Via Francigena – Von Lausanne nach Italien 4. Tag Sonntag, 23. August 2026 Saint-Maurice – Martigny

Ich habe in der Nacht herrlich geschlafen. Erst kurz vor sieben, knapp bevor die Glocken zu läuten beginnen, werde ich wach.

Bevor ich loswandere, gehe ich noch kurz in die Basilika. Wieder bin ich allein, diesmal gibt es keine Orgelbegleitung.

Saint-Maurice war zunächst der keltische Ort, der wegen seiner strategischen Lage am Eingang zum oberen Rhonetal die Aufmerksamkeit der Römer auf sich zog. Nach der Eroberung richteten die Römer dort in Agaunum einen Militärposten und eine Zollstation ein, um Abgaben von den Händlern zwischen Italien und Gallien zu erheben, denn der Ort lag an einer der großen Handelsstraßen, die über den Mons Jovis (Jupiterberg) von Italien nach Germanien und Gallien führte.

Saint-Maurice

Mauritius, der Hauptmann einer Abteilung einer Legion, erlitt dort angeblich mit allen seinen Soldaten gegen Ende des 3. Jahrhunderts den Märtyrertod. Die Überreste von Mauritius und seinen Gefährten wurden von Bischof Theodor (auch: Theodul), dem ersten Bischof des Wallis, in ein Heiligtum an der Basis des Felsens beim heutigen Ort Saint-Maurice überführt.

Soweit die Vorgeschichte. Im Jahr 515 beauftragte König Sigismund von Burgund Mönche, hier ein Kloster zu errichten. Dieses Datum gilt als Gründung der Abtei Saint-Maurice, die damit als eine der ältesten Abteien der Schweiz anzusehen ist.

Die damaligen Herrscher Mitteleuropas waren sehr an der Abtei interessiert (oder doch an den Mauteinnahmen?)

Die Stadt war auch das Ziel von Plünderungen, so waren 574 die Langobarden auf „Schatzsuche“ und im 10. Jhdt. sogar die Sarazenen.

Die heutige Kirche entstand im 17. Jhdt. neben den Vorgängerbauten. Dadurch ist heute der Platz für die Ausgrabungen zugänglich.

Genug der Geschichte….

Nach einem kleinen Frühstück ziehe ich in Richtung Süden das Rhonetal aufwärts. Der Himmel ist klar und die Bergspitzen, die gestern noch wolkenverhangen waren, sind heute frei.

Cime d’Est ?

Der Weg führt über Wiesen, durch kleine Ortschaften und kleine Wäldchen. Zwischendurch gibt es kleine Steigungen. Eigentlich sehr gemütlich.

Wege
Wege
Evionnaz
Wäldchen
Evionnaz

Bei Evionnaz sind noch alte Verteidigungslinien aufgebaut. Sie dienen heute nur mehr dem musealen Gebrauch.

Panzersperren
Geschützstellung im Berg

Aus der Ferne leuchtet ein Berg mit riesigem Gletscher herunter. Es ist der Grand Combin. Er gehört mit 4309 m zu den höchsten Bergen der Alpen.

Nicht weit davon ist die Gorges du Trient, eine eindrucksvolle Schlucht, die der Trient-Bach bis 200 m in den Fels geschnitten hat.

Grand Combin 4309 m

Die Pissevache oder Cascade de Pissevache, auch Cascade de Salanfe (Salanfe-Wasserfall), ist ein 116 m hoher Wasserfall in bei Mieville.

Cascade de Pissevache
Cascade de Pissevache

Gleich daneben steht ein Laufkraftwerk im Berg. Ein altes Peltonrad erinnert daran.

Dieser Stadtteil von Martigny ist sehr offen und frei. Viele Plätze lockern den Häuserverband auf.

Eingang zur Gorges du Trient
Gorges du Trient
Gorges du Trient
Gorges du Trient
Gorges du Trient

Direkt über dem Schluchteingang verläuft die Bahnlinie des Montblanc-Express von Martigny nach Chamonix und weiter nach Saint-Gervais-les-Bains Le Fayet.

Auf der 18 km langen Strecke überwindet die Bahn Steigungen von 7 % im Adhäsinsbetrieb un 20 % im Zahnradbetrieb.

Montblanc-Express
Montblanc-Express
Montblanc-Express

Noch ein paar Kilometer und ich komme zum Zielort Martigny. Über eine gedeckte Holzbrücke dürfen auch Autos fahren

Martigny – Holzbrücke über die Dranse

Von Ferne höre ich Bläsermusik und treffe gleich darauf auf vier Alphornbläser, die sich redlich bemühen.

Alphornbläser
Martigny

In Martigny-Bourg, zwei Kilometer westlich, ist noch ein alter Stadtkern vorhanden. Dort steht auch die frisch renovierte Jugendherberge.

Martigny-Bourg
Martigny-Bourg – Jugendherberge
Martigny-Bourg – Jugendherberge

Ich mache einen kleinen Rundgang und komme zum römischen Amphitheater, das auch heute noch in Verwendung steht. Das unter Kaiser Trajan errichtete Theater fasste etwa 5000 Besucher. Heute ist es unter anderem Austragungsort von Open-Air- Kinovorführungen im Sommer und von Kuhkämpfen.

Martigny-Bourg – Amphitheater

Ich komme noch kurz bei der Fondation Gianadda vorbei, einer Stiftung von Museen, öffentlichen Einrichtungen und vieles andere. Ihr Gründer war Journalist, Baumeister, Kunstsammler und Mäzen.

Fondation Gianadda
Fondation Gianadda

Zum Einstimmen auf Italien gibt es heute köstliche grüne Pasta mit Lachs.

Pasta

Tagesstrecke: 21,4 km; ↑246 m; ↓178 m

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