Ich kann es kaum glauben. Aber es geht wirklich los. Ich sitze im Railjet nach Bruck. in den letzten Tagen war es ja nicht immer so sicher, ob mein Plan Wirklichkeit werden wird.
Railjet 850
Pellegrino Gerhard
Rucksack mit der Via Francigena – Plakette
Der Rucksack ist wie immer zu schwer.
Jetzt sitze (liege) ich im Nightjet nach Rom und hoffe, dass mich der Zug in den Schlaf schaukelt.
Bruck an der Mur
Das Dreierabteil habe ich mit einem Mitreisenden zu zweit. Das ist sicher bequemer.
Im Nightjet-Abteil
Der Apennin nach Bologna ist tief wolkenverhangen. Kurz vor Florenz schauen ein paar helle Stellen heraus.
Florenz haben wir mit 8 Minuten Verspätung verlassen. Das sollte bis Rom aufholbar sein. Ein paar Baustellen waren uns im Weg.
Bei ein bisschen Regen bin ich in Roma Termini angekommen und habe mein Gepäck in der Verwahrung abgegeben.
Roma Termini
Roma Termini
In der Zwischenzeit wechselt es zwischen Schütten und Regnen. Ich sitze aber schon im Bus zum Vatikan.
Roma Termini Busterminal
Mit dem 64er soll ich direkt ans Ziel kommen. Der Bus ist voll, aber ich habe noch einen Sitzplatz ergattert.
Ein neues Abenteuer steht bevor! In den nächsten Wochen möchte ich auf der Via Francigena, einer seit der Antike verwendeten Handels- und Heeresstraße, wandern.
Via Francigena
Die Via Francigena – auch Frankenstraße genannt – ist der Pilgerweg des Erzbischofs Sigerich, der 990 von Canterbury nach Rom gepilgert ist und ein Reisetagebuch geführt hat. Die Francigena Sud ist die Verlängerung des Weges der Kreuzfahrer und Pilger zu den Seehäfen Bari und Brindisi auf dem Weg nach Jerusalem. Sie benutzten die optimalen Routen der alten Römer: Zuerst geht auf der Via Appia nach Süden bis Benevento und dann auf der Via Traiano nach Bari und Brindisi.
Beide Straßen sind heute teilweise von modernen Straßen überbaut, besonders die Via Appia, von der der Reiseschriftsteller Paolo Rumiz in seinem Buch „VIA APPIA – Auf der Suche nach einer verlorenen Straße“, schreibt. Noch heute sind diese antiken Stätten Ziel von Räubern antiker Kunstwerke.
Die Via Francigena endet heute in Santa Maria Leuca, einem Wallfahrtsort am südlichsten Ende des „Stiefelabsatzes“.
Ich bin schon gespannt, was mich unterwegs erwartet. Die gesamte Strecke werde ich nicht auf einmal zurücklegen, die Überquerung des Apennin wäre mein Ziel.
Symbol für die Via Francigena
Ich freue mich, wenn ihr wieder als virtuelle BegleiterInnen dabei sein werdet.
Diese Tour ist nur entfernt mit meinen Weitwandertouren in Verbindung zu bringen. In den letzten Jahren habe ich den östlichsten, den westlichsten und den nördlichsten Punkt Österreichs besucht. Der südlichste ist also noch ausständig. Dass es für mich kein leichtes Unternehmen werden würde, war mir klar. Darum wollte ich es noch vor meinem 70er schaffen!
Als Partner habe ich Erich dafür gewinnen können. Als Wanderführer hat uns Horst aus Bad Eisenkappel über alle Schwierigkeiten geleitet. Von Bad Eisenkappel fahren wir ein Stück auf der Seebergsattel – Bundesstraße nach Süden, nehmen dann kurz die Straße auf den Paulitschsattel und folgen dann dem Vellachtal bis zu einem Schranken. Hier beginnt das Naturschutzgebiet Vellacher Kotschna. Von hier weg geht es zu Fuß weiter.
Parkplatz und Ausgangspunkt der Tour
Am Morgen werden wir von den Kalkspitzen der Baba und der Mzla Gora und der umliegenden Berge, alle um die 2000 m, begrüßt.
Unser Ziel
Der Sanntaler Sattel auf 1999 m ist unser erstes Ziel.
Wegweiser
Vorerst geht es noch recht gemütlich in die Vellacher Kotschna. Wir sind im Schatten der Berge und es ist für die Jahreszeit noch recht angenehm warm.
In der Vellacher Kotschna
Bald verlassen wir den Forstweg und nun geht es über schottrige Steige recht steil aufwärts.
Erster Anstieg
Für ein paar Bilder soll immer Zeit sein.
An der Waldgrenze
Zwischendurch ist eine Stelle steiler und felsig. Die Gämsen, die wir in der Nähe sehen, tun sich da schon leichter. Sie beobachten uns von der Ferne.
Felsiger Übergang
Gut, dass wir am Fuß dieser Wand vorbeigehen und nicht über über sie klettern müssen.
Felswand
Jetzt sind wir schon hoch über der Kotschna. Die Morgennebel haben sich verzogen
Blick in die Kotschna
Die Ofnerhütte war früher Unterstand für Jäger und Wanderer.
Ofnerhütte
Wir freuen uns schon auf die Pause in der Sonne und stärken uns ein wenig. Es liegt noch ein schönes Stück Weg vor uns.
Rast über der BaumgrenzeBlick nach Süden
Die extreme Wetterlage in heurigen Jahr lässt den Almrausch oder Bewimperte Alpenrose (Rhododendron hirsutum) ein zweites Mal blühen.
Alpenrose (Rhododendron hirsutum)
Über Geröllhalden geht es den letzten Teil zum Sanntalersattel hinauf. Vom Sattel auf 1999 m haben wir eine tolle Aussicht in alle Richtungen.
Kurz vor dem Sanntaler SattelBlick nach NordenGrenze Österreich – Slowenien am Sanntalersattel (1999 m)Bick nach Slowenien
Vom Sanntalersattel kommen wir relativ flach weiter zum Seeländersattel. Dahinter türmen sich die Gipfel der Stimer Alpen mit bis zu 2500 m auf.
Am Sanntaler SattelWeg zum Seeländersattel (2034 m)
Auch vom Seeländersattel haben wir beste Aussicht auf die schroffen Gipfel der Umgebung.
Slowenische Wegweiser in Rot
Nun gehen wir noch ein kurzes Stück entlang des Grates nach Osten, wo wir zum wahrscheinlich südlichsten Punkt Österreichs kommen.
Entlang des Grates zum südlichsten Punkt ÖsterreichsAm südlichsten Punkt Österreichs
Jetzt habe ich es geschafft! Auch den 4. der geografischen Extrempunkte habe ich zu Fuß erreicht! Die Grenze verläuft hier im Wesentlichen entlang der Grate. Deshalb macht sie auch hier einen weiten Einschnitt in den Süden nach Slowenien.
Am südlichsten Punkt Österreichs
Wieder zurück am Seeländersattel gehen wir auch ein Stück am Grat nach Westen bis wir in das Jezerska (Seeland) sehen können und entdecken am Horizont den Triglav, den mit 2864 m höchsten Gipfel Sloweniens.
Am Horizont der Triglav mit 2864 m
Bei der Rast auf dem Abstieg werden wir sofort von ein paar Dohlen entdeckt und als Jausenstation adaptiert.
DohleDohle
Wir genießen den Ausblick vor dem Abstieg.
Baba (2127 m)Abstieg in Richtung Kotschna
In einer Felsrinne wird es für uns schon schwierig, aber mit Hilfe unseres Wanderführers Horst schaffen wir auch diese Passage.
Einstieg in die Rinne
Bald sind wir wieder in der Latschenzone, aber bis zum Parkplatz ist es noch ein weiter Weg.
Verdiente Pause
Nach siebeneinhalb Stunden kommen wir sehr müde beim Parkplatz an und entspannen uns in Eisenkappel bei Mehlspeise und Getränken.
Resumé: Eine wunderschöne Tour als Herbstabschluss. Selten war ich so müde, aber auch froh, diesen Weg gegangen zu sein.
Anreise und Rückfahrt: Für die Anreise haben wir uns wieder für die Bahn entschieden: Graz – Wien-Meidling mit einem Eurocity. Dann die umgekehrte Prozedur vom letzten Mal: U-Bahn nach Wien-Spittelau, REX nach Göpfritz an der Wild und dann zuerst mit dem Bus bis Gmünd und weiter nach Dobersberg. Wir kommen pünktlichst an. Bei der Rückfahrt können wir uns den Bus ersparen und gleich in den Zug nach Göpfritz einsteigen.
Der Weg: Wir folgen ziemlich genau dem Originalweg. Manchmal nehmen wir aus organisatorischen oder technischen Umständen eigene Wege. Die Wege sind ausnahmslos sehr gut und logisch markiert, nur an wenigen Stellen müssen wir wegen Forstarbeiten nach Anschlussstellen Ausschau halten. Die Strecke ist bis zum Aufstieg zum Nebelstein schwach hügelig. Manche Strecken sind schon sehr asphaltlastig. Die Verwendung von GPS erweist sich als sehr praktisch, sonst braucht man doch einige Karten.
Unterkunft und Verpflegung:
Im Anhang gibt es auch eine Unterkunftsliste. Hier empfehle ich, sich vor Antritt der Wanderung auf der Seite der Sektion Weitwandern im Alpenverein zu informieren. Leider schließen immer mehr Beherbergungsbetriebe und Gasthäuser auf dieser Route. Einfache Herbergen oder Schutzhütten gibt es hier nicht. Die Unterkünfte habe ich diesmal vor der Abreise kontaktiert, weil die Suche sehr aufwendig war. Die Quartiere sind alle sehr sauber, manchmal sehr einfach. Manche Gasthäuser vergeben Quartiere auch an Ruhetagen. Es ist von Vorteil, sich auch über die Verpflegungsmöglichkeiten zu informieren. Es gibt immer weniger Gasthäuser, und auch die haben Ruhetage und Urlaubssperren. Im Notfall kann man sich auch in Geschäften verpflegen.
Natur und Kultur:
In diesem Abschnitt wird das Walviertel seinem Namen gerecht. Viel Grün, lange Waldetappen und viel Ruhe. Aber auch kulturell haben die kleinen Städte nahe an der Grenze zu Tschechien viel zu bieten. Man sollte sich durchaus dafür Zeit nehmen.
Statistik für diesen Abschnitt: An den 5 Gehtagen legten wir 88 km zurück. Die Ortsbesichtigungen und Extrarunden usw. sind da nicht berücksichtigt. Dabei fielen etwa 1152 Bergauf- und 650 Bergab- Höhenmeter an. Die Tagesstrecken lagen zwischen 13,3 und 23,8 km.
Alle Angaben bezüglich der Quartiere und Distanzen sind ohne Gewähr. Es liegt in der Eigenverantwortung des Benutzers, sich von der Richtigkeit zu überzeugen.
Für die einzelnen Tagesetappen gibt es korrespondierende Links auf Alpenvereinaktiv.com, wo die Karten zur freien Verfügung stehen.
Statistik für unseren 07er – Gesamtweg:
Wir legten an 35 Gehtagen 740 km zurück und kamen auf 10270 Bergauf- und 9319 Bergabmeter (lt. Alpenvereinaktiv.com). Die kürzeste Etappe hatte 9,2 km, die längste 26,6 km, im Median 19,3 km.
Der 07er-Weg ist vor allem Menschen mit weniger alpinen Ambitionen sehr zu empfehlen. Es gibt weniger Höhenunterschiede und überschaubarere Distanzen als auf anderen Weitwanderwegen in Österreich.
Mit dem Ausweichquartier in Gmünd, der Pension Meridianstein, haben wir Glück gehabt. Alles lässt sich nicht vorplanen, ein bisschen Flexibilität ist schon gut. Das Zimmer ist so gut wie neu hergerichtet und ruhig, das Frühstück sehr reichhaltig.
Pension Meridianstein Pension Meridianstein
In der Früh sind wir dann mit dem Taxi zurück nach Brand gefahren, um beim „Zunftbaum“ unsere Tagesetappe zu starten.
Brand – Zunftbaum
Vorerst geht es noch durch offenes Land. Das Wetter ist sonnig, aber angenehm kühl.
Bei Brand
Dann wandern wir durch ausgedehnte Wälder, wie es sich für das Waldviertel gehört.
Wanderwege
Die Wege sind naturnah und nach dem Asphalt der letzten Tage ein Vergnügen.
Wanderwege
Bei Alt-Nagelberg machen wir einen empfehlenswerten Abstecher in den Ort. Zuerst besuchen wir die Pfarrkirche, die 1959/60 errichtet wurde und dem Stil der Zeit entspricht. Die modernen Glasfenster sind auch ein Symbol für den Ort.
Alt-Nagelberg – Pfarrkirche St. JosefAlt-Nagelberg – Pfarrkirche St. JosefAlt-Nagelberg – Pfarrkirche St. Josef
In Alt-Nagelberg stehen noch Betriebe, die sich der Glasmacher – Kunst verschrieben haben. Am Gamsbach stehen tolle Glasskulpturen, die in der Sonne leuchten.
Glaskunst Glaskunst
Nach einem Stück auf der Landesstraße tauchen wir wieder in den Wald ein.
Waldweg
Vor Steinbach begleiten uns dann ausgedehnte Kartoffelfelder (hier Erpfi genannt).
Vor SteinbachKartoffelblüten
Dann erwartet uns südlich von Steinbach wieder ein ausgedehnter Wald.
Vor Steinbach
Hier treffen wir auf den Ludwigsthaler Teich, den wir vor ein paar Tagen von Osten her erreicht haben.
Ludwigsthaler Teich
Hier vereinen sich der Eisenwurzenweg 08 vom Norden und der Ostösterreiche Grenzlandweg 07 vom Osten.
Wegweiser
6O7 – Ostösterreicher Grenzlandweg 630 – Thayatalweg NÖLRWW – Niederösterreichischer Landesrundwanderweg E8 – Europäische Fernwanderweg E8 von Dursey Head in Irland bis zum (geschlossenen) Beskidenpass an der polnisch-ukrainischen Grenze. 608 – Eisenwurzenweg L – Weg entlang der Lainsitz: Karlstift – Clum (CZ)
Wegweiser
Ich habe mein Ziel, den nördlichsten Punkt Österreichs in mein Wanderwegenetz einzugliedern, erreicht!
Am Ludwigsthaler Teich
Wir besuchen den Naturpark Blockheide vor Gmünd bei bestem Wetter noch einmal und besteigen diesmal auch den Aussichtsturm, um die Weite zu genießen.
AussichtsturmAussicht nach Süden Blockheide
Dann zieht es uns noch zur Markierung des 15. Meridians.
15. Meridian 15. Meridian – von Pol zu PolMeridian – von Pol zu Pol
In die Stadt ist es jetzt nicht mehr weit. Nach einem Mittagessen wandern wir zum Bahnhof, um nach Hause zu fahren.
Gmünd
Mit dem „Heidemännlein“ von Carl Hermann, Mitinitiator des Naturparks Blockheide und des Wanderwege 05, bildender Künstler und Autor, bedanke ich mich für euer Interesse an meiner Wanderung durch Österreich,
Gestern haben wir mehr Zeit gehabt uns zu erholen, daher geht es für uns nach einem ausgiebigen Frühstück frisch auf den Weg. Zuerst wandern wir auf der Forststraße, dann auf der Landesstraße in Richtung Litschau.
Zubringerweg zum Schloss Hörmanns Hörmanns
Nach Hörmanns biegen wir zum Herrensee ab, der auf einem bequemen Weg umrundet werden kann.
Litschau – Herrensee Litschau – Rundweg um den Herrensee
Zwei Dichter aus unterschiedlichen Zeiten:
Der Minnesänger aus Litschau (13. Jhdt.) und Robert Hamerling (1830 -1889)
Der LitschauerRobert Hamerling
Auch Litschau hat einen breiten Hauptplatz, auf dessen Mitte die Pfarrkirche steht. Vor der Kirche steht auch ein alter Pranger aus dem Jahre 1688.
Vorbei am Bahnhof, an dem wir vor zwei Tagen angekommen sind, verlassen wir die Stadt nach Süden. Unterwegs werden wir von einem Pferdegespann überholt. Wenn dieses Pferd einem auf die Zehen tritt, ….
Gegend nach LitschauPferdegespann
Über einen kleinen Umweg kommen wir zum „Altarstein“, einem Felsen, der unter Naturschutz steht.
Litschau – Altarstein
Heute sind wir glücklicherweise wieder mehr auf Schotterstraßen oder Naturwegen unterwegs.
Waldweg
An dieser tollen Wasseranlage mit Mühlrad in Gopprechts steht eine Schauschmiede.
Gopprechts – alte SchmiedeGopprechts – alte Schmiede
Vor dem Gemeindeamt in Brand-Nagelberg steht ein eindrucksvoller „Zunftbaum“. Er soll 15 m hoch und 2500 kg schwer sein.
Brand – Zunftbaum
Eigentlich hätten wir bei Brand übernachten sollen, aber unser Quartiergeber hat da offenbar das Datum verwechselt. In der Eile bekommen wir ein Ersatzquartier in Gmünd und der Hausherr führt uns dorthin.
Zwischendurch fährt eine Garnitur der Museumsbahn mit Dampflok vorbei.
Museumszug auf der Waldviertelbahn Museumszug auf der Waldviertelbahn
Seit drei Tagen waren wir nicht nur auf dem Weitwanderweg 07, sondern gleichzeitig auf dem Weitwanderweg 08, dem Eisenwurzenweg, unterwegs. Ich nehme gleich die Möglichkeit wahr, einen österreichischen „Eckpunkt“, den nördlichsten Punkt unseres Landes in mein persönliches Wandernetz einzuflechten.
Unser Quartier, der Sonnenhof, liegt etwas abseits von Litschau, dafür direkt auf dem 08er.
Hotel Restaurant SonnenhofDirekt am 08
Die heutige Wanderung ist extrem asphaltlastig. Gefühlte 90 % des Weges sind asphaltiert. Wenigstens der Verkehr hält sich in Grenzen. Über sanfte Höhenrücken mit schöner Aussicht kommen wir nach Haugschlag, bekannt auch aus mehreren Fersehfilmen als Inbegriff der Grenzlage.
Dafür gibt es hier gleich zwei 18 Loch – Golfplätze.
HaugschlagPfarrkirche Haugschlag
Nach Rottal, einer Streusiedlung, steht die Europaeiche.
OrtstafelRottalAltes Haus in RottalEuropaeiche
Von dort führt ein Weg hinunter zur Grenze am Rottaler Bach. Diese Grenze war bis zur Ostöffnung absolutes Sperrgebiet.
Am Rad- / Wanderweg zur Grenze Grenzbrücke Grenzbrücke
Nicht weit davon liegt das Hotel Peršlàg, das in der kommunistischen Zeit eine Kaserne war. Heute ist es ein Wellnesshotel.
Vor dem Hotel steht der Republikstein. Er hat die Form der ehemaligen Tschechoslowakei.
Die erste Inschrift stammt von tschechoslowakischen Zöllnern aus dem Jahr 1938. Der Text lautet: „Uns gehört sie, unsere bleibt sie, 1938“. Damit war die Republik gemeint. Nach dem Anschluss des Sudetenlandes meißelten Soldaten der Wehrmacht folgenden Text ein: „Bis wir kamen, 1938“. Nach dem Krieg, im Jahre 1945, als wieder tschechische Zöllner in die Kaserne einzogen, fügten sie die Inschrift hinzu: „Die Wahrheit siegt“.
Hotel Peršlàg und Republikstein
Am angrenzenden Neumühlteich finden die Hotelgäste Entspannung.
Neumühlteich
Die Ortschaft Neumühl bestand an diesem Ort etwa seit dem 12. Jhdt., der Zeit der Kolonialisierung der Gegend. Während der NS-Zeit stand das Dorf unter deutscher Herrschaft. Nach dem Kriegsende 1945 wurden am 28. Mai 1945 die letzten 45 deutschen Bewohner über Nacht vertrieben und später der „Eiserner Vorhang“ errichtet. Alle hier lebenden Menschen wurden abgesiedelt und das Dorf dem Erdboden gleich gemacht.
Ruinen von Neumühl
Während der kommunistischen Herrschaft war der Ostblock durch Grenzzäune, Schussanlagen und schwere Bewachung mit Schießbefehl gesichert.
Heute können wir glücklicherweise dieses Grenzgebiet wieder von beiden Seiten ungehindert besuchen und uns unserer Freiheit erfreuen.
Wir wollen den nördlichsten Punkt Österreichs aufsuchen, sind aber auf der tschechischen Seite. Wir sehen ihn zwar, aber zwischen uns liegt der Neumühlbach mit erhöhter Wasserführung. Die geplante Überquerung über die Steine im Bach verschieben wir und gehen wieder zurück zur Grenzbrücke.
Auf der tschechischen Seite des NeumühlbachesFurt durch den Neumühlbach
Schließlich kommen wir an die andere Seite des Ufers, wo der Zusammenfluss des Rottalbaches mit dem Neumühlbach als nördlichster Punkt angegeben wird, weil diese Stelle so markant ist.
Am Grenzstein Am Grenzstein
Dann gehen wir wieder bis Haugschlag zurück, wo wir bis zum Schloss Hörmanns mit dem Bus fahren und über die Waldstraße zu unserem Hotel zurück wandern.
Schloss Hörmanns bei LitschauSchloss Hörmanns bei Litschau
In der Nacht regnet es immer wieder. Dann ist es wieder trocken, während des Frühstücks beginnt es wieder leicht zu regnen. Wir beschließen, in Regenbekleidung unseren Weg zu beginnen. Leider stellt sich unsere Entscheidung als richtig heraus.
Im Gabrielental
Unser Weg führt uns gleich zu Beginn in das reizende Gabrielental, das durch die Lainsitz gebildet wurde. Eine Zeitlang fliegt sogar ein Eisvogel vor uns her.
Im GabrielentalIm Gabrielental
In Wultschau, einem kleinen Dorf, ist die Kapelle offen und überrascht mich mit ihrer gediegenen Ausstattung. Die Kapelle wurde im Jahr 1748 erbaut und enthält einen Barockaltar sowie ein auf Holz gemaltes Bild mit der Jahreszahl 1825, das aber wohl älter ist.
Dorfkapelle WultschauDorfkapelle Wultschau
Dann geht es höher hinauf in Richtung Moorbad Harbach
Beim steinernen Weib
Mittlerweile hat es aufgehört zu regnen und wir haben einen klaren Blick hinunter auf Harbach.
Harbach
Nach längerem mäßigen Anstieg geht es kurz vor dem Ziel wieder steiler bergan.
Anstieg Anstieg
Schließlich erreichen wir die Nebelsteinhütte auf 1015 m.
Nebelsteinhütte
Wir machen aber nicht halt, sondern gehen noch ein paar Meter weiter zum Gipfel des Nebelsteins.
Wir haben unser begehrtes Ziel erreicht: Wir haben der Ostösterreichischen Grenzlandweg 07 zur Gänze zurückgelegt und dabei 741 km von Bad Radkersburg in der Südoststeiermark bis hierher zurūckgelegt.
Am Ziel!Am Ziel!Am Ziel!
Der Nebelstein ist Ausgangspunkt und Kreuzungspunkt vieler nationaler und internationaler Weitwanderwege. Einige davon bin ich schon in der Ferne gegangen.
Weitwanderwege am Nebelstein
Die Fernsicht ist noch etwas „verwaschen“.
Blick vom Nebelstein Blick vom Nebelstein
Wir kehren in der Nebelsteinhütte ein und stärken uns mit Kaspressködelsuppe und Strudel. Zur Feier des Tages stoßen wir mit einem Glas Wein an.
In der Hütte organisieren wir uns die Rückfahrt nach Gmünd. In den Ferien ist der Busfahrplan in der Gegend stark ausgedünnt. Ein Wandererpaar setzt uns direkt beim Bahnhof der Waldviertelbahn ab.
Die Schmalspurbahn wurde 1900 in Betrieb genommen und sollte die heimische Wirtschaft fördern.
DieseltriebwagenAuf der Strecke
Da wir zwei die einzigen Gäste im Zug sind, erfahren wir vom Triebwagenführer viel Interessantes aus der Gegend.
In Litschau endet unsere Zugreise und wir werden von unserer Quartiergeberin der nächsten beiden Nächte vom Bahnhof abgeholt.
Im Sonnenhof, nahe dem Schloss Hörmanns bei Litschau, lassen wir es uns gut gehen.
Tagesstrecke: 13,8 km (bis zum Nebelstein) ↑ 471 m; ↓ 44 m
Eigentlich sind wir für 7 Uhr zum Frühstück gerichtet. Mit anderen Gästen müssen wir dann warten , da die Chefin der Pension offensichtlich verschlafen hat. Dafür entschädigt dann das reichhaltige Angebot.
Da der Weitwanderweg am Stadtrand von Gmünd verläuft und wir uns Zentrumsnähe befinden, suchen wir einmal die schnellste Strecke zum Weg. Dabei kommen wir an der Sole-Felsen-Welt Gmünd, einer Therme für die ganze Familie, vorbei.
Sole-Felsen-Welt Gmünd
Vorerst führt der Weg für ein paar hundert Meter entlang der L69, die recht stark befahren ist. Die Disziplin der Autofahrer ist bemerkenswert gut.
An der L69
Kaum biegen wir ab, herrscht Waldesstille. Die Wege sind gut geschüttet, manchmal wandern wir auch auf Naturpfaden dahin.
Schotterwege hinter Gmünd Waldweg
Kurz vor Dietmanns kommen wir wieder auf Asphalt. Dietmanns ist ein ewig langes Dorf mit einem Ortsteil aus fast nur neuen Einfamilienhäusern.
Grünland vor Dietmanns Dietmanns
Der traditionelle Teil des Ortes liegt an einem sehr großen Dorfanger, der von einem Bächlein durchzogen ist.
Dietmanns – Dorfanger
Auf den offenen Stellen macht uns zeitweise starker Gegenwind zu schaffen. Die Geraden haben es in sich.
Bei Dietmanns Anstieg zum Satzungwald
Auf den Hochflächen haben wir angenehmen Waldboden und manchmal bekommen wir Konkurrenz.
Im Satzungwald Große, fast weiße Weinbergschnecke
Für die Verwaltung der großen Argarflächen der Fürstenbergschen Besitzungen war früher ein großer Maierhof notwendig. Der „Friedrichshof“ trägt seinen Namen nach Friedrich Egon Landgraf von Fürstenberg.
Friedrichshof bei AltweitraFriedrichshof bei Altweitra
Vor Weitra kreuzen wir mehrfach die Geleise der Thayatalbahn, um schießlich in die älteste Bierstadt Österreichs einzuziehen.
Thayatalbahn
Schon vor dem Stadttor wird auf die Braukunst hingewiesen. Die Biermeile kann beginnen.
„Bierwerkstatt“Biermeile
Das Obere Stadttor (1526) steht imposant an der Ostseite der Stadt.
Weitra – Oberes Stadttor
Auf dem großen Stadtplatz stehen nicht nur viele Häuser aus der Gotik und Renaissance, sie sind auch schön und aufwendig restauriert.
Das Rathaus befindet sich in der Mitte des Platzes.
Weitra – RathausWeitra – Sgraffito -Haus
Über der Stadt steht das Renaissance-Schloss mit Wurzeln aus dem Mittelalter. Es ging aus einer Burg der Kuenringer hervor und erhielt am Ende des 16. Jhdt. seinen heutigen Charakter. Nach Bränden wurden Teile immer wieder erneut. Heute ist es Museum, Veranstaltungszentrum und Sitz der Verwaltung der Fürstenberg’schen Besitzungen.
Schloss WeitraSchloss Weitra – Wappen der FürstenbergSchloss Weitra – Innenhof mit Abdeckung Schloss Weitra – Arkadenhof Schloss Weitra – Schlosstheater für 155 BesucherSchloss Weitra – FlüsterzimmerSchloss Weitra – TurmbesteigungSchloss Weitra – ZimmermannskunstSchloss Weitra – DachlandschaftSchloss Weitra – Blick auf den Hauptplatz Blick nach SüdenBlick nach Norden Blick auf den Nebelstein
Nach einer kurzen Schlossbesichtigung durchstreifen wir noch die Altstadt. Die Häuser zeigen viele kleine, aber bemerkenswerte Details.
Weitra – Hauptplatz WeitraWeitra – alte Apotheke Weitra – Radfahrerin
Die Stadtpfarrkirche St. Peter und St. Paul hat eine lange Geschichte.
Nach etwas Regen in der Nacht genießen wir das reichhaltige Frühstück, das uns Frau Nöbauer vor die Zimmertür gestellt hat. So können wir rechtzeitig starten und holen uns noch etwas Verpflegung für den Tag. Unterwegs dürfen wir da auf keine Verpflegsstation rechnen.
Jetzt sehen wir die Burg auch von der Wasserseite.
Burg Heidenreichstein
Hier beim Schloss starten wieder die wichtigsten Wanderwege der Region.
Wegmarkierungen Heidenreichstein
Hier werden auch Yaks gezüchtet. Sie fühlen sich bei den herrschenden Wetterbedingungen wohl.
Yaks auf der Weide
Die Wege am heutigen Tag sind Luxusvarianten: Breit, abwechslungsreich und gut begehbar!
Wanderweg
Wir kommen zum ersten Wackelstein auf unserem Weg. Ich hab‘ was falsch gemacht. Er wackelt nicht!
Wackelstein
Heute dominiert der Wald unsere Strecke.
„Kas im Loab“ nennt der Volksmund diese Steinformation. Heute würde man „Burger XXXXXXXL“ dazu sagen.
Kas im Loab
Wir sind an den letzten beiden Tagen an unzähligen Stellen mit Schwarzbeersträuchern (Heidelbeeren) vorbeigekommen und haben keine Früchte gesehen. An einer einzigen Stelle, maximal fünf Meter lang, gab es sie im Überfluss. Zwangspause! Natürliches Hindernis beseitigen!
Schwarzbeeren
Bei Eugenia finden wir ein kleines Gasthaus. Außer einem Kaffee wollen wir in diesem eher schmuddeligen Ambiente nichts zu uns nehmen.
Der Aufenthalt reicht, dass in der Zwischenzeit ein kurzer Regen niedergeht. Wir brechen wieder auf und begegnen dem ersten Wanderer, einem tschechischen Botaniker, der zu einem Moor unterwegs ist.
Nach einigen Kilometern kommen wir zum Ludwigsthaler Teich. Hier trifft auch der Eisenwurzenweg 08 vom Norden her auf unseren 07er.
Ludwigsthaler TeichJetzt verlaufen O7 und 08 gemeinsam
In Großeibenstein steht am Eingang zum Naturpark Blockheide ein großer Begrüßungsstein.
Eingang Naturpark Blockheide
Beim Besucherzentrum gibt es auch einen Aussichtsturm, den wir wegen des trüben Wetters nicht besteigen.
Auch hier gibt es wieder einen Wackelstein.
Wir verlassen den Naturpark in Richtung Gmünd und kommen an den Braunaubach, dem wir ein Stück folgen.
Am Braunaubach
In Gmünd besuchen wir noch den Meridian-Stein, der den 15. Längengrad östlich von Greenwich kennzeichnet.
Meridian-Stein in Gmünd
In Gmünd machen wir vor dem Abendessen noch einen kleinen Rundgang.
Gmünd Orangerie Gmünd Schloss und Schlosspark Gmünd Altes Rathaus am Hauptplatz Gmünd Hauptplatz Gmünd – Haus am Hauptplatz Gmünd – Haus am HauptplatzGmünd – Pfarrkirche Gmünd – PfarrkircheGmünd – Kuriosum
Wir übernachten in der Pension Botzi nahe dem Bahnhof.