Heute früh lasse ich mir ein bisschen Zeit, weil ich erst um 18.00 Uhr im Quartier sein soll.
Ich mache noch einmal eine Runde auf dem Place des Héros, der sich heute ganz anders zeigt.

Arras wurde während des 1. Weltkrieges fast völlig zerstört: schon 1914 brannte das Rathaus und der Belfried stürzte ein. Die Kathedrale wurde 1915 zerstört. Im Zweiten Weltkrieg war die Stadt von Juni 1940 (Westfeldzug) bis Ende August 1944 von deutschen Truppen besetzt und wurde dann von den Briten befreit.
Die 155 Fassaden wurden nach dem 1. Weltkrieg im flandrischen Barockstil rekonstruiert.

Die Stadt Arras ist auf Kreide erbaut. Diese Kreide wurde zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert intensiv abgebaut, um Baumaterial für die Stadtgebäude zu gewinnen. Durch den Abbau entstanden riesige Höhlen im Untergrund unter der Stadt. Genau diese Höhlen wurden in der Frühjahrsoffensive genutzt, um die Deutschen zu überraschen. Hier ist einer der Eingänge zur „Unterwelt“. Das unterirdische Netzwerk ist 20 km lang und kann 20.000 Menschen unterbringen. Den Mineuren aus Neuseeland, Kiwis genannt, die die Anlage im 1. Weltkrieg ausbauten, wurde hier ein Denkmal gesetzt.

Vor dem Bahnhof liegt der Place Maréchal Foch.

Im Vorort Beaurains findet heute ein großflächiger Trödelmarkt, wir würden „Fetzenmarkt“ sagen, statt.


Es herrscht starker Wind. Zum Glück gehe ich in die richtige Richtung. So treibt er mich vor sich her. Außerdem liegt der Weg meist etwas tiefer.

Jedes Dorf hat mindest einen Soldatenfriedhof, hier der „Sunken Road Cementery“, wo 196 junge Briten, Kanadier und Neuseeländer bestattet sind.


Nahe einer alten Kapelle, die auch als Buchtauschstelle Verwendung findet, werde ich wieder auf die Dimensionen der Via Francigena aufmerksam gemacht.


Der Gallische Hahn schmückt ein Denkmal.

Der Weg fühlt sich wieder wie eine aufgelassene Bahntrasse an. Später im Jahr ist er sicher zugewachsen.

Die zahlreichen Kapellen in den Orten sind verschlossen, Gottesdienste finden in den Filialkirchen selten statt.


In der Zwischenzeit kommt vom Südosten eine Regenfront und ich beeile mich, möglichst weit trockenen Fußes unterwegs zu sein. Dann muss ich aber doch die Pelerine herausholen. Ich komme aber gleich zu einem „Bauernhof“ mit zahlreichen Hallen. Ich stelle mich in einer Stroh- und Heulagerhalle gigantischer Größe unter und kann auch eine Erholungspause einlegen.

Kaum bin ich unter Dach, prasselt der Regen so richtig herunter. Die Wetterapp prophezeit eine Pause von mindest einer Stunde.

Etwas verfrüht wage ich mich aus der Halle und werde nochmals vom Regen eingeholt. Aber da stehe ich schon unter dem Schutz einer Kirche im Narthex.

Als der Regen wirklich aufhört, bin ich nicht mehr lange zu meiner heutigen Gastfamilie unterwegs.

Die Familie hat drei Hunde und zwei Katzen, die die Wohnung einnehmen. Eine Pilgerin aus Paris ist auch eingetroffen. Sie will bis Rom durchgehen.

Tagesstrecke: 25,8 km; ↑83 m; ↓46 m
