18. Tag Mittwoch, 16. Mai 2018 Levada nach Treviso

Das Frühstück ist wieder reichhaltig. Die Seniorchefin holt für mich noch eine Extraportion Schinken und Käse. Trotzdem bin ich um viertel Acht auf dem Weg.

Bis Ponte di Piave habe ich einen separaten Geh- und Radweg zur Verfügung.

Das Rathaus ist noch nicht geöffnet, um mir einen Stempel zu holen.

Ich komme zur Piave, die durch die Regenfälle im Norden viel Sediment mitführt.

Nach der Brücke wäre eigentlich ein unangenehmer Streckenabschnitt gekommen, weil es hier nur einen relativ schmalen Streifen neben der Fahrbahn gibt. Aber: der Verkehr in Richtung Ponte di Piave ist so langsam und stockend, dass eher die Abgase das Problem sind.

Und dann war Pause mit meinem Smartphone. Display finster, scheinbar keine Reaktion auf irgendwas. Beim Reset ist das Display da, dann wieder fort. Ich male mir schon alle Notszenarien aus und beschließe einmal nichts zu tun. In einem Café bei anderen Lichtverhältnissen habe ich die Einstellungen wieder hinbekommen.

Daher gibt es zwischendurch keine Bilder. Sie hätten ohnehin nur Autos gezeigt. Eng ist es auch beim Übergang über die A27. Beim Bau der Brücke hat man einfach nicht daran gedacht, dass auch Fußgänger und Radfahrer über die Autobahn müssen. Außerdem fahren auf der Autobahn weniger Fahrzeuge als auf der Regionalstraße.

Nur mehr zwei Kilometer bis Treviso!

Treviso ist eine Stadt mit etwa 80.000 Einwohnern und ist bereits in der vorrömischen Zeit besiedelt gewesen.

Ihre Lage am Zusammenfluss von Botteniga und Sile hat sie strategisch interessant gemacht. Zudem fließen viele Kanäle durch die Stadt, die sie mit Venedig vergleichbar machen, und ihr den Namen „città delle acque“ gegeben haben. Nur fließt hier das Wasser recht rasch und verhindert die Geruchsbelästigung.

Viele Häuser haben Laubengänge.

Das Rathaus und die Loggia der Signori.

Der Dom ist durch seine Größe kaum zu übersehen.

Die Franziskanerkirche wurde im 13. Jhdt. errichtet und hat ihren Charakter erhalten.

In der Stadt gibt es so viele bezaubernde Winkel und Plätze, dass ich gar nicht weiß, wo ich weitergehen soll.

Tagesstrecke: 26 km (inkl. 3 km Besichtigung)

Bergauf: 22 m

Bergab: 4 m

17. Tag Dienstag, 15. Mai 2018 Pravisdomini nach Levada

In der Nacht hat es wiederholt geregnet und ich mache mich wieder auf einen feuchten Tag gefasst. Mit dem Frühstück will ich mir Zeit lassen, aber es fällt heute „italienisch“ aus: ein Kaffee und ein Croissant.

Ich stelle mich auf eine längere Gehstrecke auf der SP1 ein, wo der Morgenverkehr rollt. Entsprechend vorsichtig gehe ich es an.

Der „Palazzo del Comune“ hat auch schon besser Zeiten gesehen.

Ich komme an der Villa Frattina aus dem 16. Jhdt. vorbei, die inmitten eines gepflegten Parks liegt. Eines der Nebengebäude ist die Chiesa dei Santi Michele e Lorenzo, die außerhalb des Privatbereichs liegt.

Der Himmel sieht bedrohlicher aus, als er ist.

Zwischen den Weingärten eine gerade Straße. Viele der Weingärten sind Neuanlagen der letzten Jahre.

Für diese Schönheit bin ich sogar in den Graben gestiegen.

Nachdem ich schon ein paar Kilometer entlang des Flusses gewandert bin, ohne ihn wegen der Vegetation wirklich zu sehen, gehe ich jetzt über eine alte Eisenbrücke über die Livenza.

Gleich nach der Brücke fällt mir eine militärische Anlage auf, die sich als Multinational CIMIC Group Headquarter herausstellt. Das ist eine der NATO unterstellte Schule für zivile und militärische Zusammenarbeit.

Palazzo zu verkaufen!

Über eine Livenzabrücke komme ich in die Stadt Motta di Livenza. Der Fluss bot Schutz vor Angreifern, war aber auch Gefahr bei Hochwasser.

In der Fußgängerzone findet gerade ein kleiner Markt statt, der meine Aufmerksamkeit erregt. Leider tut man sich als Pilger mit Rucksack da schwer.

Viele Häuser sind in den letzten Jahren renoviert worden. In Gärten versteckt stehen prachtvolle Villen.

Ich bin nicht hinter das Geheimnis dieser Allegorie gekommen: auf jeden Fall war die Löwin „not amused“.

Vor den Toren der alten Stadt steht die Wallfahrtskirche Madonna dei Miracoli, wo 1510 einem Bauern die Hl. Maria erschienen sein soll.

Der Kreuzgang ist mit Fresken geschmückt.

In den Entwässerungsgräben sind oftmals verwilderte Callas mit erstaunlicher Größe zu finden.

Ich glaube mich schon nahe am Ziel, aber es ist der Campanile von Busco, eher ein Weiler als ein Dorf.

Diese Wolke lässt meinen Schritt schneller werden. Schaffe ich es noch trocken ans Ziel? Ich schaffe es, es kommt kein Regen!

In Levada, nahe bei Ponte di Piave, im „Albergo & Restaurante al gabbiano“ ist für heute Schluss.

Tagesstrecke: 24,6 km

Bergauf: 18 m

Bergab: 10 m

16. Tag Montag, 14. Mai 2018 Rivis/Codroipo nach Pravisdomini

Der heutige Tag wird vorerst als Tag der langen Geraden eingehen. Ab halb sieben ein Frühstück in Italien? Das ist nur möglich, weil acht junge Flugschüler (15 – 18 Jahre?) im Hause wohnen und rechtzeitig in die Schule müssen. Alle sind fesch im weißen Uniformhemd, obwohl es sich um Privatpiloten handelt.

Kurz nach meinem Start habe ich sogar Sonne im Rücken – wenn auch nur kurz.

Entlang neuer Weingärten geht es zur Tagliamentobrücke.

Die Brücke über Fluss, der normal nur wenig Wasser führt, ist 1030 m lang. Bei Hochwasser sieht das dann anders aus.

Hinter der Brücke steht eine Fátima-Grotte, wohl um für Schutz vor dem Wasser zu beten.

Hinter duftendem Holunder leuchtet der Mohn.

Große Anlagen von Kiwis stehen gerade in Vollblüte.

In dieser Region fanden im 1. Weltkrieg heftige Gefechte statt, wo viel Blut unnötig vergossen wurde. Zahlreiche Infotafeln erinnern daran.

Ich finde immer gute Wege abseits des Montagmorgen-Verkehrs. Immer lange Gerade.

Wenn das Erdbeeren wären….

St. Rosa mit seinem völlig allein stehenden Campanile ist ein Stadtteil von San Vito al Tagliamento.

San Vito überrascht mich mit seinem netten Altstadtkern. Stadttore versetzen die Besucher zurück in die Vergangenheit.

Im ehemaligen Rathaus ist ein kleines Privattheater untergebracht, dass möglichst nahe an seine ursprüngliche Ausstattung gebracht wurde.

Die freundliche Assistentin in der Touristeninformation führt mich sogar auf den Balkon, von wo ich einen guten Ausblick auf die Häuser der Piazza del Populo habe.

Von außen ganz unscheinbar ist die Kirche Santa Maria di Castello detta „l’Annunciata“ aus dem 15. Jhdt.

Auf der Straße spricht mich ein Herr an, der mich als Weitwanderer oder Pilger erkennt und mir erzählt, dass er schon zweimal den Camino Frances gegangen ist. Wir tauschen ein paar Erinnerungen aus, bevor jeder seinen Weg geht.

In Sesto Reghena stoße ich unerwartet auf die Abbazia Santa Maria in Silvis, die leider geschlossen ist (12.30 Uhr).

Auch in der Kirche von Pramaggiore stoße ich auf interessante Fresken.

Die letzten Kilometer gehe ich leider auf einer Verbindungsstraße mit etwas mehr Verkehr. Schließlich komme ich in Pravisdomini an und bin wieder genau im ursprünglichen Zeitplan.

Tagesstrecke: 36,75 km

Bergauf: 17 m

Bergab: 59 m

15. Tag Sonntag, 13. Mai 2018 Villanova nach Rivis/Codroipo

Der Regen wäscht den Himmel – ein strahlendes Blau erwartet mich am Morgen. Der Padrone macht mir ein ausreichendes Frühstück und ich bin um acht Uhr aus dem Haus. Zufällig ist in der Dorfkirche gerade Gottesdienst und ich erlebe eine Messe in Furlanisch oder Friulanisch, eine romanische Sprache, die eventuell mit dem Rätoromanischen in Verbindung steht.

Danach geht es richtig los. Nach wenigen Metern auf Parkplätzen und Nebenfahrbahnen geht es ins Gemüse.

Durch eine kurzfristige, kleinräumige Umplanung meiner Route bin ich hauptsächlich auf solchen Feldwegen unterwegs.

Zwischendurch durchquere ich kleine Dörfchen, die eines gemeinsam haben: einen überdimensionalen Campanile.

Plötzlich baut sich wieder ein unvorhergesehenes Hindernis in Gestalt einer Baustelle auf. Am heutigen Sonntag komme ich ohne Schwierigkeiten vorbei.

Gleich geht es wieder bequem weiter.

In San Odorico al Tagliamento komme ich bei der Villa Marangoni-Masolini vorbei, die einst ein respektables Herrenhaus gewesen ist. Sie wurde im 19.Jhdt. dort errichtet, wo im 11. Jhdt. ein Kloster stand.

Das Furlanische ist hier überall präsent. Pier Paolo Pasolini gründete 1944 sogar eine Furlanische Sprachakademie, um dem Faschismus zu trotzen.

Ob diese Gebäude das Erdbeben überstanden haben, also original sind, oder Rekonstruktionen habe ich in Ermangelung von Sprachkenntnissen nicht herausgefunden.

Etwas fürs Auge!

Bei Rivis komme ich bei einer Museumsmühle vorbei, die zufällig offen ist.

Auf meiner Route findet anlässlich des Frosch-Festivals ein Volkswandertag und Radwandertag statt. Ich glaube, die meisten sind nicht gewandert oder mit dem Rad gefahren, sondern gleich mit dem Auto gekommen. Es gibt viele Köstlichkeiten zu essen und trinken. Die Hauptattraktion sind frittierte Froschschenkel.

Entlang des Dammes verläuft nun eine schmale Asphaltstraße für die Instandhaltung des Bauwerkes.

Auf einigen großen Feldern werden junge Weinstöcke zu tausenden gezogen.

Eine dunkle Gewitterwolke lässt mich meinen Schritt beschleunigen; das Gewitter zieht aber nach Norden vorbei.

So bin ich schneller als erwartet am Ziel, dem Agriturismo Al Casale.

Damit ich bis zum Abendessen nicht verhungern muss, gibt es Prosciutto di San Daniele und Insalata mista.

Tagesstrecke: 22,3 km

Bergauf: 5 m

Bergab: 97 m

14. Tag Samstag, 12. Mai 2018 Gemona nach Villanova di San Daniele

Am Abend tratsche ich noch mit einer Gruppe aus Tirol und Oberösterreich, von denen auch ein paar Jakobswegerfahrung haben. Da gibt es immer genug Diskussionsstoff.

Heute bekomme ich schon um sieben Uhr ein für Italien sensationell reichhaltiges Frühstück und mache mich um halb acht auf den Weg.

Die Bahnunterführung ist durch ein interessantes Malprojekt bunt gestaltet.

Gegenüber gibt es ein imposantes, schmiedeeisernes Tor zu einem Regierungsgebäude.

Zu Beginn muss ich mich durch den Frühverkehr auf einer Regionalstraße bis nach Osoppo durchschlagen.

Die Berge habe ich hinter mir gelassen, jetzt geht es hoffentlich flach dahin.

Osoppo ist ebenso Opfer des Erdbebens 1976 gewesen wie Gemona. Alle Gebäude wurden  nach dieser Zeit gebaut bzw. rekonstruiert. Die Touristeninformation ist zwar geschlossen, das Gebäude aber interessant.

Dann finde ich die ersten halbroten Kirschen, aber: die süßesten Früchte….

Kaum bin ich aus Osoppo heraußen, beginnt des Pilgers Paradies. Zuerst gehe ich noch über angenehm geschotterte Feldwege, dann kilometerweit auf Wiesenwegen!

So klein, und schon ein Hügel mit Namen: Col Vernal 195 m – 22 m über der Umgebung.

Die Wiesen weisen eine große Anzahl von verschiedenen Pflanzen auf.

Gut, dass ich hier weder Tiere weiden lassen noch sie hier durchstreifen will. So darf ich meinen Weg fortsetzen.

Plötzlich versperrt eine nicht oder selten befahrene Eisenbahntrasse meinen Weg. Irgendwie schlage ich mich auf die SR463 durch, an der ich immer wieder kurze Strecken gehen muss.

Dann bin ich wieder allein.

Die Pappeln sind geometrisch genau ausgerichtet.

Auch das sind Wanderwege!

In der kleinen Kirche Santa Maria Assunta von Comero geht die Marienverehrung auf das 14. Jhdt. zurück. Im Hochaltar steht eine kleine Madonna mit Kind.

Ein Feld mit Mohn leuchtet weithin.

Ich wusste nicht, dass der Weg nach San Danièle so steil ist. Der Schinken will halt verdient sein. Zuerst geht es durch das Stadttor aus dem Jahr 1579.

Viele Gassen haben schöne Arkaden für Geschäfte und Restaurants.

Gleich zu Beginn meiner Besichtigung komme ich in die Kirche Sant’Antonio Abate, die 1308 geweiht wurde und einen Chor von 1441 besitzt. Sie ist mit Fresken aus der Zeit der Renaissance geschmückt.

Dann komme ich auf den Domplatz mit dem weiß leuchtenden Dom San Michele Arcangelo aus dem frühen 18. Jhdt.

Unter einem Blumenbalkon genieße ich den Prosciutto di San Danièle mit Melone.

Ich gehe an langen Baumreihen mit Maulbeerbäumen vorbei, deren Früchte noch einige Zeit brauchen werden. Der Spargel hingegen ist schon abgeerntet. Nur ein paar Nachzügler schießen noch aus der Erde. Die lasse ich mir roh und knackig schmecken.

Die Diskothek in Villanova hat schon bessere Zeiten gesehen.

Ich checke im „B&B  Osteria Villanova“ ein und beziehe mein Zimmer in Lavendel.

Das Gewitter lässt heute länger auf sich warten. Es hat ja auch einen weiteren Weg von den Bergen. Es dauert nur kurz und kühlt angenehm ab.

Vielleicht berichte ich euch noch vom Abendessen. Das soll hier nämlich ausgezeichnet sein.

Tagesstrecke: 27,3 km (wegen zweier Extraschleifen)

Bergauf: 98 m

Bergab: 136 m

13. Tag Freitag, 11. Mai 2018 Chiusaforte nach Gemona

Ein neuer Tag bricht an. Erstmalig verlasse ich schon um sieben Uhr das Haus, aber nur um 300 m weiter in der nächsten Bar zu frühstücken. Auf der SS13 geht es entlang einer Häuserzeile nach Villanova.

Mitten zwischen den Häusern kommt ein Bach aus einer Schlucht. Zur Zeit ist der Wasserfall ja romantisch. Nach einer Regenwoche sieht das sicher anders aus.

Innerhalb von wenigen Metern umspannen nicht weniger als vier Brücken die Fella. Die vierte ist die Autobahnbrücke hinter mir.

Um 9.10 Uhr kommen mir die ersten Radfahrer entgegen, die nächsten holen mich ungefähr zwanzig Minuten später ein.

Der Tunnel hat eine Länge von 942 m. Ein weiterer mit über 600 m folgt. Die Tunnel sind mit LED – Leuchten ausgestattet, die nur den Teil beleuchten, der gerade frequentiert wird (oder sie leuchten auch nicht – dann ist finster). Ich bin etwa so lange in dem Tunnel unterwegs, wie mit dem Auto im Plabutschtunnel. Die Ausleuchtung auf dem Bild täuscht. So hell war es nie. Das Ganze ist jedenfalls nichts für Klaustrophobiker.

Bei Moggio Udinese beginnt es kurz zu nieseln, aber nie so viel, dass ich an den Regenschutz denken muss. Die Berge schauen trotzdem freundlich her.

Für den Naturpark Prealpi Giuliae wird eifrig geworben.

Plötzlich endet der Radweg an einer orangen Absperrung. Es ergeben sich drei Möglichkeiten: 1. einen großen Umweg über Muggio Udinese zu nehmen. 2. auf der SS13 mehrere Kilometer auf dem schmalen Bankett zu gehen oder 3. etwas kreativ zu werden. Ich habe mich für letzteres entschieden, als ich gesehen habe, dass Baustellenfahrzeuge von der Gegenseite zufahren können.

So gehe ich auf der alten Straße, auf der gerade Felssicherungsarbeiten durchgeführt werden, 10 bis 30 m über der neuen SS13.

Als die alte Straße in die neue mündet, erkundige ich die Trasse des neuen Radweges entlang der Pontebbana – Trasse inklusive Tunnel.

Schließlich gelange ich ohne weitere Hindernisse auf den Radweg.

Carina ist wie ausgestorben. In einer Bar bekomme ich dann doch einen Kaffee. Die Kirche, dem Hl. Petrus geweiht, ist wie üblich geschlossen.

Ich komme jetzt in das Gebiet, wo die Fella in den Tagliamento mündet. Dämme sichern das Land vor Überflutungen.

Wer bin ich? Ich habe diese Orchidee auf der Wiese gefunden und habe keine Ahnung, was das ist.

Am Wegrand steht die Chiésa di Santa Lucía.

Wie es sich für einen Pilger gehört, werde ich mit Glockengeläut in Venzone empfangen. Bei den großen Erdbeben im Mai und September 1976 wurde die gesamte Region völlig zerstört. Alles, was man heute sieht, wurde aus den Überresten von damals rekonstruiert.

Das alte Rathaus und die Bürgerhäuser waren nur Schutthaufen.

Der Dom wurde beim Mai-Beben nur teilweise zerstört. Den Rest besorgte das September-Beben, wie das alte Foto zeigt.

Ich gehe durch von Robinienblüten süß duftende Auwälder des Tagliamentos.

Eine über 800 Meter lange Brücke überspannt das Überschwemmungsgebiet des Flusses, ohne dass man ihn zu sehen bekommt.

Endlich komme ich nach Gemona, das das gleiche Schicksal wie Venzone ereilte. Alles, was an Gebäuden zu sehen ist, wurde nach 1976 wieder neu errichtet.

Ich bekomme im Hotel Da Si-Si gerade noch ein Zimmer. Eine Viertelstunde später geht plötzlich ein schweres Gewitter nieder.

Danke Petrus, dass du solange damit gewartet hast.

Tagesstrecke: 30,2 km

12. Tag Donnerstag, 10. Mai 2018 Ugovizza nach Chiusaforte

Das Motto des heutigen Tages heißt: „Tunnel und Brücken“. Die beiden bestimmen heute den Weg.

Doch von Anfang an. In der Nacht hat es nach dem leichten Regen doch abgekühlt. Unsere Hausfrau stellt uns pünktlich um sieben Uhr das Frühstück auf den Tisch, dann verabschiedet sie sich und bringt ihren Sohn nach Tarvis in die Schule.

Wir brechen bald auf und gehen beim alten Bahnhof auf die Strecke. Der Himmel ist wechselnd bewölkt, ideal zum Wandern.

Heute folgen wir dem Lauf der Fella, die viele durch die Fella-Tunnel von der Autobahn her kennen. Noch ist sie ein kleiner Bach mit Potential.

Der Radweg verläuft fast zur Gänze auf der Trasse der ehemaligen Pontebbana-Bahn, die 1879 eröffnet wurde und ab 2000 gänzlich durch die neue Streckenführung abgelöst wurde.

Über, unter oder neben uns schlängelt sich die Kanaltal-Autobahn auf Brücken und durch Tunnels.

Der kleine Ort Malborghetto hätte einige Sehenswürdigkeiten aufzuweisen, liegt aber doch abseits vom Weg.

Gleich danach geht es in die ersten Tunnels. Die meisten der längeren Bauten sind schwach beleuchtet, manche überhaupt nicht.

Von den Seiten kommen Bäche mit starkem Schottergeschiebe heran.

Alle Wege führen nach Rom?… Zumindest die wichtigsten!

Bei Pontebba ist die babylonische Straßenverwirrung perfekt!

Der alte Bahnhof wird demoliert, der neue kleine Bahnhof reicht für das Aufkommen aus.

An der Brücke steht ein alter Entfernungsstein mit der Angabe in Myriametern, was 10.000 m oder 10 km entspricht, wie die schwedischen Meilen.

Die Stadt ist voller Radfahrer und Motorradfahrer, die hier Zwischenstation machen.

Wir schauen uns ein wenig in der Stadt um:

Beim Bürgermeister persönlich hole ich mir den Stempel für den Pilgerpass.

In der Kirche Santa Maria Maggiore steht ein wunderschöner gotischer Flügelaltar von 1517.

Dann heißt es Abschiednehmen von Ramiza, die des Asphalts überdrüssig wird und sich von ihrem Mann abholen lässt.

Ich möchte mich herzlich bei ihr, ihrem Mann und ihrer Familie für die nette Aufnahme und Gastfreundschaft bedanken. Es waren wieder neun interessante, unterhaltsame und spannende Pilgertage.

Zum Abschluss gibt es noch einen kunstvollen Capuccino.

Nach Pontebba wird das Tal noch enger und wilder.

Eine tolle Stahlbrücke führt in den letzten Tunnel vor der Bahnstation Chiusaforte.

Ich komme in der kleinen Pension „Al Cerbiatto“ unter.

Bei einem kleinen Spaziergang mache ich mich ein bisschen mit dem Ort vertraut.

Und: Wäschewaschen war bei dem schönen Wetter auch angesagt.

Tagesstrecke: 28,3 km

Bergauf:

Bergab:

11. Tag Mittwoch, 9. Mai 2018 Kranjska Gora/SLO nach Ugovizza/ITA

In der netten Pension „Livada“ habe ich den gestrigen Tag bei einem Glas Wein ausklingen lassen und war froh, dass wir diese Herausforderung so gut gemeistert haben. Danach kamen das Gewitter und heftiger Regen.

Heute sehe ich vorerst aus meinem Zimmerfenster nur dichten Nebel in etwa Giebelhöhe. Bald blitzen aber die ersten Gipfel der Berge um den Vrsic-Pass hervor.

Unsere gestrigen Begleiter wollen heute dort drüber (1611 m und angeblich zwei Meter Schnee neben der Straße).

Wir gehen es nach einem guten Frühstück ruhig an.

Auf dem Weg durch den Ort versuchen wir nochmals in die Kirche zu kommen, bleiben aber wieder ausgesperrt.

Von überall hört man Baulärm. Die kurze Zeit nach dem Ende der Wintersaison und dem Beginn der Sommersaison wollen alle für Renovierungs- und Umbauktionen nutzen.

Die Schipisten präsentieren sich in saftigem Grün.

In Podkoren (Würzen), wo jährlich der Schiweltcup Station macht, herrscht beschauliche Ruhe.

Auf der Trasse der ehemaligen Bahnlinie Tarvis – Mojstrana, ein Teilstück der ehemaligen Kronprinz-Rudolf-Bahn, gehen wir mühelos gegen Westen. Auch die alten Bahnstationen sind noch da.

Zwischendurch kommen uns Schiroller und Radfahrer entgegen. Eine Klasse begrüßt uns besonders freundlich.

An der Wasserscheide ist ein großes Feuchtbiotop, die Moorseen sind fast zugewachsen. Aus dem See von Radece wurde früher im Winter Eis gewonnen und mit der Bahn verschickt.

Bald wechseln wir von Slowenien nach Italien.

Die Steigungen auf der Strecke halten sich naturgemäß in Grenzen und öfters trifft man auf alte Zeugen wie die Stahlgitterbrücke oder das Bahnwappen auf einem Wärterhäuschen.

Zwischendurch holt uns die Jetztzeit ein: Eisenbahn und Autobahn vor Tarvis.

Wir kommen in Tarvis am Stadtbahnhof an. Die Bahn fährt fast durch die Kirche.

Die Kirche, die St. Peter und St Paul geweiht ist, hat eine schöne Ausstattung. Ihr Ursprung geht auf 1445 zurück, wenngleich sie ihre heutige Größe erst 1950 erhalten hat.

In der Vor-EU-Zeit war Tarvis ein begehrter Einkaufsort für viele Südösterreicher. Nach einer Stärkung verlassen wir die Stadt wieder auf der Bahntrasse in Richtung Udine.

Auf einem Berg entdecke ich den Monte Lussari. Bis heute ist das Santuario Madonna del Lussari ein Zielpunkt für Pilger aus Friaul, Julisch-Venetien ebenso wie aus Slowenien und Österreich.

Zum ersten Mal entdecke ich die Aufkleber „ROMWEG“ von Reinhold Giacomo Waldhaus, der kurz vor mir den Weg gegangen ist und mich mit wertvollen Tipps versorgt hat. Danke Reinhold!

Wir erreichen den alten Bahnhof von Ugovizza, einem kleinen Dorf. Man hat uns schon erwartet und deshalb das Gebäude festlich auch mit der österreichischen Flagge geschmückt.

Im August 2003 hat eine Fels- und Schlammlawine den Kirchturm unterspült und weggerissen.

Der kleine Ort hat viele verwinkelte Gässchen und ein paar interessante Gebäude.

Wir übernachten im B&B Le Genziane im Dorfzentrum.

Tagesstrecke: 27,5 km

Bergauf: 150 m

Bergab: 225 m

10. Tag Dienstag, 8. Mai 2018 Baumgartnerhof/Altfinkenstein nach Kranjska Gora /SLO

Der Tag verspricht schon am Morgen etwas Besonderes zu werden. Auch der nächtliche Ausblick auf Villach und den Faakersee ist gewaltig. In der Früh bietet das Licht ein tolles Schauspiel und gibt jeder Bergkette eine eigene Farbe.

Gleich vor dem Haus beginnt der Weg in Richtung Mitzi Moitzi-Hütte. Mindestens sechs andere Wanderer haben das gleiche vor wie wir, nach Kranjska Gora zu wandern. Sie kommen aus der Schweiz, aus Italien und aus Deutschland.

Ja, es ist steil. Ja, sogar sehr steil und vor allem immer steil. Rund 900 Bergauf-Meter und 1100 Bergab-Meter stehen auf dem Plan. Da auf der ehemaligen Schipiste eine familientaugliche Mountainbike-Strecke angelegt wird, ist auch der Wanderweg etwas ins Abseits gerutscht.

Aus der Ferne lacht der Wörthersee herauf. Der Himmel ist momentan bedeckt, was beim Wandern kein Nachteil ist.

Wasser gibt es genug. Der Schnee ist hier weiter unten gerade seit zwei Wochen weg.

Vorerst bestaunen wir die ersten Frühblüher.

Später können wir uns an den tausenden Schneerosen, Krokussen und anderen Blumen nicht sattsehen.

Der Anblick der leider nicht bewirtschafteten Hütte ist toll.

Die Kalkfelsen zerbröseln und erodieren.

Auf dem Sattel gelangen wir an die Grenze zwischen Österreich und Slowenien. Dieser Grenze folgen wir eine Zeit lang auf dem Alpe-Adria-Trail, der viele Weitwanderer anzieht.

Villach lässt grüßen!

Der Triglav lacht von der anderen Seite her.

Vor zwei Wochen lagen hier noch Berge von Schnee.

In der Schattseite und in Gräben bleibt auch für uns genug Schnee übrig.

Bergab erleichtert der Schnee das Fortkommen. Wir finden sogar Fahrradspuren bergab.

Schließlich gehen wir durch einen elendslangen Graben, wo sich der Bach nicht zwischen seinem vorgesehenen Platz und dem Weg entscheiden kann. Ein falscher Schritt und die linke Hosenseite ist nass.

Solche Bilder entschädigen einen für die Anstrengung.

Diese riesige Linde hat schon viele Wanderer vorbeiziehen gesehen.

Aus der Ferne sehen wir unser Etappenziel Kranjska Gora.

Kurz vor Erreichen der Talsohle steht eine renovierte Mühle am Bächlein.

Wir wähnen uns schon fast am Ziel, als sich der Weg wieder in den Wald schlängelt, um der Sava Dolinka auszuweichen.

Auch hier finden wir einen Jakobsweg.

Im Ort ist es sehr ruhig. Die Schisaison ist seit kurzem vorbei und man erholt sich.

Im Zentrum findet man keine großen, modernen Bauten, sondern eher alte Häuser.

Eine kräftige Stärkung mit einem isotonischen Ausgleichsgetränk auf Hopfenbasis haben sich die Pilger verdient.

Jetzt wacht schon der Nachtwächter über das Treiben im Ort.

Tagesstrecke: 15,2 km

Bergauf: 990 m

Bergab: 1100 m