Wie gestern berichtet, übernachte ich nicht am Endpunkt der gestrigen Etappe. Ich fand ein paar Kilometer rheinaufwärts eine Unterkunft in Bad Breisig. So führt heute mein erster Weg einmal auf den Bahnhof von Bad Breisig, um in vier Minuten Bahnfahrt in Sinzig mit der heutigen Tagesetappe zu starten.
Auf einem Hügel liegt das alte Zentrum des Ortes mit der St. Peter-Kirche. Der heutige Bau stammt von etwa 1225 bis 1241.
St. Peter-Kirche und Rathaus
In seiner Blütezeit vom 12. bis 14. Jahrhundert war Sinzig Sitz einer Kaiserpfalz mit zahlreichen Aufenthalten deutscher Könige und Kaiser. Friedrich I. Barbarossa weilte 1152, 1158 und 1174 in der Pfalz, weswegen sich die Stadt auch Barbarossastadt nennt. In der Stadt stehen einige „Barbarossas“ in verschiedenen Ausführungen.
Dem Radrennfahrer Rudi Altig wurde in der Stadt ein Denkmal gesetzt.
Ich durchquere das Tal der Ahr.
In der Kriegsgräberehrenstätte Bad Bodendorf liegen viele Opfer der umliegenden Kriegsgefangenenlager wie das „Lager Goldene Meile“ der Amerikaner in Remagen.
Bad Bodendorf hat ein kleines, altes Zentrum.
Ich steige hinab nach Remagen. Eigentlich wollte ich nur am Stadtrand vorbeigehen, bin aber dann doch ins Zentrum gegangen.
In einer Unterführung wird auf die wichtige Rolle der Römer für die Stadt hingewiesen.
Die Kirche St. Peter und St. Paul wurde auf einem römischen Kastell errichtet. Das alte Tor führt in den Kirchgarten. Die Kirche ist eine Sammlung von Baustilen, die aber gut integriert sind.
Auf dem Weiterweg komme ich an der neugotischen Kirche St. Apollinaris vorbei, dessen Kopfreliquie hier verehrt wird. Das Innere der Kirche ist durch Nazarener der Kunstakademie Düsseldorf in ihrem typischen Stil gestaltet worden.
Die Familie Fürstenberg-Stammheim, einst die größten Grundbesitzer in Rheinland und Westfalen, haben ihre Familiengruft hier.
Zum ersten Mal sehe ich dank des klaren Wetters mein Ziel Köln in der Ferne.
Von Ferne ist die Radarkuppel des Fraunhofer-Instituts für Hochfrequenzphysik und Radartechnik auf dem Wachtberg zu sehen.
Nette Immobilie
Ich komme in Oberbachem an und finde bei der Familie Blaeser Unterkunft, die sich besonders der Pilger annimmt. Sehr viel Herzlichkeit und Unterstützung erwartet mich hier.
Um 7 Uhr ist es noch sehr finster. Daran sind auch die Regenwolken schuld, die über dem Land hängen. Ich hoffe zwar, dass sie sich bis nach dem Frühstück verziehen, sie haben sich anders entschieden. Ich gönne mir ein Genießer-Frühstück in einer Bäckerei.
Dann kommt mir noch eine Entdeckung von gestern in den Sinn. Das älteste Beerdigungsinstitut der Stadt bietet für Menschen mit besonderer Affinität zur Stadt spezielle Särge mit Andernach-Bezug:
Ich starte meinen Weg rheinabwärts direkt am Strom.
Hier verlaufen die vierspurige B9, der Radweg, die linke Eisenbahnstecke, die Kölnerstraße, der Rhein, die Uferstraße am rechten Ufer, die rechte Eisenbahnstrecke und die B42 parallel durch einen schmalen Talabschnitt.
Da gibt es sogar einen überdachten Fuß-Radweg.
Hinter der Burg Namedy, einer Wasserburg, liegt die Pfarrkirche St.-Bartholomäus, wo einst das Zisterzienserinnenkloster (um 1255) stand. Die Integration von Alt und Neu finde ich sehr gelungen.
Danach geht’s auf den Berg. Es sind etwa 245 Höhenmeter auf den nächsten 3,5 km zu überwinden. Leider finde ich mich in den Wolken wieder.
Beim Abstieg stoße ich auf einen ausgezeichnet gestalteten Lehrpfad zum Thema Geologie der Vulkaneifel und die Nutzung der Ressourcen durch den Menschen.
Alter BasaltsteinbruchAbbau von Basalt.Abfallstücke
Herrlicher Ausblick in das Rheintal!
Beim Abstieg wird der Weg wieder schmal.
Ich komme nach Brohl-Lützig und bleibe auf einer Nebenstraße im Tal. Der Regen wird nun stärker und der Weg über den Berg ist eher gefährlich. Viel los ist hier auch nicht.
An Bad Breisig mit seiner Therme gehe ich vorerst vorbei. In Oberbreisig, dem historischen Ursprung, steht eine spätromanische Kirche aus dem 13. Jhdt. mit Fresken aus dem 13. bis 16. Jhdt.
Nach Oberbreisig geht es für heute zum letzten Mal auf die Hochebene hinauf und sanft durch den Wald wieder hinunter nach Sinzig.
In Sinzig strebe ich nur rasch dem Bahnhof zu, weil ich nach Bad Breisig zurückfahre. Es ist im Moment sehr schwierig, eine geeignete Unterkunft zu finden.
In Bad Breisig sehe ich mich ein wenig um und finde in der barocken Kirche St. Marien eine Kreuzreliquie, die durch die Templer ins Land gekommen ist.
Wieder fängt es zu regnen an, aber nach einem Stück Bienenstich ist sogar die Sonne da.
Ich nächtige heute im Quellenhof in Bad Breisig unweit der Römertherme. Das Essen im Chinarestaurant ist nicht besonders zu kommentieren.
Ich hatte eine sehr ruhige Nacht im Kloster und hoffte auf gutes Wetter in der Früh.
Leider ist es noch sehr feucht, als ich das Haus verlasse. In einer Bäckerei esse ich ein Rosinenweckerl für vier. Damit werde ich einmal weit kommen. Bei der Balduinbrücke komme ich an die Mosel, der ich nun ein paar Kilometer bis Güls folge.
BalduinbrückeMoselufer
Die Eisenbahnbrücke bei Güls hat noch einen kombinierten Rad-Fußweg angebaut. Leider kam gerade kein Zug daher. Nun führt der Weg natürlich auf den Berg im Hintergrund.
Auf dem Napoleonsteig ritt einst der Kaiser der Franzosen auf seiner Inspektionstour durch die Pfalz. Der Ausblick auf das letzte Stück des Moseltales soll ihn sehr beeindruckt haben.
Güls
Ich treffe auf ein Schild zum Europäischen Fernwanderweg E8, der von Irland – England – Niederlande – Deutschland – Slowakei bis in die Rhodopen verläuft. In Zukunft soll der E8 bis nach Istanbul in der Türkei reichen, auf der gesamten Strecke durchgehend begehbar und einheitlich gekennzeichnet sein. Ich habe ihn schon mehrfach gekreuzt.
Die „Rüwenacher Möck“ in Rübenach droht von einem Sockel herab.
Ich komme ins Vulkanland. Immer öfters wird Tuffgestein als Baumaterial verwendet.
RübenachRübenach
Das Gebiet ist voll mit Obstplantagen: Kirschen, Zwetschken, Äpfel, aber auch Aroniabeeren.
Kirschbaum mit massiver Veredelungsstelle
Ich komme nach Andernach, eine der ältesten Städte in Deutschland.
Burg Andernach
Julius Cäsar hat hier in der Nähe 55 v. Chr. in zehn Tagen eine Brücke über den Rhein schlagen lassen. (Commentarii de bello Gallico)
Eine Kirche will ich euch nicht vorenthalten. Die Marienkirche war stets Stadtkirche und Bischofsdom zugleich und darf sich daher mit Recht „Mariendom“ nennen. Hier war gerade so etwas wie Tag der offenen Kirchtür und ich konnte sogar auf die Empore steigen. Man erzählt mir, dass der Erzbischof von Köln der weltliche (!) Herrscher über die Stadt war, der Erzbischof von Trier aber der geistliche. Nachdem der Kölner die Stadt von Friedrich I. geschenkt bekommen hatte und die Burg Rheineck wiederaufbauen ließ, zog der Trierer mit der Marienkirche nach.
Marienkirche und Dom 1196 -1220MarienkircheEmpore
Der Geysir Andernach, auch Namedyer Sprudel genannt, auf dem Namedyer Werth (Krummenwerth), der mit etwa 55–60 Metern der höchste Kaltwassergeysir der Welt ist, ist wohl die beeindruckendste Attraktion der Stadt. Der Sprudel sprang bereits erstmals 1903 nach einer Bohrung und wurde kommerziell als Mineralquelle genutzt. Mit dem Schiff fährt man zwei Kilometer stromabwärts zur Halbinsel.
Zuerst kommt schäumendes CO2 -hältiges Wasser.Dann treibt der Druck die Fontäne bis 60 m hochJe nach Wind wird die Umgebung nass
Bei der Rückfahrt passieren wir den alten Krahnen, ein gemauerter Hebekran von 1561. Der Alte Krahnen war damals die größte Verladevorrichtung an Deutschlands Binnengewässern und diente 350 Jahre lang der Verladung von Weinfässern und der aus dem Eifelraum angelieferten Mühl- und Tuffsteine bis ins Jahr 1911.
Alter Krahnen
Nach so vielen Kilometern und interessanten Eindrücken brauche ich etwas zu essen. Heute ist es ein Rumpsteak von deutschem Rind im Angebot, wie die Speisekarte hervorhebt und nicht von südamerikanischem, wie sonst überall offeriert. Gut war es!
Zu guter Letzt bin ich heute im Spital gelandet. Nein, ich bin nicht krank oder verletzt. Das St. Nikolaus-Stiftshospital Andernach stellt ein Zimmer im Personaltrakt für Pilger zur Verfügung und kommt so seiner alten Verpflichtung nach.
Heute bin ich früher unterwegs, obwohl das Frühstücksbuffet sehr umfangreich ist und ich nicht gerade wenig esse. Wer weiß, wo die nächste Möglichkeit zum Essen kommt.
Dann geht es hinaus in die frische Natur. Es ist überraschend warm, schaut aber feucht aus.
Auf der Rheinpromenade
In Boppard gibt es seit 1954 einen Sessellift zum Vier-Seen-Blick. Er überwindet 230 m Höhendifferenz in 20 Minuten. Ich bin froh, dass ich vor Betriebsbeginn oben ankomme. Sehr viel länger habe ich über den „Klettersteig“ auch nicht gebraucht.
Sessellift aus den 50er Jahren„Klettersteig“Die ersten Sonnenstrahlen kommen durch
Von oben kann man die Bopparder Schleife so richtig genießen. Der Fluss mäandriert mehr als 180 Grad.
Bopparder Schleife
Vom Vier-Seen-Blick sieht man nicht wirklich vier Seen, sondern vier Stellen des Rheins.
Vier-Seen-Blick
Nach der Überwindung der ersten Geländekante geht es zwar nicht immer bergauf, aber wesentlich gemütlicher dahin.
Mit solchen Schlitten und Seilwinden werden die steilen Hänge befahren. Dieser Weingarten gehört einem Verein von Weingartenfreunden, die diese Riede bewirtschaften. Mir kommt eine lustige Kindergartengruppe entgegen, die ihre Rebzeile besuchen will.
Auch auf der rechtsrheinischen Seite stehen viele Burgen, wie die Marksburg aus dem 12. Jhdt. Im Hintergrund sieht man die drei Kamine der Blei- und Silberhütte Braubach. Der Bergbau wurde 1963 geschlossen.
Rhens ist eine kleine Stadt, deren Kern von einer hohen Mauer mit mehreren Toren umgeben ist. Dort sind noch zahlreiche Fachwerkhäuser zu finden.
In die Annalen der Geschichte hat sich Rhens durch den Königsstuhl von Rhens eingeschrieben. Ein zweigeschoßiger Bau erinnert an die Verhandlungen der Kurfürsten zur Wahl der römisch-deutschen Könige sowie einige Königswahlen, die hier stattfanden. Der jetzige Bau ist eine Replik aus dem 19. Jhdt.
Königsstuhl
Hoch über dem Ort liegt mitten im Wald der jüdische Friedhof von Rhens, der auf die 1850er zurück geht.
Jüdischer Friedhof
Von oben habe ich bei Sonnenschein einen schönen Ausblick auf das Hunsrückgebiet.
Hunsrück
Ich passiere die Stelle, wo sich Linksrheinischer Jakobsweg und der Mosel-Camino trennen. Ob ich jetzt auf mehr Pilger treffe?
Ich erspare es mir, zum Schloss Stolzenfels hinunter zu steigen, da ich es ohnehin nicht besichtigen will. So sehe ich es von Augustaweg aus.
Der Abstieg wird dann etwas sportlich. Eine Downhillstrecke für Mountainbiker bietet sich da an. Es ist für mich einfacher als über einen Gehweg hinter zu kommen, weil ich meine Schrittlänge nicht den Stufen anpassen muss.
Die überhöhten Kurven kommen meinem Tempo entgegen!
An dieser Stelle stand einst ein Hotel, in dem 1948 die Gründung der Bundesrepublik Deutschland und das Grundgesetz beschlossen wurden.
Jetzt komme ich in Koblenz an. Entlang des Rheins komme ich bis zum Deutschen Eck, wo das Wilhelmsdenkmal am Zusammenfluss von Rhein und Mosel steht.
Wilhelmsdenkmal am Deutschen Eck
Auf meinem Spaziergang durch die Stadt komme ich noch an schönen Gebäuden vorbei. Die meisten sind im 2. Weltkrieg zerstört und dann wiederaufgebaut worden, so die Liebfrauenkirche, die auf das 5. Jhdt. zurückgeht.
LiebfrauenkircheLiebfrauenkircheLiebfrauenkirche
Oder die Basilika St. Kastor, deren erster Bau im 9. Jhdt. vollendet wurde.
Basilika St. KastorBasilika St. KastorBasilika St. Kastor
Auch moderne Architektur gibt es in der Stadt wie das Forum Confluentes, ein Kulturgebäude mit Museen, Büchereien und Tourist-Info.
Ich nächtigen heute im Gästehaus der Barmherzigen Brüdern von Maria-Hilf in der Florinspfaffengasse. Das neu renovierte Haus hat allen notwendigen Komfort.
Beim Essen bleibe ich international. Die „deutschen“ Gasthäuser sind entweder schickimicki oder überfüllt. So fällt meine Wahl auf ein spanisches Restaurant mit herrlichen Tapas zu vernünftigen Preisen und hohen Hygienestandards.
Man schreibt zur Bestellung die Nummern seiner Wahl einfach auf die Tafel.
Heute komme ich sehr spät aus dem Haus, weil das Frühstück erst ab 8 Uhr möglich ist. In der Nacht war es zwischenzeitlich sternklar. In der Früh wird es zunehmend bewölkt, ohne zu regnen.
Ich gehe gleich den ersten Anstieg an. Die Burg Rheinfels liegt rund 70 m über dem Rhein und der Weg hinauf ist etwas steil.
Landgericht und Schifffahrtsgericht
Die Burg war zwischenzeitlich die größte Festung Deutschlands. Sie war im Mittelalter der Sitz der Grafen von Katzenelnbogen.
Danach geht es sofort wieder runter und auf der anderen Seite wieder hoch.
Ich gehe einen kleinen Weg auf halber Höhe der Rheinböschung.
Hier wurde in der Vergangenheit Schiefer abgebaut. Hin und wieder trifft man auf Spuren des Bergbaus.
Schieferabbau
Jeder Ausblick ist eine neue Überraschung.
Die tiefen Seitentäler sorgen für ein häufiges Auf und Ab.
Manchmal geht der Weg auch über Trockenmauern oder über schmale Pfade.
Bin ich da doch nicht allein? Ich glaube, er steht immer noch da.
Hier wurde die Kultivierung von niederen Eichenbäumen gefördert, weil aus der Rinde Eichenlohe zum Gerben gewonnen wurde.
Wenn es nicht gerade zu nieseln anfangen würde, wäre eine Pause schön.
Die Kirche St. Peter in Weiler, hoch über dem Rhein, wurde im 13. Jhdt. erbaut. Die Statue des St. Petrus wurde um 1340 geschaffen.
Am Eingang von Boppard komme ich beim Kloster Marienberg vorbei, das bereits um 1120 gegründet wurde. Nach einem Brand erbaute man das gesamte Kloster von Grund auf neu (1738). Heute ist es in sehr schlechtem Zustand.
Eine große Stadtmauer trennt die Altstadt von Boppard von den neueren Teilen.
Gleich dahinter liegen auch die Reste des römischen Kastells.
Auf dem Marktplatz steht die Basilika St. Severus. Die Kirche ist innen und außen eine Augenweide.
Die Oberstraße ist die wichtigste Straße in der Altstadt.
Das Wetter meint es heute wieder gut mir. In der Früh ziehen dicke, dunkle Wolken übers Land, es bleibt aber nahezu trocken. Ich starte meinen Weg mit dem Abstieg in die Stadt.
Treppe zur Stadt
Zuerst komme ich zur Ruine der Werner-Kapelle, die zum Gedenken an einen angeblichen jüdischen Ritualmord errichtet wurde. Der Tod des 16- jährigen Werner 1287 hatte Judenprogome zur Folge. 1963 wurde der Hl. Werner aus dem Heiligenregister gestrichen.
Rheinromantische Wernerkapelle zu Bacharach ab 1289
Die Kirche St. Peter ist eine ehemalige Stiftskirche und heute evangelische Kirche der Stadt.
Die Kirche St. PeterDie Kirche St. PeterOrgelprospekt aus 1792–1793
In der Marktstraße stehen einige alte Fachwerkhäuser.
MarktgasseErrichtet 1673
Jetzt geht es steil im Weinberg bergauf. Die Alternative wäre ein kilometerlanger Umweg gewesen.
Dafür werde ich mit einer tollen Aussicht belohnt.
BacharachRheinschleife bei Bacharach
Über dem Rhein liegen große Flächen mit Feldern und Wiesen, die immer wieder von tiefen Gräben mit kleinen Bächen unterbrochen werden. Das sorgt für viele Höhenmeter und große Umwege.
Der nächste Ausblick zeigt die Burg Pfalzgrafenstein, eine Zollstation auf einer Insel nahe Kaub.
Pfalzgrafenstein
Der nächste Ort, durch den ich komme, ist Oberwesel. Langgezogen liegt der Ort zwischen Rhein und Weinberg. Da ist noch Platz für eine Befestigungsanlage mit Wehrtürmen. Die Burg Schönburg wird als Jugendherberge benutzt.
Schönburg
Die Liebfrauenkirche aus dem 14. Jhdt. überrascht mit alten Fresken und grandiosen Kunstwerken.
LiebfrauenkircheSt. MartinLettner
Der Goldaltar ist einer der ältesten hochgotischen Schreinaltäre in Deutschland.
Vor dem Rathaus wirbt ein auffälliges Weinglas für die Winzer.
Gleich hinter der Stadt führt der Ölbergsteig auf die nächste Hochfläche hinauf. Eine Tafel weist auf die alpine Struktur des Weges hin.
Zuerst geht es gemütlich durch die Weingärten dahin.
Man sollte schon schwindelfrei sein.
Dann kommen Eisenklammern als Steighilfen zum Einsatz.
Schließlich benötigt man eine Leiter, um zur nächsten Terrasse hochsteigen zu können.
Der Rest des Weges ist wegen eines Felssturzes gesperrt, über eine leichte Umleitung komme ich auf eine große Wiese.
Der landschaftliche Höhepunkt des Weges ist die Loreley, jene Felsen am Rhein, die in der Romantik die Dichter anregten.
Loreley
Ein Gedicht von Heinrich Heine aus dem Jahre 1824, das die von Clemens Brentano erfundene Kunstsage Loreley zum Thema hat, wurde von vielen Komponisten und Komponistinnen bearbeitet. Ich möchte euch den Text nicht vorenthalten.
Gedenktafel an Heine, Brentano und Silcher, den Komponisten der bekanntesten Melodie
Lied von der Loreley (Heinrich Heine)
Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin; ein Märchen aus alten Zeiten, das kommt mir nicht aus dem Sinn.
Die Luft ist kühl und es dunkelt, und ruhig fließt der Rhein; der Gipfel des Berges funkelt im Abendsonnenschein.
Die schönste Jungfrau sitzet dort oben wunderbar; ihr goldnes Geschmeide blitzet, sie kämmt ihr goldenes Haar.
Sie kämmt es mit goldenem Kamme und singt ein Lied dabei; das hat eine wundersame, gewaltige Melodei.
Den Schiffer im kleinen Schiffe ergreift es mit wildem Weh; er schaut nicht die Felsenriffe, er schaut nur hinauf in die Höh.
Ich glaube, die Wellen verschlingen am Ende Schiffer und Kahn; und das hat mit ihrem Singen die Lore-Ley getan.
Loreley
Es gibt aber auch einen jüngeren Schriftsteller, der sich der Loreley angenommen hat: Erich Kästner mit seinem Gedicht.
Der Handstand auf der Loreley (Nach einer wahren Begebenheit)
Die Loreley, bekannt als Fee und Felsen, ist jener Fleck am Rhein, nicht weit von Bingen, wo früher Schiffer mit verdrehten Hälsen, von blonden Haaren schwärmend, untergingen.
Wir wandeln uns. Die Schiffer inbegriffen. Der Rhein ist reguliert und eingedämmt. Die Zeit vergeht. Man stirbt nicht mehr beim Schiffen, bloß weil ein blondes Weib sich dauernd kämmt.
Nichtsdestotrotz geschieht auch heutzutage noch manches, was der Steinzeit ähnlich sieht. So alt ist keine deutsche Heldensage, daß sie nicht doch noch Helden nach sich zieht.
Erst neulich machte auf der Loreley hoch überm Rhein ein Turner einen Handstand! Von allen Dampfern tönte Angstgeschrei, als er kopfüber oben auf der Wand stand.
Er stand, als ob er auf dem Barren stünde. Mit hohlem Kreuz. Und lustbetonten Zügen. Man fragte nicht: Was hatte er für Gründe? Er war ein Held. Das dürfte wohl genügen.
Er stand, verkehrt, im Abendsonnenscheine. Da trübte Wehmut seinen Turnerblick. Er dachte an die Loreley von Heine. Und stürzte ab. Und brach sich das Genick.
Er starb als Held. Man muß ihn nicht beweinen. Sein Handstand war vom Schicksal überstrahlt. Ein Augenblick mit zwei gehobnen Beinen ist nicht zu teuer mit dem Tod bezahlt!
P.S. Eins wäre allerdings noch nachzutragen: Der Turner hinterließ uns Frau und Kind. Hinwiederum, man soll sie nicht beklagen. Weil im Bezirk der Helden und der Sagen die Überlebenden nicht wichtig sind.
Casa Peregrina
Schließlich habe ich nicht mehr weit zum Etappenziel in St. Goar. Der heutige Name der Stadt geht zurück auf den HeiligenGoar, der sich während der Regierungszeit des Frankenkönigs Childebert I. (511–538) an der Stelle der späteren Stadt niederließ.
St. Goar
Die Evangelische Stiftskirche aus dem 16. Jhdt. steht auf einer Krypta aus dem 11. Jhdt.
KryptaFresken in der KryptaSt. Goar
Man muss ja auch etwas essen. Zu Mittag gibt es herrliche, hausgemachte Bandnudeln mit einer Tomaten-Kapern-Soße und am Abend wähle ich Matjes mit Salzkartoffeln.
Die Nächtigung in der Burgherberge auf Burg Stahleck war recht angenehm. Es sind viele Familien mit kleinen Kindern hier zu Gast.
In der Früh muss ich mich beeilen, dass ich nach einem ausgiebigen Frühstück rechtzeitig und gesund den Burgberg ins Tal zur Bahn komme. Ich fahre wieder zwei Stationen zurück nach Trechtingshausen. Das Dorf wirkt wie ausgestorben, auch für einen Sonntag.
Wappen von TrechtingshausenFassadenschmuckNeuwegtor
Gleich zu Beginn hat es der Weg in sich. Auf 2,8 km steigt der Weg um 345 m durch einen engen Graben.
Durch den Trechtingshausener Bach
Die Wildschweine sind in der Nacht bis zum Dorf gekommen.
Wildschweinspuren
Oben komme ich zu den Kölschen Wiesen, was nichts mit dem gleichnamigen Volksfest zu tun hat.
Kölsche Wiesen
Dann geht es bequem weiter bis nach Niederheimbach, das wieder unten im Rheintal liegt.
Die Fichten sind auch schon Opfer des Borkenkäfers geworden.
Über der Burg Sohneck steht die Aussichtswarte zum „Zehn-Burgen-Blick“. Ich kann in der nieseligen Sicht nicht alle erkennen, aber sie werden schon da sein.
Zehn-Burgen-BlickRheinBurg SohneckNiederheimbach im Vordergrund und Lorch hinten
Für jeden Weg einen „Weiser“
Die Burg Heimburg oder Hohneck über Niederheimbach war keine Ritterburg, sondern eine Festung für Soldaten. Um die Burg gibt es eine Märchenpfad mit großen Figuren.
Die Hügel entlang des Rheins werden zum Leidwesen des Wanderers immer von tiefen Taleinschnitten durchzogen. Das heißt: runter und rauf oder ein weiter Umweg. Manchmal auch beides. Das trifft für Oberdiebach zu, das auch auf eine lange Geschichte verweisen kann.
Einige kleine Winzer nützen die Feiertage, um die Trauben zu lesen. Hier ist Handarbeit angesagt.
RieslingleseSchwindelfreiheit ist angebracht
Endlich taucht Bacharach mit der Burg Stahleck auf. Das Wetter ist von Nieselregen auf Sonne umgeschwenkt.
Bacharach
Die Burganlage Stahleck entstand um das Ende vom 11. zum 12. Jhdt. und war lange Zeit im Besitz der Wittelsbacher. In der NS-Zeit war hier ein Umerziehungslager untergebracht. 1926 wurde hier bereits eine Jugendherberge errichtet. Diese Bestimmung hat die Burg auch heute wieder. Eine Besonderheit ist neben der tollen Aussicht der wassergefüllte Halsgraben.
Gestern Abend traf ich drei deutsche Wanderer, die auch das gleiche Quartier reserviert hatten. Wir haben dann beim Abendessen Caminoerlebnisse ausgetauscht.
Nach einer herrlichen Nacht gehe ich ins Nebengebäude, wo die Hausfrau schon das Frühstück vorbereitet hat. Das, was sie für mich vorbereitet hatte, hätte drei sättigen können.
Frühstücksraum
Im Schrothaus, einem Gemeindezentrum, habe ich gestern Abend gegessen.
Schrothaus
Leider hat sich das Wetter etwas verschlechtert. Von Westen kommt eine Störungsfront, die mich aber nur unwesentlich tangiert.
Bei Nieder-Hilbersheim
Die Wallfahrtskirche auf dem Laurenziberg war schon seit dem 7. Jhdt. Mutterkirche für die ganze Umgebung. Seit 1488 gibt es die jährliche Laurenziwallfahrt.
Laurenzikirche
Der nächste „Berg“ ist der Jakobsberg. Dort befindet sich seit 1720 eine Nothelferkirche, aus der 1921 das Kloster Jakobsberg hervorgegangen ist.
Kirche am Jakobsberg
In dieser Weinlaube finden sicher auch Spezialisten Überraschungen.
Weinlaube am Jakobsberg
In Ockersheim steht am Rande des Dorfplatzes dieser Brunnen. Leider ist er nicht mit Wein gefüllt.
Dorfbrunnen
Ich steige auf den letzten Hügel vor dem Rheintal, den Rochusberg. Das Tor öffnet sich in die Weingärten.
Dort steht auch die Rochuskirche, die wir im Vorjahr besucht haben. Daher erspare ich mir den Umweg.
Rochuskirche
Jetzt sehe ich hinunter auf Bingen mit dem Mäuseturm auf einer Rheininsel.
MäuseturmBingen
Die Stadt scheint fast wie ausgestorben, nur ein paar Touristen haben sich heute am Tag der Einheit hier verlaufen.
Bingen – Kapuzinerstraße
In der Pfarrkirche St. Martin erhalte ich einen Stempel für meine Sammlung und habe Zeit für die tollen Artefakte.
Basilika St. MartinHochaltarNiederländischer Marienaltar 1579
Dann geht es auf den Rheinsteig, wie der Weg unter anderem heißt.
Immer entlang des „Abgrunds“Wegweiser am Rheinsteig
Die Burg Rheinsteig ist die erste, an der ich unmittelbar vorbeikomme. In den nächsten Tagen werden es vermutlich viele sein. Die Burg kann auch innen besichtigt werden, worauf ich aus zeitlichen und konditionellen Gründen verzichte.
Die Waldgaststätte Schweizerhaus ist ein beliebtes Ausflugsziel der Einheimischen und Gäste.
Immer wieder verlocken Aussichtspunkte zum Fotografieren und Staunen.
Beim Abstieg nach Trechtingshausen passiere ich noch die Burg Reichenstein, die schon 1215 erwähnt wird. Rudolf von Habsburg ließ sie 1282 zerstören. Sie wurde aber ab 1355 zügig wiedererrichtet. Jetzt ist plötzlich wieder herrlicher Sonnenschein.
In Trechtingshausen endet meine heutige Wanderung. Da ich im Ort kein Quartier bekomme, weiche ich nach Bacharach aus. Ich nehme den Zug und fahre in sieben Minuten weiter in die geschichtsträchtige Stadt am Rhein. Genaueres dazu aber morgen.
Die Jugendherberge ist in der Burg Stahlegg untergebracht. Ich residiere im Pallas.
Als ich kurz vor 8 Uhr von der Hausherrin herzlich verabschiedet werde, kracht es in den Weingärten wie bei einer Bauernhochzeit.
Mein erstes Ziel ist der Petersberg, der etwa die gleiche Höhendifferenz aufweist wie meine Walkingstrecke über Messendorfberg, nämlich 115 m. Auf dem Berg gibt es eine archäologische Fundstelle mit einer dreischiffigen Basilika aus dem 10. Jhdt. Außerdem ist der Rundblick außergewöhnlich.
Petersberg 246 mDreischiffige Basilika – Apsis rechtsBlick nach Süden
Auf der anderen Seite geht es hinunter nach Bechtolsheim. Hier werden Weinköniginnen prominent am Ortseingang präsentiert.
Weinkönigin Sina
Den Jakobspilgern wurde von der Weinbruderschaft ein besonders schöner Wegweiser gesetzt.
Die Pfarrkirche (1492) hat eine Besonderheit: Seit Palmsonntag, 15. April 1685 wird die Kirche auf Befehl Ludwigs XIV. von der katholischen und der evangelischen Gemeinde als Simultankirche genutzt. Interessant ist der abgesetzte Turm, der erst 1907 errichtet wurde. Er gehört der Gemeinde und nicht der Kirche. Von 1954 – 1964 gab es über die Verwendung des Geläutes einen Streit, der bis zum Bundesverwaltungsgericht ging.
Simultankirche und Glockenturm Bechtoldsheim
Eine Gruppe Gänse erinnert an den früheren Brauch, dass ein Gänsehirte täglich mit den Gänsen des Dorfes auf die Weide zog.
Gänseschar
Zwischen den Tälern mit den Weingärten gibt es große Hochplateaus.
Der Wehrturm der Kirche in Spießheim wurde schon 1050 errichtet.
Wehrkirche in Spießheim
In der kleinen Stadt Wörrstadt sitze ich beim „Neun Röhren-Brunnen“, der 1609 angelegt wurde. Hier entspringt der Mühlbach. Die Pizza, die ich hier esse, ist nahrhaft, …
Neun-Röhren-Brunnen
Der letzte Ausscheller hat bis 1969 seine Tätigkeit ausgeübt.
Ausscheller
Jetzt bin ich am Ziel in Ober-Hilbersheim, auch ein uralter Ort. Ich bin in der „Alten Kelter“ eingekehrt, ein entzückend renovierter Winzerhof.
Ober-HilbersheimAlte Kelter
Zum Abendessen gibt es heute eine Vesperplatte und zwei Federweiße. In der Steiermark sagen wir dazu Sturm. Beides ist köstlich und ausreichend.
Ich möchte euch den Wormser Dom im Morgengrauen bei blauem Himmel nicht vorenthalten. Nach dem Frühstück starte ich meinen Tagesmarsch direkt vor dem Dom, wo ein Stein mit der Jakobsmuschel den Jakobsweg anzeigt.
Dom zu WormsDer Jakobsweg geht beim Dom vorbei
Die Kämmererstraße ist sonst gefüllt mit pulsierendem Leben. Um 8 Uhr früh ist davon nichts zu spüren.
Kämmererstraße
Die Martinspforte zeigt das Ende der Altstadt an.
Die Liebfrauenkirche ist die einzige rein gotische Kirche der Stadt und hat den Weingroßhändler Valckenberg zur Weinmarke „Liebfrauenmilch“ inspiriert. Das süße Gesöff hat wohl auch andere Winzer zur Glykolpantscherei verleitet.
In Herrnsheim komme ich an einem großen Schlosskomplex vorbei, der heute der Stadt Worms gehört.
Jetzt bin ich im Weingebiet angekommen. Fast den Rest der Strecke gehe ich heute durch Weinriede.
Automatische Knallanlage zur Vertreibung der StareWein soweit das Auge reicht
Die Lese erfolgt rein maschinell. Der Ernter kann 3500 l in seinem Tank sammeln, bevor das Traubenmaterial in den Transporter umgefüllt wird.
Traubenernter
Einer wacht über die Weingärten.
Die Weihnachtsgänse 2020 haben noch ein gutes Leben.
Die Kirche in Framersheim (1903) ist geschlossen, aber in einem Kästchen finde ich einen Stempel für meinen Pilgerpass.
Kurz vor Gau-Odernheim beginnt es leicht zu nieseln. Ich verwechsle Wormser Straße und Mainzer Straße und handle mir ein paar Meter Weg mehr ein.
Gau-OdernheimRathaus
Im einzigen Gasthaus im Ort stärke ich mich mit Lammkoteletts und Salat.
Ich übernachte im Gästehaus Bikers Lodge bei einer sehr netten Familie.