Via Francigena – 16. Tag Freitag, 15. Mai 2026 Laon – Bouconville-Vauclair

Das Gebäude, in drm ich heute geschlafen habe, stammt aus dem 12. Jhdt., ein Dachbalken im obersten Geschoss ist mit 1775 datiert. Ein wahrlich historisches Haus.

Holzbalken

Das Frühstück ist wieder ausreichend und wird vom freundlichen und hilfsbereiten Chrf persönlich serviert.

Ich gehe bei blauem Himmel nochmals die paar Meter zur Kathedrale um sie mir von außen und vor allem von der Seite nochmals anzusehen.

Cathédrale Notre-Dame de Laon

Die Fensteröffnungen sind noch viel kleiner und die Stützpfeiler nicht so ausgeprägt. Damals sind ja auch einige Bauwerke während des Baus zusammengestürzt. Auch die vier Türme aus der Frühgotik sind interessant

Cathédrale Notre-Dame de Laon
Cathédrale Notre-Dame de Laon

Die Aussicht ist nicht so klar, die Luft noch feucht.

Laon – Aussicht nach Norden

Nun gehe ich durch die fast menschenleere Hauptstraße Richtung Westen, versorge mich mit etwas Proviant und genieße die Ruhe der erwachenden Stadt.

Laon – Rue Saint-Jean

Im Westen steht die zweite große Kirche, die Èglise Saint-Martin, die zur Abbey Saint-Martin gehörte. Das Kloster wurde 1124 gegründet. Sie ersetzte eine karolingische Klostergemeinschaft, die es mit dem klösterlichen Leben nicht so genau nahm. Deshalb holte der Bischof Ordensleute des von Norbert von Xanten neu gegründeten Präminstratenser Ordens. 1810 wurde das Kloster aufgelöst und in ein Spital verwandelt.

Laon – Èglise Saint-Martin

Ich verlasse die Stadt durch die Porte de Soissons, eines der Stadttore der Befestigungsanlage der Stadt.

Porte de Soissons

Es geht steil den Berg hinab in die Vorstadt und gleich ins Grüne.

Wiesenweg

Aus der Entfernung zeigt sich die Kathedrale mit den vier Türmen noch einmal im Sonnenlicht.

Laon

Das Wetter ist heute sehr wechselhaft. Sonnenschein und Regenschauer wechseln sich ständig ab. In Bruyères-et-Montbérault besuche ich eine Bar um dem Regenschauer zu entgehen.

Die Église Notre-Dame de Bruyères-et-Montbérault. Ein Vorgängerbau wird schon 630 erwähnt, 1083 wird ein Neubau eingeweiht. Zwischendurch duehte die Kirche als Pferdestall und Feldlazarett.

Église Notre-Dame de Bruyères-et-Montbérault
Église Notre-Dame de Bruyères-et-Montbérault
Église Notre-Dame de Bruyères-et-Montbérault

Unterwegs treffe ich ein Pilgerpaar aus Dunkerque, das nach Santiago unterwegs ist.

Im kleinen Dorf Martigny-Courpierre treffe ich auf das zweite Highlight des heutigen Tages. Im ersten Weltkrieg wurde die Dorfkirche völlig zerstört. Im Gegensatz zu anderen Orten, wo man das Alte wiederherzustellen versuchte, ging man hier ganz neue, mutige Wege.

Die Kirche  wurde zwischen 1929 und 1932 nach den Plänen des Architekten Albert-Paul Müller erbaut. Im Art-déco-Stil mit romanischen Einflüssen ist sie in Form eines lateinischen Kreuzes angelegt.

Die direkt auf die Zementwände gemalten Innengemälde der Kirche stammen von Eugène-Jean Chapleau; die Glasfenster wurden von Louis Barillet, Jacques Le Chevallier und Théodore-Gérard Hanssen geschaffen. Sie tauchen den Innenraum in ein Licht, das man von den großen Kathedralen gewöhnt ist.

L’église Saint-Martin de Martigny-Courpierre
L’église Saint-Martin de Martigny-Courpierre
L’église Saint-Martin de Martigny-Courpierre
L’église Saint-Martin de Martigny-Courpierre
L’église Saint-Martin de Martigny-Courpierre

Die Gestaltung der Turmkrone aus Beton ist bemerkenswert. Die Natur setzt ihre zusätzlichen Akzente.

L’église Saint-Martin de Martigny-Courpierre

Ich komme an einer Kette von kleinen Seen vorbei, die einerseits als Naturrefugien, andererseits als Erholungszentren genutzt werden.

Lac de l’Ailette
Lac de l’Ailette

Als wieder ein Regenguss einsetzt, gelingt es mir in einen Unterstand beim Tourismuszentrum zu flüchten und den Regen auszusitzen. Danach geht es über einen neuen Radweg weiter.

Radweg

Der führt direkt zu den Ruienen der L’abbaye de Vauclair, dem dritten Höhepunkt des Tages.

Das Kloster wurde 1134 von Bernhard von Clairvaux gegründet und war ein Tochterkloster der Primarabtei Clairvaux. Es wuchs so rasch, dass es bereits im 12. Jhdt. erweitert werden musste. Der größte Teil der Gebäude blueb auch in der französischen Revolution intakt. Erst als nach starker Beschädigung im 1. Weltkrieg die Anlage als Materialquelle diente, erfolgte der Niedergang.

L’abbaye de Vauclair
L’abbaye de Vauclair
L’abbaye de Vauclair

Dann komne ich ordentlich unter Druck. Ein neuer Regenguss ust vorhersehbar und das Quartier noch gut zwei Kilometer entfernt. Ich schaffe es trocken in Bouconville-Vauclair anzukommen.

Escapade de Vouclair
Escapade de Vouclair
Escapade de Vouclair

Tagesstrecke: 28,3 km; ↑203 m; ↓281 m

Via Francigena – 15. Tag Donnerstag, 14. Mai 2026 Tergnier – Laon

Heute gibt es im Hotel kein Frühstück, aber einen Wasserkocher und Kaffee. Daher bin ich zeitunabhängig und gehe schon etwas früher aus dem Haus. Heute habe ich die längste Etappe dieses Abschnittes vor mir.

Um 7.15 Uhr breche ich auf um im nächsten (einzigen) Café nach etwas Süßem (Croissant) zu suchen. Leider Fehlanzeige.

Ich nehme Abschied von meinem gestrigen treuen Begleiter, dem Canal de Saint-Quentin, der hier gleich drei Schleusen hintereinander aufweist.

Canal de Saint-Quentin
Canal de Saint-Quentin

Grund dafür ist auch, dass hier der Canal de la Sambre à l’Oise einmündet. Hier sehe ich zum ersten Mal einen Frachter in Verwendung.

Frachter auf dem Canal de la Sambre à l’Oise

Die Oise kommt dann nochmals als selbstständiger Fluss daher.

Oise

Ich kürze die Strecke auf ruhigen Straßen ab. Jede Abkürzung hat auch ihre Tücken. Beim geplanten Übergang von der Straße auf den Wanderweg gibt es nur eine hohe, bewachsene Böschung mit einem Graben und einem einfachen Zaun. Die Entscheidung für die Böschung oder 500 m Umweg fällt für die Böschung aus. Danach geht es durch den Durchlass. Bei der Aktion verliere ich beide Gummistöpsel auf den Stöcken.

Durchlass

Im nächsten Dorf bietet eine Tischtennisplatte die ideale Arbeitsfläche für die Reparatur der Stöcke. Die Ersatzteile sind im Rucksack immer im untersten Packsack und dort zu allerunterst. Da finden sich die beiden schwarzen Dinger.

Rucksackrevision

Heute geht es abwechslungsreich über Felder und durch Wälder.

Tief im Wald verborgen liegen die Ruinen der Benediktinerabtei Saint-Nicolas. Die wurde 1080 gründet und 1790 geschlossen.

Abbaye de Saint-Nicolas-aux-Bois

Hier setzt plötzlich heftiger Regen ein, das angesagte Gewitter ist da, nur durch den Wald nicht zu erkennen. Obwohl ich den vorbereiteten Regenschutz rasch angezogen habe, werde ich ganz schön nass. Das Wasser rinnt den Weg hinunter und es ist ganz schön glitschig.

Waldweg
Wegsperre

Schließlich scheint wieder die Sonne und der Schattenpilger begleitet mich wieder.

Schattenpilger

Von der Ferne sehe ich zum ersten Mal auf dem Hügel die Konturen von Laon. Bis dahin sind es noch mehr als zehn Kilometer.

Laon

Im Stadtteil Saint-Marcel, am Fuße der Altstadt angekommen, geht es noch drei Kilometer weiter.

Laon – Stadtteil Saint-Marcel

Dann kommt die finale Herausforderung: Nach fast 40 Kilometern Wanderung stehen 265 Stufen vor dem Pilger. Da heißt es nur: Augen zu und rauf!

265 Stufen

Da komme auch ich mit meinem Rucksack ganz schön ins Schnaufen und nehme mir ein paar Absetzer. Dafür sieht man von oben schön in die Landschaft und auf die nächste Regenfront.

Blick von Laon nach Nordwest

Jetzt stehe ich vor der Kathedrale Notre-Dame de Leon, eines der Hauptwerke der Gotik in Frankreich. Sie wurde in den Jahren 1155 bis 1235 gebaut und zählt zu den ersten Kirchenbauten, die in diesem Stil errichtet wurden.

Notre-Dame de Laon
Notre-Dame de Laon – Hauptportal

Ich mache gleich einen Rundgang in der Kirche, da ich zurecht befürchte, dass sie bald geschlossen wird.

Notre-Dame de Leon

Auch die Ausmaße sind für diese Zeit immens:

Länge: 110,50 m, Breite: 30,65 m, Gewölbehöhe des Langhauses: 24 m, Querschiffbreite: 22 m

Notre-Dame de Leon
Notre-Dame de Leon

Notre-Dame de Leon

Jetzt will ich eigentlich nur mehr in meine Unterkunft, die gleich um die Ecke liegt, das Hôtel Les Chevaliers.

Hôtel Les Chevaliers
Hôtel Les Chevaliers

Auf der Suche nach einem Speiselokal treffe ich ein nettes Pilgerpaar aus dem Raum Nürnberg. Wir landen in einem Pizza-Kebab -Laden und essen sehr gut und ausgiebig.

Kebab-Teller

Kaum bin ich wieder auf meinem Zimmer, prasselt es auf das Dach und ans Fenster. Ein leichter Hagelschauer zieht über die Stadt. Da hat der Pilgerpatron Jakobus doch aufgepasst.

Tagesstrecke: 38,5 km; ↑405 m; ↓276 m

Via Francigena – 14. Tag Mittwoch, 13. Mai 2026 Saint-Quentin -Tergnier

Nach einer sehr ruhigen Nacht und einem ausgiebigen Frühstück vom Buffet komme ich um 7.50 Uhr aus dem Haus. Es ist nicht so kalt wie gestern, aber wieder windig.

Ich gehe vorerst wieder den gleichen Weg wie gestern aus der Stadt hinaus.

Rue de Paris
Eine Hommage an  S. Dali

Schließlich wende ich mich nach links und gehe hinunter an das Ufer den Canal de Saint-Quentin. Ihm werde ich heute fast den ganzen Tag folgen.

Canal de Saint-Quentin

Parallel dazu verläuft La Somme, die Somme, immer ein paar Meter tiefer im Niveau durch eine dichte Aulandschaft.

Aulandschaft der Somme

Der Graureiher hat sich längere Zeit von mir nicht stören lassen.

Graureiher

Der ehemalige Treidelweg (Uferweg) lädt zum Wandern und Joggen ein. Heute weht der Wind leider aus der falschen Richtung.

Der Canal de Saint-Quentin verläuft in der Region Hauts-de-France, ist 92 km lang und wurde 1728 – 1810 errichtet.

Canal de Saint-Quentin

Fünfunddreißig Schleusenanlagen sorgen dafür, dass Schiffe bis 38,5 m Länge, 5,05 m Breite und 1,8 m Tiefgang den Kanal befahren können. Das entspricht etwa sieben LKW- Ladungen. Tatsächlich sind keine Schiffe unterwegs.

Schleuse #23

Bei Seraucourt-le-Grand verlässt die Via Francigena den Kanal und führt vorerst über die Hügel.

Mairie in Seraucourt-le-Grand

Der Weg hat einige Überraschungen zu bieten. Zum Glück ist die Seitenböschung sehr stabil und ich kann gut darüber balancieren.

„Seeweg“

Dann holt mich der Regen ein. Mit einigen kräftigen Böen jenseits der 50 km/h wird der Regen ordentlich verteilt. Zum Glück ist das bald wieder vorbei.

Im Regen
Felder

Bei Jussy stoße ich wieder auf den Kanal, dem ich bis Tergnier, meinem Tagesziel, folgen werde.

Kanal nach Jussy
Graureiher

Beim Bahnhof von Tergnier, keine 400 Meter vor dem Ziel erwischt mich nochmals ein Regenguss.

Tergnier

Das Hotel Royal Heveli scheint frisch renoviert zu sein, ist sehr sauber und in indischer Hand.

Hotel Royal Heveli
Hotel Royal Heveli

Es gibt gleich im Haus ein indisches Restaurant, was mir die Suche nach einem Abendessen erspart und mich vor weiteren Regengüssen bewahrt.

Nan – Brot
Lammcurry mit Reis

Tagesstrecke: 30,9 km; ↑26 m; ↓50 m

bisherige Gesamtstrecke: ca. 360 km

Via Francigena – 13. Tag Dienstag, 12. Mai 2026 Péronne – Saint-Quentin

Heute am Morgen war es richtig frisch. Die Temperatur ist in der Nacht auf 2° C gesunken. Die Sonne wärmt aber recht gut und zum Wandern ist es gerade richtig.

Im Stadtzentrum will ich noch Verpflegung und Wasser beschaffen, aber der erste Supermarkt hat wirklich nur leere Regale. Vielleicht wird das Geschäft aufgelöst oder umgebaut. Ich finde dann genau eine Bar im Zentrum, die schon offen hat. Da genieße ich den Kaffee und einen Ananassaft. Croissants oder ähnliches – Fehlanzeige.

Péronne – Zentrum

La Cologne, die Köln, heißt dieser kleine Fluss, der ein paar hundert Meter später in die Somme mündet. In Richtung Ursprung weitet sich die Cologne zu einem weiten und schwer durchdringbaren Sumpfgebiet.

La Cologne
La Cologne

Ich habe wieder das Glück, auf einer ehemaligen Gleistrasse wandern zu dürfen.

Bahntrasse zwischen Péronne und Cartigny
Bahntrasse zwischen Péronne und Cartigny
Bahntrasse zwischen Péronne und Cartigny

In einer parkähnlichen Anlage in Cartigny steht eine schöne Villa.

Villa

Mairie und Post befinden sich hier in einem Gebäude.

Cartigny – Mairie

Heute sind Blau und Grün angesagt.

Allee

Ich wandere aus Cartigny hinaus, muss dabei eine Baustelle überwinden und gehe flott bergan. Zu schnell! Irgendwo übersehe ich eine Abzweigung. Zugegeben, die Markierung in diesem Abschnitt ist nicht wirklich gut und bräuchte etwas Auffrischung. Aber dafür hätte ich ja auch GPS.

Nach Cartigny
Wegkreuz

So lerne ich einen weiteren Ort kennen: Hancourt, ein kleiner Ort, umgeben von Feldern.  Die alltägliche Realität in allen landwirtschaftlichen Gebieten ist, dass viele Geschäfte, Gasthäuser und Dienstleister aufhören.

Hancourt – ehemaliger Greißler

Mit einigem Umweg komme ich auf meine Route zurück. In Vraignes-en-Vermandois hole ich mir auf der Mairie den Pilgerstempel und bitte um Wasser. Die Sekretärin ist sogleich behilflich, erklärt mir noch auf einem Plakat die wichtigsten kommunalen Fakten und möchte noch ein Bild für die Chronik. Jeden Tag schlägt auch nicht ein österreichischer Pilger hier auf.

Vraignes-en-Vermandois – in der Mairie

Auf den Feldern steht gerade Unkrautbekämpfung am Programm. Dieses Gefährt hätte auch in einer Transformers – Serie mitspielen können.

Ackerspritze

Ich nähere mich schon Saint-Quentin. Der Fußweg führt jetzt auf einem frisch gemähten Rasenstreifen neben der Straße. Gut für die Sicherheit, anstrengend für die Füße.

Rasenstreifen

Die letzten paar Kilometer bekomme ich ein Geschenk für meine heute schon etwas müden Beine: wieder darf ich auf einer alten Bahnlinie wandern. Immer schön gerade dahin, kaum Steigung und Gefälle und eine leichte Humusauflage als Bodenbedeckung.

Bahntrasse

Manchmal verläuft der Weg tief abgesenkt, manchmal hoch über dem Umgebungsniveau. Die Bahnbrücke ist durch Stufen ersetzt worden.

Treppe statt Brücke

Die Seitenwände einer Unterführung sind mit bunten Graffitis geschmückt. So kanns auch sein.

Graffitis

Jetzt tauche ich wieder in die Zivilisation ein, ich komme in die Vororte von Saint-Quentin.

Saint-Quentin

Über die Rue de Paris mit einigen schönen und mehr weniger schönen Häusern erreiche ich das Stadtzentrum.

Rue de Paris
Rue de Paris

Ich wohne direkt im Zentrum, keine 200 m vom Place d’Hôtel de Ville entfernt.

Saint-Quentin – Place d’Hôtel de Ville
Saint-Quentin – Hôtel de Ville
Saint-Quentin – Théâtre Jean Vilar

Etwas abgesetzt steht die Basilika Saint-Quentin.

Basilika Saint-Quentin

Die Stadt soll seinen Namen vom heiligen Quintin erhalten haben, der hier bei der Predigt des Christentums 287 n. Chr. das Martyrium erlitt. Die Gebeine des Märtyrers sollen 825 nach Saint-Quentin überführt worden sein. Vom 4. bis zum 6. Jahrhundert war Saint-Quentin Bischofssitz. Im Frühmittelalter entwickelte es sich zu einem bedeutenden Wallfahrtsort.

Basilika Saint-Quentin

1257 nahm König Ludwig der Heilige an der Übertragung der Reliquien in den Chor teil, darunter der Handreliquie des heiligen Quentin.

Basilika Saint-Quentin – Handreliquie
Basilika Saint-Quentin

Die Basilika Saint-Quentin mit ihren zwei Querschiffen und fünf Portalen ist 123 m lang, hat im Langschiff und im Chor eine Höhe von 34 m und eine Breite von 52 m.

Basilika Saint-Quentin

Während meines Rundgangs „übt“ ein Organist unter Anleitung seines Lehrers an der Orgel. Er testet dabei auch die Möglichkeit des Instruments aus.

Basilika Saint-Quentin
Basilika Saint-Quentin

Mein Quartier, das „Logis Hôtel le Florence“ in der Rue Emile Zola ist sehr sauber und ruhig. Die Zimmer sind in Richtung großer Hinterhöfe ausgerichtet.

Logis Hôtel le Florence
Logis Hôtel le Florence

Zum Abendessen gibt es heute Filet Mignon mit jungen Kartoffeln und hellem „La Mascotte“, einem Craft beer.

Filet Mignon

Die Strecke war heute für mich schon lang, aber ich doch gut zu bewältigen. Ich bin neugierig, was die Beine morgen dazu sagen…

Tagesstrecke: 39,2 km; ↑152 m; ↓106 m

Via Francigena – 12. Tag Montag, 11. Mai 2026 Favreuil – Péronne

In der Früh werde ich von den Hunden ruhig begrüßt. In der Nacht waren sie völlig ruhig, obwohl sie im Nebenzimmer waren.

Zum Abschied gibt es noch ein Foto mit der Hausherrin.

Gerhard und Peggy

Am Abend hat es nochmals geregnet, jetzt ist es feucht, aber es regnet nicht. Vorsichtshalber habe ich den Regenschutz nicht eingepackt.

Die heutige Route weicht von der „offiziellen“ an mehreren Stellen ab, um die Tagesstrecke zu reduzieren. Sie ist mit einer Ausnahme, der Kreuzung mit der TGV – Linie und der Autobahn A1, gut und gefahrlos zu gehen.

Enge Brücke über die Autobahn
Autobahn A1

Vorher komme ich noch am Gefängnis von Bapaume vorbei. Hier haben einige der bis 600 Strafgefangenen länger Vollpension gebucht.

Centre de détention de Bapaume

Der nächtliche Regen hat seine Spuren merklich hinterlassen. Zum Glück sind nur ganz wenige Teilstücke davon betroffen.

Feldweg

Aus der Ferne sehe ich einen Turm, den ich nicht zuordnen kann.

Turm in Rocquigny

Das Dorf Rocquigny wurde im 1. Weltkrieg praktisch dem Erdboden gleichgemacht.

Die Église Notre-Dame de Rocquigny wurde 1929 nach den Plänen von Jean-Louis Sourdeau errichtet. Im Inneren zeigt der Jugendstil seine Handschrift. Die tragenden Elemente sowie der Turm sind aus Beton.

Église Notre-Dame de Rocquigny
Église Notre-Dame de Rocquigny
Église Notre-Dame de Rocquigny

Auch an die PilgerInnen hat man gedacht: Es gibt eine Ecke mit Kaffeemaschine, Keksen und Pilgerstempel.

Église Notre-Dame de Rocquigny

Die wenigen Orte werden von den Wanderwegen umgangen. Die Weite der Felder ist beeindruckend. Wenige große Landwirte haben die früheren Bauern abgelöst.

Acker

Die Kirchen sehen wie Wehrtürme aus, sind aber meist nicht sehr alt.

Die Gemeinde hieß bis 1920 lediglich Bouchavesnes. Im Ersten Weltkrieg völlig zerstört, wurde sie teilweise auf Kosten des norwegischen Unternehmers Haakon Wallem und der Stadt Bergen wiederaufgebaut. Aus Dankbarkeit ergänzte Bouchavesnes seinen Namen auf die heutige Form.

Bouchavesnes-Bergen

Auf dieser Brücke überquere ich den Canal Seine-Nord Europe. Dies ist das Projekt eines 106 km langen Kanals in Süd-Nord-Richtung durch Nordfrankreich zwischen den Einzugsgebieten der Flüsse Seine und Schelde, es ist ein Europaprojekt. Es könnte daran scheitern, dass die Flussschiffe schneller größer werden, als die Baufortschritte erfolgen.

Brücke über den Canal Seine-Nord Europe
Canal Seine-Nord Europe
Canal Seine-Nord Europe

Noch ein Hügel, dann bin ich in Péronne. Erst auf dem Hügel wir mir gewahr, dass das der Mont Saint Quentin ist, wo die heftigsten Kämpfe des 1. Weltkrieges stattgefunden haben.

Kirche am Mont Saint-Quentin

Ich bin zwar müde, schaue mich aber trotzdem in der Stadt um. Das Château de Péronne, eine uralte Burganlage aus dem Mittelalter, wurde nach dem 1. Weltkrieg rekonstruiert und 1992 um ein eindrucksvolles Museum erweitert.

Château de Péronne
Häuser beim Château de Péronne
Église Saint-Jean-Baptiste
Hôtel de Ville

Ich bin heute wieder auf Campingbasis in einem Mobilehome untergebracht. Hotels sind Mangelware.

Camping Municipal
Mobilehome
Mobilehome

Draußen ist es richtig kalt geworden, dafür haben wir eine schöne Abendstimmung. Es hat nur mehr 9° C.

Abendstimmung

Tagesstrecke: 31,0 km; ↑136 m; ↓198 m

Via Francigena – 11. Tag Sonntag, 10. Mai 2026 Arras – Favreuil

Heute früh lasse ich mir ein bisschen Zeit, weil ich erst um 18.00 Uhr im Quartier sein soll.

Ich mache noch einmal eine Runde auf dem Place des Héros, der sich heute ganz anders zeigt.

Arras – Place des Héros

Arras wurde während des 1. Weltkrieges fast völlig zerstört: schon 1914 brannte das Rathaus und der Belfried stürzte ein. Die Kathedrale wurde 1915 zerstört. Im Zweiten Weltkrieg war die Stadt von Juni 1940 (Westfeldzug) bis Ende August 1944 von deutschen Truppen besetzt und wurde dann von den Briten befreit.

Die 155 Fassaden wurden nach dem 1. Weltkrieg im flandrischen Barockstil rekonstruiert.

Straße

Die Stadt Arras ist auf Kreide erbaut. Diese Kreide wurde zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert intensiv abgebaut, um Baumaterial für die Stadtgebäude zu gewinnen. Durch den Abbau entstanden riesige Höhlen im Untergrund unter der Stadt. Genau diese Höhlen wurden in der Frühjahrsoffensive genutzt, um die Deutschen zu überraschen. Hier ist einer der Eingänge zur „Unterwelt“. Das unterirdische Netzwerk ist 20 km lang und kann 20.000 Menschen unterbringen. Den Mineuren aus Neuseeland, Kiwis genannt, die die Anlage im 1. Weltkrieg ausbauten, wurde hier ein Denkmal gesetzt.

Ein Eingang zu den Tunnelsystemen

Vor dem Bahnhof liegt der Place Maréchal Foch.

Place Maréchal Foch

Im Vorort Beaurains findet heute ein großflächiger Trödelmarkt, wir würden „Fetzenmarkt“ sagen, statt.

Beaurains
Werbung über Jahre

Es herrscht starker Wind. Zum Glück gehe ich in die richtige Richtung. So treibt er mich vor sich her. Außerdem liegt der Weg meist etwas tiefer.

„Hohlweg“

Jedes Dorf hat mindest einen Soldatenfriedhof, hier der „Sunken Road Cementery“, wo 196 junge Briten, Kanadier und Neuseeländer bestattet sind.

Sunken Road Cementery
Sunken Road Cementery

Nahe einer alten Kapelle, die auch als Buchtauschstelle Verwendung findet, werde ich wieder auf die Dimensionen der Via Francigena aufmerksam gemacht.

Kapelle
Canterbury – Roma

Der Gallische Hahn schmückt ein Denkmal.

Gallischer Hahn

Der Weg fühlt sich wieder wie eine aufgelassene Bahntrasse an. Später im Jahr ist er sicher zugewachsen.

Weg

Die zahlreichen Kapellen in den Orten sind verschlossen, Gottesdienste finden in den Filialkirchen selten statt.

Dorfkirche
Dorfkirche

In der Zwischenzeit kommt vom Südosten eine Regenfront und ich beeile mich, möglichst weit trockenen Fußes unterwegs zu sein. Dann muss ich aber doch die Pelerine herausholen. Ich komme aber gleich zu einem „Bauernhof“ mit zahlreichen Hallen. Ich stelle mich in einer Stroh- und Heulagerhalle gigantischer Größe unter und kann auch eine Erholungspause einlegen.

Heu- und Strohlager

Kaum bin ich unter Dach, prasselt der Regen so richtig herunter. Die Wetterapp prophezeit eine Pause von mindest einer Stunde.

Regenpause

Etwas verfrüht wage ich mich aus der Halle und werde nochmals vom Regen eingeholt. Aber da stehe ich schon unter dem Schutz einer Kirche im Narthex.

Unter dem Schutz der Kirche

Als der Regen wirklich aufhört, bin ich nicht mehr lange zu meiner heutigen Gastfamilie unterwegs.

Favreuil – Fam. Carpentier

Die Familie hat drei Hunde und zwei Katzen, die die Wohnung einnehmen. Eine Pilgerin aus Paris ist auch eingetroffen. Sie will bis Rom durchgehen.

Tagesstrecke: 25,8 km; ↑83 m; ↓46 m

Via Francigena – 10. Tag Samstag, 09. Mai 2026 Ablain-Saint-Nazaire – Arras

Den heutigen Blogbeitrag schreibe ich vom Place des Héros in Arras. Hier genieße mit vielen hundert Menschen den Samstagabend.

Arras – Abend auf dem Place des Héros

Aber zurück zum Anfang. Heute in der Früh verabschiede ich mich von meiner reizenden Gastgeberin Mme Decoupigny und breche in Richtung Süden auf. Es ist wärmer als an den letzten Tagen und es verspricht, ein schöner Tag zu werden.

Schon vom ersten Hügel aus sehe ich ein turmähnliches Gebäude, das sich später als die Ruine der Kirche von Mont-Saint-Eloi erweist.

Mont-Saint-Eloi

Der Legende nach zog sich der heilige Eligius, Bischof von Noyon und Tournai, regelmäßig auf den Hügel, auf dem später die Abtei errichtet wurde, zurück, um zu beten. Durch die Kirchenreform wurde 1068 aus der religiösen Gemeinschaft von Mont-Saint-Éloi eine Gemeinschaft von Augustiner-Chorherren. In der französischen Revolution wurde das Kloster aufgelassen und geschleift. Von der Kirche stand nur noch die Westfassade. Im ersten Weltkrieg wurden die Türme von der deutschen Armee beschossen, weil die Franzosen dort Beobachter stationiert hatten.

Mont-Saint-Eloi

Ab März 1916 lieferten sich alliierte Truppen im Norden von Arras blutige und endlose Abnutzungsschlachten und Grabenkriege mit den Deutschen. Der Soldatenfriedhof des Dörfchens Écoivres am Fuße des Hügels von Mont-Saint-Éloi mit mehr als 2500 Franzosen, Briten und Kanadiern ist dafür ein trauriges Zeugnis.

Soldatenfriedhof von Écoivres

In Marœuil sitzt der Gambrinus auf dem Kamin und prostet uns zu. Wahrscheinlich war das Gebäude einmal eine Brauerei.

Marœuil – Gambrinus

Ich darf einen kleinen Bach eine Zeit lang begleiten. Der ganze Bereich ist als Naturschutzzone ausgewiesen.

Bachweg

In einer ehemaligen Mühle ist ein Restaurant untergebracht. Das unterschächtige Wasserrad ist noch zu sehen.

Alte Mühle

Auf einem großzügig angelegten Radweg wandere ich gegen Arras.

Radweg

Gegen Mittag komme ich in das Stadtgebiet von Arras und es ist noch ein gutes Stück in das Zentrum, wo auch mein Hotel ist.

Hier verlaufen der Jakobsweg (Via Brugensis Brügge – Lille – Arras) und die Via Francigena parallel.

Hinweis auf den Jakobsweg und die Via Francigena

Zuerst mache ich mich auf die Suche nach der Kathedrale, was schwieriger ist, als man glaubt. Durch Renovierungsarbeiten ist das halbe Viertel abgesperrt und mit großem Umweg finde ich dann einen Eingang. Dort laufen gerade die Vorbereitungen zur Erstkommunion mit etwa dreizehn- bis vierzehnjährigen Halbwüchsigen. Gefühlsmäßig haben einige davon zum ersten Mal eine Kirche von innen gesehen.

Cathédrale Notre-Dame-et-Saint-Vaast d’Arras

Die Kathedrale wurde Ende des 18. Jhdt. errichtet. In der Revolutionszeit wurde der Bau unterbrochen und erst im 19. Jhdt. fertiggestellt.

Im Ersten Weltkrieg wurde mit der Altstadt von Arras auch die Kathedrale zu drei Vierteln zerstört. Der Wiederaufbau begann 1920 und wurde 1934 abgeschlossen. Im Mai 1944 erhielt die Kathedrale erneut Schäden durch einen Bombentreffer.

Cathédrale Notre-Dame-et-Saint-Vaast d’Arras

Im Kirchenraum sind viele Reliquien von Heiligen ausgestellt, die eine besondere Beziehung zu Arras hatten. Darunter auch eine des Saint Benoît Josef Labre, den ich schon in Amettes beschrieben habe. Hier handelt es sich offenbar um seine Leber.

Cathédrale Notre-Dame-et-Saint-Vaast d’Arras -Reliquie des Saint Benoît Josef Labre

Ich komme auf den Place des Héros. Hier ist leider der Wochenmarkt schon zu Ende und die Fieranten sind beim Einpacken ihrer Restware. In einer Stunde schaut es hier anders aus.

Place des Héros

Jetzt checke ich in meinem Hotel ein, das keine 70 m in einer Nebengasse liegt. Es ist wieder ein B&B-Hotel, das das beste Angebot hat und das bei der Lage!

B&B-Hotel
B&B-Hotel

Dann nehme ich mir die Zeit für einen kleinen Stadtbummel.

Place des Héros mit dem Rathaus
Place des Héros
Place des Héros
Place des Héros
Gasse
Grand’Place
Grand’Place

Und so genieße ich noch die Abendsonne, esse eine „Brettljause“ und trinke gutes Bier aus den Ardennen.

Place des Héros
Abendgenuss

Tagesstrecke: 22,8 km; ↑174 m; ↓199 m

Via Francigena – 9. Tag Freitag, 08. Mai 2026 Bruay-le-Buissière – Ablain-Saint-Nazaire

Die Nacht im Hotel war angenehm, das Frühstücksbuffet war ausreichend. Ich nehme wieder den Bus in die Stadt. Im Stadtgebiet ist Busfahren gratis! Heute ist ein spezieller Feiertag, weil der Tag des Sieges, Generalkapitulation Deutschlands 1945 auf einen Freitag fällt. Daher ist es noch ruhiger als sonst um diese Zeit.

Bruay-le-Buissière

Mir wurde empfohlen die Cité des Électriciens anzusehen. Das ist eine Wohnanlage und wurde zwischen 1856 und 1861 von der Compagnie des mines de Bruay erbaut, um die Familien der Bergleute zu beherbergen, die an der Grube Nr. 1 arbeiten. Diese war gleich daneben gelegen.  Die Straßen wurden nach bekannten „Elektrikern“ wie Volta, Ampere etc. benannt. Der Stadtteil zählt heute zum UNESCO Weltkulturerbe.

Cité des Électriciens
Cité des Électriciens
Cité des Électriciens

Dann verlasse ich die Stadt durch die endlos lange Rue Alfred Leroy.

Rue Alfred Leroy

Von der Hügelkante habe ich einen schönen Blick auf die Umgebung.

Der nächste Ort ist Houdain mit ca. 7000 Einwohnern.

Houdain
Houdain

Jetzt komme ich wieder in ländliche Gegenden.

Feldweg
Leinfeld

Nach einer längeren Waldpassage komme ich zu einem Erholungszentrum mit Schwimmbad, verschiedenen Abenteuerspielplätzen und Picknickplätzen. Auch ein Aussichtsturm kann gegen Bezahlung bestiegen werden.

Wald
Aussichtsturm mit Rutschen

Dann werde ich um einen Golfplatz herumgeleitet. Wer da eine Runde spielt, bekommt einige Höhenmeter gutgeschrieben.

Golfplatz

Kriegerdenkmäler gibt es in Frankreich viele. Das in Servins zeigt einen Soldaten in bunter Uniform.

Kriegerdenkmal

Eine ganz andere Dimension hat die Necropole national Notre-Dame-de-Lorette bei Ablain-Saint-Nazaire. Auf einer Hochfläche sind auf 27 Hektar über 43.000 französische Gefallene des Ersten Weltkriegs bestattet, davon rund 20.000 in Einzelgräbern und 23.000 in acht Beinhäusern.

Necropole national Notre-Dame-de-Lorette
Necropole national Notre-Dame-de-Lorette
Necropole national Notre-Dame-de-Lorette

Wenn die Menschheit daraus lernen könnte….

Ich habe noch den Abstieg in den Ort zu bewältigen und stehe dann vor der Kirche und dem Rathaus meines Zielortes Ablain – Saint-Nazaire.

Ablain-Saint-Nazaire
Ablain-Saint-Nazaire – Mairie

Ich bin heute bei einer sehr netten Dame privat untergebracht. Dass sie Englisch spricht, erleichtert die Sache enorm.

Tagesstrecke: 30,2 km; ↑403 m; ↓358 m

Via Francigena – 8. Tag Donnerstag, 07. Mai 2026 Amettes – Bruay-le-Buissière

In der Nacht hat es ganz schön abgekühlt. In der Früh holt mich Madame Colette zum Frühstück in ihr Wohnzimmer. Ihr Mann Jeanne ist schon im Weggehen.

Die beiden sind sehr stolz auf ihr internationales Publikum. Im letzten Jahr hatten sie Gäste aus 32 Ländern der Erde. Ich bin heuer ihr erster Österreicher.

Madame Colette und ich

Um 7.45 Uhr bin ich auf dem Weg. Der Himmel ist stark bewölkt. Ein leichter Nieselregen hat den Ort in der Früh gestreift. Jetzt ist der in Richtung Westen abgezogen.

Rückblick auf Amettes

Wie in den letzten Tagen ziehen sich die weiten Ebenen, nur unterbrochen von kleinen Tälern.

Feldweg

Die Abraumhalden begleiten mich den ganzen Tag. Manche sind kegelförmig angelegt und bis über 100 m hoch, die jüngeren aber meist langgezogen.

Abraumhalde

Der Weg führt einmal direkt entlang einer solchen Halde, die heute meist von starker Vegetation bedeckt sind.

Abraumhalde

Wenn man das Material genauer betrachtet findet man genug kleine Kohlestückchen als Beweis ihrer Herkunft.

Kohle

Das Nordfranzösische Kohlerevier (französisch Bassin minier du Nord – Pas-de-Calais) ist ein Gebiet, das vom Steinkohlebergbau geprägt wurde. Es zieht sich von Lüttich in Belgien bis Auchel in Nordfrankreich, in Frankreich auf einer Fläche von 280 km². Ab 1773 wird industriell Kohle gewonnen.

In der Zwischenkriegszeit und nach dem 2. Weltkrieg war die Steinkohle der Wirtschaftsmotor Frankreichs.

Dafür wurden auch viele Arbeitskräfte aus ganz Europa angeworben. So kamen auch weststeirische Minenarbeiter in der Zwischenkriegszeit mit ihren Familien nach Frankreich, weil sie hier viel mehr verdienen konnten als in ihrer ärmlichen Heimat

Bruay-le-Buissière – Denkmal für die Mineure

Leider sind beide Bergbaumuseen, an denen ich vorbei komme, geschlossen.

Die Bergleute mussten untergebracht werden. So entstanden unmittelbar an den Minen Siedlungen aus identen Häusern. Vor allem Polen, Marokkaner und Italiener bildeten bis 48 Prozent der Belegschaft. Sie bildeten in Siedlungen mit eigenen Schulen, medizinischer Versorgung und Geschäften abgeschlossene Gesellschaften.

Bergwerksiedlung

Der Reichtum der Kommunen zeigt sich auch an den repräsentativen Rathäusern aus den 30er Jahren.

Marles-les-Mines – Hôtel de ville
Bruay-le-Buissière – Hôtel de ville

Heute habe ich leider keine Unterkunft in Zentrumsnähe bekommen. Am Rande eines riesigen Centre Commercial komme ich im B&B HOTEL Béthune Bruay-la-Buissière unter.

Da die Rezeption des Hotels erst um 17 Uhr öffnet, muss ich mir die Zeit totschlagen. Die Auswahl: McDonalds oder Subway. Alle anderen Restaurants im Einkaufszentrum öffnen erst am Abend. Subway bekommt den Vorrang.

Subway
B&B HOTEL Béthune Bruay-la-Buissière
B&B HOTEL Béthune Bruay-la-Buissière

Tagesstrecke: 26,5 km; ↑211 m; ↓233 m

Via Francigena – 7. Tag Mittwoch, 06. Mai 2026 Thérouanne – Amettes

Gleich in der Früh lege ich einen Sonderkilometer ein. Die Bäckerei, die auf meinem Weg liegt, hat noch geschlossen. Die andere liegt natürlich genau in der entgegengesetzten Richtung im Ort. Zweimal fünfhundert Meter für das Gebäck.

Am Ortsausgang wird auf einer Schautafel die heutige Etappe vorgestellt. Ich nehme sie gleich in Angriff.

Schautafel Via Francigena

An der Landschaft ändert sich nicht viel. Die Wege gehen geradewegs durch die Felder. Größere Straßen werden gemieden.

Hügellandschaft

Ein riesiger Kalksteinbruch wird nahe umgangen. Ein LKW nach dem anderen fährt zu oder weg. Die alten Abschnitte dienen als Deponie für Baurestmassen.

Kalksteinbruch

Ein schöner Schmetterling entgeht mir nicht.

Distelfalter (Vanessa cardui L.)

Von einem Strauch hängen mehrere Zöpfe von Gespinstmotten. Welche es sind, lässt sich nicht herausfinden.

Gespinst- und Knospenmotten (Yponomeutidae)

Die Routenführung der Via Francigena, meist ident mit der GR 127, führt oft außen an den Dörfern vorbei. Ich gehe nach Möglichkeit gerade durch. Da komme ich auch eher an interessanten Kulturdenkmälern wie hier am Schloss Liettres vorbei.

Das kleine Schloss wurde 1479 errichtet und fiel im gleichen Jahr beim Durchzug österreichischer Truppen einem Brand zum Opfer. Sechzig Jahre später wurde es erneut aufgebaut und wie üblich, öfters umgestaltet.

Schloss Liettres

Inzwischen ziehen dunkle Wolken auf. Ein schmaler Regenstreifen hat mich glücklicherweise nur um hunderte Meter verfehlt.

Regenwolken bei Liettres

Nun tauchen die ersten „Teril“ auf, das sind Abraumhalden von ehemaligen Kohlebergwerken. Der hat eine Höhe von etwa 50 m über dem Normalniveau. Über den Kohleabbau in der Region gibt es sicher auf den nächsten Etappen mehr Informationen.

Teril – Abraumhalde

Ein Vorteil ist auch für mich geblieben. Die ehemalige Trasse für den Transport der Kohle ist heute ein bequemer Wander- und Bikeweg.

Ehemalige Eisenbahntrasse
Ehemalige Eisenbahntrasse

Zu Mittag erreiche ich das Dorf Amettes, wo ich übernachten will.

Die Kirche wirkt für den kleinen Ort sehr groß. Der Grund ist, dass das Dorf einen Heiligen hervorgebracht hat und deshalb zum Anziehungspunkt von vielen Gläubigen wurde. Saint Benoît Joseph Labre, Heiliger und Mystiker, stammte aus reichem Elternhaus. Er sollte Priester werden, schaffte aber aufgrund seiner Konstitution und seiner Leistungen keine Schule und wurde auch von mehreren Orden abgelehnt. Schließlich fand er Platz bei den Karthäusern, floh aus dem Kloster nach Rom, lebte dort unter ärmsten Bedingungen und starb 35-jährig. 1881 wurde er nach zahlreichen Wundern heiliggesprochen. Er gilt als der Heilige der Obdachlosen. Das Vinzidorf in Graz-Leonhard ist nach ihm benannt.

Amettes – Kirche
Amettes – Kirche
Amettes – Saint Benoît Joseph Labre
Amettes – Geburthaus von Benoît Joseph Labre
Amettes – Geburthaus von Benoît Joseph Labre

Zu Mittag esse ich im La Table de Saint Benoît: Gefüllte Hühnerbrust mit Zichoriengemüse und Pommes. Dazu Veilchensaft.

Gefüllte Hühnerbrust mit Zichoriengemüse und Pommes
Veilchensaft

Untergebracht bin ich heute im La Ferme Des 2 Tilleules

La Ferme Des 2 Tilleules
La Ferme Des 2 Tilleules

Tagesstrecke: 21,7 km; ↑104 m; ↓75 m