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11. Tag Samstag, 27. Juni 2020 Kallmünz – Hohenburg

Heute steht das umfassende Frühstück schon um 6.15 Uhr vor der Tür. Ich komme trotzdem erst um 7.30 Uhr weg, weil ich mich mit der Hausfrau noch ein bisschen vertratscht habe.

Die Burg und der Ort strahlen im Morgenlicht und laden eigentlich zu längerem Verweilen ein.

Burg Kallmünz
Kallmünz

Ich gehe jetzt entlang der Vils, vom Flusstyp der Naab sehr ähnlich. Der Jurasteig ist ein umfassendes Wegenetz in der Gegend, der viele Varianten aufweist.

Links und rechts des Tales ragen immer wieder schroffe Felsen auf. Der Weg ist vor allem auf den ersten Kilometern schön zu gehen.

Das Schloss Rohrbach war ein Hammerhaus, das dem Betreiber des Hammerwerkes gehörte. An der Vils gab es zahlreiche dieser reichen Gebäude.

Schloss Rohrbach

Die Pfarrkirche St. Pankratzen in Dietldorf steht unweit eines anderen Hammerhauses, das heute leider nicht so gut erhalten ist.

Pfarrkirche in Dietldorf
Schloss Dietldorf

Der heutige Weg führt mich um das riesige Truppenübungsgelände Hohenfels herum. Es steht unter Verwaltung der USA und wird heute von der US Army genutzt. Es ist mit einer Fläche von 160 km² einer der größten Truppenübungsplätze in Deutschland. Gegründet wurde er von der Deutschen Wehrmacht 1938. Dazu wurden 544 Anwesen und Bauernhöfe umgesiedelt und abgelöst. Seine kurze Geschichte ist sehr bewegt. Heute werden hier moderne Einsatzszenarien trainiert. Auch eine Airbase ist auf diesem Gelände.

Die Wegbeschaffenheit ist sehr variabel. Manchmal sind es Feldwege oder Wiesenwege, manchmal Schotter- oder Asphaltstraßen. Temporeduzierend ist der Umstand, dass die Walderdbeeren reif sind und ihr Rot zu verlockend ist. Gut, dass die Radfahrer viel zu schnell unterwegs sind, um sie zu entdecken.

Ich erreiche Schmidmühlen und suche vergeblich nach einem offenen Gasthaus. Es ist halt erst 10.30 Uhr. So besuche ich die Pfarrkirche St. Ägidius, die nach außen eher alt wirkt, im Inneren aber ein überraschendes Bild gibt. Sie wurde 1933 bzw. 1972 umstrukturiert, nachdem vom ursprünglichen Bau wenig Brauchbares übrig blieb.

St. Ägidius
Ägidiusaltar
Jakobus
Bürgerhäuser in Schmidmühlen

Meinen Weg setze ich jetzt im Tal der Lauterach fort, die für ihre Forellen bekannt sein soll.

In einem Bächlein helle.,.
Lauterach

Ob da wer wegen des Verlustes traurig ist?

Ich finde am Wegrand prachtvolle Exemplare der Türkenbundlilie (Lilium martagon L. ). Sie sind zwar eher niedrig, aber wunderschön gezeichnet.

Ich komme in Hohenburg bei recht hohen Temperaturen an und suche gleich die Pension Stauber auf.

Die Häuser am Marktplatz sind teilweise sehr stattlich und liebevoll gestaltet.

Rathaus

Vor wenigen Wochen wurden zwei unbewohnte Häuser ein Raub der Flammen. Durch das Eingreifen der Feuerwehren konnte Schlimmeres verhindert werden. 200 Jahre früher wäre von der Häuserzeile nichts übrig geblieben.

Die Pfarrkirche St. Jakobus ist ganz dem Namenspatron gewidmet. Jetzt bin ich auf dem Oberpfälzer Jakobsweg angelangt, der Teil des Weges Prag – Tillyschanz – Nürnberg Rothenburg ist.

Pfarrkirche St. Jakob
Aufnahme des Hl. Jakobus in den Himmel
Enthauptung des Hl. Jakobus

Im Eingangsbereich der Kirche befinden sich zahlreiche Zunftstangen, die bei kirchlichen Prozessionen mitgetragen werden.

Auch ich bin ein Huhn!

Mein Abendessen – voll biologisch: Schafcurrywurst mit Pommes, Salat und Bayernmilch.

Jetzt kommt der Wolkenbruch und ist schneller vorbei, als ich den Blog schreiben kann.

Tagesstrecke:  25,8 km; ↑ 465m; ↓ 423 m

10. Tag Freitag, 26. Juni 2020 Regensburg – Kallmünz

Heute komme ich erst um 7.30 Uhr zum Frühstücken, früher geht es leider nicht. Dafür sitze ich im Garten und genieße das Vogelgezwitscher.

Kurz vor 8 Uhr geht es dann los. Ich nehme den Weg wieder durch die Innenstadt, wo ein paar Menschen und Lieferwägen unterwegs sind.

Donauhafen
Steinbrücke
Thon-Dittmer-Palais
Kohlenmarkt

Ich gehe an die sechs Kilometer in westlicher Richtung bis ich an die Stadtgrenze komme.

Prüfeninger Straße

Dort wo früher die Trabrennbahn von Regensburg war, steht heute eine große Siedlung. Die Eingangspfeiler sind als Denkmal erhalten geblieben.

Trabrennbahn

Schließlich komme ich an die Mündung der Naab in die Donau. Hier heißt es von der Donau, die mich seit Linz begleitet habe, Abschied zu nehmen. Ich folge ab hier der Naab nach Norden.

Der E8, der Jakobsweg und der Donau-Mainweg gehen nach Westen weiter.

Hier an der Naabmündung waren wichtige römische Verteidigungseinrichtungen des Limes konzentriert. Die Flüsse wurden mit leichten und wendigen Ruderbooten kontrolliert.

Ich wende mich vorerst dem Gegenhang zu und habe eine gute Aussicht.

Spätestens als ich auf Regensburg zurückschauen kann, weiß ich, dass es sich ausgezahlt hat, vom kürzesten Weg abzuweichen.

Nach ein paar Kilometern auf einer Mountainbike-Route durch kühlen Wald komme ich wieder zum Fluss zurück.

Es gibt nicht viel Auswahl: Regensburg oder Kallmünz

Der Radweg ist teilweise asphaltiert, teilweise geschottert. Außer Radfahrern begegnet man nur landwirtschaftlichen Fahrzeugen.

Das Kloster von Pielenhofen wurde nach der Säkularisierung als Schule benutzt. Die Regensburger Domspatzen hatten hier ihre Ausbildungsstätte.

Dieses alte Haus mit seinem schönen Schmuck hat mir sehr gut gefallen. Nur mit den römischen Zahlen hat man sich ein wenig schwer getan.

Nach einer Flussbiegung sehe ich die Burgruine von Kallmünz vor mir. Es kann nicht mehr weit sein.

Bei Kallmünz fließen Naab und Vils zusammen.

Ich lerne gerne neue Speisen kennen, heute gibt’s „Bauchstecherle“ mit Zwiebeln und Speck. Dazu einen „Roten Löwen“.

Heute übernachte ich in der Pension Weigert.

Nach einer Erholungspause mache ich mich auf den Weg in den Ort, der auch auf eine lange Geschichte zurückblicken kann. Die Burgruine stammt aus der Zeit um 1250. Im malerischen Ort gibt es viele originelle Häuser, die sich an den Berg schmiegen. Die steinerne Brücke (um 1550) wurde 1945 von der Deutschen Wehrmacht gesprengt.

Steinerne Brücke in Kollmünz
Raitenbucher Schloss in Kallmünz

Das „Haus ohne Dach“ ist eine kleine Höhlenwohnung mitten in der Stadt.

Der deutsche Landschaftsmaler Palmié entdeckte 1901 Kallmünz und gilt als der Begründer der dortigen Künstlerkolonie. Er gestaltet gleich den Gasthof, in dem er wohnte und nannte ihn „Zur roten Amsel“, wie er heute noch heißt. Viele namhafte Künstler arbeiteten hier bis heute. Einer der bekanntesten war Wassily Kandinsky, der hier 1903 wirkte. Ich hatte das Glück, einige seiner Werke (Ölbilder und Graphiken) vor Ort zu sehen.

Tagesstrecke:  30,5 km; ↑ 384 m; ↓ 376 m

9. Tag Donnerstag, 25. Juni 2020 Bach a. d. Donau – Regensburg

Auch heute bin ich wieder früh aus dem Haus (präsenile Bettflucht?) und genieße das Frühstück ganz im spanischen Caminostil im nächsten Kaffeehaus. Danach geht es an die Donau.

Der Himmel ist so, wie wir Pilger es mögen: ein paar zarte Wolken, ein bisschen Sonne und ein Schatten, diffus wie ein Aquarell.

Eine Gänsesägerfamilie lässt sich durch mich nur wenig stören und geht auf Sicherheitsabstand.

Wieder hindern mich zahlreiche Vogelkirschbäume (Prunus avium L.) am raschen Weitergehen. Die Früchte schmecken zu gut.

Diese Früchte reifen auf den ebenso häufigen Steinweichselbäumen. Sie werden nicht zum Genuss verwendet und schmecken sehr herb, obwohl sie voll ausgereift sind.

Steinweichsel, Felsen- oder Weichselkirsche (Prunus mahaleb L.)

Dieser Falter begleitet mich ein Stück des Weges, ehe ich ihn fotografieren kann. Das gelingt mir bei den vielen Stieglitzen nicht.

Schachbrett (Melanargia galathea L.)

In der Ferne sehe ich in der Sonne Walhalla aufblitzen, an dem ich vorbeigehe. Da ich mir dieses Bauwerk nahe Donaustauf vor ein paar Jahren angesehen habe, habe ich keine Lust, den Umweg dorthin zu machen. Außerdem ist es zu dieser Zeit nur von außen zu besichtigen. Walhalla war auch eine der Ideen von König Ludwig I., der den Bau veranlasste, um Persönlichkeiten „teutscher Zunge“ zu ehren. Das 1842 eröffnete Denkmal ist dem Parthenon-Tempel nachempfunden und wurde Ludwigs teuerstes Projekt.

Walhalla
Walhalla
Walhalla
Gerhard und Walhalla

Die Begründer des europäischen Postwesens Thurn und Taxis hielten sich bevorzugt in Donaustauf auf, nachdem sie gegen viel Geld die Postverwaltung an die verschiedenen Staaten abgetreten haben. Donaustauf brannte im 19. Jhdt. völlig ab, nur der „Chinesische Turm“ blieb erhalten.

Chinesischer Turm
Bürgerhaus

Hier sollte wirklich jeder einen geeigneten Weg finden.

Wegmarkierung in Donaustauf

Bis kurz vor dem Zentrum von Regensburg hat die Natur viel Raum.

Graureiher (Ardea cinerea)

Das ist „Soko Donau“ auf Bayrisch.

Polizeiboot

Der Dom St. Peter überragt die Altstadt von Regensburg. Seine Geschichte beginnt im 13. Jhdt., um 1450 war er benutzbar und seine beiden Türme wurden erst 1869 fertiggestellt. Er gehört mit dem Kölner Dom zu den bedeutendsten gotischen Kirchenbauten Deutschlands. Leider ist seine Hauptfront im Gerüst.

St. Peter
Silberaltar im Chor

In dieser Woche wird der Schrein mit den Reliquien des Hl. Wolfgang hier im Dom den Gläubigen präsentiert. Sonst ist er in der Kirche St. Emmeram zu finden. St. Wolfgang war ab 972 Bischof von Regensburg und Erzieher Kaiser Heinrichs II.

St. Wolfgang

Viele der Glasfenster stammen aus dem Mittelalter. Es sind sogar noch welche aus dem romanischen Vorgängerbau erhalten.

Brunnen im Dom

In der Jakobskirche hole ich mir einen schönen Stempel.

Eingangsportal

Ich will die Kunstsammlung der Thurn und Taxis, die heute dem Bayrischen Staat gehört, besichtigen. Wegen Corona geschlossen!

Kunstsammlung im Schloss

Ich besuche noch das Reichskloster St. Emmeram, eine um 739 gegründete und bis zur Säkularisation 1803 bestehende Benediktinerabtei in Regensburg. St. Emmeram war im 7. Jhdt. zunächst Bischof von Poitiers, ehe er in den bayrischen Raum als Wanderprediger und Missionar zog. Hier starb er als Märtyrer.

Kirche und Kloster St. Emmeram
Barocker Innenraum

Mit dem Baubeginn 1135 gilt die Steinerne Brücke als ein Meisterwerk mittelalterlicher Baukunst und als die älteste erhaltene Brücke Deutschlands.

Steinerne Brücke

Für die Ausflugsboote finden sich leider keine Passagiere.

Am Landungsdeck an der Donau

Ich bin heute in der Jugendherberge von Regensburg untergebracht, die zu den ältesten in Deutschland zählt. Das Gebäude wurde 1939 fertiggestellt. Sie liegt auf der Unteren Wöhrd, einer Insel in der Donau und nahe dem Zentrum. Die Pläne für einen Neubau liegen schon vor. Ich habe ein ruhiges Einzelzimmer und bin einer der wenigen Gäste.

JHB Regensburg

Tagesstrecke:  18,3 km; ↑ 107 m; ↓ 94 m

8. Tag Mittwoch, 24. Juni 2020 Kößnach – Bach

Heute bin ich schon um 6.20 Uhr auf dem Weg. Das Frühstück gibt es erst im nächsten Ort, in Kirchroth. Die dortige Bäckerei öffnet schon um 6 Uhr.

Heute steht wieder eine naturnahe Etappe auf dem Programm. Kurz nach Kirchroth komme ich wieder an die Donau, die hier im Staubereich des Kraftwerks Straubing wie ein See da liegt.

Stauraum bei Kirchroth

Viele Altarme und Sauerwiesen bieten Tieren aller Art Unterschlupf.

Altwasser
Kormorane

Wieder geht es auf dem Hauptdeich entlang, der vor über 30 Jahren (?) angelegt wurde. Ich treffe auf Paar, das in der Nähe wohnt und täglich hier spaziert. Da erfahre ich, dass damals der Damm nur ein Schotterberg war, und sich die Natur das Land zurück geholt hat.

Deichwege
Auf dem Jerusalemweg: Finisterre – Jerusalem

Bei Wörth an der Donau bin ich auf dem Ostbayrischen Jakobsweg gelandet. Auch der Europäischen Fernwanderweg E8 von Dursey Head in Irland bis zum Beskidenpass an der polnisch-ukrainischen Grenze verläuft hier und soll bis Istanbul verlängert werden.

Das mächtige Schloss Wörth ist von Ferne schon zu sehen. Der Bau im Renaissancestil hat Festungscharakter, ist vollständig erhalten und zählt zu den großen Schlössern in Ostbayern.

Schloss Wörth

Ich schaue mich ein bisschen im Ort um.

Wörth a. d. Donau

Die ursprünglich romanische Pfarrkirche St. Peter wurde zuerst im gotischen und später im barocken Stil umgestaltet.

Kreuzigung des Petrus

Ich gehe an einem endlos geraden Weg entlang und entdecke die Ursache bei einem Kilometerstein. Es ist die ehemalige Trasse des „Walhalla-Bockerls“, das von 1889 bis 1968 auf Schmalspur-Schienen von Regensburg-Stadtamhof nach Wörth an der Donau verkehrte. Unterwegs sind sogar einzelne Schwellen zu sehen.

Walhalla – Bahn

Entlang der Trasse stehen viele Vogelkirschbäume, deren Früchte herrlich schmecken.

Vogelkirschen

Ich habe heute in Bach die Pension Gmeinwieser als Quartier bekommen. Es gibt eigentlich keine Auswahl, da viele Betriebe schon länger geschlossen haben.

Tagesstrecke:  26,4 km; ↑ 142 m; ↓ 135 m

7. Tag Dienstag, 23. Juni 2020 Bogen – Kößnach

Es war eine ruhige Nacht, ohne Verkehrslärm oder andere Störungen. Ich unterhalte mich mit zwei anderen Gästen, die mit dem Rad von Krimml gereist sind. Wir treffen uns unterwegs nochmals, weil sie erst später frühstücken waren. Im Haus gibt es kein Frühstück, deshalb gehe ich in die Bäckerei nebenan.

Mein erstes Ziel ist die Kirche mit dem ehemaligen Kloster von Oberalteich, gegründet 1100. Leider ist die Kirche noch geschlossen und es sind auch keine Öffnungszeiten ersichtlich. Diese Klöster und Pfarrpfründe waren zeitweise extrem ertragreich und wurden entsprechend „in der Verwandtschaft“ weitergegeben. Das Benediktinerkloster wurde wie viele andere 1803 säkularisiert.

Kirche St. Peter und Paul von Oberalteich
Ehem. Kloster Oberalteich

Nachdem ich das Donauengtal nun endgültig verlassen habe, weitet sich die Landschaft auf. Die blühenden Kartoffelfelder sind besonders schön anzuschauen.

Kartoffeln
Kartoffelblüten
Distelblüte mit Besuchern

Erntehelfer sind mit der Erdbeerernte beschäftigt.

Erdbeerernte

Dieses Gebäude, das wie eine alte Burg aussieht, ist ein Schöpfwerk, mit dem das Wasser hinter dem Deich in die Donau gepumpt wird.

Bei Reibersdorf komme ich wieder an den Strom. Die Hochwasserschutzbauten um die Kirche zeigen, wie gefährlich das Wasser sein kann.

Hier steht auch ein großer Steinblock, der daran erinnert, dass hier die Via Nova verläuft.

Ich gehe unter der Agnes-Bernauer-Brücke durch und umgehe vorläufig Straubing.

Agnes-Bernauer Brücke
Damm an der Alten Donau

Über die Donau ist die Skyline von Straubing gut erkennbar.

Straubing

Die Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt in Sossau bei Straubing wurde 1178 geweiht und war ursprünglich romanisch. Um sie rankt sich eine Legende, wonach sie von Engeln hierher gebracht wurde. Im Inneren strahlt sie barocke Pracht aus.

Hochaltar von 1777
Orgel von 1715

Ich gehe noch ein kleines Stück weiter bis nach Kößlach, wo ich mich in der Pension Groß einquartiere. Es ist gerade erst 11.30 Uhr und ich kann mit Frau Groß im Auto mit nach Straubing fahren, um die Stadt zu besichtigen.

Pension Groß in Kößlach

Ich steige im Zentrum von Straubing aus und gehe durch das Ludwigstor auf den Ludwigsplatz.

Ludwigstor
Ludwigsplatz

Der riesige Platz (600m lang) wird vom 68 m hohen Stadtturm in zwei Teile geteilt. Einige Verkäufer versuchen noch das letzte Gemüse und Obst zu verkaufen. An den Tischen der Gastronomiebetriebe herrscht reges Leben. Die Fassaden der alten Gebäude am Hauptplatz sind sehr schön renoviert.

Ich bestelle mir eine bayerische Spezialität, ein Münchner Zwiebelfleisch, das ähnlich unserem Zwiebelrostbraten aussieht und hervorragend schmeckt. Dazu brauche ich natürlich auch ein Weißbier.

Münchener Zwiebelfleisch

Nach Agnes Bernauer ist hier nicht nur eine Brücke benannt, ihr Name ziert auch eine Torte. Wegen angeblicher Hexerei wurde ihr von ihrem Schwiegervater Herzog Ernst im Jahre 1435 der Prozess gemacht. Sie wurde zum Tode verurteilt und in der Donau ertränkt. Jetzt kennt sie (fast) jeder.

Weil es so heiß ist, gehe ich ins Gäuboden-Museum, das eine hervorragende Sammlung von frühgeschichtlichen und römischen Exponaten aus dem Straubinger Raum zeigt.

Römische Masken für Schaukämpfe

Der Jakobus ist einer der beiden Stadtheiligen und ist in der Abteilung für religiöse Kunst zu finden.

Tagesstrecke:  17,8 km; ↑ 23 m; ↓  22 m

6. Tag Montag, 22. Juni 2020 Metten – Bogen

Liebe Leserinnen und Leser meines Blogs! Danke für eure netten Kommentare.

Für gestern möchte ich noch eine Ergänzung hinzufügen. Vor der Kirche in Niederalteich treffe ich auf eine nette Frau, die offensichtlich in der Kirche zu tun hat. Nach ein paar Sätzen holt sie ein Sackerl aus ihrer Tasche und bietet mir einen Kiesel aus der Donau an, den sie selbst gestaltet hat. „Eine kleine Erinnerung und als Glücksbringer für den weiteren Weg!“, und schon ist sie in der Kirche verschwunden.

Donaukiesel mit Segenswunsch

Am Morgen ist es strahlend klar, ich starte bereits kurz nach 7:30 Uhr. Ich habe nicht weit zum Weg an der Donau. Die Autobahnbrücke der A3 liegt direkt vor mir.

Brücke der A3

Ich kann es mir aussuchen, ob ich auf dem asphaltierten Radweg rechts, auf dem Grasweg auf dem Damm oder auf dem Fahrweg an der Donau gehen will.

Im Osten sind die Ausläufer (oder die Anfänge) des Bayrischen Waldes zu sehen, der sich bis nach Tschechien hinzieht.

Bayrischer Wald

Das kleine Dorfkircherl von Mariaposching ist Mariae Geburt gewidmet, es hat einen spätromanischen Turm, einen spätgotischen Chor und ein barockes Langhaus.

Mariaposching
Mariaposching

Bauern lassen bewusst Flächen zum Schutz von Bodenbrütern frei. Hier blühen dann die Feldblumen in voller Pracht.

Leichte Schleierwolken ziehen auf und ergeben mit einem leichten Lüfterl ein ideales Wanderwetter. Ich treffe einen älteren Herrn auf dem Damm, so in meinem Alter. Er wohnt unweit von hier hinter dem Damm und erzählt mir ein bisschen vom Wasser und dem Wetter hier. Ein paar Kilometer weiter treffe ich eine Frau mit ihrem Hund, die mit mir ein paar Sätze wechselt und mir ihre Segenswünsche mit auf den Weg gibt.

Ich glaube meinen Augen nicht trauen zu können: da schwimmt mitten in der Donau ein Mensch. Ich winke ihm, er/sie winkt zurück.

Domaunixe?

Mir fallen viele Vermessungspunkte in brachliegenden Grundstücken auf. Dann sehe ich, dass archäologische Ausgrabungen durchgeführt werden. Ich komme mit einer Archäologin aus Rumänien ins Gespräch, die mir erzählt, dass ein neuer größerer Hochwasserdamm errichtet wird und vorher Grabungen in einer Tiefe von 1,2 – 1,8 m durchgeführt werden. Die Wissenschaftler dokumentieren hier Funde aus der Steinzeit bis ins Mittelalter.

Archäologische Sicherungsgrabungen
Archäologische Sicherungsgrabungen

Die Donaubrücke wirkt von unten besonders imposant. Die Paddler nehmen es gelassen. In Verbund treiben sie stromabwärts.

Jetzt wartet noch eine kleine Bergwertung auf mich. Es geht recht steil hinauf auf den Bogenberg zu einer alten Kulturstätte. Zuerst geht es an der Ulrichskapelle vorbei und dann wird es steil. Etwas beunruhigen mich die Hinweise auf den Eichenprozessionsspinner, der hier sein Unwesen treiben soll.

St. Ulrich
Auf den Bogenberg hinauf

Die Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt auf dem 432 Meter hohen Bogenberg gilt als die älteste Marienwallfahrtskirche Bayerns. Aus diesem Grund wird der 118 Meter über der Donau aufsteigende Bogenberg auch als Heiliger Berg Niederbayerns bezeichnet.

Maria Himmelfahrt

Die Darstellung der schwangeren Maria ist eher selten.

Schwangere Maria mit „Fenster“ im Bauch

Links und rechts an der ersten Säulenreihe ragen zwei 13 m lange „Kerzen“ auf. Diese Holzstangen, mit Wachs umwickelt, werden in einer Dankprozession über 75 km von Holzkirchen hierher getragen, als Dank für die weitere Verschonung vor dem Borkenkäfer gegen Ende des 15. Jhdt.

Querschnitt durch die „Kerze“

Ich steige hinunter in die Stadt Bogen, wo die heutige Wanderung endet. An einem Ende des langen Stadtplatzes steht das Rathaus.

Neues Rathaus von Bogen

Ich nächtige im Gasthof „Zum Weißbräu“.

Tagesstrecke: 23,8 km; ↑ 144 m; ↓  139 m

5. Tag Sonntag, 21. Juni 2020 Winzer – Metten

Heute komme ich schon um 6.30 Uhr aus dem Haus und nütze die frühe Stunde, um in die Natur einzutauchen. Die Vögel zwitschern um die Wette und singen, was das Zeug hält.

Zumeist gehe ich auf einem Deich oder unmittelbar daneben. Die Überflutungsflächen sind riesig und werden teilweise landwirtschaftlich genutzt, teilweise sind es reine Naturschutzgebiete.

Entlang eines Deiches
Spundwände aus Stahl sollen Unterspülungen verhindern

Als erstes kulturelles Highlight besuche ich die Benediktinerabtei und Basilika Niederalteich. Die Klostergemeinschaft kultivierte große Teile Niederbayerns bis in das Gebiet der heutigen Tschechischen Republik und gründete 120 Siedlungen im Bayerischen Wald. Unter Karl dem Großen und Ludwig dem Deutschen erweiterte sich der Abteibesitz bis in die Wachau. Von der ehemals gotischen Hallenkirche (ab 1260) ist durch die Barockisierung nichts erhalten geblieben. Prachtvolle Stuckarbeiten und Fresken zieren heute den Innenraum. In den Seitenaltären befinden sich die Schreine mit kunstvoll verzierten „Heiligen Leibern“, das sind Skelette von angeblichen Märtyrern, welche in den römischen Katakomben gefunden wurden und 1723 nach Niederalteich kamen.

Außenansicht mit Friedhof
Innenansicht
Hochaltar mit dem Martyrium des Hl. Mauritius
Kanzel mit David
Schrein mit Heiligem Leib

Ich gehe wieder am Donauufer entlang. Dieser Radweg ist wohl nur für Mountainbiker gedacht. Durch den Regen von gestern sind riesige Lacken entstanden. Schafkot in größerer Menge deutet für mich darauf hin, dass die Flächen von Wanderherden gepflegt werden.

Uralte Weiden stehen am Ufer und trotzen dem Wasser.

Alte Weiden an der Donau

Ich überquere die Autobahn A3 und gehe eine Weile lärmgeplagt in Richtung Deggendorf, das durch mehrere Brücken mit dem linken Donauufer verbunden ist.

A3

Dann wandere ich direkt in das Zentrum auf den Luitpoldplatz mit der Heilig-Grabkirche St. Peter und St. Paul.

Heilig-Grabkirche St. Peter und St. Paul

Heilig-Grabkirche St. Peter und St. Paul
Heilig-Grabkirche St. Peter und St. Paul – „Bäckeraltar“ um 1510

Das Alte Rathaus trennt den Oberen Markt ab.

Altes Rathaus
Oberer Markt

Vom Bayrischen Wald her ziehen dichte Wolken auf und nach einer Stärkung mit dem bekannten isotonischen Getränk mache ich mich auf den Weg nach Metten. Das Quartier, der Gasthof Grabmeier-Keller, liegt unweit des Radweges und wie es scheint, bin ich wieder der einzige Gast. Dafür ist der Gastgarten gut besucht.

Gasthof Grabmeier-Keller

Nach kurzer Ruhepause schließe ich einen Besuch des Ortszentrum mit der Benediktinerabtei Metten an. Auch diese Benediktinerabtei wurde schon früh gegründet, nämlich 766. Ein Kirchenbau aus der Karolingerzeit wurde durch einen gotischen Bau im 15. Jhdt. ersetzt, der im 18.Jhdt. barockisiert und in den heutigen Zustand versetzt wurde.

Basilika St. Michael in Metten
Der Ostgotenkönig Totila trifft Benedikt von Nursia
Orgelprospekt aus dem Jahr 1726
Erzengel Michael – Altar

Tagesstrecke: 25,9 km; ↑ 136 m; ↓  105 m

4. Tag Samstag, 20. Juni 2020 Gaishofen – Winzer

In der Nacht hat es zu regnen begonnen, aber glücklicherweise während des Frühstücks aufgehört. So kann ich um 7.30 Uhr ohne Regenschutz das Haus verlassen.

Von der blauen Donau ist nichts zu sehen, schon eher von der braunen. Mir scheint als wäre heute mehr Wasser, objektiv ist der Pegelstand aber gefallen. Einige Schubverbände nützen heute die Wasserstraße.

Einfacher Schubverband flussabwärts

Vorerst führt der Radweg abseits der Straße, dann wird der Platz zu eng und Straße und Radweg müssen den verbliebenen Rest zwischen Berg und Wasser teilen. Das Verkehrsaufkommen auf der Straße hält sich in Grenzen, das auf dem Radweg ist minimal.

St 2125 nach Gaishofen

Ich freue mich auch über kleine Überraschungen am Wegrand.

Klatschmohn

Außerhalb des Staubereiches ist die Strömung beeindruckend. Durch den hohen Pegelstand sind Schotterbänke und kleine Inseln überflutet.

Die Karde oder Weberdistel wurde hier einst auf 100 ha angebaut und lieferte ein Drittel des deutschen Bedarfs. Die scharfen Haken der trockenen Frucht wurden in der Textilindustrie zum Aufrauen von Wollstoffen verwendet.

Weber-Karde (Dipsacus sativus HONCK)

Die beiden Blöcke des Ölkraftwerkes von Pleinting wurden schon 1996 und 2001 „kaltgestellt“. Es gab auch Diskussionen, hier ein Kernkraftwerk zu errichten. Der höhere Kamin ist mit 180 m einer der höchsten Kraftwerkskamine Deutschlands.

Während des Hochwassers sind große Ausgleichsflächen überflutet und stehen der Natur zur Verfügung.

Schlangen-Lauch (Allium scorodoprasum L.)

In Hofkirchen möchte ich gerne etwas essen, weil sonst der Tag zu lange wird. Ich bin ja schon mehr als vier Stunden unterwegs. Nach einer „Ehrenrunde“ durch den Ort erfahre ich, dass das „ganz schwierig“ ist. (O-Ton, findet man sonst nur in Österreich). Im Nachbarort gäbe es aber ein offenes Gasthaus!

Ich besichtige noch die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt aus dem Beginn des 16. Jhdt.

Pfarrkirche Maria Himmelfahrt
Pfarrkirche Maria Himmelfahrt

Am Ortsrand sind nach der Flut 2013 wichtige Hochwasserschutzeinrichtungen gebaut worden.

Wassersperre

Ich mache mich weiter auf den Weg und finde in Neßlbach den versprochenen Gasthof, wo ich als einziger Gast umsorgt werde.

Neßlbach

Nun ist es nicht mehr weit bis Winzer, wo ich mein nächstes Quartier bestellt habe. Im Zentrum steht ein Denkmal für einen fahrenden Korbverkäufer, der die bekannten Wäschekörbe aus Winzer an den Mann bzw. an die Frau bringt.

Oberhalb von Winzer stehen Überreste einer Befestigungsanlage, die Freiherr von Trenck 1744 sprengen ließ (Österr. Erbfolgekrieg).

Ich beziehe mein Quartier in der Pension Falter und werde von den Quartiergebern herzlich empfangen.

Ich bin mit Frau Falter noch im Gespräch, während sich draußen plötzlich ein heftiger Wolkenbruch mit einigen Blitzen ergießt.

Da hat der Jakobus wieder einmal auf mich geschaut. Wäre ich zehn Minuten später angekommen, hatte ich mich nicht mehr duschen brauchen.

Tagesstrecke: 29,9 km; ↑ 202 m; ↓  197 m

3. Tag Freitag, 19. Juni 2020 Schardenberg – Gaishofen

Früh am Morgen ist es draußen etwas nebelig, doch die Sonne löst den Nebel bald auf. Eine Stunde später ist alles anders. Der Nebel ist zurück, vor allem in tiefen Lagen ist er sehr dicht. In der Früh sind nur die Schulbusse mit dem Schülern unterwegs.

Nebel im Donautal

Ich bin auf der VIA NOVA unterwegs, einem Pilgerweg, der von Tschechien durch Bayern bis nach St. Wolfgang in Salzburg führt.

Via Nova, ein neuer Pilgerweg

Der Weg ist manchmal auch ein bisschen abenteuerlich. Da muss man einfach drüber oder durch.

Am Mühltalbach
Am Mühltalbach

Für die Überquerung dieser Furt habe ich rasch eine Lösung gefunden, ein Stück Holz erleichtert mir das Überqueren.

Am Mühltalbach

Schließlich komme ich an die Staatsgrenze von Österreich und Deutschland. Auf österreichischer Seite gibt es nur eine Steinsäule mit dem oberösterreichischen Wappen, auf der deutschen Seite gibt es zwar Tafeln, die sind aber durch einen Transporter verdeckt. So marschiere ich in Bayern ein.

Staatsgrenze

Am Ende des Mühltales komme ich zu einer Treppe, die zum Kloster Maria Hilf auf dem Hügel führt. Sie erscheint mir wie die Jakobsleiter.

Treppe zur Wallfahrtskirche Maria Hilf

Von der Terrasse des Klosters hat man einen wunderschönen Ausblick auf die Stadt.

Wallfahrtskirche Maria Hilf
Blick auf Passau mit dem Inn

Hier hat Kaiser Leopold I. 1676 geheiratet. In der Kirche findet gerade ein Gottesdienst statt, ich habe daher nur von der Kirchtür aus einen Blick in das Innere werfen können

Wallfahrtskirche Maria Hilf

Über die Wallfahrtstreppe gehe ich nun 321 Stufen hinunter in die Innstadt. Normalerweise geht man diese Treppe in die Gegenrichtung.

Die Altstadt von Passau wird in die Innstadt, die Donaustadt und die Ilzstadt aufgeteilt, je nachdem welchem Fluss sie am nächsten liegt.

Innstadt

Von der Marienbrücke hat man einen guten Überblick über die Donaustadt mit dem Dom und den prachtvollen Prunkbauten.

Durch ein kleines Seitengässchen komme ich auf den Domplatz mit dem Dom.

In Passau wurde schon 720 eine Bischofskirche errichtet. Der heutige etwa 100 m lange barocke Bau entstand von 1668 bis 1693 nach einem Brand im Jahr 1662. Die Domorgel war einst größte Orgel der Welt, jetzt ist sie „nur“ größte Domorgel.

Dom zu Passau Aussenfassade
Dom zu Passau – Hochaltar in Renovierung
Dom zu Passau
Dom zu Passau – größte Domorgel der Welt

Ich spaziere durch die Gassen und komme zum Rathaus aus dem Historismus. Hier schaue ich mir die historischen Hochwassermarken an. Das Hochwasser von 2013 steht an 2. Stelle.

Da in der Stadt absolut nichts los ist, beschließe ich eine Drei-Flüsse-Fahrt mit einen Schiff mitzumachen. Zuerst fahren wir ein Stück die Donau aufwärts, dann flussabwärts zur Mündung der Ilz und des Inns in die Donau. Der Inn führt viel mehr Wasser als die Donau.

MS Sissy
Donau
Donaustadt
Mündung Donau – Inn
Feste Oberhaus

Nach der Erholung auf dem Schiff geht meine Wanderung weiter. Ich überquere die Donau auf der Schmalzlbrücke und wähle den Donaupanoramaweg. Durch einen Park führt der Weg auf die Anhöhe nördlich der Donau.

Freudenhain
Blick zurück bis Schardenberg

Ich kreuze die Ilztalbahn, die 1890 in Betrieb genommen wurde und von Passau nach Freyung führte. Nach zwischenzeitlicher Schließung gibt es wieder Bahnverkehr.

Ich komme nach St. Korona, einem eingemeindeten Dorf vor Passau mit einer schönen Wallfahrtskirche, die der Hl. Corona geweiht ist.

Martyrium der Hl. Corona, die von zwei Palmen zerrissen wird
Hl. Corona

Ich kehre wieder in das Donautal zurück und gehe am Donauradweg weiter.

Der Radweg führt bei Schalfing unter der Autobahn A3 durch. Diese reicht von der österreichischen Grenze bis an die niederländische Grenze. Schon oft habe ich die Donau auf dieser Brücke überquert.

Nach ein paar Kilometern auf dem Radweg komme ich in Gaishofen, einem kleinen Dorf an.

Hier habe ich meinen 6000. Pilgerkilometer zurückgelegt!

Ich schlage mein Quartier im Gasthof Endl auf.

Gasthof Endl
Brotzeit auf Bayrisch

Tagesstrecke: 24,1km; ↑ 368 m; ↓ 602 m

2. Tag Donnerstag, 18.06.2020 St. Aegidi – Schardenberg

Die Meteorologen hatten leider recht: in der Nacht hat es zu regnen begonnen und auch in der Früh ist es feucht und der Wind bläst heftig.

Beim Frühstück erzählt mir die Kellnerin, dass das Wirtshaus von der Gemeinde gekauft worden ist und jetzt als GmbH geführt wird. So konnte dieses Wirtshaus weiterhin erhalten bleiben.

Nach einem ausgiebigen Frühstück verpacke ich mich in meine Regenkleidung und ziehe los.

Bei St. Aegidi
Der Haugstein mit Haube

Ich komme zu einem Haus, das als Jausenstation ausgewiesen ist. Davor steht eine Plakatwand, die ich mir näher anschauen will. Gleichzeitig kommt ein Auto gefahren, der Fahrer lässt die Scheibe unter und beginnt sich mit mir zu unterhalten. Er fragt mich nach meinem Weg und dann erzählte ein bisschen über sich. Er ist der Inhaber der Jausenstation nebst einem anderen Lokal. Er ist stolz darauf, 65 Jahre selbstständig gearbeitet zu haben. Ich mache von ihm ein Foto und er holt seine Visitenkarte aus dem Haus, die ihr mir unbedingt geben will. Als er auch meine bekommt ist er sehr stolz. Es war eine der kleinen, netten Begegnungen, die man immer wieder hat..

Friedrich Tomandl

Ich komme an der ehemaligen Volksschule von Stadl vorbei, die heute ein religiöses Begegnungszentrum ist. Stadl ist ein kleines Dorf am Fuße des Haugsteins. Die Wolken reichen herunter bis zum Dorf, wo der Anstieg auf den Berg beginnt.

Alte Volksschule von Stadl
Die Wolken fliegen wieder tief

Der Aufstieg ist nicht sehr schwer. Der Weg wird von einem Kreuzweg begleitet, der bei einer Jägerkapelle endet. Die Kapelle hat ihren Ursprung in einer alten Legende.

Aufstieg zum Haugstein
Kreuzwegstation
Jägerkapelle
Jägerkapelle

Nun sind es nur mehr 800m bis zum Gipfel des Haugsteins. Die Basaltfindlinge haben im Nebel ein besonders mystische Wirkung. Der Haugstein ist mit 895 Metern die höchste Erhebung im Sauwald.

Granit
Granit
Gipfel des Haugsteins
„Gipfelsieg“

Der Weg nach unten ist noch leichter als der nach oben. An einer Stelle finde ich unzählige Nelken, die quer über den Wiesenweg wachsen. Die alten Rosen bei einem Bauernhaus duften wunderbar. Ich muss in die Schlucht des Kösselbachs absteigen. Dort befinden sich die paar Häuser von Kneiding mit der Dorfkirche. Ich besichtige von außen eine alte Mühle, die zu einem Kraftwerk mit einer Schraubenturbine umgebaut wurde.

Alte Rosensorte
Dorfkapelle von Kneiding
Schraubenturbine

Bevor ich an der anderen Seite den Berg wieder steil hinauf gehen muss, überquere ich eine Brücke, die aus einem einzigen Stein besteht.

Alte Steinbrücke

Schneller als erwartet komme ich in Schardenberg an. Das Wetter hat sich zum Schönen gewandelt. Die Pfarrkirche stammt aus der Jahrhundertwende um 1900. Nur der Turm ist von der alten Kirche übrig geblieben. In der Kirche fällt mir der heilige Jakobus gleich auf.

Pfarrkirche Schardenberg
Pfarrkirche Schardenberg
Pfarrkirche Schardenberg – Jakobus

Schardenberg hat auch eine Fatimakapelle, die nach dem zweiten Weltkrieg aufgrund eines Gelübdes errichtet wurde.

Fatimakapelle in Schardenberg
Fatimakapelle in Schardenberg

Ich nächtige beim Kirchenwirt im Zentrum. Die heutige Wanderung führt gleichsam von Kirchenwirt zu Kirchenwirt.

Kirchenwirt in Schardenberg

Da geht’s rund in der Umgebung. Jetzt wird auch der Garten zur Bühne.

Ja, bei uns geht’s rund!

Tagesstrecke: 25,2 km; ↑ 722 m; ↓ 776m