13. Tag Montag, 29. Juni 2020 Sindlbach – Feucht

In der Nacht höre ich, wie sanft Regen an das Dachfenster klopft. Doch bald ist es vorbei und am Morgen stehen Wolken am Himmel.

So geht der „Pilger ohne Schatten“, gestärkt durch ein ausgiebiges Frühstück, gegen Westen.

Da treffe ich doch auf einen Pilgerkollegen und wir kommen auch gleich ins Gespräch. Er meint, er hätte noch 2570 km bis Santiago. Da ist mir der Weg bis Köln lieber, obwohl ich eigentlich nicht genau weiß, wie weit es bis dorthin noch ist.

Ich bin wieder im Bereich der Autobahn A3 angelangt und es ist sehr laut. Ganz ungewohnt nach der Zeit in den „Backwoods“ mit Ruhe und Beschaulichkeit. Wenigstens die Wiesen- und Waldwege gibt es noch.

Auf dem Gnadenberg stoße ich auf die Ruinen der Klosterkirche des Birgittenordens, das 1438 – 1483 erbaut wurde und 1635 im Zuge des Dreißigjährigen Krieges von schwedischen Truppen abgefackelt wurde. Die Ruinen widerspiegeln, welch eindrucksvoller Bau das gewesen ist.

In Rasch komme ich an einem schönen Fachwerkbau vorbei. Bisher waren eher Stein- und Ziegelbauten vorherrschend.

Die Kirche St. Michael stammt aus dem 14. Jhdt. und geht auf frühere Bauten zurück. Der Flügelaltar stammt aus dem 15. Jahrhundert, auf diesem sind die „vier heiligen Dirndln“ (siehe Pfarrkirche Lebring-St. Margarethen in der Steiermark) mit ihren klassischen Erkennungszeichen zu sehen: Katharina mit Schwert und zerbrochenem Rad, Barbara mit Kelch und Hostie, Magdalena mit Salbenbüchse sowie Margarete mit einem kleinen Drachen.

Die Innenausstattung der kleinen evangelischen Kirche ist beeindruckend.

Der Mädchenname der Frau Pfarrer spricht Bände!

Entlang der Schwarzach, dem nächsten Bach nach dem Sindlbach auf dem Weg zum Rhein, komme ich an der Fachschule für Baumschnitt in Prackenfels vorbei.

Jetzt bin ich am Jakobsweg, am Wallensteinweg und am Fränkischen Dünenweg unterwegs, und trotzdem verpasse ich kurz später die richtige Abzweigung. Es ist nur ein kleiner Abstecher ohne wesentliche Verlängerung der Gehstrecke.

Nach Altenthann mit einer schönen, kleinen Kirche geht es hinunter in die Rhätsandsteinschlucht des Thanngrabens, ein Naturschutzgebiet.

Die bunten Käfer sind eifrig bei der Arbeit, einen Artgenossen zu zerlegen. Es soll ja nichts verschwendet werden.

Ich gehe durch das weitläufige Gelände von Rummelsberg, dem Zentrum der evangelischen Diakonie, mit zahlreichen sozialen Einrichtungen, Ausbildungsstätten und Pflegediensten. Es ist fast eine selbständige Ortschaft.

Ich komme nach Feucht, dem Tagesziel und bin über die Verbindungen zur steirischen Heimat überrascht. Einen guten Wein schätzt man eben überall.

Feucht war immer wieder Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen und seine Geschichte wiederholt sich immer wieder: aufbauen – abbrennen – aufbauen… Vom Dreißigjährigen Krieg bis zum 2. Weltkrieg.

Die evangelische Pfarrkirche St. Jakob wurde nach einem Bombentreffer 1945 rekonstruiert.

Es gibt einige historische Häuser, die die Jahrhunderte mehr oder weniger zerstört überdauert haben, wie das Rathaus, das völlig ausgebombt war.

Das Pfinzing-Schloss mit dem angeschlossenen Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum ist leider nicht zu besichtigen. Der aus Siebenbürgen stammende Oberth war der Vater der modernen Raumfahrt und Raketentechnik.

Nicht vergessen darf ich auf das Zeidelmuseum. Die Zeidler oder Imker aus Feucht lieferten mit ihrem Honig die Grundlage für den Nürnberger Lebkuchen. Sie hatten eine eigene Gerichtsbarkeit und eigene Privilegien. Der Zeidler ist mit Armbrust und Bienenkorb Teil des Feuchter Wappens.

Einquartiert habe ich mich heute in der Pension Lange am Ortsrand von Feucht.

Tagesstrecke:  24,1 km; ↑ 199 m; ↓ 275 m

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