Heute Nacht habe ich nicht nur ein Zimmer, sondern gleich ein ganzes Haus für mich allein. Plötzlich sind viel weniger Pilger unterwegs. Mein erster Weg in der Früh führt zum Tourismusbüro, wo ich den Blog von gestern hochlade. Eine Bäckerei hat schon offen. Da besorge ich mir einen Rosinenkringel und ein Baguette. Ein Café öffnet auch gerade rechtzeitig. Beim Weg aus der Stadt komme ich bei einem Kriegerdenkmal vorbei, das an den Hackherlöwen erinnert.
Heute ist Hochnebel angesagt. Die Weintrauben sind großteils abgeerntet.
Nette Anwohner stellen Kaffee und heißes Wasser auf einen Gartentisch.
Stopfleber von Enten und Gänsen zählt immer noch zu den Delikatessen in Frankreich. Das Geflügel hier hat einen großen Auslauf.
Unsere erste Familienkutsche: ein Sima Arronde. Der hier ist schon etwas in die Jahre gekommen.
Jetzt habe ich den Nullmeridian von Greenwich, GB, erreicht.
Nogaro ist eine kleine Stadt, die nicht sehr viel aufregendes zu bieten hat.
Eine Stierkampfarena für die französische Variante des Tierspektakels, wo der Stier nicht getötet wird.

Neben der Kirche finde ich diese schönen Bögen.

Immer wieder gibt es kleine Fachwerkhäuser zu sehen.
In einem alten Bauernhaus ist eine Gitê untergebracht.
Meine Gitê für heute Nacht ist im alten Pfarrhaus untergebracht und ist liebevoll renoviert. Die angrenzende Kirche hat ihren Ursprung um 1070.
Im Inneren sind auch an mehreren Stellen alte Fresken freigelegt.
Das Abendessen wartet schon. Mahlzeit
Tagesstrecke: 31,2 km

Die alte Brücke gehört auch zum Weltkulturerbe und kommt nach der Renovierung voll zur Geltung.
Zwischen den Feldern verlaufen die Wege. Kaum hört man Fahrzeuggeräusche, nur zwei tiefe Überflüge von Eurofightern stören die Ruhe.
Der Wein auf den großen Anbauflächen wird maschinell geerntet. Da verbleiben nur mehr die Stängel der Trauben am Stock.
Montréal ist wieder eine typische Stadt auf dem Hügel. Man tut viel, um sich von anderen Orten abzuheben.
Auch verdiente Politiker werden mit einer Tafel am Haus gewürdigt.
Ich gönne mir ein zweites Frühstück: das Gebäck muss ich aus der Bäckerei ins Café mitbringen.
Der Hauptplatz ist hier wirklich das Zentrum des Geschehens.
Die alten Zedern führen zu einem Bauernhof.
Lange führt der Weg auf der Trasse einer ehemaligen Eisenbahn. Stetig geht er nach oben. Man kann direkt die alte Dampflok schnaufen hören, wenn sie die schwere Last nach oben zieht.
Die Reste eines Signals, mehrere Überführungen und ein Bahnhofsgebäude sind noch Zeugen der Zeit.
Ich erreiche Eauze, die Hauptstadt des Armagnac.
Das Zentrum liegt wieder um die Kirche herum, die Cathédrale Saint-Luperc.
Die Kirche ist aus Bruchsteinen von gallo-romanischen Gebäuden errichtet worden.
Auf dem Place d’Église stehen einige schöne Fachwerkhäuser.
Rund um den Stadtkern gibt es eine breite Ringstraße.
Nach einer Pizza in einem italienischen Restaurant, in der die Besitzerin kein Wort italienisch kann, versuche ich noch zwei Achterln des lokalen Weißweins. Es gibt im lokalen Angebot keine sortenreinen Weine, nur Verschnitte. Gut waren sie trotzdem! Ich komme noch an der beleuchteten Kathedrale vorbei.
Tagesstrecke: 28,9 km
In den Senken liegt leichter Nebel, der sich bald auflösen wird.
Es ist windstill, aber kühl. Die Luft ist sehr klar und optimal zum Wandern.
In Marisolan finde ich diese Blüten an einer Hausmauer.
Ein kleines, aber feines Hotel mitten in den engen Gassen des Dorfes.
Ich beobachte das Spiel eines kleinen Buben mit seiner Mutter, die ihn in die Schule bringen will. Die Schultasche lässt er sich nachtragen, damit sie mitgeht. Das kleine Schulhaus ist auch schon in die Jahre gekommen.
Unterwegs hole ich ein Paar ein, das mit Eseln unterwegs ist. Bei einem Tempo von vier Kilometern pro Stunde schaffen sie zwischen 20 und 25 km pro Tag. Die vier machen eine größere Runde in der Gascogne.
Ob über die Hügel, ob in den Senken, das Wandern macht hier einfach Spaß. Auch wenn es einmal auf Straßen dahin geht, stört kaum Verkehr.
Ein nettes kleines Häuschen, fast in der Einschicht.
Eine Kirche aus dem 12. Jhdt. beeindruckt durch ihre Schlichtheit.

Hauptsächlich werden in diesem Bereich Weizen, Hirse und Soja angebaut.
Ganz im Hintergrund lassen sich schon die Pyrenäen erahnen: Es ist zwar noch weit dorthin, aber ein Grund zum Jubeln.
Vor mir liegt Condom, eine kleine Stadt mit großer Kirche.
Die Cathédrale Saint-Pierre wirkt wie eine Festungsanlage.
Der prächtige Chor und die Ausstattung haben sich den Titel „Weltkulturerbe“ verdient.
Daneben ist der Kreuzgang der ehemaligen Abtei auch für öffentliche Veranstaltungen zugänglich.
Auch sie lässt man hier hochleben: die vier Musketiere. Einer für alle, alle auf einen! 😉
Über die La Baise, auf der einige Urlaubsschiffe verkehren, verlasse ich wieder die Stadt.
Durch Weingärten und Wäldchen komme ich nach Larrissingle, einem Wehrdorf aus dem 12. Jhdt.
Besonders dann, wenn es ein Eis mit Armagnac gibt.
Armagnac spielt an diesem Abend eine besondere Rolle. Unser Hospitalero ist Biobauer mit drei Hektar Weingarten und produziert Armagnac und Nebenprodukte. Wir, eine Französin und ich, dürfen ihm dabei über die Schulter schauen und mitverkosten.
Hygienebestimmungen der EU sind nicht ins Französische übersetzt, der Besenstiel dient auch zum Umrühren des Ansatzes und überhaupt wird ohnehin alles durch Alkohol desinfiziert. Vielleicht bekommen die Produkte auch deshalb eine individuelle Note.
Beim Abendessen im Haupthaus lerne ich ein typisches Landhaus von innen kennen.

Um 6.45 Uhr gehe ich ins Nebengebäude, draußen ist ein sternklarer Nachthimmel. Als ich dann um halb acht aufbreche, ist es schon hell.
Auf den Hügeln ist die Sonne dann da. Es ist zwar schön, aber ein kühler Wind weht vor allem oben auf den Hügeln. Wenn man in die Runde blickt, sieht man viele Orte auf den Hügelkämmen liegen. Hier schaut schon Flamarens herüber. Heute ein kleines Nest, im Mittelalter durchaus von überregionaler Bedeutung.
Das ist Camino: Ein noch warmer Obstkuchen auf dem Weg, um 1 € das Stück. So kurz nach dem Frühstück mag ich noch nicht, einpacken will ich auch nicht, was ich später noch bereue.
Das musste ja kommen: ULTREIA! Ich habe die schönen Herbstfarben als Hintergrund gewählt.
Das warme Licht der Herbstsonne bringt die Hagebutten so richtig zum Leuchten.
Von der Kirche in Flamarens stehen nur mehr die Außenmauern. Dafür ist das befestigte Schloss in gutem Zustand. Es ist in Privatbesitz.
Die nächste „Bergfestung“ ist das Städtchen Lectoure. Weithin ist der Turm der ehemaligen Kathedrale zu sehen.
Die Gässchen sind sehr eng, trotzdem fahren die Autos durch.
Hinter dieser unscheinbaren Mauer geht es lustig zu. Es ist gerade Mittagspause in der Klosterschule.
Auf der Hauptstraße ist nichts los: Mittagspause! Nur die Restaurants haben gerade noch offen. Ich will mir etwas Proviant kaufen – Fehlanzeige.
Dafür finde ich eine tolle öffentliche Toilette, die vielleicht Maßstab für uns in Österreich sein könnte.
Im Hôtel de Ville gibt es einige Gemälde berühmter Bürger der Stadt.
Von der Stadt sieht man weit über das Land.
Ich wandere noch eine kleine Strecke. Wieder ist Boden tief.
Mein Ziel, die Ferme d’Esparzot, liegt auf einer Anhöhe.
Der Blick auf die Stadt ist toll.
Die kleinen, gelben Blumen dürften Herbstkrokusse sein .
Tagesstrecke: 29,3 km
Eigentlich wollte ich in der Früh die Markthalle besuchen und den Proviant etwas auffüllen, aber ein Polizist erklärt mir, dass erst um neun Uhr geöffnet wird. Das ist mir zu spät. Ich gehe weiter zum Canal Lateral à la Garonne, der parallel zur Garonne fließt und die Schiffe aus dem Tarn in die Garonne überleitet.
Dem Kanal folge ich jetzt viele Kilometer. Immer wieder gibt es Schleusen, um den Höhenunterschied auszugleichen.
Ein Urlaubsschiff gleitet an mir vorbei. An der nächsten Schleuse muss es auf den Gegenverkehr warten, und ich hole es wieder ein.
Alte Platanen säumen das Ufer. Der Treppelweg auf meiner Seite ist asphaltiert und auch ein toller Radweg. Bei dem heutigen Wetter liebe ich sogar Asphalt. Immer wieder wechseln trockene Phasen mit leichtem Regen.

Über eine steile Straße komme ich nach Avilla, einen entzückenden kleinen Ort mit viel Vergangenheit. Auf der Rue des Nobles ziehe ich in die Stadt ein.
Am Hauptplatz steht ein schönes, denkmalgeschütztes Gebäude.
Der Uhrturm stammt aus dem 13. Jhdt.
Von einer großen Aussichtsterrasse sieht man weit über das Tal. Im Hintergrund die Kühltürme des AKW Golfech.
Auf dem weiteren Weg begleiten mich interessante Wolkenstimmungen.
In Saint-Antoine besichtige ich noch die Kirche mit ihrem arabisch anmutenden Tor.
Auch das Innendekor ist sehr mutig.
Ich habe eine nette Gîte gefunden.
Tagesstrecke: 29,1 km
Erstmals geht es in der Früh sogar bergab! Die folgende Bergwertung bringt mich zu einem Aussichtspunkt mit schöner Sicht auf Lauzerte.
Der Getreidespeicher mit aufgesetztem Taubenkobel zeigt, dass die Menschen viel Wert auf Qualität gelegt haben.
Der Boden zeigt tiefe und breite Trocknungsrisse. Zu lange ist hier wenig Regen gefallen.
Der Weg ist sehr glitschig, manchmal bräuchte man Steigeisen.
Die Gärten bei den Bauernhöfen liefern alle Arten von Gemüse; besonders die verschiedensten Tomaten leuchten heraus.
Ich komme an einer Kiwiplantage vorbei, wo bereits große Früchte auf die Erntezeit warten.
Die Schwalben sind immer noch da. Sie sammeln sich auf der Leitung und bejagen das umliegenden Feld nach Insekten.
Die Jagd ist los! Es ist Sonntag und die Männer brauchen Beschäftigung. Hier und da höre ich Schüsse fallen. 

Pilger sind willkommene Leute!





In einer ehemaligen Kapelle gibt es eine Ausstellung verschiedener Traubensorten. 


















Gleich geht’s auf die erste Bergwertung, die auch einen schönen Ausblick bietet.
Oben angekommen, erwartet mich eine Hochfläche.
Wer oben ist, muss wieder runter. Hier sind die Stöcke gefragt. Ich treffe einen Schweizer, der seit mehreren Wochen unterwegs ist und meist in der Hängematte schläft. Er ist erst unterwegs auf das Pilgern gekommen.
Der kleine Ort Labastide wirkt wie ausgestorben.
Im einzigen Café, Restaurant, Laden, Postamt, Versammlungsraum und Schulmuseum kehre ich ein.
Gut gestärkt durch Tee und Sandwich und mit guter Laune wandere ich weiter. Heute gibt es meistens nur Schotterwege oder Waldpfade.
Oft werden ehemalige Ackerflächen zu Trüffelkulturen. Die Wurzeln der Eichen werden mit dem Pilzmycel infiziert, ehe man sie aussetzt.
Bei Lascabanes komme ich bei einem netten Anwesen „Les Borderies“ vorbei.
Lascabanes ist auch das Ziel des heutigen Tages. Nur ganz wenige Einheimische sind zu sehen. Die meisten Menschen sind Pilger, die eine Herberge für die Nacht suchen.
Meine Herberge ist im ehemaligen Pfarrhof, der direkt an die Kirche angebaut ist, untergebracht. Nach dem Tod des letzten Pfarrers hat die Regionalregierung den Hof übernommen und eine Gitê eingerichtet.
Alle Herbergen sind für diese Nacht ausgebucht. Gut, dass ich reserviert habe.














Nach einem kurzen Abstecher in die Pampa finde ich auf den rechten Pfad zurück.
Das „Zentrum“ von Mas de Palat lasse ich bald hinter mir.
Heute stehen mir wahre Pilgerhighways zur Verfügung. Die ehemalige Hauptverbindungsstraße ist nach dem Neubau der Autostraßen zum Forst- und zum Pilgerweg GR 65 mutiert.
Der erste Ort ist Limone-en-Quercy. Hier gibt es wirklich noch Bäcker, Fleischer, Apotheke und Restaurants.
In den Eichenwäldern wird nach den schwarzen Trüffeln gesucht. Es werden sogar Kurse dafür angeboten. Aus ehemaligen Wiesen und Feldern sind Trüffelwälder geworden.
Mitten im Wald werde ich auf einen Dolmen aufmerksam gemacht. Die Deckplatte ist mehr als 3 m lang, 1.3 m breit und mehr als 50 cm hoch.
In Varaiere verlasse ich den offiziellen GR 65 und entdecke den ehemaligen Waschteich des Dorfes. Das Dörfchen ist fast ausgestorben. Im Café störe ich die Köchin mit meiner Teebestellung bei ihrer Arbeit. Wenn es nicht noch eine Stunde gedauert hätte, hätte ich mir den Kaninchenbraten einverleibt.
Wieder eine kleine Villa ohne Nachbarn.
Bei Sonnenschein zieht es mich an mein Ziel, das nur ein einzelner Hof ist. 