Archiv für den Monat: Juni 2014

Tag 28 (Triacastela nach Sarria)

Nach dem gestrigen Sonnentag hängt vorerst Nebel über dem Tal. Die Entscheidung, welchen Weg ich heute nehme, fällt irgendwann am Morgen. Der kürzere führt recht gerade nach Sarria. Ich beschließe, den Umweg über das Benediktinerkloster Samos zu nehmen.

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Am Ortsausgang steht ein monumentaler Stein zum Jakobsweg. Der Weg führt gleich in eine kleine Schlucht.

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Tief unten rauscht das Wasser. Das Wasser ist glasklar wie meist auf unserem Weg.

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Bald zeigen sich blaue Flecken am Himmel und der Nebel scheint aufzureißen.

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Der Weg führt jetzt von der Straße weg hinein ins Hinterland. Kleinste Dörfer liegen am Weg, die meisten Häuser sind im Verfallen oder sind versperrt.

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Die Kirche von San Christovo do Real ist wie üblich geschlossen.

 

Überall am Fluss findet man alte Wehranlagen für Mühlen.

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Viehzucht ist hier die einzige erkennbare Einkommensquelle.

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Auf bequemen Waldwegen komme ich rasch vorwärts und nach  kurzem Anstieg und Abstieg liegt es vor uns: das Monasterio de San Julián i San Basilisa kurz Monasterio de Samos.

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Dieses Kloster ist eines der ältesten der westlichen Welt und wurde um das 5./6. Jhdt. gegründet. Zu Zeit ist es ein Benediktinerkloster. Ein Brand zerstörte die Anlage 1951 gründlich. Die Führung durch die Anlage gestaltet ein Pater auf Französisch und Spanisch äußerst humorvoll.

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Ich komme erst kurz vor Mittag zum Weitergehen. Es liegen noch fast 12 km vor mir. Leider geht dieser Weg praktisch neben oder auf der Straße quer durch die Hügellandschaft.

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Mitten in der Gegend steht zur Überraschung ein Getränkeautomat.

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Endlich ist Sarria erreicht und ein Schulklasse kreuzt meinen Weg.
Ich habe einen ordentlichen Hunger, den ich mit Pulpo, einem Nationalgericht bekämpfe.

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Über diese Treppe geht es dann in die Oberstadt, wo sich viele Herbergen und Restaurants befinden.

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Die neuere, untere Stadt ist eher uninteressant. Sarria hat mit der unmittelbaren Nachbarschaft ungefähr 13.000 Einwohner.

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Zum Abendessen gibt es Ensalada und Kaninchen.

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Tag 27 (La Faba nach Triacastela)

Um es gleich vorweg zu nehmen: dieser Tag ist der bisher schönste Tag, was Wetter, Landschaft und äußere Bedingungen betrifft!
Kurz vor dreiviertel Sieben verlasse ich die Herberge nach einem kleinen Frühstück. Es ist angenehm frisch aber nicht kalt, sodass ich mit einer Jacke leicht auskomme. Außerdem geht es gleich bergauf.

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Das Morgenlicht verleiht der Landschaft seinen eigenen Reiz.

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Die Fernsicht ist ausgezeichnet und von den Hängen hört man bereits das Muhen der Kühe.

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Auf dem Gegenhang liegt ein Bergbauernhof im Sonnenlicht.

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Wer früh aufsteht, kann große Schatten werfen.

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Bald ist die Provinzgrenze nach Galizien erreicht.

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Oben am Pass von O Cebreiro habe ich erstmals einen Blick nach Norden frei. Hier liegen noch dicke Nebel im Tal.

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O Cebreiro (1300 m) war ein bedeutender Ort und ist nach seinem Zerfall heutzutage ein „Museumsdorf“, das gut vom Jakobsweg lebt.

Bis die Kirche öffnet, stärke ich mich mit einem herzhaften Frühstück.

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Im Inneren der alten Kirche (8. Jhdt.) finden sich die Reliquien des Santa Milagro, des großen Wunders.

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Das Taufbecken ist noch für ein volles Eintauchen von Erwachsenen ausgelegt.

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Der weitere Weg führt durch kleine Wäldchen und über Wiesen.

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Von ferne leuchten rotviette Flächen von Erika her.

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Sogar Tannen wachsen hier.

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Eine botanische Spezialtät ist die Kuhfladria hispaniensis galiciae L., hier ein schon etwas verwelktes Exemplar.

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Manche Exemplare zeichnen sich durch besondere Affinität zu menschlichen Hosenboden aus.

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Nach dem höchsten Punkt, dem Alto do Polo mit 1342 m geht’s 13 km bergab!
Die Landschaft ist wunderschön, der Weg zeitweise sehr anstrengend.

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Kurz vor meinem Ziel Triacastela stoße ich noch auf ein Naturdenkmal, eine alte Edelkastanie.
Alter: etwa 800 Jahre, Stammumfang: ca. 8 m,Stammdurchmesser: ca. 2,7 m

Dann erreiche ich Triacastela (670 m) müde und hungrig. Das Gericht auf dem Tisch eines Gastes am Straßenrand regt mich an, Gleiches zu bestellen: Churasco.

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Damit war der erste Hunger einmal gestillt.

Tag 26 (Villafranca del Bierzo nach La Faba)

Der heutige Tag beginnt gleich etwas ambivalent.
Menos:
Im Hostel gibt es statt wie angekündigt um 7.00 Uhr erst um 8.00 Uhr Frühstück. Das ist mir eindeutig zu spät.
Die Abzweigung auf den Camino duro, einen Weg hoch über dem Tal,  ist mit NOT gekennzeichnet. Nicht nur ich gehe daher die Straße. Von den insgesamt 24 km Weg sind 22 km Asphalt und 2 km steiler Hohlweg.
Mas:
Der Himmel ist strahlend blau, keine einzige Wolke, ein Nebelschwaden, nur blau. Neben der Straße und der Autobahn fließt ein wunderschöner Fluss, der bis zum Ende der Tagesetappe ein kleines Bächlein ist. Auf der Straße, die ich entlang gehe, gibt es wenig Verkehr. Die kleinen Ortschaften liegen beschaulich am Weg. Leider sind viele Häuser zu Zeit nicht bewohnt.
Viele Kastanienwälder und Nussbäume prägen die Vegetation.  Gleich zu Beginn treffe ich Paolo und Pierre, später auch Anja.
Als ich in der Herberge ankomme, bin ich der achte in der Reihe. Die vielen anderen auf der Strecke hat es offenbar weiter nach O Cebreiro gezogen. Ich bin an meinem Tagesziel in La Faba (901 m). Die Herberge hier wird von Deutschen geführt. Alles ist wohl organisiert.
Ein kleines Bilderbuch:

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Über die Brücke geht’s ins Tal des Rio Valcarce.

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Die Flächen am Talgrund werden für Gemüsebau ausgenutzt.

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Das schmale Tal teilen sich Bach, Autobahn, Straße und Pilgerweg.

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Protest gegen Spanisch. Aus Pereje wird eben das galizische Perexe.

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In dieser Gegend fällt mir der Wagenbau mit der interessanten Deichsel auf.

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Früher sollen da nette Herren auf Pilger gewartet haben. (Nicht nur in Dürnstein)

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Das trifft heute nicht zu.

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Durch diesen hohlen Weg muss man kommen…

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Wenn man erst oben ist, ist alles viel schöner.

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Backpack in line…