Gleich vorweg, bevor mich die Puristen unter den Pilgern steinigen, vierteilen und anderes mehr antun: Ich habe heute aus drei eins gemacht. Ich habe die Etappen 3 und 4, von Calais nach Wissant und von Wissant nach Guînes, ausgelassen und bin direkt von Calais nach Guînes gewandert und habe dann noch die Etappe 5, Guînes nach Licques, angehängt. Der alte Bischof Sigeric hätte es wahrscheinlich genauso gemacht, wenn der Hafen von Calais so gut ausgebaut gewesen wäre und der Sumpf (Marschland) nördlich von Guînes leichter zu durchqueren gewesen wäre.
Die Nacht war trotz der Zentrumslage und dem offenen Fenster sehr ruhig, das Frühstück ausreichend und das Wetter mit 15 Grad ideal zum Wandern.
Gleich hinter dem Rathaus führt eine hochmoderne, geschwungene Radfahrer- und Fußgängerbrücke über den Canal de Calais á Saint-Omer.

Ich werde heute über lange Strecken verschiedenen Kanälen folgen.

Auch am Samstag ab acht Uhr hat das Kultur- und Museumszentrum Cité de la dentelle et de la mode de Calais offen. Ich hole mir einen schönen Stempel. Der Bau ist beeindruckend und erinnert an den „Alien“ in Graz.

Die Hebebrücken sind von Zeit zu Zeit noch in Verwendung.

Hier verläuft auch der Europäische Radweg Eurovelo EV5 mit meiner Tour ident. Es sind nicht allzu viele Radausflügler unterwegs.

Zwischendurch sind auch Wasservögel wie die Haubentaucher zu sehen.

Das Marais de Guînes ist ein einzigartiges und wertvolles Ökosystem, Heimat einer großen Vielfalt an Flora und Fauna. Seine Sümpfe, Feuchtwiesen, Teiche und Kanäle bilden einen idealen Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Die Marschlandschaft umfasst mehr als 12 Quadratkilometer.

Ich komme schon früh, zu früh nach Guînes. Nach den Feiern zum ersten Mai sind noch alle Lokale geschlossen. Erst im zweiten Versuch und eine halbe Stunde später bekomme ich eine kleine Jause, die ich auf dem Hauptplatz genieße.

Die Stadt hat viel mehr Geschichte als man ihr zutrauen würde. Sie war im Mittelalter Hauptort der Grafschaft Guînes. Die Normannen ließen eine Motte anlegen, einen künstlichen Burgberg zur Verteidigung.

Nach der Einnahme von Calais 1351 kam es zur der gewaltsamen Unterwerfung von Guînes durch die Engländer.
Der englische König Heinrich VIII. logierte hier im Juni 1520 während seines über 2-wöchigen Treffens mit dem König von Frankreich, Franz I. Hierfür wurde vor der Burg von Guînes auf einem steinernen Fundament auf einer Fläche von etwa 10.000 Quadratmetern ein Palast aus Holz und Stoff um einen zentralen Innenhof errichtet. Man wusste schon damals zu beeindrucken.
Am 7. Januar 1785 landeten hier die ersten Menschen, die den Ärmelkanal durch die Luft überquerten: Jean-Pierre Blanchard und der Engländer Jon Jeffries.
Im 2. Weltkrieg gab es hier einen Luftwaffenstützpunkt der Deutschen Armee, der für den Luftkampf um England wichtig war.

Ich schließe an die diese Etappe gleich die nächste an. Es geht weiter in Richtung Licques.
Plötzlich wird es hügelig. Es geht durch scheinbar endlose Wälder.

Manchmal verläuft der Weg auf breiten Forststraßen, dann wieder auf schmalen Pfaden.


Zwischendurch gehe ich entlang der Trasse der Kanaltunnelbahn nach Folkstone.

Längere Zeit zieht sich der Weg auf dem Hügelkamm entlang, um dann plötzlich ins Tal abzufallen.

Als sich der Wald auftut, steht die Abteikirche von Licqes in Sichtweite.

Die Kirche und das Prämonstratenser-Kloster wurden im 12. Jhdt. gegründet.

Die heutige Nacht verbringe ich in einem modernen Mobile Home auf dem Campingplatz Camping le Cachy.

Das Tagesmenü am Platz ist einfach, reichlich und schmackhaft.

Tagesstrecke: 32,1 km; ↑191 m; ↓129 m
























































































































































