Archiv für den Monat: September 2021

17. Tag Donnerstag, 30. September 2021 Frauenkirchen – Nickelsdorf

In der Nacht hat es mehrfach stark geregnet. Nach dem Frühstück starten wir bei starker Bewölkung, ein bisschen Wind, aber angenehmen Temperaturen.

Wir kommen wieder an der Basilika vorbei und machen einen größeren Bogen über die Felder, anstatt auf der stark befahrenen Landstraße zu wandern. Bald sehen wir die Wallfahrtskirche aus der Ferne.

Frauenkirchen aus dem Nordosten

Die Wege sind gerade, sehr gerade!

Von Frauenkirchen nach Norden

Der Windpark vor uns rückt mit jedem Schritt scheinbar von uns weg! Über 60 Windräder stehen in dieser einen Gruppe.

Windpark

Unterwegs kommen wir an vielen kleinen Kapellen und Wegkreuzen vorbei, die an den alten Pilgerwegen errichtet wurden.

Rochuskapelle

Wir folgen unserem 07er-Weg, der auch Burgenländischer Jakobsweg ist.

Die Ölweide trägt reiche Frucht.

Schmalblättrige Öleweide (Elaeagnus angustifolia L.)

Wir kommen nach Halbturn. Gleich am Ortseingang treffen wir auf eine riesige, asphaltierte Fläche. Hier wurden früher während der Erntesaison hohe Berge von Zuckerrüben zwischengelagert.

Im Ort dominieren niedrige Häuserfronten an breiten fast boulevardähnlichen Straßenzügen.

Erzherzog Friedrich Straße
Vinothek
Kindergarten

Die neobarocke Pfarrkirche stammt aus dem 19. Jhdt.

Pfarrkirche Halbturn
Pfarrkirche Halbturn

Das absolute Highlight ist das Barock- Jagdschloss von Kaiser Karl VI., das Lucas von Hildebrandt 1701 – 1711 errichtet hat. Maria Theresia hat es umbauen lassen. Nach Plünderungen durch sowjetische Truppen brannten Teile des Schlosses ab und wurden rekonstruiert. Heute sind hier Konzert- und Ausstellungsräume sowie ein Hotel untergebracht.

Barockgarten
Halbturn – Jagdschloss
Halbturn – Jagdschloss
Halbturn – Jagdschloss

Durch den Schlosspark wandern wir weiter nach Norden und überqueren kleine Hügel, die mit Windrädern besetzt sind.

Halbturn – Schlosspark
Windpark

Auf einer der langen Geraden begegnet uns ein prominenter Weitwanderer, Gert G., mit dem wir uns gleich austauschen.

An einer Kreuzung sehe ich seit langem wieder Wegweiser, wie ich sie liebe. Zwei Richtungen mit jeweils der Entfernungsangabe und schon findet man mit großer Sicherheit die Stelle auf der Landkarte. Mit GPS geht’s natürlich einfacher.

Kurz vor unserem Ziel kommen wir an einer Gedenkstätte vorbei, die an die Flucht tausender DDR- Bürger 1989 von Ungarn nach Österreich erinnert.

Eine letzte „Bergwertung“: die Brücke über die A4 – Ost-Autobahn

Kurz vor dem Ziel
A4 – Ost-Autobahn

Da es leider in Nickelsdorf keine Unterkunft gibt, nehmen wir das Motel Schlafgut nahe der Grenze. Wir werden gut bewacht die Nacht verbringen, denn in unserem Haus sind auch Soldaten des Bundesheeres zum Assistenzeinsatz an der Grenze untergebracht.

Unser Essen lassen wir uns vom Pizzadienst bringen, denn das einzige Gasthaus in Nickelsdorf sperrt um 14 Uhr.

Tagesstrecke: 23,5 km; ↑ 35 m; ↓ 28 m

16. Tag Mittwoch, 29. September 2021 Apetlon – Frauenkirchen

Nach einer ruhigen Nacht und einem ausgiebigen Frühstück brechen wir wieder vor acht Uhr auf und suchen unseren Weg aus Apetlon.

Bald sind wir aus dem Ort heraußen und kommen wieder in den Nationalpark Neusiedlersee – Seewinkel, wo auch die Steppenrinder ihre Heimat haben. 

Genussregion

Zwischen Weinrieden und Steppenwiesen führt unser Weg dahin.

Interessante Wanderwege

Von Aussichtswarten haben wir immer wieder einen guten Überblick auf die „Lange Lacke“ oder das, was nach der Trockenheit übrig ist.

Gute Aussicht im Nationalpark
Lange Lacke

Ganz spezielle Pflanzen, die auch mit erhöhtem Salzgehalt im Boden fertig werden, sind typisch für diese Landschaft.

An der Langen Lacke

Ein Stück weit führt uns der Wanderweg quer über die Wiesen.

An der Langen Lacke

Auch im beginnenden Herbst sorgen bunte Blumen für Freude.

Schließlich kommen wir zum Zicksee, wo wir einige Male zum Windsurfen waren. Heuer fehlt so viel Wasser, dass auch der Badebetrieb eingestellt werden musste.

Zicksee

Zu normalen Zeiten steht diese Wasserrutsche im Wasser.

Zicksee – Strand

Ein paar Graugänse lassen sich beim Fressen nicht stören. Die Mehrzahl der Wasservögel hält sich in sicherer Entfernung auf.

Graugänse

Auf dem weiteren Weg nehmen wir zwei „Kurskorrekturen vor: zuerst verlassen wir den asphaltierten Güterweg und gehen nahe der Therme St. Martin auf einem ruhigen Feldweg weiter.

St. Martins Therme

Die einst gelben Sonnenblumen sind auch jetzt noch attraktiv.

Sonnenblumen

Kurz vor Frauenkirche bleiben wir wieder nicht auf dem 07er-Weg, der entlang der stark befahrenen Landesstraße ohne Fuß- oder Radweg markiert ist. Alle anderen Wege mit dem gleichen Ziel werden auf einer verkehrsarmen Nebenstrecke geführt.

Mariazellerweg, Jakobsweg…

Die barocke Wallfahrtskirche und Basilica minor begrüßt uns aus der Ferne.

Frauenkirchen – Wallfahrtskirche

Die Kirche in Frauenkirchen wurde während beider Osmaneneinfälle zerstört und danach von Paul Esterhazy, einem der größten Grundbesitzer Europas, in der heutigen Form wiedererrichtet.

Frauenkirchen – Wallfahrtskirche
Frauenkirchen – Wallfahrtskirche
Frauenkirchen – Wallfahrtskirche

Die Marienfigur auf dem Hochaltar wurde um 1240 geschaffen und wird immer wieder anders gekleidet.

Frauenkirchen – Wallfahrtskirche

Das Gnadenbild ist auch schon aus dem 13. Jhdt. bekannt.

Frauenkirchen – Wallfahrtskirche Gnadenbild

An die Kirche schließt ein interessanter Kalvarienberg an, der in Schneckenform angelegt ist.

Frauenkirchen – Kalvarienberg

In Frauenkirchen finden wir auch einen alten jüdischen Friedhof, der auf die große jüdische Gemeinde im 19. Jhdt zurück geht. 1678 erlaubte Graf Paul I. Esterhazy die Ansiedlung von Juden in Frauenkirchen. Der Ort gehörte zu den jüdischen Siebengemeinden im Burgenland.

Frauenkirchen – Jüdischer Friedhof

Auch etwas zum Schmunzeln: eine herbstliche Schönheit.

Herbstfee

Heute nächtigen wir im Gasthaus Pension Weisz- Artner.

Tagesstrecke: 20,0 km; ↑ 9 m; ↓ 7 m und zusätzlich 4,2 km Sightseeing in Frauenkirchen

15. Tag Dienstag, 28. September 2021 St. Margarethen – Apetlon

Nach kurzen Verhandlungen mit dem Wirt konnten wir die Frühstückszeit auf 7.00 Uhr vorverlegen. Damit bleibt uns heute genug Zeit, ohne Eile zu wandern.

Wir starten um 7.45 Uhr mit unserer heutigen Etappe und verlassen St. Margarethen durch einige kleine Gassen.

Feldgasse

Da finden wir gleich eine etwas steife Gottesanbeterin, die sich nicht wirklich bewegen will.

Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa L.)

Durch die Weingärten, in denen oft noch die Trauben hängen, geht es ostwärts.

Weingarten am Hang des St. Margarethen-Berges
Reiche Rotweinernte

Eine uralte Eiche ist als Naturdenkmal ausgewiesen und könnte sicherlich vieles aus der Geschichte erzählen.

Traubeneiche (Quercus petraea LIEBL.)

Die heutige Bergwertung: harte 80 Höhenmeter auf den Goldberg!

Aufstieg zum Goldberg

„Vidi mare!“ – „Ich habe das Meer gesehen!“ Wenn auch nur das Meer der Wiener, den Neusiedlersee.

Blick auf den Neusiedlersee
Blick auf den Neusiedlersee

Die Weingärten wurden früher von vereidigten Flurwächtern bewacht, die gegen Bezahlung die ganze Saison im Weingarten wohnen mussten. Da waren sie in spärlichen Erdkellern untergebracht.

Hüterhütte vom Beginn des 19. Jhdt.

Wir treffen ein Paar, das die heurige Mandelernte einbringt. Uns erscheinen die Früchte groß, sie sind damit weniger zufrieden.

Mandeln

Wir kommen nach Mörbisch, das am Schilfgürtel des Neusiedlersees liegt und wie die meisten Orte hier vom Weinbau und vom Fremdenverkehr lebt.

Mörbisch – Seitengasse

Die Evangelische Kirche stammt aus dem späten 18. Jhdt., nachem es bereits 1578 eine evangelische Gemeinde in Mörbisch gab.

Evangelische Kirche Mörbisch
Evangelische Kirche Mörbisch

Vom Ort führt ein langer Damm durch den Schilfgürtel hinaus zum See mit der Anlagestelle, dem Seebad und der Seebühne. Die gesamte Region ist wegen ihrer einzigartigen Natur UNESCO – Welterbe und steht unter strengem Naturschutz.

Der Damm trägt die Straße, zwei Radfahrstreifen und einen Gehweg. Ein wahrer Luxus in der Natur. Links und rechts säumen hohe Schilfwände den Damm.

Dammstraße Mörbisch
Schilfgürtel

An manchen Stellen kann man auch einen Blick „hinter die Kulissen“ erspähen. Heuer ist der Wasserstand extrem niedrig.

Neusiedlersee

Beim Seebad steht auch die Mörbischer Seebühne, wo Operetten- und Musicalaufführungen große Tradition haben. Die Miss Liberty aus der „Westside-Story“ steht noch im Hafen.

Mörbisch – Seebühne
Mörbisch – Seebühne

Gemeinsam mit vielen Radlern überqueren wir per Schiff den Neudiedlersee zum Ostufer.

Neusiedlersee
Neusiedlersee

Von dort geht es wieder durch den Schilfgürtel zur Zicklacke, die wenig Wasser, dafür aber eine eindrucksvolle Färbung durch kleine Blüten hat.

Zicklacke
Die Strand-Aster (Tripolium pannonicum, Syn.: Aster tripolium L.), auch Salz-Aster und Pannonien-Salzaster genannt

Nach Illmitz ist noch eine schöne Wegstrecke zurückzulegen. Einige größere Radlergruppen, ganze Schulklassen und viele Einzelpersonen sind auf der Strecke unterwegs.

Radweg zum See

Die Wahrzeichen der „Puszta“: Ziehbrunnen und Schilfunterstände

Am Ortsrand von Illmitz besuchen wir das Besucherzentrum des Nationalparks Neusiedlersee und vergessen in unserer Begeisterung auf ein Erinnerungsfoto.

Illmitz ist auch stark touristisch geprägt. Mitten im Ort steht das Quellhaus der St. Bartholomäus-Quelle, wo man den Säuerling auch verkosten kann.

Illmitz – St. Bartholomäus-Quelle
Illmitz – St. Bartholomäus-Quelle

Die katholische Pfarrkirche aus dem 18. Jhdt. erfuhr eine große Erweiterung und bekam 1977 einen eindrucksvollen neuen Zubau.

Illmitz – Pfarrkirche
Illmitz – Pfarrkirche

Im alten Kirchenteil wird gerade eine spannende Ausstellung über den Umgang mit „beeinträchtig5en Personen“ gezeigt.

Illmitz – Pfarrkirche

Überall ist die Weinlese im Gange. Die Reben werden hier meist durch Maschinen geerntet und in großen Anhängern zur Weiterverarbeitung gebracht. Die Weine werden hauptsächlich in großen Stahltanks vergoren.

Illmitz – Kellerei

Schließlich nehmen wir das letzte Stück unserer Tagestour nach Apetlon in Angriff. Das Wetter hat sich von dicht bewölkt auf sonnig umgestellt und bei leichtem Rückenwind geht es flott dahin.

Auf dem Weg nach Apetlon

Apetlon ist auch eine Weinbaugemeine im Nationalpark Neusiedlersee. Zwischen neuen Wohnhäusern finden sich immer wieder kleine Häuser aus dem 19. Jhdt.

Apetlon

Auch diese Pfarrkirche aus dem Barock hat 1976 eine interessante Erweiterung erfahren.

Apetlon – Pfarrkirche
Apetlon – Pfarrkirche

Eine Gedenksäule erinnert an einen gemeuchelten Nachtwächter.

Apetlon
Apetlon

Heute gehen wir richtig gut essen. Im „Gasthaus zum fröhlichen Arbeiter“, eimem Traditionsgasthaus mit vielen Auszeichnungen, werden wir verwöhnt.

Apetlon – Zum fröhlichen Arbeiter
Fischsuppe
Geschmortes Fleisch von der Steppenrindkalbin auf Kürbispüree, Einkorn und Eierschwammerln
Zwiebelrostbraten von der Kalbin mit Kartoffeln

Heute übernachten wir im Gästehaus der Familie Klinger. Der Heurige ist aber nur Donnerstag bis Sonntag geöffnet.

Gästehaus Klinger

Tagesstrecke: 23,4 km; ↑ 72 m; ↓ 104 m

14. Tag Montag, 27. September 2021 Anreise nach Draßburg; Draßburg – St. Margarethen

07er – die Dritte!

Das kann als Untertitel für unser neues Unternehmen gelten. Nachdem wir im August in Draßburg bei großer Hitze und Unwetterwarnung unsere Tour beendet haben, setzen wir heute dort den Weg fort.

Mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof

Die Anreise erfolgt wieder mit der Bahn von Graz über Wr. Neustadt nach Ebenfurth und Draßburg, das wahrscheinlich nur Eingeweihte kennen.

Railjet 1. Klasse

Das Wetter ist vorerst stark bewölkt und nieselig. Die Aussichten stimmen uns aber positiv.

Wir kommen nahezu pünktlich in Draßburg an, richten uns fürs Wandern her und starten unseren Weg mit dem Besuch des Gemeindeamtes, wo ich von einer freundlichen Amtsleiterin unseren ersten Stempel bekomme.

Bahnhof Draßburg

Wir verlassen den Ort nach Norden, bis wir wieder auf die Markierungen des 07er-Weges treffen.

Arbeitergasse in Draßburg

Nun sind wir den Weiten des Burgenlandes „ausgeliefert“. Die Felder sind teilweise schon abgeerntet.

Bei Draßburg
Bei Draßburg
Bei Draßburg

Hirse wird in der Fruchtfolge mit Mais angebaut und bringt guten Ertrag.

Hirse

Direktvermarktung bringt für die Landwirte höhere Erträge.

Hofladen des Jahres: Biohof Schmit

Wir kommen nach Zagersdorf – Cogrštof, der ältesten Weinbaugemeinde des Burgenlandes. Im Gemeindeamt hole ich mir wieder einen Stempel und werde von der Mitarbeiterin genau über unseren Weg befragt. Es ist ihr erster Stempel, den sie vergibt. Der 07er Weg verläuft in der Parallelstraße. Da gehen die Wanderer am Gemeindeamt vorbei.

Gemeindeamt Zagersdorf
Madonna am Ortsrand

Auch Zagersdorf hat das Recht auf ein Hochhaus!

Hochhaus an der Grenze zu Siegendorf

Siegendorf ist wohl durch die Zuckerfabrik, 1853 bis 1988, bekannt geworden. Von ihr sind nur mehr Industrieruinen zu sehen. Der Ort ist, typisch burgenländisch, ewig lang.

Gemeindeamt Siegendorf
Hauptstraße Siegendorf

Da es leicht zu regnen beginnt, beschließen wir, kurz einzukehren und genießen eine herrliche Zwiebelsuppe. Dann machen wir uns mit Regenkleidung auf den weiteren Weg. Da hört der Regen auf!

Am Ortsrand gibt es endlich eine richtige Hinweistafel auf den 07er und den 01er-Weg.

Weitwanderwege-Treff

Wennst a Heisl brauchst: Heisl to go!

Der Fasangarten wurde 1743 von den Esterházy in Trausdorf eingerichtet und die Hutweiden der Bevölkerung stark beschnitten. Die haben den Fasangarten dann 1864 um 10000 Gulden gekauft und aufgeteilt.

Hutweide und Schutzgebiet
Mauer des „Fasangartens“

Nun sehen wir schon den Turm der Kirche von St. Margarethen. Durch die Weingärten nähen wir uns dem Ort.

St. Margarethen
St. Margarethen
St. Margarethen
St. Margarethen – Wein to go
Kurz vor dem Ziel
St. Margarethen – Kirchengasse
St. Margarethen – Pfarrkirche mit Karner
St. Margarethen – Dreifaltigkeitssäule

Wir beziehen unser Zimmer im Gasthof Ernst. Hier ist zwar Ruhetag hat, aber unser Zimmer bekommen wir trotzdem.

St. Margarethen – Gasthof Ernst

Am Montag nach 14 Uhr ist man in St. Margarethen nicht sehr gut aufgehoben: Es gibt keine Möglichkeit irgendwo zu essen! Alle haben Ruhetag! Gut, dass es am am Ortsrand einen Supermarkt gibt, wo man sich etwas organisieren kann!

Tagesstrecke: 16,6 km; ↑ 32 m; ↓ 103 m