Es war gestern viel los im Hospiz. Hier treffen nicht nur die Pilger von beiden Seiten des Passes zusammen, auch Wanderer auf der Via Alpina, Radfahrer und „normale“ Touristen nächtigen hier. Dementsprechend dicht ist das Gedränge im zu kleinen Frühstücksraum.
In der Früh liegt vorerst dichter Nebel auf dem Pass. Vom See ist nichts zu sehen.


Ein neuer Tagesgast kommt an…

Plötzlich kommt die Sonne für kurze Zeit durch und leuchtet die Häuser am See an. Hier verläuft die Grenze Schweiz – Italien-EU.


Der Fußweg kreuzt ein paarmal die Straße. Dann ist eine kurze Rampe gut gepflastert.

Der Weg bergab ist meist leicht begehbar. Es gibt weniger schwierige und extrem steile Stellen. Trotzdem darf man den Weg nicht unterschätzen.


Im oberen Abschnitt verhindert der Nebel die Sicht. Erst unter 2200 m ist es besser. Da sehe ich auch die vielen Kehren, die den Pass für Motorradfahrer interessant machen.

Der erste Ort Saint-Remy-en-Bosses ist ein kleines, fast verträumtes Dorf auf 1550 m.




Es geht immer weiter das enge Tal bachabwärts. In Saint-Léonard steht neben der Kirche das Castello di Bosses aus dem 12. Jhdt.

Die Kirche ist dem Hl. Leonhard geweiht, der in der katholischen Kirche fälschlicher Weise für Viehzucht zuständig ist. Aber das ist eine andere Geschichte.
Die Marienstatue ist von besonderer Qualität.

Vor der Kirche sitzt noch ein Figur, die auf den Fasching hinweist. Der „Coumba Freida“ weist mit seinen bunten Figuren auf die Soldaten Napoleons hin.

Vor Saint-Rémy-de-Bosses gehe ich lange entlang des „Ru Cerisey“ mit glasklarem Wasser. Rus haben im Aostatal lange Bautradition (Mittelalter) zur Bewässerung.

Étroubles gehört zur Liste der schönsten Orte Italiens.

In römischer Zeit hieß der Ort Restapolis und war das wichtigste Zentrum des Tals. Vermutlich diente er als Winterlager der Passgarnison an der alten Via delle Gallie.
Über die Jahrhunderte hinweg war er die Hauptstadt des Großen Sankt-Bernhard-Tals.
Im Mittelalter war Étroubles eines der Dörfer an der Via Francigena.

Étroubles – Brücke über den Torrente Artanavaz
Napoleon Bonaparte durchquerte die Stadt auf seinem Weg nach Italien. Am 20. Mai 1800 machte er in Étroubles Station, auf seinem Weg nach Marengo (wo die gleichnamige Schlacht stattfinden sollte). Er wurde von einer Armee von 35.000 Infanteristen und Artilleristen sowie 5.000 Reitern begleitet.
Heute soll eine Fernsehaufzrichnung für einen Lokalsender stattfinden. Daher sind vor dem Rathaus verschiedene Situationen aus der Geschichte aufgebaut: Schmiede, Holzschnitt, etc.


Heute nächtige ich in einer kleinen, einfachen Herberge in Échevennoz-Dessus. Sie liegt direkt unter einer kleinen Kapelle.


Das Abendessen bekommen wir im Nebenhaus. Es gibt Gemüsesuppe, Würstchen mit Bohnengemüse, gemischten Salat und als Nachtisch Melone. Alles schmeckt sehr gut.

Tagesstrecke: 17,5 km; ↑155 m; ↓1387 m
