17. Tag Freitag, 03. Juli 2020 Binzwangen – Rothenburg ob der Tauber

Ich bekomme mein Frühstück auf der Dachterrasse serviert. Das ist sicher schöner als im Zimmer. Die Gastgeberin erzählt von ihrem Dorf, das nichts als Ruhe und Beschaulichkeit zu bieten hat und vor allem von Kindern und Schülern sehr gut angenommen wird. Ich starte bei angenehm kühler Temperatur und heiterem Himmel um 8 Uhr. Heute habe ich ja nicht weit. Vor dem Gasthaus ist heute der „Corona-Tisch“ noch leer.

Die Gegend ist flach, die Hügel kaum der Rede wert. Hier darf man noch über echte Wiesenwege wandern. Gut, dass sie schon einmal gemäht worden sind, sonst hätte mich fast ein schlechtes Gewissen geplagt. Es gibt auffällig viele Flächen ohne Intensivnutzung. Dort finden sich dann viele Blütenpflanzen.

Wiesenweg vor Stettberg
Wiesenstorchschnabel (Geranium pratense L.)
Blick auf Geslau

Vor einem ehemaligen Fischteich wird der Jakobsweg umgeleitet. Ich suche mir eine Eigenversion und lese auf einer Tafel, dass ein neuer Eigentümer Probleme mit der Behörde hat.

Ehemaliger Fischteich bei der Karachmühle

Rundum zwitschern die Vögel, steigen die Lerchen in die Lüfte und der Rotmilan scheint um mich zu kreisen, obwohl ich eigentlich nicht in sein Beuteschema passe.

Rotmilan (Milvus milvus L.)

Wieder bin ich am Wasserscheideweg unterwegs.

Eine schöne Einrichtung ist, dass am Wegrand Obstbäume zum Genießen freigegeben sind. Die reifen Früchte sind entweder schon abgeerntet oder so hoch oben, dass sie für uns Kleinen unerreichbar sind. Eine nette Frau erntet gerade ihre „frühen“ Kirschen und bietet mir auch welche aus ihrem Korb an. Ich pflücke sie mir selbst vom Baum.

Dann komme ich zum „Lug ins Land“ und sehe zum ersten Mal Rothenburg.

Bis zur Stadt sind es noch vier Kilometer, doch auch das ist bald gut geschafft und ich beziehe mein Quartier gleich hinter dem Galgentor in der Rosengasse.

Im 2. Weltkrieg wurden viele Gebäude im Osten zerstört, weil Rothenburg von Bombern als Ersatzangriffsziel angeflogen wurde. Vor der Einnahme der Stadt durch die US-Truppen wurde von einer Beschießung Abstand genommen, weil der zuständige US-Kommandant von seiner Mutter gehört hatte, welches Kleinod die Stadt sei. Rothenburg und Hallstatt haben eines gemeinsam: vor Corona – „Overtourism“, vor allen durch Gäste aus Fernost und den USA, nach Corona „tote Hose“. Beides sind halt Extreme.

Ich gehe zur evangelisch-lutherischen Stadtpfarrkirche St. Jakob, die die Hauptkirche der Stadt ist. Ihre Ausstattung ist einzigartig. Hier treffe ich den Pilgerfreund vom Vorjahr wieder.

Jakobskirche

Als Pilger auf dem Jakobsweg ist der Eintritt frei. Ich freue mich über einen schönen Stempel und tratsche mit der Kassiererin, weil der Andrang an der Kasse gleich Null ist. Dann gebe ich mich dem Kunstgenuss hin.

Zwölf-Boten-Altar 1466
Maria-Krönungs-Altar
Hinter der Orgel steht der Heiligblut-Altar
Heiligblut – Altar von Tilmann Riemenschneider 1501
Johannes schläft auf dem Schoß Jesu (versteckt)
Heiligblut – Reliquie im Bergkristall

Nach einer Stärkung mit Fränkischer Bratwurst und Sauerkraut setze ich die Stadtbesichtigung fort. Es ist wie in einer Bilderbuchstadt. An jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken.

Von den Stadtmauern kann man in das Tal der Tauber sehen, aber auch die Ausdehnung der Altstadt erahnen.

Durch ein anderes Tor geht es zurück in das Zentrum.

Der von der Tauber abgewandte Teil der Stadt wird von einer langen Stadtmauer umgeben, die auf einem schmalen Brüstungsgang begangen werden kann. Bei jedem Turm gibt es einen Zugang.

Dann muss ich noch die lokale Süßspeisenspezialität verkosten: die Rothenburger Schneeballen, die es in verschiedenen Geschmacksrichtungen gibt. Nach einer 3/4 Portion bin ich voll.

Rothenburger Schneeballen

Jetzt ist es aber Zeit für eine Erholung in der Pension Becker in der Rosengasse.

Pension Becker

Route auf alpenvereinaktiv.com

Tagesstrecke:  19,3 km; ↑ 119 m; ↓ 119 m

5 Gedanken zu „17. Tag Freitag, 03. Juli 2020 Binzwangen – Rothenburg ob der Tauber

  1. Eckl

    Wunderschöne Bilder und keine Hektik. Ich habe Rothenburg als total überfüllt und Touristenhochburg mit Asiaten, Amerikanern und wer weiß was im Sinn.

    Antworten

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