Archiv für den Monat: September 2022

34. Tag Donnerstag, 22. September 2022 Karlstein – Dobersberg; Rückfahrt Dobersberg – Wien – Graz

Nach dem gestrigen Tag steht heute ein kurze Halbetappe an. In der Früh frühstücken wir in der Bäckerei Hofstätter und setzen dann unseren Weg fort. Mit etwa 4 Grad ist es frisch, aber ohne Wind halb so schlimm.

Wieder haben wir einen tollen Blick von oben auf die Thaya. Offenbar hat man unsere Ankunft erwartet, denn der Waldweg ist frisch ausgemäht.

Blick auf die Thaya
Frisch gemähter Weg

An Münchreith an der Thaya gehen wir vorbei.

Münchreith

Die Wolkenstimmungen wechseln dauend ab. Derzeit ist kein Regen in Sicht.

Hier wird Gneis abgebaut. Ein riesiger Hinkelstein (Bildstock) steht am Werkseingang.

Bildstock aus Gneis
Hohenwarth

Hohenwarth ist ein kleines Dorf mit einem weiten Anger.

Hier gibt es auch wieder Viehhaltung.

Mutterkuhhaltung

Die Radlmühle ist teilweise sehr schön renoviert und liegt idyllisch an der Thaya.

Radlmühle
Radlmühle

Teilweise verläuft der Bahnradweg Waidhofen – Slavonice parallel zu unserem Weg.

Bahnradweg Waidhofen – Slavonice
Bahnradweg Waidhofen – Slavonice

Auch Lexnitz ist ein kleines Dorf mit großem Anger.

Schließlich taucht der Kirchturm von Dobersberg auf. Wir besuchen die Pfarrkirche, eine Sammlung durch die Jahrhunderte. Sie ist dem Hl. Lambert geweiht.

Pfarrkirche Dobersberg
Pfarrkirche Dobersberg
Pfarrkirche Dobersberg

Über den Hauptplatz kommen wir zum Schloss Dobersberg. Das Schloss war ein mittelalterlicher Wehrbau, der 1520 durch den Renaissancebau ersetzt wurde. Heute sind in den Räumlichkeiten das Gemeindeamt und ein Naturkundemuseum untergebracht.

Hauptplatz
Schloss Dobersberg
Schloss Dobersberg

In der Gemeindekanzlei hole ich mir den letzten Stempel für unseren Wanderpass, dann geht es Richtung Heimat.

Von Dobersberg fahren wir mit dem Bus nach Waidhofen an der Thaya, von dort mit dem nächsten Bus bis Göpfritz an der Wild, ein Ort von dem ich noch nie etwas gehört habe. Dort nehmen wir den Regionalexpresszug nach Wien-Spittelau. Jetzt erfolgt der Wechsel in die U6 nach Meidling. Mit dem Eurocity Richtung Zagreb fahren wir nach Graz, wo uns nur mehr eine kurze Fahrt mit der S3 erwartet.

Damit endet auch der 4. Abschnitt unserer Wanderung auf dem Ostösterreichischen Grenzlandweg, auf dem wir ca. 230 km zurückgelegt haben. Mein besonderer Dank gilt Heidrun, die so famos mit- und durchgehalten hat.

Tagesstrecke: 12,3 km; ↑ 207 m; ↓ 181 m

33. Tag Mittwoch, 21. September 2022 Eibenstein – Karlstein

Heute ist die Königsetappe unseres vierten Abschnitts auf dem 07er-Weg angesagt. Nicht nur wegen der Länge, sondern auch wegen des Verlaufs des Weges an der Thaya. Dazu haben wir bestes Wetter geliefert bekommen. Frisch ist es halt in der Früh.

Gleich hinter unserem Quartier beginnt der kurze Aufstieg zur Pfarrkirche von Eibenstein, um gleich wieder zur Thaya abzusteigen. Morgengymnastik sozusagen. Eibenstein hat aktuell übrigens 45 Einwohner.

Pfarrkirche Eibenstein
Thaya

Dieses Jahr hat hier auf der Jubiläumswiese wieder das Biker-Fronleichnam stattgefunden. 500 Biker haben sich beim 6 m hohen Biker Angel Raphael eingefunden um ihrer verunglückten Freunde zu gedenken. Das Motto: Fahr nie schneller als dein Schutzengel!

Biker Angel
Blick zurück auf Eibenstein

Jetzt beginnt der Weg entlang der des Flusses. Wobei ich relativieren muss: Einmal ist man neben dem Fluss, manchmal wieder weg, dann hoch über ihm. Nur wenn man in ihm ist, wird es nass.

Am Thaya-Weg
Thaya
Am Thaya-Weg
Thaya
Ehemalige Mühle
Abstieg
Thaya

Wir haben Glück gehabt. Der Beton für die Brücke wird erst am Nachmittag geliefert. Dann hätten wir einen gewaltigen Umweg nehmen müssen oder unsere Spuren im Beton hinterlassen.

Brückenbau

Im Kollmitzgraben stoßen wir auf die gewaltige Ruine Kollmitz aus dem 13. Jhdt. Sie liegt auf einem Sporn hoch über der Thaya und war bestens befestigt. Nach 1708 ließ man die Gebäude verfallen, weil man einfach keine Verwendung dafür hatte.

Ruine Kollmitz
Ruine Kollmitz
Ruine Kollmitz
Blick ins Tal

Nur durch dieses Tor in der „Böhmischen Mauer“, die die Anlage abriegelte, war die Burg erreichbar.

Nordtor mit der „Böhmischen Mauer“

Unterwegs kommt uns ein Schulklasse entgegen, die ihren Wandertag in Lama-Begleitung absolviert.

Wandertag
Wandertag

Unsere nächste Zwischenstation ist Raabs an der Thaya. Die Burg beherrscht das Stadtbild von überall her. Hier fließt auch die Deutsche Thaya mit der Mährischen Thaya zusammen. Dann heißt das Gewässer nur mehr Thaya.

Raabs an der Thaya.
Burg Raabs an der Thaya um 1050
Zusammenfluss der Deutschen Thaya mit der Mährischen Thaya

Danach geht der Weg Schlinge um Schlinge, meist in Ufernähe dahin. Steile Felsen zeigen, dass das Gestein den Laufe des Flusses bestimmt hat.

Am Ufer der Deutschen Thaya
Am Ufer der Deutschen Thaya

Am Grasel- Weg, benannt nach dem berüchtigten Einbrecher und Räuber Grasel, kommen wir an den schönsten Stellen des Tales vorbei. Grasel wurde mit 28 Jahren in Wien wegen seiner Taten hingerichtet und dann zu einem „Robin Hood“ hochstilisiert.

Blick auf die Thaya
Pfad

Nach einer Zwischenrast bei der Liebnitzmühle geht es steil bergauf nach Speisendorf.

Wieder rauf
Denkmalgeschütztes Haus in Speisendorf
Speisendorf – „Zammenstehen“
Speisendorf

Recht müde kommen wir in Karlstein an. Im letzten Augenblick schiebt sich eine dunkle Wolke über uns. Wir bleiben glücklicherweise trocken.

Burg Karlstein
Hauptstraße

Karlstein ist das Zentrum der Uhrmacher in Österreich. Hier gibt es eine HTLA und die Bundesberufsschule der Uhrmacher.

Sonnenuhr (heute außer Dienst)

Wenn die Landeshanni ihre Schutzengelflügerl ausbreitet, kann nichts mehr passieren.

Wir nächtigen im Haus Appl-Löffler.

Tagesstrecke: 26,3 km; ↑ 574 m; ↓ 569 m

32. Tag Dienstag, 20. September 2022 Geras – Eibenstein

Beim Frühstück vertratschen wir uns mit unserer netten Gastgeberin, die sich in der Geschichte des Ortes bestens auskennt. So wird es für unsere Verhältnisse ein etwas späterer Aufbruch.

Im Rathaus der Stadt – hier ist wirklich jede größere Häuseransammlung eine Stadt – hole ich mir die Stempel für unseren Wanderpass.

Geras – Hauptstraße mit Rathaus

Wir gehen wieder an Stift und Stiftskirche vorbei und passieren den ehemaligen Meierhof des Stiftes, der heute Teil des Hotels Schüttkasten und der Kunstakademie Geras ist und unabhängig vom Stift geführt wird.

Stiftskirche Geras
Meierhof Geras

Etwas außerhalb liegt der Bahnhof Geras-Kottaun, der heute nur mehr vom „Reblaus-Express“ benutzt wird.

Bahnhof Geras-Kottaun

Dann geht es über die sanften Hügel des Waldviertels weiter.

Felder

In Wolfsbach steht ein schönes Gasthaus, das leider nicht mehr in Betrieb ist.

Wolfsbach – Gasthaus zum Wildschütz

Wieder ziehen bedrohliche Wolken auf. Es schaut aber ärger aus, als es kommt.

Wolfsbach
Bei Wolfsbach

Bei leichtem Nieselregen kommen wir in Richtung Drosendorf. Ohne Regencape ist es zu nass, mit fast overdressed.

Drosendorf
Drosendorf – Pfarrkirche im Vordergrund, Stadtkirche im Hintergrund

Auch in Drosendorf sind die Verhältnisse nicht einfach. Da gibt es Drosendorf-Altstadt und Drosendorf-Stadt, das von einer Befestigungsanlage umgeben war und von Ottokar II. im Jahre 1278 16 Tage lang erfolglos belagert wurde.

Die Vorgängerbauten des Schlosses Drosendorf werden schon 1180 erwähnt, der heutige Bau stammt aus dem 17. Jhdt. Heute ist das Schloss, wie viele historische Gebäude in der Umgebung, im Besitz der Familie Hoyos-Sprinzenstein.

Stadtmauer
Schloss Drosendorf
Schloss Drosendorf

Im Rathaus frage ich wieder nach einem Stempel und nach einem offenen Gasthaus. Ersterer Wunsch kann sofort erfüllt werden, zweiter wird negativ beschieden.

Drosendorf – Rathaus

In Drosendorf wurde 1559 ein Alaunbergwerk eröffnet, Ende des 16. Jahrhunderts gab es vorübergehend Bleibergbau.

Bergamtshaus

Am Hauptplatz stehen durchwegs zweigeschoßige Gebäude, die den beschaulichen Charakter hervorheben.

Drosendorf – Hauptplatz
Drosendorf – Hauptplatz

Da alle Gasthäuser geschlossen sind, werden wir von einer Frau auf das kleine ADEG – Geschäft verwiesen, das auch in dem Moment zusperrt. Die freundliche Besitzerin, Frau Linsbauer, holt uns noch in das Geschäft und verkauft uns Kaffee und Mehlspeisen, die wir im Pavillon am Hauptplatz genießen.

Während wir im Pavillon sitzen, geht draußen ein Regenguss nieder.

Drosendorf – Pavillon
Mohnstrudel zu Mittag

Auf unserem weiteren Weg steigen wir in engen Serpentinen von der Stadt zur Thaya ab. Von unten sieht man erst die steilen Felsen.

Abstieg zur Thaya
Felsen an der Thaya

Über die Hügel bei Autendorf kommen wir bei Primmersdorf wieder an die Thaya. Das Schloss Primmersdorf war einst Meierhof des Stiftes Herzogenburg.

Schloss Primmersdorf
Thaya mit leichtem Hochwasser

Bei einem kurzen Anstieg treffen wir erstmals auf unserem Weg zwei Wanderinnen, die ebenfalls des 07er- Weg gehen. Sie sind am Nebelstein gestartet.

Wir sind am heutigen Tagesziel angekommen. Der Gasthof Pölzer liegt direkt unter der Ruine Eibenstein an der Thaya. Die Ruine Eibenstein wurde schon im 12. Jhdt. urkundlich erwähnt und soll nach manchen Quellen mit den Templern in Beziehung gestanden sein.

Ruine Eibenstein
Ruine Eibenstein
Gasthof Pölzer
Gasthöf Pölzer

Tagesstrecke: 22,3 km; ↑ 307 m; ↓ 430 m

31. Tag Montag, 19. September 2022 Hardegg – Geras

Das Frühstück in der Pension Thayatalblick verdient eine besondere Erwähnung. Pünktlich um 7 Uhr bringen es die Hausleute zu uns in unsere Wohnung. Obwohl es so reichhaltig war, haben wir es doch stark dezimiert.

Am Frühstückstisch

Mit unserem Aufbruch wird aus leichtem Nieseln ein ordentlicher Regen. Gut, dass es gute Ausrüstung gibt.

Blick auf Burg, Kirche und Karner von Hardegg
Wiesenweg
Wald

Der erste Ort, durch den wir kommen, ist  Felling. Hier werden nach alter Tradition Perlmutt – Knöpfe gefertigt. Wurden ursprünglich Muscheln aus der Thaya und der March verarbeitet, werden heute die Rohstoffe importiert .

Begrüßung in Felling

Früher hat dieses Schloss den Namen des Ortes geführt, nämlich Riegersburg. 2017 wurde der Name auf Ruegers geändert um Verwechslungen mit der steirischen Riegersburg zu verhindern.

Die Geschichte des Schlosses beginn im 13. Jhdt., das heutige Gebäude geht auf das 18. Jhdt.  zurück als es von der Familie in  Khevenhueler umgebaut wurde. Die Geschichte des Schlosses Ruegers ist eng mit der Burg Hardegg verbunden.

2021 wurde das Schloss von dem Künstler Gottfried Helnwein und dem Immobilienunternehmer Klemens Hallmann erworben. Das lässt hoffen, dass das Schloss gut erhalten bleibt.

Schloss Ruegers
Riegersburg

Das Wetter spielt heute ein bisschen verrückt. Mal Regen, mal Sonnenschein, aber immer Wind.

Wetterkapriolen
Trocken, aber windig

Wir sind froh, in Langau anzukommen, denn hier finden wir in einem Spar-Markt ein Cafe, das auch kleine Speisen anbietet.

Langau

Die Pfarrkirche von Langau stammt im wesentlichen aus dem 18. Jhdt. Interessant finde ich den Turm, der aus einem viereckigen Grundriss in der Hälfte in ein Oktogon übergeht.

Pfarrkirche Langau
Pfarrkirche Langau

Langau hatte nach dem 2. Weltkrieg einen Braunkohleabbau im Tagbau, der bis 1963 in Betrieb war. Danach füllten sich die Gruben mit Wasser und sind Mittelpunkt eines Freizeitzentrums.

Aufgefallen ist mir die aufwendige Statue hl. Nepomuk.  Auf einem dreiseitigen von einem Steingitter umschlossenen Sockel mit Reliefs der hl. Donatus, Florian und Sebastian steht auf einer von Engeln getragenen Wolkenpyramide die Figur des hl. Johannes Nepomuk. (Aus 1728)

Hl. Nepomuk

Ein Männlein steht im Walde…

Fliegenpilz (Amanita muscaria
(L. : Fr.) LAMARCK)

Schließlich kommen wir in Geras an, dass durch sein Prämonstratenserstifter bekannt ist.

Blick auf Geras

Stift Geras ist das älteste ohne Unterbrechung bestehende Männerkloster des Ordens und wurde 1153 gegründet.

Stift Geras
Geras – Stiftskirche
Geras – Stiftskirche
Geras – Stiftskirche
Geras – Stiftskirche

Im „Schüttkasten“, heute ein Hotel und Restaurant, essen wir zu Abend. Es gehört wie der Meierhof und die Kunstakademie heute nicht mehr zum Stift.

Schüttkasten

Wir sind heute im Privatquartier von Frau Moser untergebracht.

Privatzimmer Moser
Privatzimmer Moser

Was gibt es sonst noch zu berichten? Eine Wiesenweihe jagt unmittelbar neben uns und lässt sich nicht stören. Ein mächtiger Seeadler fliegt vor uns auf und später sehen wir noch ein Exemplar. Die verschiedenen Pilze schießen sprichwörtlich aus dem Boden. Ich bringe unserer Quartiergeberin den ersten und einzigen Steinpilz als Gastgeschenk mit.

Tagesstrecke: 24,2 km; ↑ 361 m; ↓ 178 m

30. Tag Sonntag, 18. September 2022 Retz – Hardegg

Pünktlich um sieben Uhr sitzen wir beim Frühstück. Es hat zu nieseln begonnen und der Wind rüttelt die Bäume richtig durch. Wir lassen es uns schmecken, bevor wir hinaus gehen. Bis Retz brauchen wir die Regenpelerinen, dann kommt die Sonne heraus.

Am Hauptplatz von Retz

Wir kennen uns schon aus und streben durch die Windmühlgasse der Windmühle zu. Die seit 2010 wieder in Betrieb befindliche Windmühle wurde 1853 an Stelle einer älteren errichtet. Zwischenzeitlich stillgelegt, ist sie heute wieder voll funktionstüchtig. Das Flügelkreuz hat einen Durchmesser von 25 m.

Retzer Windmühle

Retzer Windmühle

Die Aussicht von dort ist toll.

Retz
Retz

Wir sind jetzt an der Grenze vom Weinviertel zum Waldviertel. Wie hat der Führer gestern gesagt? Nördlich der Weinberge ist der Weinbau aus klimatischen und geologischen Gründen nicht sinnvoll und außerdem haben vor lauter Wald die Weingärten keinen Platz.

Grenze zum Waldviertel

Wir gehen einen bestens markierten Weg. Immer sind die Tafeln oder Markierungen an der richtigen Stelle. Der Wind ist sehr heftig, vor allem auf den freien Flächen bei Hofern.

Wegtafeln
Bei Hofern
Blick auf Niederfladnitz

Die Lokalbahn Retz–Drosendorf im Weinviertel verbindet die Städte Drosendorf und Retz an der Nordwestbahn. Nach Einstellung des Personenverkehrs am 9. Juni 2001 wird die Strecke seit 2002 als Nostalgiebahn unter dem Namen Reblaus-Express touristisch vermarktet. Die Bahnstrecke hat bis zu 39 Promille.

Reblaus-Express
Bahnübergang Hofern

Im Wald ist es gleich viel ruhiger, der Wind pfeift zwar in den Wipfeln, aber es ist gutes Wanderwetter.

Wege
Wege
Wieder einmal ein Parasol

Mitten im Wald liegt idyllisch der Sagteich, aufgestaut aus dem Kajabach.

Sagteich
Kajabach

Die Burgruine Kaja ist die Ruine einer Höhenburg, sie liegt versteckt ein wenig abseits vom Grenzfluss Thaya am Kajabach. Sie wurde bereits 1196 erwähnt. Zwischenzeitlich war sie eine richtige Raubritterburg. Heute ist sie in Privatbesitz der Grafen von Waldstein-Wartenberg.

Ruine Kaja

Nun kommen wir an die Thaya, die den Grenzverlauf zwischen Österreich und Tschechien darstellt. Vor dem Fall des Eisernen Vorhangs war hier keine touristische Tätigkeit möglich, heute ist hier der grenzübergreifende Nationalpark Thayatal.

Am Grenzfluss Thaya
Am Grenzfluss Thaya
Am Grenzfluss Thaya

Nach ein paar Kilometer idyllischer Flusswanderung gibt es eine Abkürzung der nächsten Flussschleife, den „Überstieg“.

Am Überstieg
Am Überstieg

Von oben haben wir einen phantastischen Ausblick auf die Thaya, die hier eine 180 Grad – Wendung macht.

Am Überstieg
Am Überstieg

Auf der anderen Seite geht es natürlich genau so steil hinunter. Auch der Uferweg fordert kleine „Klettereien“.

An der Thaya
An der Thaya

Nach mehr als 22 km kommen wir in Hardegg an und gehen über die Brücke, die ab 1945 für 45 Jahre gesperrt war. Ein offizieller, temporärer Grenzübergang wurde erst 2006 eingeführt. Heute ist die Holzbrücke zu Fuß oder mit dem Fahrrad frei benutzbar. Wir haben es uns nicht nehmen lassen, den nördlichen Nachbarn einen Besuch abzustatten.

Thayabrücke
Erinnerungstafel
Wir in Tschechien

Hardegg ist die kleinste Stadt Österreichs und hat gerade 1304 Einwohner.

Im Zentrum des Ortes liegt die Burg, die seit dem 10. Jhdt. ständig ausgebaut und erweitert wurde.

Zwischenzeitlich war die Burg dem Verfall preisgegeben. Ab 1878 ließ Johann-Carl von Khevenhüller, der auch als Mitkämpfer Kaiser Maximilians von Mexiko gegen die Truppen der republikanischen mexikanischen Regierung bekannt wurde, die Festung wieder aufbauen. Heute gibt es hier ein kleines Museum über Max von Mexico. Leider ist die Burg derzeit nicht zugänglich.

Burg Hardegg

Die Pfarrkirche und der Karner wurden auch schon im 12. Jhdt. errichtet.

Pfarrkirche Hardegg
Karner Hardegg

Wir übernachten in der Pension Thayatalblick und genießen das Ambiente.

Tagesstrecke: 22,6 km; ↑ 498 m; ↓ 413 m

29. Tag Samstag, 17. September 2022 Haugsdorf – Retz

In der Nacht gat es deutlich abgekühlt. Dazu gibt es auch einen kräftigen Wind aus dem Norden. Unser Gastgeber macht uns auf den Kaiserpark aufmerksam, wo eine Darstellung Kaiser Franz Josefs als ganze Person, nicht als Büste steht. Das sei etwas Einzigartiges.

Wir gehen wieder durch die Große Kellertrift, diesmal ohne Besuch, auf den Weinberg. Kellertrift heißen hier die Kellergassen, die entlang eines Hohlweges angelegt sind.

Haugsdorf – Kaiser Franz Josef
Haugsdorf – Große Kellertrift
Haugsdorf – Große Kellertrift

Vom Weg entlang des Bergkammes gaben wir eine gute Aussicht.

Blick nach Norden, Tschechien, Znaim
Blick nach Süden

Wir gehen unter der B 303 / E59 durch, die eine wichtige Verkehrsverbindung nach Norden darstellt. Bei Kleinhaugsdorf ist die ehemalige Grenzstation zu Tschechien.

Bald können wir wieder die Asphaltwege verlassen und über Wiesenwege wandern.

Der heutige Abschnitt ist nicht so gut markiert. Die Markierungen sind ausgeblichen oder fehlen an wichtigen Positionen. Dank GPS ist das kein großes Problem. Trotzdem großen Dank an die Wegwarte.

Wir verlassen die Route und gehen über zwei abenteuerliche Stege auf die andere Seite des Seebaches, nachdem wir schon ein längeres Stück durch hohes Gras stapfen mussten. So hu ersparen wir uns das für die nächsten paar hundert Meter und wandern auf einem gepflegten Feldweg weiter

„Steg“
„Brücke“ über den Seebach

In Unternalb beziehen wir schon um 11.30 Uhr unser Quartier, nachdem im Zentrum von Retz nichts zu bekommen war.

Die Unerkunft in der „Wachtelwerkstatt“ ist erst vor ein paar Wochen fertiggestellt worden. Es riecht noch ganz frisch. Der seltsame Name leitet sich vom „Hobby“ der jungen Chefin ab, die Wachteln züchtet und die Produkte in Direktvermarktung vertreibt.

Unternalb – Wachtelwerkstatt
Unternalb – Wachtelwerkstatt
Unternalb – Wachtelwerkstatt

Wir verbringen da nicht viel Zeit, sondern gehen weiter ins Zentrum von Retz. Kaum eine Straße, an der keine Kellerhäuschen stehen

Straße nach Retz

Das Schloss Gattenburg in Retz könnte eine Renovierung gebrauchen. Mit dem Dach ist ein wichtiger Schritt gesetzt. Es steht in Privatbesitz.

Retz – Schloss Gattenburg

Der Hauptplatz von Retz ist der zweitgrößte in Österreich. Er wird dominiert vom großen Stadtturm. Ursprünglich Turm einer katholischen Kirche, wurde er in der Reformationszeit zum Stadtturm umgebaut und die dazugehörige Kirche als Rathaus adaptiert.

Retz – Hauptplatz
Retz – Hauptplatz

Wir besteigen den 57 m hohen Turm und genießen die gute Aussicht. Unterwegs kommen wir auch am alten Uhrwerk vorbei, das heute durch ein kleines elektrisches ersetzt ist.

Retz – Stadtturm
Uhrwerk

Während des Weinlesefestes Ende September fließen aus den beiden Brunnen am Platz Rot- und Weißwein.

Retz – Hauptplatz
Retz – Hauptplatz
Retz – funktionstüchtige Windmühle

Der Stadtteil um den Hauptplatz ist am Reißbrett entstanden und hat viele interessante Gebäude. Die alte Stadt liegt etwas abseits.

Verderber-Haus
Retz – Sgraffitohaus

Die katholische Kirche liegt außerhalb der. Stadtmauern.

Retz – kath. Kirche
Retz – kath. Kirche

Höhepunkt des Besuches ist der Rundgang durch den größten unterirdischen Weinkeller Österreichs, der in Sand gegraben ist und der eine Länge von über 20 km aufweist.

Ein launiger Führer erzählt Interessantes aus der Stadtgeschichte und über das Kellersystem.

Retz – Kellereingabg
Retz – Erlebniskeller
Retz – Erlebniskeller
Retz – Erlebniskeller
Retz – Erlebniskeller
Retz – Erlebniskeller
Retz – Erlebniskeller

Wieder zurück im Quartier überrascht uns unsere Quartiergeberin mit einer Kostprobe von Wachteleiern.

Wachteleier in Essig eingelegt

Tagesstrecke: 21,5 km; ↑ 252 m; ↓ 248 m

28. Tag Freitag, 16. September 2022 Patzmannsdorf – Haugsdorf

Unsere Zimmerwirtin erzählt uns, dass es in der Nacht ordentlich geregnet hat. Wir haben davon nichts mitbekommen, so gut haben wir geschlafen.

Nach dem Frühstück machen wir ins gleich auf den Weg. Das Wetter ist sonnig. Wir verlassen das Dorf nach Nordwesten. Der Weg ist vorerst sehr eben und führt an Äckern entlang.

Patzmannsdorf
Buchberg (417 m)
Bei Patzmannsdorf

Wir kommen nach Großharras. Wie klein ist dann „Kleinharras“? Auch hier ist das Greißlersterben harte Realität.

Großharras
Großharras

Die Kirche und die Volksschule stehen gleich nebeneinander. Die Pfarre untersteht seit 1255 dem Malteser Ritterorden. Der Kirchturm wurde im 14. Jhdt. errichtet.

Großharras – Dreifaltigkeitskirche
Großharras – Malteser-Kreuz
Großharras – Dreifaltigkeitskirche
Großharras – Wappen der Trautson, einer der mächtigsten Adelsfamilien in Österreich

Wir zweigen in Diepolz nach Norden zur Kellergasse ab. Die kleinen Häuschen sind nett hergerichtet.

Diepolz – Kellergasse
Diepolz – Kellergasse

Es gibt hier nicht nur Wein, sondern auch Hanf.

Weintrauben
Hanffeld

Die Weinort Mailberg liegt fast versteckt am Buchberg. Sein Ortsbild ist geprägt von eher hässlichen Bauten aus den letzten 50 Jahren.

Das Schloss Mailberg hinter einem mächtigen Graben ist die älteste Malteser-Komtur der Welt. Der damalige Besitzer Chatold hat 1146 seinen Besitz dem Malteser-Ritterorden übergeben, ehe er sich auf den Kreuzzug begab.

Schloss Mailberg
Schloss Mailberg
Schloss Mailberg
Schloss Mailberg – Kirche Johannes. d. Täufer
Schloss Mailberg – Kirche Johannes. d. Täufer

Dem Orden gehören das Schloss mit einem 4*-Hotel und Restaurant, in der Umgebung 700 ha Biolandwirtschaft und 47 ha Weinriede.

Auch Mailberg hat wie jeder Ort hier mindest eine Kellergasse.

Weinriede
Mailberg – Kellergasse

Jetzt kommt unser Abenteuer: Wir durchqueren wieder ein Wildschweingehege. Der 07er-Weg führt geradewegs durch.

Zaun am Gehege
Heidrun auf der Leiter
Wildschweinspuren überall

Wir sehen eine kleine Rotte mitten im Wald auf einer Freifläche. Ein paar Geräusche und sie sind weg!

Die Kornelkirschen, in Österreich auch Dirndl genannt, werden gerade reif und schmecken herrlich.

Kornelkirsche (Cornus mas L.)

Auch nach dem Wildschweingehege wird der Weg nicht leichter. Über eine weite Strecke ist der bestens markierte Weg stark verwachsen.

Wanderweg 07, E8

Wir lassen den Buchberg hinter uns und kommen nach einem Intermezzo auf der B45 nach Haugsdorf. Uns ist in Alberndorf die Markierung abhanden gekommen und so haben wir den kürzesten Weg genommen.

Vor Alberndorf
Haugsdorf – Schüttkasten zum Lagern von Getreide

Über den Hauptplatz kommen wir zu unserem Quartier.

Haugsdorf – Hauptplatz
Haugsdorf – Hauptplatz

Die ehemalige Volks- und Bürgerschule ist heute Mittelschule. Der Bau ist imposant und stammt aus dem Jahr 1910.

Haugsdorf – Mittelschule

Zum Abendessen gehen wir in eine Buschenschank in der Großen Kellertrift. Das ist die Welt des Inspektor Simon Polt (nach Alfred Komarek).

Polt – Weg

Haugsdorf – Große Kellertrift
Haugsdorf – Sitzgelegenheiten zum Herunterklappen
Winzerjause

Wir nächtigen im Privatzimmer des Cafe Holy. Leider erfahren wir, dass auch dieses Quartier 2023 Geschichte sein wird.

Cafe Holy
Cafe Holy

Tagesstrecke: 24,4 km; ↑ 232 m; ↓ 250 m

27. Tag Donnerstag, 15. September 2022 Ernstbrunn – Patzmannsdorf

In der Nacht hat es kurz und heftig geregnet, aber in der Früh war es trocken und warm. Wir frühstücken ausgiebig in einer Bäckerei am Hauptplatz und wandern gegen 8 Uhr los.

Der Unterricht in der Volksschule aus der k.u.k. Zeit hat schon begonnen. Das imposante Bauwerk wurde 1907 gebaut und am 1. September 1908 eröffnet! Auch der Spruch auf der Schule ist aktuell: „Die Erziehung der Jugend ist die Zukunft des Staates“.

Volksschule Ernstbrunn

Am Ortsausgang steht noch eine barocke Dreifaltigkeitssäule aus dem zweiten Viertel des 18. Jhdts.

Dreifaltigkeitssäule

Wir verlassen bald die Straßen und marschieren auf Feldwegen weiter.

Anstieg nach Oberleis

Das mächtige Schloss Ernstbrunn taucht hinter dem Hügel auf. Das Schloss ist seit dem 19. Jahrhundert im Besitz der Fürsten Reuss, die es auch heute noch bewohnen. Seine Geschichte geht in das 12. Jhdt. zurück. Während der Besatzungszeit war das Schoss Sitz der sowjetischen Verwaltung und wurde stark devastiert. Danach wurde es laufend renoviert. Beim Schloss gibt es auch eine Wolfforschungsstation und einen Tierpark.

Schloss Ernstbrunn
Blick nach Süden

In Oberleis steht die Marienwallfahrts- und Pfarrkirche, die Maria Himmelskönigin und dem Hl. Mauritius gewidmet ist. Die Kirche war schon immer Pfarrkirche. Die Wallfahrtskirche hingegen stand auf dem Plateau des  Oberleiser Berges. Diese Kirche mit romanischen und gotischen Bauelementen musste auf Anordnung Kaiser Josefs II. abgetragen werden. Die Pfarrkirche wurde darauf hin 1791 so umgestaltet, dass die alte Wallfahrtskirche mit ihren gotischen Elementen hineingebaut wurde.

Pfarr- und Wallfahrtskirche Oberleis
Pfarr- und Wallfahrtskirche Oberleis
Pfarr- und Wallfahrtskirche Oberleis

Nun steigen wir die letzten Höhenmeter hinauf auf das Plateau des Oberleiser Berges, das heute von einem hölzernen Aussichtsturm überragt wird.

Aussichtsturm am Oberleiser Berg (457 m)

Der Oberleiser Berg war schon in prähistorischer Zeit besiedelt. Funde aus der Jungsteinzeit (4000 v. Chr) und der Bronzezeit (2300 – 1600 v. Chr.) sind Zeichen frühester Besiedlung. In der Zeit der Kelten (300 v. Chr.) war der Ort ein wichtiger Handelsplatz. Im 4. u. 5. Jhdt. lag hier ein germanischer Königssitz unweit des römischen Donaulimes.

Oberleiser Berg – Blick nach Süden
Oberleiser Berg – Blick nach Südenosten

Nach dem Abstieg vom Plateau machen wir eine Ehrenrunde um den Hausberg, nachdem uns eine alte Markierung unvorsichtig werden ließ. Macht halt ein paar Meter mehr. Dafür finden wir zahlreiche Kugeldisteln am Straßenrand. Ein kurzer Regen lässt uns wieder die Adjustierung wechseln.

Drüsenblättrige Kugeldistel (Echinops sphaerocephalus L.),

Auch die Herbstzeitlosen wachsen plötzlich in Mengen.

Herbstzeitlose (Colchicum autumnale L.)

Wir kommen in den großen Leiser Wald. Der Weg ist sehr gut begehbar. Es geht etwa 7,5 km immer leicht auf und ab.

Direkt am Wegrand wachsen zahlreiche Pilze. An einem Abschnitt stoßen wir auf eine wahrliche „Parasol-Meile“. Hunderte frische Parasole wachsen am Wegrand oder vielleicht 15 m im Wald. Genug, um ein ganzes Dorf zu verköstigen.

Gemeine Riesenschirmling, Parasol oder Riesenschirmpilz (Macrolepiota procera SINGER)
Parasole

Endlich kommen wir wieder aus dem Wald und blicken in die weiten Hügel Richtung Tschechien.

Bei Patzmannsdorf

Unter uns liegt der kleine Ort Patzmannsdorf, wo wir unser Quartier aufschlagen.

Patzmannsdorf

Wir kommen an einer kleinen Kellergasse vorbei. In den Häuschen befindet sich der Zugang zum eigentlichen Keller tief unter der Erde.

Patzmannsdorf – Kellergasse

Die Pfarrkirche von Patzmannsdorf. Die Kirche war einst eine Wehrkirche Die noch heute größtenteils erhaltene Wehrmauer, war früher höher und mit Schießscharten versehen. Rund um die Kirche befand sich bis ins 19. Jahrhundert ein Wassergraben.

Patzmannsdorf – Pfarrkirche St. Martin
Patzmannsdorf – Pfarrhof

Wir nächtigen heute in der Pension Hammermüller. Da das gleichnamige Gasthaus heute Ruhetag hat, werden wir von der Chefin verpflegt.

Patzmannsdorf – Pension Hammermüller
Patzmannsdorf – Pension Hammermüller

Tagesstrecke: 19,1km; ↑ 241 m; ↓ 315 m

26. Tag Mittwoch, 14. September 2022 Unterolberndorf – Ernstbrunn

Wir gaben so ausgiebig geruht wie schon lange nicht mehr. Einerseits waren wir vom Marsch über den Bisamberg und die nachfolgenden Hügel müde, andererseits gab es auch nichts, was wir im Ort unternehmen hätten können.

So sind wir in der Früh recht munter und kommen zeitig zum Frühstück. Danach starten wir unsere neue Tagestour.

Auf dem Weg durch den Ort fallen uns einige renovierte und nicht renovierte Bauten mit Jugendstilmerkmalen auf.

Jugendstilhaus in Unterolberndorf

Die Obstgärten und Felder zeigen bereits reife Früchte, die auf die Ernte warten.

Apfelbäume
Kürbisfeld im Kreuttal am Rußbach

Die Luisenmühle am Rußbach zeigt sich sehr herrschaftlich. Das Gebäude wurde Mitte des 17.Jahrhunderts erbaut, besonders markant ist der „Zwiebelturm“. Es ist in Privatbesitz.

Luisenmühle im Kreuttal

Eine Rehgeiß schaut interssiert zu uns Wanderern, ehe sie sich in den Wald zurückzieht.

Rehgeiß

Leider haben wir nun einige Kilometer auf Asphalt zurückzulegen. Wir werden aber durch das „Schönste Blumendorf Europas“ belohnt. Es gibt im Zentrum zwar keinen Internetempfang, ja nicht einmal einen Mobiltelefonempfang, aber nett ist es.

Hornsburg, ein Blumendorf
Hornsburg
Hornsburg – Dorfkapelle
Hornsburg – Mega-Insektenhotel

Wir setzen unsere Wanderung weiter auf der Straße fort und dürfen nach einem Kilometer in den Wald abbiegen. Vorher haben wir noch eine schöne Aussicht in die Hügellandschaft.

Nach Hornsburg
Hornburg – Blick bis ins Wiener Becken
Wieder Waldwege
Pilze im Schutz eines Baumstumpfes

Als wir in Großrußbach ankommen, beginnt es zu nieseln. Wir besuchen die gotische Pfarrkirche, die aus dem 14. Und 15. Jhdt. stammt, ihre Inneneinrichtung ist der Neugotik von 1908 zuzuordnen.

Pfarrkirche Großrußbach
Pfarrkirche Großrußbach

Das Schloss Großrußbach entstand durch Erweiterung des Pfarrhofes aus dem 15. und 16. Jhdt um Seitenflügel im Jahr 1739. Heute befindet sich hier ein Bildungshaus der Erzdiözese Wien.

Schloss Großrußbach

Hier treffen wir auf mehrere Pilgerwege: auf den Weinviertler Jakobsweg, auf den Internationalen Pilgerweg 126 „Via Slavorum“ von Krakau nach Rom und den „Klemens Maria Hofbauer-Pilgerweg“.

Leider fängt es leicht zu regnen an, wir brauchen die Regenbekleidung aber nur kurz.

Jakobsweg
Via Slavorum
Klemens Maria Hofbauer-Pilgerweg

Auf den nächsten Kilometern werden richtige Pilgererinnerungen wach, erinnert die Landschaft im Kleinen an den Camino durch die Meseta im Frühjahr.

In den Hügeln
Am Jakobsweg
Blick in Richtung Donautal, im Hintergrund der Schneeberg

Die Kürbisse haben sich auch schon in Reih und Glied aufgereiht, um geerntet zu werden!

Ölkürbis
Späte Blüte des Ölkürbisses

Am südlichen Ortsausgang von Hipples steht ein spätgotischer, achtseitiger Tabernakellichtpfeiler des späten 15. Jhdt.

Bildstock in Hipples

Auch dieses schön renovierte Wohnhaus fällt uns auf.

Wohnhaus in Hipples

Über einen Hügel müssen wir noch, dann liegt unser heutiges Etappenziel Ernstbrunn vor uns.

Blick auf Ernstbrunn

Vor dem Bahnhof steht eine alte Dampflok, die an die Eröffnung der Bahnlinie Korneuburg – Ernstbrunn 1904 erinnert. Damit wurde der Verkehr mit der Postkutsche eingestellt.

Dampflok in Ernstbrunn

Wir kommen auf den langzogenen Hauptplatz von Ernstbrunn, der erst vor kurzem neu gestaltet wurde.

Ernstbrunn
Ernstbrunn

Die barocke Pfarrkirche St. Martin wurde um 1760 errichtet. Der älteste Teil aber, die Felixiankapelle, hat romanische und gotische Bauelemente.

Pfarrkirche St. Martin
Pfarrkirche St. Martin
Pfarrkirche St. Martin – Felizian-Kapelle in Renovierung

Wir nächtigen heute im Privatzimmer der Pizzeria Speranza, in der Hoffnung auf gute Nachtruhe. Das Mittagessen war schon einmal Spitze.

Pizzeria Speranza
Unser Zimmer

Tagesstrecke: 18,4 km; ↑ 284 m; ↓ 211 m

25. Tag Dienstag, 13. September 2022 Langenzersdorf – Unterolberndorf

Nach ruhiger Nacht stärken wir uns bei einem guten Frühstücksbuffet und machen uns auf den Weg zum Bahnhof. Rasch kommt ein Zug, der uns wieder nach Langenzersdorf zurück bringt, wo wir die heutige Etappe starten.

Auf dem Hauptplatz versuchen wir vergeblich, einen Stempel für unseren Wanderpass zu bekommen. Das Gemeindeamt ist noch geschlossen, in der Bäckerei ist man äußerst unfreundlich. Macht nix, machen wir selber.

Langenzersdorf
Langenzersdorf

Rasch finden wir die Markierung für unseren Weg und die erste Herausforderung, der Bisamberg, liegt vor uns.

Markierung Weitwanderweg 07
Aufstieg zum Bisamberg

Besonders am Anfang geht es recht steil zur Sache. Der Weg ist auch durch die letzten Niederschläge etwas ausgewaschen.

Aufstieg zum Bisamberg
Aufstieg zum Bisamberg

Wir werden mit guten Blicken auf Klosterneuburg und das Donautal belohnt.

Klosterneuburg
Donautal
Skyline von Wien

Erst einmal auf dem Berg, geht es meist leicht wellig dahin. Die Vegetation ist sehr gemischt.

Weite Wiesen
Mehlbeere (Sorbus aria (L.) CRANZ)

Auf einer nobel gepflasterten Straße durch den Weinberg steigen wir nach Hagenbrunn ab. Einige der Traubensorten sind schon teif und werden maschinell oder per Handarbeit geerntet.

Abstieg nach Hagenbrunn
Süße Trauben
Handlese

Wir sind am richtigen Weg!

Markierungen für den O7, den Niederöstereichischen Landesrundweg und den E8

Durch das Abernten des Maisfeldes stehen die Rehe verstört auf der Wiese.

Rehe

In Manhartsbrunn wollen wir einkehren. Ein Gasthaus ist am Dienstag geschlossen, das nächste wegen Urlaub gesperrt und das dritte öffnet erst um 16 Uhr. Das Mittagessen wird durch eine Banane, durch Nüsse und Trockenmarillen ersetzt.

Manhartsbrunn

Nach Mannhartsbrunn müssen wir ein Stück auf der Landesstraße gehen. Es ist aber wenig Verkehr. Dafür werden wir danach wieder mit einem bequemen Waldweg belohnt.

Landesstraße L3102
Waldweg

Bisweilen gibt es auch Spuren von Wildschweinen, die am Wegrand aktiv waren.

Wildschweinfährten

Wir verlassen den Wanderweg 07 und zweigen ins Kreuttal nach Unterolberndorf ab.

Hier nächtigen wir im Gasthaus Magister, das früher „Gasthaus zum grünen Jäger“ hieß.

Gasthaus Magister, früher „Zum grünen Jäger“

Es war im Juni 1984. Sieben Männer aus Schwarzafrika sprachen im Gasthaus „Zum grünen Jäger“ vor. Sie wollten für einige Tage bleiben. Einer der Männer war Yoweri-Kagute Museveni, damaliger Präsident der Republik Uganda. Was danach folgte, klingt unglaublich. Der Präsident und seine Begleitschaft arbeiteten in diesen Tagen das „Unterolberndorfer Programm“ aus, welches in Uganda heute noch als solches bezeichnet wird. Ein einmaliges Erlebnis, über das wir heute noch sehr gerne erzählen.“ Aus der Website der Fam. Magister

Info – Tafel
1 Quadratmeter Uganda

Leider hat das Gasthaus nach 15 Uhr wegen Personalmangels gesperrt und wir versäumen die bekannt gute Küche des Hauses. In einer Buschenschank bekommen wir einen ausgezeichneten Schweinsbraten mit Sauerkraut und Knödel. Da werden wir sicher gut schlafen.

Gasthof Magister

Tagesstrecke: 23,4 km; ↑ 477 m; ↓ 436 m