Seit heute ist es „amtlich“!

Heute hat mir die Post mein „Certificado de distancia“ für meine gesamten Camino zugestellt.
Ich habe eigentlich mit der letzten Etappe begonnen und mich dann von zu Hause aus auf SJPdP vorgearbeitet. Jetzt habe ich dieses für mich interessante Dokument über die Gesamtstrecke bekommen

Ein kurzer Überblick über meine Etappen:

Distance Country Date km days
Graz – Lavamuend Austria 29.09. – 04.10.2014 175 7
Lavamuend – Bruneck Austria-Italy 26.05. – 07.06.2015 340 13
Bruneck – Lauterach Italy – Austria 06.09. – 19.09-2015 350 14
Lauterach – Geneve Austria – Switzerland 18.05. – 05.06.2016 480 18
Geneve – Le Puy-en-Velay France 02.05. – 17.05.2017 370 14
Le Puy-en-Velay – Espalion France 17.05. – 24.05.2017 165 6
Espalion – Saint-Jean-Pied-de-Port France 05.09. – 28.09.2017 605 24
Saint-Jean-Pied-de-Port – Santiago France-Spain 06.05. – 06.06.2014 775 31
3260 127

ULTREIA!

 

 

Résumé: 600 km Via Podiensis von Espalion nach Saint-Jean-Pied-de-Port

Seit ein paar Tagen bin ich wieder zu Hause und es ist die Zeit reif, ein bisschen auf die letzte Teilstrecke meines Jakobsweges zurück zu blicken.

Ich bin sehr froh, dass ich mein Hauptziel Saint-Jean-Pied-de-Port erreichen durfte. Nach meinen bisherigen Erfahrungen auf dem Weg hoffte ich natürlich, keine bösen Überraschungen zu erleben. Und so blieb es bei meinem Infekt, der mich zwar zu einem Tag Pause Zwang, aber sonst keine Auswirkungen hatte.

Der Abschnitt ist sicher ein toller Wanderwege mit vielen Anteilen ohne Asphalt und oft weg von jeder Verkehrsbelastung.

Zwischenzeitlich war ich froh, dass es nicht geregnet hat, denn dann wäre manche Bergwertung sowohl bergauf als auch bergab etwas schwierig geworden.

Die kurzen Anstiege und Abstiege sind zeitweise sehr steil und anstrengend. Durch die langen Zwischenstücke über die Höhenrücken kam die Strecke mir weniger anstrengend vor als die Via Gebennensis oder der Abschnitt nach Le Puy-en-Velay.

Die Unterbringung in Pilgerherbergen hat sehr gut geklappt. Im Gegensatz zum Camino Frances sollte man doch regelmäßig am Vorabend oder in der Früh vorbestellen. Nur einmal bekam ich nicht die Herberge meiner ersten Wahl, sondern musste eine andere nehmen, die sicherlich nicht schlechter war. Wegen meiner nicht vorhandenen Französischkenntnisse ersuchte ich oft die Herbergsbetreiber mir das nächste Quartier zu buchen. Öfters würde es mir sogar angeboten.

Von den Quälgeistern des Caminos, den Bettwanzen blieb ich verschont. Die meisten Herbergen arbeiten gut präventiv gegen das Problem.

Das Essen in den Herbergen war meist einfach, oft vegetarisch, vielleicht auch aus Kostengründen. Im Gegensatz zu Spanien war der Wein zum Essen nicht immer im Preis inkludiert, was bei meinen Mengen kein Problem ist.

Die Leute unterwegs, egal ob Einheimische oder Pilger waren durchwegs freundlich, hilfsbereit und aufgeschlossen. Auch ohne Sprachkenntnisse kam ich gut zurecht.

Die An- und Abreise mit Bus und Bahn war völlig stressfrei. Die Preise am Bahnschalter lagen immer weit unter denen auf der SNCF-Website im Internet. Buchungen für den TGV waren auf meiner Strecke nicht notwendig. Er wäre auch nicht schneller gewesen als der TER.

Oft war ich von der Kleinheit der Orte überrascht. Wo ich zumindest eine Kleinstadt erwartet hätte, war dann nur ein größeres Dorf.

Das Verschwinden der Infrastruktur auf dem Land ist in Frankreich das gleiche Problem wie auch sonst überall. So muss man sich schon rechtzeitig mit Lebensmitteln eindecken, da es schon sein kann, dass man einen Tag nicht einkaufen kann.

Als Wanderer sollte man im Straßenverkehr in Frankreich besonders aufpassen. An Fußgängerübergängen ist es eher unüblich, dass Autofahrer anhalten. Dafür weichen sie auf der Straße großzügig aus.

Mein besonderer Dank gilt Heidrun, meiner Frau. Sie ist mir als „Bodenstation“ hilfreich zur Seite gestanden und hat meinen Blog von kreativen Autokorrektureinträgen befreit.

Ich habe meine Zeit auf der Via Podiensis genossen und bin schon neugierig, wohin es mich das nächste Mal verschlägt.

An guatn Weg! Bon courage! ¡Bon Camino! Bom Caminho !

ULTREIA!

Dienstag, 3. Oktober 2017 Rückreise Toulouse nach Graz

Heute heißt es früh aufstehen. Um 5.17 Uhr geht der erste Bus zum Flughafen Toulouse-Blagnac. Gepäck aufgeben und Boarding scheinen hier auf dem Flughafen an verschiedenen Orten stattzufinden. Jedenfalls ist es gut, dass ich die Wanderschuhe anhabe – bei den Strecken!

Das Flugzeug ist höchstens halbvoll. Ich habe eine ganze Reihe für mich allein.

Es ist noch stockfinster, als wir abheben. Dafür zeigt sich später das erste Tageslicht umso schöner.

Durch das GPS-System kann ich mitverfolgen, wo wir uns gerade befinden. Bodensicht gibt es leider keine.

Aber es ist trotzdem ein schönes Gefühl, den Camino der letzten beiden Jahre verkehrt herum in einer Dreiviertelstunde zu erleben: Espalion, die Aubrac, Aumont-Aubrac, Le Puy-en-Velay, Chanaz, Genf, Lausanne, Freiburg, Thun. Dann dreht die Maschine nach Norden in Richtung Frankfurt, wo es vorerst feucht und kühl ist.

In Frankfurt dürfen wir gleich neben den großen Vögeln einparken.

Jetzt kann ich erst einmal auf meinen Anschlussflug nach Graz warten und hoffen, dass er wirklich vom vorangekündigten Gate abgeht und nicht von irgendwo. Zur Unterhaltung gibt es zweimal deutsche Presse.

Auf dem Flug von Frankfurt nach Graz werden wir ein paar Mal Opfer von Schlaglöchern.

Zuerst ist der Himmel noch blau, dann grau.

In Graz hat es dann geregnet. Aber was macht das, wenn man von seinem Schatz abgeholt wird.

Schön, wieder daheim zu sein!

Montag, 2. Oktober 2017 Ausflug nach Albi

Schon zwei Mal bin ich mit der Bahn an Albi vorbei gefahren. Heute habe ich die Möglichkeit genutzt und habe diesen geschichtsträchtigen Ort besucht. Am Bahnhof werden die Weichen noch händisch gestellt. Im neuen Kulturzentrum ist auch ein Theater untergebracht. Einer der großen Söhne der Stadt ist der Seefahrer und Entdecker Lapérouse aus dem 18. Jhdt. Die Cathédrale Sainte-Cécile ist von unglaublichen Ausmaßen. Sie ist der weltgrößte Kirchenbau aus Ziegeln. Außen ist sie schlicht und mächtig wie eine Burg, im Inneren bunt bemalt. Der Chor aus feinsten Steinmetzarbeiten erzählt eine durchgehende Geschichte vom Alten und Neuen Testament. Neben der Kathedrale steht der Bischofspalast, der Palais de la Berbie. Hier ist auch das Toulouse-Lautrec – Museum untergebracht. Der Maler ist in Albi geboren. Zahlreiche seiner Werke sind hier zu sehen. Öfters kann man die Entwicklung eines Themas über mehrere Arbeiten hinweg verfolgen. Schon seine Studien im Alter von elf und zwölf Jahren sind bemerkenswert. Das große Gebäude ist aufwendig restauriert; im Turm ist das Archiv untergebracht. Die Pont Vieux führt über den Tarn. Die Eindrücke von dieser Stadt sind gewaltig. Man könnte wahrscheinlich Tage dort verbringen. Ein anderes Kleinod ist die Église Saint- Salvi mit einem kleinen Kreuzgang. Es gibt sogar eine öffentliche Duschanlage, ein Tröpferlbad, in Albi. Den letzten Tag lasse ich gemütlich mit einem Spaziergang durch Toulouse ausklingen. Vielleicht komme ich das nächste Mal mit dem Zug an. Morgen geht es heim und es folgt wieder eine Rückschau auf den zweiten Teil der Via Podiensis.

Sonntag, 1. Oktober 2017 Toulouse

Nachdem meine Zimmergenossen sehr lange schlafen, mache ich mich leise auf die Socken und begebe mich in die Stadt. Mein erstes Ziel ist die Église Saint-Pierre de Chartreux, eine Kirche bei der Universität. Heute ist ein Jugendkirchentag. Bei allen Kirchen gibt es Infostände und eine Kirchenrallye. Entlang der Garonne stehen schöne, alte Häuser mit Flussblick. Dann gehe ich an Bord eines Flussschiffes, mit dem ich eine kleine Rundreise auf der Garonne unternehme. In der Nähe der Pont Saint-Pierre fahren wir in den Canal de Brienne ein. Durch eine Schleuse ist der Kanal von der Garonne getrennt. In einer großen Erweiterung, von der der Canal de Midi und der Canal Latéral á la Garonne abzweigen, geht es wieder zurück auf den Hauptfluss. Die Pont Neuf war lange Zeit die einzige Brücke über den Fluss und strategisch sehr wichtig. Nach der Fahrt gehe ich zum Hôtel Dieu Saint-Jaques, einer ehemaligen Pilgerunterkunft und Spital. Dort besuche ich eine Ausstellung zur Medizingeschichte. Im Hof liegt eine riesige Muschel. Der anschließende Stadtbummel führt mich durch kleine Gassen. Nicht alles ist immer sauber. Aber die Müllabfuhr arbeitet auch am Sonntag. Zum Abschluss bemerke ich, dass sich beide Wanderschuhe in Auflösung befinden. Gut, dass die Reise zu Ende geht. Mit einem guten Abendessen beschließe ich den schönen Tag.

Samstag, 30. September 2017 Toulouse

Gleich am Morgen mache ich mich auf den Weg zum Obst- und Gemüsemarkt.

Das Angebot an frischen Lebensmitteln ist wieder reichhaltig.

Besonders das Angebot an frischen Pilzen ist sehenswert. Die Preise liegen zwischen 9 und 23 Euro pro Kilogramm. Ein Kisterl bester Qualität kostet 25 Euro.

Dann gehe ich zum Marché Víctor Hugo, wo sich ein Delikatessenanbieter an den anderen reiht.

Leider hat der Wetterfrosch richtig gequakt. Nach dem ausgiebigen Marktbesuch kommt pünktlich um 11 Uhr der Regen. Ich besorge mir schon vorher vorsorglich einen billigen Schirm. Als ich aus dem Geschäft gehe, schüttet es aus allen Wolken.

Gut, dass es zu meinem nächsten Ziel nur ein paar Meter sind: das Musée des Augustins.

Das Museum ist eines der ältesten in Frankreich und wurde von den Revolutionsräten eingerichtet, um den Reichtum der Kirche zu dokumentieren.

Der Wasserspeier hätte heute genug zu tun.

Die Kapitele stammen aus dem Kloster Notre-Dame de la Daurade in Toulouse.

Die Gemäldesammlungen stammen aus dem 17. bis 19. Jhdt.

Im großen Treppenhaus entsteht gerade ein neues Kunstwerk aus Textilfäden.

Ich muss noch einmal zum Canal du Midi, dessen Fortsetzung ich im Westen überquert habe.

Die Regionalverwaltung der Provinz Haute Garonne

Wie in einer Kleinstadt am Lande: der Place Arnaud Bernard.

Morgen sollte das Wetter wieder besser werden.

Die Zimmerbesetzung ist heute international: zwei Franzosen, zwei Spanierinnen, eine Chilenin, ein Ukrainer, ein Brasilianer und ein Österreicher.

Freitag, 29. September 2017 Rückreise Saint-Jean-Pied-de-Port nach Toulouse

Zum Abschluss gibt es nochmals richtiges Caminofeeling. Alle acht Betten des Zimmers sind belegt.

In der Früh begleite ich Ramiza noch bis zur Porte Notre-Dame. Sie will bis Santiago oder Finistère weitergehen. Ich habe alle Zeit der Welt und wandere durch die Porte de Návarra Richtung Bahnhof.

Unterwegs komme ich an der Schule vorbei. Hinter dem alten steht ein modernes Gebäude.

Erinnerungen an meine erste Ankunft hier werden wach. Damals kam ich mit dem Bus, denn ein Erdrutsch hatte die Bahnstrecke verlegt.

Gerade rechtzeitig vor der Abfahrt geht die Sonne auf.

Mit einem modernen Triebwagen werden vor allem Touristen her- und wegtransportiert.

Vorerst ist der Himmel blau, je mehr wir uns Bayonne und dem Meer nähern, desto nebliger wird es.

Der Bahnhofsplatz ist noch verkehrsfähig, doch sonst ist alles eine einzige Baustelle.

Ich gehe bis zur Brücke über den d’Adour, der gerade durch die Flut gefüllt wird.

Mit einem Regionalexpress geht es über Pau und Lourdes weiter nach Toulouse.

An der Stelle haben wir vor ein paar Tagen die Eisenbahn gekreuzt.

Ich erhasche einen kurzen Blick auf die Basilique de l’Immaculée Conseption, die Hauptkirche von Lourdes.

Die Gipfel der Pyrenäen heben sich im Sonnenlicht vom Hintergrund ab.

Um 14.30 Uhr bin ich wieder in Toulouse.

Ich checke wieder in der Le Petit Auberge de Saint Sernin ein. Sie liegt für mich am günstigsten. Die Basilique Saint-Sernin ist gleichsam ein Wegweiser.

Bei einem Stadtbummel komme ich heute auch in das Capitole, das Rathaus der Stadt.

Im ersten Stock sind prächtig ausgestattete Räume zu besichtigen.

Da kann man auch heiraten!

Für ein Schaufenster reicht die Breite des Hauses.

Auch heute sin dein paar Besichtigungskilometer dazugekommen. Aber die zählen nicht mehr!

Wieder ist ein ereignisreicher Tag zu Ende.

24. Tag Donnerstag, 28. September 2017 Uhart-Mixe nach Saint-Jean-Pied-de-Port

Wir sind nur zu dritt in der schönen Gitê in Uhart-Mixe. Das Abendessen mit dem Besitzerpaar ist nett und interessant. Beide sind schon auf dem Jakobsweg gewesen. Am Morgen zeigt uns die Wirtin noch den richtigen Weg. Dann genießen wir den Sonnenaufgang. Die Pyrenäen, denen wir in den letzten Tagen, nachgerannt sind, stehen vor uns. Mit der Sonne steigt auch rasch die Temperatur. Die Gegend ist nun viel dichter besiedelt. Die Dörfer sind sauber und gepflegt. Wie durch einen Tunnel führt der Weg durch den Wald. Plötzlich taucht Fabian wie aus dem Nichts auf. Er hat gleich in der Nähe in einer Kapelle sein Lager aufgeschlagen. Vor dem nächsten Dorf hören wir lautes Hupen. Der Fischhändler kündigt sein Kommen an. Das Angebot ist durchaus sehenswert. In Ostabat machen wir kurz eine Pause. Leider gibt es noch kein Brot. So nehme ich mit drei Bananen vorlieb. Die Häuser sind wirklich sehr alt. Die meisten sind aus dem 18. Jhdt. oder älter. Ein wachsamer Hund schlägt gleich an, als ich kurz stehen bleibe. Freilaufende Schweine lassen sich nicht stören. Ein Höhepunkt des Vormittags ist wohl die Begegnung mit einer Schafherde, die von der Sommerresidenz getrieben wird. Etwa 700 Tiere sind es, die begleitet von drei Personen und einem Hund, an uns vorbeiziehen. An einer Gartenmauer blüht eine duftende Pracht. Plötzlich nähert sich aus einem Wald wieder eine Schafherde. Hinter einem Leittier kommen etwa 200 Schafe ruhig und gelassen daher. Zu unserer Überraschung gibt es keine Begleitung! Auch der Esel kommt an den Zaun, um sich zumindest ein paar Streicheleinheiten zu holen. Auf der Passhöhe des Galzetaburu steht ein Pilgerkreuz, wie sie in Spanien dann üblich sind. Kurz vor Saint-Jean de Vieux steht dieses Schloss mit vier Türmen. Ein Stadttor von Saint-Jean-Pied-de-Port, die Porta St. Jacques, ist erreicht. Durch sie ziehen wir in die Stadt ein. Ich gehe bis zur Porte Notre-Dame weiter. Dort habe ich am 5. Juni 2014 mit meinem ersten Jakobsweg begonnen. Die Freude ist natürlich übergroß. Ein paar Kerzen in der Kirche dürfen nicht fehlen. Beim Abendessen stoßen wir mit allen Pilgern auf einen guten Weg an. Ein tolles Erlebnis ist nun zu Ende. Viele Eindrücke wollen verarbeitet werden. Ich bin froh, gesund und ohne Probleme angekommen zu sein.

Tagesstrecke: 29,3 mm

23. Tag Mittwoch, 27. September 2017 Navarrenx nach Uhart-Mixe

Gleich nach dem Aufstehen wartet Fabian, der junge Franzose aus der Hängematte, vor dem Tor. Wir haben ihn zum Frühstück eingeladen, das stehend in der einzigen offenen Bäckerei stattfindet. Danach ziehen wir gemeinsam durch das Stadttor aus der Stadt.

Die Brücke über den Gave d’Oloron liegt im Zwielicht des Morgens. Die Dämmerung bietet einen tollen Kontrast mit der Stadt. Die Häuser von Castetnau, das direkt an Naverenx anschließt, wirken sauber und gepflegt. Im einzigen Klassenzimmer der Schule sitzt schon ein Lehrer bei Korrekturarbeiten. Heute ist die Landschaft in strahlendes Licht getaucht. Eine kleine Herde Schafe kann sich nicht entscheiden, ob das Futter diesseits oder jenseits des Zaunes besser ist. Dabei verfängt sich eines mit seinen gedrehten Hörnern im Stacheldraht, sodass wir es mit Kraft befreien müssen. Die Pyrenäen zeigen sich heute den ganzen Tag von ihrer besten Seite. Die Bauernhäuser sehen viel sauberer aus als noch wenige Kilometer zuvor. Wir sind im Baskenland. Die kleine Dorfkirche von Olhaiby hat schon viele Generationen kommen und gehen gesehen. Ein schmuckes Häuschen zum Verlieben. Nach den Inschriften an den alten Häusern stammen sie aus der Zeit Maria Theresias und Josefs II. Ortstafeln, wie die von Uhart-Mixe, sind selbstverständlich zweisprachig ausgeführt: französisch und baskisch. Mitten im Ort liegt ein Schloss aus dem 16. Jhdt., das in den letzten Jahren vor dem Verfall gerettet wurde. Davor stehen mehrere Gruppen mit uralten Bäumen. In der alten Schlosskirche stellen Künstler ihre Werke aus. Die alte Steinbrücke wurde längst durch eine neue ersetzt. Tagesstrecke: 35,3 km

22. Tag Dienstag, 26. September 2017 Arthez de Béarn nach Navarrenx

Am Morgen ist die Welt in Watte getaucht. Es ist nicht kalt und windstill, aber eben nebelig. Ich gehe vormittags wieder gemeinsam mit Ramiza aus Klagenfurt. Ein kleiner Jakobus wacht über unseren Weg. Viele Häuser haben die für das Baskenland typischen roten Balken. Die Wege sind angenehm zu gehen und vor allem verkehrsarm. Hintereinander kreuzen wir die TGV-Linie und die Autobahn. Le Gave de Pau ist der größte Fluss der Region. Es gibt verschiedene Arten zu wohnen. Nach längerer Strecke durch die Maisfelder kommen wir wieder an den Gave de Pau zurück. Die ersten Sonnenstrahlen kämpfen sich bis Mittag durch den Nebel. In einem kleinen Tal, gut versteckt, liegt die Kirche und Abtei Sauvelade, eine typische Zisterziensergründung, die aber lange Zeit säkularisiert war. Außer einer Bar gibt es kaum Infrastruktur. Wieder wird der Pilger von einem kreativen Erholungsplatz empfangen. Ziegenbock ist inbegriffen (special für Werner K.) Unsere Wunschherberge ist leider voll. So müssen wir ein paar Kilometer dazulegen. Der Blick in Richtung Pyrenäen ist durch einzelne Wolken und durch Dunst getrübt. Navarrenx ist ein Ort mit besonderer Geschichte. Ein Großteil der Altstadt ist von Bastionen umgeben. Unsere Herberge trägt wieder die roten Balken. Die Häuser der Innenstadt sind meist dreigeschoßig. In der Kirche erleben wir einen Vortrag zur Ortsgeschichte auf Französisch, der ungemein interessant ist, vor allem bei meinen Kenntnissen der Sprache. Nachher gibt es aber eine Einladung zu einem Gläschen Wein. Nach dem Abendessen finden wir unseren französischen Pilgerfreund in seiner Hängematte bei einer Brückenwaage. Tagesstrecke: 31,7 km