Archiv des Autors: Gerhard Pierer

14. Tag Sonntag, 08. September 2019 Gramastetten nach Untermühl an der Donau

Die Wolken haben sich über Nacht verzogen und auch der Wind ist eingeschlafen. Heute sehe ich erst, wie groß der Ort ist und wie viele Neubauten es gibt. Mein Weg führt entlang der Großen Rodl, einem rauschenden Bergbächlein. Es riecht stark nach dem Drüsigen Springkraut, das alle Vegetation niederwuchert. Der Graben ist über eine lange Strecke mit kleinen Wochenendhäusern verbaut. Als sich das Tal weitet, zweige ich nach Westen auf die nächste Hügelkette ab und verlasse die Große Rodl. Der Weg, der auf meiner Karte verzeichnet war, verschwindet plötzlich im hohen Kraut. Offensichtlich ist er nach den Windbrüchen durch Kyrill nicht mehr begehbar. Ich schlage mich an der Rohrbacher Bahn zur Rohrbacher Bundesstraße durch, der ich eine längere Strecke entlang gehe. Gut, dass es heute am Sonntag keinen LKW – Verkehr gibt. Die PKWs reichen. Zwischendurch fährt auch die Bahn mit einem Extraanhänger für die Fahrräder. In Lacken, auf einem Hügel gelegen, werde ich von einem richtigen Ortszentrum überrascht. Volksschule, Feuerwehr, Bank, Miniladen und Kirche liegen beisammen. In der eher modern gestalteten Kirche hat man die alten Bänke mit ihren Sitzbeschriftungen verwendet. Der Raps für die Silage steht in Blüte und sein Duft zieht so viele Bienen an, dass es surrt. Ich komme zu einem Stall und kann vorerst den etwas fremden Geruch nicht zuordnen. Der ganze Hügel trägt den Namen „Gaisberg“. In St. Martin im Mühlkreis werde ich mit Musik empfangen. Zum Pfarrflohmarkt spielen ein paar Musikanten hervorragende Volksmusik. Die Kirche hat durch einen Umbau etwas die „Richtung“ verloren. Es gibt keinen Hochaltar, der Volksaltar steht im Zentrum. BlumenwieseDas Schloss Neuhaus aus dem 12. Jhdt. ist von vielen Kunstprojekten umgeben. Es wurde erst kürzlich renoviert und befindet sich in Privatbesitz.

Über den „Steinigen Weg“ gehe ich rasch hinunter zur Donau. Der leichte Nieselregen kommt noch nicht durch das Blätterdach durch. Dann stehe ich wieder an der Donau, die hier im Staubereich des Kraftwerks Aschach fast steht. Ich residiere in der Pension Ernst, die wie ein Schloss an der Donau steht. Ein Balkon mit „Meerblick“ ist auch nicht zu verachten. Nicht lange nach meinem Eintreffen beginnt es zu regnen.

Tagesstrecke: 27 km
Bergauf: 619 m
Bergab: 847 m

13. Tag Samstag, 07. September 2019 St. Florian nach Gramastetten

Immer, wenn ich unterwegs gehe, fallen mir tolle Sprüche, Headlines und Gedanken ein, die ich am Abend in meinem Blog unterbringen möchte. Am Abend sind sie leider, wahrscheinlich in der Flut der Eindrücke, verschwunden. Trotzdem möchte ich nicht unterwegs stehenbleiben und mir sie notieren.
Dann eben ohne „Tageslosung“.
Nach heftigem Regen in der Nacht ist es zwar sehr nebelverhangen, aber nicht kalt. Der Marktplatz ist wie ausgestorben, aber das Frühstück war ausgiebig. Das garantiert schon einmal einen guten Start in den Pilgertag. Noch einmal gehe ich in die Basilika, wo ein Klavierstimmer zwei Flügel für das Nachmittagskonzert stimmt. Die Frontfassade ist so groß, dass sie kaum aufgenommen werden kann. Im Inneren schaue ich mir nochmals die Brucknerorgel an und komme auch näher an das Chorgestühl. Jetzt kreuze ich auch noch den österreichischen Jakobsweg, der von Wien nach Salzburg und Innsbruck führt. Mich zieht es Richtung Nordwesten. Die Wolken hängen tief. Mich beeindrucken die Bauernhöfe aufs Neue, die bei uns in der Steiermark als Schlösser oder Gutshöfe durchgehen würden. Wie lange dieses Land schon besiedelt ist, zeigt der Fund der „Venus von Ölkam“, die mit ihren 6500 Jahren zu den ältesten Figurdarstellungen gehört. Im Vergleich zur 30. 000 Jahre alten Venus von Willendorf ist sie allerdings ein junges Mädchen. Es ist vorerst völlig ruhig und friedlich, bis ich die Anhöhe überschreite. Plötzlich dröhnt der Verkehrslärm der noch fernen A1 und sorgt für Unruhe. In Ebelsberg Überqueren ich die Stadtgrenze von Linz. Ins Zentrum sind es sicherlich noch 8 km. Da stellt die Straßenbahn schon eine Versuchung dar, der es zu widerstehen gilt. Die verschiedenen Spurweiten auf einer Trasse sind ideal gelöst.
Neben der Pfarrkirche Linz-Ebelsberg steht ein modernes Pfarrzentrum und ein altes Schulgebäude mit einer Inschrift, die den Zeitgeist widerspiegelt. Mit der Überquerung der Traun beginnt es immer mehr zu nieseln. Für die Regenbekleidung zu wenig, fürs Nasswerden genug.Von den Anlagen der VOEST ist im Nieselregen kaum etwas zu erkennen.
Vorbei am modernen Bahnhof und am Linzer Musiktheater komme ich in die Linzer Landstraße, heiß umkämpft von allen DKT – Freunden in vordigitaler Zeit. Der Dom mit dem zweithöchsten Kirchturm Österreichs steht teilweise im Gerüst.
Das Landhaus mit seinem Renaissancehof ist ein Schmuckstück. Ich komme auf den Hauptplatz, um dort auf die nächste verkehrstechnische Versuchung zu stoßen, die Pöstlingbergbahn.Ich überquere die Nibelungenbrücke mit den benachbarten Schiffsanlegestellen und gehe am Ars Electronica Center (AEC) vorbei. Der Weg hinauf zur Basilika auf dem Pöstlingberg ist steil.Dafür ist dann das Erfolgserlebnis umso größer. Hier habe ich den oberösterreichischen Mariazellerweg, wenn auch in umgekehrter Richtung, vollendet.
Ab jetzt folge ich meinen Planungen durch das Mühlviertel, aber immer offen für spontane Änderungen, wie ich es gleich erlebe.
Der Donausteig Nord ist für kurze Zeit meine Orientierung. Asphaltstraßen, Forstwege und Wiesenpfade wechseln einander ab. Der Weg führt fast bis in die Wolkengrenze, während unten im Donautal die Sonne scheint. Die weißen Flecken sind hunderte Gänse, die bis zum Martinifest ein schönes Leben führen. Auf der alten „Linzerstraße“, einem Saumpfad, der als „Scherfweg“ schon im 12. u. 13. Jhdt. bekannt war, wurde Handel mit Böhmen betrieben. In Gramastetten, einer 5100 Einwohner – Gemeinde, ist für heute Schluss. Die Frühstückspension ist die einzige Unterkunftsmöglichkeit in der Gegend.

Das Zimmer ist klein, aber ausreichend für meine Bedürfnisse. Tagesstrecke: 32,0 km
Bergauf: 800 m
Bergab: 545 m

12. Tag Freitag, 06. September 2019 Steyr nach St. Florian

Ich wohne im Ortsteil Ennsleiten und muss über diese Stiege, um in das Stadtzentrum zu gelangen. Die Stadt an der Mündung der Steyr in die Enns ist oft vom Hochwasser bedroht. Am Hauptplatz stehen das Wahrzeichen, das „Bummerlhaus“ und das Rathaus.
Ich bin offenbar zu früh am Morgen unterwegs. Alles wirkt noch sehr verschlafen. Sogar die Pfarrkirche ist noch geschlossen.
Ich wandere weiter nach Christkindl und bekomme dort einen schönen Stempel in mein Pilgerbuch.
Die barocke Anlage wirkt richtig heimelig. Von der Geländekante habe ich einen guten Überblick über die heutige Strecke. Die Bauernhöfe werden immer größer. Der Weg führt heute im wahrsten Sinn durch Wald und Flur. Jetzt bekommt für mich das oberösterreichische Kennzeichen „LL“ eine neue Bedeutung: „LosensteinLeiten“.


Im Ort steht auch ein großes Schloss, das einen neuen Besitzer sucht. Für 1,8 Mio. Euro ist man dabei.

Ein wenig abseits vom Ort steht die Familiengruft der Familie Auersperg, früher auch Besitzer des Schlosses. Die Grablege wurde 1911 errichtet.
Mitten in der Landschaft steht die kleine Wallfahrtskirche Maria Laah mit Grabstellen der Auersperg. Zierkürbisse für Halloween, Hanf und Zuckerrüben werden hier angebaut. Bei einem Bauernhof komme ich mit einem Altbauern ins Gespräch. Er erzählt mir, dass früher ungefähr 16 Menschen ganzjährig am Hof lebten, zur Erntezeit bis zu dreißig. Heute bearbeitet eine Person die Fläche und geht daneben zeitweilig anderen Beschäftigungen nach. Der erste Blick auf das Stift St. Florian. Ich beschleunige meinen Schritt, denn um 15 Uhr startet die letzte Führung durch die Anlage. Ich schaffe es, und fast in einer Privatführung (zwei Besucher, eine tolle Führerin) lerne ich dieses barocke Stift kennen.
Die Stiftsbibliothek ist die drittgrößte Österreichs.

Der Marmorsaal von Jakob Prandtauer zählt zu den Höhepunkten des österreichischen Barocks.Auch die kaiserlichen Prunkräume zeigen die Pracht dieser Zeit.
In der Stiftskirche, in der die berühmte Bruckner – Orgel steht, werden gerade Vorbereitungen für das AEC- Festival getroffen. In der Gruft unter der Orgel befindet sich der Sarkophag des berühmten Komponisten Anton Bruckner.


Die eineinhalb Stunden verfliegen wie im Nu und ich begebe mich in mein Quartier.
Tagesstrecke: 30,7 km
Bergauf: 276 m
Bergab: 268 m

11. Tag Donnerstag, 05. September 2019 Konradsheim/Waidhofen nach Steyr

Was für ein herrlicher Sonnenaufgang. Ich habe recht gut in meinem Bett geruht. Die Landluft macht sich bemerkbar – parfum agriculture. Nein, so schlimm war es nicht. Die Hausfrau erzählt ein bisschen von den Herausforderungen am Hof, dass der Sohn ganz und gar auf den Beruf des Landwirts steht und dass das Anwesen seit dem 15. Jhdt. besteht.

Ich bin um halb acht aus dem Haus, wissend, dass heute eine längere Etappe zu bewältigen ist. Die Landschaft ist vor allem bei diesem Licht traumhaft. Eigentlich habe ich auch schon fast den E4 hinter mir. Von daheim bis zu den Pyrenäen bin ich ja schon, wenn auch nicht auf dieser Route. Zuerst geht es auf kleinen Asphaltstraßen dahin. Außer Schulbussen und ein paar Zulieferern ist es total ruhig. Dann weicht der Weg in den Wald und über Wiesen ab.

Irgendwo da bin ich heimlich über die grüne Grenze von Niederösterreich nach Oberösterreich gewechselt. Wenn das der K. mitgekriegt hätte. Kurz vor Maria Neustift komme ich an dieser Skulptur vorbei. Maria Neustift ist ein kleiner Wallfahrtsort mit langer Geschichte. Um 1124 wurde vorerst eine Holzkirche, im 15. Jhdt. eine Steinkirche errichtet. Nach einem Sturm wurde die heutige Kirche 1886 mit neuer Richtung (N – S) errichtet, wobei die alten Teile integriert wurden



Auch der Taufkessel erscheint mir interessant.Nach Mohnkuchen und Limonade geht es weiter. Es gibt zwei Varianten: die erste ist weit um den Talschluss zu wandern, die zweite ist die offizielle, 100 Höhenmeter runter in den Graben und auf der anderen Seite wieder hinauf. Unterwegs gibt es süße Stärkung. Auch hier komme ich an einem Steinmarterl vorbei.
Die Gläser-Hütte sperrt am Donnerstag erst um 12 Uhr auf. Ich habe Glück, dass der Wirt mir schon um halb elf  eine Limo und ein Schinkenbrot serviert. Es geht ständig auf und ab. Das Wetter ist ideal: Nicht zu heiß, nicht zu kalt.
Schließlich erreiche ich den höchsten Punkt  des heutigen Tages, den Spadenberg mit genau 1000 m. Dort gibt es sogar ein Gipfelbuch.



Nette Menschen sorgen sich um Pilger und Wanderer und kühlen Getränke für sie ein. Einen Obulus entrichtet man in eine Kasse. Ich habe ja noch nicht genug von der Wanderung und besteige die Aussichtswarte am Damberg. Ungefähr 155 Stufen führen 36 m nach oben. Den Rucksack lasse ich unten.
Danach geht es rasch durch den Wald hinunter zum Gasthof Schober, das ein typisches Ausflugsgasthaus ist. Dort wollte ich ursprünglich übernachten. Da es erst kurz nach 15 Uhr und für den Abend Regen angesagt ist, entscheide ich mich nach ausführlicher Stärkung dafür, nach Steyr abzusteigen. Ich komme durch St. Ulrich, dort gibt es eine große Kirche. Auch der Friedensweg mit interessanten Skulpturen fällt mir auf. Künstler verschiedener europäischer Staaten haben ihr Land zu präsentieren versucht. Ich nächtige in der Jugendherberge im Stadtteil Ennsleiten, natürlich auf einem Hügel, inmitten von Hochhäusern. Tagesstrecke: 35,3 km
Bergauf: 1310 m
Bergab: 1338 m

10. Tag Mittwoch, 04. September 2019 Maria Seesal nach Konradsheim/Waidhofen

Nach einer erholsamen Nacht kündigt sich ein strahlender Tag an. Nach ausgiebigem Frühstück starte ich bergwärts in ein kleines Hochtal.

Bald wechsle ich von Asphalt auf Waldboden. Die Blumen des Frühlings und Sommers sind den Früchten des Herbstes gewichen.

Ich steige in den Prollinggraben ab, wo ich erst auf eine alte Mühle treffe.


Hier verläuft auch der Eisenweg, ein Kunstprojekt, das seit Jahren immer neue Werke hier exponiert.
„Eisenweg“ „Menschen im Kulturpark Eisenstraße“ „Fischauge“ „Erlebnisbrücke“
Ich komme in das Ortsgebiet von Ybbsitz, einer kleinen Stadt, die seit Jahrhunderten von der Eisenverarbeitung lebt.

Einige Hammerwerke stehen noch. Manche werden als Schauschmieden betrieben, die Fa. Sonneck erzeugt noch heute Werkzeuge von Weltruf und man hört den Hammer im Vorbeigehen. Diese Heuschrecke wurde von der gelben Hauswand angezogen. Im Zentrum von Ybbsitz steht das Ferrum, ein multimediales Museum über die Welt des Eisens. Auf dem Hauptplatz steht auch die alte Pfarrkirche aus dem 15. Jhdt. Den Stempel für meinen Pilgerpass bekomme ich im Rathaus vom Bürgermeister persönlich. „Panta rhei“
In der Handwerkerstadt Ybbsitz finde ich auch einen netten Mechaniker, der mir meinen gestern gebrochenen Wanderstock perfekt repariert.
Jetzt kann ich mich wieder kräftig nach oben schieben. Die Aussicht ist grandios. Hier dürfen die Rinder noch Hörner tragen. Waidhofen an der Ybbs ist das nächste Ziel am heutigen Tag. Schon die Uferverbauung ist imposant. Waidhofen bezeichnet sich auch als „Stadt der Türme“.
Die Pfarrkirche zeugt auch vom Wohlstand der Stadt.
Das ist Nachhaltigkeit:
In Jägermeisterfläschchen wird Weihwasser verteilt. Wer hat die vorher geleert?Im Rothschild-Schloss ist heute ein Multimedia-Museum untergebracht.

Jetzt bin ich nicht nur auf dem Weitwanderweg 06 unterwegs, sondern auch auf dem 04 und dem E4.
Mein Ziel ist endlich vor Augen. Ich nächtige  im Bauernhof der Familie Holzner in Konradsheim. Tagesstrecke: 27,0 km
Bergauf: 800 m
Bergab: 640 m

9. Tag Dienstag, 03. September 2019 Lackenhof am Ötscher nach Maria Seesal

In der Nacht hat es noch geregnet, aber in der Früh sind die Straßen wieder trocken. Einzelne blaue Flecken zeigen sich am nebelverhangen Himmel. Das Thermometer zeigt gerade einmal 10°C.

Ich hole nach, wozu ich gestern im  Nieselregen keine Lust mehr hatte und schaue mich im Ortszentrum um. Die alte Schule beherbergt heute unter anderem ein Museum.Viele der Gastronomiebetriebe haben ausländische Investoren als Besitzer. Die ungarischen Urlauber haben in der Wintersaison den Ort voll im Griff.
Die Pfarrkirche wurde 1786 errichtet, nachdem die Pfarre von Gaming getrennt wurde.Nach dem Regen schauen die Wiesen besonders frisch aus. Ich gehe mehrere Kilometer auf einem Radweg (im Winter Loipe), der auf einer alten Straße angelegt wurde. Dieses Holzhaus erweckt mein Interesse. Ich kann nicht herausfinden, welchen Zweck es hat. Schützenhaus?


Die Wälder hier um Meierhofen gehörten einst den Rothschilds, ehe sie 2018 an die Prinzhorn – Gruppe verkauft wurden.
Das neobarocke Schoss Seehof am Lunzer See wurde von Carl Kupelwieser, einem reichen Industriellen, Mäzen und Naturforscher an Stelle von Vorbauten errichtet. Er ist der Gründervater der Limnologischen Station in Lunz.


Über den Seeuferweg komme ich zur Seepromenade.
Lunz ist ein kleiner Ort, etwa 1 km vom See entfernt. Die gotische Kirche aus dem 15. Jhdt. ist zweischiffig ausgeführt und hat auch zwei Altäre.
Einen ziert „Maria im goldenen Sessel“, den anderen eine Dreikönigsgruppe. Den drei Königen wurde die Kirche vor 250 Jahren geweiht. Das interessiert mich vor allem im Hinblick auf das Ziel meiner Wanderung Köln ganz besonders. Die Tourismusinformation ist in einem alten Gewerkenhaus untergebracht.Die weitere Wegstrecke verläuft an der Bahnstrecke der Ybbstal – Bahn, die 1896 ihren Betrieb aufnahm und heute als Museumsbahn betrieben wird. Unterwegs berichten Schautafeln von der Entwicklung und dem Betrieb. Über den Hackstockgraben komme ich auf die Hamotalm und das Gscheit.


Ich steige hinunter in das Tal der Schwarzen Ois bis Maria Seesal.Maria Seesal ist ein Wallfahrtsort, der zu Beginn des 20. Jhdt. entstanden ist.


Auf dem Weg dorthin entdecke ich eine Blindschleiche.Ich nächtige im Gasthof Krumpmühle, einem altehrwürdigen Gebäude, das zum Teil über 500 Jahre alt ist.


Die heutigen Tageswanderung zählt zu den schönsten, die ich in unserem Land gemacht habe.
Tagesstrecke: 26,8 km
Bergauf: 435 m
Bergab: 745 m

8. Tag Montag, 02. September 2019 Mariazell nach Lackenhof / Ötscher

Nach dem aufregenden Tag mit Pilger-Empfang, Gottesdienst und Abschlussachterl beim Pirker war ich schon gespannt, ob sich das Wetter an die Vorhersagen hält. Ab vier Uhr hat es ordentlich zu regnen begonnen. Auf dem Blechdach der Pension hört sich das gleich noch einmal so beeindruckend an.
Mit dem Frühstück lasse ich mir Zeit und gehe bei minimalem Nieseln aus dem Haus. Ich besuche nochmals kurz die Basilika, bevor ich Mariazell in Richtung St. Sebastian verlasse.
Die ersten Andenkenstände machen gerade ihre Rollläden auf.Die Wolken bzw. Nebelschwaden hängen noch tief, aber ich brauche keine Regenpelerine und es hat 15 °C. In St. Sebastian liegt der Bahnhof der Mariazellerbahn, einer Schmalspurbahn von St. Pölten nach Mariazell mit einer Spurweite von nur 760 mm. Diese Bahnlinie war eine der ersten, die elektrifiziert wurden. Gleich daneben schließt die normalspurige Erlaufseebahn an,
Ich folge wieder dem Weitwanderweg 06, nun dem Salzburger und Oberösterreichischen Mariazellerweg, aber in die Gegenrichtung. Fast hätte ich die Abzweigung übersehen.Die Erlauf ist nun kurzfristig meine Richtungsgeberin.Bei Mitterbach am Erlaufsee komme ich nicht nur nach Niederösterreich, sondern auch in den Naturpark Ötschermauern.
Die katholische Pfarrkirche wurde erst 1914/15 gebaut. Es gibt hier aber schon lange eine protestantische Tradition, die erst mit dem Toleranzedikt 1781 öffentlich wurde. Jetzt führt mein Weg in die Ötschergräben, die nicht zu Unrecht den Bären als Symbol bekommen haben. Heute hier als Tourist einen Bären zu sehen, wäre wohl eher eine Sensation als eine Gefahr. Die Erlauf wurde hier aufgestaut, um Strom für die Mariazellerbahn zu gewinnen. Immer wieder gibt es Kalkgebilde wie die Spielmauer, die mit Sagen verbunden wurden.

Entlang des Sees führt eine gut ausgebaute Forststraße, die mich bequem wandern lässt und Zeit fürs Schauen lässt.  Über eine Brücke komme ich an das andere Ufer.
Zuerst gibt es noch eine Forststraße, dann biegt der Weg steil ins Gelände ab.
Im Graben steht eine Replik einer Mühle, die früher in der Nähe betrieben wurde.
Von einem Felssporn aus gewinne ich einen ersten Eindruck der Ötschergräben.
Das glasklare Wasser wirkt fast unheimlich.
Die Jausenstation „Ötscherhias“ hat wie erwartet geschlossen und so setzte ich meinen Weg fort. Links und rechts türmen sich die Felswände aus recht brüchigem Gestein auf. Darunter haben Freiwille die Wege angelegt und mit Übergängen gesichert. An exponierten Stellen gibt es auch Seilversicherungen. Für die Durchwanderung sollte man schon trittsicher und schwindelfrei sein. Dann kommt, was in jedem „Naturfilm mit Niveau“ über wilde Wasserläufe vorkommen muss: die Wasseramsel.
Sie scheint mit der Gage nicht zufrieden zu sein, denn jedes Mal, wenn ich die Kamera zücke, verschwindet sie unter dem Stein, um sich kurz danach wieder heraußen zu präsentieren.

Am Fuße des Schleierfalls mache ich Rast und genieße die Ruhe. Gleich danach setzt leichter Regen ein, und der Wind weht das Wasser stoßweise von den Bäumen. Der Anstieg zum Spielpichler, einem Hof mitten im Wald, ist vorerst schon recht kräftig.
Danach wird es noch heftiger, denn der Waldboden ist durchnässt und sehr rutschig. Die richtig steilen Stellen kann ich nicht fotografieren, da habe ich mit dem Gelände genug zu tun.
Dann erreiche ich den Riffelsattel auf ungefähr 1280 m Höhe mit einer etwas eingeschränkten Fernsicht. Den Aufstieg zum Ötscherschutzhaus kann ich mir ersparen, denn entgegenkommende Wanderer berichten, dass es heute geschlossen hat.

Der Weg ins Tal führt teils auf der Schipiste, teils auf Forstwegen und teils im Wald. Ich bin froh, als die ersten Häuser von Lackenhof am Ötscher unter mir auftauchen. Im Ort ist zur Zeit nichts los, denn die Sommersaison ist mit 1. September abgeschlossen und die Wintersaison wird erwartet.

Im Sporthotel sind ein Paar aus Deutschland und ich die einzigen Gäste. Wir haben sogar gemeinsame Bekannte und tratschen viel länger als geplant. Ich habe ein großes Appartement für mich allein, die Zimmer werden gar nicht vergeben. Es war ein ereignisreicher Tag mit viel besserem Wetter als vorausgesagt. Der Weg war anstrengend, aber lohnenswert.

Tagesstrecke: 25 km
Bergauf: 740 m
Bergab: 790 m

7. Tag Sonntag, 01. September 2019 Niederalpl nach Mariazell

Wieder kündigt sich ein traumhafter Tag an. Der Sonnenaufgang in Richtung Mürztal ist schon einmal gelungen!

Wir haben heute einen strengeren Zeitrahmen, da wir unser Ziel zu einer fixen Zeit erreichen müssen. Doch dazu später.
Der Blick hinunter auf das Niederalpl (1230 m) und hinauf auf die Wetterinalm (1330 m) erinnert mich an die vielen Wintersportwochen, die ich hier geleitet oder als Lehrer verbracht habe.

Die Schattenpilger.

Ein steiler Steig verbindet den Ochsenboden mit dem Herrenboden (1450 m), wo wir eine kurze Rast einlegen. Dann geht es schon 360 m hinunter auf die Schöneben.

Bei der Mooshuam treffen wir auf Kolleginnen und Kollegen vom KIT (Kriseninterventionsteam), die uns entgegen gegangen sind.
Auch wir ziehen für die letzten Kilometer unsere „Dienstuniform“ an.
Für uns leicht zu beantworten! Zuerst durch’s Luckerte Kreuz und nach dem Shooting-Termin  der Straße nach.


Endlich ist die Basilika von Mariazell in Sicht.
Vor der Basilika werden wir von Superior Pater Mag. Dr. Michael Staberl, auch Mitglied von KIT, unseren KIT – Chefs und zahlreichen KITlern begrüßt. Später kommt auch Landesrat Seitinger hinzu und bedankt sich für unseren Beitrag für die Gesellschaft.

Während des Mittagessens setzt Regen ein, der uns aber nur geringfügig stört.
Ich freue mich, dass ich wieder den Weg zu Fuß nach Mariazell geschafft habe.

Am späten Nachmittag kommt wieder die Sonne zum Vorschein und beleuchtet die Basilika, die ich auch von innen besichtige.


Der Marktplatz ist am Abend menschenleer.
Ich beziehe mein Quartier in der Pension „Marienheim“, die von Franziskanerinnen geführt wird.Ich danke meinen Kolleginnen und Kollegen vom KIT für die tollen vier Tage, in denen ich eine andere Art des Pilgerns kennenlernen durfte!
Euch allen weiterhin „An guatn Weg“

Tagesstrecke: 18,5 km
Bergauf: 580 m
Bergab: 950 m

6. Tag Samstag, 31. August 2019 Stanglalm zum Niederalpl

Der Morgen kündigt sich mit sanftem Licht an. Die Nacht war angenehm mild.

Die Herberge ist nicht die neueste, aber das Essen ist mehr als umfangreich.Am Vormittag steht ein langer Abstieg ins Mürztal bevor, das in der Früh noch unter einer Nebeldecke steckt.
Unsere Gruppe ist lustig und fit unterwegs. Der Weitwanderweg 06 ist unser Mariazellerweg.
Der letzte Teil des Weges führt uns auf einer Forststraße zurück in die „Zivilisation“.
Von Mitterdorf fahren wir mit einem Taxi über Dorf Veitsch auf die Brunnalm.

Von dort geht es über die Schi- und Lifttrasse bergwärts.Je weiter wir bergwärts kommen, desto schöner ist der Weitblick.Der Weg auf die Graf Meran Schutzhütte ist recht heftig. Das letzte Mal vor sechs Jahren war alles VIEL leichter 😀!Wichtige Detailplanungen am Hüttentisch! Geschafft! Ich habe die höchste Stelle meiner geplanten Tour bis  Köln ist geschafft: die Hohe Veitsch mit 1981 m.



Über schmale Pfade kommen wir an die Nordseite des Berges.

Es ist nicht mehr weit auf das Niederalpl.
Am Niederalpl werden wir von einem KIT-Team mit Riesenbuchteln mit Vanillesauce begrüßt!
Wir nächtigen heute im Bloder-Hof.
Gesamtstrecke: 16,0
Bergauf: 879 m
Bergab: 1690 m

5. Tag Freitag, 30. August 2019 Strassegg zur Stanglalm

In der Nacht geht ein kurzes, aber heftiges Gewitter nieder. Das sind die einzigen Geräusche, ich in unserem Zehn-Bett-Zimmer wahrnehme.

In der Früh verziehen sich auch die letzten Regenwolken und uns empfängt eine schöne Morgenstimmung. Der Stroßegger Rudi, Wirt am Strassegg, lässt es sich nicht nehmen, jede Pilgergruppe mit einem Spruch und einem flotten Musikstück auf seiner steirischen Harmonika zu verabschieden.
Wir treffen uns pünktlich um acht Uhr zum Aufbruch mit ein paar besinnlichen Worten. Pilgergruppen, die oft seit Jahrzehnten hierherkommen, haben hier ihr eigenes Pilgerkreuz errichtet. Sie sind den ganzen Weg entlang zu finden.

Jeder Blick ins Joglland (Land der „Jakobe“) ist ein Genuss.

Das Gasthof auf der Schanz ist unser Mittagsziel. Die „Schanz“ war im Krieg gegen die Ungarn und die Türken ein Verteidigungsposten, den Bauern errichtet haben. Auch in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges versuchten einige Wehrmachtsangehörige hier, noch den Krieg zu gewinnen. „Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg ist steinig und schwer…. “ Wir nehmen ihn mit Bravour.

Der Windpark auf der Stanglalm hat die Landschaft grundlegend verändert.

Am Wegrand werden wir immer wieder fündig. Während andere Eierschwammerln und Steinpilze finden, lacht mich dieser Fliegenpilz an.Vor dem Wirtshaus auf der Stanglalm treffen wir den Finder eines 1,8 kg schweren Steinpilzes. Die Wirtin bereitet uns zum Nachtmahl aus 20 Eiern eine herrliche Schwammerleierspeise zu.

Das heutige Zimmer ist sehr heimelig.
Tagesstrecke: 20,2 km
Bergauf: 738 m
Bergab: 433 m