Die Via Francigena oder der Frankenweg ist einer der tradtitionsreichen Pilgerwege Europas und führt von Canterbury durch Frankreich und die Schweiz, überquert die Alpen am Großen St. Bernhard-Pass und führt durch die Toskana bis nach Rom. Er basiert auf der Reise des Erzbischofs Sigeric im Jahr 990, führt durch 5 Länder und ist eine Kulturroute des Europarates.
Karte Gesamtweg Via Francigena
Die Via Francigena beruht auf einem wesentlich älterenen System aus Fernhandelsrouten und Heerstraßen, die Europa von je her durchzogen und von den Pilgern auf dem Weg zu den Gräbern der Aposten Petrus und Paulus benutzt wurden. Sigeric hat also schon vorhandene Wege und Routen benutzt und auch beschrieben. Heute sind diese Routen durch das Wiederentdecken des Wanderns zu neuem Leben erweckt worden.
Ich möchte im 1. Abschnitt die Strecke von Canterbury – Dover, Calais – Arras – bis Reims wandern und kennenlernen. Dabei werde ich mich im Wesentlichen an die Route des Bischofs Sigeric halten.
Karte Canterbury – Reims
Das Zeichen der Via Francigena ist dieser stilisierte Pilger, den auch ich auf meinem Rucksack trage.
Die Zusammenfassung des 3. Abschnittes des Lutherweges 1521 beschreibt den Weg, den Martin Luther 1521 auf „Einladung“ des Kaisers von Eisenach (Wartburg) nach Worms und retour zurückgelegt hat. Der 1. Abschnitt endete 2024 in Niederjossa, dann schloss 2025 die Fortsetzung bis Frankfurt an. 2026 folgte schießlich der Weg bis Worms.
Anreise und Rückfahrt: Für beide Reisebewegungen haben wir uns für die Bahn entschieden: Durch die Verbindung über den Koralmtunnel gibt es ICE-Direktverbindungen von Graz nach Frankfurt. Auch die Rückfahrt erfolgte ab Frankfurt. Auf beiden Fahrten kommen wir recht pünktlich an.
Der Weg: Vorab: Die meisten Wegabschnitte sind sehr gut markiert. Öfters verlaufen mehrere Wege auf identer Strecke. Trotzdem ist es kein Nachteil, über ein Offline – GPS-App (OsMand+) zu verfügen, um sich auch alternative Routen aussuchen zu können.
Wir haben unsere Route an den letzten drei Tagen etwas von der „offiziellen“ Route abgewandeltet, weil sie für uns eine bessere Alternative für die Quartiere bot.
Die Strecke ist im Wesentlichen sehr gut markiert. Weite Strecken verlaufen in Welädern oder Weinbergen. Der Asphaltanteil ist zeitweise hoch, aber in guter Relation mit anderen Wegen. Bis zum Rhein ist die Strecke durchgehend eben, ab Oppenheim bieten die Weinberge etwas Abwechsung. Stark befahrene Strecken müssen kaum begangen werden.
Unterkunft und Verpflegung: Im Anhang gibt es auch eine Unterkunftsliste, die aber nur eine Anregung sein kann. Die Aktualität ist sehr unterschiedlich. Im Wesentlichen ist man auf Pensionen und Hotels angewiesen. Die Qualität der Quartiere ist nicht immer vom Preis abhängig. Herbergen im Sinne des spanischen Jakobsweges gibt es nicht.
Ab Oppenheim haben wir uns entschlossen, ein Quartier für drei Nächte in Worms zu nehmen und mit dem Zug bzw. Bus hin-und herzufahren. Das hat viel Zeit und Aufwand erspart!
Es lohnt sich, sich rechtzeitig um die Verpflegung zu kümmern. Es kann durchaus sein, dass es zwar eine Unterkunft, aber kein Essen gibt, oder, dass alle Geschäfte geschlossen sind. Sonst gibt es natürlich meist „gutbürgerliche Küche“ = Schnitzel in jeder Form oder Pizza.
Natur und Kultur: Der Lutherweg führt durch seit jeher agrarisch genutzes Gebiet mit teilweise Jahrhunderte alten Siedlungen. Zum Glück sind nicht alle während des Dreißigjährigen Krieges oder im 2. Weltkrieg zerstört worden. Zahlreiche Naturschutzgebiete, vor allem Feuchtbiotope, sind am Wegesrand interessant. Auch die Vielzahl der Streuobstanlagen ist auffallend. Die ersten beiden Tagesetappen führen fast nur durch Waldgebiete.
Die kulturellen Highlights auf der Route sind zahlreich, seien es die vielen Relikte aus dem Mittelalter wie Kirchen und Burgen, oder die Bauten aus dem Barock. Fast jeder Ort kann mit einem mittelalterlichen Kern oder interessanten Gebäuden, meist Fachwerkbauten, aufwarten.
Wanderführer: Für den Lutherweg 1521 gibt es einen aktuellen Wanderführer aus dem Rotherverlag und einen älteren, der auch sehr gut ist. Ich habe zur Planung beide verwendet. Hinweise bekommt man auch auf der Website des Vereins: „Lutherweg 1521“ bzw. auf dessen Facebook-Präsenz.
Claus-Günter Frank, Lutherweg 1521: Ein deutscher Pilgerweg von Worms zur Wartburg. 24 Etappen. Mit GPS-Tracks (Rother Wanderführer) Taschenbuch – 6. Oktober 2021
Statistik: An den 7 Gehtagen haben wir mehr als 104 km zurückgeleg Dabei fielen etwa 560 Bergauf- und 590 Bergab- Höhenmeter an. Die bereinigten Tagesstrecken ohne Besichtigungen lagen zwischen 6,8 und 19,6 km, im Median 16,6 km.
Alle Angaben bezüglich der Quartiere und Distanzen sind ohne Gewähr. Es liegt in der Eigenverantwortung des Benutzers, sich von der Richtigkeit zu überzeugen.
Heute steht unsere letzte Etappe an. Am Bahnhof fährt unser Bus gerade weg, der nächste käme in einer Stunde. Wir finden rasch eine Alternative, die zeitlich sogar noch besser ist.
In Herrnsheim starten wir am Rande des Herrnsheim -Parks, den wir durchqueren und auf den Storchenturm stoßen.
Herrnsheim-Park
Aus einem mittelalterlichen Wehrturm wurde um 1820 ein gotisiertes Wohnhaus. Heute nisten Weißstörche auf dem Dach.
Herrnsheim-Park – Storchenturm
Die Pfarrkirche St. Peter ist auch heute geschlossen. Daneben bekommen wir den Stempel der Ortsvorsteherin in den Pilgerpass.
Herrnsheim – St.Peter
Wir verabschieden uns vom Winzerort, der schon auf über 1250 Jahre Geschichte zurückblicken kann.
Winzer
Auf ruhigen Radwegen kommen wir nun dem Stadtzentrum näher. Die Häuser haben noch Vorstadtcharakter. Wir folgen ein paar hundert Meter dem kleinen Fluss Pfrimm.
Im Zentrum von Worms werden wir von Martin Luther, dessen Weg wir nun 21 Gehtage lang gefolgt sind, begrüßt.
Worms – LutherdenkmalDer „betäubte“ Luther
Wir sind angekommen: In 21 Gehtagen und nach ca. 400 km haben wir Luthers Spuren von Eisenach nach Worms verfolgt. Glücklich sind wir am Ziel.
Wir sind da! Wormser Dom
Am Wormser Dom: Geschichte über zwei Jahrtausende
Beim Wormser DomErfolgreiche Pilger
Heidruns Versuch in Luthers großen Schuhen…
Luthers Schlapfen
Der mächtige Bau des Wormser Domes wurde im Wesentlichen von 1130 bis 1181 errichtet.
Unter den Mauern der heutigen Kirche liegen die Reste eines römischen Tempels und einer Merowingerkirche. Ein um 1018 eingeweihter erster Dom stürzte nur zwei Jahr später wieder ein. Im Jahr 1110 wurde der Dom zum zweiten Mal geweiht. Im Pfälzer Erbfolgekrieg (1688 – 1697) brannte der Dom völlig aus, die Gewölbe stürzten großteils ein. Bischof Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg ließ den Dom ab 1698 wiederherstellen. Nach der Französischen Revolution wurde er als Pferdestall verwendet.
Im Februar und März 1945 wurde der Dom bei Bombenangriffen erneut erheblich beschädigt.
Wormser Dom – romanischer WestteilWormser Dom – Westteil Wormser Dom – Westteil Wormser Dom – OstteilWormser Dom – Patron St. Peter
Die Salier hatten hier ihre Grablege: darunter Konrad der Rote, † 955, gefallen in der Schlacht auf dem Lechfeld; Konrad I., Herzog von Kärnten † 1011; Konrad II., Herzog von Kärnten, † 1039.
Grablege der Salier
Im Dom holen wir uns noch den letzten Pilgerstempel unserer langen Wanderung und beschließen diese in Dankbarkeit und Freude.
In der Früh nehmen wir wieder die S-Bahn, die uns von Worms nach Mettenheim bringt. Dort geht’s gleich wieder in die Weinberge, aber nur etwa 75 Höhenmeter.
Weinberge bei Mettenheim
Es geht ein leichter, aber kühler Wind. Heute ist vorerst wärme Kleidung gefragt.
Weinberg Blick ins Rheintal
Wir kommen nach Bechtheim, dem nächsten Weinort auf unserem Weg.
Bechtheim
Hier steht die St.-Lambertus-Basilika, eine dreischiffige romanische Pfeilerbasilika mit fünf Arkaden und flacher Decke aus dem 11. Jhdt.. Im 12. Jhdt. würde sie erweitert. Auf Grund der Größe nimmt man an, dass es sich um eine Wallfahrtskirche auf dem Weg von Speyer nach Bingen handelte.
St.-Lambertus-Basilika
Ab etwa 1700 war die Basilika Simultankirche für die lutherischen und die römisch-katholischen Gläubigen. Ein großes Eisengitter trennte beide Konfessionen. Die römisch-katholischen feierten ihren Gottesdienst im Hochchor.
In Osthofen stärken wir uns in einer Bäckerei und beschließen, bis nach Herrnsheim, das schon zu Worms gehört, weiterzugehen.
Mitten in Osthofen entsteht ein überdimensionaler Bau für Wohnungen.
Osthofen
Die evangelische Bergkirche und der Friedhof thronen über dem Ort.
Osthofen – Bergkirche
Vorerst gehen wir über Feldwege, dann bringt uns ein gut ausgebauter Radweg zum Ziel.
An der Straße L439
Hier treffe ich auf „alte Spuren“. Im Herbst 2020 kam ich auf meinem Weg von Graz nach Köln hier vorbei.
Linksrheinischer Jakobsweg
Das Schoss Herrnsheim war ehemals der Herrschaftssitz der Herren von Dalberg, die das Amt der Kämmerer des Bischofs von Worms bekleideten. Heute gehört es der Stadt Worms, die es gerade aufwändig revitalisiert.
Schloss Herrnsheim
Der große englische Schlosspark ist der bedeutendste in Rheinland-Pfalz.
Schloss Herrnsheim
Jetzt nehmen wir einen Stadtbus, um ins Zentrum von Worms zurückzufahren.
Da das Frühstück erst um 8 Uhr möglich ist, verschiebt sich auch der Beginn unserer Tagestour. Mit der S6 geht es wieder von Worms nach Oppenheim.
S6
Der Aufstieg in die Stadt fällt uns im ausgeruhten Zustand leichte als gestern.
Oppenheim
Durch das Gautor verlassen wir den Altstadtkern und sind gleich mitten in den Weingärten.
Oppenheim – Gautor
Leider wird der Fernblick durch Wolken und Dunst getrübt.
Rheintal bei Oppenheim
Die Katharinenkirche, die wir gestern besucht haben, liegt schon unter uns.
Oppenheim – Katharinenkirche
Zwischen den Weinzeilen wird Raps als Bodenaufbesserer gesät und dann gemulcht.
Weingarten
Wir machen immer wieder „außerplanmäßige“ Routenänderungen. Dank des Navigationssystems finden wir immer auf die Hauptroute zurück.
An Ludwigshöhe gehen wir oberhalb des Ortes vorbei.
Ludwigshöhe
Der nächste größere Ort ist Guntersblum. Wie die meisten Orte hier hat auch Guntersblum eine lange Geschichte. Der Weinbau hat die Bürger wohlhabend gemacht.
Der Beginn der Errichtung der Kirche Sankt Viktor in Guntersblum wird etwa auf das Jahr 1100 geschätzt.
Eine Besonderheit der Guntersblumer evangelischen Kirche sind die so genannten „Heiden-“ oder „Sarazenentürme“. Deren „Bekrönungen“ nennt man dabei oft „Kreuzfahrerhelme“, „armenische“ oder „rheinhessische Helme“. Sie würden durch die Kreuzfahrer „mitgebracht“ und sind in Deutschland nur fünfmal zu finden.
Guntersblum – Kirche St. ViktorGuntersblum – Kirche St. ViktorGuntersblum – Kirche St. Viktor – Taufstein um 1490
Nach Guntersblum steigen wir wieder die Weinberge hinauf und kommen in Hängen-Wahlheim bei der Ruine der Kirche St. Magdalena und St. Jakobus vorbei. Das spätgotische Kirchlein wurde wahrscheinlich im 17. Jhdt. zerstört und jetzt durch eine Privatinitiative wieder aus dem Dornröschenschlaf erweckt.
Ruine der Kirche St. Magdalena und St. Jakobus
Die Pflasterung mit groben Steinen erleichtert das Befahren mit Fuhrwerken, beim Wandern geht’s auf die Füße.
Hohlweg im Weinberg vor Alsheim.
Alsheim ist wie ausgestorben. Das ansehnliche Bürgerhaus ist nicht zu übersehen.
Alsheim – Bürgerhaus
Zum Ausgleich gibt es auch Wiesenwege.
Bei Alsheim
Die letzt Station unserer heutigen Wanderung ist Mettenheim, wieder ein typischer Weinbauort mit recht schönen Häusern.
MettenheimMettenheim
Bei der evangelischen Kirche finde ich auch einen Stempelkasten für unsere Pilgerstempel.
Mettenheim – Bartholomäus-Kirche
Vom Bahnhof am anderen Ende des Dorfes fahren wir mit der S6 wieder zurück nach Worms.
Wir haben eine ruhige Nacht, trotz des nahen Flughafens und des Regens in der Nacht. Der Morgen ist sehr grau in grau, aber nicht zu kalt.
Die letzten zwei Tage ging es durch ausgedehnte Wälder, heute ist offenes Acker- und Wiesenland angesagt. Die Fluren gehören ebenso zum Regionalpark Rhein-Main wie die Wälder gestern.
Streuobstsiedlung
Auch die Römer waren in dieser Gegend umtriebig und haben bisweilen ihre Spuren hinterlassen.
Römersiedlung bei Nauheim
Wir gehen lange an Hochwasserschutzdämmen, die Mainhochwässer abhalten sollen, entlang.
Wanderung entlang eines Dammes
Zu unserer Überraschung kommen wir an Erdbeerfeldern vorbei, die in Vollblüte stehen, obwohl sie nicht im Tunnel stehen. Auch Freilandspargel wird schon geerntet.
Erdbeeren Spargel
Wir kommen nach Trebur, früher auch Tribur, oder im Dialekt auch Trewwer genannt. Hier beginnt die Hessische Fachwerkstraße, auf die wir bei unserem letzten Teilstück schon gestoßen sind.
Altes Rathaus, heute Bibliothek Trebur
Im Mittelalter war Tribur von außergewöhnlicher Wichtigkeit. Hier war eine Königspfalz angesiedelt, an der sich die Herrscher von 829 bis 1077 mindestens 57 Mal eingefunden hatten, wo einige Reichstage und die Synode von Trebur abgehalten wurde.
König Heinrich IV. war besonders mit Trebur verbunden, hier wurde er 1053 zum König gewählt und hier heiratete er 1066. 1076 zwangen ihn oppositionelle Fürsten auf dem Fürstentag zu Trebur, seinen Konflikt mit dem Papst beizulegen, was den „Gang nach Canossa“ zur Folge hatte.
Tribur – Königspfalz im Mittelalter
Nach 1077 verlor der Ort rasch seine Bedeutung und von damals sind nur mehr ein paar Grundmauern der evangelischen Laurentiuskirche übrig geblieben. Erhaltene Teile der Kirche stammen aus dem frühen 11. Jahrhundert. Damit ist die Kirche eines der wenigen aus ottonischer Zeit erhaltenen Zeugnisse.
Trebur – Laurentiuskirche
Von Trebur geht es in Richtung Rhein. Die Ruhe der Landschaft wird heute nur durch die Flugzeuge gestört. Der Rehbock lässt sich nur durch unser Vorbeigehen kurz beim Wiederkäuen aus der Ruhe bringen.
Kurz vor Kornsand kommen wir an einem Gedenkstein für die Opfer des Kornsand-Verbrechens vorbei. Am 21. März 1945, wenige Stunden, bevor die US-Truppen den Rhein überquerten, wurden sechs Menschen heimtückisch von NS -Schergen umgebracht.
Gedenkstein
Nun erreichen wir den Rhein und setzen mit der Fähre „Landskrone I“ von Kornsand nach Nierstein über.
Fähre Landskrone IFähre Landskrone I
Unsere letzte Strecke führt uns von Nierstein hinauf in das Zentrum von Oppenheim.
Dort besichtigen wir die Katharinenkirche, die gleich zwei Hauptaltäre aufweist, weil die Grenze der Diözesen Mainz und Worms durch die Kirche verläuft.
Der gestrige Abend und die Nacht waren sehr schlafintensiv und erholsam. In der Früh haben wir noch ein ausreichendes Frühstück und einen netten Plausch mit der Chefin des Hauses. Dann geht es direkt in den Wald….
Der Schlichter (so heißt der Wald)
Von der Frankfurter Westpiste schießt ein Flugzeug nach dem anderen in den Himmel. Die Vögel versuchen den Lärm zu übertönen.
Über den Wolken…Über den Wolken…Über den Wolken…Über den Wolken…
Im Wald blühen auch schon Apfelbäume.
Apfelbaum
Entlang der offenen Flächen begleiten uns Alleen von uralten Eichen- und Buchenbäumen.
Allee im MönchbruchIm Mönchbruch
Der Mönchbruch ist eine riesige, versumpfte Freifläche, die über 900 ha umfasst. Sie wurde als Ausgleichsfläche für Abholungen am Frankfurter Flughafen unter Naturschutz gestellt.
Diese Landschaft wurde ursprünglich vom Main durchflossen. Der Name „Bruch“ bedeutete im Mittelalter „Sumpfland“.
Das Jagdschloss Mönchbruch wurde vom Landgrafen Ernst-Ludwig von Hessen-Darmstadt um 1730 im Zentrum des Mönchbruchs erbaut. Heute ist es in privater Hand und wird als Hotelanlage genutzt.
Jagdschloss MönchbruchJagdschloss Mönchbruch
Gleich gegenüber dem Schloss steht die alte Mönchbruchmühle, die von 1708 bis ca.1910 in Betrieb war. Danach wurde sie eine beliebte Gaststätte.
Mönchbruchmühle
Wieder überqueren wir eine Autobahn, diesmal die A67, kurz vor der Abzweigung der A60.
Autobahn A67
Dann kommen wir schon nach Königstädten mit einem urigen Ortszentrum.
Königstädten – früher Schul- und Rathaus, heute Ortsgericht.
Die evangelische Kirche geht auf einen karolingischen Vorgängerbau (um 1200) zurück, der 1944 einem Bombenangriff zum Opfer fiel und nach dem alten Vorbild wieder errichtet wurde.
Unterwegs werden wir von einer netten Dame mit Fahrrad eingeladen, um bei ihr etwas zu trinken. Da wir schon kurz vor dem Ziel in Naumburg sind, haben wir dankend abgelehnt.
In Nauheim beziehen wir im Egerländer Hof Quartier. Der ist fest in griechischer Hand.
Egerländer HofEgerländer Hof
In Nauheim haben sich viele Menschen aus dem Egerland und aus dem Vogtland (ehem. CSSR) angesiedelt. Viele waren Instrumentenbauer und haben diese Tradition in die neue Heimat mitgebracht. So entstand die Nauheimer Musikindustrie mit namhaften Firmen.
In der Nacht hat es geregnet und auch merklich abgekühlt. Wir haben ein ausgiebiges Frühstück und machen uns gegen 8.15 Uhr auf den Weg.
Ein paar kurze Schlenkerer durch die Gassen bringen uns kleine Einblicke hinter die Kulissen der Stadt.
Eine Fahrradstraße mit Anrainerverkehr und Bäumen oder eine Allee mitten in der Straße sind interessante Ansatzpunkte für bewohnerorientierte Verkehrsplanung.
Fahrradstraße Allee
Die kath. Kirche St. Josef trägt ein schönes Turmkreuz. Die Kirche wurde in Form einer Basilika im Stil des Eklektizismus mit neuromanischen und auch byzantinischen Einflüssen 1910/11 nach einem Entwurf des Architekten Hans Rummel gebaut.
Neben der Kirche steht eine große Menge von Menschen die darauf wartet, dass die „Speisekammer“, eine Lebensmittelausgabe für bedürftige Menschen, öffnet.
Turmkreuz St. JosefSt. Josef – Innenraum
Wir verlassen Neu-Isenburg im Südwesten und müssen entlang einer stark befahrenen Straße über die Bahnlinie. Da war ein kleiner Planungsfehler mit im Spiel.
L 3117 Bahnüberführung
Die Irritation dauert nur kurz, dann sind wir fast allein im Wald.
Schutzgebiet DreyeichenSchutzgebiet Dreyeichen
Der Gehspitzweiher ist ein Relikt einer alten Ton- und Kiesgrube und steht unter Naturschutz.
Gehspitzweiher
In Zeppelinheim stehen wir beim Museum vor geschlossenen Toren. Leider gibt es keine Möglichkeit zum Einkehren. So muss eine Bank im Wald als Ruhestätte dienen.
Zeppelinheim wurde 1934 mitten im Wald als Basis für die Luftschifffahrt gegründet und war bis zum Unglück der „Hindenburg“ Ausgangspunkt für die Transatlantikflüge der „Hindenburg“ und der „Graf Zeppelin“. 1940 würden die beiden Luftschiffhallen gesprengt und danach eine Start-Landebahn von Zwangsarbeitern errichtet- die Basis für den heutigen Frankfurter Flughafen.
Zeppelin-Museum
Gleich nach dem Ort geht es im Wald weiter, bis wir zum Walldorfer Badesee kommen, wo für morgen ein Winterschwimmen angekündigt ist.
Walldorfer Badesee
Dann geht es vorerst über die Autobahn A5 und dann über die Bahnanlagen der Riedbahn. Auf der Autobahn ist richtig die Hölle los.
Autobahn A5Riedbahn
Jetzt sind wir schon in Walldorf, dem Ziel des heutigen Tages.
Walldorf ist ein Gründung der Waldenser aus dem Piemont. Landgraf Ernst Ludwig erlaubte1633 den Glaubensflüchtlingen sich auf seinem Land anzusiedeln, das wegen des 30-jährigen Krieges entvölkert war. Bis 1717 entstanden 15 Häuser mit Scheunen und Stallungen sowie die Kirche mit Pfarrhaus, allesamt in Fachwerk errichtet, am grand chemin (der heutigen Langstraße) gelegen. Die Waldenser brachten auch die Kunst der Obstveredelung mit.
Alte WaldenserkircheAlte Waldenserkirche – InnenraumAlte Waldenserkirche – Gedenkstein für die Einwanderer
Die Häuser hatten ursprünglich alle die gleichen Ausmaße und Ausstattungen. 7 x 7 m war der Grundriss.
Altes Waldenserhaus – heute Museum Altes Waldenserhaus – heute MuseumLangstraße – erste Straße von Walldorf
Heute nächtigen wir im Hotel zum Löwen direkt in der historischen Langstraße.
Am Vorplatz des Hauptbahnhofs starten wir jetzt unseren 3. Abschnitt des Lutherweges.
Frankfurt Hauptbahnhof
Durch die Kaiserstraße wandern wir entlang der Wolkenkratzer zum „Römerberg“, dem Platz vor dem Rathaus.
Wolkenkratzer im Business-DistriktAuf dem RömerbergRömerberg mit Nikolaikirche
In der Nikolaikirche hole ich die Stempel für unsere Pilgerpässe. Der letzte aus dem Vorjahr und der erste von heuer sind ident.
Evangelische Nikolaikirche
Nur ein Haus überstand die Bombardements im 2. Weltkrieg, der Gasthof „Haus Wertheim“. Alle Gebäude rundum sind im alten Stil wiedererrichtet worden.
Haus Wertheim
Wir überqueren den Main über den Eisernen Steg. Dieser seit 1868 bestehende Fußgängerübergang ist 173 m lang.
Frankfurt – Eiserner StegFrankfurt – Eiserner Steg Blick nach WestenFrankfurt – Eiserner Steg Blick nach Osten Frankfurt – Eiserner Steg Skyline
Wir suchen den ersten Wegweiser des Lutherwegs. Diesen Zeichen wollen wir bis Worms folgen.
Wegweiser Lutherweg
Wir folgen den Markierungen nach Süden und kommen an der evangelischen Bergkirche vorbei, wo wir mit der Pfarrerin kurz plaudern und von ihr den nächsten Stempel bekommen.
Bergkirche im Stadtteil Sachsenhausen
Nun verlassen wir den Siedlungsbereich von Frankfurt und tauchen in den Stadtwald ein.
Frankfurter Stadtwald
Die fast geraden Schotterwege und nur ein paar Spaziergänger und Radfahrer sind jetzt recht angenehm.
Frankfurter Stadtwald
Ein überdimensionaler Specht bearbeitet gerade eine Eiche.
Frankfurter Stadtwald
Nach etwa zweieinhalb Stunden kommen wir in die Hugenotten- und Waldenserstadt Neu-Isenburg.
Neu-Isenburg wurde am 24. Juli 1699 als Exulantenstadt von Hugenotten gegründet, französischen Protestanten, die nach der Aufhebung des Toleranzedikts von Nantes aus Frankreich hatten fliehen müssen. Sie ist eine der Planstädte des 17. und 18. Jhdts.
Neu-Isenburg – Frankfurter Straße Neu-Isenburg – Museum, Löwengasse
Wir wollen es wieder probieren: Der Lutherweg soll heuer vollendet werden. In den letzten beiden Jahren haben eine Covid-Erkrankung und Zeitmangel verhindert, dass wir bis Worms gekommen wären. Heuer hoffen wir, in Worms in Luthers Fußspuren stehen zu können.
1521 erhielt Martin Luther von Kaiser Karl V die „Einladung“ zum Reichstag zu Worms, der der Reformator nachkam. Ein Teil der Strecke wurde 500 Jahre später zum Gedenken an diese schicksalshafte Reise als „Lutherweg 1521“ ausgewiesen. Dieser Pilgerweg führt von Eisenach mit der bekannten Wartburg über Frankfurt/Main nach Worms.
Martin Luther (Ausschnitt eines Bildes von Lukas Cranach – Schloss Gotthof, Scheswig)
Die Strecke führt von Eisenach in Thüringen, quer durch Hessen nach Worms in Rheinland-Pfalz.
Karte des Lutherwegs
Wie immer wählen wir die Bahn als umweltfreundliches und günstiges Verkehrsmittel, um an den Ausgangspunkt unserer Wanderung zu gelangen.
Um 5.39 Uhr starten wir mit der S3 vor der Haustür um 5.39 Uhr und fahren mit den Morgenpendlern zum Hauptbahnhof Graz.
Früh am Morgen
Hier wartet schon der ICE 210 Schleswig-Holstein, der Graz direkt mit Frankfurt verbindet. Vor ein paar Jahren war ich mit dieser Garnitur schon in Deutschland unterwegs.
ICE 210 Schleswig-Holstein
Die Zugroute führt über die Weststeiermark, den Koralmtunnel, Klagenfurt, Villach, Tauerntunnel, Salzburg, München, Ulm und Heidelberg nach Frankfurt.
ICE 210 Schleswig-Holstein
Der Zug ist vorerst fast leer, aber gut reserviert, in St. Paul wird er aber von Pendlern gestürmt.
Mit 220 km/h geht es durch das Lavanttal und das Drautal.
ICE 210 Schleswig-Holstein
Durch die „Alpen“:
DrautalMölltalGasteinertal
Ab Salzburg ist unser Zug nahezu voll. Das bleibt so bis bis München. Auch danach sind nur einzelne Plätze frei. Kurzfristige Verspätungen werden immer wieder aufgeholt.
Schließlich kommen wir mit drei Minuten Verspätung am Hauptbahnhof in Frankfurt an.