Der gestrige Tag hat einiges an Organisation verlangt. Unser Hotel war durchwegs in Ordnung und gleich nach dem Frühstück hat uns der Chef wieder nach Velletri zurückgebracht. Eine Strecke beträgt doch 23 km.
Leider ist am Abend Paola erkrankt. Schnupfen, Husten, Fieber lassen eine Fortsetzung des Weges keinesfalls zu. Sie beschließt, den Weg abzubrechen. So verabschieden wir uns am Bahnhof. Es war wirklich toll mit dir, Paola.
Ich gehe in Richtung Stadtzentrum und weiß jetzt auch, warum die Quartiere so rar sind. Die Stadt feiert mit Maria Verkündigung ein mehrtägiges Fest. Die Straßen um die Kathedrale sind voll mit Marktständen.
Ich besuche die Cattedrale di San Clemente, die aus einem spätantiken Bauwerk weiterentwickelt wurde. Eine römische Basilika wurde im 5. Jhdt. in eine christliche Kirche umgewandelt.
Die Ausstattung ist überwiegend barock.
In der Stadt kann man nur gesund sterben. So viele Treppen halten einen fit.
Auf dem Weg zur Oberstadt komme ich über nette Plätze und durch stille Gässchen.
Der Palazzo Comunale aus dem 16. Jahrhundert ist heute Sitz der Stadtverwaltung und Museum.
Nach einer kurzen Marktrunde mache ich mich auf den Weg. Unterwegs hole ich zwei Italienerinnen aus dem Trento ein. Eine kann ein bisschen Deutsch, die andere ein bisschen Englisch. Wir sehen uns schon seit der ersten Etappe immer wieder.
Anfänglich gibt es noch Asphalt, dann kurz Schotter und dann ist es ein Wiesenpfad, auf dem ich wandere.
Eine nette Überraschung ist der Lago di Giulianello, der im gleichnamigen Naturschutzgebiet liegt und von vielen Menschen besucht wird.
Eine Gruppe Reiter kommt mir entgegen. Es gibt einen Zwischenfall: der wohl schwerste von ihnen fällt aus dem Sattel und das Pferd will ihn nicht mehr rauf lassen. Da er sehr klein ist, hat er noch ein zusätzliches Problem.
Über eine stark befahrene Straße komme ich nach Giulianello, das nach einer Verwandten von Julius Caesar benannt ist.
Olivenhaine prägen die Landschaft. Sie beginnen gerade zu blühen. Die Olivenfabriken und Ölpressen haben gerade Betriebsferien. Ihre Arbeit geht mit der neuen Ernte im Herbst wieder los.
Dann geht es endlos lange bergauf. Wenn ich schon hoffe, das Ziel vor Augen zu haben, kommt eine neue Kurve mit einer neuen Steigung. Dann ist Cori da. Ein Pilger begrüßt mich gleich einmal.
Ich gehe zum ehemaligen Franziskanerkonvent, der etwas unterhalb der Stadt liegt. Im Familienzentrum werden auch Pilger aufgenommen.
Nach einer Erholphase beschließe ich, in den Altstadtkern zu gehen. Das verlängert nochmals die Tagesstrecke und die Höhenmeter.
Ein paar Altstadtimpressionen:
Cori gehört zu den ältesten Städten Italiens. Der Legende nach soll das antike Cora von Dardanos, dem Stammvater der Trojaner gegründet worden sein. 642 v. Chr. führte ein Heer aus Cori gegen die Römer Krieg. Erst 415 v. Chr. wurde Cori Teil des römischen Reiches.
Teile der vorrömischen Stadtmauer sind heute noch zu sehen.
Der Herkulestempel aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. gehörte zur antiken Akropolis.
Beim Rückweg komme ich zufällig bei der Chiesa di Sant’Oliva vorbei und sehe, dass sie offen ist. Sie wurde in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts auf den Ruinen eines römischen Tempels erbaut, im Gewölbe gibt es Fresken, einen Bildzyklus, der Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament (1533) erzählt.
Route auf alpenvereinaktiv.com
Tagesstrecke: 23,0 km; ↑ 360 m; ↓ 408 m
+ Stadtbesuch: 4,4 km ↑ 120 m; ↓ 120 m
Lieber Gerhard, es ist so schön mit dir zu reisen … die täglichen Berichte, die eindrucksvollen Fotos, die vielen Eindrücke! Ich wünsche dir weiterhin gutes Gehen (ohne Blasen).