15. Tag Mittwoch, 01. Juli 2020 Großweismannsdorf – Weihenzell

Gestern habe ich die Route des Jakobswegs ein bisschen verlassen, um ein günstiges Quartier zu finden. Heute gehe ich über kleine Landstraßen wieder zurück auf die Strecke und komme nach Roßtal, einen kleinen Markt mit entzückendem Zentrum. Der Ort wird schon von Widukind erwähnt und war schon früh ein befestigter Platz.

Kulturhaus
Alte Brunnenanlage zur Wasserversorgung des Ortes bis 1920
Pfarrhaus

Die Kirche St. Laurentius, wie auch der Ort, hat die Wirren des 2. Weltkrieges gut überstanden, weil die Einwohner gegen den Willen der NS – Dorfheiligen die weiße Flagge der Kapitulation aus dem Kirchturm gehängt haben. Das berichtet mir die Pfarrerin in einem interessanten Gespräch auf dem Kirchhof.

St. Laurentius
Innenansicht mit zwei Emporen
Kreuzigungsgruppe aus dem 17. Jhdt.
St. Laurentius mit dem Rost, 15. Jhdt.

Die teilweise noch romanische Kirche hat eine Krypta von 1025–1042.

Auch am Marktplatz stehen historische Gebäude.

Der Jakobsweg führt fernab vom Verkehr über sanfte Hügel mit Wiesen, Feldern und Wäldern.

Ein Kraftplatz?

In Bürglein stehen einige schöne Fachwerkhäuser. Auch die Kirche hat einen Turm in dieser Bauweise. Der Ort ist der älteste in der Umgebung.

Kirche St. Johannes aus dem 13. Jhdt. im Markgrafenstil
Wunderschönes Wappen
Friedenseiche seit 1886

Der kleine Ort Bonnhof hat eine große Geschichte hinter sich. In Bonnhof gab es über Jahrhunderte ein Schloss, das Sitz einer Propstei des Heilsbronner Klosters war. Diese Propstei war mit 76 Dörfern die reichste in Umland. So gehörten auch ca. 25 ha Weingärten dazu. 1806 kam die Liegenschaft zum Königreich Bayern.

Noch ein Hügel ist zu überwinden, und ich bin in Heilsbronn. Schon beim Weg ins Zentrum fällt der (einstige) Reichtum des Ortes auf.

Ehemaliger Kreuzgang

Im 8. Jahrhundert gründete wohl der fränkische Grundherr Hahold den Ort „Haholdesbrunn“. Der Legende nach hatte er einen Jagdunfall erlitten und irrte verletzt durch den Wald, bis er an der Stelle des von ihm anschließend gegründeten Ortes eine Quelle fand, davon trank und genas.

Die Klosterkirche wurde 1132 bis 1139 als romanische Basilika von den Zisterziensern errichtet, wurde aber bald gotisch umgestaltet und erweitert. Viele der romanischen Teile sind noch erhalten,weil man die barocken Zubauten nach dem 2. Weltkrieg wieder entfernte. In der Gruft haben von 1297 bis 1625 41 Hohenzollern ihre letzte Ruhestätte gefunden.

Portal
Gotischer Chor
Grablege der Hohenzollern
Grablege der Hohenzollern
Orgel über dem Seitenschiff

Die gotischen Altäre sind alle ein Pracht und erzählen jeder für sich Geschichten.

In der Krypta findet man die wundersame Quelle.

Der Prinzregent Luitpold vor dem Katharinenturm darf nicht fehlen.

Eigentlich war von mir geplant, hier in Heilsbronn zu nächtigen, aber… Es ist erst Mittag und ich fühle mich gut und beschließe weiter zu gehen. Ich fixiere mein neues Quartier und gehe nach einer Stärkung mit einer herrlichen Tomatensuppe los.

Die flachen Hügel setzen sich fort.

Ich gehe über einen ewig langen, kerzengeraden Waldweg der Bayrischen Staatsforsten. Mitten im Wald steht dann dieses niedrige Kreuz, das als Reviergrenze aufgestellt wurde.

Forst ist ein kleiner Ort auf einem Hügelrücken und weit zu sehen.

Dann liegt Weihenzell vor mir. Die kleine Jakobskirche ist nicht von großem kunsthistorischen Wert. Eine „Klosterzelle“ des Klosters St. Gumbertus liegt dem Namen zugrunde, das vor 1020 gegründet sein musste.

Ich bin bei Familie Gußmann untergebracht und genieße den Abend auch im Garten.

Tagesstrecke:  33,3 km; ↑ 434m; ↓ 414 m

14. Tag Dienstag, 30. Juni 2020 Feucht – Großweismannsdorf

Heute war ich besonders früh dran. Im Haus gibt es derzeit keine Frühstücksmöglichkeit, daher mache ich mich auf den Weg zum nächsten Bäcker, der bereits ab 5:30 Uhr geöffnet hat. Anschließend gelange ich durch Siedlungen mit Einfamilienhäusern an den westlichen Ortrand von Feucht.

Die Autobahn A9 von München nach Berlin ist die erste Verkehrsader, die ich überschreiten muss. Gleich dahinter liegt die Eisenbahnlinie Ingolstadt – Nürnberg. Und wenig später muss ich noch unter der Autobahn A73 von Suhl nach Nürnberg durch.

A9
Nürnberg – Ingolstadt
A73

Auf dem nächsten Verkehrsweg geht es viel beschaulicher zu. Es ist der Ludwig-Donau-Main-Kanal, dem Vorgänger des Rhein-Main-Donau-Kanals. Der zwischen 1836 und 1846 erbaute Kanal verband Rotterdam mit dem Schwarzen Meer. Er war mit 100 Schleusenanlagen versehen, die aber zu klein waren. 1950 wurde der Betrieb endgültig eingestellt. Heute ist er nur mehr teilweise vorhanden. Man hat sogar Autobahnen über die Trasse gebaut.

Alte Steinbrücke
Ludwig-Donau-Main-Kanal mit Treidelpfad
Frühere Schleuse
100 km vor Kelheim

Trotz der Stadtnähe bin ich mitten im Grünen. Der Reichswald, durch den ich gehe, war dem Kaiser unterstellt. Heute sind etwa noch 25.000 Hektar Waldfläche verblieben. Im Reichswald liegt auch der Jägersee, eine ehemalige riesige Schottergrube, die renaturiert wurde.

Jägersee

An der Autobahn A6 von Saarbrücken bis nach Tschechien erlebe ich, wie sich innerhalb von drei Minuten ein LKW – Stau aufbaut.

A6

Im Gebiet des Reichswaldes wurde schon seit Jahrhunderten Sandstein abgebaut. Damit wurden alle wichtigen Gebäude der Umgebung errichtet. An einigen Stellen kann man die ehemaligen Steinbrüche noch sehen. Es gibt aber auch noch aktive Steinbrüche.

Alter Steinbruch
Neuer Steinbruch
Steinblöcke bereit für den Abtransport

Nicht vergessen darf ich auf die Schwarzbeeren (Vaccinium myrtillus L.), wie wir in der Steiermark sagen. In anderen Sprachen sagt man auch Blaubeeren oder Heidelbeeren. Da ich diese Früchte wegen ihrer Bodennähe nicht so schätze, lasse ich die stehen. Außer – jemand anderer pflückt sie für mich.

Jetzt komme ich an den Rhein-Main-Donau-Kanal, der 1960 bis 1992 errichtet wurde und auf 170 km mit zehn Hubanlagen den Main und die Donau verbindet. Auch dieser Kanal ist durch die Größenlimitierung weit weg von einer optimalen Auslastung. Die Brücken sind für Containerlaster zu niedrig.

Rhein-Main-Donau-Kanal
Rhein-Main-Donau-Kanal
Schleuse von Eibach, dahinter der Hafen von Nürnberg

Ich darf durch den Tunnel auf die andere Seite.

Ein typischer Bau aus rotem Sandstein.

Und gleich bin ich wieder in ländlicher Idylle mit Schafen und Waldwegen.

In Stein hole ich mir in der Jakobuskirche einen Stempel für meine Sammlung.

Dieser alte Wegweiser steht kurz vor dem Ende der heutigen Tagesetappe. Ich verlasse die Route des Jakobswegs ein wenig, da ich etwas abseits ein geeignetes Quartier gefunden habe.

Wegweiser

Ich komme nach Großweismannsdorf, einem kleinen Ort im Grünen.

Alte Volksschule, jetzt Kindergarten

Ich bin im Gasthof zu Post untergebracht. Speisen gibt es aber nur mehr für Feiern. Im Gasthof „Zu Linde“ gibt es heute nur Spaghetti Bolognese. Der Salat ist eine Extraleistung. Beides schmeckt gut.

Tagesstrecke:  28,6 km; ↑ 149 m; ↓ 127 m

13. Tag Montag, 29. Juni 2020 Sindlbach – Feucht

In der Nacht höre ich, wie sanft Regen an das Dachfenster klopft. Doch bald ist es vorbei und am Morgen stehen Wolken am Himmel.

So geht der „Pilger ohne Schatten“, gestärkt durch ein ausgiebiges Frühstück, gegen Westen.

Da treffe ich doch auf einen Pilgerkollegen und wir kommen auch gleich ins Gespräch. Er meint, er hätte noch 2570 km bis Santiago. Da ist mir der Weg bis Köln lieber, obwohl ich eigentlich nicht genau weiß, wie weit es bis dorthin noch ist.

Ich bin wieder im Bereich der Autobahn A3 angelangt und es ist sehr laut. Ganz ungewohnt nach der Zeit in den „Backwoods“ mit Ruhe und Beschaulichkeit. Wenigstens die Wiesen- und Waldwege gibt es noch.

Auf dem Gnadenberg stoße ich auf die Ruinen der Klosterkirche des Birgittenordens, das 1438 – 1483 erbaut wurde und 1635 im Zuge des Dreißigjährigen Krieges von schwedischen Truppen abgefackelt wurde. Die Ruinen widerspiegeln, welch eindrucksvoller Bau das gewesen ist.

In Rasch komme ich an einem schönen Fachwerkbau vorbei. Bisher waren eher Stein- und Ziegelbauten vorherrschend.

Die Kirche St. Michael stammt aus dem 14. Jhdt. und geht auf frühere Bauten zurück. Der Flügelaltar stammt aus dem 15. Jahrhundert, auf diesem sind die „vier heiligen Dirndln“ (siehe Pfarrkirche Lebring-St. Margarethen in der Steiermark) mit ihren klassischen Erkennungszeichen zu sehen: Katharina mit Schwert und zerbrochenem Rad, Barbara mit Kelch und Hostie, Magdalena mit Salbenbüchse sowie Margarete mit einem kleinen Drachen.

Die Innenausstattung der kleinen evangelischen Kirche ist beeindruckend.

Der Mädchenname der Frau Pfarrer spricht Bände!

Entlang der Schwarzach, dem nächsten Bach nach dem Sindlbach auf dem Weg zum Rhein, komme ich an der Fachschule für Baumschnitt in Prackenfels vorbei.

Jetzt bin ich am Jakobsweg, am Wallensteinweg und am Fränkischen Dünenweg unterwegs, und trotzdem verpasse ich kurz später die richtige Abzweigung. Es ist nur ein kleiner Abstecher ohne wesentliche Verlängerung der Gehstrecke.

Nach Altenthann mit einer schönen, kleinen Kirche geht es hinunter in die Rhätsandsteinschlucht des Thanngrabens, ein Naturschutzgebiet.

Die bunten Käfer sind eifrig bei der Arbeit, einen Artgenossen zu zerlegen. Es soll ja nichts verschwendet werden.

Ich gehe durch das weitläufige Gelände von Rummelsberg, dem Zentrum der evangelischen Diakonie, mit zahlreichen sozialen Einrichtungen, Ausbildungsstätten und Pflegediensten. Es ist fast eine selbständige Ortschaft.

Ich komme nach Feucht, dem Tagesziel und bin über die Verbindungen zur steirischen Heimat überrascht. Einen guten Wein schätzt man eben überall.

Feucht war immer wieder Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen und seine Geschichte wiederholt sich immer wieder: aufbauen – abbrennen – aufbauen… Vom Dreißigjährigen Krieg bis zum 2. Weltkrieg.

Die evangelische Pfarrkirche St. Jakob wurde nach einem Bombentreffer 1945 rekonstruiert.

Es gibt einige historische Häuser, die die Jahrhunderte mehr oder weniger zerstört überdauert haben, wie das Rathaus, das völlig ausgebombt war.

Das Pfinzing-Schloss mit dem angeschlossenen Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum ist leider nicht zu besichtigen. Der aus Siebenbürgen stammende Oberth war der Vater der modernen Raumfahrt und Raketentechnik.

Nicht vergessen darf ich auf das Zeidelmuseum. Die Zeidler oder Imker aus Feucht lieferten mit ihrem Honig die Grundlage für den Nürnberger Lebkuchen. Sie hatten eine eigene Gerichtsbarkeit und eigene Privilegien. Der Zeidler ist mit Armbrust und Bienenkorb Teil des Feuchter Wappens.

Einquartiert habe ich mich heute in der Pension Lange am Ortsrand von Feucht.

Tagesstrecke:  24,1 km; ↑ 199 m; ↓ 275 m

12. Tag Sonntag, 28. Juni 2020 Hohenburg – Sindlbach

Was hilft der beste Plan, wenn sich die anderen nicht daran halten. Naja, so negativ ist es nicht. Eigentlich war mein Plan heute nur 14 km bis Kastl zu gehen und morgen weiter bis nach Sindlbach. Das einzige Gasthaus hat aber Montag und Dienstag Ruhetag und so muss Plan B zur Ausführung kommen: von Hohenfels bis Sindlbach in einem Zug. Nun aber zu den Einzelheiten.

Ich bekomme ein umfangreiches Frühstück, das ich bei weitem nicht wegessen kann. Dann geht es um 7.30 Uhr los. Es hat etwa 18 Grad und der Himmel ist leicht bewölkt. Ich gehe wieder gegen den Strom der Lauterach und komme bei der Hammermühle vorbei, einem landwirtschaftlichen Betrieb, der auf Nachhaltigkeit setzt. Das Mühlrad wurde schon lange gegen eine Turbine getauscht.

Hammermühle

Die Lauterach ist auch die Heimat von Wasserfledermäusen, die unter besonderem Schutz stehen.

Jetzt steht mein Weg unter dem Zeichen der Pilgermuschel. Um es vorwegzunehmen: der Weg ist erstklassig markiert und oft ist der Grasbewuchs gemäht.

An der Mündung des Mühlhauser Bachs hat sich ein kleines Moor gebildet.  Ich gehe an der Lauterach weiter.

Nach zweieinhalb Stunden komme ich in Kastl an, das von der Burganlage auf dem Klosterberg überragt wird. Dafür bleibt mir bei meinem Vorhaben keine Zeit.

Am alten Bahnhof, heute ein Restaurant, zweigt der Weg nun aus dem Lauterachtal ab und führt in die Hügel nach Westen.

Die Wege sind zum Wandern ideal. Der Asphaltanteil hält sich in Grenzen. Lange Strecken geht es durch den Wald.

Flurkreuze wie dieses sind reich geschmückt und vergoldet.

Ich bemerke, dass hinter mir zwei flinke Wanderer nachkommen und warte, bis sie zu mir aufgeschlossen haben. Die beiden sind am Jura-Steig unterwegs und wir haben eine Zeitlang den gleichen Weg. Nach fünf Kilometern und lustigen Getratsche trennen sich unsere Wege. Auch eine Gruppe von fünf Pilgerinnen habe ich getroffen, die eine dreitägige Wanderung auf dem Jakobsweg machen.

Ich komme nach Trautmannshofen mit einer Wallfahrtskirche Maria Namen, Das Innere ist wie oft höchstes bayrisches Barock.

Hier bei Trautmannshofen verläuft auch die europäische Wasserscheide: nach Osten rinnt das Wasser in die Donau und ans Schwarze Meer, nach Westen in den Rhein und in den Atlantik.

Mitten im Wald steht dieser Bildstock.

Der Baumstamm wirkt wie ein Kletterturm.

Ich komme nach acht Stunden in Sindlbach an. Vor der Kirche steht der neubarocke Gusseisen-Brunnen mit der Figur des hl. Laurentius, der für die Weltausstellung 1878 in Paris geschaffen und 1921 hier aufgestellt wurde.

Die Dorfkirche ist dem Hl. Jakobus geweiht.

Ich komme im Gasthaus Geier unter und beziehe ein schönes Zimmer. Trotz Ruhetag bekomme ich ein gutes „Mittagessen“.

Tagesstrecke:  36,8 km; ↑ 709 m; ↓ 619 m

11. Tag Samstag, 27. Juni 2020 Kallmünz – Hohenburg

Heute steht das umfassende Frühstück schon um 6.15 Uhr vor der Tür. Ich komme trotzdem erst um 7.30 Uhr weg, weil ich mich mit der Hausfrau noch ein bisschen vertratscht habe.

Die Burg und der Ort strahlen im Morgenlicht und laden eigentlich zu längerem Verweilen ein.

Burg Kallmünz
Kallmünz

Ich gehe jetzt entlang der Vils, vom Flusstyp der Naab sehr ähnlich. Der Jurasteig ist ein umfassendes Wegenetz in der Gegend, der viele Varianten aufweist.

Links und rechts des Tales ragen immer wieder schroffe Felsen auf. Der Weg ist vor allem auf den ersten Kilometern schön zu gehen.

Das Schloss Rohrbach war ein Hammerhaus, das dem Betreiber des Hammerwerkes gehörte. An der Vils gab es zahlreiche dieser reichen Gebäude.

Schloss Rohrbach

Die Pfarrkirche St. Pankratzen in Dietldorf steht unweit eines anderen Hammerhauses, das heute leider nicht so gut erhalten ist.

Pfarrkirche in Dietldorf
Schloss Dietldorf

Der heutige Weg führt mich um das riesige Truppenübungsgelände Hohenfels herum. Es steht unter Verwaltung der USA und wird heute von der US Army genutzt. Es ist mit einer Fläche von 160 km² einer der größten Truppenübungsplätze in Deutschland. Gegründet wurde er von der Deutschen Wehrmacht 1938. Dazu wurden 544 Anwesen und Bauernhöfe umgesiedelt und abgelöst. Seine kurze Geschichte ist sehr bewegt. Heute werden hier moderne Einsatzszenarien trainiert. Auch eine Airbase ist auf diesem Gelände.

Die Wegbeschaffenheit ist sehr variabel. Manchmal sind es Feldwege oder Wiesenwege, manchmal Schotter- oder Asphaltstraßen. Temporeduzierend ist der Umstand, dass die Walderdbeeren reif sind und ihr Rot zu verlockend ist. Gut, dass die Radfahrer viel zu schnell unterwegs sind, um sie zu entdecken.

Ich erreiche Schmidmühlen und suche vergeblich nach einem offenen Gasthaus. Es ist halt erst 10.30 Uhr. So besuche ich die Pfarrkirche St. Ägidius, die nach außen eher alt wirkt, im Inneren aber ein überraschendes Bild gibt. Sie wurde 1933 bzw. 1972 umstrukturiert, nachdem vom ursprünglichen Bau wenig Brauchbares übrig blieb.

St. Ägidius
Ägidiusaltar
Jakobus
Bürgerhäuser in Schmidmühlen

Meinen Weg setze ich jetzt im Tal der Lauterach fort, die für ihre Forellen bekannt sein soll.

In einem Bächlein helle.,.
Lauterach

Ob da wer wegen des Verlustes traurig ist?

Ich finde am Wegrand prachtvolle Exemplare der Türkenbundlilie (Lilium martagon L. ). Sie sind zwar eher niedrig, aber wunderschön gezeichnet.

Ich komme in Hohenburg bei recht hohen Temperaturen an und suche gleich die Pension Stauber auf.

Die Häuser am Marktplatz sind teilweise sehr stattlich und liebevoll gestaltet.

Rathaus

Vor wenigen Wochen wurden zwei unbewohnte Häuser ein Raub der Flammen. Durch das Eingreifen der Feuerwehren konnte Schlimmeres verhindert werden. 200 Jahre früher wäre von der Häuserzeile nichts übrig geblieben.

Die Pfarrkirche St. Jakobus ist ganz dem Namenspatron gewidmet. Jetzt bin ich auf dem Oberpfälzer Jakobsweg angelangt, der Teil des Weges Prag – Tillyschanz – Nürnberg Rothenburg ist.

Pfarrkirche St. Jakob
Aufnahme des Hl. Jakobus in den Himmel
Enthauptung des Hl. Jakobus

Im Eingangsbereich der Kirche befinden sich zahlreiche Zunftstangen, die bei kirchlichen Prozessionen mitgetragen werden.

Auch ich bin ein Huhn!

Mein Abendessen – voll biologisch: Schafcurrywurst mit Pommes, Salat und Bayernmilch.

Jetzt kommt der Wolkenbruch und ist schneller vorbei, als ich den Blog schreiben kann.

Tagesstrecke:  25,8 km; ↑ 465m; ↓ 423 m

10. Tag Freitag, 26. Juni 2020 Regensburg – Kallmünz

Heute komme ich erst um 7.30 Uhr zum Frühstücken, früher geht es leider nicht. Dafür sitze ich im Garten und genieße das Vogelgezwitscher.

Kurz vor 8 Uhr geht es dann los. Ich nehme den Weg wieder durch die Innenstadt, wo ein paar Menschen und Lieferwägen unterwegs sind.

Donauhafen
Steinbrücke
Thon-Dittmer-Palais
Kohlenmarkt

Ich gehe an die sechs Kilometer in westlicher Richtung bis ich an die Stadtgrenze komme.

Prüfeninger Straße

Dort wo früher die Trabrennbahn von Regensburg war, steht heute eine große Siedlung. Die Eingangspfeiler sind als Denkmal erhalten geblieben.

Trabrennbahn

Schließlich komme ich an die Mündung der Naab in die Donau. Hier heißt es von der Donau, die mich seit Linz begleitet habe, Abschied zu nehmen. Ich folge ab hier der Naab nach Norden.

Der E8, der Jakobsweg und der Donau-Mainweg gehen nach Westen weiter.

Hier an der Naabmündung waren wichtige römische Verteidigungseinrichtungen des Limes konzentriert. Die Flüsse wurden mit leichten und wendigen Ruderbooten kontrolliert.

Ich wende mich vorerst dem Gegenhang zu und habe eine gute Aussicht.

Spätestens als ich auf Regensburg zurückschauen kann, weiß ich, dass es sich ausgezahlt hat, vom kürzesten Weg abzuweichen.

Nach ein paar Kilometern auf einer Mountainbike-Route durch kühlen Wald komme ich wieder zum Fluss zurück.

Es gibt nicht viel Auswahl: Regensburg oder Kallmünz

Der Radweg ist teilweise asphaltiert, teilweise geschottert. Außer Radfahrern begegnet man nur landwirtschaftlichen Fahrzeugen.

Das Kloster von Pielenhofen wurde nach der Säkularisierung als Schule benutzt. Die Regensburger Domspatzen hatten hier ihre Ausbildungsstätte.

Dieses alte Haus mit seinem schönen Schmuck hat mir sehr gut gefallen. Nur mit den römischen Zahlen hat man sich ein wenig schwer getan.

Nach einer Flussbiegung sehe ich die Burgruine von Kallmünz vor mir. Es kann nicht mehr weit sein.

Bei Kallmünz fließen Naab und Vils zusammen.

Ich lerne gerne neue Speisen kennen, heute gibt’s „Bauchstecherle“ mit Zwiebeln und Speck. Dazu einen „Roten Löwen“.

Heute übernachte ich in der Pension Weigert.

Nach einer Erholungspause mache ich mich auf den Weg in den Ort, der auch auf eine lange Geschichte zurückblicken kann. Die Burgruine stammt aus der Zeit um 1250. Im malerischen Ort gibt es viele originelle Häuser, die sich an den Berg schmiegen. Die steinerne Brücke (um 1550) wurde 1945 von der Deutschen Wehrmacht gesprengt.

Steinerne Brücke in Kollmünz
Raitenbucher Schloss in Kallmünz

Das „Haus ohne Dach“ ist eine kleine Höhlenwohnung mitten in der Stadt.

Der deutsche Landschaftsmaler Palmié entdeckte 1901 Kallmünz und gilt als der Begründer der dortigen Künstlerkolonie. Er gestaltet gleich den Gasthof, in dem er wohnte und nannte ihn „Zur roten Amsel“, wie er heute noch heißt. Viele namhafte Künstler arbeiteten hier bis heute. Einer der bekanntesten war Wassily Kandinsky, der hier 1903 wirkte. Ich hatte das Glück, einige seiner Werke (Ölbilder und Graphiken) vor Ort zu sehen.

Tagesstrecke:  30,5 km; ↑ 384 m; ↓ 376 m

9. Tag Donnerstag, 25. Juni 2020 Bach a. d. Donau – Regensburg

Auch heute bin ich wieder früh aus dem Haus (präsenile Bettflucht?) und genieße das Frühstück ganz im spanischen Caminostil im nächsten Kaffeehaus. Danach geht es an die Donau.

Der Himmel ist so, wie wir Pilger es mögen: ein paar zarte Wolken, ein bisschen Sonne und ein Schatten, diffus wie ein Aquarell.

Eine Gänsesägerfamilie lässt sich durch mich nur wenig stören und geht auf Sicherheitsabstand.

Wieder hindern mich zahlreiche Vogelkirschbäume (Prunus avium L.) am raschen Weitergehen. Die Früchte schmecken zu gut.

Diese Früchte reifen auf den ebenso häufigen Steinweichselbäumen. Sie werden nicht zum Genuss verwendet und schmecken sehr herb, obwohl sie voll ausgereift sind.

Steinweichsel, Felsen- oder Weichselkirsche (Prunus mahaleb L.)

Dieser Falter begleitet mich ein Stück des Weges, ehe ich ihn fotografieren kann. Das gelingt mir bei den vielen Stieglitzen nicht.

Schachbrett (Melanargia galathea L.)

In der Ferne sehe ich in der Sonne Walhalla aufblitzen, an dem ich vorbeigehe. Da ich mir dieses Bauwerk nahe Donaustauf vor ein paar Jahren angesehen habe, habe ich keine Lust, den Umweg dorthin zu machen. Außerdem ist es zu dieser Zeit nur von außen zu besichtigen. Walhalla war auch eine der Ideen von König Ludwig I., der den Bau veranlasste, um Persönlichkeiten „teutscher Zunge“ zu ehren. Das 1842 eröffnete Denkmal ist dem Parthenon-Tempel nachempfunden und wurde Ludwigs teuerstes Projekt.

Walhalla
Walhalla
Walhalla
Gerhard und Walhalla

Die Begründer des europäischen Postwesens Thurn und Taxis hielten sich bevorzugt in Donaustauf auf, nachdem sie gegen viel Geld die Postverwaltung an die verschiedenen Staaten abgetreten haben. Donaustauf brannte im 19. Jhdt. völlig ab, nur der „Chinesische Turm“ blieb erhalten.

Chinesischer Turm
Bürgerhaus

Hier sollte wirklich jeder einen geeigneten Weg finden.

Wegmarkierung in Donaustauf

Bis kurz vor dem Zentrum von Regensburg hat die Natur viel Raum.

Graureiher (Ardea cinerea)

Das ist „Soko Donau“ auf Bayrisch.

Polizeiboot

Der Dom St. Peter überragt die Altstadt von Regensburg. Seine Geschichte beginnt im 13. Jhdt., um 1450 war er benutzbar und seine beiden Türme wurden erst 1869 fertiggestellt. Er gehört mit dem Kölner Dom zu den bedeutendsten gotischen Kirchenbauten Deutschlands. Leider ist seine Hauptfront im Gerüst.

St. Peter
Silberaltar im Chor

In dieser Woche wird der Schrein mit den Reliquien des Hl. Wolfgang hier im Dom den Gläubigen präsentiert. Sonst ist er in der Kirche St. Emmeram zu finden. St. Wolfgang war ab 972 Bischof von Regensburg und Erzieher Kaiser Heinrichs II.

St. Wolfgang

Viele der Glasfenster stammen aus dem Mittelalter. Es sind sogar noch welche aus dem romanischen Vorgängerbau erhalten.

Brunnen im Dom

In der Jakobskirche hole ich mir einen schönen Stempel.

Eingangsportal

Ich will die Kunstsammlung der Thurn und Taxis, die heute dem Bayrischen Staat gehört, besichtigen. Wegen Corona geschlossen!

Kunstsammlung im Schloss

Ich besuche noch das Reichskloster St. Emmeram, eine um 739 gegründete und bis zur Säkularisation 1803 bestehende Benediktinerabtei in Regensburg. St. Emmeram war im 7. Jhdt. zunächst Bischof von Poitiers, ehe er in den bayrischen Raum als Wanderprediger und Missionar zog. Hier starb er als Märtyrer.

Kirche und Kloster St. Emmeram
Barocker Innenraum

Mit dem Baubeginn 1135 gilt die Steinerne Brücke als ein Meisterwerk mittelalterlicher Baukunst und als die älteste erhaltene Brücke Deutschlands.

Steinerne Brücke

Für die Ausflugsboote finden sich leider keine Passagiere.

Am Landungsdeck an der Donau

Ich bin heute in der Jugendherberge von Regensburg untergebracht, die zu den ältesten in Deutschland zählt. Das Gebäude wurde 1939 fertiggestellt. Sie liegt auf der Unteren Wöhrd, einer Insel in der Donau und nahe dem Zentrum. Die Pläne für einen Neubau liegen schon vor. Ich habe ein ruhiges Einzelzimmer und bin einer der wenigen Gäste.

JHB Regensburg

Tagesstrecke:  18,3 km; ↑ 107 m; ↓ 94 m

8. Tag Mittwoch, 24. Juni 2020 Kößnach – Bach

Heute bin ich schon um 6.20 Uhr auf dem Weg. Das Frühstück gibt es erst im nächsten Ort, in Kirchroth. Die dortige Bäckerei öffnet schon um 6 Uhr.

Heute steht wieder eine naturnahe Etappe auf dem Programm. Kurz nach Kirchroth komme ich wieder an die Donau, die hier im Staubereich des Kraftwerks Straubing wie ein See da liegt.

Stauraum bei Kirchroth

Viele Altarme und Sauerwiesen bieten Tieren aller Art Unterschlupf.

Altwasser
Kormorane

Wieder geht es auf dem Hauptdeich entlang, der vor über 30 Jahren (?) angelegt wurde. Ich treffe auf Paar, das in der Nähe wohnt und täglich hier spaziert. Da erfahre ich, dass damals der Damm nur ein Schotterberg war, und sich die Natur das Land zurück geholt hat.

Deichwege
Auf dem Jerusalemweg: Finisterre – Jerusalem

Bei Wörth an der Donau bin ich auf dem Ostbayrischen Jakobsweg gelandet. Auch der Europäischen Fernwanderweg E8 von Dursey Head in Irland bis zum Beskidenpass an der polnisch-ukrainischen Grenze verläuft hier und soll bis Istanbul verlängert werden.

Das mächtige Schloss Wörth ist von Ferne schon zu sehen. Der Bau im Renaissancestil hat Festungscharakter, ist vollständig erhalten und zählt zu den großen Schlössern in Ostbayern.

Schloss Wörth

Ich schaue mich ein bisschen im Ort um.

Wörth a. d. Donau

Die ursprünglich romanische Pfarrkirche St. Peter wurde zuerst im gotischen und später im barocken Stil umgestaltet.

Kreuzigung des Petrus

Ich gehe an einem endlos geraden Weg entlang und entdecke die Ursache bei einem Kilometerstein. Es ist die ehemalige Trasse des „Walhalla-Bockerls“, das von 1889 bis 1968 auf Schmalspur-Schienen von Regensburg-Stadtamhof nach Wörth an der Donau verkehrte. Unterwegs sind sogar einzelne Schwellen zu sehen.

Walhalla – Bahn

Entlang der Trasse stehen viele Vogelkirschbäume, deren Früchte herrlich schmecken.

Vogelkirschen

Ich habe heute in Bach die Pension Gmeinwieser als Quartier bekommen. Es gibt eigentlich keine Auswahl, da viele Betriebe schon länger geschlossen haben.

Tagesstrecke:  26,4 km; ↑ 142 m; ↓ 135 m

7. Tag Dienstag, 23. Juni 2020 Bogen – Kößnach

Es war eine ruhige Nacht, ohne Verkehrslärm oder andere Störungen. Ich unterhalte mich mit zwei anderen Gästen, die mit dem Rad von Krimml gereist sind. Wir treffen uns unterwegs nochmals, weil sie erst später frühstücken waren. Im Haus gibt es kein Frühstück, deshalb gehe ich in die Bäckerei nebenan.

Mein erstes Ziel ist die Kirche mit dem ehemaligen Kloster von Oberalteich, gegründet 1100. Leider ist die Kirche noch geschlossen und es sind auch keine Öffnungszeiten ersichtlich. Diese Klöster und Pfarrpfründe waren zeitweise extrem ertragreich und wurden entsprechend „in der Verwandtschaft“ weitergegeben. Das Benediktinerkloster wurde wie viele andere 1803 säkularisiert.

Kirche St. Peter und Paul von Oberalteich
Ehem. Kloster Oberalteich

Nachdem ich das Donauengtal nun endgültig verlassen habe, weitet sich die Landschaft auf. Die blühenden Kartoffelfelder sind besonders schön anzuschauen.

Kartoffeln
Kartoffelblüten
Distelblüte mit Besuchern

Erntehelfer sind mit der Erdbeerernte beschäftigt.

Erdbeerernte

Dieses Gebäude, das wie eine alte Burg aussieht, ist ein Schöpfwerk, mit dem das Wasser hinter dem Deich in die Donau gepumpt wird.

Bei Reibersdorf komme ich wieder an den Strom. Die Hochwasserschutzbauten um die Kirche zeigen, wie gefährlich das Wasser sein kann.

Hier steht auch ein großer Steinblock, der daran erinnert, dass hier die Via Nova verläuft.

Ich gehe unter der Agnes-Bernauer-Brücke durch und umgehe vorläufig Straubing.

Agnes-Bernauer Brücke
Damm an der Alten Donau

Über die Donau ist die Skyline von Straubing gut erkennbar.

Straubing

Die Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt in Sossau bei Straubing wurde 1178 geweiht und war ursprünglich romanisch. Um sie rankt sich eine Legende, wonach sie von Engeln hierher gebracht wurde. Im Inneren strahlt sie barocke Pracht aus.

Hochaltar von 1777
Orgel von 1715

Ich gehe noch ein kleines Stück weiter bis nach Kößlach, wo ich mich in der Pension Groß einquartiere. Es ist gerade erst 11.30 Uhr und ich kann mit Frau Groß im Auto mit nach Straubing fahren, um die Stadt zu besichtigen.

Pension Groß in Kößlach

Ich steige im Zentrum von Straubing aus und gehe durch das Ludwigstor auf den Ludwigsplatz.

Ludwigstor
Ludwigsplatz

Der riesige Platz (600m lang) wird vom 68 m hohen Stadtturm in zwei Teile geteilt. Einige Verkäufer versuchen noch das letzte Gemüse und Obst zu verkaufen. An den Tischen der Gastronomiebetriebe herrscht reges Leben. Die Fassaden der alten Gebäude am Hauptplatz sind sehr schön renoviert.

Ich bestelle mir eine bayerische Spezialität, ein Münchner Zwiebelfleisch, das ähnlich unserem Zwiebelrostbraten aussieht und hervorragend schmeckt. Dazu brauche ich natürlich auch ein Weißbier.

Münchener Zwiebelfleisch

Nach Agnes Bernauer ist hier nicht nur eine Brücke benannt, ihr Name ziert auch eine Torte. Wegen angeblicher Hexerei wurde ihr von ihrem Schwiegervater Herzog Ernst im Jahre 1435 der Prozess gemacht. Sie wurde zum Tode verurteilt und in der Donau ertränkt. Jetzt kennt sie (fast) jeder.

Weil es so heiß ist, gehe ich ins Gäuboden-Museum, das eine hervorragende Sammlung von frühgeschichtlichen und römischen Exponaten aus dem Straubinger Raum zeigt.

Römische Masken für Schaukämpfe

Der Jakobus ist einer der beiden Stadtheiligen und ist in der Abteilung für religiöse Kunst zu finden.

Tagesstrecke:  17,8 km; ↑ 23 m; ↓  22 m

6. Tag Montag, 22. Juni 2020 Metten – Bogen

Liebe Leserinnen und Leser meines Blogs! Danke für eure netten Kommentare.

Für gestern möchte ich noch eine Ergänzung hinzufügen. Vor der Kirche in Niederalteich treffe ich auf eine nette Frau, die offensichtlich in der Kirche zu tun hat. Nach ein paar Sätzen holt sie ein Sackerl aus ihrer Tasche und bietet mir einen Kiesel aus der Donau an, den sie selbst gestaltet hat. „Eine kleine Erinnerung und als Glücksbringer für den weiteren Weg!“, und schon ist sie in der Kirche verschwunden.

Donaukiesel mit Segenswunsch

Am Morgen ist es strahlend klar, ich starte bereits kurz nach 7:30 Uhr. Ich habe nicht weit zum Weg an der Donau. Die Autobahnbrücke der A3 liegt direkt vor mir.

Brücke der A3

Ich kann es mir aussuchen, ob ich auf dem asphaltierten Radweg rechts, auf dem Grasweg auf dem Damm oder auf dem Fahrweg an der Donau gehen will.

Im Osten sind die Ausläufer (oder die Anfänge) des Bayrischen Waldes zu sehen, der sich bis nach Tschechien hinzieht.

Bayrischer Wald

Das kleine Dorfkircherl von Mariaposching ist Mariae Geburt gewidmet, es hat einen spätromanischen Turm, einen spätgotischen Chor und ein barockes Langhaus.

Mariaposching
Mariaposching

Bauern lassen bewusst Flächen zum Schutz von Bodenbrütern frei. Hier blühen dann die Feldblumen in voller Pracht.

Leichte Schleierwolken ziehen auf und ergeben mit einem leichten Lüfterl ein ideales Wanderwetter. Ich treffe einen älteren Herrn auf dem Damm, so in meinem Alter. Er wohnt unweit von hier hinter dem Damm und erzählt mir ein bisschen vom Wasser und dem Wetter hier. Ein paar Kilometer weiter treffe ich eine Frau mit ihrem Hund, die mit mir ein paar Sätze wechselt und mir ihre Segenswünsche mit auf den Weg gibt.

Ich glaube meinen Augen nicht trauen zu können: da schwimmt mitten in der Donau ein Mensch. Ich winke ihm, er/sie winkt zurück.

Domaunixe?

Mir fallen viele Vermessungspunkte in brachliegenden Grundstücken auf. Dann sehe ich, dass archäologische Ausgrabungen durchgeführt werden. Ich komme mit einer Archäologin aus Rumänien ins Gespräch, die mir erzählt, dass ein neuer größerer Hochwasserdamm errichtet wird und vorher Grabungen in einer Tiefe von 1,2 – 1,8 m durchgeführt werden. Die Wissenschaftler dokumentieren hier Funde aus der Steinzeit bis ins Mittelalter.

Archäologische Sicherungsgrabungen
Archäologische Sicherungsgrabungen

Die Donaubrücke wirkt von unten besonders imposant. Die Paddler nehmen es gelassen. In Verbund treiben sie stromabwärts.

Jetzt wartet noch eine kleine Bergwertung auf mich. Es geht recht steil hinauf auf den Bogenberg zu einer alten Kulturstätte. Zuerst geht es an der Ulrichskapelle vorbei und dann wird es steil. Etwas beunruhigen mich die Hinweise auf den Eichenprozessionsspinner, der hier sein Unwesen treiben soll.

St. Ulrich
Auf den Bogenberg hinauf

Die Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt auf dem 432 Meter hohen Bogenberg gilt als die älteste Marienwallfahrtskirche Bayerns. Aus diesem Grund wird der 118 Meter über der Donau aufsteigende Bogenberg auch als Heiliger Berg Niederbayerns bezeichnet.

Maria Himmelfahrt

Die Darstellung der schwangeren Maria ist eher selten.

Schwangere Maria mit „Fenster“ im Bauch

Links und rechts an der ersten Säulenreihe ragen zwei 13 m lange „Kerzen“ auf. Diese Holzstangen, mit Wachs umwickelt, werden in einer Dankprozession über 75 km von Holzkirchen hierher getragen, als Dank für die weitere Verschonung vor dem Borkenkäfer gegen Ende des 15. Jhdt.

Querschnitt durch die „Kerze“

Ich steige hinunter in die Stadt Bogen, wo die heutige Wanderung endet. An einem Ende des langen Stadtplatzes steht das Rathaus.

Neues Rathaus von Bogen

Ich nächtige im Gasthof „Zum Weißbräu“.

Tagesstrecke: 23,8 km; ↑ 144 m; ↓  139 m