11. Tag Freitag, 16. Mai 2014 Villambistia nach Atapuerca

Gleich zum Aufwachen Stress. In der Nacht muss mir die Brille aus dem Stockbett gefallen sein. Ohne Brille Brillensuchen ist für einen Brillenträger eine Katastrophe. Auf dem Boden ist sie nicht, im Bett unter mir ist sie auch nicht. Mit der Reservebrille und mehr Licht sehe ich sie auf dem Rucksack des Nachbarn. Glück muss man haben! Was wäre geschehen, wäre sie IM Rucksack gelandet?
imageIch breche ohne Frühstück auf; das werde ich in Villafranca nachholen.
Auf dem Dorfplatz komme ich bei einem achteckigen Brunnen vorbei, von dem es eine Legende gibt: Von Pilgern, die mit dem Kopf in das Wasser eintauchen, fallen alle Qualen des Pilgerns ab. Da ich gerade Haare gewaschen habe, muss ich wohl weiterleiden. Nein,  so schlimm ist es ohnehin nicht.
Zuerst erwartet mich ein Fastvollmond und kalte Luft, sehr kalte Luft. Am Rasen des Sportplatzes liegt Reif – also unter null Grad. Auf der anderen Seite geht gerade die Sonne auf und das bei wolkenlosem Himmel.
Ausnahmsweise sehe ich vor und hinter mir keine Pereginos.

imageIn Villafranca gehe ich in eine Bar und bestelle einen Cafe solo, einen Orangensaft und ein Croissant. In dem Moment kommt die Australierin, die mit den Stöcken, herein und wir frühstücken gemeinsam. Sie ist glücklich mit ihren Stöcken und fragt, ob sie mich begleiten dürfe. Gleich am ersten Berg legt sie ein gewaltiges Tempo vor. Ich sage ihr, dass ich es langsamer angehen will. Bald finden wir einen gemeinsamen Rhythmus und gehen die nächsten zwölf Kilometer mit zwei kurzen Trinkpausen durch. Die Eichen treiben gerade die ersten Blätter aus und manchmal säumen hohe Erikabüsche in violett und weiß den Weg.
In San Juan de Ortega stärken wir uns wieder, ehe wir die nächsten sechs Kilometer bis Atapuerca angehen. Dort trennen uns die Wege, ich gehe in die Herberge, sie will weiter in Richtung Burgos.
imageAm späten Nachmittag unternehme ich eine Exkursion zur Ausgrabungsstelle, an der man die ältesten Vormenschen Europas gefunden hat. Der Homo Antecessor wird auf 900.000 Jahre geschätzt, ein neuerer Fund auf 1,2 Mill. Jahre. Aufgekommen ist die Fundstelle, als man um 1900 eine Eisenbahntrasse baute. Die Eisenbahn fuhr dann gerade von 1901 – 1911. Heute wird weitergegraben, aber auch, wenn auch nur auf Spanisch präsentiert.
Beim Abendessen in einem Dorflokal geht’s international zu:
Österreich, Italien, Dänemark, Frankreich, Deutschland sind vertreten. Es gibt mit Thunfisch und mit Gemüse gefüllte Auberginen als Vorspeise. Ich wähle Bakalao als Hauptspeise und Topfentorte zum Nachtisch. Dazu gibt es Wein, Brot und Wasser. Auf dem kurzen Heimweg merke ich, wie frisch der Wind weht. Wir sind auf über 1000 m!

Ein Gedanke zu „11. Tag Freitag, 16. Mai 2014 Villambistia nach Atapuerca

  1. Renate

    …das du nach der pilgeretappe noch auf exkursionen unterwegs bist, beweist wohl, wie gut es dir geht. geht. freut mich für dich. hasta luego, renate

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