8. Tag Montag, 02. September 2019 Mariazell nach Lackenhof / Ötscher

Nach dem aufregenden Tag mit Pilger-Empfang, Gottesdienst und Abschlussachterl beim Pirker war ich schon gespannt, ob sich das Wetter an die Vorhersagen hält. Ab vier Uhr hat es ordentlich zu regnen begonnen. Auf dem Blechdach der Pension hört sich das gleich noch einmal so beeindruckend an.
Mit dem Frühstück lasse ich mir Zeit und gehe bei minimalem Nieseln aus dem Haus. Ich besuche nochmals kurz die Basilika, bevor ich Mariazell in Richtung St. Sebastian verlasse.
Die ersten Andenkenstände machen gerade ihre Rollläden auf.Die Wolken bzw. Nebelschwaden hängen noch tief, aber ich brauche keine Regenpelerine und es hat 15 °C. In St. Sebastian liegt der Bahnhof der Mariazellerbahn, einer Schmalspurbahn von St. Pölten nach Mariazell mit einer Spurweite von nur 760 mm. Diese Bahnlinie war eine der ersten, die elektrifiziert wurden. Gleich daneben schließt die normalspurige Erlaufseebahn an,
Ich folge wieder dem Weitwanderweg 06, nun dem Salzburger und Oberösterreichischen Mariazellerweg, aber in die Gegenrichtung. Fast hätte ich die Abzweigung übersehen.Die Erlauf ist nun kurzfristig meine Richtungsgeberin.Bei Mitterbach am Erlaufsee komme ich nicht nur nach Niederösterreich, sondern auch in den Naturpark Ötschermauern.
Die katholische Pfarrkirche wurde erst 1914/15 gebaut. Es gibt hier aber schon lange eine protestantische Tradition, die erst mit dem Toleranzedikt 1781 öffentlich wurde. Jetzt führt mein Weg in die Ötschergräben, die nicht zu Unrecht den Bären als Symbol bekommen haben. Heute hier als Tourist einen Bären zu sehen, wäre wohl eher eine Sensation als eine Gefahr. Die Erlauf wurde hier aufgestaut, um Strom für die Mariazellerbahn zu gewinnen. Immer wieder gibt es Kalkgebilde wie die Spielmauer, die mit Sagen verbunden wurden.

Entlang des Sees führt eine gut ausgebaute Forststraße, die mich bequem wandern lässt und Zeit fürs Schauen lässt.  Über eine Brücke komme ich an das andere Ufer.
Zuerst gibt es noch eine Forststraße, dann biegt der Weg steil ins Gelände ab.
Im Graben steht eine Replik einer Mühle, die früher in der Nähe betrieben wurde.
Von einem Felssporn aus gewinne ich einen ersten Eindruck der Ötschergräben.
Das glasklare Wasser wirkt fast unheimlich.
Die Jausenstation „Ötscherhias“ hat wie erwartet geschlossen und so setzte ich meinen Weg fort. Links und rechts türmen sich die Felswände aus recht brüchigem Gestein auf. Darunter haben Freiwille die Wege angelegt und mit Übergängen gesichert. An exponierten Stellen gibt es auch Seilversicherungen. Für die Durchwanderung sollte man schon trittsicher und schwindelfrei sein. Dann kommt, was in jedem „Naturfilm mit Niveau“ über wilde Wasserläufe vorkommen muss: die Wasseramsel.
Sie scheint mit der Gage nicht zufrieden zu sein, denn jedes Mal, wenn ich die Kamera zücke, verschwindet sie unter dem Stein, um sich kurz danach wieder heraußen zu präsentieren.

Am Fuße des Schleierfalls mache ich Rast und genieße die Ruhe. Gleich danach setzt leichter Regen ein, und der Wind weht das Wasser stoßweise von den Bäumen. Der Anstieg zum Spielpichler, einem Hof mitten im Wald, ist vorerst schon recht kräftig.
Danach wird es noch heftiger, denn der Waldboden ist durchnässt und sehr rutschig. Die richtig steilen Stellen kann ich nicht fotografieren, da habe ich mit dem Gelände genug zu tun.
Dann erreiche ich den Riffelsattel auf ungefähr 1280 m Höhe mit einer etwas eingeschränkten Fernsicht. Den Aufstieg zum Ötscherschutzhaus kann ich mir ersparen, denn entgegenkommende Wanderer berichten, dass es heute geschlossen hat.

Der Weg ins Tal führt teils auf der Schipiste, teils auf Forstwegen und teils im Wald. Ich bin froh, als die ersten Häuser von Lackenhof am Ötscher unter mir auftauchen. Im Ort ist zur Zeit nichts los, denn die Sommersaison ist mit 1. September abgeschlossen und die Wintersaison wird erwartet.

Im Sporthotel sind ein Paar aus Deutschland und ich die einzigen Gäste. Wir haben sogar gemeinsame Bekannte und tratschen viel länger als geplant. Ich habe ein großes Appartement für mich allein, die Zimmer werden gar nicht vergeben. Es war ein ereignisreicher Tag mit viel besserem Wetter als vorausgesagt. Der Weg war anstrengend, aber lohnenswert.

Tagesstrecke: 25 km
Bergauf: 740 m
Bergab: 790 m

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