Der gestrige Abend und die Nacht waren sehr schlafintensiv und erholsam. In der Früh haben wir noch ein ausreichendes Frühstück und einen netten Plausch mit der Chefin des Hauses. Dann geht es direkt in den Wald….
Der Schlichter (so heißt der Wald)
Von der Frankfurter Westpiste schießt ein Flugzeug nach dem anderen in den Himmel. Die Vögel versuchen den Lärm zu übertönen.
Über den Wolken…Über den Wolken…Über den Wolken…Über den Wolken…
Im Wald blühen auch schon Apfelbäume.
Apfelbaum
Entlang der offenen Flächen begleiten uns Alleen von uralten Eichen- und Buchenbäumen.
Allee im MönchbruchIm Mönchbruch
Der Mönchbruch ist eine riesige, versumpfte Freifläche, die über 900 ha umfasst. Sie wurde als Ausgleichsfläche für Abholungen am Frankfurter Flughafen unter Naturschutz gestellt.
Diese Landschaft wurde ursprünglich vom Main durchflossen. Der Name „Bruch“ bedeutete im Mittelalter „Sumpfland“.
Das Jagdschloss Mönchbruch wurde vom Landgrafen Ernst-Ludwig von Hessen-Darmstadt um 1730 im Zentrum des Mönchbruchs erbaut. Heute ist es in privater Hand und wird als Hotelanlage genutzt.
Jagdschloss MönchbruchJagdschloss Mönchbruch
Gleich gegenüber dem Schloss steht die alte Mönchbruchmühle, die von 1708 bis ca.1910 in Betrieb war. Danach wurde sie eine beliebte Gaststätte.
Mönchbruchmühle
Wieder überqueren wir eine Autobahn, diesmal die A67, kurz vor der Abzweigung der A60.
Autobahn A67
Dann kommen wir schon nach Königstädten mit einem urigen Ortszentrum.
Königstädten – früher Schul- und Rathaus, heute Ortsgericht.
Die evangelische Kirche geht auf einen karolingischen Vorgängerbau (um 1200) zurück, der 1944 einem Bombenangriff zum Opfer fiel und nach dem alten Vorbild wieder errichtet wurde.
Unterwegs werden wir von einer netten Dame mit Fahrrad eingeladen, um bei ihr etwas zu trinken. Da wir schon kurz vor dem Ziel in Naumburg sind, haben wir dankend abgelehnt.
In Nauheim beziehen wir im Egerländer Hof Quartier. Der ist fest in griechischer Hand.
Egerländer HofEgerländer Hof
In Nauheim haben sich viele Menschen aus dem Egerland und aus dem Vogtland (ehem. CSSR) angesiedelt. Viele waren Instrumentenbauer und haben diese Tradition in die neue Heimat mitgebracht. So entstand die Nauheimer Musikindustrie mit namhaften Firmen.
In der Nacht hat es geregnet und auch merklich abgekühlt. Wir haben ein ausgiebiges Frühstück und machen uns gegen 8.15 Uhr auf den Weg.
Ein paar kurze Schlenkerer durch die Gassen bringen uns kleine Einblicke hinter die Kulissen der Stadt.
Eine Fahrradstraße mit Anrainerverkehr und Bäumen oder eine Allee mitten in der Straße sind interessante Ansatzpunkte für bewohnerorientierte Verkehrsplanung.
Fahrradstraße Allee
Die kath. Kirche St. Josef trägt ein schönes Turmkreuz. Die Kirche wurde in Form einer Basilika im Stil des Eklektizismus mit neuromanischen und auch byzantinischen Einflüssen 1910/11 nach einem Entwurf des Architekten Hans Rummel gebaut.
Neben der Kirche steht eine große Menge von Menschen die darauf wartet, dass die „Speisekammer“, eine Lebensmittelausgabe für bedürftige Menschen, öffnet.
Turmkreuz St. JosefSt. Josef – Innenraum
Wir verlassen Neu-Isenburg im Südwesten und müssen entlang einer stark befahrenen Straße über die Bahnlinie. Da war ein kleiner Planungsfehler mit im Spiel.
L 3117 Bahnüberführung
Die Irritation dauert nur kurz, dann sind wir fast allein im Wald.
Schutzgebiet DreyeichenSchutzgebiet Dreyeichen
Der Gehspitzweiher ist ein Relikt einer alten Ton- und Kiesgrube und steht unter Naturschutz.
Gehspitzweiher
In Zeppelinheim stehen wir beim Museum vor geschlossenen Toren. Leider gibt es keine Möglichkeit zum Einkehren. So muss eine Bank im Wald als Ruhestätte dienen.
Zeppelinheim wurde 1934 mitten im Wald als Basis für die Luftschifffahrt gegründet und war bis zum Unglück der „Hindenburg“ Ausgangspunkt für die Transatlantikflüge der „Hindenburg“ und der „Graf Zeppelin“. 1940 würden die beiden Luftschiffhallen gesprengt und danach eine Start-Landebahn von Zwangsarbeitern errichtet- die Basis für den heutigen Frankfurter Flughafen.
Zeppelin-Museum
Gleich nach dem Ort geht es im Wald weiter, bis wir zum Walldorfer Badesee kommen, wo für morgen ein Winterschwimmen angekündigt ist.
Walldorfer Badesee
Dann geht es vorerst über die Autobahn A5 und dann über die Bahnanlagen der Riedbahn. Auf der Autobahn ist richtig die Hölle los.
Autobahn A5Riedbahn
Jetzt sind wir schon in Walldorf, dem Ziel des heutigen Tages.
Walldorf ist ein Gründung der Waldenser aus dem Piemont. Landgraf Ernst Ludwig erlaubte1633 den Glaubensflüchtlingen sich auf seinem Land anzusiedeln, das wegen des 30-jährigen Krieges entvölkert war. Bis 1717 entstanden 15 Häuser mit Scheunen und Stallungen sowie die Kirche mit Pfarrhaus, allesamt in Fachwerk errichtet, am grand chemin (der heutigen Langstraße) gelegen. Die Waldenser brachten auch die Kunst der Obstveredelung mit.
Alte WaldenserkircheAlte Waldenserkirche – InnenraumAlte Waldenserkirche – Gedenkstein für die Einwanderer
Die Häuser hatten ursprünglich alle die gleichen Ausmaße und Ausstattungen. 7 x 7 m war der Grundriss.
Altes Waldenserhaus – heute Museum Altes Waldenserhaus – heute MuseumLangstraße – erste Straße von Walldorf
Heute nächtigen wir im Hotel zum Löwen direkt in der historischen Langstraße.
Am Vorplatz des Hauptbahnhofs starten wir jetzt unseren 3. Abschnitt des Lutherweges.
Frankfurt Hauptbahnhof
Durch die Kaiserstraße wandern wir entlang der Wolkenkratzer zum „Römerberg“, dem Platz vor dem Rathaus.
Wolkenkratzer im Business-DistriktAuf dem RömerbergRömerberg mit Nikolaikirche
In der Nikolaikirche hole ich die Stempel für unsere Pilgerpässe. Der letzte aus dem Vorjahr und der erste von heuer sind ident.
Evangelische Nikolaikirche
Nur ein Haus überstand die Bombardements im 2. Weltkrieg, der Gasthof „Haus Wertheim“. Alle Gebäude rundum sind im alten Stil wiedererrichtet worden.
Haus Wertheim
Wir überqueren den Main über den Eisernen Steg. Dieser seit 1868 bestehende Fußgängerübergang ist 173 m lang.
Frankfurt – Eiserner StegFrankfurt – Eiserner Steg Blick nach WestenFrankfurt – Eiserner Steg Blick nach Osten Frankfurt – Eiserner Steg Skyline
Wir suchen den ersten Wegweiser des Lutherwegs. Diesen Zeichen wollen wir bis Worms folgen.
Wegweiser Lutherweg
Wir folgen den Markierungen nach Süden und kommen an der evangelischen Bergkirche vorbei, wo wir mit der Pfarrerin kurz plaudern und von ihr den nächsten Stempel bekommen.
Bergkirche im Stadtteil Sachsenhausen
Nun verlassen wir den Siedlungsbereich von Frankfurt und tauchen in den Stadtwald ein.
Frankfurter Stadtwald
Die fast geraden Schotterwege und nur ein paar Spaziergänger und Radfahrer sind jetzt recht angenehm.
Frankfurter Stadtwald
Ein überdimensionaler Specht bearbeitet gerade eine Eiche.
Frankfurter Stadtwald
Nach etwa zweieinhalb Stunden kommen wir in die Hugenotten- und Waldenserstadt Neu-Isenburg.
Neu-Isenburg wurde am 24. Juli 1699 als Exulantenstadt von Hugenotten gegründet, französischen Protestanten, die nach der Aufhebung des Toleranzedikts von Nantes aus Frankreich hatten fliehen müssen. Sie ist eine der Planstädte des 17. und 18. Jhdts.
Neu-Isenburg – Frankfurter Straße Neu-Isenburg – Museum, Löwengasse
Wir wollen es wieder probieren: Der Lutherweg soll heuer vollendet werden. In den letzten beiden Jahren haben eine Covid-Erkrankung und Zeitmangel verhindert, dass wir bis Worms gekommen wären. Heuer hoffen wir, in Worms in Luthers Fußspuren stehen zu können.
1521 erhielt Martin Luther von Kaiser Karl V die „Einladung“ zum Reichstag zu Worms, der der Reformator nachkam. Ein Teil der Strecke wurde 500 Jahre später zum Gedenken an diese schicksalshafte Reise als „Lutherweg 1521“ ausgewiesen. Dieser Pilgerweg führt von Eisenach mit der bekannten Wartburg über Frankfurt/Main nach Worms.
Martin Luther (Ausschnitt eines Bildes von Lukas Cranach – Schloss Gotthof, Scheswig)
Die Strecke führt von Eisenach in Thüringen, quer durch Hessen nach Worms in Rheinland-Pfalz.
Karte des Lutherwegs
Wie immer wählen wir die Bahn als umweltfreundliches und günstiges Verkehrsmittel, um an den Ausgangspunkt unserer Wanderung zu gelangen.
Um 5.39 Uhr starten wir mit der S3 vor der Haustür um 5.39 Uhr und fahren mit den Morgenpendlern zum Hauptbahnhof Graz.
Früh am Morgen
Hier wartet schon der ICE 210 Schleswig-Holstein, der Graz direkt mit Frankfurt verbindet. Vor ein paar Jahren war ich mit dieser Garnitur schon in Deutschland unterwegs.
ICE 210 Schleswig-Holstein
Die Zugroute führt über die Weststeiermark, den Koralmtunnel, Klagenfurt, Villach, Tauerntunnel, Salzburg, München, Ulm und Heidelberg nach Frankfurt.
ICE 210 Schleswig-Holstein
Der Zug ist vorerst fast leer, aber gut reserviert, in St. Paul wird er aber von Pendlern gestürmt.
Mit 220 km/h geht es durch das Lavanttal und das Drautal.
ICE 210 Schleswig-Holstein
Durch die „Alpen“:
DrautalMölltalGasteinertal
Ab Salzburg ist unser Zug nahezu voll. Das bleibt so bis bis München. Auch danach sind nur einzelne Plätze frei. Kurzfristige Verspätungen werden immer wieder aufgeholt.
Schließlich kommen wir mit drei Minuten Verspätung am Hauptbahnhof in Frankfurt an.
Heute wollen wir früh aufbrechen, um unsere Busverbindungen in Griffen rechtzeitig erreichen zu können. In der Früh ist die Kirche noch geschlossen und die Schlüsselverwaltein aufschrecken wollte ich auch nicht.
Pfarrkirche Diex
Heute geht es meist bergab und das auch noch bequem.
BergabBlick nach Osten in Richtung Lavanttal
Kurz stellt sich uns ein Hindernis in den Weg. Wegen Forstarbeiten nach einem Windbruch war der Weg vor einiger Zeit gesperrt und Wanderer mussten einen großen Umweg gehen. Jetzt ist die Tafel weg, aber der Originalweg ist ist eher beschwerlich zu gehen. Wir nehmen kurzerhand den neu eingerichteten Holzbringungsweg und sind bald wieder auf einem gut begehbaren Weg.
HolzbringungswegWeg in Richtung Griffen (Grafenbach)
Das ehemalige Prämonstratenser-Chorherrenstift St. Maria in Griffental, kurz Stift Griffen genannt, liegt etwa 2,5 km vom Ortzentrum entfernt und besteht aus einer im Kern romanischen Stiftskirche, den nordwestlich angrenzenden barocken Stiftsgebäuden und ist von einer hohen, gotischen Wehrmauer umgeben. Heute ist hier das Museum Stift Griffen mit einer Peter Handke – Literaturausstellung untergebracht. Der Literatur-Nobelpreisträger Handke wurde hier in Griffen geboren.
Stift GriffenStift Griffen
Die spätromanische dreischiffige Pfeilerbasilika lag ursprünglich außerhalb der ehemaligen wehrhaften Kirchhofmauer. 1272 wurden das Kloster und die neue Stiftskirche Maria in Haslach (Maria Himmelfahrt) fertiggestellt
Stift Griffen
Die spätromanische dreischiffige Pfeilerbasilika lag ursprünglich außerhalb der ehemaligen wehrhaften Kirchhofmauer.
Stift Griffen
Mehrer Brände suchten das Kloster heim, so auch einer 1750, durch den das Stift mitsamt wichtigen Wertpapieren und Dokumenten niederbrannte.
Stift Griffen – Hochaltar
1786 wurde das Stift vor allem aus wirtschaftlichen Gründen (der Brand einige Jahre zuvor führte zu einer erneuten Verschuldung) durch Joseph II. aufgehoben und die Stiftskirche wurde Pfarrkirche.
Stift Griffen – Kanzel
Bevor noch Markt Griffen zu sehen ist, erblicken wir schon die Ruine der Höhenburg, die zwischen 1124 und 1146 von den Bamberger Fürstbischöfen erbaut wurde.
Burg Griffen
Die Burg wurde nach 1768 nach und nach dem Verfall preisgegeben und 1840 die Dächer eingerissen. Seit 2000 bemüht man sich um eine Restaurierung, Im Burgfelsen ist die Tropfsteinhöhle Griffen zu finden.
Burg Griffen
Wir sind viel schneller als erwartet in Griffen angekommen. So bleibt genügend Zeit für einen gemeinsamen Abschluss mit Suppe und Getränk.
Gemeinsames Suppenessen serviert von unserem Cheforganisator Gert. DANKE!
Auch heute erwartet uns wieder schönster Sonnenschein. Die angesagten Bodennebel sind kaum wahrnehmbar. Heute haben wir gleich wieder einen langen Anstieg.
Blick auf Brückl
200 m über dem Ort steht die kleine Kirche St. Lorenzen. St. Lorenzen war die Urpfarre von Brückl, eine von zehn Urpfarren in Kärnten. Ihre Gründung erfolgte in den Jahren zwischen 860 und 927 von Salzburg aus.
Brückl – St. Lorenzen
Im Inneren birgt das Kirchenschiff romanische und gotische Fresken.
Brückl – St. Lorenzen
Es geht weiter im Aufstieg in Richtung Gretschitz.
Aufstieg
Vor uns taucht die Filialkirche St. Andreas auf. Wir sind schon auf 1160 m.
Filialkirche St. Andreas
Auf einer Wiese sind tausende von Herbstkrokussen gepflanzt worden. Vereinzelt sollen sich auch Safranpflanzen darunter befinden. Das lila Herz leuchtet besonders heraus.
HerbstkrokussePracht-Herbst-Krokus (Crocus speciosus)Filialkirche St. AndreasFilialkirche St. Andreas
Von Ferne sehen wir erstmals die beiden Türme der Pfarrkirche von Diex.
Diex
Aber vorher machen wir noch einen Abstecher zum Kreuzungspunkt des Fernwanderwegs „Eisenwurzenweg 08“ mit dem Mariazellerweg 06 und einigen lokalen Wanderwegen. Der Sudeten-Alpen-Adria-Weg I 21 ist ebenso mit einer Tafel vertreten wie die „Via Slavorum“, der internationale Pilgerweg I 26 Krakau – Brünn – Retz – Klosterneuburg – Mariazell – Assisi – Rom, den ich schon zu einem Großteil gegangen bin.
WegweiserGedenkstein „Mariazellereg – Wisenwurzenweg“Via Slavorum“, der internationale Pilgerweg I 26
Interessant sind auch die Informationastafeln des „Diexer Abstimmungs- Wanderwegs“, der die Ereignisse der Zeit nach dem 1. Weltkrieg zu erklären versucht.
Diex (Aussprache: [ˈdiːɛks]; slow.: Djekše) wurde in einer Schenkungsurkunde von König Arnulf 895 erstmals als Mons Diehse erwähnt.
Die gotische Wehrkirche wurde anfang des 14. Jhdts. wegen der Gefahr der Osmaneneinfälle und der ungarischen Besatzung mit einer 5 m hohen Ringmauer versehen. Im so entstandenen Kirchhof werden die Toten bis heute bestattet. Leider konnten wir wegen der Feierlichkeiten zum Allerheiligentag nicht in das Innere der Kirche.
Pfarrkirche DiexPfarrkirche DiexDiex – Wehrgang um die Kirche
Wir übernachten im letzten dem Ort verbliebenen Gasthaus „Messner“.
Nach ausgiebigem Frühstück fahren wir mit Taxis an den gestrigen Endpunkt in Ottmanach zurück. Offentliche Verkehrsmittel sind Fehlanzeige.
Bei der Pfarrkirche in Ottmanach beginnen wir die heutige Etappe.
Ottamnach – Pfarrkirche
Nach wenigen hundert Metern beginnt der Aufstieg zum Magdalensberg. Trotz Bewölkung ist es nicht kalt.
Die Kirche am Gipfel des 1058 Meter hohen Magdalensberges ist der heiligen Helena und Maria Magdalena geweiht. Sie geht auf ein Gebäude aus dem 11. Jhdt. zurück, das im 15. Jhdt. erweitert wurde. Der spätgotische Hochaltar von 1502 birgt im Schrein eine große Schnitzfigur, die die heiligen Helena mit Kirchenmodell und Kreuz darstellt.
Kirche am Magdalensberg
Im Restaueanr „Gipfelhaus Magdalensberg“ haben wir uns vorzüglich gestärkt. Leider war hier kein Quartier für die Nacht zu haben. Von der Terrasse des Restaurants haben wir einen Fernblick über die Karawanken und die Hohen Tauern.
MagdalensbergBlick vom MagdalensbergRotwildgehegeBlick zurück
Im Archäologischen Park wird die antike Geschichte der Gegend aufgearbeitet. Die Noriker waren im 3. Jhdt. v. Chr. hier ansässig und bekannt für die Gewinnung des hochwertigen „Norischen Eisens“. Auf dem Gipfelplateau und an den angrenzenden Abhängen siedelten sie in der Stadt am Magdalensberg, ehe sie in die römische Stadt Virunum im Zollfeld absiedelten. Zahlreiche Funde wie der Jüngling vom Magdalensberg zeugen von der hohen Kultur.
Archäologischer Park am MagdalensbergArchäologischer Park am Magdalensberg
Gleich nach dem Abstieg nach Göriach geht es durch den Herbstwald auf den Christofberg auf fast 1000 m Seehöhe. Am 4. Juni 1919 kam es im Vorfeld des KärntnerAbwehrkampfes auf den Höhenlinien des Christofberges zur Besetzung durch jugoslawische Truppen und Vertreibung der ortsansässigen Bevölkerung.
Herbstwald
Auf dem Christofberg steht auch die gleichnamige Kirche St. Christof. Leider ist die im 17. Jhdt errichtete Kirche geschlossen. Im Gasthof „Zum Messner“, direkt neben der Kirche, haben wir sehr gut zu Mittag gegessen.
Filialkirche St. GristofDie Koralm mit WolkenhutDer Magdalensberg von Ferne
Wir machen einen kleinen Abstecher zum Lippekogel, der sogar ein Gipfelkreuz mit Gipfelbuch hat.
LippekogelLippekogel
Das Gurktal liegt unter uns. Da sind noch einige Höhenmeter zu überwinden.
Gurktal
Auf der Westseite des Lippekogels können wir im Tal die Burg Hochosterwitz erkennen.
Hochosterwitz
Der Abstieg nach Brückl ist recht steil. In kurzer Zeit überwinden wir 580 Höhenmeter. Brückl ist Industriestandort. Das Kettenwerk der PEWAG war früher Großlieferant der k.u.k Marine. Im 20. Jhdt. kam Chemieindustrie (Chlorkali-Elektrolyse der Donau-Chemie) dazu. Sie war in weiterer Folge Ursache für den HCB-Skandal im Görtschitztal 2014, wo große Mengen Chlorkohlenwasserstoffe freigesetzt wurden.
Brückl
Heute nächtigen wir im Gasthof Schattleitner, wo wir auch sehr gut verköstigt werden
Die Anreise nach Klagenfurt, natürlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln, erfolgt noch in finsterer Nacht. Mit der S-Bahn geht es zum Grazer Hauptbahnhof und dann schon mit einem kleinen Grüppchen von Mitwanderern im Expressbus ICB 5920 nach Klagenfurt.
Klagenfurt Hauptbahnhof – Vorplatz
Die Bahnhofshalle wurde in den 1050er Jahren von Giselbert Hocke gestaltet. Die inzwischen unter Denkmalschutz stehenden Gemälde sind rund 22 Meter breit und fünf Meter hoch. Als die Fresken 1956 fertiggestellt wurden, kam es zu Protesten der Bevölkerung.
Klagenfurt Hauptbahnhof – Fresken in der Halle
Am Bahnhof in Klagenfurt treffen wir auf die anderen Teilnehmer unserer Gruppe und nehmen die nächste S-Bahn nach Annabichl.
Klagenfurt Hauptbahnhof
Jetzt sind wir auf dem Mariazellerweg
Mariazellerweg
Beim Weißen Kreuz haben wir eine gute Aussicht auf das noch nebelige Klagenfurt
Weißes KreuzWeißes KreuzBlick auf Klagenfurt
Jetzt geht es durch die Wälder des Maria Saaler Berges.
Herbstlicher Maria Saaler Berg
Am Rande des Glantales liegt die Dom- und Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt in Maria Saal.
Die ursprünglich karolingische und romanische Kirche wurde im 15. Jhdt. im spätgotischen Stil umgebaut.
Dom und Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt in Maria Saal
In den Außenmauern befinden sich zahlreiche Artefakte aus der römischen Besiedlungszeit auf dem Zollfeld und dem Magdalensberg.
Dom und Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt in Maria Saal – Röm. Steinrelief – Romulus und RemusDom und Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt in Maria Saal – Röm. Grabsteinfragment – Seelenkutsche ins Jenseits
In den Feldern des Netzrippengewölbes im Langhaus ist der Stammbaum Jesu in Freskomalerei (1490) dargestellt.
Dom und Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt in Maria Saal – Langhaus
Der Hochaltar wurde um 1714 errichtet. Die Madonna mit Kind von 1425 im Schrein wird als Gnadenstatue verehrt.
Dom und Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt in Maria Saal – Hochaltar
Herbert Böckls Fresko „Errettung des Heiligen Petrus aus den Fluten des See Genezareth“ (1928) erregte viel Aufsehen, zeigt Petrus doch die Züge Lenins. Dieses Werk sorgte für einen Skandal, da es zu dieser Zeit als sehr provokativ galt, weshalb es bis 1982 verdeckt war. Das Fresko sollte ausdrücken, dass Jesus alle errettet, auch eine umstrittene Figur wie Lenin.
Dom und Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt in Maria Saal – Herbert Böckl „Errettung des Heiligen Petrus aus den Fluten des See Genezareth“
Der Karner neben dem Dom war ursprünglich ein kreisrunder romanischer Bau, der 1416 dem hl. Michael geweiht war und um 1500 mit einem doppelgeschoßigen offenen neunseitigen Arkadenumgang erweitert wurde.
Maria Saal – Karner
Unser Weg führt uns jetzt über die Gmeinkogel zum Stutterer Moos.
Stutterer Moos
Der nächste Anstieg folgt gleich: Es geht hinauf in den Weiler Stuttern, von wo wir wieder eine schöne Aussicht bis zu den wolkenverhüllten Gipfeln der östlichen Karawanken haben.
Aufstieg nach StutternÖstliche Karawanken
Schließlich erreichen wir unser Tagesziel, den kleinen Ort Ottmanach. Der Name leitet sich von Otmanica ab und wurde als „Königshube“ des Kaisers Otto II. bereits 980 erwähnt. Die ursprünglich romanische Pfarrkirche von 1134 wurde immer wieder baulich verändert.
Ottmanach – Pfarrkirche
Im Schloss Ottmanach wuchs Udo Jürgen Bockelmann alias Udo Jürgens mit seinen Brüdern auf. Bis 1959 war das Anwesen im Besitz der Familie Bockelmann. Auf dem Friedhof ist das Familiengrab zu sehen.
Ottmanach – SchlossalleOttmanach – Seitenansicht des Schlosses
Nun geht es mit dem Linienbus wieder zurück nach Klagenfurt-Annabichl, wo wir im Gasthof Neuwirt unsere Quartiere beziehen.
Gasthof Neuwirt/KressnigGasthof Neuwirt/Kressnig
Zum Abendessen fahren wir wieder mit der S-Bahn in die Innenstadt.
Klagenfurt – Alter PlatzKlagenfurt – Pfarrkirche Klagenfurt-St. Egid
Ich darf auch heuer mit einer Gruppe der Alpenvereinssektion „Weitwanderer“ auf dem Kärntner Mariazellerweg oder Kärntner „Zellerweg“ unterwegs sein. Diesmal steht der Abschnitt von Klagenfurt nach Griffen auf dem Programm. Im letzten Jahr war es die Strecke von Griffen nach Eibiswald (siehe Links). Den „Restweg“ bis Mariazell bin ich schon vorher gegangen.
Am Magdalensberg
Dank Gert, unserem „Tourguide“ und Organisator, haben die An- und Abreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln und die Quartierbeschaffung hervorragend geklappt.
Die Zusammenfassung des 1. und 2. Abschnittes des Lutherweges 1521 beschreibt den Weg, den Martin Luther 1521 auf „Einladung“ des Kaisers von Eisenach (Wartburg) nach Worms und retour zurückgelegt hat. Der 1. Abschnitt endete wegen einer Erkrankung 2024 in Niederjossa. 2025 folgte dort die Fortsetzung mit dem Ende in Frankfurt.
Anreise und Rückfahrt: Für beide Reisebewegungen haben wir uns wie meistens für die Bahn entschieden: Graz – München mit dem EC, dann Umsteigen auf den ICE bis Erfurt und von dort nach Eisenach. Bei der Rückfahrt geht es mit dem Bus nach Bad Hersfeld, mit dem RE bis Fulda und drei Tage später mit dem ICE von Fulda via Wien nach Graz. Die 2. Fahrt: wieder mit dem EC bis München, mit dem ICE bis Fulda, mit dem RE nach Bad Hersfeld und mit dem Bus nach Niederjossa. Auf beiden Hinfahrten kommen wir exakt zur richtigen Zeit an! Bei den Rückfahrten gibt es geringfügige Verspätungen.
Der Weg: Vorweg: Die meisten Wegabschnitte sind sehr gut markiert. Öfters verlaufen mehrere Wege auf identer Strecke. Trotzdem ist es kein Nachteil, über ein Offline – GPS-App (OsMand+) zu verfügen, um sich auch alternative Routen aussuchen zu können.
Gegen Frankfurt zu werden die Markierungen auf Feldern durch Hinweistafeln ersetzt. Wahrscheinlich sind sie zu oft den landwirtschaftlichen Maschinen zum Opfer gefallen. Der Asphaltanteil ist zeitweise hoch, aber in guter Relation mit anderen Wegen. Im Osten gibt es noch ein paar Hügel, die aber nie steil werden. Im Westen verlaufen die Wege sehr flach. Stark befahrene Strecken müssen kaum begangen werden.
Unterkunft und Verpflegung: Im Anhang gibt es auch eine Unterkunftsliste, die aber nur eine Anregung sein kann. Die Aktualität ist sehr unterschiedlich. Im Wesentlichen ist man auf Pensionen und Hotels angewiesen. Die Qualität der Quartiere ist nicht immer vom Preis abhängig. Herbergen im Sinne des spanischen Jakobsweges gibt es nicht.
Es lohnt sich, sich rechtzeitig um die Verpflegung zu kümmern. Es kann durchaus sein, dass es zwar eine Unterkunft, aber kein Essen gibt, oder, dass alle Geschäfte geschlossen sind. Sonst gibt es natürlich meist „gutbürgerliche Küche“ = Schnitzel in jeder Form oder Pizza.
Natur und Kultur: Der Lutherweg führt durch seit jeher agrarisch genutzes Gebiet mit teilweise jahrhundertealten Siedlungen. Zum Glück sind nicht alle während des Dreißigjährigen Krieges oder im 2. Weltkrieg zerstört worden. Zahlreiche Naturschutzgebiete, vor allem Feuchtbiotope, sind am Wegesrand interessant. Auch die Vielzahl der Streuobstanlagen ist auffallend.
Die kulturellen Highlights auf der Route sind zahlreich, seien es die vielen Relikte aus dem Mittelalter wie Kirchen und Burgen, oder die Bauten aus dem Barock. Fast jeder Ort kann mit einem mittelalterlichen Kern oder interessanten Gebäuden, meist Fachwerkbauten, aufwarten.
Wanderführer: Für den Lutherweg 1521 gibt es einen aktuellen Wanderführer aus dem Rotherverlag und einen älteren, der auch sehr gut ist. Ich habe zur Planung beide verwendet. Hinweise bekommt man auch auf der Website des Vereins: „Lutherweg 1521“ bzw. auf dessen Facebook-Präsenz.
Claus-Günter Frank, Lutherweg 1521: Ein deutscher Pilgerweg von Worms zur Wartburg. 24 Etappen. Mit GPS-Tracks (Rother Wanderführer) Taschenbuch – 6. Oktober 2021
Statistik: An den 14 Gehtagen haben wir mehr als 280 km zurückgelegt, für die „nackten Nettokilometer“ bleiben nach Abzug der Stadtbesichtigungen und diverser „Ehrenrunden“ 265 km übrig. Dabei fielen etwa 2800 Bergauf- und 3150 Bergab- Höhenmeter an. Die bereinigten Tagesstrecken ohne Besichtigungen lagen zwischen 13,5 und 25,3 km, im Median 18,9 km.
Alle Angaben bezüglich der Quartiere und Distanzen sind ohne Gewähr. Es liegt in der Eigenverantwortung des Benutzers, sich von der Richtigkeit zu überzeugen.