An diesem denkwürdigen Punkt hat der Pilger und Weitwander Gerhard seinen 10.000. Kilometer km zu Fuß zurückgelegt. (Küstenweg zwischen Mola di Bari und Monopoli)
10.000 km
In questo momento memorabile, il pellegrino ed escursionista Gerhard completò il suo cammino di 10.000 km. (Sentiero costiero tra Mola di Bari e Monopoli)
10.000. Kilometer
At this memorable point, the pilgrim and long-distance hiker Gerhard completed his 10.000 km walk. (Coastal path between Mola di Bari and Monopoli)
Gerhard
Sicher sind es schon ein paar Kilometer mehr, aber die Summe der Aufzeichnungen trifft gerade diesen schönen Punkt.
Ich verlasse heute das Haus schon um halb sieben und frühstücke in einem der vielen Cafés.
Ostello Conforthotel
In der Früh ist es bedeckt und etwas schwül. Die längste Zeit werde ich heute am Meer entlang gehen. Die Wolken werden sich aber bald auflösen und es wird warm.
AdriaRückschau auf Bari
Entlang der Küste liegen kleine Dörfer, mit kleinen Buchten zum Baden und Fischen. Ich treffe am Strand viele Fischer, die ihren Fang, Oktopus, bearbeiten.
San Giorgio
Dieser Fischer hat in der Nacht einige Oktopusse gefangen. Den schätzt er auf vier Kilo.
Oktopus
Zwischendurch führt die Route etwas weg vom Meer und parallel zur Strada Statale N16 der „Adriatica“. Wegen einer Baustelle ist die Nebenfahrbahn gesperrt und ich habe sie für mich allein. Genau das Gegenteil von gestern.
An der „Adriatica“
Hier findet man in den Orten beides: Heruntergekommene Gebäude und elegante Villen, die etwas vom Flair des italienischen Films der 60er aufkommen lassen.
Baufälliges HausVilla
Die ersten Olivenbäume stehen in Blüte.
Oliven
Gegen ein Uhr komme ich im Zentrum von Mola die Mare an. Die Piazza Venti Settembre ist der Mittelpunkt des Ortes.
Piazza Venti SettembrePiazza Venti SettembrePiazza Venti Settembre – Palazzo Roberti
Die Chiesa Matrice San Nicola di Bari stammt aus dem 13. Jhdt. Die beiden Eingangsportale sind interessant.
Chiesa matrice San Nicola di BariChiesa matrice San Nicola di BariChiesa matrice San Nicola di Bari
Nach einem Hafenspaziergang esse ich gleich dort in einem Straßenlokal.
Fischerboote im Hafen Bruschetta, GamberettiTiella di Riso, Patate e Cozze – Kartoffel-Reisauflauf mit Cozze neroMeeresfrüchte
Heute schlafe ich im B&B Le Castello
Das Nikolaus-Fest kann beginnen. Auch meine Straße ist beleuchtet.
Tagesstrecke: 23,5 km; ↑ 66 m; ↓ 66 m + 1 km Stadtrundgang
Heute bin ich zum ersten Mal später wach geworden, obwohl der Schlaf gar nicht so herrschaftlich war, wie es die Räumlichkeiten vorgaben.
Es ist vor allem auf der Straße schon sehr warm. Eine Straßenüberführung gibt ein bisschen Höhenunterschied her, damit mich die Gegend sehen kann und nicht nur Olivenbäume.
Blick zurück auf Bitonto
Jetzt habe ich sie wieder im Blickfeld: Orchideen ohne Ende auf einem Fleck mit wenig Nährstoffen.
Heute sind besonders lange Gerade mit wenig Schatten angesagt.
Gerade vor Bari
Ich weiche vom Weg ab und komme an einem modernen Spital und einer Wohnsiedlung mit Wandmalerei vorbei.
Ospedale San MarcoWohnblock in San Paolo, Bari
Nur wenige Touren ermöglichen es einem, als Fußgänger die Autobahn und Bahnlinien zu queren. Da wird es manchmal dicht.
Und jetzt noch Gegenverkehr….
Hurra, ich habe es geschafft: ich bin an der Adria angekommen! 380 Kilometer habe ich von Minturno am Tyrrhenischen Meer bis Bari an der Adria zurückgelegt.
An der AdriaEs gibt schon Badegäste
Bis zum Leuchtturm und dann zur Basilica San Nicola zieht es sich noch gewaltig.
Am Meer entlangLeuchtturm Faro di San Cataldo
Das Castello Normanno-Svevo di Bari wurde um 1132 unter dem Normannenkönig Roger errichtet und nach der Zerstörung 1233 auf Befehl Kaiser Friedrichs II. wieder aufgebaut.
Castello Svevo di BariCastello Svevo di BariCastello Svevo di Bari
Die Basilica Pontifica San Nicola ist die wichtigste Kirche, wenngleich nicht Kathedrale der Diözese. Nikolaus von Bari hat hier als Bischof gewirkt. Er ist nicht ident mit Nikolaus von Myra, dessen Reliquien aber hier in Bari liegen, nachdem sie von Seefahrern aus Bari geraubt wurden. Mehr will ich zur allgemeinen Verwirrung nicht beitragen. Jedenfalls ist Bari eine wichtige Pilgerstadt auch für Gläubige der Ostkirchen. In der Kirche findet zufällig eine große Hochzeit statt.
Basilica Pontifica San NicolaBasilica Pontifica San NicolaBasilica Pontifica San NicolaBasilica Pontifica San NicolaBasilica Pontifica San NicolaBasilica Pontifica San NicolaBasilica Pontifica San Nicola – Hauptportal
In der Stadt ist zu Mittag nur an den Tourismuspunkten viel los, gegen Abend staut es sich überall.
Altstadt
Auch eine kleine Hafenrunde muss noch sein.
Hafen von BariFähre im Hafen von Bari
Zu Mittag gönne ich mir einen Oktopus vom Grill. Er hätte etwas zarter sein können, hat aber trotzdem gut geschmeckt.
Oktopus vom Grill
Gut, dass ich heute schon in Bari bin. In den nächsten Tagen sind die Festtage des Hl. Nikolaus. Das Programm ist umfassend, die Quartiere sind übervoll.
Tagesstrecke: 23,0 km; ↑ 30 m; ↓ 139 m + 5 km Stadtrundgang
Der Vorteil dieser italienischen Städte ist, dass die Ein- oder Ausfallsstraßen meist schnurgerade sind. Hat man einmal die richtige gefunden, hat man bis auf weiteres wenig Orientierungsprobleme. Das liegt natürlich an der historischen Entwicklung.
Ich bin auf der Viale Madonna delle Grazie einmal auf der Geraden.
Von einer Straßenüberführung habe ich einen guten Ausblick auf die sonst sehr flache Gegend.
Blick nach Südwesten
Schon bald habe ich die originale Strecke der Via Traiana erreicht und sehe, wie effizient die Römer ihre Straßen im 2. Jhdt. anlegten. Schnurgerade, breiter als so manche Landesstraße heute und offenbar für die Ewigkeit gebaut.
Via Traiana
Hier symbolisiert der Marmorstreifen die ehemalige Breite der Straße.
Via TraianaVia Traiana
Die Sonne ist ganz schön kräftig. Der Weg führt geradewegs nach Südosten.
Via Traiana
Nein es ist kein Triumphbogen, sondern ein Eingangstor zu einer Verbindungsstraße zwischen dem Ort Terlizi und der Via Traiana. Der Park bestand aus einem dem Staat gehörenden Ödland, das auf die Bevölkerung 1814 aufgeteilt werden sollte, um darauf Wein zu kultivieren. Es dauerte zwei Jahre, um das Land urbar zu machen. So entstanden 1160 Weingärten. Das Tor sollte ein Zeichen der gemeinsamen Arbeit sein.
Portone del Parco
Unterwegs komme ich noch am Menhir von Bitonto vorbei. Er soll nach neuesten Forschungen keinen prähistorischen Ursprung haben, sondern ein spätrömischer oder frühmittelalterlicher Grenzstein sein.
Menhir von Bitonto
Zwischendurch wird es fast gefährlich. Die Haupteinfahrtsstraße nach Bitonto wird umgebaut, die Zufahrten sind schon asphaltiert, aber noch nicht eröffnet. Jetzt geht der gesamte Verkehr über ein Sträßchen, das für den Lokalverkehr vorgesehen ist. Zum Glück kann ich in die danebengelegenen Olivenhaine ausweichen.
UmleitungDurch den Olivenhain
Nach wenigen hundert Metern ist der Spuk vorbei. Es geht wieder auf der Via Traiana auf Bitonto zu. Beim Friedhof komme ich in das Stadtgebiet.
Friedhof
Direkt auf dem Weg liegt mein Quartier, das B&B Palazzo Antica Via Appia. In diesem alten Haus wurden in allen Stockwerken fast feudale Räumlichkeiten geschaffen. Alle Räumlichkeiten auf den Bildern stehen nur mir zur Verfügung. Preis mit Frühstück: 40 €.
In den Obergeschoßen sind die Räumlichkeiten noch schöner.
B&B Palazzo Antica Via AppiaB&B Palazzo Antica Via AppiaB&B Palazzo Antica Via AppiaB&B Palazzo Antica Via AppiaB&B Palazzo Antica Via Appia
Mein erster Weg führt zur ganz nahe liegenden Concattedrale di Santa Maria Assunta. Die hochromanische Kirche wurde von 1175 bis 1200 errichtet, steht aber auf den Grundfesten einer Vorgängerkirche aus frühchristlicher Zeit, die man im Untergrund besichtigen kann. Dort sind auch noch die römischen und griechischen Vorgängerbauten sichtbar.
Concattedrale di Santa Maria AssuntaConcattedrale di Santa Maria AssuntaConcattedrale di Santa Maria AssuntaConcattedrale di Santa Maria Assunta
Von dieser Kanzel soll der Bischof Nikolaus von Bari eine flammende Rede an den Kaiser Friedrich II. gehalten haben.
Concattedrale di Santa Maria AssuntaConcattedrale di Santa Maria Assunta
Auch die Krypta und die freigelegten frühchristlichen Reste sind eindrucksvoll.
Concattedrale di Santa Maria Assunta – KryptaConcattedrale di Santa Maria Assunta – KryptaBoden der frühchristlichen KircheBoden der frühchristlichen Kirche
In der Stadt gibt es unzählige Palazzi, die die Altstadt bilden.
Auch heute kündigt sich ein schöner Tag an. Auf dem Weg aus der Stadt muss ich durch die innerste Altstadt mit vielen Winkeln und Gässchen. Eines ist so eng, dass ich mit dem Rucksack fast stecken bleibe. Ich komme gerade noch ohne Feuerwehr heraus.
AltstadtSackgässchenEnge Gasse
Manchmal ist ein kleiner Umweg nötig, wenn man trockenen Fußes bleiben will.
FeldwegKlatschmohn
Wieder ist ein Trullo am Wegrand. Der sogar mit besonderer Verzierung.
TrulloArabischer Milchstern (Ornithogalum arabicum L.)
Hinter großen Toren und vorgesetzten Gärten wohnen die „ärmeren“ Leute.
Hauszufahrt
Nach einer Schnellstraßenunterführung haben einige Wachhunde ihr Revier abgegrenzt. Einer beginnt zu bellen, ein zweiter zeigt, dass er es ernst meint. Die anderen drei, vier bleiben im Schatten liegen. Das war’s zum Glück auch schon.
Die machen mehr Radau, zeigen ihre Zähnchen, sind aber hinter einem Zaun.
Ich komme kurz vor 10 Uhr in Corato an und sehe mich ein wenig um. Das Rathaus ist nicht zu übersehen.
Palazzo di Cittá
Um die Ecke höre ich Musik und Lautsprecherlärm und ich treffe auf das diözesane Ministrantentreffen.
Ministrantentreffen
Ich besuche noch die Hauptkirche der Stadt mit dem Stadtpatron San Cataldo.
Chiesa Santa Maria Maggiore o MatriceChiesa Santa Maria Maggiore o MatriceSan Cataldo
Nach einer kleinen Stärkung in einem sehr lauten und stark besuchten Lokal wandere ich weiter gegen Süden.
Ich habe eine Variante gewählt, die um etwa 4 Kilometer kürzer ist, zwar auf Asphalt, aber recht verkehrsarm. Warm ist es beiden Varianten.
Straße nach Ruvo di Puglia
Olivenöl spielt hier eine große Rolle!
Cittá dell’Olio
Ich erreiche Ruvo di Puglia, eine Stadt mit 24.000 Einwohnern und reicher Geschichte. Schon die Römer errichteten hier an der Via Traiana eine Festung. Auch im Mittelalter war die Stadt von Bedeutung. Heute ist davon wenig übriggeblieben.
Grillata mista
In den engen Gassen der Altstadt stehen viele Palazzi, die nach außen gar nicht so nobel aussehen. An Einzelheiten sieht man dann doch ihre Bedeutung.
Palazzo CaputiUhrturmAltstadt Palazzo di Caminera auf der Piazza Giacomo MatteottiAltstadt
Die der Heiligen Maria Assunta geweihte Konkathedrale ist eines der bedeutendsten Beispiele der apulischen Romanik. Sie wurde zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert erbaut und später mehrfach umgestaltet. Sie ist mit dem Bischofspalast verbunden, da sie bis 1986 Sitz der Diözese Ruvo war.
Concattedrale di Ruvo di PugliaConcattedrale di Ruvo di PugliaConcattedrale di Ruvo di PugliaConcattedrale di Ruvo di Puglia
Ich besuche den Palazzo Jatta, in dem das Nationalmuseum für die archäologische Sammlung der Familie Jatta untergebracht wurde. Hier sind vor allem Fundstücke aus der griechischen Zeit der Adriaküste zu sehen.
Palazzo JattaPalazzo JattaPalazzo Jatta
Unterwegs sind mir durch ihr Geschrei und ihren Flug Sittiche aufgefallen. Hier haben sich die Mönchssittche ausgebreitet. Vielleicht findet ihr ihn.
Mönchssittich (Myiopsitta monachus, Boddaert)
Mein Abendessen:
Verdure grigliateGrigliata mista
Tagesstrecke: 23,2 km; ↑ 169 m; ↓ 69 m + 3 km Stadtrundgang
Der heutige Tag beginnt, wie der gestrige vergangen ist: strahlend blauer Himmel und eine kräftige Sonne.
Ein Blick zurück auf Canosa, das von unten heraufstrahlt.
Canosa di Puglia
Der Klatschmohn ist zur Zeit ein ständiger Begleiter
Klatschmohn
Wein und Olivenbäume wechseln sich ständig ab. Manche Weinkulturen sind mit Netzen oder Folien abgedeckt.
Wein und Oliven
Für die Feigen bin ich wohl wieder zu früh im Jahr unterwegs. Sie werden hier nicht kommerziell angepflanzt, sondern stehen nur am Wegrand.
Feigen Oliven ohne Ende
Da taucht der erste Trullo auf und noch dazu gleicht in Zwillingsausgabe.
TrulloInnenansicht des Trullo
Wenn es hier regnet, wird es wohl sehr schlammig. Ganz im Hintergrund ist das Meer sichtbar.
Vidi marem
Ein Agrarbetrieb wirbt für nachhaltiges Wirtschaften in jedem Bereich.
Nachhaltige Landwirtschaft
Sowohl beim Wein- und Obstbau als auch für die Olivenbäume ist entsprechende Bewässerung unumgänglich. Für jede Pflanze gibt es eine Wasserzuleitung.
Olivenbäume
Von einer Trockensteinmauer strahlt es richtig türkis. Es dürfte sich um Bakterien oder Flechten handeln, denn die Farbe ist nur oberflächlich abgelagert.
Trockensteinmauer
Nach 22 Kilometern ohne Bar oder Cafe komme ich zugleich mit Domenico und Giorgio, den beiden Italienern in Andria an. Wir stürmen die erste Bar, um unsere Flüssigkeitsspeicher zu ergänzen.
Andria ist eine sehr ausgedehnte Stadt mit einem alten Stadtkern. Sie hat fast 100.000 EinwohnerInnen.
Neuer Wohnbau in Andria
Durch die Porta San Andrea gelange ich in die Altstadt.
Porta San Andrea
Ich bin in der Casa Francesco Oasis direkt neben der Franziskanerkirche untergebracht. Im Erdgeschoß gibt es hier ein Kindermuseum.
Casa Francesco OasisCasa Francesco OasisCasa Francesco Oasis – KindermuseumCasa Francesco Oasis – Kindermuseum
Nach einer verdienten Ruhepause mache ich einen Stadtspaziergang und schaue mir ein paar Highlights genauer an.
Die Chiesa di Sant’Agostino stammt aus dem 13. Jhdt., hat eine gotische Fassade mit einem tollem Tor, ist aber im Inneren barockisiert.
Chiesa di Sant’AgostinoChiesa di Sant’AgostinoChiesa di Sant’AgostinoChiesa di Sant’Agostino
Die Cattedrale di Santa Maria Assunta in Andria geht auf das 11. Jhdt. und die Normannen zurück. Von damals blieb die Krypta erhalten.
Cattedrale di Santa Maria AssuntaCattedrale di Santa Maria Assunta – Hauptschiff vorneCattedrale di Santa Maria Assunta – Hauptschiff hintenCattedrale di Santa Maria Assunta – Krypta
In einer Seitenkapelle werden Dornen aus der Dornenkrone Jesu aufbewahrt.
Cattedrale di Santa Maria Assunta – Kapelle der Dornen
Neben der Cattedrale di Santa Maria Assunta steht der Palazzo Comunale, der einer der Hauptsitze von Friedrich II., den er 1230 errichten ließ. Er steht leider hinter einem Gerüst.
Palazzo Comunale
In ganzen Altstadtbereich gibt es zahlreiche, große Palazzi und kleine versteckte Gässchen.
Palazzo MunicipaleInnenhof der BischofsresidenzSeitengässchenSeitengässchenSeitengässchen
Zum Abendessen habe ich mir ein Lokal ausgesucht, das als apulische Spezialität Panzerotti, das sind gefüllte Teigtaschen, die frittiert werden, anbietet.
PanzerottiPanzerotti
Tagesstrecke: 25,4 km; ↑ 204 m; ↓ 263 m + 3 km Stadtrundgang
Bei herrlichem Sonnenschein verabschiede ich mich vom Dom in Cerignola, dessen Kuppel 75 m in die Höhe ragt.
Cattedrale di San Pietro ApostoloCattedrale di San Pietro Apostolo
Die Straßen von Cerignola sind dunkel, aber mit hellen Steinplatten gepflastert, die in der Früh besonders glänzen.
Straßenpflaster in Cerignola
Die erste Straße führt gleich einmal fünf gerade Kilometer aus der Stadt hinaus.
Via Scarafone
Leider ist eine ganze Armada von Traktoren mit Spritzanhängern unterwegs, um alles und jedes mit Pflanzenschutzmittel einzunebeln. Ob Wein, Marillen, Pfirsich, Nektarinen, auch Oliven entkommen der Chemie nicht. Die Bandera ist hilfreich, sonst hätte ich mit die FFP2-Maske herausholen müssen.
Marillen Oliven
Die Hunde neben der Straße waren recht friedlich. Hinter den Zäunen kläffen sie mitunter recht heftig.
Wachhunde
Wir treffen uns jeden Tag. Jetzt ist es Zeit für ein gemeinsames Foto. Die beiden Italiener sind aus Modena und wollen auch bis Santa Maria di Leuca gehen.
Pilger
Auf meinem Weg gibt es außer Kleintraktoren und ein paar PKW keinen Verkehr. Der ist auf der Autobahn A16 unterwegs.
Autobahn A16
Kurz darauf muss ich ein Stück entlang der SP2 gehen. Dort ist auch nicht wenig los, unter anderem auch im übertragenen Sinn. Junge Damen bieten in auffallender Kleidung ihre Dienste den Vorbeifahrenden an. Da sie auch noch alle gleiche Sessel zum Rasten haben, legt nahe, dass sie denselben Arbeitgeber haben.
Auf der Strada Provinziale 2 – SP2
Ich komme zur Ponte Romano über den Ofante. Dies Brücke war schon in römischer Zeit eine wichtige Verbindung für die Via Traiana. Ein nachgebauter Wachturm vermittelt ein guten Überblick.
Ponte Romano sull’OfantoPonte Romano sull’OfantoOfantoVia TraianaVia Traiana
Ich ändere die Routenplanung und wechsle auf die alte VFS, die an einer heute stark befahrenen Straße liegt. Hier, an der alten Via Traiana, stehen die Reste einiger Mausoleen und ein Triumphbogen zu Ehren des Traian – allerdings im Gerüst.
Mausoleo BagnoliArco di Traiano (109)
Aus dem Tal des Ofanto erhebt sich ein Hügel, an den sich die Stadt Canosa die Puglia schmiegt. Nicht zu verwechseln mit Canossa!
BurgbergCanosaCanosaCanosa
Auf der höchsten Stelle steht das Castello, das von den Langobarden im 6. Jhdt. begonnen wurde und von den Normannen im 10. Jhdt. ausgebaut wurde. Heute sind nur mehr Reste vorhanden.
Castello di Canosa.
Ich mache mich noch auf, um vor Mittag in der Basilica di San Sabino den Stempel für den Pilgerpass zu bekommen und belasse es bei einem Kurzbesuch.
Außen wirkt sie sehr schlicht.
Basilica di San SabinoBasilica di San SabinoBasilica di San SabinoBasilica di San SabinoBasilica di San Sabino – KanzelBischofssitz Basilica di San Sabino – San Sabino
Ich bringe meinen Rucksack in mein Quartier, das fast feudal ist. Es wurde mir privat vermittelt. (Jeder kennt jemanden, der jemanden kennt….)
Wohnzimmer SchlafzimmerBad
Am Abend zeigte mir noch Nicola vom VF Canosa einige besonders interessante Stellen seiner Stadt.
Canosa – Castello Canosa von obenMit Nicola vor der Basilica di San Sabino
Bilder vom Abendessen in der Casa 28 mit typischen lokalen Speisen möchte ich euch nicht vorenthalten. Dazu ein Glas Rotwein aus der Region.
Püree aus getrockneten Saubohnen aus Murgia mit Chicorée, BrotcroutonsStrascinati di grano arso (typische frische Pasta aus Canosa) mit im Holzofen gebackenen Kirschtomaten, wildem Rucola in verschiedenen Konsistenzen und einer Prise hartem Schafsricotta (empfohlen).Strascinati di grano arso
Tagesstrecke: 22,2 km; ↑ 123 m; ↓ 148 m + 4 km Stadtrundgang
In der Früh verabschiede ich mich von Stornara und seinem „Dorfheiligen“ dem San Rocco, St. Rochus oder dem heiligen Rocherl.
Er ist auch Schutzpatron der Pilger und der Pestkranken. Deswegen trägt er meist die Jakobsmuschel und zeigt auf die Pestbeule am Bein. Ein Hund hat ihn in seiner Einsiedlerhöhle während der Krankheit mit Brot versorgt.
San Rocco
Schön, gemeinsam alt zu werden?
Wandbild in Stornara
Heute geht es die meiste Zeit durch Olivenhaine oder Weingärten … oder beides. Die Oliven haben schon Knospen angesetzt, sind aber noch nicht erblüht.
OlivenhainWeingarten
Zuerst geht es über mehrere Kilometer auf Feldwegen dahin.
FeldwegFeldweg
Der Umgang mit Müll ist in Italien stellenweise wirklich ein Problem. Wo einmal etwas gelagert wird, findet es rasch Zuwachs (Ist bei uns manchmal auch nicht anders).
Illegale MüllablagerungMüll im Marana Castello
Lost places inmitten der Landschaft: vermutlich ein ehemaliges Landgut.
Lost placeLost place
Der wilde Fenchel bildet riesige Blütenstände aus.
Fenchel
Am Stadtrand von Cerignola stehen viele neuere Wohnbauten.
Wohnbauten
Beim Betreten des älteren Stadtteils wird der Besucher vom Uhrturm begrüßt. Das Gebäude stammt aus dem 19. Jahrhundert und ersetzte den vorherigen Uhrturm, der 1804 vom Grafen von Egmont nach einem Blitzschlag abgerissen wurde.
La Torre dell’orologio
Unweit davon steht ein schöner Meilenstein, der etwa 3 Meilen von Cerignola an der Via Trajana stand. Auf ihm sind die Titel und Taten des Marcus Ulpius Trajan angeführt.
Meilenstein
Am späten Vormittag ist es noch recht ruhig. Das sollte sich am Nachmittag ändern.
Corso Antoni Gramsci
Ich suche einmal mein Quartier auf, um den Rucksack loszuwerden. Hinter der Tür mit den Stufen verbirgt sich das ziemlich neue „Ostello di Centro“, das nicht nur im Zentrum liegt, sondern auch recht günstig ist. Ich bin in dieser Nacht allein.
Ostello di CentroOstello di CentroOstello di Centro
Bei meiner Stadtbesichtigung fange ich mit dem Duomo Tonti oder der Cattedrale di San Pietro Apostolo an. Dieser Bau im Neobarockstil wurde 1873 bis 1934 errichtet, nachdem Herr Tonti das Geld dafür gestiftet hatte. Nach einem Erdbeben 1980 musste die Kirche aus statischen Gründen für mehrere Jahr geschlossen werden.
Cattedrale di San Pietro ApostoloCattedrale di San Pietro ApostoloCattedrale di San Pietro Apostolo
Entlang des Corso Garibaldi stehen einige Palazzi, die aber erst im 19. Jhdt. oder später entstanden sind.
Auf dem „Piano delle Fosse del grano“ sind die ehemaligen unterirdischen Kornspeicher zu sehen. Jeder hat seine Nummer und ist mit den Initialen seines Besitzers gekennzeichnet.
Piano delle Fosse del grano
Ein besonderes Viertel ist die „terra veccia“, die alte Erde. Das ist das Viertel, das teilweise aus dem Mittelalter übriggeblieben ist.
Terra VecchiaTerra VecchiaTerra VecchiaTerra Vecchia
Tagesstrecke: 18,2 km; ↑ 65 m; ↓ 51 m + 4 km Stadtrundgang
Nach der anstrengenden Reise war eine gute Nachtruhe wichtig. So bin ich frisch um 7.50 Uhr nach einem typisch italienischen Frühstück aus dem Haus gegangen.
Nach wenigen Metern bin ich in der Natur. Ein Tag der langen Geraden beginnt.
Bei Ordona
Bereits am Straßenrand beginnt das Blütenmeer, durch das ich heute über lange Strecken wandere.
Mohn und KronenwucherblumenMohn und KronenwucherblumenMalven und Mohn
Zwischen Getreidefeldern gibt es ausgedehnte Felder mit Artischocken, Fenchel, grünem Spargel und Tomaten.
Artischocken FenchelSpargelernteTomaten
Der Weg ist gut markiert und führt oft abseits von Asphaltstraßen.
Via Francigena SudVia Francigena Sud
Über einem kleinen Abhang steht die Masseria Ferranti, ein alter Gutshof.
Masseria Ferranti
In Stornarella, einer Siedlung mit etwa 5000 Einwohnern mache ich Rast. Ganz in der Nähe war 1731 das Epizentrum des Erdbebens von Foggia, das bei einer Stärke von 9 (Mercalli) nicht nur Foggia, sondern auch die gesamte Umgebung flachlegte.
StoranellaStoranella
Die bunte Gestaltung von Hausfassaden ist hier stark verbreitet.
Storanella – HausfassadeStoranella – Hausfassade
Nach einer 5 km langen Geraden neben einer Straße, aber gut abgesichert, komme ich nach Stornara, das knapp größer als Stornarella ist. Auf der Via Garibaldi ist grade viel los, weil heute „Weißer Sonntag“ – Ende der Osterzeit – ist.
Chiesa San RoccoSan Rocco – Hl. RochusCampanile gegenüber der Kirche Rathaus
Ich beziehe mein Quartier im B&B Piazza Matteotti, das gleich im Zentrum liegt.
Der erste Schritt ist gesetzt: Der Rucksack ist gepackt. Leider wird er trotz aller Versuche nicht leichter. Gewicht gegen Komfort.
Der Rucksack, mein engster Begleiter
Auf den Via Francigena – Anhänger, die Jakobsmuschel und das Tau des Franziskus – Weges will ich nicht verzichten.
Die Halle des Grazer Hauptbahnhofs ist für mich seit der Umgestaltung zur Europäischen Kulturhauptstadt immer ein Erlebnis. Das ist auch schon wieder 22 Jahre her.
Hauptbahnhof Graz
Der erste Zug ist „Nomen est omen“ die S1 nach Bruck an der Mur.
S1 nach Bruck/Mur
Am Bahnsteig treffe ich auf ein Pilgerpärchen aus Hartberg, das ab Gubbio wandern wird.
In Bruck steige ich pünktlich in den Nightjet NJ233 nach Roma Termini ein.
Bruck/Mur
Ein Zugteil geht nach La Spezia, der andere nach Rom. In Villach kommen sicher noch Wagen aus Deutschland dazu.
NJ 233
Ich teile das Abteil mit einer netten Familie.
Der Zug nimmt ab Tarvis eine „eigenwillige“ Route. Erst geht es an Udine in Fahrtrichtung links vorbei nach Görz und weiter fast bis Monfalcone. Erst dann fährt der Zug in Richtung Westen. Vielleicht spielen die Unwetter der letzten Tage eine Rolle.
Wir kommen fast pünktlich in Firenze Campo di Marte an, von wo ich einen Regionalzug eine Station weiter zum Hauptbahnhof nehme.
Firenze Campo di MarteRegionalzug
Am Hauptbahnhof habe ich über eine Stunde für meinen Anschlusszug in Richtung Süden Zeit. Eine Stadtbesichtigung geht sich nicht aus, für einen Blick vor den Bahnhof reicht es.
Bahnhofsgebäude Firenze Santa Maria NovellaBasilika Santa Maria Novella
Mit zehn Minuten Verspätung kommt auch der Frecciarossa 1000 von Mailand an, der über Rom bis Lecce fährt. Zum Papstbegräbnis um 10.00 Uhr geht es sich gerade aus.
Frecciarossa 1000
Der Zug ist ziemlich voll, trotzdem finde ich einen freien Zweiersitz. Das gibt mehr Bewegungsfreiheit.
Frecciarossa 1000
Jetzt gilt es mit Tempo 250 etwas Verspätung aufzuholen.
Frecciarossa 1000
Nach kurzem Zwischenstopp in Roma Termini brausen wir nach Süden.
Roma Termini
Next Stop: Caserta
Für einen Blick auf das prunkvolle Schloss der Bourbonen erhasche ich vom Zug aus nur einen kleinen Ausschnitt. Noch heute bin ich von meinem Besuch im Vorjahr beeindruckt.
Schloss von Caserta
Südlich von Benevento bauen sich große Wolken auf, aus denen es kräftig regnet. Gut, dass ich im Trockenen sitze (noch).
Benevento
Bei schönstem Sonnenschein komme ich in Foggia an. Nach dem Ticketkauf suche ich nach dem richtigen Bus, der mich nach Ordona bringen soll.
Bahnhof in FoggiaBahnhofsvorplatz in FoggiaMein Bus nach Ordona
Jetzt bin ich gut in Ordona angekommen – dort, wo ich im Vorjahr nach 25 Etappen aufgehört habe.
Ordona an der Via Francigena Sud
Im „la casa di nonna lina“ habe ich eine nette Unterkunft gefunden. Brian, ein Pilger aus GB ist auch hier.
la casa di nonna linala casa di nonna lina
Nach der vielen Sitzerei muss ich noch Bewegung machen. Ich suche das alte „Herdonia“ am Ortsrand auf. Es ist nicht sehr spektakulär, aber für einen Spaziergang gerade richtig.
Ruinen des TheatersMauerreste des Theaters
Am Abend findet noch eine Prozession anlässlich des Marienfeiertages statt. Hinter dem Prozessionswagen geht die Frau Bürgermeisterin mit, die auch unsere Quartiergeberin ist.