VFS 10. Tag Samstag, 11. Mai 2024 Itri – Formia

Die Planer der Via Francigena haben es natürlich mit den Pilgern nur gut gemeint und führen sie an die besten Plätze mit der besten Aussicht. Nur geht es dafür gleich einmal 170 Höhenmeter nach oben. Dafür passt die Aussicht.

Blick nach Südwesten (Insel Ponza)
Blick nach Süden

Die Hügel sind heute meist von Macchie bewachsen. Vereinzelt sieht man noch Terrassen von früherer Bewirtschaftung. Auch die ehemaligen Folienhäuser verfallen und belasten die Landschaft. Ich habe ein paar Korkeichen gefunden, die sogar noch Spuren vom Schälen tragen. Das dürfte auch schon lange her sein.

Hügellandschaft nördlich von Gaeta
Skelett eines Folienhauses bei Gaeta
Korkeiche

Auf den letzten „Berg“-Kamm vor Gaeta steht ein Torhaus.

Tor

Jetzt geht es endgültig bergab mit mir: 124 m bis auf 0.

Abstieg zwischen engen Mauern
Am Strand im Westen
Kitsch muss sein

Die Burg auf Gaeta ist immer noch Staatsgefängnis, in dem auch der österreichische Kriegsverbrecher Walter Reder einsaß. Er wurde wegen der direkten Beteiligung einiger Massaker an Zivilisten in Italien zu lebenslanger Haft verurteilt und 1985 nach Österreich überstellt (Frischenschlager-Affäre).

Gaeta – Staatsgefängnis

Bei meinem Weg durch die Stadt komme ich an diesen Zisternen vorbei, in denen von den Römern Muränen gehalten wurden, die als eine besondere Delikatesse galten.

Zisternen für Muränen

In der Kirche Santuario Santa Annunziata gibt es eine Extrakapelle, die den Beinamen „Grotta d’Oro“ trägt. Die Bilder berichten vom Leben Marias. Die Kapelle geht auf das 14. und 15. Jahrhundert zurück. Papst Pius IX. kam hierher zum Beten und das hat ihn 1848 zum Erlass des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis inspiriert.

Santuatio Santa Annunziata
Cappella Santa Annunziata
Cappella Santa Annunziata
Cappella Santa Annunziata

Am Berghang steht der Dom der Stadt Cattedrale dei Santi Erasmo e Marciano e di Santa Maria Assunta. Ich habe mir den Aufstieg wegen der gestiegenen Temperaturen erspart.

Cattedrale dei Santi Erasmo e Marciano e di Santa Maria Assunta

Im Hafen liegt die USS Mount Whitney, die dem Kommandeur der 6. US-Flotte als Flaggschiff dient.

USS Mount Whitney

Die große Bucht von Gaeta ist wirklich schön.

Bucht von Gaeta

Nun gehe ich weiter nach Formia, das gleich in der Strandverlängerung liegt, ohne dass die Bebauung dazwischen endet.

Formio wird als die Stadt des Cicero bezeichnet. Der Staatsmann und Schriftsteller Cicero, der allen Lateinschülern ein Begriff ist, wurde hier in Formio auf der Flucht getötet.

Formio, Stadt des Cicero

Auf dem Wasser nützen viele Wingsurfer mit ihren Foilbrettern den gleichmäßigen Wind. Auch ein paar archaische Windsurfer sind noch dabei.

Wing- und Windsurfer

Die weißen Spots auf dem Wasser habe ich aus großer Entfernung ursprünglich für Fischzuchtanlagen gehalten. Dann hat sich das Ganze als Segelregatta mit sicher über hundert Teilnehmern entpuppt.

Segelregatta

Auch vom Fenster meiner Unterkunft im Centro Don Bosco kann ich bis Gaeta sehen, und der Leuchtturm sendet seine Strahlen über das Meer.

Gaeta im Hintergrund

Tagesstrecke: 26,9 km; ↑ 478 m; ↓ 642 m

VFS 9. Tag Freitag, 10. Mai 2024 Fondi – Itri

Die heutige Tagesetappe ist mit 15 geplanten Kilometer sehr moderat. Ein bisschen Ruhe wird ja auch nicht schaden. Wer weiß, was bis zum Ende des Tages geschieht.

Nach dem Frühstück vor dem Castello Baronale di Fondi gehe ich um 7.40 Uhr los. Das Wetter ist zum Wandern angenehm.

Castello Baronale di Fondi

Ein Haus auf dem Weg hebt sich von den anderen ab.

Haus in Fondi

Das Haupthema der heutigen Wanderstrecke ist die Via Appia Antica, der ich schon seit Rom folge. In Fondi bildet sie noch heute die Hauptstraße, die SS7 – nicht nur die – wurde auf das Fundament der alten Straße gesetzt, und hier ist ein ganzer Straßenabschnitt fast unverbaut erhalten. Da die Römer als Straßenbauer wirklich genial waren, nutzten die nachfolgenden Generationen das aus.

SS7 – gerade wie ein Strich

Der Naturpark Monti Aurunci stellt ein großes Gebiet, das sogar provinzübergreifend ist, unter Schutz.

Wegweiser
Monte Aurunci

Die Brücke haben zwar zuerst die Römer gebaut, sie ist aber schon kollabiert und wiedererrichtet worden. Sie stellt den Beginn des archäologischen Parks dar.

Brücke

Die Straße zeigt unterschiedliche Formen, je nachdem, wie und wann die Straße später renoviert wurde.

Erster Straßenabschnitt

Die Römerstraßen dieser Ordnung hatten genau festgelegte Dimensionen, damit die Karren, die ebenfalls genormt waren, gut voran kommen konnten. Die reine Fahrbahn war 4,2 m breit (sie konnte bis zu 12 m Breite haben). Darauf gab es zwei Spuren für Wagen mit ca. 120 cm Spurbreite. Links und rechts gab es einen Randstein, der das Wasser ableitet und dann noch jeweils 120 cm oder mehr einen Streifen für Reiter und Fußgänger. Die schweren Pflastersteine wurden nur bei stark befahrenem oder unsicherem Gelände verwendet.

Pflasterung mit Randstein

Auf dieser Bergstrecke ist der linke Teil durch eine schwere Stützmauer gesichert, die heute noch trägt. Rechts wurde der Hang abgetragen.

Pflasterung aus dem 18. Jhdt.

Stützmauer

Unterwegs sind mir auch einige Wildblumen untergekommen.

Salbeiblättrige Zistrose (Cistus salviifolius L.)
Weißliche Zistrose (Cistus albidus L.)
?
Rosen-Lauch (Allium roseum L.)
Gladiolus italicus Mill.
Italienisches Knabenkraut (Orchis italica POIR)

Nachdem ich den höchsten Punkt der Tagesstrecke mit 317 m überquert habe, sehe ich unten im Tal Itri, mein Ziel.

Das Ortsbild wird von einer mächtigen Burg beherrscht. Über kleine Gässchen und Stiegen kommt man der Rocca Caetani näher. Hinein kann man nur am Wochenende!

Itri mit Burg
Stiegen
Gässchen
Stiegen
Seitengasse

Auf der Spitze des Berges steht die romanische Kirche Sant’Angelo aus dem 11. Jhdt., die über einem antiken Tempel errichtet wurde.

Sant’Angelo
Sant’Angelo
Sant’Angelo

In der Pension Il Fiore in una Stanza bin ich recht schön untergebracht.

Il Fiore in una Stanza

In der Zwischenzeit hat sich das Gewitter verzogen, das Itri gestreift hat.

Tagesstrecke: 18,6 km; ↑ 442 m; ↓ 279 m

VFS 8. Tag Donnerstag, 09. Mai 2024 Terracina – Fondi

Der gestrige Abend ist mit viel Regen zu Ende gegangen. Ich habe mir trotzdem noch ein paar Highlights angesehen und bin auch ordentlich nass geworden.

Mitten in der Stadt gibt es große Ausgrabungsstätten bzw. Ruinenreste aus der Römerzeit. Durch seine Lage an der Via Appia hatte Terracina große wirtschaftliche Bedeutung und konnte sich einiges leisten.

Das Capitol und das Amphitheater sind sichtbare Zeichen.

Capitol
Amphitheater

Wohl unter jedem Haus der Stadt befinden sich Überreste römischer Bauten, viele sind auf direkt auf den alten Fundamenten errichtet worden.

Auch die Cattedrale di San Cesareo steht auf einem römischen Tempel. Auf dem Turm ist noch die Aufschrift „SPQT“ – SENATUS POPULUSQUE TARRACINA. Die Bewohner der Stadt hatten das römische Bürgerrecht.

Cattedrale di San Cesareo

Das Innere der Kirche ist auch beeindruckend.

Cattedrale di San Cesareo

Ein besonderes Schmuckstück ist die Kanzel.

Cattedrale di San Cesareo – Kanzel
Cattedrale di San Cesareo – Kanzel

Die Böden sind mit schönen Mosaiken belegt

Cattedrale di San Cesareo – Mosaikboden

Einen kurzen Besuch wollte ich auch dem Hafen und dem Strand abstatten.

Hafen
Strand

Am Abend war ich bei Herta, die im Verein Gruppo dei Dodici engagiert ist. Sie erzählt, dass ihr Haus bereits 900 Jahre alt ist – heute natürlich mit mehr Komfort.

Casa gentilizie – Haus von Adeligen

In der Früh ist das Wetter wieder freundlich.

Blick von der Stadtmauer

Von einer Plattform habe ich einen guten Überblick über die Stadt.

Panorama

Der Tempel des Jupiter Anxur, das bedeutendste Denkmal aus fernen Zeiten, verbirgt sich leider etwas am Berg.

Jupiter Anxur

Nach dem traditionellen Anstieg am Morgen gehe ich auf dem antiken Weg gemütlich dahin.

Via appia

Immer wieder muss ich innehalten und die herrlichen Ausblicke genießen.

Blick in Richtung Terracina
Blick in Richtung Süden

Dann ändert sich die Wegeart. Es geht über einen Ziegenpfad weiter, weil die Grundbesitzer keine Wanderer mehr duchlassen. Ich möchte aber auf der Vía Appia gehen!!! Der Weg ist sehr anspruchsvoll und führt schräg über einen steilen Hang.

Abseits der Via Appia

Ich erbe unterwegs einen Hund von einem anderen Wanderer. Er geht genau einen halben Schritt hinter mir.

Wandererfreundlicher Hund

Den Ziegen und ihrem Wächter zeigt er andere Seiten auf und wirbelt die Herde vorerst kräftig durcheinander.

Ziegenherde

Bei nächster Gelegenheit entschließe ich mich, auf die Straße zu wechseln. Die SS7 hat zwar viel Verkehr, ist aber nicht so anstrengend.

Entlang der Strada Statale 7

Unterwegs komme ich an einer kleinen Büffelfarm vorbei. Die Milch wird zur Gewinnung des Mozzarella di Bufala gebraucht.

Büffelfarm
Viale Vittorio Emanuele III

Von der Ferne sehe ich die Stadt Monte San Biagio. Ich bin froh, dass ich den Berg nicht hinauf muss.

Monte San Biagio

Die Straßen und Gassen in den Orten sind für normale Müllwägen viel zu klein. Daher fahren Minitransporter, sammeln den Müll und führen ihn zu großen Autos an den Hauptstraßen.

Müllwagen

Nach einer Erholpause in einer Bar gehe ich in der Mittagshitze weiter zur Abbazia di San Magno. Dort ist Siesta. Ein paar Gäste wundern sich offensichtlich über einen Pilger. Also weiter!

Abbazia di San Magno

Nach nicht einmal einer Stunde erreiche ich das Etappenziel Fondi. Auch hier gibt es viele Bauten aus dem Mittelalter direkt auf römischen Grundmauern. Die Via Appia führt direkt durch die Stadt und ist auch heute noch die Hauptstraße.

Corso Appio Claudio

Die Burg, der Castello Baronale, mit ihrem charakteristischen zylindrischen Turm auf einem quadratischen Fundament, über 31 Meter hoch, ist ein Wahrzeichen der Stadt, und wurde im 14. Jahrhundert von Onorato I. Caetani auf einem Abschnitt der alten römischen Stadtmauer gebaut.

Castello Baronale Caetani

Stellvertretend für alle anderem Kirchen zeige ich euch die Chiesa di San Pietro apostolo, die 1138 eingeweiht wurde.

Chiesa di San Pietro apostolo
Chiesa di San Pietro apostolo
Chiesa di San Pietro apostolo

Ich schlafe heute wieder direkt im Zentrum in einer kleinen Pension. Nachteil: der dritte Stock.

Tagesstrecke: 23,5 km; ↑ 344 m; ↓ 377 m

VFS 7. Tag Mittwoch, 08. Mai 2024 Priverno – Terracina

Ich weiß, dass heute eine lange Wegstrecke vor mir liegt und beeile mich, rasch auf den Weg zu kommen. Außerdem ist für den Nachmittag Schlechtwetter angesagt und da ist jeder trockene Kilometer ein Gewinn. So bin ich schon vor sieben Uhr aus dem Haus und auf der Suche nach einer Bar.

Vor der Stadtmauer finde ich einen kleinen Markt mit Lebensmitteln und die Bar.

Priverno – Stadtmauer
Priverno – Obststand

Das Wetter hat sich verändert, es ist windig und die Luftfeuchtigkeit höher. Entlang des Fiume Amaseno führt die Wanderroute entlang. Schotterstraßen und Feldwege wechseln einander ab. Noch einmal gibt es einen Rückblick auf Priverno.

Fiume Amaseno
Priverno

Nach etwa sieben Kilometern steht am Talrand die Abbazia di Fossanova.

Abbazia di Fossanova
Abbazia di Fossanova

Die Abtei wurde 1135 von den Bendiktinern gegründet, wurde aber dann von den Zisterziensern geführt und ist jetzt den Franziskanern unterstellt. Sie befindet sich, wie die meisten Kultdurdenkmäler, im Staatsbesitz.

Kreuzgang
Lavoratorium
Refektorium
Kapitelsaal

Ein Mönch führt mich in das ehemalige „Büro“ des Abtes in einem Nebengebäude. Dort starb 1274 der große Kirchenlehrer Thomas von Aquin auf der Reise von Neapel nach Lyon.

Amtshaus des Abtes
Kapelle des St. Thomas

Vom Kreuzgang komme ich über eine kleine Tür in die mächtige Kirche. Die Fundamente für die neue Klosterkirche wurde1163 gelegt und die Kirche wurde 1208 konsekriert.

Hauptschiff
Apsis

Die Hauptfassade ist in ihrer Schlichtheit eindrucksvoll.

Dort treffe ich zufällig wieder die beiden Trientinerinnen. Wir laufen uns seit Rom immer wieder über den Weg, obwohl wir nicht zusammen wandern. Am Abend sollte das nochmals passieren.

Pilgertreff

Noch einmal überquere ich den Fiume Amaseno. Mich wird die Brücke wohl noch aushalten.

Brücke

Dann beginnt eine endlos lange und flache Strecke auf Asphalt. Zum Glück gibt es nur auf wenigen Abschnitten mehr Verkehr.

Durch die Felder

Kurz vor der Baustelle hat mir ein Nachbar von der Absperrung erzählt und gedeutet ich soll ruhig weitergehen. Da passiert nichts. So war es auch. Ich konnte ungestört marschieren. Die Alternative wäre die SS7 mit viel Schwerverkehr gewesen.

„Baustelle“

Dann taucht auf einem Berghang Terracina auf.

Terracina

Jetzt gehe ich wieder auf der alten Via Appia, nur dass sie hier durch eine dünne Asphaltdecke abgedeckt ist. Der Unterbau liegt immer noch im Originalzustand, wie man an den Spurrillen erkennen kann.

Via Appia

Kurz vor meiner Ankunft beginnt es zu nieseln und schließlich ordentlich zu regnen.

Ich durchquere gleich mehrere Stadttore, bis ich im Zentrum ankomme.

Stadttor
Stadttor
Cattedrale di San Cesare

Ich wohne in einem Appartement direkt auf der Stadtmauer.

Auf der Stadtmauer
Eingangstür
Appartement

Für einen ausführlichen Bericht muss ich auf morgen vertrösten.

Tagesstrecke: 29,6 km; ↑ 192 m; ↓ 158 m und ca 3 km Stadtrundgang

VFS 6. Tag Dienstag, 07. Mai 2024 Sermoneta – Priverno

Mitten in einer mittelalterlichen Stadt schläft es sich ausgezeichnet. Ich glaube, im Mittelalter war es sicher nicht so bequem. Die Vorstellungen waren natürlich auch andere.

Kurz vor halb acht habe ich die Haustüre hinter mir zugezogen und habe mich auf den Weg gemacht. Nachdem ich schon im Apartment gefrühstückt habe, geht es direkt auf den Weg.

Die kunstvolle Schmiedearbeit ist mir gestern Abend noch nicht aufgefallen.

Fenstergitter

Nach einem kurzen Asphaltstück geht es direkt in die Natur.

Pfad durchs Gras

Noch einmal schaue ich auf Sermoneta zurück, diesmal von oben.

Sermoneta

Die raren Maulbeerbäume haben bereits die Früchte angesetzt. In dieser Höhe sind sie aber später dran in ihrer Entwicklung.

Nach einem reschen Anstieg bin ich wieder auf der „Alm“ gelandet, wo vor allem Rinder zu sehen sind.

Besonders nett ist die Mutterkuh mit ihren Drillingen, die sicher erst ein paar Tage alt sind.

Mutterkuh mit Drillingen

Der Abstieg ist sehr abwechslungsreich, aber gut begehbar.

Abstieg
Anstieg

Wieder im Siedlungsbereich, kommt mir eine Wandergruppe des Francigena – Vereins entgegen. Sie gehen heute nach Sermoneta.

Wandertag

Von oben sehe ich gut auf den Monte Circeo, der einst eine Insel war. Dort soll Circe gelebt und arme Männer wie Odysseus in Versuchung gebracht haben.

Monte Circeo

Ein fahrender Händler ruft nach seinen Kunden, um seine Ware loszuwerden. Die Ausstellungsstücke werden gleich auf der Motorhaube angeboten.

Fliegender Händler

In Sezze hole ich mir zuerst in der Stadtverwaltung und dann in der Basilica Concattedrale di Santa Maria aus dem 15. Jhdt. einen Stempel. Der Pfarrer kommt aus El Salvador und die Pfarrschwester aus Peru.

Sezze – Santa Maria
Sezze – Santa Maria
Sezze – Santa Maria

Nach Sezze geht es wieder über’s G’hackte hinunter ins Tal. Der Weg ist aber besser als befürchtet.

Abstieg
Abstieg

Der Rückblick ist schöner als die Stadt. Vielleicht bin ich von den vorherigen Orten verwöhnt.

Sezze

Von der Ferne ist schon mein Tagesziel Priverno zu sehen.

In mehreren Gärten blühen Kakteen in eine Pracht, wie ich sie noch nie zuvor gesehen habe.

Kakteenblüte

In Priverno angekommen müssen wir erst ein Verständigungsproblem lösen. Ich bekomme die Hausnummer 56 genannt, die Straße endet aber bei 52. Aber am Schluss löst sich alles in Wohlgefallen auf. Ich schlafe im ehemaligen Pfarrhaus St. Benedikt.

Die Chiesa di San Benedetto geht auf das 7. Jhdt. zurück und enthält unwahrscheinlich schöne Fresken, die bis auf das 13. Jhdt. zurückgehen.

Chiesa di San Benedetto
Chiesa di San Benedetto
Chiesa di San Benedetto
Chiesa di San Benedetto

In der Oberstadt bekomme ich im Rathaus den Stempel für den Pilgerpass. Gleich daneben steht der Duomo Santa Maria Annunziata, der 1183 geweiht und später barockisiert wurde.

Rathaus von Priverno
Duomo Santa Maria Annunziata
Duomo Santa Maria Annunziata
Duomo Santa Maria Annunziata

Im Dom wird auch das Kopfreliquiar des Hl. Thomas von Aquin aufbewahrt, der 1274 im nahen Koster Fossanova verstarb. Er war einer der großen Kirchenlehrer der kath. Kirche.

Kopfreliquie von Thomas v. Aquin

Am Abend treffe ich zufällig wieder die beiden Italienerinnen und wir beenden den Abend bei einer Pizza. Sie werden morgen ihren Wegabschnitt beenden.

Tagesstrecke: 25,1 km; ↑ 596 m; ↓ 770 m

VFS 5. Tag Montag, 06. Mai 2024 Cori – Sermoneta

Der heutige Tag verläuft wieder sehr ereignisreich, zum Glück im positiven Sinn. Ich komme schon um 7 Uhr aus dem Haus, steige etwa 100 Höhenmeter auf in den Ort, um zu frühstücken – näher war nichts zu haben – um dann wieder unten, an der alten, römischen Brücke, durchzustarten.

Cori – Ponte Catena, römische Brücke 2.-1. Jhdt. v. Chr

Gleich geht es die ersten drei Kilometer steil bergauf bis ich zu einem fast almartigen Bergplateau komme. Dort werde ich von Rindern und Pferden fast argwöhnisch beäugt. Der Blick auf Cori ist jetzt schon nach unten gerichtet.

Nach Cori – Anstieg

Blick auf Cori

Ein aufmerksamer Hengst bewacht seine Herde

Die Grundstücke sind alle eingezäunt, einerseits wegen der Viehherden, andererseits zum Schutz der Oliven.

Feldweg

Olivenhain

Heute Morgen ist es etwas diesig, besonders in Richtung Meer.

Nachdem ich die nächste Anhöhe mit etwa 566 m ü. M. erklommen habe, geht es zur Kleinstadt Norma hinunter, die gleich am Ortsrand mit einem riesigen, frei zugänglichen archäologischen Park aufwarten kann.

Das antike Norma hieß Norba, und wurde von den Volskern, wahrscheinlich ein etruskischer Stamm, gegründet. Gleich am Eingang steht eine mächtige Mauer mit großem Eingang zur ehemaligen Stadt.

Stadtmauer des antiken Norba

Auf der anderen Seite war eine so starke Befestigung nicht notwendig, dafür sorgten die Klippen. Dazwischen gab es viel Platz für die Stadt.

Norba – Stadtrand nach Westen

Norba

Mein heutiges Tagesziel Sermoneta, natürlich auf dem Berggipfel, ist schon zu erkennen.

Blick nach Südwesten

In Norma muss ich mich einmal ausgiebig stärken. Neben den Neubausiedlungen gibt es einen Stadtteil, der eher dem 18. bis frühen 20. Jhdt. zuzuordnen ist.

Jausenzeit ist angesagt

Aus der Schule klingt noch die schrille Stimme einer Lehrerin. Die Aufschrift „Scuola Elementare Rosa Maltoni Mussolini“ deutet auf die Mutter des Faschistenführers hin, die als Idealfrau 1930 den Titel „großartige Erzieherin und glorreiche Mutter“ verliehen bekam.

Scuola Elementare Rosa Maltoni Mussolini

Ein anderer Teil der Stadt ist am südlichen Ende des Felssporns erhalten. Dort fühlt man sich ins Mittelalter zurück versetzt.

Norma – mittelalterlicher Altstadtkern

Norma – mittelalterlicher Altstadtkern

Tiefenentspannt

Norma – mittelalterlicher Altstadtkern

Erinnerung an die Befreiung 1944

Norma – mittelalterlicher Altstadtkern

Blick auf die Pontinische Ebene

Der Abstieg erfolgt auf einem ehemaligen Karrenweg, der von Feigenkakteen umsäumt ist. Leider liegen auch Unmengen Müll in dieser „G’stättn“.

Abstieg von Norma

Abstieg von Norma

Typisch für die Zisterzienser liegt das Kloster Valvisciolo versteckt am Talrand. Es wurde bereits 1167 gegründet, nachdem Friedrich Barbarossa ein anderes in der Nähe zerstörte. (Stift Rein bei Graz stammt aus 1129). Es hat eine wechselnde Geschichte als Abtei, Kommende und Priorei hinter sich, bevor die Anlage von Napoleon 1807 aufgelassen wurde. Die Schönheit der Bauten aus dem 13. Jhdt. blieb erhalten.

Zisterzienserkloster Valvisciolo

Zisterzienserkloster Valvisciolo

Zisterzienserkloster Valvisciolo

Zisterzienserkloster Valvisciolo

Zisterzienserkloster Valvisciolo

Zisterzienserkloster Valvisciolo

Zisterzienserkloster Valvisciolo

Zisterzienserkloster Valvisciolo

Jetzt steht die letzte Bergwertung des heutigen Tages an. Die letzten 400 Höhenmeter wollen bezwungen werden. Sie zahlen sich aus. Sermoneta ist eine mittelalterliche Stadt, wie aus dem Bilderbuch.

Schon von der Ferne ist die gewaltige Burganlage des Castello Caetani zu sehen. Leider ist es nur zu eingeschränkten Zeiten zugänglich.

Castello Caetani

Sermoneta ist noch von einer Stadtmauer umgeben.

Sermoneta – Befestigungsanlage

Sermoneta – römische Säulen außerhalb der Stadtmauer

Sermoneta – ehemaliges Stadttor

Sermoneta ist kein Museum. Hier wird noch gelebt. Auch wenn einige wenige Häuser leerzustehen scheinen, die meisten werden bewohnt, wofür auch die Wäsche vor den Fenstern ein Zeichen ist.

Sermoneta – Altstadtimpressionen

Sermoneta – Altstadtimpressionen

Sermoneta – Altstadtimpressionen

Sermoneta – Altstadtimpressionen

Über allem thront das Castello Caetani, das zwischendurch auch vom Papst Alexander VI. übernommen wurde. Der „Skandal-Kardinal“ Cesare Borgia wohnte hier eine Zeit lang. Heute gehört die Anlage der Commune.

Sermoneta – Castello Caetani

Sermoneta – Altstadtimpressionen

Die Cattedrale di Santa Maria Assunta aus dem 13. Jhdt. ist leider nur samstags und sonntags geöffnet.

Sermoneta – Cattedrale di Santa Maria Assunta

Auf der Loggia dei Mercanti wurden seit dem 16. Jhdt. Geschäfte gemacht.

Sermoneta – Loggia dei Mercanti

Die Aussicht vom Stadtbalkon auf die pontinische Ebene ist von großen Glashausflächen geprägt.

Pontinische Ebene

Jetzt möchte ich euch noch einen kleinen Einblick in das Innere meines Appartments geben. Von außen scheint das Haus schlicht und einfach. Über eine steile Stiege gelangt man in den ersten Stock. Das Haus ist das ehemalige Oratorium einer reichen Familie im 16./17. Jhdt.

Hauseingang

Antica Oratorio dei Razza – Wohnzimmer

Antica Oratorio dei Razza – Wohnzimmer

Antica Oratorio dei Razza – Schlafzimmer

Antica Oratorio dei Razza – Holzdecke

Antica Oratorio dei Razza – Bad

Antica Oratorio dei Razza – Küche

Tagesstrecke: 23,4 km; ↑ 853 m; ↓ 923 m

VFS 4. Tag Sonntag, 05. Mai 2024 Velletri – Cori

Der gestrige Tag hat einiges an Organisation verlangt. Unser Hotel war durchwegs in Ordnung und gleich nach dem Frühstück hat uns der Chef wieder nach Velletri zurückgebracht. Eine Strecke beträgt doch 23 km.

Leider ist am Abend Paola erkrankt. Schnupfen, Husten, Fieber lassen eine Fortsetzung des Weges keinesfalls zu. Sie beschließt, den Weg abzubrechen. So verabschieden wir uns am Bahnhof. Es war wirklich toll mit dir, Paola.

Ich gehe in Richtung Stadtzentrum und weiß jetzt auch, warum die Quartiere so rar sind. Die Stadt feiert mit Maria Verkündigung ein mehrtägiges Fest. Die Straßen um die Kathedrale sind voll mit Marktständen.

Velletri – Marktstand

Velletri – Marktstand

Ich besuche die Cattedrale di San Clemente, die aus einem spätantiken Bauwerk weiterentwickelt wurde. Eine römische Basilika wurde im 5. Jhdt. in eine christliche Kirche umgewandelt.

Cattedrale di San Clemente

Cattedrale di San Clemente

Die Ausstattung ist überwiegend barock.

Cattedrale di San Clemente

Cattedrale di San Clemente

In der Stadt kann man nur gesund sterben. So viele Treppen halten einen fit.

Auf dem Weg zur Oberstadt komme ich über nette Plätze und durch stille Gässchen.

Velletri

Velletri

Der Palazzo Comunale aus dem 16. Jahrhundert ist heute Sitz der Stadtverwaltung und Museum.

Velletri – Palazzo Comunale

Nach einer kurzen Marktrunde mache ich mich auf den Weg. Unterwegs hole ich zwei Italienerinnen aus dem Trento ein. Eine kann ein bisschen Deutsch, die andere ein bisschen Englisch. Wir sehen uns schon seit der ersten Etappe immer wieder.

Anfänglich gibt es noch Asphalt, dann kurz Schotter und dann ist es ein Wiesenpfad, auf dem ich wandere.

Asphaltstraße

Pfad

Pfad

Eine nette Überraschung ist der Lago di Giulianello, der im gleichnamigen Naturschutzgebiet liegt und von vielen Menschen besucht wird.

Lago di Giulianello

Eine Gruppe Reiter kommt mir entgegen. Es gibt einen Zwischenfall: der wohl schwerste von ihnen fällt aus dem Sattel und das Pferd will ihn nicht mehr rauf lassen. Da er sehr klein ist, hat er noch ein zusätzliches Problem.

Reitergruppe

Über eine stark befahrene Straße komme ich nach Giulianello, das nach einer Verwandten von Julius Caesar benannt ist.

Olivenhaine prägen die Landschaft. Sie beginnen gerade zu blühen. Die Olivenfabriken und Ölpressen haben gerade Betriebsferien. Ihre Arbeit geht mit der neuen Ernte im Herbst wieder los.

Olivenblüten

Dann geht es endlos lange bergauf. Wenn ich schon hoffe, das Ziel vor Augen zu haben, kommt eine neue Kurve mit einer neuen Steigung. Dann ist Cori da. Ein Pilger begrüßt mich gleich einmal.

Cori

Cori

Ich gehe zum ehemaligen Franziskanerkonvent, der etwas unterhalb der Stadt liegt. Im Familienzentrum werden auch Pilger aufgenommen.

Cori – Franziskanerkonvent

Cori – Franziskanerkirche

Cori – Kreuzgang im Franziskanerkonvent

Nach einer Erholphase beschließe ich, in den Altstadtkern zu gehen. Das verlängert nochmals die Tagesstrecke und die Höhenmeter.

Ein paar Altstadtimpressionen:

Cori

Cori

Cori

Cori gehört zu den ältesten Städten Italiens. Der Legende nach soll das antike Cora von Dardanos, dem Stammvater der Trojaner gegründet worden sein. 642 v. Chr. führte ein Heer aus Cori gegen die Römer Krieg. Erst 415 v. Chr. wurde Cori Teil des römischen Reiches.

Teile der vorrömischen Stadtmauer sind heute noch zu sehen.

Cori – Stadtmauer 6. – 4. Jhdt. V. Chr.

Der Herkulestempel aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. gehörte zur antiken Akropolis.

Cori – Herkulestempel

Beim Rückweg komme ich zufällig bei der Chiesa di Sant’Oliva vorbei und sehe, dass sie offen ist. Sie wurde in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts auf den Ruinen eines römischen Tempels erbaut, im Gewölbe gibt es Fresken, einen Bildzyklus, der Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament (1533) erzählt.

Cori – Chiesa di Sant’Oliva

Cori – Chiesa di Sant’Oliva

Cori – Chiesa di Sant’Oliva

Cori – Chiesa di Sant’Oliva

Cori – Chiesa di Sant’Oliva

Tagesstrecke: 23,0 km; ↑ 360 m; ↓ 408 m

+ Stadtbesuch: 4,4 km ↑ 120 m; ↓ 120 m

VFS 3. Tag Samstag, 4. Mai 2024 Castel Gandolfo – Velletri

Die Nacht haben wir in einem modernen Veranstaltungs- und Seminarzentrum verbracht. Hinter den hohen Mauern und schweren Türen verbirgt sich ein einladendes großes Gästehaus: Centro Maria Poli, Via San Giovanni Battista de la Salle.

Centro Maria Poli

Der Tag scheint sehr schön zu werden, der Ausblick von der Stadtterrasse ist einmalig.

Castel Gandolfo – Blick aufs Meer

Nach einem Stehfrühstück in einer Straßenbar, im Quartier hätte es erst ab 8 Uhr eines gegeben, machen wir uns über die Altstadt auf den Weg.

Castel Gandolfo – Altstadtzenrum

Wir genießen noch einmal den Blick auf den Albaner See.

Albaner See

Ein Stück des Weges gehen wir auf der „Alternativroute“. Dadurch ersparen wir uns den Abstieg nach und Wiederaufstieg von Alvano Laziale. So früh wäre auch keine der Sehenswürdigkeiten offen gewesen. Nach einem Stück auf der Straße weicht der VFS gut beschildert nach links ab und wird als Weg weitergeführt.

Wegabzweigung

Befestigter Weg über dem Albaner See

Zwischendurch haben wir gute Ausblicke auf die Päpstliche Residenz im Barberini – Palast.

Castel Gandolfo über dem Albaner See

Der Weg geht recht romantisch weiter. Die Felsformationen sind dem vulkanischen Ursprung geschuldet.

Felsformationen

Wanderweg

Unterwegs zwitschern und singen die Vögel von den Baumkronen und auch am Boden finden sich interessante Dinge.

Hängender Lauch (Allium pendulinum TEN)

Weiße Affodill (Asphodelus albus MILL )

Nach einem langen Anstieg geht es anschließend noch länger abwärts, bis durch die Bäume der Lago di Nemi zu sehen ist. Auch dueser See ist vulkanischen Ursprungs und wurde schon in der Antike zur Bewässerung des Nachbartales durch einen 1653 m langen Tunnel mit fast 13 m Gefälle angezapft. Zudem waren Filteranlagen aus Marmor eingebaut.

Lago di Nemi mit Genzano di Roma im Hintergrund

Hier am See gab es eine Diana – Kultstätte. Zur Zeit von Julius Caesar wurden zahlreiche Villen als Erholungsort errichtet. Unter Caligula wurden zu Ehren von Diana zwei riesige Kultschiffe (über 70 m lang, über 20 m breit) errichtet. Auf einem war ein Dianatempel aufgebaut, auf dem zweiten eine Palastanlage für Caligula. Nach dem Tod Caligulas sanken die beiden Schiffe, bis sie 1930 als Nationale Aufgabe unter Mussolini wieder geborgen wurden

Lago di Nemi

Über dem See liegt der kleine Ort Nemi, der vom Tourismus lebt und immer schon Künstler angezogen hat.

Nemi -Stadtor

Nemi – Ausblick auf die Stadt

Gabriele D’Annuncio, Dichter

Nemi ist für seine Walderdbeeren bekannt. Die wollen natürlich auf ihre Qualität geprüft werden.

Nemi – Erdbeeren

Nemi – Konditorei

Eine Gruppe deutscher Vespa-Fans fällt über den Ort her. Es ist gut, dass sie außerhalb des Zentrums parken müssen.

Vespa – Gruppe

Der Ginster steht in voller Blütenpracht, und der Weg wird immer steiler. Schließlich sind wir auf etwa 593 m ü.M.

Ginster

Anstieg zwischen Nemi und Velletri

Alles, was wir uns im Anstieg erarbeitet haben, können wir im Abstieg wieder zurück gewinnen. Das funktioniert aber nur in der Physik. Der Abstieg nach Velletri ist auch ganz schön anstrengend.

Velletri Ortstafel

In Veletri erfahren wir, dass unser erhofftes Pilgerquartier seit Kurzem geschlossen ist und auch alle anderen Quartiere voll sind. Paola findet eher aus Versehen ein Hotel in Aprilia. Bisher war mir der Name nur als Motorradmarke bekannt. Der Hotelchef holt uns ab und will uns morgen wieder zurückbringen. Aprilia ist die vierte Stadt, die nach der Trockenlegung der Pontinischen Sümpfe von Mussolini selbst 1930 eröffnet wurde.

Aprilia

Aprilia

Tagesstrecke: 20,4 km; ↑ 383 m; ↓ 517 m

VFS 2. Tag Freitag, 03. Mai 2024 Rom-Basilica S. Sebastiano – Castel Gandolfo

Der heutige Tag steht ganz unter dem Zeichen der Via Appia Antica. Ihr folge ich heute viele Kilometer von der Basilica di San Sebastiano fuori le mura bis zum Anstieg nach Castel Gandolfo.

Doch der Reihe nach: In Rom suche ich die Einstiegsstelle in den Bus 118, der mich wieder nach Süden bringt. Es beginnt zu regnen und als der Bus vorfährt, geht ein richtiger Wolkenbruch nieder. Der sorgt dafür, dass es auch im Bus von der Decke rinnt.

Bis ich bei der Basilica di San Sebastiano aussteige ist das zum Glück vorbei. Es nieselt zwar noch einmal – da hole ich für ein paar hundert Meter die Pelerine heraus – ansonsten wird es zunehmend heiter.

Nun wieder zur Via Appia Antica: Die wurde 312 v. Chr. von Appius Claudius Caecus, damals Zensor und Konsul, angelegt, um einerseits Rom mit seinem wirtschaftlichen Umland zu verbinden, andererseits um dem Heer genügend Infrastruktur zu bieten. Die Via Appia war eine der bedeutendsten Handelsstraßen und hatte den Beinahmen „Königin der Straßen“.

Der heutige Straßenbelag ist zwar aus der damaligen Zeit, die Lage der Steine wurde aber verändert.

Via Appia Antica – Straßenbelag

Für die heutigen Fahrzeuge ist die Straße nicht geplant gewesen.

Via Appia Antica – Straßenbelag

Nach der Römischen Gesetzgebung durften die Toten nicht in der Stadt beerdigt werden. So wurden entlang der großen Straßen eine Reihe von Mausoleen und Denkmäler errichtet. Viele davon fanden auch im Mittelalter „Nachnutzungen“. So wurde das Mausoleum der Caecilia Metella im 13. Jahrhundert von der römischen Adelsfamilie Caetani in eine Burg umgebaut.

Mausoleum der Caecilia Metella

Wer nicht so viel Geld hatte, ließ sich und seiner Familie einen einfachen Grabstein setzen. Interessant ist die wechselnde Haarmode.

Grabstein

Grabstein

Grabstein – Ausschnitt

Grabstein

Grabstein – Ausschnitt

Auch „Villen“, wie die Villa dei Quintili, eigentlich schon eine Kleinstadt, wurden hier angelegt. Das wahre Ausmaß der Anlage ist bis heute nach einer Aussage einer anwesenden Archäologin nicht abschätzbar.

Teil der Villa dei Quintili

Teil der Villa dei Quintili

Je weiter ich aus Rom heraus komme, desto weniger ist von der Straße freigelegt, das heißt aber nicht, dass unter der Erde nichts zu finden wäre.

Der Regen hat Folgen

Via Appia

Via Appia in der Nähe von Santa Maria delle Mole

Unterwegs hole ich Paola ein, die letzte Nacht in der gleichen Herberge wie ich genächtigt hat. Wir gehen gemeinsam auf Castel Gandolfo zu.

Der Hügel wird immer steiler, bietet uns aber einen schönen Rückblick auf unsere Tageswanderung.

Rückblick auf Rom

Ortstafel Castel Gandolfo

Castel Gandolfo liegt am Lago Albano, ein Mar, das sich in einer Caldera gebildet hat. Er hat eine Fläche von 6 km² und ist bis 170 m tief. Sein Abfluss wird durch einen antiken Tunnel geregelt.

Lago di Albano

Am Lago di Albano

Nach dem Einchecken in unsere Unterkunft und einer Erholphase machen wir noch einen Rundgang durch das frühere Sommerquartier der Päpste.

Castel Gandolfo – historischer Stadtteil

Castel Gandolfo – Eingang in den Papstpalast

Castel Gandolfo – Eingang in den Papstpalast

Castel Gandolfo – Pilger unter sich

Castel Gandolfo

Tagesstrecke: 21,3 km; ↑ 415 m; ↓ 86 m

VFS 1. Tag Donnerstag, 02. Mai 2024 Rom Vatikan – Basilica S. Sebastiano

Mein erster Weg führt mich mit dem Bus zum Vatikan, wo mein Weg offiziell startet. Es schüttet unterwegs wie aus Kübeln. Bis zum Petersplatz ist der Platzregen wieder vorbei und ich fast entsetzt, welche Menschenmassen sich an einem normalen Tag da anstellen.

Gerhard ante portas

Petersplatz – Die wollen alle da rein

Als Pilger habe ich die Möglichkeit wahrgenommen, an den Massen vorbei bei einem Seiteneingang durch die Sicherheitskontrolle zu kommen. Da bekomme ich auch den ersten Stempel für das Credential. Der junge Mann war ganz aus dem Häuschen, dass ich in Rom starte. Die meisten hören in Rom auf

Der Hüter des vatikanischen Pilgerstempels

Es folgt noch der traditionelle Besuch der Peterskirche. Die vielen Besucher lassen mich da bald wieder gehen.

Die Pieta und Petrus haben natürlich auch einen Kurzbesuch verdient.

Petersdom – Pieta

Petersdom – Petrus, der Hausherr

Von den Stufen auf dem Petersplatz habe ich den richtigen Überblick über die vielen Menschen.

Jetzt mache ich mich aber zügig auf den Weg. Wobei bei den vielen Leuten muss ich erst vorbeikommen.

A bisserl geht immer!

Die Engelsburg ist wegen einer riesigen Baustelle nur über die Brücke erreichbar.

Engelsburg

Das Denkmal für Vittorio Emanuele II. oder auch Altare della Patria erhebt sich mächtig in der Stadt. Römer sollen auch „Schreibmaschine“ dazu sagen.

Altare della patria

Über das Forum Romanum komme ich an der Trajansäule, dem Kolosseum und dem Konstantinsbogen vorbei.

Trajansäule

Imperatore Romano

Konstantinbogen

Jetzt wandere ich über die Via Appia Antica, die mich auch morgen begleiten wird, aus der Stadt hinaus. Der erste „Meilenstein“ auf der alten Militärstraße.

Meilenstein

An der Porta Sebastiana endete die alte Stadt mit der Stadtmauer und dem Stadttor.

Porta Sebastiana

Antike Stadtmauer

In der Quo vadis – Kirche finden sich die Fußabdrücke Petri, der hier dem Herrn nach seinem Tod begegnet ist.

Quo vadis Kirche – Fußabdrücke

Petrus

Meine letzte Station ist die Basilika San Sebastiano mit dem Grabmal des Märtyrers.

Basilica San Sebastiano

Grab des Hl. Sebastian

Hier beende ich meine erste Halbetappe und fahre mit dem Bus zurück in die Stadt.

Ich übernachte in der Pilgerherberge der Jakobsgemeinschaft (Spedale della Provvidenza di San Giacomo e San Benedetto Labre) in Trastevere.

Spedale della Provvidenza di San Giacomo e San Benedetto Labre

Gleich daneben liegt die Basilica di Santa Cecilia, die sehenswert ist.

Basilica di Santa Cecilia

Vor dem Abendessen nimmt der Herbergsvater an Pilgern eine rituelle Fußwaschung vor: eine berührende Geste.

Fußwaschung

Tagesstrecke: 9,3 km; ↑ 88 m; ↓ 113 m und ein paar Extra-Km.