Via Francigena – 6. Tag Dienstag, 05. Mai 2026 Wisques – Thérouanne

Gestern Abend hat es sich schon angekündigt: Es wird deutlich kälter, nicht in der Nacht, sondern am Tag. Dazu kommt ein ständiger Ostwind, der auf den Hochflächen durch nichts aufgehalten wird. Da hilft nur warm anziehen. Dafür hat man ja genug mit.

In der Früh gibt es Frühstücks – Selfservice. Der Kühlschrank ist gefüllt, Brot ist vorhanden und der Kaffee ist auch gleich zubereitet.

Küche

Die ersten Kilometer geht es entlang einer wenig befahrenen Straße nach Esquerdes.

Fußweg neben der Straße

Das antike Dorf Esquerdes lag an der bedeutenden Römerstraße La Leulène, die von Thérouanne nach Sangatte an der Küste führte. Später war es bekannt für seine Papierproduktion und seine Pulvermühlen. Die Pulvermühlen wurden unter Ludwig XIV.  gegründet und waren bis 1940 von strategischer Bedeutung, als die deutsche Armee sie in Besitz übernahm.

Esquerdes

Die meisten Gebäude sind aus Ziegeln errichtet. Es gibt hier wenig Felsen, nur die Flintsteinstücke, die manchmal verarbeitet werden.

Backsteinhaus

Nicht umsonst stehen hier zahlreiche Windräder zur Energiegewinnung – es gibt genug Wind.

Windräder

Die Wegqualität ist ganz unterschiedlich. Es wechselt alles ab. Von Gras zu Bruchstein und Asphalt.

Feldweg
Landschaft

Das härteste Stück ist ein Hohlweg in der Ebene mit lauter losen Flintsteinen, die von Gras bedeckt sind.

Hohlweg

Die kleine Dorfschule in Dohem wird noch benutzt. Aus dem Pausenhof höre ich bekannten Kinderlärm.

Schule in Dohem

In der Gemeindeverwaltung von Delettes bekomme ich von einer netten Bediensteten den Stempel durch das Fenster. Amtsstunden sind erst Nachmittag.

Delettes

Auf der gesamten Strecke gibt es keine Möglichkeit einzukehren oder irgendetwas zu kaufen.

So bin ich dann froh, in Thérouanne anzukommen und gleich das Quartier beziehen zu können. Den Türcode und das Zimmer kenne ich schon per E-Mail.

Das Haus Eden wurde erst kürzlich von neuen Betreibern übernommen.

Thérouanne – Eden
Thérouanne – Eden

Thérouanne ist heute ein kleiner Ort mit etwa 1150 Einwohnern. Es ist eigentlich fast nicht vorstellbar, welche Geschichte da dahintersteckt.

Zur Zeit der Gallier war es als Tarvenna die Hauptstadt des Keltenstammes der Moriner. Nach der Eroberung durch die Römer blieb diese Stellung erhalten. Im 7. Jhdt. wurde es zum Bischofssitz.

Der weitreichende Einfluss versetzte den Bischof in die Lage, eine Kathedrale zu bauen, die zu dieser Zeit die größte in Frankreich war.

Im Sommer 1553 wurde die Stadt auf Befehl Kaiser Karls V. als Vergeltung für eine Niederlage bei Metz zerstört: die Mauern wurden geschleift, die Straßen aufgerissen und umgepflügt, der Boden mit Salz unfruchtbar gemacht. Die einst wichtigste Stadt der Region wurde ausgelöscht und nie mehr entsprechend aufgebaut.

Thérouanne – Hauptstraße
Thérouanne – Pfarrkirche
Thérouanne – Pfarrkirche

Zur Stärkung gehe ich gleich zu Mittag essen. Es gibt Kalbsnieren mit Pasta. Richtige Hausmannskost!

Kalbsnieren nit Pasta

Ein kleiner Preisvergleich: Treibstoffpreise der örtlichen Tankstelle:

Treibstoffpreise

Tagesstrecke: 22,7 km; ↑152 m; ↓243 m

2 Kommentare zu „Via Francigena – 6. Tag Dienstag, 05. Mai 2026 Wisques – Thérouanne

  1. Heidrun Pierer

    Über Thérouanne habe ich ein bisschen etwas gelesen, dieser Ort hat wirklich eine spannende Geschichte. Und am Ort der ehemaligen Kathedrale gibt es heute eine eine interessante archäologische Stätte.

    Antworten

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