Via Francigena – Von Lausanne nach Italien 11. Tag Sonntag, 30. August 2026 Châtillon – Arnad

Heute früh verlassen wir das Quartier schon früh. Die Morgendämmerung bricht gerade herein.

Aosta
Vor dem Rathaus

Fünf vor Sieben geht der Bus zurück nach Châtillon. Dort hole ich ein kleines Frühstück nach und gleich geht es den Berg hoch.

Vom Berg rauscht das Wasserin kleinen Kaskaden herunter und erzeugt eine angenehme Kühle.

Wasserkaskade

Einhundert Meter höher verläuft  die Plain – Rû, der ich heute länger folgen werde. Von hier habe ich einen herrlichen Ausblick auf die Stadt und die umliegende Bergwelt.

Châtillon
Châtillon
Berge

Solange man entlang der Rû wandern kann ist es rivhtig angenehm.

Plain – Rû

Aber leider führt die Route immer auf und ab, manchmal auch richtig steil. Das fordert und fördert (?) Kondition. Für das Fotografieren der anstrengenden Stellen bleibt mir keine Zeit. Da muss ich mich konzentrieren.

Rauf

Ich ich bei einem Weiler vorbei komme, ruft mit ein Mann nach. Ich bleibe  stehen und er fragt, ob ich Pilger in Richtung Rom sei. Da drüvkt er mir ein Tasse mit ca. ein Kilo Obst in die Hand. Auch meine beiden Pilgerfreunde hinter mir  erfahren das Gleiche.

Obst am Weg.

Was mache ich mit soviel Obst, dass nicht in den Rucksack passt? Essen! So setzt ich mich auf ein kleine Mauerbank und esse soviel ich kann. Dann kommt mein kanadischer Pilgerfreund, der die Banane gut brauchen kann – ich habe ja selbst zwei im Proviant. Dann kommt unerwartet „Hilfe“.

Eine Gruppe führt etwa zehn Alpakas aller Größen spazieren. Die Alpakawanderungen sind auch hier eine Attraktion. Ich drücke tinrm Mädchen die halb gefüllte Obstschale in fie Hand. Sie freut sich sehr und verteilt das Obst weiter.

Alpakawanderung
Alpakawanderung

Das Tal der Dora Baltea verengt sich zwischen Saint-Vincent und Montjovet und bildet eine natürliche Barriere in der Landschaft.

Talverengung
Montjovet (Jupiterberg)

Nach der Verengung weitet sich das Tal zunehmend aus.

Tal bei Verrès

Am boden fallen mir öfters grüne Steine auf. Ob das wohl Serpentin ist?

Serpentin?

Nach zwei weitere Bergauf – Bergababenteuerern komme ich entgültig am Talboden an. In Verrès gab es gedtern ein großes Fest, heute ist Ruhe, morgen geht das Fest weiter. Viele Häuser sind mit mittelalterlichen Motiven  bemalt.

Mittagstuhe

In Verrès fand 1540 ein historisches Karnevalsereignis statt, dem noch heute gedacht wird.

Malerei mit mittelalterlichen Motiven

Das Castello di Verrès ist eine Verteidigungsanlage aus dem 14. Jhdt.

Castello di Verrès,

Hier treffe ich auf meine deutsche Pilgerfreundin und wir gehen den Weg bis Arnad gemeinsam. Dort erwartet uns tine Überraschung: das jährliche Lardo-Fest.

Lardo
Lardofest

Valle d’Aosta Lard d’Arnad PDO ist eine gesetzlich geschützte Marke für vduesen besonderen Speck.

Valle d’Aosta Lard d’Arnad PDO

Es findet auch ein großes Programm mit Musik und Unterhaltung statt. Ein Höhepunkt scheinen die Rangeleien zwischen Rindern zu sein. Wir kamen gerade zum Semifinale.

Preisgekrönte Kühe
Stiere beim Rangeln

Jetzt weiß ich warum es so schwer ist ein Quartier zu bekommen. Überall finden Feste statt, die die Leute anziehen

Unser Quartier ist heute in einer großen Ferienwohnung einem alten Turm aus dem 11. Jhdt.

Casaforte de Ville
Casaforte de Ville
Casaforte de Ville

Tagesstrecke: 29,2 km; ↑670 m; ↓782 m

Via Francigena – Von Lausanne nach Italien 10. Tag Samstag, 29. August 2026 Aosta – Châtillon

Ich habe herrlich geschlafen. Der gestrige Tag war durch den Regen doch anstrengender als erwartet.

Um 7 Uhr verlasse ich das Haus und nehme auf der Piazza Émile Chanoux (Hauptplatz) ein kleines Frühstück ein. Dann geht es gleich los.

Rue Saint d’Anselmo

Der Arco di Augusto strahlt heute im Sonnenlicht.

Arco di Augusto

Der Fluss hat seinen Lauf verändert, die römische Brücke ist geblieben

Aosta – Römische Bogenbrücke

Rasch verlassen wir die Stadt, noch ist Brigtte, eine Mitpilgerin bei mir, und schon sind wir in den Weinbergen. Pinot noir ist hier daheim.

Pinot noir

Der Weg führt über dem Tal dahin, von Dorf zu Dorf, von Kirche zu Kirche.

Kirche von Bret-Saint-Christophe

Aus der Ferne schauen Tete de Rutor (3486 m ), Château Blance (3408 m) und Doravidi (3439 m) mit ihrem Gletscher Ghiacciao del Rutor herunter.

Tete de Rutor (3486 m ), Château Blance (3408 m) und Doravidi (3439 m)

Der Weg führt immer am Berg entlang. Dadurch ist die Aussicht auf das Tal sehr gut. Beim heutigen Sonnenschein wird es auch sehr bald warm.

Ausblick auf das Aostatal

Auch hier sind die Hügel mit Wein bepflanzt. Andere Kulturen, außer Hausgärten, habe ich nicht gesehen.

Wein und Berge

„Not a good place to stay“ – die „Casa circondariale di Brissogne e Aosta“ ist das einzige Gefängnis im Aostatal und gilt als Hochsicherheitsgefängnis.

Casa circondariale di Brissogne e Aosta

Das Castello di Quart stammt aus dem 12. Jhdt. Und überragt das Tal der Dora Baltea.

Castello di Quart

Leider führt der Weg heute nur selten länger entlang einer Ru (Wasserleitung). Häufig geht es bergauf und bergab.

Abstieg
Bogenbrücke aus Stein

Jetzt kann ich den Vorteil der Ru genießen. Es geht flach und meist schattig dahin.

Ru

Für die Verteilung kann der Hauptfluss gesperrt und ein Nebenschieber geöffnet werden. Dann fließt das Wasser zum entsprechenden Grund ab.

Schieber

Die Hochdruckleitung führt zum Kraftwerk im Tal.

Hochdruckleitung

Zwischendurch unterbrechen tiefe Schluchten den Berghang. Dann führt der Weg zuerst talwärts und dann wieder bergan.

Schlucht bei Nus

Die kleinen Dorfkapellen haben meist Fresken an der Außenwand.

Dorfkapelle
Dorfkapelle

Ein Künstler hat sich der Via Francigena verschrieben. Für manchen Werke hat er die örtlichen Grundschulkinder eingeladen.

Artwork
Dimoz – Santa Lucia

Das Monumento ai Vignaioli (Denkmal für die Winzer) in Nus erinnert an die traditionelle Weinkultur der Region mit skulpturalen Holzfässern, Flaschen und einer großen Gesichtsmaske an der Spitze.

Monumento ai Vignaioli

Ich komme an einigen verlassenen und verfallenen Hausern vorbei – richtige „Lost places“.

Verfallenes Haus

In Châtillon endet diese anstrengende Etappe. Es geht oft bergauf und bergab. Nur entlang der Rus kann man sich erholen.

Châtillon – Via Emilio Chanoux

In Ermangelung eines Quartiers vor Ort fahre ich mit dem Bus zurück nach Aosta, wo ich im Quartier vom Vortag nochmals nächtige.

Am Abend besuche ich noch den Kreuzgang deS Chiostro di Sant’Orsos mit seinen einzigartigen Kapitellen.

Kreuzgang im Chiostro di Sant’Orso
Kreuzgang im Chiostro di Sant’Orso
Kreuzgang im Chiostro di Sant’Orso

Zu Mittag gab es heute ein hausgemachtes Tiramisu und am Abend Spaghetti mit Kapern – Schwertfischsoße.

Tagesstrecke: 30,9 km; ↑565 m; ↓626 m

Via Francigena – Von Lausanne nach Italien 9. Tag Freitag, 28. August 2026 Échevennoz-Dessus – Aosta

Ja, heute ist wieder Freitag, also ist Regen angesagt. Die Wettervorhersage ist jedenfalls eingetroffen, daher ist es in der Früh bereits nass. Wir starten bereits in Regenmontur. Meine Regenjacke ist zwar imprägniert, weiß aber nichts davon und lässt das Wasser durch.

Der Weg ist toll. Es geht einige Kilometer entlang der Ru Neuf (Wasserleitung) fast eben dahin.

Ru Neuf

Zwischendurch wird das Wasser durch kleine Tunnel geführt, manchmal durch Verrohrungen, manchmal fließt es einfach offen im Kanal. Der Weg ist dem Wassergefälle meist angepasst und angenehm zu gehen.

Ru Neuf
Ru Neuf

Irgendwann ist auch einmal ein Felsbrocken über dem Ru zu liegen gekommen.

Ru Neuf

Mein Pilgerkollege ist schon etwas länger unterwegs. Ihm macht der Regen nichts aus. Ich bin nass bis auf die Haut. Da hilft nur zügig weitergehen.

Zwei Pilger

Jetzt zeigt der Wegweiser, dass ich in Tal absteigen soll.

Wegweiser

Da unten in den Wolken liegt Gignod.

Gignod

Zuerst geht es über Wiesenwege recht steil bergab. Kurz vor dem Ort gibt es sogar eine elegante Treppe.

Steintreppe

Die Pflaumen führen jeden Pilger in Versuchung. Nur wenige können widerstehen. Vielleicht nur, weil das Haus zu nahe ist.

Pflaumen

Es schüttet so richtig, sodass ich froh bin mich in der Kirche unterstellen zu können.

Die Chiesa parrocchiale di Sant’Ilario hat einen prächtigen, vergoldeten Altar und ein kleines Kirchenmuseum mit interessanten Reliquien.

Chiesa parrocchiale di Sant’Ilario
Chiesa parrocchiale di Sant’Ilario
Chiesa parrocchiale di Sant’Ilario
Reliquien der S. Theodora und S. Giustina

Ganz feinfühlig war man in der „alten Zeit“ nicht gerade.

Hl. Erasmus von Antiochia ( S. Elmo)?

Ich wandere im Regen weiter, immer tiefer ins Tal. Schließlich komme ich ins Stadtgebiet von Aosta, aber noch lange nicht ans Ziel.

Ortstafel Aosta

Frauen waschen am öffentlichen Brunnen Tomaten, die verarbeitet werden.

Öffentlicher Brunnen

Noch einmal geht es kurz nach oben. Dann erfolgt der endgültige Abstieg in die Stadt.

Aosta – Stadtteil Signayes

Der Torre dei balivi, der heute ein Musikinstitut beherbergt, stammt aus dem 12. Jhdt.

Torre dei balivi

Gleich um die Ecke steht meine Unterkunft für heute. Das Ristoro Foyer wird von geistlichen Schwestern geführt und gibt Pilgern preiswerte Unterkunft.

Ristoro Foyer

Zuerst steht Duschen am Programm, dann die Versorgung der Kleidung zum Trocknen. Hoffentlich wird das bis morgen geschehen.

Dann erkunde ich die Stadt. Ich steige bei den Römern in die Geschichte der Stadt ein. Diese haben 25 v. Chr. die hier ansässigen Salasser deportiert oder versklavt. Unter Augustus entstand aus einem bereits bestehenden Legionslager heraus die Kolonie Augusta Praetoria Salassorum. In der Stadt wohnten zunächst vor allem rund 3000 Veteranen der kaiserlichen Leibwache! Da braucht es natürlich entsprechende Infrastruktur wie ein Theater, ordentliche Befestigungen und Stadtmauern mit entsprechenden Toren.

Die römische Stadt hatte die für solche Kolonien übliche regelmäßige rechteckige Form mit einer Länge von 727 Metern und einer Breite von 574 Metern.

Die römische Kolonie lag an der wichtigen Alpenstraße von Mediolanum (Mailand) über den Kleinen St. Bernhard (lat. Alpis Graia) nach Lugdunum (Lyon) im Rhonetal, der Konsularischen Straße nach Gallien, lat. Via publica Galliarum. Nach der Öffnung des Großen Sankt Bernhard, der in der Römerzeit Mons Iovis hieß, in das Wallis nahm die Bedeutung des Ortes, der an der Kreuzung der Passstraßen liegt, noch zu.

Aosta – Porta Prætoria
Aosta – Arco di Augusto
Aosta – Theater
Aosta – Theater

Ich bin überrascht, dass der Erzbischof Anselm von Canterbury eigentlich Anselm von Aosta ist. Er wurde hier um 1033 geboren und starb 1109 in Canterbury. Eine tolle Verbindung zur Via Francigena.

Anselm von Canterbury (Aosta)

Sehr früh entwickelte sich Aosta zu einem Zentrum der Christen. Im 4. Jahrhundert wurde in Aosta ein Bischof eingesetzt. Bischof Gratus von Aosta, der im 5. Jahrhundert lebte, ist heute Patron der Stadt und der Provinz.

Die Überreste der ursprünglichen Laurentiusbasilika sind heute gut dokumentiert zu besichtigen.

Laurentius-Basilika 5. Jhdt.

Gleich daneben steht die Chiesa dei Santi Pietro e Orso. Die Kirche wurde seit dem 8. Jhdt. ständig erweitert und umgebaut. Die alten Elemente wurden in die Umbauten integriert.

Chiesa dei Santi Pietro e Orso
Chiesa dei Santi Pietro e Orso
Chiesa dei Santi Pietro e Orso
Chiesa dei Santi Pietro e Orso – Krypta

Heute lebe ich wieder gesund.

Bunte Mischung aus Gemüse, Fisch und Käse

Tagesstrecke: 14,8 km; ↑342 m; ↓1003 m

Via Francigena – Von Lausanne nach Italien 8. Tag Donnerstag, 27. August 2026 Hospiz Grand-Saint-Bernard – Échevennoz-Dessus

Es war gestern viel los im Hospiz. Hier treffen nicht nur die Pilger von beiden Seiten des Passes zusammen, auch Wanderer auf der Via Alpina, Radfahrer und „normale“ Touristen nächtigen hier. Dementsprechend dicht ist das Gedränge im zu kleinen Frühstücksraum.

In der Früh liegt vorerst dichter Nebel auf dem Pass. Vom See ist nichts zu sehen.

Hospiz Grand-Saint-Bernard
Seeblick

Ein neuer Tagesgast kommt an…

Bernhardiner

Plötzlich kommt die Sonne für kurze Zeit durch und leuchtet die Häuser am See an. Hier verläuft die Grenze Schweiz – Italien-EU.

Grenzhaus Schweiz
Grenzstein

Der Fußweg kreuzt ein paarmal die Straße. Dann ist eine kurze Rampe gut gepflastert.

Rampe

Der Weg bergab ist meist leicht begehbar. Es gibt weniger schwierige und extrem steile Stellen. Trotzdem darf man den Weg nicht unterschätzen.

Almweg
Almweg

Im oberen Abschnitt verhindert der Nebel die Sicht. Erst unter 2200 m ist es besser. Da sehe ich auch die vielen Kehren, die den Pass für Motorradfahrer interessant machen.

Passstraße

Der erste Ort Saint-Remy-en-Bosses ist ein kleines, fast verträumtes Dorf auf 1550 m.

Saint-Remy-en-Bosses
Saint-Remy-en-Bosses
Saint-Remy-en-Bosses
Saint-Remy-en-Bosses

Es geht immer weiter das enge Tal bachabwärts. In Saint-Léonard steht neben der Kirche das Castello di Bosses aus dem 12. Jhdt.

Castello di Bosses

Die Kirche ist dem Hl. Leonhard geweiht, der in der katholischen Kirche fälschlicher Weise für Viehzucht zuständig ist. Aber das ist eine andere Geschichte.

Die Marienstatue ist von besonderer Qualität.

Marienstatue

Vor der Kirche sitzt noch eine Figur, die auf den Fasching hinweist. Der „Coumba Freida“ weist mit seinen bunten Figuren auf die Soldaten Napoleons hin.

Fasching

Von Saint-Rémy-de-Bosses gehe ich lange entlang des „Ru Cerisey“ mit glasklarem Wasser. Rus haben im Aostatal lange Bautradition (Mittelalter) zur Bewässerung.

Ru Cerisey

Étroubles gehört zur Liste der schönsten Orte Italiens.

Étroubles – Hauptplatz

In römischer Zeit hieß der Ort Restapolis und war das wichtigste Zentrum des Tals. Vermutlich diente er als Winterlager der Passgarnison an der alten Via delle Gallie.
Über die Jahrhunderte hinweg war er die Hauptstadt des Großen Sankt-Bernhard-Tals.

Im Mittelalter war Étroubles eines der Dörfer an der Via Francigena.


Étroubles – Brücke über den Torrente Artanavaz

Napoleon Bonaparte durchquerte die Stadt auf seinem Weg nach Italien. Am 20. Mai 1800 machte er in Étroubles Station, auf seinem Weg nach Marengo (wo die gleichnamige Schlacht stattfinden sollte). Er wurde von einer Armee von 35.000 Infanteristen und Artilleristen sowie 5.000 Reitern begleitet.

Heute soll eine Fernsehaufzeichnung für einen Lokalsender stattfinden. Daher sind vor dem Rathaus verschiedene Situationen aus der Geschichte aufgebaut: Schmiede, Holzschnitt, etc.

Étroubles
Étroubles

Heute nächtige ich in einer kleinen, einfachen Herberge in Échevennoz-Dessus. Sie liegt direkt unter einer kleinen Kapelle.

Échevennoz-Dessus – Kapelle
Échevennoz-Dessus – Herberge

Das Abendessen bekommen wir im Nebenhaus. Es gibt Gemüsesuppe, Würstchen mit Bohnengemüse, gemischten Salat und als Nachtisch Melone. Alles schmeckt sehr gut.

Abendessen

Tagesstrecke: 17,5 km; ↑155 m; ↓1387 m

Via Francigena – Von Lausanne nach Italien 7. Tag Mittwoch, 26. August 2026 Bourg-Saint-Pierre – Hospiz Grand-Saint-Bernard

Es kündigt sich wieder ein herrlicher Tag an. Ich komme bereits vor acht Uhr aus dem Haus. Die Berge in der Höhe werden schon von der Sonne beleuchtet, herunten im Tal ist es noch kühl.

Bourg-Saint-Bernard – Pfarrkirche
Bourg-Saint-Bernard – Schlucht

Vorerst geht es wieder nach unten, weil wir auf die andere Talseite kommen müssen.

Alm

zu Beginn ist der Weg gut ausgebaut, geht aber recht steil nach oben.

Waldweg

Auf der anderen Talseite verläuft die Passstraße, oft auch unter Lawinenverbauungen.

Weg

Zum ersten Mal sehe ich die Staumauer des Lac des Toules. Die Anlage wurde schon 1993 fertiggestellt.

Lac les Toules

Der See hat eine Länge von 2km und fasst ca. 20 Mio. Kubikmeter Wasser. Am oberen Ende hat der See eine schwimmende Solaranlage. Die Anlage ging 2021 in Betrieb, bedeckt etwa 2% des Sees und soll 50 % mehr Elektrizität liefern als vergleichbare Anlagen im Flachland.

Lac les Toules
Lac les Toules – Schwimmende Solaranlage

Entlang des Sees geht der Weg zwar ständig auf und ab, ist aber nicht so anstrengend. Es gibt sogar Preiselbeeren.

Preiselbeeren

Immer wieder rinnen kleine Rinnsale von den Seitenhängen herab und bilden kleine Bäche.

Furt
Bach

Der Hauptverkehrsstrom der B 71 verschwindet hier im Gotthardtunnel. Nur die Touristen fahren auf der Passstraße weiter.

Tunneleingang

Je weiter ich nach oben komme, desto anstrengender wird es (nicht nur für mich).

Fußweg und Passstraße

Der letzte Teil wird nochmals herausfordernd.

Weg

Aber das Ziel ist schon nahe.

Weg kurz vor dem Pass

Am Ziel!

Am Ziel
Am Ziel

Das Hospiz wurde im Hochmittelalter gegründet und wird von den Augustiner Chorherren geführt.

Bereits während der Eisenzeit wurden hier Götter verehrt. Zunächst war für den Gott Pan eine Opferstelle errichtet worden, später erbauten die Römer, welche die Straße wesentlich verbessert hatten, hier einen Jupiter geweihten Tempel. Der Platz, an dem dieser Tempel stand, heißt noch heute Plan de Jupiter und der Pass hieß auch Mons Jovis, woraus später Mont-Joux wurde.

Hospiz Saint-Bernard

Gegründet wurde das Hospiz von Bernhard von Aosta zusammen mit Königin Irmingard von Burgund, um gegen die Sarazenen und gegen Banditen vorzugehen, die die Reisenden an diesem wichtigen Alpenübergang bedrohten. Das Hospiz der Augustiner-Chorherren ist 1125 erstmals bezeugt.

Hospiz Saint-Bernard

Auf der anderen Passseite ist man gleich in Italien. Die Grenze verläuft durch den See.

Lac du Grand-Saint-Bernard

Um 12.30 komme ich an, ab 14 Uhr ist die Rezeption geöffnet. Ich habe ein Bett in einem Vierer-Zimmer statt im Schlafsaal gebucht.

Hospiz Saint-Bernard

Um 17.30 gibt es die Messe und dann das Abendessen. Die Kirche schaue ich mir schon vorher an.

Hospiz Saint-Bernard – Kirche
Hospiz Saint-Bernard – Kirche
Hospiz Saint-Bernard – Kirche
Hospiz Saint-Bernard – Krypta
Ring des Bernhard
Kelch und Patene

Natürlich dürfen hier die legendären Bernhardiner nicht fehlen. Die meisten sieht man im Geschäft. Einer war auch in echt zu sehen, allerdings ohne Fässchen. Das gab es ohnehin nur in einem Film.

Bernhardiner
Bernhardiner

Das Abendessen ist sehr geschmackvoll. Zuerst gibt es Linsensuppe, dann Hühnerfleischspieße mit Käsepolenta und als Nachtisch ein warmes Schokoküchlein.

Abendessen.

Mit Ausnahme des Nachtisches gab’s genug Nachschlag.

Tagesstrecke: 12,7 km; ↑975 m; ↓135 m

Via Francigena – Von Lausanne nach Italien 6. Tag Dienstag, 25. August 2026 Orsières – Bourg-Saint-Pierre

Am Abend zieht kurz ein Gewitter über Orsières, das ein bisschen Erfrischung bringt. In der Nacht zieht eine größere Regenfront rasch vom Südwesten her auf, bringt viel Regen, ist aber um fünf Uhr wieder durch. Ich gehe mit einer Mitpilgerin in ein Kaffeehaus um ein kleines Frühstück zu bekommen. Kaffee und Croissant gibt es. Dann folge ich den Spuren des Pilgers.

Wegzeichen auf einem Haus

Die Nebelschleier und Restwolken lösen sich rasch auf und der blaue Himmel lacht herab.

Bei Orsières

Die Bäche sind alle graubraun gefärbt und rauschen laut.

Dranse

Der erste Anstieg lässt nicht lange auf sich warten, sein Ende umso mehr. Noch ein letzter Blick auf Orsières, bevor wir ins Seitental ausweichen.

Orsières

Ich treffe beim Aufstieg auf eine Druckwasserleitung für ein Kraftwerk.

Druckwasserleitung

Mir kommt ein Mann mit einem riesigen Hund entgegen. Es ist ein Herdenschutzhund auf dem Weg zur „Arbeit“.

Herdenschutzhund

Wie gestern – auch heute: Zuerst geht’s hinauf und dann gleich wieder hinunter. Hier bin ich richtig – auf dem Weg nach Rom

Nach Rom

Im Südosten zeigt sich immer wieder der Grand Combin, den ich schon vor drei Tagen gesehen habe.

Grand Combin

Manchmal sind am Wegrand vereinzelt Blumen zu finden. Die Kulturwiesen sind reines Zuchtgras.

Glockenblume

Dann folgt der Zustieg zu einem recht anstrengenden Stück. Es geht über Steine und Holztreppen nach oben. Der Boden ist zudem rutschig. Da bin ich froh, dass ich mich für die Bergschuhe entschieden habe. Nach ein paar hundert Metern geht es wieder gemütlich weiter.

Steig
Forststraße
Wiesenweg
Grand Combin

In Liddes mache ich in einem Café eine kurze Rast. Ich bin schon auf 1349 m aufgestiegen.

Wegweiser in Liddes

Im Ortsgebiet gibt es noch alte Scheunen aus Holz, die oft aus dem 17. Jhdt. stammen.

Holzscheune

Solche schön renovierten Gebäude sind eher Ausnahmen.

Liddes

Nach Liddes beginnt es sich zu ziehen. Bei der Chapelle Notre Dame de Lorette erreiche ich den höchsten Punkt des heutigen Tages: 1630 m.

Chapelle Notre Dame de Lorette
Chapelle Notre Dame de Lorette 17. Jhdt.

Jetzt geht es nur noch leicht bergab nach Bourg-Saint-Pierre.

Bourg-Saint-Pierre

Die Kirche ist im Inneren eher enttäuschend.

Bourg-Saint-Pierre

Gleich neben der Kirche steht die Herberge, in der ich heute nächtige. Sie gehört zum Hospiz am St. Bernhard-Pass. Heute habe ich ein Vierbettzimmer. Wir sind drei Steirer im Zimmer; ein Bett bleibt frei.

Maison S. Pierre
Maison S. Pierre

Da ich heute schon um 12 Uhr ankomme, brauche ich etwas zu essen. Im nahen Restaurant gibt es nur mehr kalte Küche. Macht auch nichts.

Käse und Wurst

Am Abend gibt es dafür Spareribs und als Dessert Marillensorbet.

Noch ein Blick auf die 4300-er des Grand Combin – Massivs.

Grand Combin

Tagesstrecke: 15,9 km; ↑837 m; ↓94 m

Via Francigena – Von Lausanne nach Italien 5. Tag Montag, 24. August 2026 Martigny – Orsières

Die Nacht in der Herberge war trotz vollem Zimmer sehr ruhig. Im Frühstücksraum treffe ich auf Mitpilger und alle sind schon neugierig, was der Tag bringen wird. Dann geht’s auch schon gleich nach acht Uhr los.

Die erste gute Nachricht: der Grand-Saint-Bernard ist frei.

Verkehrszeichen

Gleich neben der Bahn beginnt der Wandersteig entlang des Dransetals.

Bahnlinie nach Sembrancher

Anfangs ist es ganz gemütlich. Schon bald geht’s aber rauf und runter.

Entlang der Dranse
Entlang der Dranse

Ein kleine Hutschpartie auf der Stahl- Hängebrücke ist sicher eine Herausforderung für Nicht-Schwindelfreie.

Hängebrücke

Mein Weg ist der 70er.

Wegweiser

In Valettes ist noch Napoleon gegenwärtig. Auch eine Gartengestaltung ist mir aufgefallen.

Cafe Napoleon
„Künstlerische Gartengestaltung“

Der Verkehr im engen Tal erzeugt seht viel Lärm. Zum Glück bin ich als Fußgänger gut vom Schnellverkehr abgegrenzt. Der Lokalverkehr ist minimal.

Bundesstraße B21 zum St. Bernhardtunnel

Die kleine Kirche in Bovernier hat ein schönes barockes Marienbild am Hochaltar.

Bovernier – Pfarrkirche

Dann wird es richtig anstrengend. Irgendwann in den vergangenen 100 – 300 Jahren ist ein großer Bergsturz heruntergekommen und hat einen heute bewaldeten Steinhaufen hinterlassen. Über den führt heute unser Weg. Zum Glück ist es sehr gut markiert, sonst würde man sich sofort vergehen.

Wanderweg
Wanderweg
Wanderweg

In Sembrancher, einem alten, wichtigen Handelsort, mache ich eine Pause.

Sembrancher
Stärkung

In einer Nebengasse stehen einige alte Holzbauten. Eine trägt sogar die Jahreszahl 1608.

Sembrancher – Alte Holzbauten
Sembrancher – Alte Holzbauten
Sembrancher – Alte Holzbauten

Dann geht’s wieder geradewegs nach oben. Da fallen mir kleine Felder in etwa 900 m Höhe mit Heil- und Gewürzpflanzen auf. Hier werden die Kräuter für Ricola produziert.

Heilpflanzen
Thymian

In einer Kapelle im Weiler La Garde steht dieser entzückende Altar.

Kapelle von La Garde

Ein Russischer Bär dürfte ziemlich an seinem Lebensende angekommen sein.

Russischer Bär (auch Spanische Flagge), Euplagia quadripunctaria (PODA)

Vor mir liegt schon mein Zielort Orsières, aber es geht noch ständig auf und ab. Aus dem Hintergrund leuchtet schon der nächste Gletscher herunter.

Orsières

Hier wäre ein Erfinderziel angesagt: Energierekuperator für Wanderer. Aus der geänderten Lageenergie sollte doch die Energie dem Wanderer wieder zugeführt werden können. Ich glaube, da werde ich vergebens darauf warten. Besser mit Hopfensaft nachtanken.

Rauf
Runter

Ich erreiche Orsières, auf 890 m ü.M., das durch seine Lage nahe des Passüberganges wichtig war. Heute wirkt der Ort eher verschlafen.

Orsières
Orsières
Orsières – Kirche Saint-Nicolas-de-Myre
Orsières – Kirche Saint-Nicolas-de-Myre

Zur Belohnung gibt es heute Pizza!

Pizza Napolitana

Tagesstrecke: 20,7 km; ↑607 m; ↓216 m

Via Francigena – Von Lausanne nach Italien 4. Tag Sonntag, 23. August 2026 Saint-Maurice – Martigny

Ich habe in der Nacht herrlich geschlafen. Erst kurz vor sieben, knapp bevor die Glocken zu läuten beginnen, werde ich wach.

Bevor ich loswandere, gehe ich noch kurz in die Basilika. Wieder bin ich allein, diesmal gibt es keine Orgelbegleitung.

Saint-Maurice war zunächst der keltische Ort, der wegen seiner strategischen Lage am Eingang zum oberen Rhonetal die Aufmerksamkeit der Römer auf sich zog. Nach der Eroberung richteten die Römer dort in Agaunum einen Militärposten und eine Zollstation ein, um Abgaben von den Händlern zwischen Italien und Gallien zu erheben, denn der Ort lag an einer der großen Handelsstraßen, die über den Mons Jovis (Jupiterberg) von Italien nach Germanien und Gallien führte.

Saint-Maurice

Mauritius, der Hauptmann einer Abteilung einer Legion, erlitt dort angeblich mit allen seinen Soldaten gegen Ende des 3. Jahrhunderts den Märtyrertod. Die Überreste von Mauritius und seinen Gefährten wurden von Bischof Theodor (auch: Theodul), dem ersten Bischof des Wallis, in ein Heiligtum an der Basis des Felsens beim heutigen Ort Saint-Maurice überführt.

Soweit die Vorgeschichte. Im Jahr 515 beauftragte König Sigismund von Burgund Mönche, hier ein Kloster zu errichten. Dieses Datum gilt als Gründung der Abtei Saint-Maurice, die damit als eine der ältesten Abteien der Schweiz anzusehen ist.

Die damaligen Herrscher Mitteleuropas waren sehr an der Abtei interessiert (oder doch an den Mauteinnahmen?)

Die Stadt war auch das Ziel von Plünderungen, so waren 574 die Langobarden auf „Schatzsuche“ und im 10. Jhdt. sogar die Sarazenen.

Die heutige Kirche entstand im 17. Jhdt. neben den Vorgängerbauten. Dadurch ist heute der Platz für die Ausgrabungen zugänglich.

Genug der Geschichte….

Nach einem kleinen Frühstück ziehe ich in Richtung Süden das Rhonetal aufwärts. Der Himmel ist klar und die Bergspitzen, die gestern noch wolkenverhangen waren, sind heute frei.

Cime d’Est ?

Der Weg führt über Wiesen, durch kleine Ortschaften und kleine Wäldchen. Zwischendurch gibt es kleine Steigungen. Eigentlich sehr gemütlich.

Wege
Wege
Evionnaz
Wäldchen
Evionnaz

Bei Evionnaz sind noch alte Verteidigungslinien aufgebaut. Sie dienen heute nur mehr dem musealen Gebrauch.

Panzersperren
Geschützstellung im Berg

Aus der Ferne leuchtet ein Berg mit riesigem Gletscher herunter. Es ist der Grand Combin. Er gehört mit 4309 m zu den höchsten Bergen der Alpen.

Nicht weit davon befindet sich die Gorges du Trient, eine eindrucksvolle Schlucht, die der Trient-Bach bis 200 m in den Felsen geschnitten hat.

Grand Combin 4309 m

Die Pissevache oder Cascade de Pissevache, auch Cascade de Salanfe (Salanfe-Wasserfall), ist ein 116 m hoher Wasserfall in bei Mieville.

Cascade de Pissevache
Cascade de Pissevache

Gleich daneben steht ein Laufkraftwerk im Berg. Ein altes Peltonrad erinnert daran.

Dieser Stadtteil von Martigny ist sehr offen und frei. Viele Plätze lockern den Häuserverband auf.

Eingang zur Gorges du Trient
Gorges du Trient
Gorges du Trient
Gorges du Trient
Gorges du Trient

Direkt über dem Schluchteingang verläuft die Bahnlinie des Montblanc-Express von Martigny nach Chamonix und weiter nach Saint-Gervais-les-Bains Le Fayet.

Auf der 18 km langen Strecke überwindet die Bahn Steigungen von 7 % im Adhäsionsbetrieb und 20 % im Zahnradbetrieb.

Montblanc-Express
Montblanc-Express
Montblanc-Express

Noch ein paar Kilometer und ich komme zum Zielort Martigny. Über eine gedeckte Holzbrücke dürfen auch Autos fahren

Martigny – Holzbrücke über die Dranse

Von Ferne höre ich Bläsermusik und treffe gleich darauf auf vier Alphornbläser, die sich redlich bemühen.

Alphornbläser
Martigny

In Martigny-Bourg, zwei Kilometer westlich, ist noch ein alter Stadtkern vorhanden. Dort steht auch die frisch renovierte Jugendherberge.

Martigny-Bourg
Martigny-Bourg – Jugendherberge
Martigny-Bourg – Jugendherberge

Ich mache einen kleinen Rundgang und komme zum römischen Amphitheater, das auch heute noch in Verwendung steht. Das unter Kaiser Trajan errichtete Theater fasste etwa 5000 Besucher. Heute ist es unter anderem Austragungsort von Open-Air- Kinovorführungen im Sommer und von Kuhkämpfen.

Martigny-Bourg – Amphitheater

Ich komme noch kurz bei der Fondation Gianadda vorbei, einer Stiftung von Museen, öffentlichen Einrichtungen und vieles andere. Ihr Gründer war Journalist, Baumeister, Kunstsammler und Mäzen.

Fondation Gianadda
Fondation Gianadda

Zum Einstimmen auf Italien gibt es heute köstliche grüne Pasta mit Lachs.

Pasta

Tagesstrecke: 21,4 km; ↑246 m; ↓178 m

Via Francigena – Von Lausanne nach Italien 3. Tag Samstag, 22. August 2026 Aigle – Saint-Maurice

Heute Nacht hat es ein Gewitter gegeben, mit wenig Donner, aber viel Regen. In der Früh war alles wieder klar. Im See schwimmen schon die Eifrigen.

Genfersee

Nach dem Frühstück fahre ich mit der Bahn wieder nach Aigle.

Da ich in der Früh meinen Sonnenhut nicht gefunden habe, habe ich vermutet, ihn aus der Regenjacke verloren zu haben. Daher mache ich mich in Aigle auf, einen Ersatz zu finden. Durch Zufall sehe ich in einem chinesischen Ramschladen ein paar Exemplare, einer von guter Qualität passt bestens. Zur ganzen „Aufregung“: Am Abend finde ich mein verloren geglaubtes Stück in der zweiten Jacke.

Ich lerne dadurch auch ein Stück Aigle kennen. Im Quartier du Bourg mit seinen schmalen Gässchen sind die eng zusammenstehenden Häuser teilweise durch Lauben verbunden.

Aigle – Quartier du Bourg
Aigle – Quartier du Bourg

Pferdefleisch wird hier in der Metzgerei und in Restaurants angeboten.

Aigle – Metzgerei mit Pferdefleisch

Mit Verspätung mache ich mich auf den Weg. Hinaus aus der Stadt führen die Wegweiser zum Quartier du Cloître, wo die Pfarrkirche Saint-Maurice von der ehemaligen Abtei übriggeblieben ist.

Aigle – Pfarrkirche Saint-Maurice

Das bedeutendste Bauwerk ist hier das Château d’Aigle (Adlerburg) aus dem 11. und 13. Jhdt.

Château d’Aigle
Château d’Aigle
Château d’Aigle
Skulptur „Eine wichtige Lehre“: Der Großvater unterweist seinen Enkel im Weinbau 

Dann geht es bergwärts. Von Verschiez, mehr Weiler als Dorf habe ich eine schöne Aussicht auf das Rhonetal.

Rhonetal
Rhonetal

Um ins Winzerdorf Ollon zu kommen, muss ich wieder einige Höhenmeter nach unten gehen. In der Kirche kann man ein schönes Beispiel für „Blut- und Bodenmalerei“ bewundern.

Ollon – Kirche
Frédéric Rouge 1939

Ich mache kurz Rast im Kaffeehaus am Platz und wen treffe ich dort?

Albert Einstein

Es geht nochmals aufwärts und über den nächsten Hügel. Diesmal aber hauptsächlich durch Wald. Manchmal gibt es sogar Naturboden.

Waldweg
Waldweg
Abstieg ins Tal

Entlang eines „völlig naturbelassenen“ Gerinnes gehe ich bis zur Rhone.

La Gryonne

Davor überquere ich die Autobahn A9 (E27).

Autobahn A9 (E27).

Der Rhone bin ich ja schon in Frankreich ein Stück weit gefolgt. Heute zeigt sie sich im Kanal schnell und sehr trübe.

Rhone

An einem Brückenpfeiler sind Hochwassermarken angebracht. Da kann man erkennen, wie wenig Wasser der Fluss eigentlich führt.

Rhonebrücke bei Envanel

Für Fußgänger und Radfahrer gibt es bei Masongex einen eigenen Steg.

Steg über die Rhone

Endlich treffe ich in Saint-Maurice ein und ich bekomme gleich im Klosterladen meinen Zimmerschlüssel.

Saint-Maurice
Saint-Maurice – Klosterladen und Unterkunft
Klösterliche Schlichtheit

Danach besuche ich die Basilika des Saint-Maurice und das angeschlossene Museum.

Mein Kirchenbesuch wird von schöner Orgel-Livemusik begleitet.

Kirchenraum
Orgel
Orgeltisch

Das Museum ist absolut sehenswert. Es zeigt die Ausgrabungen der Vorgängerkirchen seit dem 3. Jhdt. Auch die Stelle, wo der Hl. Moritz bestattet wurde, ist erkennbar.

Archäologisches Feld der Vorgängerkirchen
Grablege des Saint Maurice

Der Klosterschatz ist einzigartig. Verschiedene Reliquienschreine und Gaben großer mittelalterlicher Kaiser sind hier zu finden.

Kopfreliquie des Saint Maurice
Kanne von Karl dem Großen 9. Jhdt.

Am Abend gehe ich mit Brigitte aus Deutschland noch zum Essen. Es war nicht gerade eine kulinarische Erleuchtung. Hauptsache: Satt.

Abendessen

Tagesstrecke: 21,4 km; ↑496 m; ↓446 m

Via Francigena – Von Lausanne nach Italien 2. Tag Freitag, 21. August 2026 Vevey – Aigle

Das Schweizer Wetter und ich haben offenbar ein Spannungsverhältnis. Ich hoffe, die Erfahrungen von 2016 wiederholen sich nicht. Damals hat es gefühlt jeden zweiten Tag geschüttet.

In der Nacht beginnt es wetterberichtsgemäß zu regnen. Ich lasse mir beim Frühstück Zeit, weil meine Bahn nach Vevey erst um 9 Uhr geht. Das Frühstück ist wieder recht reichhaltig.

Ich werfe mich gleich in die Regenkluft, auch den Rucksackinhalt habe ich erstmals durch einen Müllsack innen geschützt.

In voller Regenmontur

Die Bahn ist pünktlich und nach 10 Minuten steige ich in Veley aus. Ich mache ein kurzes Sightseeing, weil die Altstadt auf dem Weg liegt.

Vevey – Bahnhof
Vevey – Altstadt
Vevey – Brunnen
Vevey – Jugenstilhaus

Als ich an den See komme, liegt der grau und wellig vor mir.

Genfersee

Kurz kann ich noch am Uferweg entlang gehen, dann sind die Ufergrundstücke nur mehr privat. Ich gehe entlang einer breiten Straße, die vor allem seeseitig und hohen Bäumen und Mauern gesichert ist, damit niemand einen Blick auf die dahinterliegenden Villen werfen kann.

Veley – Grand Rue
Nestle
In Richtung Montreux

Erst kurz vor Montreux beginnt wieder eine richtige Seepromenade. Die ist mit Kunstwerken und fremdländischen Pflanzen gespickt.

Montreux – Seepromenade
Eidechse

Das 2M2C Montreux Music & Convention Center ist ein riesiger Komplex im Stadtkern.

2M2C – Montreux Music & Convention Center

Gegenüber steht das Montreux Palace Hotel, in dem all die Celebritäten, die die Stadt heimsuchen, Hof halten.

Montreux Palace Hotel

Gegenüber in einem kleinen Park kann man ihnen begegnen, wenn auch nur in Bronze.

Miles Davis
Ella Fitzgerald
Santana

Ein Stück weiter kommt einem noch Freddie Mercury entgegen.

Freddie & Me

Ich komme bei meinem Nachtquartier in Territet vorbei und es regnet sich jetzt richtig ein. Ein paar Kilometer später sehe ich erstmals der Schweiz wichtigste Burg, das Château de Chillon in den Regenwolken.

Château de Chillon

Das Schloss hat im Laufe seiner tausendjährigen Geschichte als Verwaltungssitz und Gefängnis eine wichtige Rolle gespielt. Lord Byron hat ein Gedicht über einen Gefangenen verfasst und sich auch selbst im Keller verewigt. Heute gibt es dafür ein Café mit seinem Namen, wo ich mich etwas trocknen kann.

Château de Chillon
Château de Chillon

Zufällig kommt ein Schaufelraddampfer, die „MS Vevey“ daher. Das 1907 als Dampfschiff gebaute Schiff fährt heute dieselelektrisch betrieben.

MS Vevey

Irgendwann am Nachmittag hört es auf zu regnen. Die Wege und Straßen sind meist asphaltiert und so gut begehbar.

Im Rhonetal

Dann kommt noch die Sonne heraus und ich hoffe, etwas trockener zu werden.

Der Weinort Yvorne strahlt schon in der Sonne.

Yvorne

Dann geht es nur mehr bergab nach Aigle.

Blick auf Aigle

Ein Nebenfluss der Rhone, „Grand Eau“ – „Großes Wasser“, ist durch die Regenfälle sehr schlammig.

Grand Eau

Ich wandere durch die Stadt zum Bahnhof und fahre nach Territet zur Jugendherberge  zurück.

Ich habe in Aigle kein einigermaßen günstiges Quartier gefunden. Drum mache ich wieder ein Unterkunftshopping und nehme nochmals das gestrige Quartier

Aigle

Heute esse ich in einem Lokal mit damaskischer Küche. Es ist köstlich.

Orientalisch

Zum Abschluss noch ein Bild vom abendlichen See

Genfersee

Tagesstrecke: 25,1 km; ↑131 m; ↓198 m