13. Tag Samstag, 07. September 2019 St. Florian nach Gramastetten

Immer, wenn ich unterwegs gehe, fallen mir tolle Sprüche, Headlines und Gedanken ein, die ich am Abend in meinem Blog unterbringen möchte. Am Abend sind sie leider, wahrscheinlich in der Flut der Eindrücke, verschwunden. Trotzdem möchte ich nicht unterwegs stehenbleiben und mir sie notieren.
Dann eben ohne „Tageslosung“.
Nach heftigem Regen in der Nacht ist es zwar sehr nebelverhangen, aber nicht kalt. Der Marktplatz ist wie ausgestorben, aber das Frühstück war ausgiebig. Das garantiert schon einmal einen guten Start in den Pilgertag. Noch einmal gehe ich in die Basilika, wo ein Klavierstimmer zwei Flügel für das Nachmittagskonzert stimmt. Die Frontfassade ist so groß, dass sie kaum aufgenommen werden kann. Im Inneren schaue ich mir nochmals die Brucknerorgel an und komme auch näher an das Chorgestühl. Jetzt kreuze ich auch noch den österreichischen Jakobsweg, der von Wien nach Salzburg und Innsbruck führt. Mich zieht es Richtung Nordwesten. Die Wolken hängen tief. Mich beeindrucken die Bauernhöfe aufs Neue, die bei uns in der Steiermark als Schlösser oder Gutshöfe durchgehen würden. Wie lange dieses Land schon besiedelt ist, zeigt der Fund der „Venus von Ölkam“, die mit ihren 6500 Jahren zu den ältesten Figurdarstellungen gehört. Im Vergleich zur 30. 000 Jahre alten Venus von Willendorf ist sie allerdings ein junges Mädchen. Es ist vorerst völlig ruhig und friedlich, bis ich die Anhöhe überschreite. Plötzlich dröhnt der Verkehrslärm der noch fernen A1 und sorgt für Unruhe. In Ebelsberg Überqueren ich die Stadtgrenze von Linz. Ins Zentrum sind es sicherlich noch 8 km. Da stellt die Straßenbahn schon eine Versuchung dar, der es zu widerstehen gilt. Die verschiedenen Spurweiten auf einer Trasse sind ideal gelöst.
Neben der Pfarrkirche Linz-Ebelsberg steht ein modernes Pfarrzentrum und ein altes Schulgebäude mit einer Inschrift, die den Zeitgeist widerspiegelt. Mit der Überquerung der Traun beginnt es immer mehr zu nieseln. Für die Regenbekleidung zu wenig, fürs Nasswerden genug.Von den Anlagen der VOEST ist im Nieselregen kaum etwas zu erkennen.
Vorbei am modernen Bahnhof und am Linzer Musiktheater komme ich in die Linzer Landstraße, heiß umkämpft von allen DKT – Freunden in vordigitaler Zeit. Der Dom mit dem zweithöchsten Kirchturm Österreichs steht teilweise im Gerüst.
Das Landhaus mit seinem Renaissancehof ist ein Schmuckstück. Ich komme auf den Hauptplatz, um dort auf die nächste verkehrstechnische Versuchung zu stoßen, die Pöstlingbergbahn.Ich überquere die Nibelungenbrücke mit den benachbarten Schiffsanlegestellen und gehe am Ars Electronica Center (AEC) vorbei. Der Weg hinauf zur Basilika auf dem Pöstlingberg ist steil.Dafür ist dann das Erfolgserlebnis umso größer. Hier habe ich den oberösterreichischen Mariazellerweg, wenn auch in umgekehrter Richtung, vollendet.
Ab jetzt folge ich meinen Planungen durch das Mühlviertel, aber immer offen für spontane Änderungen, wie ich es gleich erlebe.
Der Donausteig Nord ist für kurze Zeit meine Orientierung. Asphaltstraßen, Forstwege und Wiesenpfade wechseln einander ab. Der Weg führt fast bis in die Wolkengrenze, während unten im Donautal die Sonne scheint. Die weißen Flecken sind hunderte Gänse, die bis zum Martinifest ein schönes Leben führen. Auf der alten „Linzerstraße“, einem Saumpfad, der als „Scherfweg“ schon im 12. u. 13. Jhdt. bekannt war, wurde Handel mit Böhmen betrieben. In Gramastetten, einer 5100 Einwohner – Gemeinde, ist für heute Schluss. Die Frühstückspension ist die einzige Unterkunftsmöglichkeit in der Gegend.

Das Zimmer ist klein, aber ausreichend für meine Bedürfnisse. Tagesstrecke: 32,0 km
Bergauf: 800 m
Bergab: 545 m

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