann. Bei jedem Turm gibt es einen Zugang.

Dann muss ich noch die lokale Süßspeisenspezialität verkosten: die Rothenburger Schneeballen, die es in verschiedenen Geschmacksrichtungen gibt. Nach einer 3/4 Portion bin ich voll.

Rothenburger Schneeballen

Jetzt ist es aber Zeit für eine Erholung in der Pension Becker in der Rosengasse.

Pension Becker

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Tagesstrecke:  19,3 km; ↑ 119 m; ↓ 119 m

16. Tag Donnerstag, 02. Juli 2020 Weihenzell – Binzwangen

Ich habe eine herrliche Nacht verbracht. Irgendwann hat es ganz ruhig geregnet. In der Früh wird mir das ausgiebige Frühstück am Zimmer serviert.

Die Wolken hängen tief und noch lässt sich nicht abschätzen, wohin sich das Wetter entwickelt. Leider kommt dann von Südwesten eine Regenfront, die mich schnell in die Regenkluft steigen lässt.

Wegen der paar Regentropfen hat es sich nicht ausgezahlt, aber das lässt sich vorher nicht abschätzen. So stehe ich schon wieder im Sonnenschein vor der Johanneskirche in Wernsbach bei Ansbach.

Johanneskirche
Wappen des Ansbacher Markgrafen Karl Alexander

In einer Senke versteckt sich ein Weiler

Die Markierung durch den Wald ist ausgezeichnet.

Ich nähere mich Lehrberg und dem „Lehrberger Kappl“, einer Ruine eines Kapellenturms.

Ich steige über einen Treppenweg in den Ort hinunter. Die Kirche ist leider geschlossen und so mache ich mich auf den Weiterweg und habe einen schönen Ausblick auf das Tal der Fränkischen Rezat, bis …..

…. ja bis mir der Irrtum auffällt. Ich bin auf einem anderen Weg wieder retour gegangen. Das gibt halt Strafverlängerung. Was man nicht im Kopf hat, muss man in den Beinen haben. Also noch einmal zurück in den Ort und in die andere Richtung weiter.

Jetzt geht es über die Fränkische Rezat und vorbei an einem Freund mit Vorlieben für Vogel- und Fledermaushäuser.

Wieder geht es einen Hügel hinauf und hinab in den kleinen Weiler Häslabronn, dessen Name sich von Haselnussstauden ableitet. Die Wallfahrtskirche, ursprünglich wohl Teil einer Kirchenburganlage, lag an dem Pilgerweg Krakau – Nürnberg – Rothenburg ob der Tauber und weiter nach Santiago de Compostela. Mit der Reformation war den Wallfahrten ein jähes Ende gesetzt. Die Höfe sind vorbildlich instand gesetzt.

Noch ein Hügel stellt sich mir entgegen. Wieder sind die Wälder der Bayrischen Landesforsten zu durchqueren.

Dann steige ich in das Tal der Altmühl hinab mit einem guten Blick auf die Burg Colmberg. Die Burg, auf einem Felssporn gelegen, geht auf eine karolingische Palisadenburg zurück. Ab 1318 war die Anlage 500 Jahre im Besitz der Hohenzollern. Im 2. Weltkrieg wurde vom damaligen Besitzer Beutekunst aus Russland eingelagert. Heute befindet sich dort ein Hotel- und Restaurantbetrieb.

Im Ort Colmberg gibt es auch ein Informationszentrum über den Europäischen Wasserscheideweg, der von Ansbach nach Colmberg führt.

Von der Ferne sehe ich schon den Kirchturm von Binzwangen herüberleuchten. Aber leider sind noch ein paar Kilometer zwischen mir und dem Ziel. Ich labe mich vorerst am Pilgerbrunnen in Oberhegenau.

In Binzwangen suche ich gleich mein Quartier auf, den Ferienhof der Familie Eidner, wo ich ein schönes Zimmer bekomme.

Später besuche ich noch die nahe Pfarrkirche, die um 1750 gebaut wurde, aber wohl auf das 10. Jhdt. zurück geht.

Taufstein von 1750

Ein gutes Abendessen mit einem isotonischen Ausgleichsgetränk habe ich mir auch verdient.

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Tagesstrecke:  30,2 km; ↑ 564m; ↓ 582 m

15. Tag Mittwoch, 01. Juli 2020 Großweismannsdorf – Weihenzell

Gestern habe ich die Route des Jakobswegs ein bisschen verlassen, um ein günstiges Quartier zu finden. Heute gehe ich über kleine Landstraßen wieder zurück auf die Strecke und komme nach Roßtal, einen kleinen Markt mit entzückendem Zentrum. Der Ort wird schon von Widukind erwähnt und war schon früh ein befestigter Platz.

Kulturhaus
Alte Brunnenanlage zur Wasserversorgung des Ortes bis 1920
Pfarrhaus

Die Kirche St. Laurentius, wie auch der Ort, hat die Wirren des 2. Weltkrieges gut überstanden, weil die Einwohner gegen den Willen der NS – Dorfheiligen die weiße Flagge der Kapitulation aus dem Kirchturm gehängt haben. Das berichtet mir die Pfarrerin in einem interessanten Gespräch auf dem Kirchhof.

St. Laurentius
Innenansicht mit zwei Emporen
Kreuzigungsgruppe aus dem 17. Jhdt.
St. Laurentius mit dem Rost, 15. Jhdt.

Die teilweise noch romanische Kirche hat eine Krypta von 1025–1042.

Auch am Marktplatz stehen historische Gebäude.

Der Jakobsweg führt fernab vom Verkehr über sanfte Hügel mit Wiesen, Feldern und Wäldern.

Ein Kraftplatz?

In Bürglein stehen einige schöne Fachwerkhäuser. Auch die Kirche hat einen Turm in dieser Bauweise. Der Ort ist der älteste in der Umgebung.

Kirche St. Johannes aus dem 13. Jhdt. im Markgrafenstil
Wunderschönes Wappen
Friedenseiche seit 1886

Der kleine Ort Bonnhof hat eine große Geschichte hinter sich. In Bonnhof gab es über Jahrhunderte ein Schloss, das Sitz einer Propstei des Heilsbronner Klosters war. Diese Propstei war mit 76 Dörfern die reichste in Umland. So gehörten auch ca. 25 ha Weingärten dazu. 1806 kam die Liegenschaft zum Königreich Bayern.

Noch ein Hügel ist zu überwinden, und ich bin in Heilsbronn. Schon beim Weg ins Zentrum fällt der (einstige) Reichtum des Ortes auf.

Ehemaliger Kreuzgang

Im 8. Jahrhundert gründete wohl der fränkische Grundherr Hahold den Ort „Haholdesbrunn“. Der Legende nach hatte er einen Jagdunfall erlitten und irrte verletzt durch den Wald, bis er an der Stelle des von ihm anschließend gegründeten Ortes eine Quelle fand, davon trank und genas.

Die Klosterkirche wurde 1132 bis 1139 als romanische Basilika von den Zisterziensern errichtet, wurde aber bald gotisch umgestaltet und erweitert. Viele der romanischen Teile sind noch erhalten,weil man die barocken Zubauten nach dem 2. Weltkrieg wieder entfernte. In der Gruft haben von 1297 bis 1625 41 Hohenzollern ihre letzte Ruhestätte gefunden.

Portal
Gotischer Chor
Grablege der Hohenzollern
Grablege der Hohenzollern
Orgel über dem Seitenschiff

Die gotischen Altäre sind alle ein Pracht und erzählen jeder für sich Geschichten.

In der Krypta findet man die wundersame Quelle.

Der Prinzregent Luitpold vor dem Katharinenturm darf nicht fehlen.

Eigentlich war von mir geplant, hier in Heilsbronn zu nächtigen, aber… Es ist erst Mittag und ich fühle mich gut und beschließe weiter zu gehen. Ich fixiere mein neues Quartier und gehe nach einer Stärkung mit einer herrlichen Tomatensuppe los.

Die flachen Hügel setzen sich fort.

Ich gehe über einen ewig langen, kerzengeraden Waldweg der Bayrischen Staatsforsten. Mitten im Wald steht dann dieses niedrige Kreuz, das als Reviergrenze aufgestellt wurde.

Forst ist ein kleiner Ort auf einem Hügelrücken und weit zu sehen.

Dann liegt Weihenzell vor mir. Die kleine Jakobskirche ist nicht von großem kunsthistorischen Wert. Eine „Klosterzelle“ des Klosters St. Gumbertus liegt dem Namen zugrunde, das vor 1020 gegründet sein musste.

Ich bin bei Familie Gußmann untergebracht und genieße den Abend auch im Garten.

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Tagesstrecke:  33,3 km; ↑ 434m; ↓ 414 m

14. Tag Dienstag, 30. Juni 2020 Feucht – Großweismannsdorf

Heute war ich besonders früh dran. Im Haus gibt es derzeit keine Frühstücksmöglichkeit, daher mache ich mich auf den Weg zum nächsten Bäcker, der bereits ab 5:30 Uhr geöffnet hat. Anschließend gelange ich durch Siedlungen mit Einfamilienhäusern an den westlichen Ortrand von Feucht.

Die Autobahn A9 von München nach Berlin ist die erste Verkehrsader, die ich überschreiten muss. Gleich dahinter liegt die Eisenbahnlinie Ingolstadt – Nürnberg. Und wenig später muss ich noch unter der Autobahn A73 von Suhl nach Nürnberg durch.

A9
Nürnberg – Ingolstadt
A73

Auf dem nächsten Verkehrsweg geht es viel beschaulicher zu. Es ist der Ludwig-Donau-Main-Kanal, dem Vorgänger des Rhein-Main-Donau-Kanals. Der zwischen 1836 und 1846 erbaute Kanal verband Rotterdam mit dem Schwarzen Meer. Er war mit 100 Schleusenanlagen versehen, die aber zu klein waren. 1950 wurde der Betrieb endgültig eingestellt. Heute ist er nur mehr teilweise vorhanden. Man hat sogar Autobahnen über die Trasse gebaut.

Alte Steinbrücke
Ludwig-Donau-Main-Kanal mit Treidelpfad
Frühere Schleuse
100 km vor Kelheim

Trotz der Stadtnähe bin ich mitten im Grünen. Der Reichswald, durch den ich gehe, war dem Kaiser unterstellt. Heute sind etwa noch 25.000 Hektar Waldfläche verblieben. Im Reichswald liegt auch der Jägersee, eine ehemalige riesige Schottergrube, die renaturiert wurde.

Jägersee

An der Autobahn A6 von Saarbrücken bis nach Tschechien erlebe ich, wie sich innerhalb von drei Minuten ein LKW – Stau aufbaut.

A6

Im Gebiet des Reichswaldes wurde schon seit Jahrhunderten Sandstein abgebaut. Damit wurden alle wichtigen Gebäude der Umgebung errichtet. An einigen Stellen kann man die ehemaligen Steinbrüche noch sehen. Es gibt aber auch noch aktive Steinbrüche.

Alter Steinbruch
Neuer Steinbruch
Steinblöcke bereit für den Abtransport

Nicht vergessen darf ich auf die Schwarzbeeren (Vaccinium myrtillus L.), wie wir in der Steiermark sagen. In anderen Sprachen sagt man auch Blaubeeren oder Heidelbeeren. Da ich diese Früchte wegen ihrer Bodennähe nicht so schätze, lasse ich die stehen. Außer – jemand anderer pflückt sie für mich.

Jetzt komme ich an den Rhein-Main-Donau-Kanal, der 1960 bis 1992 errichtet wurde und auf 170 km mit zehn Hubanlagen den Main und die Donau verbindet. Auch dieser Kanal ist durch die Größenlimitierung weit weg von einer optimalen Auslastung. Die Brücken sind für Containerlaster zu niedrig.

Rhein-Main-Donau-Kanal
Rhein-Main-Donau-Kanal
Schleuse von Eibach, dahinter der Hafen von Nürnberg

Ich darf durch den Tunnel auf die andere Seite.

Ein typischer Bau aus rotem Sandstein.

Und gleich bin ich wieder in ländlicher Idylle mit Schafen und Waldwegen.

In Stein hole ich mir in der Jakobuskirche einen Stempel für meine Sammlung.

Dieser alte Wegweiser steht kurz vor dem Ende der heutigen Tagesetappe. Ich verlasse die Route des Jakobswegs ein wenig, da ich etwas abseits ein geeignetes Quartier gefunden habe.

Wegweiser

Ich komme nach Großweismannsdorf, einem kleinen Ort im Grünen.

Alte Volksschule, jetzt Kindergarten

Ich bin im Gasthof zu Post untergebracht. Speisen gibt es aber nur mehr für Feiern. Im Gasthof „Zu Linde“ gibt es heute nur Spaghetti Bolognese. Der Salat ist eine Extraleistung. Beides schmeckt gut.

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Tagesstrecke:  28,6 km; ↑ 149 m; ↓ 127 m

13. Tag Montag, 29. Juni 2020 Sindlbach – Feucht

In der Nacht höre ich, wie sanft Regen an das Dachfenster klopft. Doch bald ist es vorbei und am Morgen stehen Wolken am Himmel.

So geht der „Pilger ohne Schatten“, gestärkt durch ein ausgiebiges Frühstück, gegen Westen.

Da treffe ich doch auf einen Pilgerkollegen und wir kommen auch gleich ins Gespräch. Er meint, er hätte noch 2570 km bis Santiago. Da ist mir der Weg bis Köln lieber, obwohl ich eigentlich nicht genau weiß, wie weit es bis dorthin noch ist.

Ich bin wieder im Bereich der Autobahn A3 angelangt und es ist sehr laut. Ganz ungewohnt nach der Zeit in den „Backwoods“ mit Ruhe und Beschaulichkeit. Wenigstens die Wiesen- und Waldwege gibt es noch.

Auf dem Gnadenberg stoße ich auf die Ruinen der Klosterkirche des Birgittenordens, das 1438 – 1483 erbaut wurde und 1635 im Zuge des Dreißigjährigen Krieges von schwedischen Truppen abgefackelt wurde. Die Ruinen widerspiegeln, welch eindrucksvoller Bau das gewesen ist.

In Rasch komme ich an einem schönen Fachwerkbau vorbei. Bisher waren eher Stein- und Ziegelbauten vorherrschend.

Die Kirche St. Michael stammt aus dem 14. Jhdt. und geht auf frühere Bauten zurück. Der Flügelaltar stammt aus dem 15. Jahrhundert, auf diesem sind die „vier heiligen Dirndln“ (siehe Pfarrkirche Lebring-St. Margarethen in der Steiermark) mit ihren klassischen Erkennungszeichen zu sehen: Katharina mit Schwert und zerbrochenem Rad, Barbara mit Kelch und Hostie, Magdalena mit Salbenbüchse sowie Margarete mit einem kleinen Drachen.

Die Innenausstattung der kleinen evangelischen Kirche ist beeindruckend.

Der Mädchenname der Frau Pfarrer spricht Bände!

Entlang der Schwarzach, dem nächsten Bach nach dem Sindlbach auf dem Weg zum Rhein, komme ich an der Fachschule für Baumschnitt in Prackenfels vorbei.

Jetzt bin ich am Jakobsweg, am Wallensteinweg und am Fränkischen Dünenweg unterwegs, und trotzdem verpasse ich kurz später die richtige Abzweigung. Es ist nur ein kleiner Abstecher ohne wesentliche Verlängerung der Gehstrecke.

Nach Altenthann mit einer schönen, kleinen Kirche geht es hinunter in die Rhätsandsteinschlucht des Thanngrabens, ein Naturschutzgebiet.

Die bunten Käfer sind eifrig bei der Arbeit, einen Artgenossen zu zerlegen. Es soll ja nichts verschwendet werden.

Ich gehe durch das weitläufige Gelände von Rummelsberg, dem Zentrum der evangelischen Diakonie, mit zahlreichen sozialen Einrichtungen, Ausbildungsstätten und Pflegediensten. Es ist fast eine selbständige Ortschaft.

Ich komme nach Feucht, dem Tagesziel und bin über die Verbindungen zur steirischen Heimat überrascht. Einen guten Wein schätzt man eben überall.

Feucht war immer wieder Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen und seine Geschichte wiederholt sich immer wieder: aufbauen – abbrennen – aufbauen… Vom Dreißigjährigen Krieg bis zum 2. Weltkrieg.

Die evangelische Pfarrkirche St. Jakob wurde nach einem Bombentreffer 1945 rekonstruiert.

Es gibt einige historische Häuser, die die Jahrhunderte mehr oder weniger zerstört überdauert haben, wie das Rathaus, das völlig ausgebombt war.

Das Pfinzing-Schloss mit dem angeschlossenen Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum ist leider nicht zu besichtigen. Der aus Siebenbürgen stammende Oberth war der Vater der modernen Raumfahrt und Raketentechnik.

Nicht vergessen darf ich auf das Zeidelmuseum. Die Zeidler oder Imker aus Feucht lieferten mit ihrem Honig die Grundlage für den Nürnberger Lebkuchen. Sie hatten eine eigene Gerichtsbarkeit und eigene Privilegien. Der Zeidler ist mit Armbrust und Bienenkorb Teil des Feuchter Wappens.

Einquartiert habe ich mich heute in der Pension Lange am Ortsrand von Feucht.

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Tagesstrecke:  24,1 km; ↑ 199 m; ↓ 275 m

12. Tag Sonntag, 28. Juni 2020 Hohenburg – Sindlbach

Was hilft der beste Plan, wenn sich die anderen nicht daran halten. Naja, so negativ ist es nicht. Eigentlich war mein Plan heute nur 14 km bis Kastl zu gehen und morgen weiter bis nach Sindlbach. Das einzige Gasthaus hat aber Montag und Dienstag Ruhetag und so muss Plan B zur Ausführung kommen: von Hohenfels bis Sindlbach in einem Zug. Nun aber zu den Einzelheiten.

Ich bekomme ein umfangreiches Frühstück, das ich bei weitem nicht wegessen kann. Dann geht es um 7.30 Uhr los. Es hat etwa 18 Grad und der Himmel ist leicht bewölkt. Ich gehe wieder gegen den Strom der Lauterach und komme bei der Hammermühle vorbei, einem landwirtschaftlichen Betrieb, der auf Nachhaltigkeit setzt. Das Mühlrad wurde schon lange gegen eine Turbine getauscht.

Hammermühle

Die Lauterach ist auch die Heimat von Wasserfledermäusen, die unter besonderem Schutz stehen.

Jetzt steht mein Weg unter dem Zeichen der Pilgermuschel. Um es vorwegzunehmen: der Weg ist erstklassig markiert und oft ist der Grasbewuchs gemäht.

An der Mündung des Mühlhauser Bachs hat sich ein kleines Moor gebildet.  Ich gehe an der Lauterach weiter.

Nach zweieinhalb Stunden komme ich in Kastl an, das von der Burganlage auf dem Klosterberg überragt wird. Dafür bleibt mir bei meinem Vorhaben keine Zeit.

Am alten Bahnhof, heute ein Restaurant, zweigt der Weg nun aus dem Lauterachtal ab und führt in die Hügel nach Westen.

Die Wege sind zum Wandern ideal. Der Asphaltanteil hält sich in Grenzen. Lange Strecken geht es durch den Wald.

Flurkreuze wie dieses sind reich geschmückt und vergoldet.

Ich bemerke, dass hinter mir zwei flinke Wanderer nachkommen und warte, bis sie zu mir aufgeschlossen haben. Die beiden sind am Jura-Steig unterwegs und wir haben eine Zeitlang den gleichen Weg. Nach fünf Kilometern und lustigen Getratsche trennen sich unsere Wege. Auch eine Gruppe von fünf Pilgerinnen habe ich getroffen, die eine dreitägige Wanderung auf dem Jakobsweg machen.

Ich komme nach Trautmannshofen mit einer Wallfahrtskirche Maria Namen, Das Innere ist wie oft höchstes bayrisches Barock.

Hier bei Trautmannshofen verläuft auch die europäische Wasserscheide: nach Osten rinnt das Wasser in die Donau und ans Schwarze Meer, nach Westen in den Rhein und in den Atlantik.

Mitten im Wald steht dieser Bildstock.

Der Baumstamm wirkt wie ein Kletterturm.

Ich komme nach acht Stunden in Sindlbach an. Vor der Kirche steht der neubarocke Gusseisen-Brunnen mit der Figur des hl. Laurentius, der für die Weltausstellung 1878 in Paris geschaffen und 1921 hier aufgestellt wurde.

Die Dorfkirche ist dem Hl. Jakobus geweiht.

Ich komme im Gasthaus Geier unter und beziehe ein schönes Zimmer. Trotz Ruhetag bekomme ich ein gutes „Mittagessen“.

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Tagesstrecke:  36,8 km; ↑ 709 m; ↓ 619 m

11. Tag Samstag, 27. Juni 2020 Kallmünz – Hohenburg

Heute steht das umfassende Frühstück schon um 6.15 Uhr vor der Tür. Ich komme trotzdem erst um 7.30 Uhr weg, weil ich mich mit der Hausfrau noch ein bisschen vertratscht habe.

Die Burg und der Ort strahlen im Morgenlicht und laden eigentlich zu längerem Verweilen ein.

Burg Kallmünz
Kallmünz

Ich gehe jetzt entlang der Vils, vom Flusstyp der Naab sehr ähnlich. Der Jurasteig ist ein umfassendes Wegenetz in der Gegend, der viele Varianten aufweist.

Links und rechts des Tales ragen immer wieder schroffe Felsen auf. Der Weg ist vor allem auf den ersten Kilometern schön zu gehen.

Das Schloss Rohrbach war ein Hammerhaus, das dem Betreiber des Hammerwerkes gehörte. An der Vils gab es zahlreiche dieser reichen Gebäude.

Schloss Rohrbach

Die Pfarrkirche St. Pankratzen in Dietldorf steht unweit eines anderen Hammerhauses, das heute leider nicht so gut erhalten ist.

Pfarrkirche in Dietldorf
Schloss Dietldorf

Der heutige Weg führt mich um das riesige Truppenübungsgelände Hohenfels herum. Es steht unter Verwaltung der USA und wird heute von der US Army genutzt. Es ist mit einer Fläche von 160 km² einer der größten Truppenübungsplätze in Deutschland. Gegründet wurde er von der Deutschen Wehrmacht 1938. Dazu wurden 544 Anwesen und Bauernhöfe umgesiedelt und abgelöst. Seine kurze Geschichte ist sehr bewegt. Heute werden hier moderne Einsatzszenarien trainiert. Auch eine Airbase ist auf diesem Gelände.

Die Wegbeschaffenheit ist sehr variabel. Manchmal sind es Feldwege oder Wiesenwege, manchmal Schotter- oder Asphaltstraßen. Temporeduzierend ist der Umstand, dass die Walderdbeeren reif sind und ihr Rot zu verlockend ist. Gut, dass die Radfahrer viel zu schnell unterwegs sind, um sie zu entdecken.

Ich erreiche Schmidmühlen und suche vergeblich nach einem offenen Gasthaus. Es ist halt erst 10.30 Uhr. So besuche ich die Pfarrkirche St. Ägidius, die nach außen eher alt wirkt, im Inneren aber ein überraschendes Bild gibt. Sie wurde 1933 bzw. 1972 umstrukturiert, nachdem vom ursprünglichen Bau wenig Brauchbares übrig blieb.

St. Ägidius
Ägidiusaltar
Jakobus
Bürgerhäuser in Schmidmühlen

Meinen Weg setze ich jetzt im Tal der Lauterach fort, die für ihre Forellen bekannt sein soll.

In einem Bächlein helle.,.
Lauterach

Ob da wer wegen des Verlustes traurig ist?

Ich finde am Wegrand prachtvolle Exemplare der Türkenbundlilie (Lilium martagon L. ). Sie sind zwar eher niedrig, aber wunderschön gezeichnet.

Ich komme in Hohenburg bei recht hohen Temperaturen an und suche gleich die Pension Stauber auf.

Die Häuser am Marktplatz sind teilweise sehr stattlich und liebevoll gestaltet.

Rathaus

Vor wenigen Wochen wurden zwei unbewohnte Häuser ein Raub der Flammen. Durch das Eingreifen der Feuerwehren konnte Schlimmeres verhindert werden. 200 Jahre früher wäre von der Häuserzeile nichts übrig geblieben.

Die Pfarrkirche St. Jakobus ist ganz dem Namenspatron gewidmet. Jetzt bin ich auf dem Oberpfälzer Jakobsweg angelangt, der Teil des Weges Prag – Tillyschanz – Nürnberg Rothenburg ist.

Pfarrkirche St. Jakob
Aufnahme des Hl. Jakobus in den Himmel
Enthauptung des Hl. Jakobus

Im Eingangsbereich der Kirche befinden sich zahlreiche Zunftstangen, die bei kirchlichen Prozessionen mitgetragen werden.

Auch ich bin ein Huhn!

Mein Abendessen – voll biologisch: Schafcurrywurst mit Pommes, Salat und Bayernmilch.

Jetzt kommt der Wolkenbruch und ist schneller vorbei, als ich den Blog schreiben kann.

Route auf alpenvereinaktiv.com

Tagesstrecke:  25,8 km; ↑ 465m; ↓ 423 m

10. Tag Freitag, 26. Juni 2020 Regensburg – Kallmünz

Heute komme ich erst um 7.30 Uhr zum Frühstücken, früher geht es leider nicht. Dafür sitze ich im Garten und genieße das Vogelgezwitscher.

Kurz vor 8 Uhr geht es dann los. Ich nehme den Weg wieder durch die Innenstadt, wo ein paar Menschen und Lieferwägen unterwegs sind.

Donauhafen
Steinbrücke
Thon-Dittmer-Palais
Kohlenmarkt

Ich gehe an die sechs Kilometer in westlicher Richtung bis ich an die Stadtgrenze komme.

Prüfeninger Straße

Dort wo früher die Trabrennbahn von Regensburg war, steht heute eine große Siedlung. Die Eingangspfeiler sind als Denkmal erhalten geblieben.

Trabrennbahn

Schließlich komme ich an die Mündung der Naab in die Donau. Hier heißt es von der Donau, die mich seit Linz begleitet habe, Abschied zu nehmen. Ich folge ab hier der Naab nach Norden.

Der E8, der Jakobsweg und der Donau-Mainweg gehen nach Westen weiter.

Hier an der Naabmündung waren wichtige römische Verteidigungseinrichtungen des Limes konzentriert. Die Flüsse wurden mit leichten und wendigen Ruderbooten kontrolliert.

Ich wende mich vorerst dem Gegenhang zu und habe eine gute Aussicht.

Spätestens als ich auf Regensburg zurückschauen kann, weiß ich, dass es sich ausgezahlt hat, vom kürzesten Weg abzuweichen.

Nach ein paar Kilometern auf einer Mountainbike-Route durch kühlen Wald komme ich wieder zum Fluss zurück.

Es gibt nicht viel Auswahl: Regensburg oder Kallmünz

Der Radweg ist teilweise asphaltiert, teilweise geschottert. Außer Radfahrern begegnet man nur landwirtschaftlichen Fahrzeugen.

Das Kloster von Pielenhofen wurde nach der Säkularisierung als Schule benutzt. Die Regensburger Domspatzen hatten hier ihre Ausbildungsstätte.

Dieses alte Haus mit seinem schönen Schmuck hat mir sehr gut gefallen. Nur mit den römischen Zahlen hat man sich ein wenig schwer getan.

Nach einer Flussbiegung sehe ich die Burgruine von Kallmünz vor mir. Es kann nicht mehr weit sein.

Bei Kallmünz fließen Naab und Vils zusammen.

Ich lerne gerne neue Speisen kennen, heute gibt’s „Bauchstecherle“ mit Zwiebeln und Speck. Dazu einen „Roten Löwen“.

Heute übernachte ich in der Pension Weigert.

Nach einer Erholungspause mache ich mich auf den Weg in den Ort, der auch auf eine lange Geschichte zurückblicken kann. Die Burgruine stammt aus der Zeit um 1250. Im malerischen Ort gibt es viele originelle Häuser, die sich an den Berg schmiegen. Die steinerne Brücke (um 1550) wurde 1945 von der Deutschen Wehrmacht gesprengt.

Steinerne Brücke in Kollmünz
Raitenbucher Schloss in Kallmünz

Das „Haus ohne Dach“ ist eine kleine Höhlenwohnung mitten in der Stadt.

Der deutsche Landschaftsmaler Palmié entdeckte 1901 Kallmünz und gilt als der Begründer der dortigen Künstlerkolonie. Er gestaltet gleich den Gasthof, in dem er wohnte und nannte ihn „Zur roten Amsel“, wie er heute noch heißt. Viele namhafte Künstler arbeiteten hier bis heute. Einer der bekanntesten war Wassily Kandinsky, der hier 1903 wirkte. Ich hatte das Glück, einige seiner Werke (Ölbilder und Graphiken) vor Ort zu sehen.

Route auf alpenvereinaktiv.com

Tagesstrecke:  30,5 km; ↑ 384 m; ↓ 376 m