Archiv des Monats: August 2026

Via Francigena – Von Lausanne nach Italien 2. Tag Freitag, 21. August 2026 Vevey – Aigle

Das Schweizer Wetter und ich haben offenbar ein Spannungsverhältnis. Ich hoffe, die Erfahrungen von 2016 wiederholen sich nicht. Damals hat es gefühlt jeden zweiten Tag geschüttet.

In der Nacht beginnt es wetterberichtsgemäß zu regnen. Ich lasse mir beim Frühstück Zeit, weil meine Bahn nach Vevey erst um 9 Uhr geht. Das Frühstück ist wieder recht reichhaltig.

Ich werfe mich gleich in die Regenkluft, auch den Rucksackinhalt habe ich erstmals durch einen Müllsack innen geschützt.

In voller Regenmontur

Die Bahn ist pünktlich und nach 10 Minuten steige ich in Veley aus. Ich mache ein kurzes Sightseeing, weil die Altstadt auf dem Weg liegt.

Vevey – Bahnhof
Vevey – Altstadt
Vevey – Brunnen
Vevey – Jugenstilhaus

Als ich an den See komme, liegt der grau und wellig vor mir.

Genfersee

Kurz kann ich noch am Uferweg entlang gehen, dann sind die Ufergrundstücke nur mehr privat. Ich gehe entlang einer breiten Straße, die vor allem seeseitig und hohen Bäumen und Mauern gesichert ist, damit niemand einen Blick auf die dahinterliegenden Villen werfen kann.

Veley – Grand Rue
Nestle
In Richtung Montreux

Erst kurz vor Montreux beginnt wieder eine richtige Seepromenade. Die ist mit Kunstwerken und fremdländischen Pflanzen gespickt.

Montreux – Seepromenade
Eidechse

Das 2M2C Montreux Music & Convention Center ist ein riesiger Komplex im Stadtkern.

2M2C – Montreux Music & Convention Center

Gegenüber steht das Montreux Palace Hotel, in dem all die Celebritäten, die die Stadt heimsuchen, Hof halten.

Montreux Palace Hotel

Gegenüber in einem kleinen Park kann man ihnen begegnen, wenn auch nur in Bronze.

Miles Davis
Ella Fitzgerald
Santana

Ein Stück weiter kommt einem noch Freddie Mercury entgegen.

Freddie & Me

Ich komme bei meinem Nachtquartier in Territet vorbei und es regnet sich jetzt richtig ein. Ein paar Kilometer später sehe ich erstmals der Schweiz wichtigste Burg, das Château de Chillon in den Regenwolken.

Château de Chillon

Das Schloss hat im Laufe seiner tausendjährigen Geschichte als Verwaltungssitz und Gefängnis eine wichtige Rolle gespielt. Lord Byron hat ein Gedicht über einen Gefangenen verfasst und sich auch selbst im Keller verewigt. Heute gibt es dafür ein Café mit seinem Namen, wo ich mich etwas trocknen kann.

Château de Chillon
Château de Chillon

Zufällig kommt ein Schaufelraddampfer, die „MS Vevey“ daher. Das 1907 als Dampfschiff gebaute Schiff fährt heute dieselelektrisch betrieben.

MS Vevey

Irgendwann am Nachmittag hört es auf zu regnen. Die Wege und Straßen sind meist asphaltiert und so gut begehbar.

Im Rhonetal

Dann kommt noch die Sonne heraus und ich hoffe, etwas trockener zu werden.

Der Weinort Yvorne strahlt schon in der Sonne.

Yvorne

Dann geht es nur mehr bergab nach Aigle.

Blick auf Aigle

Ein Nebenfluss der Rhone, „Grand Eau“ – „Großes Wasser“, ist durch die Regenfälle sehr schlammig.

Grand Eau

Ich wandere durch die Stadt zum Bahnhof und fahre nach Territet zur Jugendherberge  zurück.

Ich habe in Aigle kein einigermaßen günstiges Quartier gefunden. Drum mache ich wieder ein Unterkunftshopping und nehme nochmals das gestrige Quartier

Aigle

Heute esse ich in einem Lokal mit damaskischer Küche. Es ist köstlich.

Orientalisch

Zum Abschluss noch ein Bild vom abendlichen See

Genfersee

Tagesstrecke: 25,1 km; ↑131 m; ↓198 m

Via Francigena – Von Lausanne nach Italien 1. Tag Donnerstag, 20. August 2026 Lausanne – Vevey

Gestern beim Abendessen habe ich noch Kathrin, eine Schweizerin mit Wurzeln in Kärnten getroffen. Sie ist auf dem Jakobsweg unterwegs. Wir haben uns kurz über den Weg ausgetauscht.

In der Nacht habe ich mich richtig gut erholen können und das ausgiebige Frühstück hat mich weiter aufgebaut.

Wenige Meter von der Herberge, nur durch eine Schnellstraße getrennt, steht das Hauptgebäude des IOC – International Olympic Committee.

International Olympic Committee
International Olympic Committee

Unweit davon ist das Stade Pierre de Coubertin, eine schöne Leichtathletik – Anlage, bei der Erinnerungen wach werden.

Stade Pierre de Coubertin

Gleich danach mache ich mit den Zeugnissen des Römischen Reiches in Lausanne Bekanntschaft. Im Jahr 15 v. Chr. gerieten die hier ansässigen Kelten unter römische Herrschaft. Es wurde der Marktflecken Lousonna (keltischer Name) gegründet. Die antike Stadt zählte nach kurzer Zeit über 1500 Einwohner. Vor der Stadt wurde ein Theater errichtet, während sich die wohlhabenden Stadtbewohner an den Flanken des Hügels niederließen (wie heute).

Römisches Mosaik

Die Basilika diente vor allem der Verwaltung der Siedlung.

Reste einer Basilika ca. 40 n. Chr.

Dann setze ich meinen Weg am See fort. Zwischendurch kommen sogar Wellen auf.

Am Seeufer

Das Wetter hält nicht was die Vorhersagen versprechen. Vom Westen zieht kurz ein Gewitter mit Donner auf. Das klingt am See gleich viel bedrohlicher. Einen kurzen, heftigen Regenguss überstehe ich trocken unter einem Vordach.

Am Jachthafen

Noch zwei Mal werde ich mit Olympia konfrontiert: Am Ufer steht eine Skulptur mit der genauen Beginnzeit der nächsten Olympischen Spiele am 14. Juli 2028 in Los Angeles.

Olympia

Das Zweite ist das Olympische Museum in bester Lage etwas über dem See.

Olympisches Museum
Olympisches Museum

Jetzt geht die Wanderung entlang des Sees richtig los und ich kann mich auf die nun gültige Markierung einstimmen.

Die Wegnummer 70 ist die Via Francigena

Der Weg am See ist sehr vielgestaltig. Manchmal muss ich aufpassen, dass ich von der Gischt nicht überrascht werde oder dass ich vor der nächsten Welle den nächsten festen Punkt erreiche. Es ist aber nicht wirklich gefährlich. Das Schlimmste was passieren kann ist, dass man nass wird.

Am Ufer des Genfersees
Am Ufer des Genfersees
Am Ufer des Genfersees
Am Ufer des Genfersees
Am Ufer des Genfersees

In Lutry hole ich mit in der Stadtverwaltung meine Stempel. Dort steht im alten Schloss noch eine Kanone im Hof (sicher ist sicher).

Lutry – altes Schloss
Lutry – altes Schloss
Lutry – Kanone

Auch die alte, heute protestantische Kirche von Lutry ist sehenswert. Ihre Ursprünge liegen 11. Jhdt., das heutige Hauptschiff ist aus dem 13. Jhdt.

Lutry – Kirche
Lutry – Kirche
Lutry – Kirche
Lutry – Kirche, Malerei 16. Jhdt.

Auch der nächste Ort Villette hat ein interessantes Dorfkirchlein. Die reformierte Pfarrkirche Saint-Saturnin stammt in ihrer heutigen Gestalt aus dem 13. und 14. Jhdt. Im Chor sind Wandmalereien aus dem 14. und 15. Jhdt. erhalten.

Linnette – Saint-Saturnin
Linnette – Saint-Saturnin
Linnette – Saint-Saturnin

Das ganze Ufer bis hoch zum letzten Fleckchen ist mit Wein bepflanzt. Die vorherrschende Weißweintraube ist der Chasselas oder Gutedel, eine der ältesten Traubensorten der Welt. Sie schmeckt hervorragend. Auch der Wein, den die Winzer hier produzieren, hat seinen Preis. Beim Rotwein ist hier der Malbec häufig. Seit tausend Jahren wird hier so Weinbau betrieben, nachdem Klosterbrüder die Rodung der Bewaldung der Hänge veranlasst hatten und Wein aussetzen ließen.

Chasselas oder Gutedel
Malbec
Weinberge am Nordufer des Genfersees
Weinberge am Nordufer des Genfersees
Weinberge am Nordufer des Genfersees
„Weinbergzug“ zum Transport in steilsten Lagen

Mitten in den Weinbergen habe ich ein Jubiläum gefeiert. Ich habe in den letzten dreizehn Jahren meiner Pilger- und Weitwanderaktivitäten den 11 000. Kilometer zurückgelegt. Ein Grund zum Feiern.

Jetzt beginnt mein Abstieg nach Vevey, einer geschäftigen Kleinstadt. Aber da ist noch was… Schon von der Ferne ist ein riesiger Baukomplex zu sehen, wenn man davor steht, findet man keinerlei Namen. Nur die Landkarte verrät, dass es sich um das Firmenzentrum des Nestlé – Konzerns handelt.

Vevey – Nestlé S.A. Headquarters
Vevey – Nestlé S.A. Headquarters

Ich übernachte heute in der Jugendherberge Montreux – Territet, die sich als die preiswerteste Möglichkeit herausgestellt hat. Heute bin ich mit der Bahn hingefahren und morgen geht’s wieder nach Vevey retour.

Jugendherberge Montreux – Territet
Jugendherberge Montreux – Territet

Zum Abendessen gibt’s Bratwurst mit Kartoffelpüree, Salat und Nachspeise. Danach noch ein lokales Bier

Jugendherberge Montreux – Territet
Jugendherberge Montreux – Territet

Jetzt genieße ich noch die Abendstimmung direkt am See.

Am Lac Leman

Tagesstrecke: 25,5 km; ↑350 m; ↓350 m

Via Francigena – von Lausanne nach Italien; Anreise, 18. und 19. August 2026 Graz – Lausanne

Das Abenteuer kann beginnen. Heidrun bringt mich zum Grazer Hauptbahnhof, der in nächtlicher Beleuchtung strahlt.

Vor dem Grazer Hauptbahnhof

Auf Bahnsteig 2 wartet schon der Nightjet 13484  Graz – Zürich, der dann auch pünktlich startet.

Nightjet 13484  Graz – Zürich

Im Liegewagenabteil ist zur Zeit nur ein weiterer Mitreisender. Ich hoffe, das bleibt so.

Mein Platz im Liegewagen

Jetzt geht die Fahrt einmal durch den Koralmtunnel nach Klagenfurt, Villach, Schwarzach-St. Veit, Innsbruck und Feldkirch.

Im Klostertal sind die ersten Sonnenstrahlen zu sehen, wenn die Berge nicht im Weg sind.

Im Klostertal

In Feldkirch endet die Bahnreise vorerst und ich fahre mit dem Schienenersatzverkehr weiter bis Buchs.

Bahnhofsvorplatz Feldkirch
Bus nach Buchs

Die Ill fließt mitten durch die Stadt.

Ill

Unsere Straße führt uns jetzt durch das Fürstentum Liechtenstein. Hier gibt es noch ein Grenzhaus. Da Liechtenstein und die Schweiz im Schengenraum sind, ist das für uns ohne Bedeutung.

Grenzstation nach Liechtenstein

Kurz darauf überqueren wir den Rhein, der die Grenze Liechtenstein – Schweiz bildet. Der Fluss hat hier noch überraschend viel Wasser.

Rhein

In Buchs steige ich in den Regionalzug nach Sargans um.

Bahnhof Buchs
Interregio 2205

Nach knapp 10 Minuten ist Sargans erreicht, wo ich in den ICE 108  in Richtung Hamburg wechsle.

ICE 108

Die Strecke führt am Walensee vorbei, der von den Churfirsten überragt wird.

Churfirsten

Am Zürichsee kommen bei Rapperswil und Pfäffikon Erinnerungen an meinen Jakobsweg auf, der mich hier durchgeführt hat.

In knapp einer Stunde sind wir in Zürich. Ich habe nur kurz Zeit, um in den IC 516 zu wechseln.

IC516

Jetzt habe ich alle Zugwechsel hinter mir und kann bis Lausanne entspannt die Landschaft genießen.

In Lausanne gehe ich zuerst einmal zu meinem Quartier, dem Jugendgästehaus nahe dem  See im Westen der Stadt. Dort habe ich schon vor 10 Jahren übernachtet.

Jugendherberge Lausanne
Jugendherberge Lausanne

Dann schließe ich eine Stadtbesichtigung an. Ich habe eine Tageskarte für die Öffis der Stadt bekommen und benutze den Bus und die U-Bahn.

Die Metro M2 ist fahrerlos unterwegs und seit 2008 in Betrieb.

Metro M2

Sie führt fast direkt zur Kathedrale Notre-Dame, ein klassischer gotischer Bau, der vor allem im 12. und 13. Jhdt. errichtet wurde. Heute ist sie die Hauptkirche der Reformierten Kirche der Stadt.

Kathedrale Notre-Dame
Kathedrale Notre-Dame – Südportal
Kathedrale Notre-Dame – Westportal
Kathedrale Notre-Dame – Innenraum

Dann spaziere ich durch die Gässchen und suche möglichst den Schatten, denn es hat schon wieder 32° C.

Château Saint-Maire
Stadtbrunnen
Wasserspeier am Rathaus

Zum Abschluss fahre ich mit der M2 bis zum Ufer des Genfer Sees oder Lac Leman. Im Hintergrund sieht man schon die Berge der Alpen.

Am Genfer See
Aussicht auf die morgige Etappe

Via Francigena – Von Lausanne über den Großen St. Bernhard-Pass ins Aostatal

Was soll das? Der ist doch erst von Canterbury bis Reims gewandert! Warum jetzt plötzlich ab Lausanne?
Die Lösung ist recht einfach: Der neue Abschnitt über den Großen St. Bernhard-Pass führt mit 2469 m über hochalpines Gebiet und ist für mich als alpin nicht sehr erfahrener Flachländer nur im Sommer bzw. Frühherbst, wenn die Strecke schneefrei ist, zu bewältigen. Wenn dort bis Juni eine dicke Schneedecke liegt, muss man sehr bergerfahren sein, dieses Risiko kann und will ich nicht auf mich nehmen.

Die Strecke Reims – Lausanne kann ich auch in klimatisch ungünstigeren Zeiten wandern.

Eine kleine Reminiszenz:
Die Via Francigena oder der Frankenweg ist einer der traditionsreichen Pilgerwege Europas und führt von Canterbury durch Frankreich und die Schweiz, überquert die Alpen am Großen St. Bernhard-Pass und führt durch die Toskana bis nach Rom.
Er basiert auf der Reise des Erzbischofs Sigeric im Jahr 990, führt durch 5 Länder und ist eine Kulturroute des Europarates.

Meine jetzt geplante Strecke startet in Lausanne, das ich schon auf meinem Jakobsweg durch die Schweiz erwandert habe. Von dort geht es am Nordufer des Genfersees oder Lac Leman über Montreux zum Zufluss der Rhone. Dann folgt der Weg der Rhone eine Zeit lang und steigt hinauf zur Passhöhe des St. Bernhard an der schweizer-italienischen Grenze. Von dort gelangt man hinunter in das Aostatal, dem die Strecke bis Ivrea folgt.

Ich lade euch ein, mir auf dem Weg virtuell zu folgen und freue mich auf euere Kommentare.

An guatn Weg allen, die gerade auf einem der vielen Pilger- und Weitwanderwege unterwegs sind.