Heute gibt es im Hotel kein Frühstück, aber einen Wasserkocher und Kaffee. Daher bin ich zeitunabhängig und gehe schon etwas früher aus dem Haus. Heute habe ich die längste Etappe dieses Abschnittes vor mir.
Um 7.15 Uhr breche ich auf um im nächsten (einzigen) Café nach etwas Süßem (Croissant) zu suchen. Leider Fehlanzeige.
Ich nehme Abschied von meinem gestrigen treuen Begleiter, dem Canal de Saint-Quentin, der hier gleich drei Schleusen hintereinander aufweist.


Grund dafür ist auch, dass hier der Canal de la Sambre à l’Oise einmündet. Hier sehe ich zum ersten Mal einen Frachter in Verwendung.

Die Oise kommt dann nochmals als selbstständiger Fluss daher.

Ich kürze die Strecke auf ruhigen Straßen ab. Jede Abkürzung hat auch ihre Tücken. Beim geplanten Übergang von der Straße auf den Wanderweg gibt es nur eine hohe, bewachsene Böschung mit einem Graben und einem einfachen Zaun. Die Entscheidung für die Böschung oder 500 m Umweg fällt für die Böschung aus. Danach geht es durch den Durchlass. Bei der Aktion verliere ich beide Gummistöpsel auf den Stöcken.

Im nächsten Dorf bietet eine Tischtennisplatte die ideale Arbeitsfläche für die Reparatur der Stöcke. Die Ersatzteile sind im Rucksack immer im untersten Packsack und dort zu allerunterst. Da finden sich die beiden schwarzen Dinger.

Heute geht es abwechslungsreich über Felder und durch Wälder.
Tief im Wald verborgen liegen die Ruinen der Benediktinerabtei Saint-Nicolas. Die wurde 1080 gründet und 1790 geschlossen.

Hier setzt plötzlich heftiger Regen ein, das angesagte Gewitter ist da, nur durch den Wald nicht zu erkennen. Obwohl ich den vorbereiteten Regenschutz rasch angezogen habe, werde ich ganz schön nass. Das Wasser rinnt den Weg hinunter und es ist ganz schön glitschig.


Schließlich scheint wieder die Sonne und der Schattenpilger begleitet mich wieder.

Von der Ferne sehe ich zum ersten Mal auf dem Hügel die Konturen von Laon. Bis dahin sind es noch mehr als zehn Kilometer.

Im Stadtteil Saint-Marcel, am Fuße der Altstadt angekommen, geht es noch drei Kilometer weiter.

Dann kommt die finale Herausforderung: Nach fast 40 Kilometern Wanderung stehen 265 Stufen vor dem Pilger. Da heißt es nur: Augen zu und rauf!

Da komme auch ich mit meinem Rucksack ganz schön ins Schnaufen und nehme mir ein paar Absetzer. Dafür sieht man von oben schön in die Landschaft und auf die nächste Regenfront.

Jetzt stehe ich vor der Kathedrale Notre-Dame de Leon, eines der Hauptwerke der Gotik in Frankreich. Sie wurde in den Jahren 1155 bis 1235 gebaut und zählt zu den ersten Kirchenbauten, die in diesem Stil errichtet wurden.


Ich mache gleich einen Rundgang in der Kirche, da ich zurecht befürchte, dass sie bald geschlossen wird.


Auch die Ausmaße sind für diese Zeit immens:
Länge: 110,50 m, Breite: 30,65 m, Gewölbehöhe des Langhauses: 24 m, Querschiffbreite: 22 m



Jetzt will ich eigentlich nur mehr in meine Unterkunft, die gleich um die Ecke liegt, das Hôtel Les Chevaliers.


Auf der Suche nach einem Speiselokal treffe ich ein nettes Pilgerpaar aus dem Raum Nürnberg. Wir landen in einem Pizza-Kebab -Laden und essen sehr gut und ausgiebig.

Kaum bin ich wieder auf meinem Zimmer, prasselt es auf das Dach und ans Fenster. Ein leichter Hagelschauer zieht über die Stadt. Da hat der Pilgerpatron Jakobus doch aufgepasst.
Tagesstrecke: 38,5 km; ↑405 m; ↓276 m




























































































































































































