Heute am Morgen war es richtig frisch. Die Temperatur ist in der Nacht auf 2° C gesunken. Die Sonne wärmt aber recht gut und zum Wandern ist es gerade richtig.
Im Stadtzentrum will ich noch Verpflegung und Wasser beschaffen, aber der erste Supermarkt hat wirklich nur leere Regale. Vielleicht wird das Geschäft aufgelöst oder umgebaut. Ich finde dann genau eine Bar im Zentrum, die schon offen hat. Da genieße ich den Kaffee und einen Ananassaft. Croissants oder ähnliches – Fehlanzeige.

La Cologne, die Köln, heißt dieser kleine Fluss, der ein paar hundert Meter später in die Somme mündet. In Richtung Ursprung weitet sich die Cologne zu einem weiten und schwer durchdringbaren Sumpfgebiet.


Ich habe wieder das Glück, auf einer ehemaligen Gleistrasse wandern zu dürfen.



In einer parkähnlichen Anlage in Cartigny steht eine schöne Villa.

Mairie und Post befinden sich hier in einem Gebäude.

Heute sind Blau und Grün angesagt.

Ich wandere aus Cartigny hinaus, muss dabei eine Baustelle überwinden und gehe flott bergan. Zu schnell! Irgendwo übersehe ich eine Abzweigung. Zugegeben, die Markierung in diesem Abschnitt ist nicht wirklich gut und bräuchte etwas Auffrischung. Aber dafür hätte ich ja auch GPS.


So lerne ich einen weiteren Ort kennen: Hancourt, ein kleiner Ort, umgeben von Feldern. Die alltägliche Realität in allen landwirtschaftlichen Gebieten ist, dass viele Geschäfte, Gasthäuser und Dienstleister aufhören.

Mit einigem Umweg komme ich auf meine Route zurück. In Vraignes-en-Vermandois hole ich mir auf der Mairie den Pilgerstempel und bitte um Wasser. Die Sekretärin ist sogleich behilflich, erklärt mir noch auf einem Plakat die wichtigsten kommunalen Fakten und möchte noch ein Bild für die Chronik. Jeden Tag schlägt auch nicht ein österreichischer Pilger hier auf.

Auf den Feldern steht gerade Unkrautbekämpfung am Programm. Dieses Gefährt hätte auch in einer Transformers – Serie mitspielen können.

Ich nähere mich schon Saint-Quentin. Der Fußweg führt jetzt auf einem frisch gemähten Rasenstreifen neben der Straße. Gut für die Sicherheit, anstrengend für die Füße.

Die letzten paar Kilometer bekomme ich ein Geschenk für meine heute schon etwas müden Beine: wieder darf ich auf einer alten Bahnlinie wandern. Immer schön gerade dahin, kaum Steigung und Gefälle und eine leichte Humusauflage als Bodenbedeckung.

Manchmal verläuft der Weg tief abgesenkt, manchmal hoch über dem Umgebungsniveau. Die Bahnbrücke ist durch Stufen ersetzt worden.

Die Seitenwände einer Unterführung sind mit bunten Graffitis geschmückt. So kanns auch sein.

Jetzt tauche ich wieder in die Zivilisation ein, ich komme in die Vororte von Saint-Quentin.

Über die Rue de Paris mit einigen schönen und mehr weniger schönen Häusern erreiche ich das Stadtzentrum.


Ich wohne direkt im Zentrum, keine 200 m vom Place d’Hôtel de Ville entfernt.



Etwas abgesetzt steht die Basilika Saint-Quentin.

Die Stadt soll seinen Namen vom heiligen Quintin erhalten haben, der hier bei der Predigt des Christentums 287 n. Chr. das Martyrium erlitt. Die Gebeine des Märtyrers sollen 825 nach Saint-Quentin überführt worden sein. Vom 4. bis zum 6. Jahrhundert war Saint-Quentin Bischofssitz. Im Frühmittelalter entwickelte es sich zu einem bedeutenden Wallfahrtsort.

1257 nahm König Ludwig der Heilige an der Übertragung der Reliquien in den Chor teil, darunter der Handreliquie des heiligen Quentin.


Die Basilika Saint-Quentin mit ihren zwei Querschiffen und fünf Portalen ist 123 m lang, hat im Langschiff und im Chor eine Höhe von 34 m und eine Breite von 52 m.

Während meines Rundgangs „übt“ ein Organist unter Anleitung seines Lehrers an der Orgel. Er testet dabei auch die Möglichkeit des Instruments aus.


Mein Quartier, das „Logis Hôtel le Florence“ in der Rue Emile Zola ist sehr sauber und ruhig. Die Zimmer sind in Richtung großer Hinterhöfe ausgerichtet.


Zum Abendessen gibt es heute Filet Mignon mit jungen Kartoffeln und hellem „La Mascotte“, einem Craft beer.

Die Strecke war heute für mich schon lang, aber ich doch gut zu bewältigen. Ich bin neugierig, was die Beine morgen dazu sagen…
Tagesstrecke: 39,2 km; ↑152 m; ↓106 m














































































































































































