Ich bin wieder auf dem Weg, auf dem Jakobsweg.
Diesmal habe ich mir eine heimatliche Route ausgesucht, einen Weg durch die Weststeiermark. Der weststeirische Jakobsweg ist eine schöne Erfindung der Touristiker, beginnt bei der Jakobskirche in Thal bei Graz und endet in Lavamünd in Kärnten. Ich lade euch gerne wieder ein, mich zu begleiten und freue mich auf aufmunternde Worte oder interessante Kommentare.
Buen Camino oder I wünsch an guatn Weg!
Archiv des Autors: Gerhard Pierer
18. Juli 2014: Graf Meran Haus – Hohe Veitsch – Sohlenalm – Niederalpl – Herrenboden Alm – Mooshuam – Kreuzberg – Mariazell
Am Morgen strahlt uns die Sonne entgegen, die Wirtsleut schlafen noch. Nach dem Frühstück steigen wir die restlichen Meter zum Gipfel der Hohen Veitsch, mit 1981 m dem höchsten Punkt unseres Weges, hinauf. So sehen Gipfelsieger aus …
Der Abstieg von der Veitsch wird durch eine „Kampfkuh“ beschleunigt. Ob sie ihr Territorium verteidigt oder Salz will, ist uns gleic,h wir schauen, dass wir weiterkommen. Auf „Vacero“ – Erfahrungen kann und will ich trotz Camino nicht zurückgreifen.
Auf dem Niederalpl ist wieder Erholung angesagt. Viel hat sich seit den Jahren getan, wo ich meinen Kids aus der Schule hier das Schifahren beibringen konnte.
Über die Herrenboden – Alm gehts noch schön dahin bis der Abstieg zur Schöneben mit viel Geröll und Lehm kommt. Auf der Straße zieht sich der Weg bis zum Moshuam – Wirt.
Nach kurzem „Auftanken“ gehen wir das letzte Teilstück an. Entlang der Salza führt uns der Weg zu Aufstieg nach Kreuzberg und dann sehen wir das Ziel unseres Weges.

Wir haben es geschafft!!! Nach ausgiebiger Dusche und frischem Gewand geht es einmal in die Basilika. Wie viele Menschen sind schon vor uns diesen Weg gegangen?
Nach einem guten Mittagessen in Mariazell sorgt Heidrun, meine Frau, für die Rückfahrt nach Graz.
4. Tag:Strecke: 25,9 km Gehzeit 6:15 h Höhenmeter: + 820 m / – 1795 m.
Fazit:
Es war ein schönes Erlebnis, nach den Erfahrungen des Jakobsweges auch in unserer Heimat eine solche Wanderung machen zu können. Wer von Graz nach Mariazell gehen kann, schafft körperlich den Jakobsweg auch – Geduld sollte man aber auch mitbringen.
Danke an Renate, die mich so flott begleitet hat und an Heidrun, die uns in Mariazell erwartet hat.
Gesamtstrecke: ca 122 km
Gehzeit: ca. 28:30 h
Höhenmeter: + 5960 m / – 5060 m
Messungen mit GPS von Garmin (Renate)
17. Juli 2014: Auf der Schanz – Stanglalm – Mitterdorf – Hundskopf – Pretalsattel – Schalleralm – Hohe Veitsch
Derr Morgen erwartet uns mit Nebelschwaden nach dem Regen. Überall am Weg finden sich Pilgerkreuze, die von unseren „Vorgängern“ zu verschiedensten Anlässen errichtet wurden.
Es geht flott in Richtung Stanglalm mit den gewaltigen Windrädern des neuen Windparks.
Das Mürztal präsentiert sich unter einer watteweichen Nebelschicht, die Hohe Veitsch hebt sich da weit heraus.
Der Abstieg von der Stanglalm nach Mitterdorf ist recht steil und glitschig und wir freuen uns am Marktplatz in Mitterdorf auf eine Rast.
Aus Mitterdorf heraus geht es Richtung Hundskopfhütte wieder rasch auf über 1000 m. Kurze Abkühlung von oben kann uns nicht wirklich was anhaben, Regenzeug zahlt sich nicht aus. Unterwegs kommen wir an Bergbauerngehöften vorbei, wo einem Peter Rossegger sofort ins Gedächtnis kommt. Wie hart das Leben vor Telefon und Allradauto gewesen sein muss. Auch heute möchte ich höchstens für den Urlaub hier mein Domizil aufschlagen.
Auf dem Pretalsattel treffen wir ein paar ungarische Radfahrer, die von Mariazell kommen und mit uns ihre Kekse teilen. Dann gehts über die Langeben , um den Eisnerkogel herum und die Veitsch präsentiert sich in schönstem Licht.
Auf der Fadeneben wechseln wir zur Schalleralm, wo uns der Aufstieg zum Graf Meran Haus auf der Hohen Veitsch erwartet. Plötzlich ziehen dichte Nebelschleier Vom Westen um den Berg und vorbei ist es vorerst mit der schönen Aussicht. Dazu kommt noch Wind auf und müde sind wir eigentlich auch schon.
So nehmen wir die letzten 350 m Höhenmeter in Angriff und sind froh, im Graf Meran Haus ein gutes Quartier zu bekommen. Am Abend scheint schon wieder die Sonne und das Weidevieh soll laut Hüttenwirt in seiner Salzgier schon einmal zudringlich werden können.
Wir halten uns eher an isotonische Getränke heimischer Malzproduktproduzenten. Nach einem guten Essen sind wieder alle zufrieden
Wie hoch liegt jetzt das Graf Meran Haus?
1880 m oder 1836 m?
3. Tag:
Strecke: 35,5 km Gehzeit: 8:27 h Höhenmeter: +2170 m / – 1505 m
16. Juli 2014: Passail – Sommeralm – Stroßegg – Auf der Schanz
Nach dem Frühstück geht es durch den Ort und ein kleines Stück entlang der Raab. Dann gehts durch einen kleinen Seitengraben nach Kriechenlee, ein kleines Dorf. Dann fehlen wieder ein paar richtig gesetzte Markierungen oder Hinweistafeln. Auf gut Glück (und pfadfinderischem Gespür) finden wir den richtigen Weg.
Auf einer Almwiese haben wir wieder das gleiche Erlebnis: Ein Weg führt geradewegs zu einer Tafel mit der Warnung, man soll den Weg links nehmen. Der ist aber nicht zu finden, weil er hinter Bäumen versteckt ist. Die nächste Markierung findet man ohnehin erst 100 m weiter im Wald. Also einmal um die Almwiese und nochmals einen möglichen Weg ansteuern. Da kommt aus dem Wald ein älterer Schwammerlsucher. Auf die Frage, wo den der Weg weitergehe, täuscht er mit den Worten „Ich nix verstehen, ich fremd hier!“, einen Ausländer vor. Aber sein uroststeierischer Dialekt verrät ihn doch und wir erhalten dann doch noch die erwünschte Auskunft in Deutsch. Der Ausblick auf den Schöckel von der Nordseite entschädigt uns für manches Ungemach.
Mit dem Erreichen der Sommeralm sind die Markierungsprobleme vorbei – vorbildlich!
Von der Sommeralm gehts dann weiter auf das Stroßegg, wo wir vom launigen Wirt empfangen werden. Wir sind noch keine 10 Minuten dort, als zwei Autobusse mit Pensionistinnen und Pensionisten angefahren kommen und das Haus pumpvoll ist. Da hat auch der Wirt nicht mehr Zeit, uns zum Aufbruch auf der Harmonika vorzuspielen.

Durch die Raabklamm zieht ein Gewitter herauf. Wir sind gerade so am Rand des Geschehens, schauen von oben auf die Regenwolken und überlegen, wo wir Unterschlupf finden könnten.
Mit dem Glück der Tüchtigen erreichen wir das den Berggasthof Krenn auf der Schanz trocken, bald darauf geht ein heftiger Regenguss nieder.
2. Tag:
Stecke: 31,8 km Gehzeit: 7:26 h Höhenmeter: +1.604,6 / -1.078,6
15. Juli 2014: Graz – Schöckel – Passail
Knapp vor 5 Uhr in der Früh breche ich von zu Hause auf und fahre mit der Straßenbahn nach Andritz, wo ich mich mit Renate treffe. Nach einem kurzen Kaffee gehts auf Renates Haus- und Hof-Trainingsstrecken los.
Über Neustift, beim Höchwirt vorbei gehts nach nach Kalkleiten, wo uns schöne Ausblicke zuerst auf das Grazerfeld und dann Richtung Judendorf-Strassengel erwarten:
Über den Langen Weg wandern wir auf den Gipfel des Schöckels. Unterwegs blühen viele Türkenbundlilien.
Nach kurzer Rast und Stärkung nehmen wir uns den Abstieg über das Schöckelkreuz nach Arzberg und Passail vor. Für Nichteingeweihte ein etwas schwieriges Unterfangen, wenn man nicht nur auf Asphalt gehen will: Es fehlen Hinweistafeln und Markierungen an entscheidenden Punkten. Das ist nicht nur uns so ergangen. Dafür wird man immer wieder mit großartigen Aussichten belohnt.
Im Arzberger Hof holt uns kurz der Regen ein, Bei herrlicher Blütenlimonade und guter Pilgersuppe lassen wir uns nicht verdrießen und erholen uns gut.
Bis Passail sind es noch ein paar Kilometer und wir quartieren uns in der Pension Schinnerl ein.
Auf der Suche nach etwas Gastronomie haben wir nicht sehr viel Glück. Schließlich fanden wir doch noch ein Gasthaus, wo wir etwas zu essen bekamen.
1. Tag:
Strecke: 29,1 km Gehzeit: 6:31:07 h Höhenmeter: +1.370 m / -1.128 m9
Auf nach Mariazell… 15.07. – 18.07.2014
Nach mehreren „versuchten“ Anläufen habe ich es heuer nach Mariazell geschafft.
Eigentlich habe ich diesen Weg als Vorbereitung und Test für den Jakobsweg geplant gehabt, aber es hat einfach nicht gepasst. So habe ich mich dann vom 15. bis 18 Juli 2014 mit Renate Jäger als Begleiterin auf den Weg gemacht.
Das sind meine Eindrücke…
Nachlese
Liebe Leserinnen und Leser dieses Blogs!
Liebe Begleiterinnen und Begleiter auf meinem Weg!
In den letzten Wochen habe ich ein wunderbares Erlebnis machen dürfen. Ja, es ist anstrengend. Aber wenn man sich mit offenen Augen UND Ohren auf den Weg macht, findet man so viele große und noch mehr kleine Überraschungen, dass man aufpassen muss, dass man sich nicht verzettelt.
Die vielen Begegnungen mit Menschen aus aller Welt – ich habe übrigens keinen einzigen Bekannten getroffen – sind ein schönes Erlebnis. Man ist nie allein, außer man will es, man bekommt Hilfe von Unbekannten, wenn man sie braucht und jeder versucht sich in diese Gemeinschaft zu integrieren. Zumindest fast jeder.
Ich möchte mich bei den vielen Leuten bedanken, die mir dieses Erlebnis ermöglicht haben:
Bei Heidrun, die fünf Wochen allein sein musste, die jeden Tag den Blog redigiert und formatiert hat, denn über das Mobilephone ist das schwer möglich.
Bei Moritz, der in buchstäblich letzter Minute mir den Blog auf seinem Webspace eingerichtet hat.
Bei Jürgen, der mich an seinem Erfahrungsschatz vom Camino teilhaben hat lassen und mich motiviert hat.
Bei euch, liebe Leserinnen und Leser. Ihr habt mit euren Kommentaren mir immer Motivation gegeben, weiterzuschreiben. Ich wollte ganz bewusst nicht auf eure Kommentare antworten, weil das den Rahmen gesprengt hätte.
Sollte jemand von euch einmal Lust verspüren, es mir gleichzutun und sich auf den Weg zu machen, teile ich gerne meine Erfahrungen.
So bleibt mir nur noch eines zu wünschen:
¡BUON CAMINO!
Tag 5 danach Mittwoch, 11. Juni 2014 Santiago – Barcelona – Wien – Graz
Heute geht es Richtung Heimat. Um sechs Uhr am Morgen startet der Bus zum Flughafen bei völliger Dunkelheit. Am Stadtrand taucht das erste Dämmerlicht auf und am Flughafen gibt es strahlenden Sonnenaufgang.
Mit vueling Airlines geht’s nach Barcelona.
Unterwegs haben wir gute Sicht auf Nordspanien.
Dann nehmen uns Wolken die Sicht, bis wir kurz vor Barcelona das Meer sehen.
Der Flughafen von Barcelona ist eindrucksvoll.
Der Weiterflug nach Wien ist ruhig, obwohl wir eine Störungsfront durchqueren. Kurz vor Genua haben wir wieder Sicht auf Grund und als der Wörthersee auftaucht ist auch Graz nicht mehr ferne.
Endlich in Wien angekommen, werde ich schon von Heidrun erwartet. Nun sind es nur mehr 200 km oder zwei Stunden (oder doch 40 Gehstunden?) nach Hause.
Es ist schön, wieder gesund und um viele positive Erinnerungen reicher wieder zu Hause zu sein!
Tag 4 danach Dienstag, 10. Juni 2014 Santiago
Das Wetter in der Früh ist eher trüb. In der Nacht hat es offenbar geregnet. Ich versuche eine Gelddruckmaschine sprich Bankomat zu finden. Es schaut aus, als hätten gestern alle Touristen die Automaten geleert. Erst der dritte war bereit, mich zu bedienen.
Beim Frühstück komme ich mit Schwaben ins Gespräch, die eine Woche vor mir in St. Jean gestartet und gestern angekommen sind.
Heute möchte ich mich ein bisschen in den Winkeln der Altstadt umsehen.
Noch ist’s recht ruhig.
Ein wunderschöner Olivenbaum mitten in der Stadt.
Den Weg bin ich am Freitag auch gegangen.
Der Eingang zum Markt.
Ohne Worte…..
Nach dieser Schlemmerreise gehe ich ins Museo des Peregrinacións, das die Pilgerbewegung der verschiedenen Kulturkreise und die Jakobswege im speziellen darstellt.
In der Kirche des Monasterio San Martin Pinario ist heute ein Museum untergebracht. Vor lauter Begeisterung habe ich aufs Fotografieren vergessen.
Am Nachmittag breche ich nochmals zum Monte do Gozo auf.
Ich will zu den Statuen der Pilger, die wir schon vor sechs Jahren besucht haben. Letzten Freitag habe ich sie durch das Schlechtwetter und durch die total geänderte Situation am Berg nicht gesehen. Heute nehme ich aber den Bus, der bis zum Fuße des Monte do Gozo fährt. Dort haben wir bei unserer ersten Reise übernachtet (ein bisschen Nostalgie).
Von hier aus kann man zum ersten Mal die Kathedrale von Santiago sehen.
Auf dem heutigem Weg sind es 300 m vorher.
Die Aussicht heute ist beeindruckend. Auch ich freue mich mit meinen beiden Pilgerbrüdern.
Für das heutige Abendessen suche ich mir ein paar lokale Fischspezialitäten aus.
Tag 3 danach Montag, 09. Juni 2014 Fahrt nach Finisterre
Viele Pilger setzen ihre Wanderung noch fort und besuchen das etwa drei Tagesmärsche entfernte Finisterre oder auf Galizisch Fisterra.
Das Wetter hat leider wieder auf regnerisch umgeschlagen. Ich gehe die dreiviertel Stunde zum Busbahnhof im Trockenen, aber auf der Fahrt fängt es bald zu regnen an. Wenn man durch die Stadtteile im Südwesten fährt, sieht man die Ausmaße der Stadt, die derzeit etwa 95.000 Einwohner hat.
Unsere Fahrt führt uns vorbei an Noia über Muros, Carnota und Cee nach Finisterre.
In den geschützten Buchten werden Miesmuscheln gezüchtet.
Die Strände sind leer. Kein Wunder bei 15 Grad!
Die Wolken haben sich auf Höhe des Busdaches festgesetzt. Nein, so schlimm ist es nicht, aber die Hügelspitzen sind nicht zu sehen.
In Finisterre habe ich meinen Schirm dabei, so kann ich beim Wandern zum drei Kilometer entfernten Cap Finisterre auf die Regenjacke verzichten.
Dort erwartet uns Besucher heftiger Wind, der den Schirm unbrauchbar macht.
Aber wie es am Atlantik ist, man muss abwarten können. Bald zeigt sich am Westen ein heller Streifen und nach einem Kaffee ist wenigstens eine Seite des Kaps im Sonnenlicht.
Viele Leute hinterlassen hier ihre Schuhe, verbrennen Kleidungsstücke oder ähnliches. Aus Umweltschutzgründen belasse ich es bei einem Bild dieses symbolischen Schuhs.
Der Leuchtturm an der Costa del morte, der Todesküste, hat viele Schiffe vor Katastrophen bewahrt.
Beim KM 0,00 beginnt die Welt.
Zurück im Ort haben wir herrlichen Sonnnschein und ich nehme ein Fußbad im klaren Atlantikwasser.
Auf der Rückfahrt können wir die schönen Buchten mit dem klaren Wasser genießen, die am Vormittag in düsteres Grau gehüllt waren.
In Muros haben wir schon vor Jahren gut zu Mittag gegessen.
Der Bus braucht für die Strecke entlang des Meeres rund drei Stunden.
Hügelauf, hügelab geht es wieder auf Santiago zu, wo die Fahrt ihren Abschluss findet.



















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