Den gestrigen Tag spüre ich doch ein bisschen und bin über das spätere Frühstück (8 Uhr) froh. Ich habe gestern Jean-Marie aus Frankreich wieder getroffen. Er hat sich auf der Alternativroute durchgekämpft. In der Früh ist es noch etwas dunstig, das Wetter sollte laut Vorschau günstig bleiben.
Haus in Celle di San Vito
Ein guter Tag fängt mit einem Berg an. Es geht einmal wieder auf 900 m. Mich wundert, wie leicht das geht.
Aufstieg zum Monte BuccoloAuf 900 m
Die Aussicht ist phänomenal. Man unterschätzt dabei die Entfernungen.
Aussicht vom Monte Buccolo
Auch die kleinen Dinge machen Freude.
Großer Kohlweißling (Pieris brassicae L.)Goldglänzender Rosenkäfer (Cetonia aurata L.)
Die kleine, aber alte Stadt Troia rückt näher. Sie hat nichts mit der von Schliemann in Kleinasien ausgegrabenen Stadt gemeinsam.
Troia
Die Stadt liegt auf einem Hügelsporn und ist vor allem langgestreckt. Durch die Mitte zieht sich die Via Roma mit vielen Kirchen und Palästen aus mehreren Jahrhunderten.
Troia wurde auf den Ruinen des antiken Aecae um 1022 gegründet und erlangte als Bischofsstadt Bedeutung. Im Jahre 1229 wurde es von Kaiser Friedrich II. zerstört.
Berühmt ist die 1129 geweihte romanische Kathedrale S. Maria Assunta mit den mächtigen Bronzetoren von 1119, deren Bau 1093 begonnen wurde. Sie ist der älteste und besterhaltene Bau seines Stils in Apulien.
Kathedrale S. Maria AssuntaKirchenschiff mit TriumphkreuzFensterroseKanzelTaufstein Bronzetür am HauptportalBronzetür SüdportalBronzetür Südportal – mein NamenspatronPortalrosette von außen
Es war schon vorherzusehen: Das wird die „Königsetappe“ auf der Strecke. Und so ist es auch.
Ich bin wieder recht früh munter geworden, habe meine Sachen zusammengepackt und habe mir ein Café für das Frühstück gesucht. So bin ich tatsächlich um 7 Uhr losgewandert.
Blick in das Tal des MiscanoBahnstation von Casalbore und Brücke
Plötzlich zeigt der Wegweiser für die Francigena nach links. Auch der GPS – Pfad weist nach links. Da ist aber nichts als eine besetzte Kuhweide und viel Dreck. Daneben sind noch ein Dickicht aus Sträuchern oder ein Acker im Angebot. Ich wähle vorerst den Acker. Irgendwann endet die Kuhweide und es gibt brusthohes Grad mit Spuren, dass da jemand gegangen sein kann. Ich tippe auf René, einen Holländer, dem ich vorgestern begegnet bin. Also kämpfe ich mich weiter ins Tal vor.
GrasGrasEisenbahnbrücke
Zum Glück gab es in der letzten Zeit hier weniger Niederschläge, sonst hätte ich hier umkehren müssen. Über ein paar große Steine komme ich gleich ans andere Ufer.
Flussufer Torrente Ginestra
Die Römer hatten dafür an der Via Traiana eine große Brücke, die Ponte Santo Spirito, errichtet, von der noch ein Pylon steht.
BrückePylon
Auf der anderen Seite geht es ähnlich wieder den Hang hinauf. Zum Glück gibt es da ein abgeerntetes Getreidefeld, das mir als Weg dient. Oben gibt es die schönste Aussicht.
HügelWeite FelderWeite Felder
Noch einmal, ein Tal weiter gibt es das gleiche Szenario. Diesmal ist der Abstieg recht gut begehbar, die Bachüberquerung wieder einfach, nur der Aufstieg hat es wieder in sich.
Überquerung des MiscanoGras am Uferaufstieg
Jetzt gehe ich nach den Spuren des Traktors in einem Gerstenfeld. Es wird hier Weizen, Gerste, Hafer und Grünfutter angebaut.
Jeder Hügel ist mit Windrädern besetzt. Das hat jetzt für mich den Vorteil, dass die Straßen, die zum Bau notwendig waren, jetzt als Pilgerautobahn zur Verfügung stehen.
WindradVerbindungsweg
An der Straße komme ich zu einer Informationstafel, die die Bedeutung des Ortes „Aequum Tuticum“ beschreibt. Hier auf dieser Hochfläche auf 570 m war einst einer der bedeutendsten Verkehrsknotenpunkte des römischen Reiches. Hier kamen die Via Aemilia (in Süd-Nord-Richtung) und die Via Minucia (mit West-Ost- oder Südwest-Nordost-Richtung) zusammen. Die Via Aemilia ist durch zwei Meilensteine aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. gut gekennzeichnet.
Aequum Tuticum
In der Nähe befindet sich der Weiler „Tre Fontane“. Hier trafen im Mittelalter die Römerstraßen, die Via Francigena und mehrere Schaftranshumanz-Wege aufeinander. Für die Schafe mussten Abgaben bezahlt werden. In der Umgebung lebt noch eine albanische Minderheit, die mit der Ausdehnung des Osmanischen Reiches im 14. Jhdt. ins heutige Italien flüchteten. Die Nachfahren sprechen heute noch einen veralteten albanischen Dialekt aus der Zeit, der im heutigen Albanien nicht verstanden wird.
Tre FontaneTre Fontane
Es geht immer höher den Berg hinauf, bis ich an der Villaggio San Leonardo vorbei komme.
Diese Siedlung wurde nach einem Erdbeben 1980 für die Unterbringung der Opfer gegründet. Heute ist hier eine Ferienwohnanlage.
Villaggio St. Leonardo
Kurz vor dem Sattel komme ich zum Santuario San Vito, das mit einem Hof verbunden ist.
Santuario San Vito
Der höchste Punkt meiner Wanderung ist erreicht. 995 m stehen zu Buche. Ich unternehme noch einen Abstecher ins Gemüse und der 1000er ist voll.
1000m
Vom Sattel habe ich eine gute Aussicht auf die Ebene von Bari.
Ebene von Bari
Nun erfolgt der Abstieg in den heutigen Zielort Celle di San Vito.
Der Ort ist sehr klein, dafür umso beschaulicher und netter.
Celle di San VitoCelle di San VitoCelle di San VitoCelle di San Vito
Auch hier gibt es eine sprachliche Besonderheit, eine frankoprovenzalische Sprachinsel. Noch heute wird der Dialekt hier gesprochen. Auch alle Straßentafeln sind zweisprachig ausgeführt.
Ich schlafe heute in der Pension „Fontanelle“, die zum gleichnamigen Restaurant gehört.
Benevento (= guter Wind) wird am Abend seinem Namen gerecht. Es pfeift und bläst aus allen Ecken. In der Früh ist es dann wieder ruhig. Der Sonnenaufgang lässt die Landschaft aufglühen.
Benevento – Fiume Calore
Auf dem Weg aus der Stadt komme ich nochmals am Trajanbogen vorbei.
Trajanbogen
Ein modernes Pfarrzentrum am Rande der Stadt. Ob es mehr Besucher hat als die Kirchen in der Stadt?
Pfarrzentrum San Genaro
Eigentlich hätte der Weg direkt an diesem Gebäudekomplex vorbeiführen sollen. Als ich die Aufschrift an der Uniform des Wachebeamten gesehen habe, verstehe ich, dass ich einen Umweg machen soll: Es ist eine Strafanstalt.
Strafanstalt
Auch eine Mülldeponie ist bewacht wie eine Kaserne.
Mülldeponie
Eine Quelle entspringt neben dem Weg und benützt diesen gleich als Bachbett. Leider gibt es keine Ausweichmöglichkeit. So muss ich schauen, wie ich möglichst trocken bleibe.
Weg
Der alte Weg geht noch über diese Brücke aus der Römerzeit. Kaiser Flavius Valens soll den Bau dieser Brücke im 4. Jhdt. angeordnet haben. Von der originalen Steinbrücke stehen nur mehr zwei Steher, die Gewölbe sind aus dem Mittelalter.
Ponte Valentino
Der Weg führt heute hügelauf – hügelab, wobei die Steigungen manchmal sehr extrem sind.
Ausblick auf die Hügellandschaft GetreidefeldEin „besonderer“ KaktusArtischocken Panorama
Da war der Strom wohl zu schwer
Schiefe Strommasten
Wiesenwege sind nicht immer die schönsten Wege, vor allem, wenn das Gras so hoch und dicht ist, dass man den Boden nicht mehr sieht. Aber es gibt schlimmeres.
Wiesenweg
Die Via Traiana hat natürlich ordentliche Brücken gehabt, nicht solche Übergänge wie ich sie jetzt erlebe.
Reste der Ponte LadroneBachübergang
Unterwegs komme ich an einer kleinen Keramikmanufaktur vorbei. Zum Trocknen kommen die Waren einfach ins Freie.
Keramikmanufaktur
Buonalbergo rückt näher. Die Stadt liegt am Berghang.
Buonalbergo
Die Stadt ist für Wanderer über steile Treppen erreichbar. Das historische Zentrum ist hervorragend renoviert. Es gibt keine „blinden Flecken“ zwischendurch.
BuonalbergoBuonalbergo
Leider ist hier am Mittwoch Ruhetag. Keine Bar, kein Café, kein Restaurant. Zum Glück hat ein Minimarkt noch offen. Da kaufe ich mir ein bisschen Obst und Wasser.
Buonalbergo Hauptplatz
Beim Weitergehen schaue ich durch ein Gartentor und sehe eine Gartenanlage, die sich über den halben Hang erstreckt.
Gartenanlage
Nicht weit davon komme ich an der Fontana del Lombardo vorbei und decke mich mit frischem, richtig kaltem Wasser ein. Gleich danach geht es wieder den Hang hinauf.
Fontana del LombardoAnstieg
Jetzt sind es nur noch zwei Kilometer bis zum Zielort. Die Aussicht auf die Hügel ist grandios. Überall gibt es auf den Hügelkämmen Dörfer und Städtchen.
Aussicht nach Südosten
Ich gehe noch bis Casalbore, wo der Torre Normanna aus dem 12. Jhdt. mit einem Castello die Hauptattraktion darstellt. Auch ein schönes Dorfzentrum gibt es hier.
Torre NormannaHistorisches Zentrum PfarrkircheEin Maserati als Leichenwagen
Ich nächtige heute im Convento St. Antonio. Hier gibt es im Pfarrzentrum für Pilger eine Nächtigungsmöglichkeit.
Für heute ist zeitweise Regen angesagt. Das Wetterradar sagt nein, die Realität sagt ja. Beim spärlichen Frühstück beginnt es leicht zu tröpfeln, gerade so viel, dass die Straße nass ist. Mit dem Regencape am Rücken gehe ich los. Nach zwei Kilometern brauche ich es gerade für zehn Minuten.
Mit Ausnahme von zwei kleinen Steigungen geht es fast immer bergab bis zum Fiume Calore, den ich schon gestern einmal überquert habe.
Fiume Calore
Dann führt mich der Weg bequem auf einer ehemaligen Bahntrasse („Alifane“) in Richtung Benevento.
Radweg
Sogar durch einen Tunnel muss ich hindurch.
Tunnel
Die verbliebenen Signalanlagen erinnern an frühere Tage.
Signalanlagen
Unterwegs werde ich eingeladen, mich mit einem Radfahrer für ein Fotoshooting aufzustellen. Der Radfahrer fährt den VFS und hat einen eigenen Profifotografen dabei.
Am Bahnhof vorbei überquere ich den Fiume Sabato, der die Altstadt von Benevento umspült und Sicherheit brachte.
Ponte Leproso
In der Stadt stehen unzählige Palazzi, die meist ein gemeinsames Schicksal haben: sie mussten wie der Dom nach einem Bombardement der US-Truppen 1943 neu errichtet werden.
Palazzo
Auch der Dom wurde zerstört, nur der Turm und die Eingangstür blieben erhalten.
DomAlte DomfassadeEingangsportal
Der Neubau ist unter Einbeziehung einzelner erhaltenen Elemente sehr schlicht gehalten.
DomDom
Zwei große Triumphbögen sind erhalten geblieben. Während der Arco del Sacramente schmucklos ist, zeigt sich der Arco di Traiano in seiner vollen Pracht.
Arco del SacramenteArco di TraianoArco di TraianoArco di Traiano
Kaiser Trajan hat für diese Region viel getan, unter anderem hat er die Via Appia nach Bari und Brindisi verlängern lassen.
Kaiser Trajan
Nicht nur die Römer haben sich mit bedeutender Architektur verewigt, auch die Langobarden hinterließen ihre Spuren.
Die Chiesa di Santa Sofia entstand zwischen 758 und 768 und hat in interessantes architektonisches Konzept.
Chiesa di Santa SofiaChiesa di Santa SofiaChiesa di Santa Sofia
Dann erlebe ich noch eine Prozession anlässlich der Festwoche der Hl. Rita von Cascia, die morgen ihren Todestag hat. Mit Musikbegleitung wird sie aus ihrer Kirche in eine andere transferiert.
FestgottesdienstSta. Rita
Ich mache noch ein Foto mit dem Chef der Polizia Municipale, der eine besonders prunkvolle Uniform trägt.
Polizia Municipale
Heute sind zur regulären Wanderstrecke wieder viele Besichtigungskilometer dazugekommen.
Heute Nacht haben auch drei andere Pilger in meinem Hotel geschlafen. Wir gehen fast gleichzeitig aus dem Haus, nur ich finde den Anschlussweg schneller.
Bald komme ich an den Lago Telese, der beim Erdbeben 1349 entstanden ist und zwischen 20 und 30 m tief sein soll.
Lago Telese
Die Brücke über den Fiume Calore schaut nicht gerade vertrauenserweckend aus, ich bin jetzt aber schon anderes gewöhnt.
Brücke Fiume Calore
Durch die Weinberge, auf denen die besten Weine Italiens gedeihen sollen, geht es nach Solopaca. Der weiße und rote Solopaca DOC, sowie der Aglianico und der Falanghina sind angeblich weltbekannt.
Weingarten mit Hochkultur
Noch einmal habe ich einen guten Rückblick auf Telese Terme und das Caloretal.
Telese Terme mit dem Monte Pugliano
Solopaco ist ein kleines Städtchen, das wie die meisten Orte hier auf eine reiche Geschichte zurückblicken kann. Nach dem vorher erwähnten Erdbeben hat sich die Lebensqualität in Telese durch den Schwefelgestank und andere Erscheinungen so verschlechtert, dass sich die Bewohner in Solopaca ansiedelten.
SolopacaSolopaca
Noch in Solopaca beginnt der Aufstieg entlang des Monte Alta Rotondi, der immerhin 1305 m hoch ist.
Aufstieg in die BergeAufstieg in die BergeAufstieg in die BergeAufstieg in die BergeAufstieg in die Berge
Am Rande des Abgrundes zum Tal stehen die Reste der Abbazia di Santa Maria in Gruptis, die 940 von den Langobarden gegründet und 1705 geschlossen wurde.
Abbazia di Santa Maria in Gruptis
Auf der Sattelhöhe bin ich auf ca. 790 m Seehöhe.
SattelBlick auf VitulanoAbstieg auf der „Fitnessmeile“Vitulani – Chiesa della Santissima TrinitàVitulani – Chiesa della Santissima Trinità
Vor der Kirche Chiesa della Santissima Trinità steht ein schwerer, eiserner Karren. Er erinnert daran, dass hier Marmor abgebaut wurde (wird?), der wegen seiner roten Äderung im Petersdom und im Kreml Verwendung fand.
Transportwagen für Marmor
Am Nachmittag besuche ich noch die Basilica SS.ma Annunziata e S. Antonio, die etwas außerhalb des Ortes unten im Tal liegt (+4 km und +200 Höhenmeter).
Basilica SS.ma Annunziata e S. AntonioBasilica SS.ma Annunziata e S. Antonio
Auch zum Abendessen müssen wir etwa 1 km pro Strecke zurücklegen. Jetzt sind wir zu sechst.
Abendessen
Im Dorf findet am Abend ein Fest zu Ehren des Dorfpatrons, des Hl. Menna, statt.
FestbeleuchtungIch
Am Ortsausgang steht die Fontana Reale, eine tolle Brunnenanlage.
Fontana RealeFontana Reale
Am Abend sind zahlreiche, prächtige Portale beleuchtet.
Ich habe schon zu Hause eingeplant, der Stadt Caserta einen Besuch abzustatten. Von Telese Terme aus geht das am einfachsten, weil die Bahn direkt nach Caserta geht.
Caserta ist Provinzhauptstadt. Viel wichtiger ist aber, dass hier der Königspalast von Caserta, der größte Palast der Welt steht. Diese Schöpfung von Luigi Vanvitelli hat die Architektur der Welt so sehr revolutioniert, dass er der am meisten nachgeahmte Palast der Welt ist.
Palast
Die königlichen Gärten sind eine weitere Kreation von Luigi Vanvitelli, die als Inspiration für viele spätere Gärten diente.
Garten
Nun von Anfang an:
König Karl III. von Bourbon gab den Bau des Königspalastes von Caserta im Jahr 1752 in Auftrag. Die Bourbonen waren die Herrscher über das Königreich „Beider-Sizilien“. Der Palast wurde von dem Architekten Luigi Vanvitelli entworfen und gebaut. Die Bauarbeiten wurden am 20. Januar 1752, dem Geburtstag des Königs, eingeleitet. Die Bauarbeiten wurden bis 1773 fortgesetzt, darunter auch der Bau des Aquädukts von Carolina.
Hauptportal
Der Königspalast von Caserta verfügt über insgesamt 1.200 Räume, die sich auf 5 Etagen verteilen, darunter 12 Staatsappartements, eine Bibliothek. Der rechteckige Palast hat die Abmessungen von 247 m x 184 m x 36 m und eine Fläche von 61.000 m².
Eingangskolonnaden
Große Innenhöfe sind völlig symmetrisch angelegt.
Innenhof
Über eine imposante Treppe kommt man in den ersten Stock.
PrunktreppePrunktreppePrunktreppe
Dort folgt ein Prunkraum dem anderen.
PrunkraumSchlafzimmerPrunkraumAuf Entdeckungstour
Schon bald nach Beginn der Bauarbeiten erbte Karl 1759 die spanische Krone und wurde als Karl III. König von Spanien. Da vertraglich geregelt war, dass er nicht beide Königreiche in Personalunion regieren durfte, ging er zurück in die Heimat und überließ die Großbaustelle seinem Sohn Ferdinand, der das Werk seines Vaters fortsetzte.
Bibliothek
Auch die Bauarbeiten gingen vom Vater auf den Sohn über. Nachdem Luigi Vanvitelli verstarb, stand der Bau still und wurde dann von seinem Sohn Carlo weitergebaut. Das Theater wurde dem Teatro San Carlo in Neapel nachempfunden, das das erste in Hufeisenform war. Das Hoftheater soll aber wesentlich besser geworden sein als das Vorbild.
TheaterKönigsloge
Ein Highlight ist auch der Garten, der sich über drei Kilometer auf den Berg hinauf zieht. Er wurde mit Wasserbassins, Brunnen und Kaskaden ausgestattet. Gerade die zahlreichen Wasserfälle und Kaskaden hatten jedoch nicht nur einen ästhetischen Zweck, sondern dienten auch dazu, die Neigung des Bodens auszugleichen.
GartenanlageGartenanlageBrunnenBrunnenKaskaden
Im Anschluss besuche ich noch die Altstadt von Caserta. Während ich kurz in der Kathedrale bin, geht draußen ein kurzer Regenguss nieder.
Heute ist es etwas bedeckt. Ein kurzfristiger Wetterwechsel wird erwartet.
Ich verlasse Faicchio in Richtung Osten. In diesem Borgo gibt es eine eigene Kirche, aber auch diesen ehemaligen Palazzo mit einem schönen Portal.
Palazzo
Davor steht diese interessante Skulptur für ein Kriegerdenkmal.
Kriegerdenkmal
Im Rückblick sehe ich den Convento di San Pasquale, der lange Zeit ein Kloster war und heute eine Einrichtung zur Rehabilitation Suchtkranker ist.
Convento di San Pasquale
Jetzt wird es wieder historisch. In den Samnitenkriegen kämpfte die römische Republik mit den Samniten um die Kontrolle in Kampanien. In dieser Zeit entstand diese Brücke über den Titerno als Teil der Via Latina.
Ponte Fabio Massimo
Die Via Latina ist eine Verbindung von alten, bestehenden Straßen aus dem 5. und 4. Jhdt. V. Chr.
Via LatinaSchlucht des Titerno
Gleich danach geht es auf den Monte Acero. Zum Glück nicht ganz auf den 725 m hohen Kalkstock, wo in der samnitischen Zeit (6. Jhdt. v. Chr.) eine der prächtigsten Verteidigungsanlagen stand. Eine drei Kilometer lange strahlend weiß gefärbelte Zyklopenmauer hat die Römer so erschreckt, dass sie dem Berg den Namen acer = schrecklich gegeben haben. Davon ist aus meiner Position nichts zu entdecken.
Monte AcerMonte AcerWeingärten
Bin ich der kleine Bruder des Vesuvs? Nicht unbedingt. Es gibt hier zwar viele Vulkane, einige dieser Kegel sind auch durch die intensive Erosion der Kalkstöcke durch die Flüsse entstanden.
BergkegelRuineneidechsen (Podarcis siculus)
Ein romantischer Weg bringt mich meinem Ziel näher (fast).
Wanderweg
Schließlich schaue ich auf die Stadt Telese Terme, die in der Ebene liegt. Die Baumstämme im Vordergrund deuten es an. Die letzten 200 m sind derzeit ein Kahlschlag und die Baumstämme liegen kreuz und quer. Die beiden Forstarbeiter deuten mir an, vorsichtig zu sein, und so überwinde ich Holz und Berg.
Telese TermeHolzschlag
Telese Terme steht auf den Resten der antiken Stadt Telesia, die nicht nur in der Antike zweimal zerstört wurde, auch im Mittelalter ereilte sie das gleiche Schicksal.
Im 19. Jhdt. wurde es durch seine Heilbäder bekannt. Nach einem Erdbeben 1349 kamen schwefelhaltige Quellen zum Vorschein, deren Wirkung erst später erkannt wurde. Eine Therme, wie wir sie kennen, gibt es hier allerdings nicht. Es handelt sich um kaltes Wasser. Der Badebetrieb für die Öffentlichkeit ist erst ab Juni möglich.
Beim gleichen Erdbeben entstand der Lago Teles in der Nähe der Stadt.
Telese TermeKurparkKurparkKurparkKurpark
Die Viale Minieri ist eine der Hauptstraßen. Zufällig steht hier auch meine Unterkunft, die Albergo D’Onofrio.
Viale MinieriAlbergo D’OnofrioAlbergo D’Onofrio
Ich will im hauseigenen Restaurant eine Kleinigkeit essen. Ich weiß nicht, was Italiener unter Kleinigkeit verstehen!
SalatPinza
Am Nachmittag hat sich kurz Regen eingestellt. Mit einem langen, lautstarken Donner ist auch alles wieder vorbei. Es kühlt jedoch in Kürze von 25 auf 18 Grad ab.
Ein Stadtrundgang verläuft eher enttäuschend. Es gibt kein richtiges Zentrum. Die Viale Minieri, wo mein Hotel steht, ist die einzige, die ein bisschen was hergibt.
Die Nacht in der Masseria Sansone war sehr erholsam. Am Abend bekamen wir ein ausgiebiges Abendessen mit einer großen Vorspeisenplatte, einem Pastaauflauf und einem Fruchtsalat. Dazu gutes Wasser und noch besseren Wein. Den Abschluss bildete ein guter Pflaumenlikör. Alle Produkte macht die Familie hier vor Ort selbst.
In der Früh bringt uns der nette Chef nach einem ausgiebigen Frühstück wieder mit dem Wagen in die Stadt zurück, wo wir starten.
Bei der Fahrt in die Stadt kann ich die gut erhaltene „Castrum“- Anlage mit den vier Stadttoren erkennen. Außerhalb, gleich vor dem Stadttor, steht das Mausoleum der Acilii Glabriones aus dem 1. Jhdt. v. Chr. Vom ursprünglichen Aussehen ist nicht viel erhalten.
Mausoleum der Acilii Glabriones
Vorerst bleibt der Weg in der Ebene und führt zuerst durch Gewerbegebiet und dann durch Felder und Wiesen.
FelderMohn
Die Waschanlage nach altem Vorbild wird noch benutzt. Auch bei einer anderen Anlage beobachte ich eine Familie, die ihre Wäsche zum Waschen bringt. Der Wasserzufluss aus der Quelle ist überraschend stark.
Waschstelle
Es geht natürlich wieder ordentlich bergwärts. Oben warten eine Kapelle und eine traumhafte Aussicht.
AnstiegKapelle Madonna delle LiberaAussicht auf Bergdörfer Castello del Matese und San Gregorio Matese (800m)Blick über das Tal des Volturno
Es geht entlang des Berghanges ständig bergauf und bergab. Die höchste Stelle liegt auf 380 m.
Ein bisschen Schatten
Zwischendurch führt der Weg durch kleine Weiler oder Dörfchen.
Goia SanniticaGoia Sannitica
Ich bin ganz überrascht, schon in Faicchio anzukommen. So war ich im Flow.
Chiesa della Madonna del Carmelo
Das Castello di Faicchio wurde im 12 Jhdt. an strategisch günstiger Stelle errichtet und immer wieder umgebaut, dem Verfall preisgegeben und wieder renoviert. Heute ist es ein Veranstaltungsort für private Events wie Hochzeiten und Feste.
Castello di FaicchioCastello di FaicchioCastello di FaicchioHochzeit
Mein heutiges Quartier liegt direkt neben dem Castello und heißt passend „B&B Del Duca“.
Roccaromana hat das gleiche Problem wie viele Orte in ländlicher Umgebung. Die Jungen ziehen weg, die Alten bleiben im Dorf, und wenn sie wegsterben, bleiben die Häuser leer und verfallen. Unsere junge Gastgeberin, eigentlich eine Bühnenschauspielerin, hat es sich zur Aufgabe gemacht, dagegen etwas zu tun. Mit einem Verein versucht sie Leute zu beschäftigen, aber auch Häuser zu revitalisieren. Leerstehende Gebäude gibt es viele.
Großes, leerstehendes Haus
Gestern bin ich an den Fuß des Berges gewandert, heute muss ich drüber. Je höher ich hinauf komme, desto besser ist die Aussicht.
Blick nach Westen
Gut, dass es schon Mai ist.
Schneekettenpflicht
Auf dem Berg steht der sogenannte „Normannenturm“. Das ursprüngliche Bauwerk stammt aus dem 11. Jhdt. Die strategische Lage verschafft dem Besitzer einen Überblick über das gesamte Gebiet. Da die Normannen schon 1016 präsent waren, könnte der Name zutreffen.
NormannenturmNormannenturm
Bergauf geht es über einen steilen Bergpfad, der noch dazu von Wildschweinen bearbeitet ist. Bergab rollt es sich leicht über die Betonpiste. Ein Rascheln und Ästewackeln im Gestrüpp direkt am Wegrand begleitet von deutlichem Grunzen zeigt mir, dass ich nicht allein auf dieser Strecke bin. Gesehen habe ich das Wildschwein nicht.
Abstieg
In der Tenuta Donna Fausta lässt es sicher gut Urlaub machen.
Tenuta Donna Fausta
Im kleinen Dörfchen Statigliano ging die Einwohnerzahl in den letzten 40 Jahren angeblich von 2000 auf 214 zurück.
Statigliano
Auf dem weiteren Weg hinab ins Tal begleitet mich eine tiefe Schlucht. Auf dem Gegenhang steht schon die nächste Burg.
Vor Baia E LatinaStrahlen – Breitsame (Orlaya grandiflora Hoffm.)Ortsschild von Baia e Latina
In der Ebene wird es nun flach, gerade und heiß.
Bei Baia e LatinaZubringer zu den Autobahnen nach Neapel und Rom
Der Fluss Volturno und seine Umgebung haben mehrfach Kriegsgeschichte geschrieben. In der Schlacht am Volturno schlug Giuseppe Garibaldi mit seinen Freischaren 1860 das Heer des Königreichs beider Sizilien.
Im 2. Weltkrieg verlief hier die Verteidigungslinie der deutschen Truppen nach dem Absetzen von Mussolini. Die Folgen für die Zivilbevölkerung waren furchtbar.
Volturno
Schließlich komme ich rechtzeitig vor Dienstschluss um 13 Uhr in der Municipio in Alife an, um mir den obligatorischen „Timbre“ zu holen. Im Park vor dem Municipio steht die Gedenkstätte an die „Red bulls“. Die haben keine Beziehung zu namensgleichen Getränken, sondern sind eine US -Army- Einheit, die hier die Befreiung durchführte.
Vorher wurde die Altstadt durch das Bombardement der Amerikanier in Schutt und Asche gelegt.
Denkmal der Red BullsTafel an der Chiesa Santa Catherina
Durch die Porta Napoli komme ich in die Stadt, die wie ein römisches Castrum aufgebaut ist. Zwei gerade Straßen kreuzen sich in der Mitte und die Stadt ist rechteckig angelegt.
Porta Napoli
Die Kathedrale Santa Maria Assunta von Alife ist die Kathedrale der Diözese Alife-Ciazzo. Sie hat noch immer Merkmale, die auf den normannischen Ursprung hinweisen. Sie wurde 1127 -1135 errichtet.
Kathedrale Santa Maria AssuntaKathedrale Santa Maria AssuntaKathedrale Santa Maria Assunta
Die Krypta umfasst den gesamten Altarraum.
KryptaKrypta
Heute nächtigen wir etwas oberhalb der Stadt in einem Agroturismo, Masseria Sansone.
Ich verlasse das Kloster um halb sieben Uhr und suche mir ein Cafe für das Frühstück. Kurz nach sieben bin ich auf der Strecke. Zuerst geht es durch die Porta Napoli in die Vorstadt und zum Amphitheater aus dem 2. Jhdt. n. Chr.
Porta Napoli
Das Amphitheater bot für 10.000 Personen Platz.
Amphitheater
Auch ein römischer Inschriftenstein findet sich neben dem Weg.
Inschriftenstein
Ich quere Hochgeschwindigkeitsstrecke Rom – Neapel und die A1, die auch die beiden Städte miteinander verbindet.
Autobahn A1
Dann muss ich ein paar 100 m auf der SS6 zurücklegen. Da bin ich froh, dass gerade weniger Verkehr ist.
SS6
Vom nächsten Hügel aus sieht man auf Teano zurück.
Teano
Unterwegs beobachte ein paar Männer, die einen Hochspannungsmasten streichen.
Hochspannungsmast
Für den Hausfrauentratsch muss immer Zeit sein.
Hausfrauentratsch
Die römisch Brücke steht seit dem 1 Jhdt. v. Chr. Sie ist 80 m lang und 8,5 m breit.
Römische Brücke bei AssanoRömische Brücke bei Assano
Bei Riardo komme ich an dieser leerstehenden Wohnsiedlung vorbei. Es sieht nicht danach aus, ob jemals jemand darin gewohnt hat.
Wohnsiedlung
Wiederbelebt hingegen alten mittelalterlichen Städte mit ihren Borgos.
Riardo
Der Aufstieg auf den Burgberg geht mit Rucksack ganz schön in die Knochen.
RiardiRiardo – Chiesa da Santa Maria a SiliceRiardo – Chiesa da Stanta Maria a SilicePallasBurganlage
Nicht weit von Riardo steht die nächste mittelalterliche Anlage in Pietramelara.
Pietramelara
Um die Abwanderung vor allem der jungen Bevölkerung zu stoppen, kann jeder unter bestimmten Voraussetzungen ein Haus im Borgo um 1 Euro kaufen. Diese Häuser müssen allerdings dann renoviert und ganzjährig bewohnt werden.
Eingangstor zum BurgbergRundgang unter der Burgmauer Rundgang unter der BurgmauerRuinösRuinös Hinter den Kulissen
Die Vermieterin unseres Zimmers kommt erst spät heim. So haben wir Zeit, um uns ein bisschen in Roccaromana umzuschauen.
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