Lutherweg 20. Tag Dienstag, 14. April 2026 Mettenheim – Herrnsheim (Worms)

In der Früh nehmen wir wieder die S-Bahn, die uns von Worms nach Mettenheim bringt. Dort geht’s gleich wieder in die Weinberge, aber nur etwa 75 Höhenmeter.

Weinberge bei Mettenheim

Es geht ein leichter, aber kühler Wind. Heute ist vorerst wärme Kleidung gefragt.

Weinberg
Blick ins Rheintal

Wir kommen nach Bechtheim, dem nächsten Weinort auf unserem Weg.

Bechtheim

Hier steht die St.-Lambertus-Basilika, eine dreischiffige romanische Pfeilerbasilika mit fünf Arkaden und flacher Decke aus dem 11. Jhdt.. Im 12. Jhdt. würde sie erweitert. Auf Grund der Größe nimmt man an, dass es sich um eine Wallfahrtskirche auf dem Weg von Speyer nach Bingen handelte.

St.-Lambertus-Basilika

Ab etwa 1700 war die Basilika Simultankirche für die lutherischen und die römisch-katholischen Gläubigen. Ein großes Eisengitter trennte beide Konfessionen. Die römisch-katholischen feierten ihren Gottesdienst im Hochchor.

In Osthofen stärken wir uns in einer Bäckerei und beschließen, bis nach Herrnsheim, das schon zu Worms gehört, weiterzugehen.

Mitten in Osthofen entsteht ein überdimensionaler Bau für Wohnungen.

Osthofen

Die evangelische Bergkirche und der Friedhof thronen über dem Ort.

Osthofen – Bergkirche

Vorerst gehen wir über Feldwege, dann bringt uns ein gut ausgebauter Radweg zum Ziel.

An der Straße L439

Hier treffe ich auf „alte Spuren“. Im Herbst 2020 kam ich auf meinem Weg von Graz nach Köln hier vorbei.

Linksrheinischer Jakobsweg

Das Schoss Herrnsheim war ehemals der Herrschaftssitz der Herren von Dalberg, die das Amt der Kämmerer des Bischofs von Worms bekleideten. Heute gehört es der Stadt Worms, die es gerade aufwändig revitalisiert.

Schloss Herrnsheim

Der große englische Schlosspark ist der bedeutendste in Rheinland-Pfalz.

Schloss Herrnsheim

Jetzt nehmen wir einen Stadtbus, um ins Zentrum von Worms zurückzufahren.

Tagesstrecke: 16,6 km; ↑ 264 m; ↓ 246 m

Lutherweg 19. Tag Montag, 13. April 2026 Oppenheim – Mettenheim

Da das Frühstück erst um 8 Uhr möglich ist, verschiebt sich auch der Beginn unserer Tagestour. Mit der S6 geht es wieder von Worms nach Oppenheim.

S6

Der Aufstieg in die Stadt fällt uns im ausgeruhten Zustand leichte als gestern.

Oppenheim

Durch das Gautor verlassen wir den Altstadtkern und sind gleich mitten in den Weingärten.

Oppenheim – Gautor

Leider wird der Fernblick durch Wolken und Dunst getrübt.

Rheintal bei Oppenheim

Die Katharinenkirche, die wir gestern besucht haben, liegt schon unter uns.

Oppenheim – Katharinenkirche

Zwischen den Weinzeilen wird Raps als Bodenaufbesserer gesät und dann gemulcht.

Weingarten

Wir machen immer wieder „außerplanmäßige“ Routenänderungen. Dank des Navigationssystems finden wir immer auf die Hauptroute zurück.

An Ludwigshöhe gehen wir oberhalb des Ortes vorbei.

Ludwigshöhe

Der nächste größere Ort ist Guntersblum. Wie die meisten Orte hier hat auch Guntersblum eine lange Geschichte. Der Weinbau hat die Bürger wohlhabend gemacht.

Der Beginn der Errichtung der Kirche Sankt Viktor in Guntersblum wird etwa auf das Jahr 1100 geschätzt.

Eine Besonderheit der Guntersblumer evangelischen Kirche sind die so genannten „Heiden-“ oder „Sarazenentürme“. Deren „Bekrönungen“ nennt man dabei oft „Kreuzfahrerhelme“, „armenische“ oder „rheinhessische Helme“. Sie würden durch die Kreuzfahrer „mitgebracht“ und sind in Deutschland nur fünfmal zu finden.

Guntersblum – Kirche St. Viktor
Guntersblum – Kirche St. Viktor
Guntersblum – Kirche St. Viktor – Taufstein um 1490

Nach Guntersblum steigen wir wieder die Weinberge hinauf und kommen in Hängen-Wahlheim bei der Ruine der Kirche St. Magdalena und St. Jakobus vorbei. Das spätgotische Kirchlein wurde wahrscheinlich im 17. Jhdt. zerstört und jetzt durch eine Privatinitiative wieder aus dem Dornröschenschlaf erweckt.

Ruine der Kirche St. Magdalena und St. Jakobus

Die Pflasterung mit groben Steinen erleichtert das Befahren mit Fuhrwerken, beim Wandern geht’s auf die Füße.

Hohlweg im Weinberg vor Alsheim.

Alsheim ist wie ausgestorben. Das ansehnliche Bürgerhaus ist nicht zu übersehen.

Alsheim – Bürgerhaus

Zum Ausgleich gibt es auch Wiesenwege.

Bei Alsheim

Die letzt Station unserer heutigen Wanderung ist Mettenheim, wieder ein typischer Weinbauort mit recht schönen Häusern.

Mettenheim
Mettenheim

Bei der evangelischen Kirche finde ich auch einen Stempelkasten für unsere Pilgerstempel.

Mettenheim – Bartholomäus-Kirche

Vom Bahnhof am anderen Ende des Dorfes fahren wir mit der S6 wieder zurück nach Worms.

Tagesstrecke: 19.9 km; ↑ 323 m; ↓ 322 m

Lutherweg 18. Tag Sonntag, 12. April 2026 Nauheim – Oppenheim

Wir haben eine ruhige Nacht, trotz des nahen Flughafens und des Regens in der Nacht. Der Morgen ist sehr grau in grau, aber nicht zu kalt.

Die letzten zwei Tage ging es durch ausgedehnte Wälder, heute ist offenes Acker- und Wiesenland angesagt. Die Fluren gehören ebenso zum Regionalpark Rhein-Main wie die Wälder gestern.

Streuobstsiedlung

Auch die Römer waren in dieser Gegend umtriebig und haben bisweilen ihre Spuren hinterlassen.

Römersiedlung bei Nauheim

Wir gehen lange an Hochwasserschutzdämmen, die Mainhochwässer abhalten sollen, entlang.

Wanderung entlang eines Dammes

Zu unserer Überraschung kommen wir an Erdbeerfeldern vorbei, die in Vollblüte stehen, obwohl sie nicht im Tunnel stehen.  Auch Freilandspargel wird schon geerntet.

Erdbeeren
Spargel

Wir kommen nach Trebur, früher auch Tribur, oder im Dialekt auch Trewwer genannt. Hier beginnt die Hessische Fachwerkstraße, auf die wir bei unserem letzten Teilstück schon gestoßen sind.

Altes Rathaus, heute Bibliothek
Trebur

Im Mittelalter war Tribur von außergewöhnlicher Wichtigkeit. Hier war eine Königspfalz angesiedelt, an der sich die Herrscher von 829 bis 1077 mindestens 57 Mal eingefunden hatten, wo einige Reichstage und die Synode von Trebur abgehalten wurde.

König Heinrich IV. war besonders mit Trebur verbunden, hier wurde er 1053 zum König gewählt und hier heiratete er 1066. 1076 zwangen ihn oppositionelle Fürsten auf dem Fürstentag zu Trebur, seinen Konflikt mit dem Papst beizulegen, was den „Gang nach Canossa“ zur Folge hatte.

Tribur – Königspfalz im Mittelalter

Nach 1077 verlor der Ort rasch seine Bedeutung und von damals sind nur mehr ein paar Grundmauern der evangelischen Laurentiuskirche übrig geblieben. Erhaltene Teile der Kirche stammen aus dem frühen 11. Jahrhundert. Damit ist die Kirche eines der wenigen aus ottonischer Zeit erhaltenen Zeugnisse.

Trebur – Laurentiuskirche

Von Trebur geht es in Richtung Rhein.  Die Ruhe der Landschaft wird heute nur durch die Flugzeuge gestört. Der Rehbock lässt sich nur durch unser Vorbeigehen kurz beim Wiederkäuen aus der Ruhe bringen.

Rehbock
Alte Pappel
Die Echte Schlüsselblume (Primula veris Jacq.)

Kurz vor Kornsand kommen wir an einem Gedenkstein für die Opfer des Kornsand-Verbrechens vorbei. Am 21. März 1945, wenige Stunden, bevor die US-Truppen den Rhein überquerten, wurden sechs Menschen heimtückisch von NS -Schergen umgebracht.

Gedenkstein

Nun erreichen wir den Rhein und setzen mit der Fähre „Landskrone I“ von Kornsand nach Nierstein über.

Fähre Landskrone I
Fähre Landskrone I

Unsere letzte Strecke führt uns von Nierstein hinauf in das Zentrum von Oppenheim.

Dort besichtigen wir die Katharinenkirche, die gleich zwei Hauptaltäre aufweist, weil die Grenze der Diözesen Mainz und Worms durch die Kirche verläuft.

Oppenheim – Katharinenkirche

Oppenheim – Katharinenkirche
Oppenheim – Katharinenkirche

Vorbei am Rathaus gehen wir zum Bahnhof, wo wir die S-Bahn nach Worms nehmen.

Oppenheim – Rathaus

Für die nächsten drei Nächte haben wir das Hotel Hüttl im Zentrum von Worms gewählt. Von hier aus werden wir die nächsten Etappen anstreben.

Worms – Hotel Hüttl
Worms – Hotel Hüttl

Tagesstrecke: 20,0 km; ↑ 87 m; ↓ 87 m

Lutherweg 17. Tag Samstag, 11. April 2026 Walldorf – Nauheim

Der gestrige Abend und die Nacht waren sehr schlafintensiv und erholsam. In der Früh haben wir noch ein ausreichendes Frühstück und einen netten Plausch mit der Chefin des Hauses. Dann geht es direkt in den Wald….

Der Schlichter (so heißt der Wald)

Von der Frankfurter Westpiste schießt ein Flugzeug nach dem anderen in den Himmel. Die Vögel versuchen den Lärm zu übertönen.

Über den Wolken…
Über den Wolken…
Über den Wolken…
Über den Wolken…

Im Wald blühen auch schon Apfelbäume.

Apfelbaum

Entlang der offenen Flächen begleiten uns Alleen von uralten Eichen- und Buchenbäumen.

Allee im Mönchbruch
Im Mönchbruch

Der Mönchbruch ist eine riesige, versumpfte Freifläche, die über 900 ha umfasst. Sie wurde als Ausgleichsfläche für Abholungen am Frankfurter Flughafen unter Naturschutz gestellt.

Diese Landschaft wurde ursprünglich vom Main durchflossen. Der Name „Bruch“ bedeutete im Mittelalter „Sumpfland“.

Das Jagdschloss Mönchbruch wurde vom Landgrafen Ernst-Ludwig von Hessen-Darmstadt um 1730 im Zentrum des Mönchbruchs erbaut. Heute ist es in privater Hand und wird als Hotelanlage genutzt.

Jagdschloss Mönchbruch
Jagdschloss Mönchbruch

Gleich gegenüber dem Schloss steht die alte Mönchbruchmühle, die von 1708 bis ca.1910 in Betrieb war. Danach wurde sie eine beliebte Gaststätte.

Mönchbruchmühle

Wieder überqueren wir eine Autobahn, diesmal die A67, kurz vor der Abzweigung der A60.

Autobahn A67

Dann kommen wir schon nach Königstädten mit einem urigen Ortszentrum.

Königstädten – früher Schul- und Rathaus, heute Ortsgericht.

Die evangelische Kirche geht auf einen karolingischen Vorgängerbau (um 1200) zurück, der 1944 einem Bombenangriff zum Opfer fiel und nach dem alten Vorbild wieder errichtet wurde.

Königstädten – evang. Kirche
Königstädten – evang. Kirche
Königstädten – evang. Kirche
Königstädten – altes Schulhaus 1799

Unterwegs werden wir von einer netten Dame mit Fahrrad eingeladen, um bei ihr etwas zu trinken. Da wir schon kurz vor dem Ziel in Naumburg sind, haben wir dankend abgelehnt.

In Nauheim beziehen wir im Egerländer Hof Quartier. Der ist fest in griechischer Hand.

Egerländer Hof
Egerländer Hof

In Nauheim haben sich viele Menschen aus dem Egerland und aus dem Vogtland (ehem. CSSR) angesiedelt. Viele waren Instrumentenbauer und haben diese Tradition in die neue Heimat mitgebracht. So entstand die Nauheimer Musikindustrie mit namhaften Firmen.

Tagesstrecke: 15,2 km; ↑ 13 m; ↓ 20 m

Lutherweg 16. Tag Freitag, 10. April 2026 Neu-Isenburg – Walldorf

In der Nacht hat es geregnet und auch merklich abgekühlt. Wir haben ein ausgiebiges Frühstück und machen uns gegen 8.15 Uhr auf den Weg.

Ein paar kurze Schlenkerer durch die Gassen bringen uns kleine Einblicke hinter die Kulissen der Stadt.

Eine Fahrradstraße mit Anrainerverkehr und Bäumen oder eine Allee mitten in der Straße sind interessante Ansatzpunkte für bewohnerorientierte Verkehrsplanung.

Fahrradstraße
Allee

Die kath. Kirche St. Josef trägt ein schönes Turmkreuz. Die Kirche wurde in Form einer Basilika im Stil des Eklektizismus mit neuromanischen und auch byzantinischen Einflüssen 1910/11 nach einem Entwurf des Architekten Hans Rummel gebaut.

Neben der Kirche steht eine große Menge von Menschen die darauf wartet, dass die „Speisekammer“, eine Lebensmittelausgabe für bedürftige Menschen, öffnet.

Turmkreuz St. Josef
St. Josef – Innenraum

Wir verlassen Neu-Isenburg im Südwesten und müssen entlang einer stark befahrenen Straße über die Bahnlinie. Da war ein kleiner Planungsfehler mit im Spiel.

L 3117 Bahnüberführung

Die Irritation dauert nur kurz, dann sind wir fast allein im Wald.

Schutzgebiet Dreyeichen
Schutzgebiet Dreyeichen

Der Gehspitzweiher ist ein Relikt einer alten Ton- und Kiesgrube und steht unter Naturschutz.

Gehspitzweiher

In Zeppelinheim stehen wir beim Museum vor geschlossenen Toren. Leider gibt es keine Möglichkeit zum Einkehren. So muss eine Bank im Wald als Ruhestätte dienen.

Zeppelinheim wurde 1934 mitten im Wald als Basis für die Luftschifffahrt gegründet und war bis zum Unglück der „Hindenburg“ Ausgangspunkt für die Transatlantikflüge der „Hindenburg“ und der „Graf Zeppelin“. 1940 würden die beiden Luftschiffhallen gesprengt und danach eine Start-Landebahn von Zwangsarbeitern errichtet- die Basis für den heutigen Frankfurter Flughafen.

Zeppelin-Museum

Gleich nach dem Ort geht es im Wald weiter, bis wir zum Walldorfer Badesee kommen, wo für morgen ein Winterschwimmen angekündigt ist.

Walldorfer Badesee

Dann geht es vorerst über die Autobahn A5 und dann über die Bahnanlagen der Riedbahn. Auf der Autobahn ist richtig die Hölle los.

Autobahn A5
Riedbahn

Jetzt sind wir schon in Walldorf, dem Ziel des heutigen Tages.

Walldorf ist ein Gründung der Waldenser aus dem Piemont. Landgraf Ernst Ludwig erlaubte1633  den Glaubensflüchtlingen sich auf seinem Land anzusiedeln, das wegen des 30-jährigen Krieges entvölkert war.  Bis 1717 entstanden 15 Häuser mit Scheunen und Stallungen sowie die Kirche mit Pfarrhaus, allesamt in Fachwerk errichtet, am grand chemin (der heutigen Langstraße) gelegen. Die Waldenser brachten auch die Kunst der Obstveredelung mit.

Alte Waldenserkirche
Alte Waldenserkirche – Innenraum
Alte Waldenserkirche – Gedenkstein für die Einwanderer

Die Häuser hatten ursprünglich alle die gleichen Ausmaße und Ausstattungen. 7 x 7 m war der Grundriss.

Altes Waldenserhaus – heute Museum
Altes Waldenserhaus – heute Museum

Langstraße – erste Straße von Walldorf

Heute nächtigen wir im Hotel zum Löwen direkt in der historischen Langstraße.

Hotel zum Löwen
Hotel zum Löwen

Tagesstrecke: 17,2 km; ↑ 65 m; ↓ 83 m

Lutherweg 15. Tag Donnerstag, 09. April 2026 Frankfurt/M. – Neu-Isenburg

Am Vorplatz des Hauptbahnhofs starten wir jetzt unseren 3. Abschnitt des Lutherweges.

Frankfurt Hauptbahnhof

Durch die Kaiserstraße wandern wir entlang der Wolkenkratzer zum „Römerberg“, dem Platz vor dem Rathaus.

Wolkenkratzer im Business-Distrikt
Auf dem Römerberg
Römerberg mit Nikolaikirche

In der Nikolaikirche hole ich die Stempel für unsere Pilgerpässe. Der letzte aus dem Vorjahr und der erste von heuer sind ident.

Evangelische Nikolaikirche

Nur ein Haus überstand die Bombardements im 2. Weltkrieg, der Gasthof „Haus Wertheim“. Alle Gebäude rundum sind im alten Stil wiedererrichtet worden.

Haus Wertheim

Wir überqueren den Main über den Eisernen Steg. Dieser seit 1868 bestehende Fußgängerübergang ist 173 m lang.

Frankfurt – Eiserner Steg
Frankfurt – Eiserner Steg Blick nach Westen
Frankfurt – Eiserner Steg Blick nach Osten
Frankfurt – Eiserner Steg Skyline

Wir suchen den ersten Wegweiser des Lutherwegs. Diesen Zeichen wollen wir bis Worms folgen.

Wegweiser Lutherweg

Wir folgen den Markierungen nach Süden und kommen an der evangelischen Bergkirche vorbei, wo wir mit der Pfarrerin kurz plaudern und von ihr den nächsten Stempel bekommen.

Bergkirche im Stadtteil Sachsenhausen

Nun verlassen wir den Siedlungsbereich von Frankfurt und tauchen in den Stadtwald ein.

Frankfurter Stadtwald

Die fast geraden Schotterwege und nur ein paar Spaziergänger und Radfahrer sind jetzt recht angenehm.

Frankfurter Stadtwald

Ein überdimensionaler Specht bearbeitet gerade eine Eiche.

Frankfurter Stadtwald

Nach etwa zweieinhalb Stunden kommen wir in die Hugenotten- und Waldenserstadt Neu-Isenburg.

Neu-Isenburg wurde am 24. Juli 1699 als Exulantenstadt von Hugenotten gegründet, französischen Protestanten, die nach der Aufhebung des Toleranzedikts von Nantes aus Frankreich hatten fliehen müssen. Sie ist eine der Planstädte des 17. und 18. Jhdts.

Neu-Isenburg – Frankfurter Straße
Neu-Isenburg – Museum, Löwengasse

Wir nächtigen heute im Hotel Garni Sauer.

Hotel Sauer
Hotel Sauer

Tagesstrecke: 9,5 km; ↑ 68 m; ↓ 41 m

2026 Der Lutherweg 1521 im 3. Versuch – Anfahrt nach Frankfurt am Main

Wir wollen es wieder probieren: Der Lutherweg soll heuer vollendet werden. In den letzten beiden Jahren haben eine Covid-Erkrankung und Zeitmangel verhindert, dass wir bis Worms gekommen wären. Heuer hoffen wir, in Worms in Luthers Fußspuren stehen zu können.

1521 erhielt Martin Luther von Kaiser Karl V die „Einladung“ zum Reichstag zu Worms, der der Reformator nachkam. Ein Teil der Strecke wurde 500 Jahre später zum Gedenken an diese schicksalshafte Reise als „Lutherweg 1521“ ausgewiesen. Dieser Pilgerweg führt von Eisenach mit der bekannten Wartburg über Frankfurt/Main nach Worms.

Martin Luther (Ausschnitt eines Bildes von Lukas Cranach – Schloss Gotthof, Scheswig)

Die Strecke führt von Eisenach in Thüringen, quer durch Hessen nach Worms in Rheinland-Pfalz.

Karte des Lutherwegs

Wie immer wählen wir die Bahn als umweltfreundliches und günstiges Verkehrsmittel, um an den Ausgangspunkt unserer Wanderung zu gelangen.

Um 5.39 Uhr starten wir mit der S3 vor der Haustür um 5.39 Uhr und fahren mit den Morgenpendlern zum Hauptbahnhof Graz.

Früh am Morgen

Hier wartet schon der ICE 210 Schleswig-Holstein, der Graz direkt mit Frankfurt verbindet. Vor ein paar Jahren war ich mit dieser Garnitur schon in Deutschland unterwegs.

ICE 210 Schleswig-Holstein

Die Zugroute führt über die Weststeiermark,  den Koralmtunnel, Klagenfurt, Villach, Tauerntunnel, Salzburg, München, Ulm und Heidelberg nach Frankfurt.

ICE 210 Schleswig-Holstein

Der Zug ist vorerst fast leer, aber gut reserviert, in St. Paul wird er aber von Pendlern gestürmt.

Mit 220 km/h geht es durch das Lavanttal und das Drautal.

ICE 210 Schleswig-Holstein

Durch die „Alpen“:

Drautal
Mölltal
Gasteinertal

Ab Salzburg ist unser Zug nahezu voll. Das bleibt so bis bis München. Auch danach sind nur einzelne Plätze frei. Kurzfristige Verspätungen werden immer wieder aufgeholt.

Schließlich kommen wir mit drei Minuten Verspätung am Hauptbahnhof in Frankfurt an.

Frankfurt – Hauptbahnhof
Frankfurt – Hauptbahnhof
Frankfurt – Hauptbahnhof

Jetzt können wir unseren Weg beginnen.

Link zum Beginn des 1. Teils „Eisenach – Niederjossa 2024“

Link zum Beginn des 2. Teils „Niederjossa – Frankfurt 2025“

Kärntner Mariazellerweg: Etappe 4 Sonntag, 02.11.2025 Diex – Griffen

Heute wollen wir früh aufbrechen, um unsere Busverbindungen in Griffen rechtzeitig erreichen zu können.
In der Früh ist die Kirche noch geschlossen und die Schlüsselverwaltein aufschrecken wollte ich auch nicht.

Pfarrkirche Diex

Heute geht es meist bergab und das auch noch bequem.

Bergab
Blick nach Osten in Richtung Lavanttal

Kurz stellt sich uns ein Hindernis in den Weg. Wegen Forstarbeiten nach einem Windbruch war der Weg vor einiger Zeit gesperrt und Wanderer mussten einen großen Umweg gehen. Jetzt ist die Tafel weg, aber der Originalweg ist ist eher beschwerlich zu gehen. Wir nehmen kurzerhand den neu eingerichteten Holzbringungsweg und sind bald wieder auf einem gut begehbaren Weg.

Holzbringungsweg
Weg in Richtung Griffen (Grafenbach)

Das ehemalige Prämonstratenser-Chorherrenstift St. Maria in Griffental, kurz Stift Griffen genannt, liegt etwa 2,5 km vom Ortzentrum entfernt und besteht aus einer im Kern romanischen Stiftskirche, den nordwestlich angrenzenden barocken Stiftsgebäuden und ist von einer hohen, gotischen Wehrmauer umgeben.
Heute ist hier das Museum Stift Griffen mit einer Peter Handke – Literaturausstellung untergebracht. Der Literatur-Nobelpreisträger Handke wurde hier in Griffen geboren.

Stift Griffen
Stift Griffen

Die spätromanische dreischiffige Pfeilerbasilika lag ursprünglich außerhalb der ehemaligen wehrhaften Kirchhofmauer. 1272 wurden das Kloster und die neue Stiftskirche Maria in Haslach (Maria Himmelfahrt) fertiggestellt

Stift Griffen

Die spätromanische dreischiffige Pfeilerbasilika lag ursprünglich außerhalb der ehemaligen wehrhaften Kirchhofmauer.

Stift Griffen

Mehrer Brände suchten das Kloster heim, so auch einer 1750, durch den das Stift mitsamt wichtigen Wertpapieren und Dokumenten niederbrannte.

Stift Griffen – Hochaltar

1786 wurde das Stift vor allem aus wirtschaftlichen Gründen (der Brand einige Jahre zuvor führte zu einer erneuten Verschuldung) durch Joseph II. aufgehoben und die Stiftskirche wurde Pfarrkirche.

Stift Griffen – Kanzel

Bevor noch Markt Griffen zu sehen ist, erblicken wir schon die Ruine der Höhenburg, die zwischen 1124 und 1146 von den Bamberger Fürstbischöfen erbaut wurde.

Burg Griffen

Die Burg wurde nach 1768 nach und nach dem Verfall preisgegeben und 1840 die Dächer eingerissen. Seit 2000 bemüht man sich um eine Restaurierung, Im Burgfelsen ist die Tropfsteinhöhle Griffen zu finden.

Burg Griffen

Wir sind viel schneller als erwartet in Griffen angekommen. So bleibt genügend Zeit für einen gemeinsamen Abschluss mit Suppe und Getränk.

Gemeinsames Suppenessen serviert von unserem Cheforganisator Gert. DANKE!

Tagesstrecke: 14,3 km; ↑ 170 m; ↓ 838 m

Link zum nächsten Abschnitt des Kärntner Mariazellerwegs

Kärntner Mariazellerweg: Etappe 3 Samstag, 01.11.2025 Brückl – Diex

Auch heute erwartet uns wieder schönster Sonnenschein. Die angesagten Bodennebel sind kaum wahrnehmbar. Heute haben wir gleich wieder einen langen Anstieg.

Blick auf Brückl

200 m über dem Ort steht die kleine Kirche St. Lorenzen. St. Lorenzen war die Urpfarre von Brückl, eine von zehn Urpfarren in Kärnten. Ihre Gründung erfolgte in den Jahren zwischen 860 und 927 von Salzburg aus.

Brückl – St. Lorenzen

Im Inneren birgt das Kirchenschiff romanische und gotische Fresken.

Brückl – St. Lorenzen

Es geht weiter im Aufstieg in Richtung Gretschitz.

Aufstieg

Vor uns taucht die Filialkirche St. Andreas auf. Wir sind schon auf 1160 m.

Filialkirche St. Andreas

Auf einer Wiese sind tausende von Herbstkrokussen gepflanzt worden. Vereinzelt sollen sich auch Safranpflanzen darunter befinden. Das lila Herz leuchtet besonders heraus.

Herbstkrokusse
Pracht-Herbst-Krokus (Crocus speciosus)
Filialkirche St. Andreas
Filialkirche St. Andreas

Von Ferne sehen wir erstmals die beiden Türme der Pfarrkirche von Diex.

Diex

Aber vorher machen wir noch einen Abstecher zum Kreuzungspunkt des Fernwanderwegs „Eisenwurzenweg 08“ mit dem Mariazellerweg 06 und einigen lokalen Wanderwegen. Der Sudeten-Alpen-Adria-Weg I 21 ist ebenso mit einer Tafel vertreten wie die „Via Slavorum“, der internationale Pilgerweg I 26 Krakau – Brünn – Retz – Klosterneuburg – Mariazell – Assisi – Rom, den ich schon zu einem Großteil gegangen bin.

Wegweiser
Gedenkstein „Mariazellereg – Wisenwurzenweg“
Via Slavorum“, der internationale Pilgerweg I 26

Interessant sind auch die Informationastafeln des „Diexer Abstimmungs- Wanderwegs“, der die Ereignisse der Zeit nach dem 1. Weltkrieg zu erklären versucht.

Diexer Abstimmungs – Wanderweg
Diexer Abstimmungs – Wanderweg

Diex (Aussprache: [ˈdiːɛks]; slow.: Djekše) wurde in einer Schenkungsurkunde von König Arnulf 895 erstmals als Mons Diehse erwähnt.

Die gotische Wehrkirche wurde anfang des 14. Jhdts. wegen der Gefahr der Osmaneneinfälle und der ungarischen Besatzung mit einer 5 m hohen Ringmauer versehen. Im so entstandenen Kirchhof werden die Toten bis heute bestattet. Leider konnten wir wegen der Feierlichkeiten zum Allerheiligentag nicht in das Innere der Kirche.

Pfarrkirche Diex
Pfarrkirche Diex
Diex – Wehrgang um die Kirche

Wir übernachten im letzten dem Ort verbliebenen Gasthaus „Messner“.

Tagesstrecke: 13,7 km; ↑ 837 m; ↓ 185 m

Kärntner Mariazellerweg: Etappe 2 Freitag, 31.10.2025 Ottmanach – Brückl

Nach ausgiebigem Frühstück fahren wir mit Taxis an den gestrigen Endpunkt in Ottmanach zurück. Offentliche Verkehrsmittel sind Fehlanzeige.

Bei der Pfarrkirche in Ottmanach beginnen wir die heutige Etappe.

Ottamnach – Pfarrkirche

Nach wenigen hundert Metern beginnt der Aufstieg zum Magdalensberg. Trotz Bewölkung ist es nicht kalt.

Die Kirche am Gipfel des 1058 Meter hohen Magdalensberges ist der heiligen Helena und Maria Magdalena geweiht. Sie geht auf ein Gebäude aus dem 11. Jhdt. zurück, das im 15. Jhdt. erweitert wurde. Der spätgotische Hochaltar von 1502 birgt im Schrein eine große Schnitzfigur, die die heiligen Helena mit Kirchenmodell und Kreuz darstellt.

Kirche am Magdalensberg

Im Restaueanr „Gipfelhaus Magdalensberg“ haben wir uns vorzüglich gestärkt. Leider war hier kein Quartier für die Nacht zu haben.
Von der Terrasse des Restaurants haben wir einen Fernblick über die Karawanken und die Hohen Tauern.

Magdalensberg
Blick vom Magdalensberg
Rotwildgehege
Blick zurück

Im Archäologischen Park wird die antike Geschichte der Gegend aufgearbeitet. Die Noriker waren im 3. Jhdt. v. Chr. hier ansässig und bekannt für die Gewinnung des hochwertigen „Norischen Eisens“. Auf dem Gipfelplateau und an den angrenzenden Abhängen siedelten sie in der Stadt am Magdalensberg, ehe sie in die römische Stadt Virunum im Zollfeld absiedelten. Zahlreiche Funde wie der Jüngling vom Magdalensberg zeugen von der hohen Kultur.

Archäologischer Park am Magdalensberg
Archäologischer Park am Magdalensberg

Gleich nach dem Abstieg nach Göriach geht es durch den Herbstwald auf den Christofberg auf fast 1000 m Seehöhe. Am 4. Juni 1919 kam es im Vorfeld des Kärntner Abwehrkampfes auf den Höhenlinien des Christofberges zur Besetzung durch jugoslawische Truppen und Vertreibung der ortsansässigen Bevölkerung.

Herbstwald

Auf dem Christofberg steht auch die gleichnamige Kirche St. Christof. Leider ist die im 17. Jhdt errichtete Kirche geschlossen.
Im Gasthof „Zum Messner“, direkt neben der Kirche, haben wir sehr gut zu Mittag gegessen.

Filialkirche St. Gristof
Die Koralm mit Wolkenhut
Der Magdalensberg von Ferne

Wir machen einen kleinen Abstecher zum Lippekogel, der sogar ein Gipfelkreuz mit Gipfelbuch hat.

Lippekogel
Lippekogel

Das Gurktal liegt unter uns. Da sind noch einige Höhenmeter zu überwinden.

Gurktal

Auf der Westseite des Lippekogels können wir im Tal die Burg Hochosterwitz erkennen.

Hochosterwitz

Der Abstieg nach Brückl ist recht steil. In kurzer Zeit überwinden wir 580 Höhenmeter.
Brückl ist Industriestandort. Das Kettenwerk der PEWAG war früher Großlieferant der k.u.k Marine. Im 20. Jhdt. kam Chemieindustrie (Chlorkali-Elektrolyse der Donau-Chemie) dazu. Sie war in weiterer Folge Ursache für den HCB-Skandal im Görtschitztal 2014, wo große Mengen Chlorkohlenwasserstoffe freigesetzt wurden.

Brückl

Heute nächtigen wir im Gasthof Schattleitner, wo wir auch sehr gut verköstigt werden

Brückl – Gasthof Schattleitner
Brückl – Gasthof Schattleitner

Tagesstrecke: 22,6 km; ↑ 875 m; ↓ 983 m