Gleich in der Früh lege ich einen Sonderkilometer ein. Die Bäckerei, die auf meinem Weg liegt, hat noch geschlossen. Die andere liegt natürlich genau in der entgegengesetzten Richtung im Ort. Zweimal fünfhundert Meter für das Gebäck.
Am Ortsausgang wird auf einer Schautafel die heutige Etappe vorgestellt. Ich nehme sie gleich in Angriff.

An der Landschaft ändert sich nicht viel. Die Wege gehen geradewegs durch die Felder. Größere Straßen werden gemieden.

Ein riesiger Kalksteinbruch wird nahe umgangen. Ein LKW nach dem anderen fährt zu oder weg. Die alten Abschnitte dienen als Deponie für Baurestmassen.

Ein schöner Schmetterling entgeht mir nicht.

Von einem Strauch hängen mehrere Zöpfe von Gespinstmotten. Welche es sind, lässt sich nicht herausfinden.

Die Routenführung der Via Francigena, meist ident mit der GR 127, führt oft außen an den Dörfern vorbei. Ich gehe nach Möglichkeit gerade durch. Da komme ich auch eher an interessanten Kulturdenkmälern wie hier am Schloss Liettres vorbei.
Das kleine Schloss wurde 1479 errichtet und fiel im gleichen Jahr beim Durchzug österreichischer Truppen einem Brand zum Opfer. Sechzig Jahre später wurde es erneut aufgebaut und wie üblich, öfters umgestaltet.

Inzwischen ziehen dunkle Wolken auf. Ein schmaler Regenstreifen hat mich glücklicherweise nur um hunderte Meter verfehlt.

Nun tauchen die ersten „Teril“ auf, das sind Abraumhalden von ehemaligen Kohlebergwerken. Der hat eine Höhe von etwa 50 m über dem Normalniveau. Über den Kohleabbau in der Region gibt es sicher auf den nächsten Etappen mehr Informationen.

Ein Vorteil ist auch für mich geblieben. Die ehemalige Trasse für den Transport der Kohle ist heute ein bequemer Wander- und Bikeweg.


Zu Mittag erreiche ich das Dorf Amettes, wo ich übernachten will.
Die Kirche wirkt für den kleinen Ort sehr groß. Der Grund ist, dass das Dorf einen Heiligen hervorgebracht hat und deshalb zum Anziehungspunkt von vielen Gläubigen wurde. Saint Benoît Joseph Labre, Heiliger und Mystiker, stammte aus reichem Elternhaus. Er sollte Priester werden, schaffte aber aufgrund seiner Konstitution und seiner Leistungen keine Schule und wurde auch von mehreren Orden abgelehnt. Schließlich fand er Platz bei den Karthäusern, floh aus dem Kloster nach Rom, lebte dort unter ärmsten Bedingungen und starb 35-jährig. 1881 wurde er nach zahlreichen Wundern heiliggesprochen. Er gilt als der Heilige der Obdachlosen. Das Vinzidorf in Graz-Leonhard ist nach ihm benannt.





Zu Mittag esse ich im La Table de Saint Benoît: Gefüllte Hühnerbrust mit Zichoriengemüse und Pommes. Dazu Veilchensaft.


Untergebracht bin ich heute im La Ferme Des 2 Tilleules


Tagesstrecke: 21,7 km; ↑104 m; ↓75 m
