5. Tag Donnerstag, 30. Jänner 2020 Spielfeld nach Maribor/SLO

Nach einer angenehmen Anreise mit der ÖBB starten wir bei herrlichem Wetter unsere vorerst letzte Etappe auf dem Südösterreichischen Jakobsweg. Die heutige Etappe ist etwas länger, könnte aber auch nach ca 15 km bei Spotnja Kungota abgebrochen werden. Vorn dort kann man mit dem Bus nach Maribor fahren.

Wir marschieren vom Bahnhof in Richtung Bundesstraße B67.

Der erste Teil unserer Wanderung verläuft entlang der alten Bundesstraße, die früher die Hauptverbindung auf den Balkan und in die Türkei war. Heute verläuft der Verkehr 300m östlich auf der Autobahn. Hier ist Ruhe angesagt.

An der Grenzübergangasstelle ist kein Personal anzutreffen. Bezeichnend für unser Land ist, dass es nach so vielen Jahren Mitgliedschaft zur EU noch keine entsprechende Kennzeichnung gibt. Das ist mir bisher an keiner der vielen innereuropäischen Grenzen untergekommen.

Im Bereich des Grenzübergangs steht das riesige Aufnahmezentrum, das nach der Flüchtlingskrise 2015 errichtet wurde. Gut, dass es jetzt nicht gebraucht wird.

Bei der Kirche von Šentilj (Sankt Egidi) verlassen wir nach über 3 km die Hauptstraße und wandern an ein paar Häusern vorbei den Hügel hinauf.

Die Straße schlängelt sich durch die Felder und Weinberge und ist zum Glück wenig befahren.

Mehrere Wanderwege kreuzen unsere Route: der Šentiljska Pot und der Pot po Svečinskih goricah (43 km)

Die Fernsicht auf die steirische Koralpe ist phänomenal.

Eine Gedenktafel auf einem Haus macht auf die Partisanenkämpfe während des 2. Weltkrieges in dieser Gegend aufmerksam.

Von der kleinen Antonius-Kapelle hat man einen herrlichen Überblick.

Nun geht es etwas ins Gelände.

Ob da Jakobsweg – Markierer unterwegs waren?

Die Wallfahrtskirche von Kungota ist endlich erreicht. Leider ist sie verschlossen.

Wir gehen hinunter in das Tal der Penica und kehren im Gasthaus Filoft ein. Im recht „rustikalen“ Lokal bietet uns die Wirtin Klachlsuppe (auskochte Schweinsfüße) oder Flecksuppe (gekochter Rindermagen, Pansen) an. Wir entscheiden uns für die Flecksuppe, die wir noch nie zuvor gegessen hatten. Sie ist zwar schmackhaft und ausgiebig, aber nicht unbedingt unsere kulinarische Richtung.

Nach einem Stück auf der stark befahrenen Landesstraße geht es wieder ruhiger auf den nächsten Hügel hinauf. Der renovierte Ziehbrunnen war früher in Betrieb.

Das Tal der Penica.

Auf dem Weg zur „Piramida“ verlassen wir wieder die Straße und wandern durch den Wald. Auch hier finden sich „Spuren“ des Jakobsweges.

Im Ortsteil Ribniško Selo wandern wir nach Maribor hinein.

Durch den großzügig angelegten Mestni Park kommen wir direkt in die Altstadt von Maribor oder Marburg, wie es auf Deutsch heißt.

Die Stadt, die wir schon ein bisschen kennen, lädt zum Verweilen ein. In vielen Lokalen herrscht reges Treiben. Wir entscheiden uns in einem Cafe für eine Prekmurska gibanica (Vierlingsstrudel), Strudelteig mit Mohn-, Nuss-, Topfen- und Apfelfüllung. Eine wahrlich köstliche Regionalspezialität!

Gut gestärkt gehen wir die 700 m zum Bahnhof in der Partzanska cesta, von wo wir die Heimreise antreten.

Tagesstrecke: 22,3 km
Bergauf: 471 m
Bergab: 458 m
Route: Route auf Alpenvereinaktiv.com

Der erste Abschnitt des „alten“ Südösterreichischen Jakobswegs liegt hinter uns. Uns war schon in der Planung wichtig, dass wir die Teiletappen immer mit öffentlichen Verkehrsmittel erreichen können. Quartiere sind hier rar und nicht immer günstig.
Viele Jakobswegpilger gehen heute nicht mehr die Route über Marburg, sondern nehmen den Weststeirischen Jakobsweg, der landschaftlich wunderschön, aber hochalpin ist.

Ich wünsche euch auf Steirisch
An guat’n Weg – Ultreia!

4. Tag Dienstag, 14. Jänner 2020 Leibnitz nach Spielfeld

Heute ist das Wetter eher düster und grau. Ein wenig Raureif ziert manche Gräser. Wir verlassen Leibnitz in Richtung Südwesten nach Altenmarkt und überqueren wieder die Sulm.

Ein schöner Bildstock zeigt die Hl. Familie.

Über eine ehemalige Meeresklippe führt die Straße in das höher gelegene Tal von Aflenz. Vor ca. 15 Millionen Jahren, im Miozän, war das Leibnitzer Feld von einem Meer überflutet. Den Korallenriffen aus der Zeit verdanken der Römersteinbruch und der Retzneier Steinbruch am Rosenberg ihre Existenz.
Der Römersteinbruch wird seit der Römerzeit fast ununterbrochen zur Gewinnung von Sandstein genutzt. Das Amphitheater von Flavia Solva, aber auch der Stephansdom in Wien, die Grazer Burg und das Grazer Landhaus wurden, zumindest teilweise, mit Aflenzer Sandstein gebaut. Der Steinbruch ist in mehreren Etagen angelegt und diente ab 1943 als Produktionsstätte für Flugzeugmotoren der Steyr-Daimler-Puch. Es wurde das Konzentrationslager Aflenz als Außenlager des KZ Mauthausen eingerichtet, dessen Insassen zur Zwangsarbeit eingesetzt wurden. Viele Menschen verloren hier im KZ ihr Leben.

Ein Erinnerungsraum in den Mauern des Wächterhauses erinnert an diese Zeit.

Heute sind Reste des Lagers sonst nur noch im unterirdischen Steinbruch zu finden. Die Landwirtschaft ist wieder vorrangig.

Neben dem Hauptportal in das Innere des Berges gibt es auch noch andere Zugänge zum Höhlensystem. Hier erinnert eine Gedenktafel an die NS-Herrschaft.

Ein kleiner, fast zu übersehender Weg führt auf den Rand der Klippe.

Der gut markierte Weg führt durch den nicht sehr winterlichen Buchenwald.

Der Weg passiert den Retzneier Steinbruch, wo kalkstein zur Zementerzeugung gewonnen wird. Fossiliensammler können zu bestimmten Zeiten in den Steinbruch und tolle Stücke finden.

Im Zementwerk Lafarge-Perlmoser wird seit 1909 Zement hergestellt.

Retznei ist ein kleiner, aktiver Ort, der heute Teil der Gemeinde Ehrenhausen ist.

Auf dem 1er- Weg kann man eine schöne Rundwanderung über die Hügel von Ehrenhausen unternehmen. Auch der neu propagierte Weg „Vom Gletscher zum Wein“ verläuft hier.

Wir erreichen Ehrenhausen, das sich im Nebel versteckt. Das Schloss, das Mausoleum der Eggenberger und die Pfarrkirche am Hauptplatz dominieren. Die Pfarrkirche zeigt sich in schönstem Barock.

Wir bewegen uns jetzt zeitweise auf dem 03er – Südalpenweg, hier zugleich Steirischer Landesrundwanderweg.

Durch den Nebel können wir das Schloss und die Kirche von Spielfeld erahnen.

Raumlichkeiten im Schloss, das bereits im 12. Jhdt. erwähnt wird, können für Hochzeiten und andere Events gemietet werden. Die kleine Kirche ist dem Hl. Michael geweiht.

Ein hoher Steg ermöglicht die Überquerung des Bahnhofes Spielfeld, der auch Grenzbahnhof zu Slowenien ist. Seit dem Schengen-Abkommen und dem Beitritt Sloweniens zur EU hat er seine politische Bedeutung verloren.

Vor dem Bahnhof tun sich weitere Wandermöglichkeiten auf:

Vom Bahnhof in Spielfeld fahren wir wieder zurück nach Graz.

Die Vermesser haben es ganz genau genommen. Ich weiß allerdings nicht, an welcher Kante ich mein Navi milimetergenau kalibrieren soll.

Streckenlänge: 15,8 km
Bergauf: 265 m
Bergab: 278 m
Route: Route auf alpenvereinaktiv.com

3. Tag Montag, 06. Jänner 2020 Lebring-St. Margarethen nach Leibnitz

Eigentlich wäre für heute die zweite Etappe des Weges vorgesehen gewesen. Wegen des Feiertags verkehrt kein Bus, aber auf die Bahn ist Verlass. Kurzentschlossen kommt Etappe 3 vor Etappe 2, aber nicht in der Blogreihenfolge. Da bleibt es beim Geographischen.

Strahlendes Wetter empfängt uns in Lebring, wo wir uns vom Bahnhof gleich auf den Weg zur Anschlusstelle an den Jakobsweg machen. Die Kirche und der Buchkogel sind recht nahe.

Pfarrkirche St. Maragrethen vor dem Buchkogel

Es gibt zwar keinen Gehsteig, aber fast keinen Verkehr. Nach kurzer Zeit kommen wir nach Kleinstangersdorf und zur Brücke über die Phyrnautobahn A9.

Die Verwaltung des Kulturparks Hengist hat sich auch um die Markierung des Jakobswegs bemüht. Als „Hengist“ bezeichnen mittelalterliche Urkunden den Höhenzug von Buchkogel, Wildoner Schlossberg und Bockberg sowie dessen westliche Ausläufer rund um Wildon. Im 10./11. Jahrhundert befand sich in diesem Bereich die Hengistburg. Der Verein erforscht auf interdisziplinäre Weise Paläontologie, Natur- und Kulturgeschichte, Archäologie, Geschichte und Volkskunde der Region „Hengist“. https://www.hengist.at/

Beim Zieglerwirt und im Landgasthaus Edler wird man mit regionaler Küche verwöhnt, wenn man nicht zu früh am Tag vorbeikommt.

Nach Stangersdorf kommen wir an die Laßnitz, die für uns längere Zeit Begleiterin sein wird. Dieses Gebiet wird seit der Urgeschichte besiedelt und bewirtschaftet. Auch den Römern hat es in dieser Region gut gefallen, wie es zahlreiche Funde dokumentieren.

Kurz vor Lang zweigen wir von der Straße ab und gehen auf dem Güterweg entlang der Laßnitz.

Die Pfarrkirche von Lang schaut herüber. Auch im Winter ist es hier angenehm zu wandern. Wir treffen nur ein paar Jogger und Reiter.

Hier im Europaschutzgebiet hat man dem Fluss wieder mehr Raum gegeben. Das haben auch gleich die Biber ausgenutzt, die es sich hier gemütlich gemacht haben.

Mit der Gemeindegrenze von Lang endet auch die offizielle Markierung des Jakobsweges. Wir sind deshalb aber nicht orientierungslos. Einfach dem Fluss folgen ist die Devise.

Bald tauchen die ersten Häuser von Tillmitsch auf, wo wir kurzfristig wieder auf Asphalt weitergehen müssen.

Dort überqueren wir die Laßnitz und gehen auf der Westseite des Flusses weiter.

Das Naturparkzentrum Grottenhof in der Gemeinde Kainbach bietet ein modernes Ausstellungs- und Eventzentrum in einem alten, historischen Gut.

Alte bäuerliche Handwerkskultur ziert einen Schuppen.

Die Eisenbrücke ist ein letztes Bauwerk der alten Sulmtalbahn und wurde 1906 errichtet. Die Bahn war bis 1967 in Betrieb. Heute verläuft darüber ein schöner Radweg.

Am Seggauberg thront das Schloss Seggau, das heute zum Bistum Graz-Seckau gehört und auf eine reiche Geschichte zurückblicken kann. Heute ist hier ein Veranstaltungs- und Kongresszentrum mit einem Hotel des Bistums untergebracht. Auf dem benachbarten Frauenberg befand sich ein Tempel der Göttin Isis Noreia. Die Funde sind teilweise im Tempelmuseum ausgestellt.

Hier mündet die Laßnitz, der wir heute so lange gefolgt sind, in die Sulm, die wiederum in ein paar Kilometern in die Mur mündet.

Das Kapuzinerkloster in Leibnitz ist das älteste in der Steiermark. Die Klosterkirche wurde 1639 begründet. Der Bau liegt am westlichen Ende des Hauptplatzes.

In der Mitte des Hauptplatzes in Leibnitz steht das Rathaus mit dem markanten Turm von 1914.

Am östlichen Ende finden wir die Pfarrkirche Leibnitz, die um 1140 errichtet wurde und dem Hl. Jakobus geweiht ist. Am Kirchplatz sind die Pilgerzeichen Hut, Stock, und Trinkflasche als Zeichen für den Jakobsweg eingelassen.

Unser Ziel ist der Bahnhof in Leibnitz, von wo wir wieder nach Hause nach Graz fahren.

Streckenlänge: 14,9 km
Bergauf: 25 m
Bergab: 44 m
Route: Route auf alpenvereinaktiv.com

2. Tag Dienstag, 09. Jänner 2020 Murberg nach Lebring

Weil an Sonn- und Feiertagen der Bus nicht verkehrt, stimmt die datumsmäßige Reihenfolge nicht. Mir ist hier die geographische Reihenfolge wichtiger.

Wir steigen am Murpark gegenüber von der Skodawerkstadt (nicht am Hauptterminal!) in den Bus der Linie 521 ein und fahren in kurzer Zeit bist zur Station Murberg, wo wir den Ausgangspunkt der 2. Etappe erreichen.

Wir folgen der Dillacherstraße und kommen an Kindergarten und Volksschule vorbei. An der Kreuzung mit der Talstraße bleiben wir weiter auf der Dillacherstraße mit ihrem wunderschönen Panoramablick. Der „originale“ Lindenthalweg verläuft unten im Graben.

Gleich zu Beginn des Weges steht ein kleiner Bildstock, der der Hl. Maria mit dem Kind gewidmet ist, auf einer Außenwand ist der Hl. Jakobus abgebildet.

Die Höhenstraße ist verkehrsarm und verläuft an der Geländekante zum Murtal.

Von dort eröffnen sich schöne Aussichten auf das Grazer Becken oder auf die Koralpe.

Die Weissenegger Kapelle in Dillach, erbaut 1889 in neugotischem Stil, ist Johannes
dem Täufer geweiht. Im Unterbau befindet sich eine Gruft, die für die Schlossherren
von Weissenegg bestimmt war, heute aber leer ist.

Das Schloss Weissenegg liegt in einer Parkanlage verborgen und ist in seinem Umfang schwer zu erfassen. Es befindet sich in Privatbesitz.

Umso impossanter sind die Kraftwerksanlagen in Mellach. Heute stehen hier ein Wasserkraftwerk, ein Kohlekraftwerk, das bald geschlossen wird und ein Gaskraftwerk.

Wir überqueren die Mur und verfolgen nun auf dem Radweg den Grazer Umlandweg bis Wildon. Jetzt befinden wir uns in der verkehrsfreien Zone. Im Sommer muss man allerdings mit Radfahrern auf dem Murradweg rechnen.

Die Pfarrkirche St. Magdalena der Marktgemeinde Wildon und der ältere Teil des Marktes liegen auf einer geschützten Anhöhe über der Kainach.

In den Markt gelangt man über eine lange Treppe oder über einen privaten Steig. Noch in den 1970er Jahren bewegte sich der gesamte Verkehr in den Balkan und in die Türkei durch den Ort.

Im Schloss Wildon sind heute die Gemeindeverwaltung, ein Festsaal und ein Museum untergebracht.

Im Unteren Markt treffen wir wieder auf den „alten“ Jakobsweg.

Es gibt auch durchaus schöne Naturmarkierungen.

Der Weg bis zum Fuß des Buchkogels und weiter nach Süden ist kaum zu verfehlen.

Ein kleines Martel und die davor stehende Luxusausführung einer Bank laden zum Verweilen und Genießen der schönen Aussicht ein.

Die Pfarrkirche Lebring-St. Margareten ist der Hl. Margarete geweiht. Am Altar sind die „heiligen Madln“, Hl. Katharina, Hl. Margarete und Hl. Barbara dargestellt.

Von der Kirche geht es nun weiter zum Bahnhof, von wo wir mit der S-Bahn wieder nach Hause fahren. Der Jakobsweg zweigt ein paar hundert Meter unter der Kirche nach Westen ab. Auf ihn treffen wir auf unserer nächsten Etappe.

Tagesstrecke: 13,1 km
Bergauf: 127 m
Bergab: 218 m
Route: Route auf alpenvereinaktiv.com

1. Tag Dienstag, 17. Dezember 2019 Graz-Liebenau nach Murberg

Wir starten heute beim Murpark in Graz-Liebenau. Hier ist ein kleiner Verkehrsknotenpunkt entstanden, an dem die Schnellbahn S3 und S31, der Flixbus aus Wien, die Straßenbahn-Linie 4, mehrere Grazer Buslinien und zahlreiche Busse aus der Südoststeiermark zusammenlaufen. Am Stadtrand gelegen bietet sich das Einkaufszentrum als Startpunkt an.

Vorerst ist je nach Tageszeit viel Verkehr und es geht an der „HIB Liebenau“, der ehemaligen K.u.K Kadettenschule vorbei. Das Denkmal für die Opfer aus dem 1. und 2. Weltkrieg, auch der zivilen, hat einen würdigen Platz bekommen.

Über die Puntigamerstraße erreichen wir die Puntigamer Brücke und den Murradweg, dem wir heute einige Zeit folgen. Hier treffen wir auch auf die Wege aus dem Stadtzentrum. Die Errichtung des neuen Kraftwerkes und des Speicherkanals für die Grazer Abwässer hat eine tiefe Narbe an der Mur hinterlassen.

Auf dem rechten Murufer in Fließrichtung entkommt man dem Verkehr am besten. Am Murradweg kommen nur ein paar Radpendler, die in die Stadt zur Arbeit fahren, entgegen. Autoverkehr ist praktisch ausgeschlossen.

Wir unterqueren die Autobahn A2 und nützen den Damm des Kraftwerkes Gössendorf für unseren Weg in den Süden.

Das Kraftwerk Gössendorf ist eines in einer längeren Kette von Kraftwerken.

Danach geht es weiter auf dem Damm bis zur Kalsdorfer/Fernitzer Brücke. An der Brücke wechseln wir das Murufer und folgen der Mur auf der anderen Seite. Dann führt der Weg kurz durch den Auwald und über Feldwege weiter.

Das Jakobi-Kirchlein von Enzelsdorf schaut über die Felder und ist unser erstes Ziel auf dem Jakobsweg.

Das Hochaltarbild zeigt den Hl. Jakobus in Pilgertracht unter dem Wetterstrahlenkranz, links und rechts begleitet vom Hl. Sebastian und dem Hl. Florian

Nach Enzelsdorf müssen wir auf der Landesstraße etwa 1 km nach Süden gehen, bis der Weg in den Wald führt. Dort verläuft der Weg relativ steil durch den Laubwald auf den Hügel.

Nun geht es die Höhenstraße auf Asphalt leicht bergab bis Mellach, wo beim Kreisverkehr unsere Etappe endet. Hier ist auch die Haltestelle des Busses, der uns nach Graz an unseren Startpunkt zurückbringt.

Tagesstrecke: 16,8 km
Bergauf: 99 m
Bergab: 61 m

Route: Route auf Alpenvereinaktiv.com

Südösterreichischer Jakobsweg Graz – Marburg

Peter Lindenthal, ein Urgestein der Jakobswegpilger in Österreich, hat 2002 erstmals einen Führer für einen Jakobsweg durch Südösterreich aufgelegt, der 2007 letztmals überarbeitet wurde. Seitdem ist viel Wasser die Mur nach Süden geflossen und vieles hat sich an den örtlichen Gegebenheiten geändert.

Ich habe mich mit meiner Frau Heidrun im Winter 2019/20 auf den Weg gemacht und versucht, die Strecke von Graz nach Marburg zu gehen und dabei den Spuren Lindenthals zu folgen. Das war größtenteils möglich, manchmal habe ich eine, meiner Meinung nach bessere Strecke gefunden, die 2002 noch nicht möglich gewesen sein wird.

Ich habe die Gesamtstrecke auf kleine 5 -6 Tagestouren aufgeteilt, die jeweils Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz haben. So ist es möglich, jede der Touren von Graz aus mit Bus oder Bahn zu sinnvollen Zeiten zu erreichen.

In letzter Zeit sind teilweise Markierungen in Gelb (Punkte, Striche mit Richtungspunkt, Muscheln und in Slowenien Punkte und Pfeile) angebracht worden. Sie sind teilweise sehr gut sichtbar, manchmal spärlich und dann wieder überhaupt nicht vorhanden. Es ist sicherlich einfacher, mit einer guten GPS-Vorlage zu gehen.

Stempel für einen Jakobsweg-Ausweis bekommt man unterwegs eher nicht. Man kann sicher in Gemeindeämtern und Pfarrhöfen danach fragen, aber das muss dann auch die Dienstzeit passen.

Ich wünsche euch:
AN GUATN WEG!

Resumé: Jakobsweg – Extension 2.2 Perchtoldsdorf nach Mariazell 118 km

Eigentlich habe ich die heurige Weitwandersaison schon innerlich abgeschlossen, da bietet sich eine Schönwetterperiode an, eine „Baustelle“ in meiner Planung fertigzustellen. Ich gehe die Strecke von Perchtoldsdorf, wo ich im Frühjahr meine Jakobsweg – Extension 2.1 beendet habe, bis nach Mariazell.

Anreise und Verkehr:
Von Graz aus reise ich mit der Bahn bis Wr. Neustadt, weiter mit der Regionalbahn bis Wien-Liesing und mit dem Bus zurück nach Perchtoldsdorf. Der Verkehr auf den Wegen war sehr gering, wenn überhaupt vorhanden.

Unterkunft und Verpflegung:
Ich habe alle Unterkünfte im Voraus reserviert, nicht weil ich Angst hatte, dass sie überfüllt sind, sondern dass sie gar nicht geöffnet haben. Auch in der Pilgerhochsaison ist es ratsam, vorher anzufragen. Sehr viele Varianten hat an Quartieren hat man auf der Strecke nicht. Wir sind zumeist in Einbettzimmern untergekommen. Einmal (Enzianhütte) hatten wir ein Lager pro Person allein. Verpflegung ist unterwegs immer wieder in Geschäften, Gasthäusern und Cafes zu bekommen. In unseren Unterkünften wurde für uns gekocht.

Wege:
Die Wege sind durchwegs gut und eindeutig markiert. Sie sind zumeist gut begehbar. Immer wieder sind längere Asphaltstrecken zu bewältigen, aber ohne größeres Verkehrsaufkommen. Weite Strecken verlaufen auch auf Feld- und Wiesenwegen. Wanderwege sind meist gut und ohne Hindernisse begehbar, können aber durch ihre Steilheit auch sehr herausfordernd sein. Ausreichende Trittsicherheit ist an wenigen Stellen unbedingt notwendig.

Kultur und Natur:
Das Wetter hat es gut mit uns gemeint. Die Laubbäume strahlten in all ihrer Farbpracht in der Sonne. Weite Strecken geht man im Wald oder durch Felder.
Auch die Kultur kommt nicht zu kurz. Auch wenn wir das Chorgebet der Heiligenkreuzer Zisterzienzermönche versäumt haben, ist doch der Klosterkomplex beeindruckend.
Auch die versteckte Abtei von Klein Mariazell hat ihre Reize. Die Basilika von Mariazell ist natürlich ein Highlight am Ende des Weges.
Schlösser und Burgen wären einen eigenen Besuch wert.

Wegstatistik:
118 km (ohne Besichtigungen oder Irrwege), 3785 m bergauf und 3179 m bergab, 5 Tage zwischen 17,8 und 27,2 km, Mittelwert: 23,6 km, Median: 26,4 km

Quartierliste: Quartierliste Perchtholdsdorf – Mariazell

Streckenplan: Streckenplan Perchtholdsdorf – Mariazell

Damit hat sich der Jakobsweg auf 3668 km bis Santiago verlängert, bis Porto auf 3868 km.

5. Tag Samstag, 26. Oktober 2019 Gscheid nach Mariazell

Heute in der Früh liegt zum ersten Mal Reif auf dem Boden. Für die Jahreszeit normal, für uns Verwöhnte ein Novum. Wir sind hier aber auch auf 1000 m Seehöhe.

Da heißt es vorerst mit der Jacke wandern, auch die Handschuhe sind nicht zu warm. Wir waren die einzigen Gäste im Haus und bekommen das Frühstück erst um 8 Uhr. Da wir heute nur eine kurze Strecke übrig haben, macht uns das nichts aus. Heute ist außerdem Nationalfeiertag.

Am Weg liegt die kleine Kirche Maria am Gscheid.

Zwei „lange“ Wanderer im Morgenlicht.

Flotten Schrittes gehen wir entlang der B21 Richtung Südwesten.

Bald sind wir am Krummbachsattel und genießen die Ruhe auf dem Forstweg.

Beim Josef und Maria-Bildstock treffen der Wiener und der niederösterreichische Mariazellerweg aufeinander.

Hier ist auch die Grenze zur Steiermark nicht weit. Ein Besuch bei der Wuchtelwirtin ist Pflicht.

Wir gehen entlang des Hubertussees, ein Stausee, der anlässlich der Silberhochzeit des damaligen Jagdherren Arthur Krupp im Jahr 1906 angelegt wurde und das Geschenk von Margret Krupp an ihren jagdbegeisterten Mann war.

Am Seeufer steht auch die Bruder Klaus-Kapelle, die Nikolaus von Flühe gewidmet wurde. Die Glasfenster und das Eingangstor sind besonders eindrucksvoll.

Noch einmal müssen wir einen Bergrücken bezwingen, den Habertheuersattel.

Jetzt geht es wirklich nur mehr bergab. Die Gemeindealpe habe ich beim letzten Mal nur in Wolken erahnen können.

Vor dem ehemaligen Gemeindehaus von St. Sebastian feiere ich einen besonderen Moment. Ich treffe hier auf den Punkt, wo sich meine Wege von Westen und Osten treffen.

Ich habe hier den Weg vom östlichsten Punkt mit dem westlichsten Punkt Österreichs vereint, wenngleich ein bisschen durch die alte Monarchie, durch Südtirol. Gleichzeitig habe ich auch meinen Jakobsweg über 240 km verlängert.

Der Einmarsch in Mariazell ist wunderschön.

Ich danke Gert, meinem treuen Wanderbegleiter, für die fünf schönen und unterhaltsamen Tage. Das Wetter war phänomenal.

Tagesstrecke: 17,8 km
Bergauf: 311 m
Bergab: 405m
Route: Route auf alpenvereinaktiv.com

4. Tag Freitag, 25. Oktober 2019 Kalte Kuchl nach Gscheid

Um halb acht gibt es Frühstück. Draußen ist es etwas frisch, sodass wir mit langer Jacke losgehen, aber nur etwa 500 Meter. Dann wird uns von der ersten Steigung warm. Wenn der Sepp Forcher (österr. TV-Moderator) schon da war, gehört das gefeiert. Durch die Blätter zu waten ist so richtig lustig (solange sich darunter kein Stein oder keine Wurzel versteckt).
Bald kommen wir in das Gebiet der Wittgenstein’schen Forstverwaltung.
Hoch oben auf dem Grat zwischen zwei Gräben schlängelt sich ein wunderschöner Weg dahin. Da lässt sich’s leben. Der Landsitz der Wittgenstein in Hochreit wurde von Josef Hoffmann 1906 eingerichtet. Rasch führt ein steiler Weg hinunter ins nächste Hochtal.

St. Aegyd ist eine kleine Gemeinde, die einst durch Kleinmetallindustrie zu Wohlstand kam. Heute leben hier 1860 Menschen. Der Ort zieht sich lange durch das schmale Tal. Der Bahnhof ist zu einem Cafe/Restaurant umfunktioniert worden. Allein das Mehlspeisbuffett würde einen längeren Aufenthalt rechtfertigen. Nach einer kurzen Stärkung besuche ich die schlichte Pfarrkirche St. Aegyd, wo ich auch auf Jakobus und Petrus treffe. Hier geht alles seinen eigenen Gang. Gendarmerie gibt es in Österreich schon seit 2005 nicht mehr. Dafür feiert die Gemeinde ihre neuen Erdenbürger am Kirchplatz. Durch das Tal der Unrechttraisen führt der Weg schließlich auf das Gscheid, wo zahlreiche Tafeln an die Pilgerfahrten erinnern.
Noch einmal gehen wir einer Almwiese entlang bis in den „Ort“ Gscheid.
Im Alpengasthof Gscheid bei der Familie Gruber beziehen wir unser Quartier.
Tagesstrecke: 25,7 km
Bergauf: 737 m
Bergab: 521 m
Route: Route auf alpenvereinaktiv.com

3. Tag Donnerstag, 24. Oktober 2019 Enzianhütte /Kieneck nach Kalte Kuchl

Der Wind, der die Hütte in der Nacht zum Singen gebracht hat, ist abgeflaut. Vor dem Frühstück mache ich bereits die ersten Dämmerungsfotos. Hier, auf 1100m, gibt es jetzt keinen Nebel.

Wir brechen wieder um 7 Uhr 45 auf. Es ist angenehm warm. Heute geht es Gupf um Gupf durch die Landschaft. Jeder einzelne Mugel will bis zum Gipfel erklommen werden. Die Aussicht ist in jede Richtung nicht enden wollend.

Beim Untersberg – Schutzhaus kehren wir zum ersten Mal ein. Die Wirtin hören wir aus der Küche jodeln. Dort gibt es auch monatlich Jodelkurse.
Hier ist mit etwa 1200 m der höchste Punkt unserer gesamten Strecke erreicht.
Nun trennen wir uns vom Weitwanderweg 04 und steigen stetig in gerader Strecke ins Tal hinab. Zwischendurch kommen die Felsen sehr nahe an einander.

Im Tal angekommen gehen wir vorerst auf einer verkehrslosen Straße in Richtung Hauptstraße, auf der wir auch keinem einzigen Fahrzeug begegnen. In Rohr im Gebirge machen wir im Hotel/Restaurant Kaiser Franz Josef Mittagsrast. Wie das Haus zu seinem noblen Namen kommt, erschließt sich nicht einmal aus deren Website.
Der Weiterweg ist gut markiert und führt im wahrsten Sinn durch Wald und Flur.
Unserer guten Kondition ist es geschuldet, dass wir schon um 14 Uhr 30 am Ziel in der „Kalten Kuchl“ ankommen.
Hier beherrschen die Biker das Feld.


Mich zieht ein Mercedes 300 SL in seinen Bann.

Tagesstrecke: 20,1 km
Bergauf: 553 m
Bergab: 988 m
Route: Route auf alpenvereinaktiv.com