11. Tag Freitag, 12. Mai 2017 Saint-Julien-Molin-Molette nach Les Setoux

In der Nacht ist es zeitweise sternklar. Der Mond strahlt herein, dass ich vorerst an eine Straßenlaterne denke. Gegen Morgen höre ich das vertraute Regengeräusch. Gegen halb sieben bin bereit zum Abmarsch. Saint-Julien-Molin-Molette liegt noch in Ruhe, da rührt sich noch nichts.

Vorerst ist es trocken und es geht auf den nächsten Berg hinauf vorbei an Bauernhöfen und Viehweiden.

Am Col du Banchet holt mich der Regen ein. Es ist nicht arg, aber zu viel, um nur mit leichter Jacke zu gehen.

Der nächste Kilometer führt wieder steinig bergab bis  Bourg-Argental vor mir liegt.

Die ersten verschlafenen Schüler kommen mir entgegen. Zwei schauen noch so zerstört, dass ich mir denke: Gut, dass ich die beiden nicht in der ersten Stunde unterrichten muss. Es ist halt erst acht Uhr.

Ich finde ein offenes Café, hole mir aus der Bäckerei nebenan mein Gebäck und genieße einen starken, doppelten Espresso in der Hoffnung, dass es aufhört zu regnen. Das Radarbild des Wetterdienstes zeigt ja nur einzelne kleine Regenzellen.

Ich besuche die Kirche mit einer schwarzen Madonna und werde wieder von schöner Musik empfangen.

Gleich nach dem Ortsausgang geht es richtig, bergauf! In diesem Bauernhof ist eine Gitê d’étape eingerichtet.

Der Regen hört auf und mystische Nebelschwaden ziehen durch das Tal.

Plötzlich zeigen sich blaue Flecken am Himmel und die Sonne leuchtet auf die Wiesen.

Der Wanderweg führt nun auf einer ehemaligen Eisenbahntrasse und ist daher bequem und nicht sehr steil. Ich hole Neves, eine Italienerin, ein, die in Deutschland lebt. Sie hat sich trotz Erfahrung im Berggehen einen Fuß überbelastet und geht sehr schwer. Eine Zeitlang gehe ich mit ihr und ich werde ihr die Reservierung für die Nächtigung bei meiner Ankunft erledigen. Dann gehe ich mein Tempo weiter.

Sogar ein Bahnhofshäuschen existiert noch. Aus dem Bahnhofsplatz sind ein Spielplatz und eine Pferdekoppel geworden.

Tief unter der Trasse liegt Saint-Sauveur-en-Rue mit seiner gewaltigen Kirche. Leider liegt der Ort für die heutige Tagesetappe zu weit abseits.

Auf einer Höhe von 1000 m blühen Geraldine – Kirschbäume. Dort verläuft auch die Grenze von Rhône-Alpes in die Auvergne.

Ein Weg führt zu einer tiefen Schlucht, der ich mich nur zögerlich nähere.

Noch ist nicht die höchste Stelle erreicht.

Vor mir muss es stark geregnet haben, denn immer noch rinnt Wasser die Wege entlang.  Durch den dichten Tann sieht man nur ein kleines Stück Himmel, aber ich höre immer andauernden Donner. In der Schweiz würde ich es vielleicht als Feldschießen mit schwerem Gerät abtun. Hier weiß ich, dass es das angesagte Gewitter sein könnte.

Ich beeile mich, da es nicht mehr weit bis zu meinem Ziel Le Setoux sein kann. Kaum bin ich aus dem Wald, sehe ich die Wolken besser.

Trocken komme ich in der Herberge an und erfahre, dass wir mit dem Auto in das benachbarte Clavas gebracht werden. Dort ist in einem ehemaligen Kloster eine nette Herberge eingerichtet. Zum Essen werden wir wieder zurückgebracht.

Ich stehe noch nicht unter der heißen Dusche, als ein Regenguss gegen das Fenster prasselt. Da hat der Jakob wieder aufgepasst!

Neves ist mit einiger Verspätung angekommen. Ihr Fuß schaut nicht gerade gut aus.

Tagesstrecke: 25 km

Ein Gedanke zu „11. Tag Freitag, 12. Mai 2017 Saint-Julien-Molin-Molette nach Les Setoux

  1. Ruth Mitschka

    Lieber Gerhard!
    Toll, was du leistest! Danke für die Möglichkeit, durch den Text und die wunderbaren Bilder daran teilzuhaben.
    Weiterhin alles alles Gute!!

    Antworten

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