Nach dem aufregenden Tag mit Pilger-Empfang, Gottesdienst und Abschlussachterl beim Pirker war ich schon gespannt, ob sich das Wetter an die Vorhersagen hält. Ab vier Uhr hat es ordentlich zu regnen begonnen. Auf dem Blechdach der Pension hört sich das gleich noch einmal so beeindruckend an.
Mit dem Frühstück lasse ich mir Zeit und gehe bei minimalem Nieseln aus dem Haus. Ich besuche nochmals kurz die Basilika, bevor ich Mariazell in Richtung St. Sebastian verlasse.
Die ersten Andenkenstände machen gerade ihre Rollläden auf.
Die Wolken bzw. Nebelschwaden hängen noch tief, aber ich brauche keine Regenpelerine und es hat 15 °C.
In St. Sebastian liegt der Bahnhof der Mariazellerbahn, einer Schmalspurbahn von St. Pölten nach Mariazell mit einer Spurweite von nur 760 mm. Diese Bahnlinie war eine der ersten, die elektrifiziert wurden. 


Gleich daneben schließt die normalspurige Erlaufseebahn an,
Ich folge wieder dem Weitwanderweg 06, nun dem Salzburger und Oberösterreichischen Mariazellerweg, aber in die Gegenrichtung. Fast hätte ich die Abzweigung übersehen.

Die Erlauf ist nun kurzfristig meine Richtungsgeberin.
Bei Mitterbach am Erlaufsee komme ich nicht nur nach Niederösterreich, sondern auch in den Naturpark Ötschermauern.


Die katholische Pfarrkirche wurde erst 1914/15 gebaut. Es gibt hier aber schon lange eine protestantische Tradition, die erst mit dem Toleranzedikt 1781 öffentlich wurde. 
Jetzt führt mein Weg in die Ötschergräben, die nicht zu Unrecht den Bären als Symbol bekommen haben. Heute hier als Tourist einen Bären zu sehen, wäre wohl eher eine Sensation als eine Gefahr.
Die Erlauf wurde hier aufgestaut, um Strom für die Mariazellerbahn zu gewinnen. 
Immer wieder gibt es Kalkgebilde wie die Spielmauer, die mit Sagen verbunden wurden.
Entlang des Sees führt eine gut ausgebaute Forststraße, die mich bequem wandern lässt und Zeit fürs Schauen lässt. Über eine Brücke komme ich an das andere Ufer. 


Zuerst gibt es noch eine Forststraße, dann biegt der Weg steil ins Gelände ab. 
Im Graben steht eine Replik einer Mühle, die früher in der Nähe betrieben wurde. 
Von einem Felssporn aus gewinne ich einen ersten Eindruck der Ötschergräben. 

Das glasklare Wasser wirkt fast unheimlich.
Die Jausenstation „Ötscherhias“ hat wie erwartet geschlossen und so setzte ich meinen Weg fort.
Links und rechts türmen sich die Felswände aus recht brüchigem Gestein auf. Darunter haben Freiwille die Wege angelegt und mit Übergängen gesichert. An exponierten Stellen gibt es auch Seilversicherungen. Für die Durchwanderung sollte man schon trittsicher und schwindelfrei sein. 

Dann kommt, was in jedem „Naturfilm mit Niveau“ über wilde Wasserläufe vorkommen muss: die Wasseramsel.
Sie scheint mit der Gage nicht zufrieden zu sein, denn jedes Mal, wenn ich die Kamera zücke, verschwindet sie unter dem Stein, um sich kurz danach wieder heraußen zu präsentieren.
Am Fuße des Schleierfalls mache ich Rast und genieße die Ruhe.
Gleich danach setzt leichter Regen ein, und der Wind weht das Wasser stoßweise von den Bäumen. Der Anstieg zum Spielpichler, einem Hof mitten im Wald, ist vorerst schon recht kräftig. 

Danach wird es noch heftiger, denn der Waldboden ist durchnässt und sehr rutschig. Die richtig steilen Stellen kann ich nicht fotografieren, da habe ich mit dem Gelände genug zu tun. 

Dann erreiche ich den Riffelsattel auf ungefähr 1280 m Höhe mit einer etwas eingeschränkten Fernsicht. Den Aufstieg zum Ötscherschutzhaus kann ich mir ersparen, denn entgegenkommende Wanderer berichten, dass es heute geschlossen hat. 

Der Weg ins Tal führt teils auf der Schipiste, teils auf Forstwegen und teils im Wald. Ich bin froh, als die ersten Häuser von Lackenhof am Ötscher unter mir auftauchen.
Im Ort ist zur Zeit nichts los, denn die Sommersaison ist mit 1. September abgeschlossen und die Wintersaison wird erwartet.
Im Sporthotel sind ein Paar aus Deutschland und ich die einzigen Gäste. Wir haben sogar gemeinsame Bekannte und tratschen viel länger als geplant. Ich habe ein großes Appartement für mich allein, die Zimmer werden gar nicht vergeben.
Es war ein ereignisreicher Tag mit viel besserem Wetter als vorausgesagt. Der Weg war anstrengend, aber lohnenswert.
Route auf alpenvereinaktiv.com
Tagesstrecke: 25 km
Bergauf: 740 m
Bergab: 790 m


Wir haben heute einen strengeren Zeitrahmen, da wir unser Ziel zu einer fixen Zeit erreichen müssen. Doch dazu später.
Die Schattenpilger.

Dann geht es schon 360 m hinunter auf die Schöneben.
Bei der Mooshuam treffen wir auf Kolleginnen und Kollegen vom KIT (Kriseninterventionsteam), die uns entgegen gegangen sind.
Für uns leicht zu beantworten!
Zuerst durch’s Luckerte Kreuz und nach dem Shooting-Termin der Straße nach.


Endlich ist die Basilika von Mariazell in Sicht. 


Während des Mittagessens setzt Regen ein, der uns aber nur geringfügig stört.








Ich danke meinen Kolleginnen und Kollegen vom KIT für die tollen vier Tage, in denen ich eine andere Art des Pilgerns kennenlernen durfte! 
Am Vormittag steht ein langer Abstieg ins Mürztal bevor, das in der Früh noch unter einer Nebeldecke steckt. 
Unsere Gruppe ist lustig und fit unterwegs.
Der Weitwanderweg 06 ist unser Mariazellerweg. 


Von dort geht es über die Schi- und Lifttrasse bergwärts.
Je weiter wir bergwärts kommen, desto schöner ist der Weitblick.
Der Weg auf die Graf Meran Schutzhütte ist recht heftig. Das letzte Mal vor sechs Jahren war alles VIEL leichter 😀!
Wichtige Detailplanungen am Hüttentisch!
Geschafft! Ich habe die höchste Stelle meiner geplanten Tour bis Köln ist geschafft: die Hohe Veitsch mit 1981 m.



Über schmale Pfade kommen wir an die Nordseite des Berges.

Es ist nicht mehr weit auf das Niederalpl. 








Pilgergruppen, die oft seit Jahrzehnten hierherkommen, haben hier ihr eigenes Pilgerkreuz errichtet. Sie sind den ganzen Weg entlang zu finden.
Jeder Blick ins Joglland (Land der „Jakobe“) ist ein Genuss.
Das Gasthof auf der Schanz ist unser Mittagsziel. Die „Schanz“ war im Krieg gegen die Ungarn und die Türken ein Verteidigungsposten, den Bauern errichtet haben. Auch in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges versuchten einige Wehrmachtsangehörige hier, noch den Krieg zu gewinnen. 
„Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg ist steinig und schwer…. “ Wir nehmen ihn mit Bravour. 
Der Windpark auf der Stanglalm hat die Landschaft grundlegend verändert.
Am Wegrand werden wir immer wieder fündig. Während andere Eierschwammerln und Steinpilze finden, lacht mich dieser Fliegenpilz an.
Vor dem Wirtshaus auf der Stanglalm treffen wir den Finder eines 1,8 kg schweren Steinpilzes.
Die Wirtin bereitet uns zum Nachtmahl aus 20 Eiern eine herrliche Schwammerleierspeise zu.






Die Klamm wurde 1901 als touristische Attraktion erschlossen und ist seit 1978 Naturdenkmal. Insgesamt überwinden nun 164 Leitern einen Höhenunterschied von etwa 350 Metern zwischen ca. 750 m und ca. 1100 m.




Wir haben Glück, dass nach der Trockenheit der letzten Wochen noch Wasser durch die Schlucht rinnt und einen besseren Eindruck des Naturschauspiels vermittelt.
Gleich nach dem Ausstieg vermitteln die Wegweiser beim Gasthaus „Zum guten Hirten“ einen guten Überblick über die Wandermöglichkeiten. 
Auf der Teichalm genießen wir die zweite Rast.
Begleitet von vielen Blüten des Schwalbenschwanzenzians erreichen wir unseren ersten „Gipfel“, den Heulantsch. 





Endlich liegt der Stroßegger Hof am Straßegg vor uns und wir freuen uns auf Speis, Trank und ein Bett.









Am Wegrand finde ich dieses Marterl, das der Dreifaltigkeit gewidmet ist.



Die letzten Meter hinunter zum Tal haben es in sich.
Hier wurde Silber, Blei und Zink abgebaut. Vom frühen Mittelalter ( vor 1240) bis ins letzte Jahrhundert (1927) wurden hier Erze abgebaut und verarbeitet. 







In der Tober (aus dem Slawischen „dobre“ = gut) haben sich ein paar ehemalige Bauernhöfe erhalten. 








Von hier geht ein Netz von gut markierten Wegen aus. Mein Weg ist gleich doppelt markiert: einerseits als Weitwanderwege 06, andererseits als Marienweg oder Mariazellerweg.
Nach etwa hundert Metern biegt der Weg von der Hauptstraße ab und führt über kleine Zubringerwege und landwirtschaftliche Wege ins Umland. Auf dieser Wiese sind drei Rehe versteckt. Zwei haben sich beim Äsen nicht stören lassen, ein drittes hat sich zum Widerkäuen hingelegt.
Im Hügelland, im Schutz der Berge, gibt es einige Obstplantagen.
In der Fachschule für Land- und Ernährungswirtschaft Haidegg werden seit vielen Jahren junge Menschen auf Berufe in der Landwirtschaft vorbereitet.
Zum ersten Mal habe ich einen unbehinderten Blick auf mein Tagesziel, den Schöckl.
Zwischendurch geht’s durch schattige Wäldchen.
Endlich kommt einmal ein Wiesenweg, das noch dazu einen besonderen Namen trägt.



Ich gewinne rasch an Höhe und habe noch gute Fernsicht in Richtung Süden. 









Es gäbe natürlich die Alternative die Gondelbahn zu benutzen. Die behalte ich mir für den Rückweg vor. Es gibt auch hier einen Weg entlang der Trasse auf den Berg.
Der Sturm „Paula“ hat um den Schöckl 2008 große Schäden angerichtet.
Ich weiche auf dem Plateau vorerst in Richtung Westgipfel aus.
Vom Gipfelkreuz hat man eine hervorragende Aussicht nach Norden.


Im Stubenberghaus kann man nicht nur sehr gut speisen, sondern auch übernachten. 































Auch für die Rückreise war die Bahn für mich die erste Wahl.
Die Markierungen waren im Großen und Ganzen ausreichend. Als Alleinwanderer habe ich trotzdem gerne die Bestätigung durch einen GPS- Track, vor allem dann, wenn ich lokale Alternativen wählen muss.
Die Strecke ist als durchaus anspruchsvoll einzustufen, wenngleich sie mit zunehmender Nähe zu Rom immer flacher wird. Dafür gibt es dann immer mehr Asphalt.
Eine Anfrage am Tag vorher ist auch hier ratsam, denn nicht alle Beherberbungsbetriebe aus den Listen haben gerade offen oder existieren noch.
Auch die Verpflegungssituation ist entspannt. Wasser findet man immer genügend, wenn man ein bisschen plant und die Vorräte rechtzeitig auffüllt.
Auch die Natur hat vieles zu bieten. Es müssen ja nicht immer Begegnungen mit Wölfen oder Wildschweinen sein. Auch wunderschöne Orchideen und Vogelstimmen können einen erfreuen.