Archiv für den Monat: September 2020

2. Tag Mittwoch, 30. September 2020 Oggersheim nach Worms

Am Abend hat es ein wenig genieselt, doch in der Früh war es trocken. Um 5.30 Uhr war ein Großeinsatz der Feuerwehr beim Krankenhaus gegenüber. Mindestens 6 Einsatzfahrzeuge sind auf einmal angekommen. Gut, dass ich trotzdem weiterschlafen konnte.

Nach dem Frühstück gehe ich los und komme an der nahen Franziskanerkirche von Oggersheim vorbei.

Franziskanerkirche Oggersheim

Der nächste Name ist mir schon von persönlichen Verkostungen bekannt: Mayerbräu.

Mayerbräu

Gleich daneben hat Friedrich Schiller 1782 inkognito gelebt, nachdem er mit seinem Landesherrn im Clinch lag. Heute ist dort die Stadtbücherei untergebracht.

Schillerhaus in Oggersheim

Die BASF (Badnische Anilin- und Sodafabrik) beherrscht die ganze Umgebung. Die riesigen Fabriksanlagen ziehen sich über Kilometer.

BASF im Morgenlicht
BASF

Trotzdem gibt es in der Nähe viel Grün und Natur. Die Felder werden wieder intensiv für den Gemüseanbau verwendet.

Dammweg am Rande der BASF
„Flachland“

Endlich komme ich wieder an den Rhein. Die Theodor-Heuss-Brücke (A6) über den Strom besteht aus gewaltigen Steinblöcken und wurde 1938 begonnen und erst 1964 fertiggestellt. Dann gehe ich den Uferweg entlang und genieße die Landschaft und beobachte die vorbeifahrenden Schiffe.

Theodor-Heuss-Brücke für die A6
Containerschiff
Stromkilometer 434 (von der Quelle aus berechnet)
Treppelweg

Kurz vor Worms habe ich meinen 1000. Kilometer auf dem Weg von Graz nach Köln zurückgelegt. Jetzt grüßt einmal Worms.

Empfang in Worms

Im Zentrum und an höchster Stelle steht der Dom zu Worms.

Ich fange gleich mit einem Rundgang um den Dom an. Er wurde im Wesentlichen von 1130 bis 1181 erbaut. Im Juli 2019 war ich mit Heidrun schon einmal hier, aber durch die Nibelungenfestspiele war die Kirche fast unzugänglich. Corona hat das heuer ermöglicht. Das Südportal wird von einem prächtigen Tympanon und schönen Verzierungen geprägt.

Vor dem Kaiserportal, das früher viel imposanter und prächtiger gewesen war, hat sich der Zickenkrieg zwischen Brunhild und Kriemhild abgespielt, der dann mit der Auslöschung der Nibelungen endete.

Die beiden Westtürme leuchten im Abendlicht.

Westfassade

Den besten Blick auf die Basilika habe ich vom Fenster meiner Unterkunft.

Das Innere ist im Laufe der Jahrhunderte verändert worden. Der barocke Hauptaltar stammt aus dem 18. Jhdt.

Am anderen Ende der Kirche befindet sich ebenfalls ein Altar.

In der Nikolauskapelle schaffen die modernen Glasfenster eine mystische Stimmung. Hier wird seit wenigen Jahren wieder eine Reliquie des Heiligen aufbewahrt, nachdem die alte in den Erbfolgekriegen verloren ging.

Glasfenster
Nikolausreliquie
Spätgotischer Taufstein in der Nikolauskapelle

Auf meinem Rundgang durch die Stadt komme ich zuerst beim Siegfriedbrunnen vorbei.

Im Nibelungenmuseum gibt es eine gute multimediale Aufarbeitung der Geschichte.

2021 ist das Gedenkjahr an den Wormser Reichstag, wo Luther sich dem Kaiser und dem Gefolge erklärte. Deshalb sind schon überall zusätzlich zu den Hinweisen auf den Reformator Info-Tafeln aufgestellt.

Lutherdenkmal am Adenauer-Ring
Luthers Schuhe – In diese Schuhe passen nur ganz Große

Ich habe mich in der Jugendherberge einquartiert – ein richtiges Komfortzimmer im 2. Stock.

Jugendherberge Worms

Ich gehe noch zum Abendessen in „Die Pfälzer“ mit einheimischer Kost und gutem Wein aus der Region.

Frisch geräucherte Forelle mit Bratkartoffeln und Sahnemeerrettich und einen guten Grünen Sylvaner
Nacht über dem Dom

Tagesstrecke:   21,8 km; ↑ 33 m; ↓ 21 m

1. Tag Dienstag, 29. September 2020 Speyer nach Oggersheim

Gestern Abend traf ich eine Pilgerin und einen Pilger, die von Speyer in den Süden unterwegs sind. Wir tauschten mit Masken unsere Erlebnisse aus.

Heute gibt es einmal ein ausgiebiges Frühstücksbuffet. Um 8.15 Uhr gehe ich aus dem Haus und folge vorerst ein Stück dem Rhein.

Am Helmut-Kohl-Ufer

Ich gehe wieder zum Dom und weiter durch die Maximilianstraße in Richtung Bahnhof.

Rathaus in der Maximilianstraße

Beim Altpörtel verlasse ich das Altstadtzentrum.

Das Altpörtel war das westliche Stadttor

Vorerst gehe ich mehrere Kilometer durch die Vorstadt von Speyer, die von vielen Geschäftslokalen geprägt ist.

Nach fast 10 km komme ich zu diesem alten Wegweiser.

Wegweiser

In Schifferstadt stehen noch viel kleine Fachwerkhäuser. Auch einen „Wilden Mann“ haben sie in der Stadt.

Große Kapellenstraße
Wilder Mann
Altes Rathaus aus 1558

Die Stadt soll auch die Hauptstadt des Rettichs sein. Dafür steht die Skulptur einer Erntehelferin vor dem neuen Rathaus.

Rettichernte

Die größte Attraktion ist aber der „Goldene Hut“, der 1835 ganz in der Nähe der Stadt. Von einem Landarbeiter gefunden und sofort gemeldet wurde. Der Hut wurde aus einem 350 g schweren Goldstück getrieben, ist fast 30 cm hoch und zwischen 0,25 und 0,08 mm dick. Hergestellt wurde das Kunstwerk, das vielleicht Kalenderfunktion hat, 1500 -1400 vor Christus in der Bronzezeit. Das Original befindet sich im Historischen Museum der Pfalz in Speyer.

Replik des Goldenen Hutes im Rathaus
Goldener Hut als Hauszeichen

Ich wandere an der Bahnlinie weiter bis Limburgerhof mit einer neuen Kirche.

Dort entdecke ich ein neues „altes Zunftzeichen“.

Der Weg führt jetzt durch intensives Agrarland mit riesigen Gemüsefeldern oder Beerenplantagen.

Kürbisse für Halloween
Himbeerplantage

Nach 23 km habe ich erstmals keinen Asphalt unter den Sohlen. Ich gehe durch das Maudacher Bruch, entlang einem Altarm des Rheins, der schon 900 v. Chr. vom Fluss abgetrennt wurde. Im 19. Jhdt. wurde großflächig Torf gestochen. 1885 wurde die Au zum letzten Mal vom Rhein überflutet. Heute ist es ein Naturschutzgebiet.

Heute übernachte ich im Hotel Kalimera in Oggersheim. Daran angeschlossen ist auch ein griechisches Restaurant.

Das Essen ist ein Genuss:

Meze – „kleine“ Vorspeise
Salat als Zwischengericht
Hauptspeise: Schweinsmedaillons mit Käse überbacken

Tagesstrecke:   27,8 km; ↑ 7 m; ↓ 16 m

Via Coloniensis III – Montag, 28. September 2020 Anreise nach Speyer

Ich bin wieder unterwegs! Ich will den 3. Abschnitt meiner VIA COLONIENSIS, meinen Weg von Graz nach Köln in Angriff nehmen. Nach ungefähr 950 km bis Speyer liegen noch etwa 360km vor mir. Von Speyer geht es vorerst den Rhein entlang bis Worms und dann weiter nach Nordwesten über Wörrstadt bis Bingen. Von dort ist der Linksrheinische Jakobsweg mein Begleiter, nur eben in die entgegengesetzte Richtung. Ich freue mich schon auf Begegnungen mit entgegenkommenden Pilgern. Das Ziel ist Köln als alter Pilgerort mit den Hl. Drei Königen und der Hl. Ursula.

Um 5.09 beginne ich meine Reise am Bahnhof Graz Liebenau-Murpark. Heidrun hat mich zum Bahnhof begleitet, da es geregnet hat und ich nicht gleich in Regenkleidung starten wollte. Leider ist mein Rucksack wieder nicht leichter geworden, aber mit Flagge und Köln-Weg – Zeichen ist er schön wie immer.

Früher Start in Liebenau
Meine „Bodenstation“ wird mich auch diesmal von zu Hause aus betreuen.

Am Hauptbahnhof Graz steht schon der EC 218 nach München bereit und ich habe in der ersten Klasse vorerst ein Abteil für mich allein.

Mein zweiter Zug
Sehr bequem!

Über Salzburg geht es nach München. Fast auf die Minute genau treffen wir am Hauptbahnhof ein. Eigentlich hätte ich nur am gleichen Bahnsteig in den Nebenzug einsteigen sollen. Eigentlich! Plötzlich werden wir aufgefordert, von Gleis 13 auf Gleis 19 zu wechseln. Also Tempo und Laufschritt. Dort steht der Zug, aber die Türen öffnen sich nicht. Alle warten, was da kommt. 

ICE 596
MNS ist Pflicht

Ein paar Durchsagen mit Bitte um Geduld lassen hoffen. Dann kommt die Zugmannschaft und informiert, dass eine Ersatzgarnitur auf Gleis 15 einfahren wird. Also zurück, aber nun schön gemütlich.

Im richtigen Waggon
Genug Platz

Mit einer halben Stunde Verspätung fahren wir dann mit dem ICE 596 los. Gleich nach München wird es plötzlich hell. Mit 230km/h fahren wir in Richtung Nordwesten in Richtung Mannheim.

Kurz nach München
Wenigstens kein Bummelzug

Fast hätte ich meine geplante S-Bahn nach Speyer erreicht. Der ICE hat viel Verspätung wettgemacht, bis er schlussendlich von einer lokalen S-Bahn ausgebremst wurde. Es ist nicht viel passiert. Ich fahre halt 30 Minuten später. So habe ich Zeit, mir das Bahnhofsgebäude von Mannheim von außen anzusehen.

Hauptbahnhof Mannheim

Die letzte Strecke bis Speyer lege ich mit der S3 zurück.

S3 in Mannheim

Jetzt geht es über den Rhein.

Ein kurzer Blick auf den Rhein

Nach gut 12 Stunden in und um die Bahn komme ich überraschend munter am Bahnhof in Speyer an.

„Hauptbahnhof“ Speyer

Auf dem Weg zum Dom treffe ich auf denselben Herrn wie im Juli.

Zwei Pilger

Ein kurzer Zwischenstopp im Dom muss einfach sein.

Dom zu Speyer

Ich checke in der frisch renovierten Jugendherberge ein. Im Juli standen hier noch die Gerüste.

Jugendherberge Speyer

Jetzt habe ich mir ein ordentliches Abendessen verdient. Das muss etwas Bodenständiges sein. Die Gästeliste ist hier selbstverständlich.

Pfälzer Saumagen auf Sauerkraut und ein einheimisches Bier.

Die heutigen drei Kilometer sind zum Warmgehen. ULTREIA! An guatn Weg!