Bei so einem Frühstück und Sonnenschein kann der Tag nur gut beginnen. Wir haben die Wirtin überreden können, das Frühstück um 30 Minuten vorzuverlegen, daher sind wir schon um 8 Uhr unterwegs.
Auf den Wiesen erwarten uns Boviste und Parasole. Von den Parasolen stehen nach den feuchten Tagen hunderte in den Wäldern.
Auch heute wollen Bäche überquert werden. Diesmal geht es trockenen Fußes auf die andere Seite. Bei jedem Bach geht es steil hinunter und dann steil hinauf.
Manchmal müssen wir auch durch dichtes Gestrüpp oder über umgefallen Bäume.
Die alten Keuschlerhäuser sind sehr schön renoviert und werden weiter bewohnt.
Noch ein paar hundert Höhenmeter, dann erreichen wir den letzten Bergrücken dieses Wanderabschnittes, den Haderniggkogel (1184 m).
Jetzt geht es nur mehr bergab. Wir können die weiten Bögen der Forststraße abschschneiden, müssen aber zwischendurch Windbruchstellen umgehen.
Immer öfter haben wir eine gute Aussicht auf die Hügel der Weststeiermark.
Eine große Schafherde begleitet uns neugierig hinter dem Zaun ihrer Weide.
Der Weg bis nach Eibiswald zieht sich ein wenig. In Eibiswald zeigt ein Wegweiser wie viele Wandermöglichkeiten es hier gibt.
Wir beenden offiziell den Weg veim Weitwanderstein in Eibiswald, um dann noch beim 25. Weinlesefest auf dem Hauptplatz vorbeizuschauen. Mit einem Gläschen Schilchersturm lässt es sich gut auf den Bus warten.
Heute sieht es etwas freundlicher aus als die beiden letzten Tage. Das ist auch gut so, steht doch heute eine „Königsetappe“ ins Haus.
Wir verlassen den Hüttenwirt in Pfarrdorf um 7.40 Uhr und beginnen mit dem Aufstieg parallel zur Bundesstraße, die bei Schönwetter eine begehrte Bikerstrecke ist.
Entlang des Multererbachs steigen wir auf und hoffen wegen der nicht übermäßigen Wasserführung keine Überraschungen zu erleben.
Unsere Gruppe wartet auf mich, nachdem ich ein paar Pilze „versorgen“ musste, die mir den Weg nicht freigeben wollten.
Die Hochlandrinder hinter dem Zaun sind neugierig, die vor dem Zaun sind geflüchtet.
Schließlich hat der Multererbach doch eine Überraschung für uns parat. Bei der letzten Querung fehlen ausreichend hohe Trittsteine und die einzige Möglichkeit ist, die Schuhe auszuziehen und durchs Wasser zu waten.
Schließlich sind wir alle durch den Bach gekommen und die Füße sind auch so bei allen durch das Gras nass geworden.
Bei St. Lorenzen wird es dann heller. Nur einzelne Nebelschwaden ziehen umher. Der Blick ins das Drautal ist noch immer nicht einladend.
In der Nähe des Jaritzkogels erreichen wir mit 1445 m den höchsten Punkt der Etappe.
Die Jakobsmuschel erinnert mich, dass ich den Weg schon zweimal gegangen bin: einmal in Richtung Santiago, einmal in Richtung Rom.
Wir steigen zum Damm des Sobothstausees ab, der um 1990 errichtet wurde.
Nach dem Aufstieg zur Bundesstraße können wir ein kleines Stück des Sees sehen. Eine andere Gruppe ist auch unterwegs. Sie sind genauso durchnässt wie wir.
Bald verlassen wir wieder die Straße und gehen den Pfad durch den Wald. An manchen Stellen ist es durch den Regen sehr matschig und erfordert Konzentration.
Schließlich kommen wir im Ort Soboth an, der der Gegend den Namen gibt. Die Jakobskirche beherbergt die netteste Darstellung des Heiligen, die ich kenne.
Wir nächtigen im Gasthof Mörth – Gasthof „Deutsches Grenzland“, wo Wanderer und Pilger gerne aufgenommen werden
Nach der Anstrengung des heutige Tages sind Kalorien angesagt.
Nach dem gestrigen doch recht anstrengenden Tag haben wir ausgezeichnet geschlafen. Es hat in der Nacht weitergeregnet, jetzt aber hoffen wir auf Besserung.
Heute sehen wir die Burgruine Rabenstein etwas besser.
Den Weg teilen wir uns ein Stück lang mit dem entgegenkommenden Wasser. Wir müssen ein Stück zurück gehen, um wieder zum Hauptweg zu gelangen.
Die Strecke ist ausgezeichnet markiert, trotzdem warten wir in der Gruppe immer zusammen, damit Blickkontakt herrscht.
Als wir aus dem Wald kommen, ist der Himmel immer noch wolkenverhangen und das Gras nass. Eine Herde von kleinen Pferden nähert sich uns neugierig.
An einer markanten Stelle steht die Kapelle „Waldegger Kreuz“, die frisch renoviert ist und in zwei Tagen wieder eröffnet wird.
Von hier haben wir zum ersten Mal einen Blick auf das Drau- und das Lavanttal mit der Stadt Lavamünd.
Die Tafel des 06-er Weges gibt die Route von Wien – Mariazell – Graz nach Klagenfurt an. Daneben sind noch der Lavanttaler Höhenweg und der Benediktweg ausgeschildert.
Beim Draukkraftwerk Lavamünd sind drei von vier Wehrfeldern offen. Da zeigt sich schon, wieviel es in den letzten Tagen geregnet hat.
Wir gehen auf dem Rad-/Wanderweg entlang der Drau am Ortszentrum von Lavamünd vorbei und kommen zur Mündung der braunen, lehmigen Lavant in die eher graue Drau. Das Wasser wird sich erst viel später vollständig durchmischen.
Dort steht auch ein Denkmal, wo der Gefallenen des Kärntner Abwehrkampfes 1918/19 gedacht wird.
Die Pfarrkirche von Lavamünd befindet sich etwas außerhalb des Ortes in Pfarrdorf. Sie wurde schon 1193 erwähnt.
Wir übernachten beim Hüttenwirt, einem Gasthaus mit viel Tradition.
Hier treffen alle Wege zusammen. Schon zwei Mal kam ich auf meinen Wanderungen hier vorbei. Das erste Mal 2014 auf dem Jakobsweg nach Santiago, das zweite Mal 2018 auf dem Weg nach Rom.
So ist es: Wir haben das Ziel des heutigen Tages erreicht!
Eine schöne Wanderung fängt mit einer angenehmen Anreise an.
Taggleich vor acht Jahren, am 3. Oktober 2016, bin ich von hier zum 1. Caminho Português aufgebrochen.
Vom Bahnhof Graz-Murpark geht es mit der S-Bahn zum Grazer Hauptbahnhof. Dort treffe ich mit den TeilmehmerInnen unserer Gruppe zusammen und wir fahren mit dem ÖBB – Bus über die Südautobahn nach Wolfsberg/Kärnten. Weil wir ein paar Minuten vor Fahrplan ankommen, erreichen wir auch den Anschlussbus nach Griffen und müssen nicht eine Stunde warten. So kommen wir schon um 7.15 Uhr in Griffen an.
Jetzt treffen wir noch auf die letzten beiden Mitglieder unserer neunköpfigen Gruppe.
Am Hauptplatz von Griffen ist noch nicht viel los, wahrscheinlich später auch nicht
Der Hauptplatz wird auf einer Seite von einem torartigen Gebäude abgeschlossen.
In Griffen wurde auch der Literaturnobelpreisträger Peter Handke geboren.
Wir ziehen nach Südwesten los und erklimmen gleich den ersten Bergrücken, den Limberg und kommen von 480 m auf 650 m. Gleich danach geht es durch ein kleines Windwurfgebiet mit kreuz und querliegenden Bäumen hinunter in dem Kollmanngraben.
Unterwegs treffen wir auf zahlreiche Feuersalamander, die das feuchte Wetter zu schätzen wissen und auf ein paar prächtige Fliegenpilze.
Noch haben wir trockenes Wetter und können den Ausblick genießen.
Der Weitwandererchef Gert bei der Arbeit: ein Wegweiser wird wieder richtig justiert.
Wir erreichen die Filialkirche St. Nikolaus am Windischen Weinberg, die eine schöne barocke Ausstattung hat, aber natürlich geschlossen ist.
Wir kommen wieder höher hinauf, stören kurz eine Kuh bei der Geburt eines Kalbes und lassen uns von St. Paul mit einem großen Apfel begrüßen.
Während wir im Gasthaus Kollmann bei Suppe und Bier sitzen, beginnt es zu regnen und hört erst in der Nacht wieder auf.
So starten wir, mit Regenschutz verkleidet, den zweiten Teil unserer Etappe. Es gilt jetzt die „St. Pauler Sieben Hügel-Wanderung“ zu bezwingen.Es geht auf und ab, immer auf dem Grat der Hügelkette dahin. Manchmal sind die Hänge wirklich steil abfallend.
Zum Glück hat die Wanderung gar nicht sieben Hügel und von den restlichen lassen wir auch einige aus Sicherheitsgründen aus, denn der Regen wird stärker und das Terrain immer rutschiger. Manchmal „sehen“ wir etwas von der Landschaft.
Statt auf dem Grat gehen wir entlang des Hanges weiter
Um viertel Vier ragt aus dem Wolkenmeer die Ruine Rabenstein auf. Die Burg wurde um 1100 zum Schutz des Stiftes St. Paul errichtet und verfiel nach einem Brand im 17. Jhdt.
Unter der Burg steht der Gasthof Rabensteiner, dessen Gebäude auf Burgresten errichtet wurde. Hier endet unsere schöne, aber feuchte Etappe.
Aus allen Himmelsrichtungen sind Menschen in der Vergangenheit und Gegenwart nach Mariazell zur „Magna Mater Austriae“ gepilgert. So haben sich im Laufe der Zeit Pilgerwege herauskristallisiert, die es den Menschen ermöglicht haben, in möglichst kurzer Zeit zu Fuß nach Mariazell zu gelangen. Diese Wege wurden als Weitwanderwege 06 zusammengefasst und werden von den Alpinvereinen gepflegt und gewartet.
Ein Teil dieses Wegenetzes führt von Klagenfurt – Maria Saal – Diex – Griffen – Lavamünd auf die steirische Soboth. Von dort geht er als steirischer Mariazellerweg nach Eibiswald – Deutschlandsberg – Stainz nach Graz. Nach Mariazell führen mehrere Varianten quer durch das Land.
Ich darf diesmal als Teil einer Gruppe mit dem Alpenverein Weitwandern unter der bewährten Führung von Gert Kienast von Griffen über Lavamünd bis Eibiswald wandern. Sonst eher als „Einzelgänger“ unterwegs, habe ich mich in dieser Gruppe gleich sehr wohl gefühlt.
An guatn Weg!
Link zum steierischen Mariazellerweg Graz – Eibiswald:
Leider ist dieser Abschnitt des Lutherwegs für uns zu Ende. Ich habe mir, wo auch immer, den COVID – Virus eingefangen und muss sicherheitshalber die Wanderung abbrechen.
Jetzt beginnt ein neues Abenteuer: Wie kommen wir mit der Bahn ohne längerfristige Reservierung nach Hause? Vorerst einmal gar nicht. Von Samstag bis Dienstag früh sind alle für uns möglichen Züge ausreserviert. Erst für Dienstag finden wir eine mögliche Verbindung über Wien. Da schauen wir auch nicht auf den Preis.
In Fulda, der nächsten ICE – Station, ist kein Zimmer frei – letzter Tag der Festspiele.
Wir versuchen es erfolgreich bei unserem letzten Quartier in Bad Hersfeld. So kann sich Heidrun noch ein Museum gönnen, während ich es mir im Bett gemütlich mache. Eigentlich habe ich zum Glück kaum Beschwerden.
Am Sonntag fahren wir, ausgestattet mit FFP2 – Masken, mit der Bahn nach Fulda und checken im Hotel ein. Das Zimmer ist noch nicht bezugbereit, so erkunden wir die Stadt. Es sind so wenige Menschen unterwegs, dass die Ansteckungsgefahr gleich null ist.
Am Dienstag nehmen wir zuerst den ICE nach Nürnberg.
In Fulda kommt direkt hinter unserem Zug schon unser nächster Zug, der ICE Darmstadt – Wien. Doch in Nürnberg ist von ihm lange nichts zu sehen. Wir befürchten schon das Schlimmste.
Doch dann kommt er. Der erste Zugteil bis Wien, der zweite bis Passau. Der Wiener Teil ist voll.
Ein bisschen Verspätung hat der Zug dann gut gemacht. Nachdem unser Railjet Prag – Graz auch Verspätung hat, erreichen wir ihn ohne Probleme.
In Graz kommen wir zu Hause mit einer Gesamtverspätung von 25 Minuten an. Das ist für eine Gesamtfahrzeit von 9:30 h auch nicht tragisch.
Ich hoffe, dass wir den Weg später einmal fortsetzen dürfen.
Heute verlassen wir Bad Hersfeld nach einem ausgiebigen Frühstück schon um 7.30 Uhr.
Am Linggplatz ist schon eifriges Treiben zu beobachten, die Marktfieranten bringen ihre Waren. Meist sind es Obst, Gemüse und landwirtschaftliche Produkte.
Der Weg aus der Stadt führt uns wieder an der Abteiruine vorbei.
Bad Hersfeld ist noch Kurort, obwohl 2023 die Kureinrichtungen wegen zu hoher Kosten geschlossen wurden. Für die beiden Heilquellen, die Lullusquelle und die Vitalisquelle, wurde ein kleiner Trinkpavillion errichtet. Die Lullusquelle ist eine Glaubersalzquelle. Ein Zuviel könnte stark „beschleunigende“ Wirkung haben.
Die Anlagen der ehemaligen Kuranstalt sind derzeit unbenutzt.
Nun gehen wir entlang der Fulda, die sich gemächlich durch das Tal schlängelt.
Mitten im Tal steht das Schloss Eichhof, das wie ein Märchenschloss anmutet. Zwischen 1328 und 1372 errichtet, stand es von Anfang an im Mittelpunkt der Zwistigkeiten der Herfelder Bürger und der Reichsabtei in Fulda.
Am 30. April 1521 kam Martin Luther auf dem Weg vom Reichstag in Worms zur Wartburg hier vorbei und wurde als Gast des Abtes Karto im Eichhof empfangen.
Es gibt im Schloss noch ein Lutherzimmer. Heute sind hier und in zahlreichen Nebengebäuden das Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie, Standort Bad Hersfeld, eine landwirtschaftliche Versuchsanstalt und eine Landwirtschaftsschule untergebracht.
Kurz nach Asbach treffen wir auf die ersten zwei Pilger. Elga und Winfried aus dem Niederrhein sind in der Gegenrichtung unterwegs.
Wir steigen durch schönen Buchenwald zum Lingeberg (361 m) auf und werden mit einem schönen Ausblick belohnt.
In Niederaula hole ich schnell die Stempel für unsere Ausweise und dann essen wir im „Alten Forsthaus“ zu Mittag.
Nach Niederaula kreuzen wir die ICE Strecke an der Fuldatalbrücke. Zum Glück fährt auch gleich ein ICE darüber. Die Fuldatalbrücke Solms ist mit 1628 m die längste Talbrücke der Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg.
Wir beziehen unser Quartier in Niederjossa. Die Wirtin „Zum Schwan“ hat das Gasthaus schon gesperrt und vermietet nur noch Zimmer.
Der Kirchturm in Niederjossa war einst ein Wach- und Wehrturm am Kreuzungspunkt der „Kurzen Hessen“ und der „Alten Heerstraße“. Er wurde im 18. Jhdt. in den Kirchenbau integriert.
Um sieben Uhr sind wir beim Bäcker zum Frühstücken, um acht Uhr geht der Bus, der uns zurück nach Friedewald bringt. Nach einer Viertelstunde steigen wir aus und die heutige Wanderung beginnt.
In Friedewald gibt es noch das Relikt eines alten Brunnens, der für jedermann zugänglich war.
Der heutige Tag ist als einer der heißesten der letzten Zeit prognostiziert. Um die 32°C soll es am Nachmittag haben. Ein Grund mehr, uns zügig auf den Weg zu machen.
Wir überqueren die Autobahn A4 (zwischen der niederländischen Grenze bei Aachen und der polnischen Grenze bei Görlitz). Noch ist kaum Verkehr.
Nach der Autobahn gibt es die längste Zeit nur Schotterstraßen.
Der scharfe Pilgerschatten zeigt, dass die Sonne recht kräftig scheint. Wir freuen uns auf jeden Schattenabschnitt. Es dürfte um die 25°C haben.
Nach dem Verlassen des Waldes haben wir eine gute Fernsicht auf die Umgebung. Vor uns liegt das kleine Dorf Kathus, das früher wegen seiner Lage am „Kurzen Hessen“ (alte Fernstraße) von Bedeutung war.
Vor Kathus kommen wir noch an einem Naturphänomen vorbei: dem Kathuser Seeloch. Hier wurde der unterirdische Salzstock durch Wasser ausgehöhlt und die Decke brach vor etwa 120.000 Jahren ein und bildete einen sogenannten Erdfall. Das Loch füllte sich mit Wasser. Aber noch 1969 gab es den letzten Nachbruch. In Florida gibt es das gleiche Phänomen öfters, die Sinkholes.
In Kathus finden wir in der Kirche nicht nur einen Pilgerstempel, sondern auch ein bisschen Kühle.
Nach Kathus führen ein kleiner Steg und eine Furt über die Solz, normal ein unscheinbarer Bach. Fußreisende mussten hier Maut zahlen. Schon im Jahr 1592 erwähnte der Kartograf Mercator diesen Übergang.
Jetzt geht es zum Glück schon schnell weiter. Vorbei am Petersberg kommen wir zur Fulda und sind schon in Bad Hersfeld.
Gleich bei der Ankunft stärken wir uns mit einer süßen Verführung. In den Straßen hat es etwa 32°C.
Bad Hersfeld hat natürlich viele interessante Gebäude und Geschichten.
Der Bau der Stadtkirche wurde schon 1060 begonnen, sie wurde in den nächsten 420 Jahren zur gotischen Kirche umgebaut.
Ein Gegenspieler zur Stadtkirche ist die Stiftsruine Bad Hersfeld. In der Ruine finden jährlich die Festspiele statt. Wegen der Abbauarbeiten ist sie nur von außen zu besichtigen.
Im Klostergarten treffe ich auf zwei Herren, die unser Alltagsleben sehr beeinflussen: Konrad Zuse war der Erfinder des ersten funktionsfähigen elektischen Computers und Konrad Duden erarbeitete das bekannte Wörterbuch.
Im Zentrum gibt es unzählige Fachwerkbauten, vor allem um das Rathaus und die Stadtkirche.
Wir verbringen eine angenehme Nacht. Die viertlstündlichen Uhrschläge ersparen uns das Lesen unserer Uhren. In der Früh haben wir unser Stehfrühstück in einem Lokal, das eine Mischung aus Bäckerei und Greislerei ist. Da gibt’s alles für den täglichen Bedarf, nur halt sparsamer. Die Reihe der Kundschaft reißt nicht ab.
Unsere Streckenführung von heute gleicht freiwilligen und unfreiwilligen Variationen des Lutherwegthemas – nicht von Bach oder Mozart, sondern von Gerhard.
Gleich zu Beginn sind wir vom Monte Kali so fasziniert, dass wir zu nahe herangehen.
Die alternative Variante führt durchs Gedachs im Grünen Band.
Die nächste Variation, eine gewollte, führt auf einem ehemaligen DDR-Streifenweg, der mit Betonsteinen befestigt ist.
Die nächste freiwillige Variation führt uns ganz nahe an den Monte Kali, wo wir etwa 150 m am Abraumberg vorbeikommen. Hier ist der Geruch der Abwässer deutlich wahrzunehmen.
Der nächste Abschnitt ist etwas schwieriger. Auf einem kaum erkennbaren Pfad geht es auf die Hornungskuppe (439 m), wo alte und neue Grenzsteine beisammen stehen. Die alten aus Preußens Glorie (1562,1776) , die neuen vom Arbeiter- und Bauernstaat (1953). Auf der Hornungskuppe befindet sich die kaum mehr sichtbare Ruine der stauffischen Burg Hornberg.
Nach kurzem Abstieg kommen wir zum „Hexenplatz“, wo sich an Sonn- und Feiertagen die Besucher und Besteiger des Monte Kali treffen. Die Karten dafür müssen in Herringen besorgt werden. Gleichzeitig ist das das Einfahrtstor für die Abraumtransporter die in kzrzen Abständen über die einsputige Zufahrtsstraße donnern.
An Bergkamm passieren wir die Gedenkstätte Bodesruh, die 1953 in Gedenken an die Errichtung der deutsch-deutschen Grenze als Aussichtspunkt in das abschnittene Tal errichtet wurde. Diese Gegend war von der Trennung ganz besonders betroffen.
Beim nahen Gasthof steht noch eine alte Grenzsäule
Auf den Hügeln wurden überall kleinere Windkraftanlagen installiert. Die Zufahrtsstraßen sind herrliche Wanderwege
Der Zollstock: Ein 1987 errichtetes steinernes Mal erinnert an die geschichtliche Bedeutung des Platzes als mittelalterliche Grenze zwischen Hessen, Thüringen und Grabfeld. Seit dem Jahr 1306 befand sich an dieser Stelle die hessische Zollstätte und Geleitsgrenze im Seulingswald.
Ein letztes Stück im Wald bevor wir Friedewald erreichen.
Friedewald, ein Ort mit viel Geschichte ist vor allem für seine Wasserburg bekannt. Sie wurde im 13. und 14. Jhd. errichtet und war an der Kreuzung zweier Handelswege von strategischer Bedeutung. Das waren die Geleitstraße durch die Kurzen Hessen zwischen Frankfurt und Leipzig und zum anderen eine Handelsstraße zwischen Bremen und Nürnberg.
Von Friedewald fahren wir mit dem Bus nach Bad Hersfeld, wo wir mitten in der Altstadt im „Baumeisterhaus“ (1609) für zwei Nächte einquartiert sind.
Gleich nach dem Frühstück um 7.30 Uhr gehen wir zum Busbahnhof neben dem Hauptbahnhof und fahren mit dem Bus zurück zu unserem gestrigen Endpunkt in Oberellen.
Das Dorf weist zahlreiche recht schön restaurierte Fachwerkhäuser auf, einige befinden sich gerade im Umbau.
Nach wenigen Metern biegen wir bergwärts ab und erreichen nach kurzer Asphaltstrecke den Höhenrücken. Dem folgen wir nun lange auf Feldwegen. Da sehen wir zum ersten Mal den Monte Kali, auch Kalinatscharo genannt, eine riesige Abraumhalde aus Kochsalz. Das Material bleibt bei der Gewinnung des Kalisalzes aus den unterirdischen Lagerstätten übrig und wird seit 1973 auf der Halde deponiert. Heute erreicht er eine Höhe von 505 m ü.M. bei einer Umgebungshöhe von 300 m ü.M.
Wo heute der Lutherweg verläuft, war einst eine alte Heeresstraße, die auch die napolionischen Truppen benutzt haben. Im 30-jährigen Krieg und im 7-jährigen Krieg haben Truppen verschiedener Provenienz die Gegend heimgesucht und verwüstet.
Schließlich wandern wir vom Höhenrücken hinunter und kommen in den kleinen Ort Herda, wieder mit typischen Fachwerksbauten und einer alten Wehrkirche.
Eigentlich sollte die Kirche geschlossen sein, aber jemand hat vergessen den Hintereingang zuzusperren. So sind wir einmal in die Kirche gekommen, die einen prächtigen Flügelaltar (um 1610/20) enthält. Die Tafeln zeigen die Passion Christi. Auch die Orgel und der Innenraum sind sehenswert.
Vor der Kirche treffen wir eine Frau, die vom Einkaufen kommt, und fragen sie nach dem Pilgerstempel. Sie war genau die richtige Person, die damit beauftragt ist. Sie kann uns aber auch viele Hintergrundgeschichten erzählen.
Jetzt durchqueren wir die Au des Werra-Suhl -Tales, die an das Grüne Band anschließt. Auf den frisch gemähten Wiesen tummeln sich zahlreiche Störche und Reiher.
In die kleine Stadt Berka/Werra kommen wir durch das Untertor. Auch hier bestimmen Fachwerkhäuser das Stadtbild.
Die evangelische Kirche besteht aus dem 1439 erbauten Juliusturm mit einer achteckigen Haube mit vier Ecktürmchen und einem Hauptschiff aus 1619.
Der ältere Chor (15. Jhdt.) steht asymmetrisch zum Haupthaus.
Der besondere Stolz der Kirchengemeinde ist die Stertzing-Orgel, ein einzigartiges barockes Musikinstrument der Thüringer Orgelbaugeschichte. Sie wurde 1697/98 von dem Orgelbauer Georg Christoph Stertzing (1660-1717) eingebaut und 2023 von Grund auf restautiert.
„Der alte Stern“ ist ein spätgotische Haus im Stadtzentrum und war der älteste Gasthof Berkas. Sein bedeutendster Besucher war Martin Luther, doch rasteten hier auch Könige und Landesfürsten.
Da es in ganz Berka keine Gaststätte, Kaffeehaus oder ähnliches gibt, rasten wir außerhalb auf einer netten Bank am Wegesrand. Danach wandern wir auf den nächsten Höhenrücken über die Hohe Rod (323 m).
Als wir nach Dippach absteigen, sind wir dem Monte Kali nun schon beträchtlich näher gekommen.
Den letzten Teil unserer Tagesstrecke gehen wir entlang der Werra in Richtung Dankmarshausen.
Der Rinderstall sieht aus wie ein Relikt aus der DDR – Zeit, ebenso wie die Zufahrt auf Betonteilen.
Jetzt überqueren wir die Werra und kommen nach Dankmarshausen.
Der Ortskern liegt erhöht und geschützt über der Werra.
Die St.-Kilian-Kirche ist schon von Weitem sichtbar. Die ältesten Teile stammen aus dem 15. Jhdt. Nach einem Brand 1727 mussten Teile des Turms und des Kirchenschiffs erneuert werden. Der Hl. Kilian soll als Missionar (um 640) in dieser Gegend tätig gewesen sein.
Neben der Kirche steht das Bürgerhaus, eine ehemalige polytechnische Schule. Heute finden hier Veranstaltungen und Kurse statt, aber es gibt auch mehrere einfache, saubere Zimmer zur Vermietung an Touristen wie Pilger, Radwanderer etc.
Wir werden von der freundlichen Verwalterin aufgenommen und genießen die nette Atmosphäre. Im Dorf gibt es kein Gasthaus, nur eine Pizzeria (Mo Ruhetag). In einer Bäckerei gibt es Gebäck und Kaffee.