Archiv für den Monat: Juli 2020

Resumé über „VIA COLONIENSIS von Graz – Köln 2. Teil“ von Schlögen /OÖ nach Speyer 615 km

Mit der Zusammenfassung des 2. Abschnitts meines Wegs von Graz nach Köln, der mich von Schlögen in Oberösterreich über Passau, Regensburg, Hohenburg, Feucht, Rothenburg nach Speyer führte, möchte ich Pilgern, die einen „Ausweg aus der Coronakrise“ suchen, schöne Alternativen aufzeigen. Zuerst ist der Donauweg mein Begleiter, dann Teile des Jurasteigs und schließlich der Jakobsweg Prag – Rothenburg – Speyer.

Anreise und Rückfahrt:
Die Anreise war für mich vollkommen unproblematisch: Mit der Bahn von Graz nach Linz und von dort mit dem Bus 670 bis zur Ausstiegsstelle Schlögen, Abzw. Inzell. Ich kam um 12.00 Uhr an und hatte genug Zeit für die erste Etappe.
Die Rückreise von Speyer nach Graz gestaltetete sich etwas langwieriger: Speyer – Mannheim – Augsburg – Salzburg – Graz waren die Stationen mit immer nur wenigen Minuten Zeit zum Umsteigen. Dass sich das immer ausging, war ein Wunder.
Bei 10:15 Stunden Fahrzeit hat man viel Zeit für eine Rückschau.

Ankunft in Schlögen/OÖ
Abfahrt in Speyer

Der Weg:
Die Abschnitte mit den großen Höhendifferenzen sind vorbei. Nur an den ersten drei Tagen bis Passau gab es noch nennenswerte Unterschiede. Der Donauweg führt mit Ausnahme von lokalen Steigungen eben dahin; ebenso meine Variante von Regensburg nach Hohenburg. Ab Hohenburg bietet die Landschaft über sanfte Hügel ein ständiges Auf und Ab.

Ich war überrascht, wieviele Schotterwege und Wiesenpfade auf dem Weg zu finden waren. Auch viele Radwege sind noch nicht asphaltiert. Größere, verkehrsreiche Straßen waren die Ausnahme und wenn, ging es meist am begleitenden Radweg dahin.

Für meine Wegplanung habe ich die großen Routen, den Donauweg, den Jurasteig und die Jakobswege Tillyschanz – Rothenburg und Rothenburg – Speyer zum Vorbild genommen und nach meinen Ideen adaptiert. Auch noch unterwegs habe ich Korrekturen an der Planung vorgenommen.

Meine geplanten Routen habe ich lokal am Smartphone gespeichert und kann sie mir auf der ebenfalls lokal gespeicherte Karten von Osmand anzeigen lassen. Damit habe ich mehr Sicherheit und Freiheit zur Umplanung unterwegs.

Die Markierungen auf dem Weg waren ausgezeichnet und eindeutig. Oft waren die Wege auch gemäht oder freigeschnitten. Erst im letzten Abschnitt fehlte öfters die Jakobsmuschel als Markierung, weil viele andere Parallelwege markiert waren.

Unterkunft und Verpflegung:
Im Anhang gibt es auch eine Unterkunftsliste. Pilgerherbergen im üblichen Sinne habe ich keine gefunden. Ich übernachtete vor allem in Gasthöfen, Pensionen und selten in Privatquartieren. Stellenweise ist es nicht einfach, ein geeignetes Quartier in entsprechender Entfernung zu finden. So habe ich auch den „vorgegebenen “ Jakobsweg nach links oder rechts verlassen müssen. Ich bekam mehrfach ganze Ferienwohnungen für mich allein zur Benutzung.


Ruhetage in den Quartieren lassen es ratsam erscheinen, sich vorher telefonisch zu erkundigen. Ich habe im Notfall auch bei den Gemeindeämtern nachgefragt, ob es eine Unterkunftsmöglichkeit gibt und bin immer bestens beraten worden. Auch an Wochenenden kann es an neuralgischen Punkten (Radwege) zu Quartierproblemen kommen. Die Relation von Preis und Qualität stimmt nicht immer – das betrifft sowohl das Essen als auch die Quartiere.

Frühstück in Weihenzell
Mittagessen in Straubing
Brotzeit in Gaishofen

Viele Quartiere bieten kein Frühstück an (auch Corona bedingt). Dann bin ich in die nächste Bäckerei ausgewichen, was auch einmal 15 km gedauert hat. Die Möglichkeit zum Abendessen war fast immer gegeben.
Da der Weg erstaunlich oft weit von Ortschaften entfernt vorbeiführt, sollte man sich rechtzeitig um notwendige Einkäufe kümmern. Unterwegs kann es auch längere Strecken ohne Infrastruktur geben.

Natur und Kultur:
Ich war überrascht wieviel ruhige Natur mir auf dieser Route geboten wurde. Viele Wildbeobachtungen, lautes Vogelgezitscher oder die Rufe der Milane begleiteten mich. Auch die großen Wälder der bayrischen Bundesforste hatte ich nicht erwartet.


Die vielen kulturellen Highlights auf der Route kann man gar nicht alle wahrnehmen, sonst wäre man Jahre unterwegs. Passau, Regensburg, Rothenburg und Speyer sprechen für sich.

Aber auch viele kleine Orte konnten mit Großartigem aufwarten. Durch die Coronakrise waren natürlich nur wenige Touristen unterwegs, was besonders in Rothenburg krass auffiel, war ich doch erst im August 2019 dort, da sah es ganz anders aus.

Statistik:
An den 24 Gehtagen habe ich mehr als 640 km zurückgelegt, für die Statistik bleiben nach Abzug der Stadtbesichtigungen und diverser „Ehrenrunden“ 615 km übrig. Dabei fielen etwa 4820 Bergauf- und 5000 Bergab- Höhenmeter an. Die Tagesstrecken lagen zwischen 14 und 37 km.

Alle Angaben bezüglich der Quartiere und Distanzen sind ohne Gewähr. Es liegt in der Eigenverantwortung des Benutzers, sich von der Richtigkeit zu überzeugen.

Meine Quartierliste von Schlögen nach Speyer: in PDF

Meine Tagesstrecken: in PDF

Zum Beginn: Via Coloniensis 1. Teil

Zum Beginn: Via Coloniensis 2. Teil

Zum Beginn: Via Coloniensis 3. Teil

Samstag, 11. Juli 2020 Rückreise Speyer – Graz

Heute gibt es nur eine kleine Draufgabe, der Vollständigkeit halber.

Gestern habe ich meine Ankunft mit einem Salat mit Garnelenspießen in einem Biergarten ausklingen lassen. Danach bin ich noch ein bisschen am Rheinweg geschlendert.

Die Nacht war sehr ruhig, obwohl sehr viele Familien im Haus sind. Um 7.30 Uhr gibt es Frühstück und um 8.00 Uhr gehe ich aus dem Haus. Der Biergarten sieht bei dem Licht noch viel besser aus als gestern Abend.

Unweit des Domes gibt es eine Skulpturengruppe aus Stein, die die Salierkaiser darstellt. Sie entstand in einer Zeit, in der man seine Stellung auf die Ahnen berufen hat, die sich ohnehin nicht wehren konnten.

Nochmals sehe ich den Dom in seiner Schlichtheit und Schönheit. Nochmals gehe ich hinein, dankbar, dass ich diesen Wegabschnitt gesund und unfallfrei hinter mich gebracht habe.

Dann mache ich mich auf den Weg zum kleinen Bahnhof von Speyer. Die nächsten 10:15 Stunden werde ich in der Bahn verbringen: Speyer – Mannheim – Augsburg – Salzburg – Graz sind meine Stationen. Zum Wechseln der Züge bleiben immer nur ein paar Minuten, aber es klappt bis zum Schluss. Auch der Zug in Salzburg wartet auf mich.

Jetzt bin ich schon froh, wieder nach Hause zu kommen. Weggehen ist schön – heimkommen nicht minder.

24. Tag Freitag, 10. Juli 2020 St. Leon-Rot – Speyer

Ich sitze schon um 6:30 Uhr beim Frühstück im naheliegenden Café. So bin ich bereits um 7 Uhr startbereit. Als ich bei der Schule vorbeikomme, denke ich an meine Kolleginnen und Kollegen und an die Schülerinnen und Schüler, die heute ihren letzten Schultag haben. Schöne Ferien!

Diese Gegend soll das Spargelparadies sein, jetzt ist die Saison aber schon vorbei.

Eigentlich sollte die Brücke mit dem Kran eine Unterführung der Autobahn A5 sein. Durch die Bauarbeiten ist sie aber gesperrt. Glücklicherweise ist der Umweg zur nächsten Unterführung nicht weit.

853 wird erstmals ein Kanonikerstift namens St. Leon erwähnt (Patron: Leo der Große, Papst von 440 bis 461). Angeblich sei auch Papst Leo IX hier gewesen, um die Kirche zu weihen. Dieses Kirchengebäude wurde erst 1955 errichtet.

Das Rathaus von Reilingen, einem kleinen Dorf am Weg. Es herrscht so richtig Dorfidylle in diesem langgezogenen Ort.

Auf Abstände legt man in Zeiten von Corona größten Wert. Maximal zwei Kunden im Laden, die anderen warten mit Abstand und Anstand davor.

Vor einer Dorfbäckerei

Der St. Leoner See entstand durch die Schotterentnahme für das nahe Autobahnkreuz A5/A6 und ist heute eine begehrte Freizeiteinrichtung.

Vor Neulußheim kreuze ich die Rheinbahn. Die neue Bahnüberführung für Fußgänger zeigt das Verbindende. Sie wurde vom deutschen, international bekannten Architekten und Bildhauer Gottfried Böhm entworfen.

Nun komme ich in das Überschwemmungsgebiet des Rheins, das als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist.

Die B39 verläuft auf dem Damm links. Nichts ist vom Fluss zu sehen.

Wieder gibt es eine Baustelle. Aber jetzt wird die Fahrbahn zum Gehsteig. Zumindest so lange kein Bus kommt. Und die Fahrräder haben auch genügend Platz.

Dann sehe ich den Rhein und die Kathedrale von Speyer, auch Kaiser- und Mariendom genannt, gleichzeitig.

RHENUM TRANSISSE SUM – oder so ähnlich. Ich habe den Rhein überquert und bin in Rheinland-Pfalz angekommen. Auf Wiedersehen Baden-Württemberg!

Gleich nach der Rheinbrücke ist meine Unterkunft, wo ich den Rucksack loswerde und ich unbeschwert (im wahrsten Sinne des Wortes) in die Stadt gehen kann.

Der Speyerer Dom ist die größte romanische Kirche der Welt. Der salische König und spätere Kaiser Konrad II. ließ vermutlich 1025 den Bau mit dem Ziel beginnen, die größte Kirche des Abendlands zu errichten. 1061 wurde der erste Bau eingeweiht, der aber gleich wieder erweitert wurde. Die Krypta blieb seit damals fast unberührt.

Dom zu Speyer
Dom zu Speyer Neoromanische Westfront

Das Innere ist in seiner Schlichtheit, aber Größe beeindruckend.

In der Krypta wurden viele deutsche Kaiser, unter anderem Rudolf I. von Habsburg, bestattet. Die Halle der Krypta ist die größte aus dieser Zeit.

Rudolf von Habsburg, Grab
Rudolf von Habsburg, Grabplatte um 1285

Im Narthex beim Hauptportal stehen Skulpturen deutscher Kaiser, die um 1900 in Wien angefertigt wurden.

Hauptportal von Toni Schneider-Manzell, Salzburg, 8,14m x 3,50m, 6 t
Rudolf von Habsburg
Rudolf von Habsburg noch einmal

Dann fange ich an, die Umgebung des Doms zu erkunden.

Der Domnapf ist eine große steinerne Schale vor dem Kaiserdom. Er soll gemäß der Überlieferung nach jeder Neuwahl eines Bischofs „für das gesamte Volk“ mit Wein gefüllt werden. Der Napf fasst 1580 Liter. Er war aber auch Grenze zwischen weltlicher und geistlicher Gerichtsbarkeit in der Stadt.

Domnapf
Maximilianstraße
Stadthaus
Jakobus und Gerhardus
Am Ziel

Das Altpörtel war das westliche Stadttor. Mit einer Höhe von 55 Metern ist es eines der höchsten und bedeutendsten Stadttore Deutschlands. Es wurde im Jahr 1176 erstmals urkundlich erwähnt und war einer von 68 Mauer- und Tortürmen der Stadtbefestigung der Freien Reichsstadt Speyer.

Altpörtel

Natürlich gäbe es noch viel zu berichten, aber vielleicht ein anderes Mal.

Ich habe in der Jugendherberge eingecheckt, die teilweise gerade renoviert wird und viel Komfort hat. Sie liegt direkt am Rheinufer.

Warum ist es am Rhein so schön…

Tagesstrecke:   20,9 km; ↑ 17 m; ↓ 23 m

23. Tag Donnerstag, 09. Juli 2020 Steinsfurt – St. Leon-Rot

In der Früh vertratsche ich mich mit meiner Gastgeberin und komme erst vor 8 Uhr aus dem Haus. Es ist heute etwas schwül. Ich gehe wieder am Auto-Technik Museum vorbei und komme in die Innenstadt von Sinsheim. Das moderne Gemeindezentrum mit Rathaus, Veranstaltungszentrum und Bücherei scheint gut gelungen.

Rathaus Sinsheim

In der Innenstadt treffe ich auf die nette Skulptur „Sinsemer Wetzstoispucker“.

„Sinsemer Wetzstoispucker“

Das Museum zeigt, wie die Häuser früher ausgesehen haben. In der Hauptstraße sieht es aus wie überall.

Museum Sinsheim
Hauptstraße in Sinsheim

Die Jakobskirche, ein Bau aus den 1960ern, hätte mich von innen interessiert. Leider geschlossen!

St. Jakobus

Dann geht es auf Radwegen weiter nach Eichtersheim, wo in einem englischen Landschaftspark das Wasserschloss Eichtersheim steht. Es wurde im 16. Jahrhundert von den Herren von Venningen errichtet. Auch die Schlosskirche Eichtersheim aus dem 18. Jhdt. liegt gleich daneben. Im ehemaligen Renthaus des Schlosses wurde der Revolutionär des Badischen Aufstandes von 1848, Friedrich Karl Franz Hecker, geboren.

Schlosspark Eichtersheim
Schloss Eichtersheim
Schlosskirche
Heckerhaus

Hervorzuheben ist noch der alte Gutshof aus dem Jahr 1768, in dem ein Seniorenstift untergebracht ist, geschmückt vom Wappen der Venningen-Hutten. Mir hat das alte schmiedeeiserne Tor besonders gefallen.

Gutshof

Ein Stück gehe ich dem Waldangelsbach entlang und wechsle dann über einen waldigen Hügel in das Hengstbachtal.  Die kath. Pfarrkirche St. Nikolaus wurde im 19. Jhdt. im Stil des Klassizismus errichtet und ist innen und außen sehr einfach und schlicht gehalten.

St. Nikolaus
St. Nikolaus
St. Jakob, St. Maria, St. Nikolaus

In der Zwischenzeit ist die Temperatur gestiegen. Ein bisschen Direktsonne muss man einberechnen, aber der 30er stimmt sicher.

Malsch

Nach dem Weinbauort Malsch geht es direttissima zwischen den Weinstöcken hinauf auf den Letzenberg (274 m). Neben einer grandiosen Aussicht bis zum Schwarzwald und ins Rheintal gibt es hier auch die Wallfahrtskirche Letzenberg. Der heutige Bau entstand 1901 – 1905 und wurde im Stil der Neoromanik ausgeführt. Die Pläne gewannen bei der Bauausstellung 1900 in Dresden eine Goldmedaille. Die Kirche ist nur am Wochenende offen.

Wallfahrtskapelle „Sieben Schmerzen Mariens“

Ich mache im Schatten der Bäume eine längere Rast und komme mit Benedikt, einem anderen Besucher, in ein nettes Gespräch. Die Zeit vergeht wie im Fluge. Dann marschiere ich auf der anderen Seite des Letzenbergs hinunter nach Malschenberg.

Hauptstraße in Malschenberg

Jetzt durchquere ich den Bruchwald um den Kahlbach, habe noch eine „Steigung“ bei der Bahnlinie zu überwinden und komme nach St. Leon-Rot.

„Bruch“
Einfahrt nach Rot

Im Ortsteil Rot nächtige ich im Gasthaus Sonne, das auch Fremdenzimmer hat.

Gasthof Sonne

Tagesstrecke:   27,8 km; ↑ 264m; ↓ 343 m

22. Tag Mittwoch, 08. Juli 2020 Bad Wimpfen  – Steinsfurt

Heute am Morgen ist es recht kühl. Da ich beim benachbarten Cafe im Freien sitzen will, ziehe ich mir erstmals die Fleecejacke an. Und das ist eine richtige Entscheidung. Um 7. 15 Uhr bin ich bereit loszugehen. Ich lasse die  bunten Häuser der Altstadt auf mich wirken und komme zu einer Stelle mit schönem Ausblick auf das Neckartal.

Dann geht es durch Felder und Wälder nach Westen, während der Neckar vorerst nach Norden fließt.

Nach einer langen Strecke durch Wälder komme ich nach Bad Rappenau, das für die medizinischen Anwendungen von Sole bekannt ist. Die Anlagen muten wie aus dem Museum an, sind aber teilweise seit über 140 Jahre in Betrieb. 1822 wurde die erste Bohrung in die Salzlager in 200 m vorgenommen. Mit dem Tretrad hat man das Bohrgestänge gewechselt und in den Pumphäusern stehen die Pumpen, die die Sole heben. Wasser wird in die Tiefe gepumpt, wo es sich mit Kochsalz auf 27 % Salzgehalt anreichert und dann zu den Kureinrichtungen weitergeleitet wird.

Auf dem Platz vor der Kirche und dem Rathaus werden an ein paar Ständen Obst, Gemüse und Käse verkauft.

Die Wandgestaltung dieses Privathauses möchte ich euch nicht vorenthalten.

Jetzt beginnt eine Schlössertour, wobei meine Recherchen ergeben, dass mehrere von ihnen der gleichen Sippe, Gemmingen-Hornberg, gehören (gehörten). Das Wasserschloss in Bad Rappenau war zwischenzeitlich Rathaus und ist jetzt Ausstellungs- und Veranstaltungsort.

Das Schloss Babstadt wurde um 1900 anstelle eines Vorgängerbauwerks erbaut und zählt damit zu den jüngsten Schlössern des Landkreises. Heute dient es den Nachfahren der Familie als Wohnsitz.

Wer traut sich da hinein?

Das Schloss Grombach ist eine ehemalige Wasserburg aus dem 13. Jahrhundert. Die Freiherren von Gemmingen waren die letzten Besitzer und ein Nachfahre der Familie nimmt sich der Anlage jetzt an. Auf der Straße treffe ich einen älteren Herren (noch älter als ich), der Verwandtschaft in der Steiermark hat und es dauert länger, bis ich weiter komme.

Auch das Schloss Neuhaus bleibt in der Familie. Es ist schön renoviert und dient heute als exklusiver Veranstaltungsort für Hochzeiten, Geburtstage und anderes mehr. Nicht weniger als fünfundzwanzig Schlafräume unterschiedlichster Größe können angeboten werden, wie mir ein Angestellter berichtet. Und für 13.000 Euro für’s Wochenende inklusive Personal ist man mit dabei.

Ich komme nach Steinsfurt, wo ich auch nächtigen werde. Hier wurde Friedrich der Große von den Leuten seines Vaters erwischt, als er das Land nach Frankreich verlassen wollte, um dem strengen Vater zu entkommen. Heute steht hier sein Denkmal.

Zuerst evangelische Kirche, dann Gasthaus und zum Abschluss Kino!

Eine Replica eine Jupitergigantensäule im Ortszentrum erinnert an die Funde, die man unweit von hier gemacht hat. Die Originale sind im Museum.

Ich habe heute noch nicht genug und besuche das Technik-Museum Sinsheim, das nur zwei Kilometer entfernt ist. In einer großen Schau findet man alles, was sich auf zwei, vier oder mehr Rädern bewegt oder in der Luft fliegt.

Ich nächtige heute in der Pension Fröhlich am Ortsrand von Steinsfurt.

Tagesstrecke:   22,2 km; ↑ 153 m; ↓ 154 m und 4 km Museumsbesuch

21. Tag Dienstag, 07. Juli 2020 Widdern – Bad Wimpfen

Frühstück im Café des Hauses und ich schaffe es, vor 7 Uhr auf dem Weg zu sein. Noch im Ort führt der Weg auf den nächsten Hügel – Berg darf man dazu nicht sagen – und ich gehe unter der Jagsttalbrücke durch. Sie liegt heute so schön in der Sonne, dass ich sie nochmals zeigen muss.

Was versteckt sich da im Schatten?

Eine der seltensten alten Obstsorten kommt mir da in die Quere: ein Speierling, ein Verwandter der Mehlbeere. Sein Holz ist das schwerste aller Laubhölzer in Europa und die Früchte wurden früher verarbeitet.

Speierling (Sorbus domestica L.)

Da wird viel Wert auf Historie gelegt.

Möckmühl, ein Ort mit einem schönen Kern wird teilweise von einer Mauer umschlossen. Alte Fachwerkhäuser sind gut gepflegt und das Rathaus ist sehenswert.

Wehrmauer
Museum
Rathaus

Wieder kürze ich den Weg entlang der Jagst ab. Der Radweg führt weitläufig entlang des Flusses, der Pilgerweg schneidet über die Hügel die Windungen ab.

Von weitem fällt mir eine Kirche weit weg vom Dorf auf. Sie entpuppt sich als ein wahres Kleinod. Der ursprünglich romanische Bau der Kirche St. Gangolf um 1260 wurde um 1360 erneuert. An den Patron der Reiter erinnern die Hufeisen an den Türen. Das älteste soll aus dem 15. Jhdt. stammen.

In der Pfarrkirche von Neudenau finde ich auch seine Darstellung. Aber zuvor muss ich erst hinauf.

Fachwerkhäuser in Neudenau

Der Wehrturm der Ruine Heriboldesburg ist das Wahrzeichen des Ortes.

Ich komme auf den Bergrücken über dem Ort und werde mit einem schönen Ausblick belohnt.

Das Kohlekraftwerk von Heilbronn ist weithin zu sehen. Von den ursprünglich sieben Blöcken ist nur mehr einer in Betrieb.

Kohlekraftwerk Heilbronn

Ich gehe heute wieder auf der Route der „Hohen Straße“, die schon bei den Kelten große Bedeutung hatte. Der Weg war nicht befestigt wie bei den Römern, sondern ein freier Streifen, wo sich der Verkehr je nach Bedarf abspielte.

Hohe Straße

Ich komme an ein neues Flusssystem. Ich überquere den Neckar und gehe noch zur Stelle, wo die Jagst in den Neckar mündet. Im nächsten Moment zieht ein Frachter vorbei.

Neckar
Jagstmündung

Inmitten eines ehemaligen Römerkastells in Wimpfen im Tale entstand im 7. Jhdt. ein Kloster, aus dem die Kirche St. Peter hervorging. In der 2. Hälfte des 13. Jhdt. wurde der ursprünglich romanische Bau erneuert und gilt als bedeutender Bau der Frühgotik in Deutschland.

Nun steige ich nach Bad Wimpfen auf, das geschützt über dem Neckar liegt und gut befestigt war. Hier hatten die die deutschen Kaiser eine Pfalz eingerichtet. Um das Jahr 1200 datieren die meisten der heute noch erhaltenen Bauten der Kaiserpfalz. Um das Jahr 1200 datieren die meisten der heute noch erhaltenen Bauten der Kaiserpfalz. Dazu gehört auch das Wahrzeichen der Stadt, der 58 Meter hohe Blaue Turm, der zur Zeit leider eingerüstet ist.

Roter Turm
Schwippbogentor
Kaiserpfalz

Die evangelische Stadtkirche wurde ab dem 13. Jahrhundert im romanischen Stil erbaut und um 1520 als spätgotische Hallenkirche vollendet.

Stadtkirche

Zum Abendessen wird es lokal: schwäbische Maultaschen mit Tomatensauce, Zwiebel und Käse. Too much!

Heute schlafe ich in einem Fachwerkhaus: die Pension Anno & Dato liegt mitten in der Altstadt. Im Parterre ist ein Antiquitätenladen untergebracht, ich schlafe im 1. Stock.

Tagesstrecke:   33,0 km; ↑ 507 m; ↓ 498 m

20. Tag Montag, 06. Juli 2020 Klepsau – Widdern

In der Nacht ist eine kleine Störung über uns hinweggezogen und hat eine Spur von Regen hinterlassen. In der Früh hat es 19 Grad und der Westwind kühlt weiter ab. Zum Wandern sind die Bedingungen gut.

Weinberge bei Klepsau

Ich überquere die Jagst und scheide den nächsten Bogen über die Hochfläche ab. Die Wege sind meist von alten Obstbäumen gesäumt.

Jagst

In dieser Gegend begegne ich öfters alten Steinmarterln, die aufwendig gestaltet sind. Auch dieser alte Meilenstein weckt mein Interesse.

Meilenstein

Die Heiligenkreuzkapelle bei Marlach liegt so versteckt, dass sie während des 30-jährigen Krieges verschont blieb, während ihre Mutterkirche mit dem Dorf niedergebrannt wurde. Das Nothelfer-Bild hat es mir besonders angetan.

Heiligkreuzkapelle bei Altdorf
14 Nothelfer

In der neuen Kirche von Marlach verwendet man den schönen barocken Beichtstuhl zur Präsentation einer Krippe.

Marlach

Das Bild berichtet von einem Pilger der nach Santiago gezogen, aber dort verstorben ist.

Pilger-Himmelfahrt

Ich komme wieder an die Jagsttalbahn, die ab hier nicht abgetragen wurde und deren Gleise unter Brennnesseln, Gebüsch oder Bäumen verborgen sind.

Brücke bei Winzenhofen
Schienenreste

Am Wegrand: Die ersten Kriecherln werden reif und schmecken schon süß.

Kornblume (Cyanus segetum HILL)
Wilde Malve (Malva sylvestris L.)

Neusaß gilt als die Keimzelle des Klosters Schöntal. Nach der Überlieferung soll in Neusaß bereits um das Jahr 1152 mit dem Bau eines Klosters begonnen worden sein. Das Land dazu hat dazu Wolfram von Bebenburg dem Kaiser Friedrich I. als Dank für seine glückliche Heimkehr vom zweiten Kreuzzug (1147-1149) zur Klostergründung durch die Mönche von Maulbronn gestiftet.

Neusaß

1175 wurde das Kloster dann in das „Schöne Tal“ verlegt, wo die Zisterzienser die Abtei aufbauten. Nach vielen Wirren des 30-jährigen Krieges wurde das Kloster um 1710 im Barockstil neu konzipiert.

Kloster Schöntal
Ehemaliges Stiftsgebäude, heute Bildungshaus
Eingangsfassade
Kuppel
Hochaltar

Der verantwortliche Abt war Benedikt Knittel, der an allen Stellen Verse in Latein oder Deutsch hinterlassen hat: die bekannten Knittel-Verse!

Knittelverse unten

Ich komme nach Berlichingen. Das gesamte Gebiet gehörte zum Einflussbereich der Berlichinger. Ob der bekannte Götz in Berlichingen oder in Jagsthausen geboren wurde, steht nicht fest. Der Bahnhof ist einer der wenigen verbliebenen der Jagsttalbahn.

Bahnhof Berlichingen

Bei Jagsthausen werde ich schon von weitem durch das Weiße Schloss über der Jagst begrüßt.

Weißes Schloss
Weißes Schloss

Das Rote Schloss steht im Ortszentrum. Gleich daneben gehen die Burgfestspiele Jagsthausen in Szene, die immer einen Bezug auf Götz, den Ritter mit der eisernen Hand, haben.

Rotes Schloss

Über einen versteckten Weingartenpfad nähere ich mich Widdern, meinem heutigen Etappenziel. Der Ort scheint fast unter der Autobahnbrücke A81 zu liegen, die über 80m hoch ist.

Weingartenweg von Olnhausen nach Widdern
Jagsttalbrücke

Ich mache eine Runde durchs Dorf, die eher klein ausfällt. In der evangelischen Kirche finde ich ein paar interessante Epitaphe. Auch das schön renovierte Bürgerhaus gefällt mir.

Ich bin im Bäckerei-Café Reinert untergebracht.

Tagesstrecke:   30,9 km; ↑ 330 m; ↓ 387 m

19. Tag Sonntag, 05. Juli 2020 Herrentierbach – Klepsau

Heute bin ich wieder sehr früh dran. Da es vor Ort keine Möglichkeit zum Frühstücken gibt, bin ich um 6 Uhr aus dem Haus. Es ist gerade noch angenehm kühl, der Westwind hält sich in Grenzen.

Der Weg schlängelt sich über die Hochebene. Das frühe Unterwegssein hat auch den Vorteil, dass ich viel mehr Tiere sehe als sonst. Ein Rehkitz springt wenige Meter vor mir aus dem Acker und flüchtet in den Wald. Auch andere Rehe, Hasen und sogar ein Fuchs sind kurz zu beobachten.

Nahe Herrentierbach

Dann führt der Weg hinab ins Tal der Jagst, wo ich bei Heimhausen den Fluss überquere.

Heimhausen
Jagstbrücke

Zeitweise hat sich der Fluss eng an den Berg heran gearbeitet, sodass nur wenig Platz für den Weg bleibt.

Ich komme zur kleinen katholischen Kirche St. Anna, die sich in einem Winkel versteckt. Dort treffe ich eine Frau, die genauer über die Verhältnisse Bescheid weiß. Im Volksmund sagt man, dass Luther vom Berg nicht herunter gehen wollte, deshalb sind sie im Dorf im Gegensatz zu den anderen katholisch geblieben. Die Kapelle birgt einen prächtigen Altar von Riemenschneider, der die Sippe der Hl. Anna darstellt.

St. Anna
Sippenaltar der Hl. Anna

Kurz vor Dörzbach hat ein Künstler seinen Lebensablauf mit einem Steinkreis symbolisiert.

LebensZeichenStein für Manfred Rapp
LebensZeichenStein für Manfred Rapp

Ich überquere in Dörzbach wieder die Jagst und komme am Schloss Eyb vorbei, das seit Generationen in Familienbesitz ist.

Schloss Eyb
Schloss Eyb
Schloss Eyb

Ich mache eine Mittagspause im Dorfgasthaus, das von einem Griechen geführt wird. Das Personal ist knapp, das Hilfspersonal total überfordert. So dauert es halt länger. Das Essen ist ausgezeichnet und alle sind freundlich.

Gut ausgerastet gehe ich weiter und komme zum Bahnhof der stillgelegten Jagsttalbahn, Die Schmalspurbahn wurde 1901 in Betrieb genommen und verkehrte mit zwischenzeitlichen Pausen bis 1988.

Bahnhof Dörsbach
Alte Personenwagen
Schmalspur

Ab hier beginnt auch der Weinanbau, der früher viel ein größeres Ausmaß gehabt hat. Die meisten Betriebe werden im Nebenerwerb oder hobbymäßig geführt.

Weingärten in Terrassenanlage

Das Schildhäuschen erinnert an die vergangene Grenze und die zähen Verhandlungen nach 1945, die zum Entstehen von Baden-Württemberg geführt haben.

Ich komme nach Klepsau, das ist ein kleines Dorf, das auf seine Geschichte stolz ist. Neben dem Fass an der Straße steht auch ein „Corona-Tisch“.

Abstand ist sicher

Der Dorfkirche sieht man im Inneren sofort an, dass sie katholisch ist.

Kirche St. Georg

Dieses alte Bürgerhaus trägt die Jahreszahl 1701 und ist das schönste im Dorf.

Ich wohne in der Ferienwohnung- und Privatzimmervermietung Heßlinger direkt am Jakobsweg.

Tagesstrecke:  26.8 km; ↑ 341m; ↓ 560 m

18. Tag Samstag, 04. Juli 2020 Rothenburg ob der Tauber – Herrentierbach

Nach angenehmer Nacht bin ich kurz nach 7 Uhr beim Frühstück in einem Cafe nahe dem Marktplatz. Das Wetter ist wieder schön. Es gibt leichten, kühlen Wind – ideal zum Wandern. Ich starte heute mit dem nächsten Abschnitt des Jakobswegs, der sich am Verlauf der „Hohen Straße“, die in frühgeschichtlicher Zeit ein Fernverbindungsweg war, orientiert.

An der Befestigungsmauer über der Tauber

Auf einem kleinen Steig geht es hinunter in das Tal der Tauber, die eher ein müdes Bächlein ist. Vorbei am Kirchlein „Unsere liebe Frau zu Kobolzell“ komme ich zur Tauber-Doppelbrücke. Diese ursprünglich mittelalterliche Brücke (um 1330) wurde 1945 einen Tag vor der Besetzung der Stadt durch US-Truppen von der Deutschen Wehrmacht gesprengt.

Nach der Überquerung kommt man auf den Gegenhang der Tauber und hat schöne Ausblicke auf das Panorama der Stadt.

Nach kurzem Marsch durch Wald öffnet sich die Hochebene mit vielen Feldern. Grenzüberschreitung: Hier verlasse ich Bayern und wechsle nach Baden-Württemberg!

Die Windräder sind aus der Landschaft nicht mehr wegzudenken.

Die Auswahl an verschieden Wegen ist groß. Ich orientiere mich am blauen Schild mit dem gelben Muschelsymbol und der Roten Markierung für den Fernweg 8, dem Frankenweg.

Es ist Kirschenzeit. Auch die Vogelkirschen schmecken sehr gut. An die kommen auch wir Kleinen.

Ich sehe meine ersten Orchideen am Wegrand, eines der vielen Knabenkräuter. Auch eine Unzahl von Schmetterlingen begleitet mich ein Stück des Weges.

Kaisermantel (Argynnis paphia L.)

Die Feldränder sind noch nicht / nicht mehr niedergespritzt und dürfen bunt sein.

Was dieser Karpfen mitten auf dem Feldweg  wollte, wird ungeklärt bleiben. Der war mindestens 40 cm lang.

Dann geht es lange durch Wälder, immer flach, mit kerzengeraden Wegen. Erst als ich die schöne Sequoia sehe, weiß ich, dass ich mich dem nächsten Ort nähere.

Schrozberg ist der erste Ort, wenn man von ein paar Weilern mit drei Höfen absieht. Im Zentrum steht eine Schlossanlage, die für kommunale Zwecke genutzt wird.

Vor der geschlossenen Kirche wartet schon wieder ein Pilger auf mich, auch wenn er nicht gerade begeistert wirkt.

Mein Ziel nähert sich langsam. Auch wenn es dauert, bis die Kirche von Herrentierbach wirklich erreicht ist, gesehen habe ich sie schon aus vier Kilometern Entfernung.

In der Kirche komme ich mit der Mesnerin ins Gespräch, die mir ein bisschen aus der Geschichte erzählt. Besonders interessant ist der bemalte Altar, der 1683 aufgestellt wurde und Wendetafeln hat. Er lag lange Zeit in dem Lager der Kirche, bis er 1967 wieder aufgebaut wurde.

Ich residiere heute im alten Rathaus. Das ehemalige Bürgerhaus wurde zum Rathaus und nach der Zusammenlegung der Gemeinden wurde es von einer privaten Initiative „Besondere Unterkünfte in Hohenlohe-Franken“ zur Ferienwohnung umfunktioniert und restauriert. Per Anruf bekomme ich eine Mail mit Schlüsselcode und kann das Etablissement benutzen. Der Schnäppchenpreis wird am Küchentisch deponiert.

Tagesstrecke: 29,5 km; ↑ 311 m; ↓ 298m

17. Tag Freitag, 03. Juli 2020 Binzwangen – Rothenburg ob der Tauber

Ich bekomme mein Frühstück auf der Dachterrasse serviert. Das ist sicher schöner als im Zimmer. Die Gastgeberin erzählt von ihrem Dorf, das nichts als Ruhe und Beschaulichkeit zu bieten hat und vor allem von Kindern und Schülern sehr gut angenommen wird. Ich starte bei angenehm kühler Temperatur und heiterem Himmel um 8 Uhr. Heute habe ich ja nicht weit. Vor dem Gasthaus ist heute der „Corona-Tisch“ noch leer.

Die Gegend ist flach, die Hügel kaum der Rede wert. Hier darf man noch über echte Wiesenwege wandern. Gut, dass sie schon einmal gemäht worden sind, sonst hätte mich fast ein schlechtes Gewissen geplagt. Es gibt auffällig viele Flächen ohne Intensivnutzung. Dort finden sich dann viele Blütenpflanzen.

Wiesenweg vor Stettberg
Wiesenstorchschnabel (Geranium pratense L.)
Blick auf Geslau

Vor einem ehemaligen Fischteich wird der Jakobsweg umgeleitet. Ich suche mir eine Eigenversion und lese auf einer Tafel, dass ein neuer Eigentümer Probleme mit der Behörde hat.

Ehemaliger Fischteich bei der Karachmühle

Rundum zwitschern die Vögel, steigen die Lerchen in die Lüfte und der Rotmilan scheint um mich zu kreisen, obwohl ich eigentlich nicht in sein Beuteschema passe.

Rotmilan (Milvus milvus L.)

Wieder bin ich am Wasserscheideweg unterwegs.

Eine schöne Einrichtung ist, dass am Wegrand Obstbäume zum Genießen freigegeben sind. Die reifen Früchte sind entweder schon abgeerntet oder so hoch oben, dass sie für uns Kleinen unerreichbar sind. Eine nette Frau erntet gerade ihre „frühen“ Kirschen und bietet mir auch welche aus ihrem Korb an. Ich pflücke sie mir selbst vom Baum.

Dann komme ich zum „Lug ins Land“ und sehe zum ersten Mal Rothenburg.

Bis zur Stadt sind es noch vier Kilometer, doch auch das ist bald gut geschafft und ich beziehe mein Quartier gleich hinter dem Galgentor in der Rosengasse.

Im 2. Weltkrieg wurden viele Gebäude im Osten zerstört, weil Rothenburg von Bombern als Ersatzangriffsziel angeflogen wurde. Vor der Einnahme der Stadt durch die US-Truppen wurde von einer Beschießung Abstand genommen, weil der zuständige US-Kommandant von seiner Mutter gehört hatte, welches Kleinod die Stadt sei. Rothenburg und Hallstatt haben eines gemeinsam: vor Corona – „Overtourism“, vor allen durch Gäste aus Fernost und den USA, nach Corona „tote Hose“. Beides sind halt Extreme.

Ich gehe zur evangelisch-lutherischen Stadtpfarrkirche St. Jakob, die die Hauptkirche der Stadt ist. Ihre Ausstattung ist einzigartig. Hier treffe ich den Pilgerfreund vom Vorjahr wieder.

Jakobskirche

Als Pilger auf dem Jakobsweg ist der Eintritt frei. Ich freue mich über einen schönen Stempel und tratsche mit der Kassiererin, weil der Andrang an der Kasse gleich Null ist. Dann gebe ich mich dem Kunstgenuss hin.

Zwölf-Boten-Altar 1466
Maria-Krönungs-Altar
Hinter der Orgel steht der Heiligblut-Altar
Heiligblut – Altar von Tilmann Riemenschneider 1501
Johannes schläft auf dem Schoß Jesu (versteckt)
Heiligblut – Reliquie im Bergkristall

Nach einer Stärkung mit Fränkischer Bratwurst und Sauerkraut setze ich die Stadtbesichtigung fort. Es ist wie in einer Bilderbuchstadt. An jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken.

Von den Stadtmauern kann man in das Tal der Tauber sehen, aber auch die Ausdehnung der Altstadt erahnen.

Durch ein anderes Tor geht es zurück in das Zentrum.

Der von der Tauber abgewandte Teil der Stadt wird von einer langen Stadtmauer umgeben, die auf einem schmalen Brüstungsgang begangen werden kann. Bei jedem Turm gibt es einen Zugang.

Dann muss ich noch die lokale Süßspeisenspezialität verkosten: die Rothenburger Schneeballen, die es in verschiedenen Geschmacksrichtungen gibt. Nach einer 3/4 Portion bin ich voll.

Rothenburger Schneeballen

Jetzt ist es aber Zeit für eine Erholung in der Pension Becker in der Rosengasse.

Pension Becker

Tagesstrecke:  19,3 km; ↑ 119 m; ↓ 119 m