In der Nacht hat es noch geregnet, aber in der Früh sind die Straßen wieder trocken. Einzelne blaue Flecken zeigen sich am nebelverhangen Himmel. Das Thermometer zeigt gerade einmal 10°C.

Ich hole nach, wozu ich gestern im Nieselregen keine Lust mehr hatte und schaue mich im Ortszentrum um. Die alte Schule beherbergt heute unter anderem ein Museum.
Viele der Gastronomiebetriebe haben ausländische Investoren als Besitzer. Die ungarischen Urlauber haben in der Wintersaison den Ort voll im Griff. 
Die Pfarrkirche wurde 1786 errichtet, nachdem die Pfarre von Gaming getrennt wurde.
Nach dem Regen schauen die Wiesen besonders frisch aus. 
Ich gehe mehrere Kilometer auf einem Radweg (im Winter Loipe), der auf einer alten Straße angelegt wurde.
Dieses Holzhaus erweckt mein Interesse. Es ist der Rothschildsche Glassalon, der heute für Vorträge, Hochzeiten und andere Veranstaltungen genutzt wird.
Die Wälder hier um Maierhöfen gehörten einst den Rothschilds, ehe sie 2018 an die Prinzhorn – Gruppe verkauft wurden. 




Das neobarocke Schoss Seehof am Lunzer See wurde von Carl Kupelwieser, einem reichen Industriellen, Mäzen und Naturforscher an Stelle von Vorbauten errichtet. Er ist der Gründervater der Limnologischen Station in Lunz. 

Über den Seeuferweg komme ich zur Seepromenade. 

Lunz ist ein kleiner Ort, etwa 1 km vom See entfernt. Die gotische Kirche aus dem 15. Jhdt. ist zweischiffig ausgeführt und hat auch zwei Altäre. 

Einen ziert „Maria im goldenen Sessel“, den anderen eine Dreikönigsgruppe. Den drei Königen wurde die Kirche vor 250 Jahren geweiht. Das interessiert mich vor allem im Hinblick auf das Ziel meiner Wanderung Köln ganz besonders. 
Die Tourismusinformation ist in einem alten Gewerkenhaus untergebracht.
Die weitere Wegstrecke verläuft an der Bahnstrecke der Ybbstal – Bahn, die 1896 ihren Betrieb aufnahm und heute als Museumsbahn betrieben wird. Unterwegs berichten Schautafeln von der Entwicklung und dem Betrieb. 


Über den Hackstockgraben komme ich auf die Hamotalm und das Gscheit. 



Ich steige hinunter in das Tal der Schwarzen Ois bis Maria Seesal.
Maria Seesal ist ein Wallfahrtsort, der zu Beginn des 20. Jhdt. entstanden ist.


Auf dem Weg dorthin entdecke ich eine Blindschleiche.
Ich nächtige im Gasthof Krumpmühle, einem altehrwürdigen Gebäude, das zum Teil über 500 Jahre alt ist. 
Die heutigen Tageswanderung zählt zu den schönsten, die ich in unserem Land gemacht habe.
Route auf alpenverein.com
Tagesstrecke: 26,8 km
Bergauf: 435 m
Bergab: 745 m

Die Wolken bzw. Nebelschwaden hängen noch tief, aber ich brauche keine Regenpelerine und es hat 15 °C.
In St. Sebastian liegt der Bahnhof der Mariazellerbahn, einer Schmalspurbahn von St. Pölten nach Mariazell mit einer Spurweite von nur 760 mm. Diese Bahnlinie war eine der ersten, die elektrifiziert wurden. 


Gleich daneben schließt die normalspurige Erlaufseebahn an,

Die Erlauf ist nun kurzfristig meine Richtungsgeberin.
Bei Mitterbach am Erlaufsee komme ich nicht nur nach Niederösterreich, sondern auch in den Naturpark Ötschermauern.



Jetzt führt mein Weg in die Ötschergräben, die nicht zu Unrecht den Bären als Symbol bekommen haben. Heute hier als Tourist einen Bären zu sehen, wäre wohl eher eine Sensation als eine Gefahr.
Die Erlauf wurde hier aufgestaut, um Strom für die Mariazellerbahn zu gewinnen. 
Immer wieder gibt es Kalkgebilde wie die Spielmauer, die mit Sagen verbunden wurden.








Links und rechts türmen sich die Felswände aus recht brüchigem Gestein auf. Darunter haben Freiwille die Wege angelegt und mit Übergängen gesichert. An exponierten Stellen gibt es auch Seilversicherungen. Für die Durchwanderung sollte man schon trittsicher und schwindelfrei sein. 

Dann kommt, was in jedem „Naturfilm mit Niveau“ über wilde Wasserläufe vorkommen muss: die Wasseramsel.
Am Fuße des Schleierfalls mache ich Rast und genieße die Ruhe.
Gleich danach setzt leichter Regen ein, und der Wind weht das Wasser stoßweise von den Bäumen. Der Anstieg zum Spielpichler, einem Hof mitten im Wald, ist vorerst schon recht kräftig. 





Im Ort ist zur Zeit nichts los, denn die Sommersaison ist mit 1. September abgeschlossen und die Wintersaison wird erwartet.
Im Sporthotel sind ein Paar aus Deutschland und ich die einzigen Gäste. Wir haben sogar gemeinsame Bekannte und tratschen viel länger als geplant. Ich habe ein großes Appartement für mich allein, die Zimmer werden gar nicht vergeben.
Es war ein ereignisreicher Tag mit viel besserem Wetter als vorausgesagt. Der Weg war anstrengend, aber lohnenswert.
Wir haben heute einen strengeren Zeitrahmen, da wir unser Ziel zu einer fixen Zeit erreichen müssen. Doch dazu später.
Die Schattenpilger.

Dann geht es schon 360 m hinunter auf die Schöneben.
Bei der Mooshuam treffen wir auf Kolleginnen und Kollegen vom KIT (Kriseninterventionsteam), die uns entgegen gegangen sind.
Für uns leicht zu beantworten!
Zuerst durch’s Luckerte Kreuz und nach dem Shooting-Termin der Straße nach.


Endlich ist die Basilika von Mariazell in Sicht. 


Während des Mittagessens setzt Regen ein, der uns aber nur geringfügig stört.








Ich danke meinen Kolleginnen und Kollegen vom KIT für die tollen vier Tage, in denen ich eine andere Art des Pilgerns kennenlernen durfte! 
Am Vormittag steht ein langer Abstieg ins Mürztal bevor, das in der Früh noch unter einer Nebeldecke steckt. 
Unsere Gruppe ist lustig und fit unterwegs.
Der Weitwanderweg 06 ist unser Mariazellerweg. 


Von dort geht es über die Schi- und Lifttrasse bergwärts.
Je weiter wir bergwärts kommen, desto schöner ist der Weitblick.
Der Weg auf die Graf Meran Schutzhütte ist recht heftig. Das letzte Mal vor sechs Jahren war alles VIEL leichter 😀!
Wichtige Detailplanungen am Hüttentisch!
Geschafft! Ich habe die höchste Stelle meiner geplanten Tour bis Köln ist geschafft: die Hohe Veitsch mit 1981 m.



Über schmale Pfade kommen wir an die Nordseite des Berges.

Es ist nicht mehr weit auf das Niederalpl. 








Pilgergruppen, die oft seit Jahrzehnten hierherkommen, haben hier ihr eigenes Pilgerkreuz errichtet. Sie sind den ganzen Weg entlang zu finden.
Jeder Blick ins Joglland (Land der „Jakobe“) ist ein Genuss.
Das Gasthof auf der Schanz ist unser Mittagsziel. Die „Schanz“ war im Krieg gegen die Ungarn und die Türken ein Verteidigungsposten, den Bauern errichtet haben. Auch in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges versuchten einige Wehrmachtsangehörige hier, noch den Krieg zu gewinnen. 
„Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg ist steinig und schwer…. “ Wir nehmen ihn mit Bravour. 
Der Windpark auf der Stanglalm hat die Landschaft grundlegend verändert.
Am Wegrand werden wir immer wieder fündig. Während andere Eierschwammerln und Steinpilze finden, lacht mich dieser Fliegenpilz an.
Vor dem Wirtshaus auf der Stanglalm treffen wir den Finder eines 1,8 kg schweren Steinpilzes.
Die Wirtin bereitet uns zum Nachtmahl aus 20 Eiern eine herrliche Schwammerleierspeise zu.






Die Klamm wurde 1901 als touristische Attraktion erschlossen und ist seit 1978 Naturdenkmal. Insgesamt überwinden nun 164 Leitern einen Höhenunterschied von etwa 350 Metern zwischen ca. 750 m und ca. 1100 m.




Wir haben Glück, dass nach der Trockenheit der letzten Wochen noch Wasser durch die Schlucht rinnt und einen besseren Eindruck des Naturschauspiels vermittelt.
Gleich nach dem Ausstieg vermitteln die Wegweiser beim Gasthaus „Zum guten Hirten“ einen guten Überblick über die Wandermöglichkeiten. 
Auf der Teichalm genießen wir die zweite Rast.
Begleitet von vielen Blüten des Schwalbenschwanzenzians erreichen wir unseren ersten „Gipfel“, den Heulantsch. 





Endlich liegt der Stroßegger Hof am Straßegg vor uns und wir freuen uns auf Speis, Trank und ein Bett.









Am Wegrand finde ich dieses Marterl, das der Dreifaltigkeit gewidmet ist.



Die letzten Meter hinunter zum Tal haben es in sich.
Hier wurde Silber, Blei und Zink abgebaut. Vom frühen Mittelalter ( vor 1240) bis ins letzte Jahrhundert (1927) wurden hier Erze abgebaut und verarbeitet. 







In der Tober (aus dem Slawischen „dobre“ = gut) haben sich ein paar ehemalige Bauernhöfe erhalten. 








Von hier geht ein Netz von gut markierten Wegen aus. Mein Weg ist gleich doppelt markiert: einerseits als Weitwanderwege 06, andererseits als Marienweg oder Mariazellerweg.
Nach etwa hundert Metern biegt der Weg von der Hauptstraße ab und führt über kleine Zubringerwege und landwirtschaftliche Wege ins Umland. Auf dieser Wiese sind drei Rehe versteckt. Zwei haben sich beim Äsen nicht stören lassen, ein drittes hat sich zum Widerkäuen hingelegt.
Im Hügelland, im Schutz der Berge, gibt es einige Obstplantagen.
In der Fachschule für Land- und Ernährungswirtschaft Haidegg werden seit vielen Jahren junge Menschen auf Berufe in der Landwirtschaft vorbereitet.
Zum ersten Mal habe ich einen unbehinderten Blick auf mein Tagesziel, den Schöckl.
Zwischendurch geht’s durch schattige Wäldchen.
Endlich kommt einmal ein Wiesenweg, das noch dazu einen besonderen Namen trägt.



Ich gewinne rasch an Höhe und habe noch gute Fernsicht in Richtung Süden. 









Es gäbe natürlich die Alternative die Gondelbahn zu benutzen. Die behalte ich mir für den Rückweg vor. Es gibt auch hier einen Weg entlang der Trasse auf den Berg.
Der Sturm „Paula“ hat um den Schöckl 2008 große Schäden angerichtet.
Ich weiche auf dem Plateau vorerst in Richtung Westgipfel aus.
Vom Gipfelkreuz hat man eine hervorragende Aussicht nach Norden.


Im Stubenberghaus kann man nicht nur sehr gut speisen, sondern auch übernachten. 






























