Archiv für den Monat: Mai 2014

Tag 25 (Molinaseca nach Villafranca del Bierzo)

Ein kleiner kulinarischer Nachtrag zum gestrigen Abend:

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Butterweich….
Da die Herberge am Ortsausgang von Molinaseca liegt, erspare ich mir gleich ein paar hundert Meter. Über die verkehrsarme Straße geht’s auf eine kleinere Anhöhe, die den Blick auf die Umgebung freigibt.

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Im nächsten Tal liegt bereits Ponferrada.

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Dann kommt die Sonne hinter den Bergen hervor.

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Von weitem zeichnen sich die Basilika Nuestra Señora de la Encina und die alte Templerburg ab.

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Leider öffnet die Templerburg erst sehr spät, sodass ich auf eine Besichtigung verzichten muss.

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Die Kirche kann ich besichtigen.
Gleich beim Rathaus genehmige ich mir ein Frühstück.

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Dann geht es hinaus aus der Stadt. Ich (nicht nur ich) folge den Jakobsmuscheln, die im Boden die Richtung markieren und übersehe eine Abzweigung. Daher gehe ich auf dem „alten“ Weg weiter, der irgendwann ohne Markierung bleibt. Auf Nachfrage wird mir bestätigt, dass ich richtig bin. So gehe ich schließlich die ca. acht Kilometer lange kerzengerade Stadtausfahrt bis nach Camponaraya.

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Am Ortsausgang kehre ich in eine Bodega ein und bekomme einen herrlichen Wein ( DO Bierzo) kredenzt. Kein Vergleich mit den Tischweinen. Müsste ich nicht weitergehen,…
Über die Weinberge gelange ich nach Cacabelos, wo auch die Kommission zum Herkunftsnachweis der Weine der Region ihren Sitz hat.
In der Stadt findet man noch viele alte Bürgerhäuser, die heute oft einen heruntergekommenen Eindruck machen.

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Die Arkaden um die Plätze und Straßen sorgen im Sommer für angenehmen Schatten.
In den Kirchen finden sich immer die Statuen, die in der Semana Santa oder zu den Patronatstagen durch die Straßen getragen werden.

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Die Marienstatuen tragen fast immer echtes Haar.

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Nach ungefähr 35 Tageskilometern bin ich am Ziel, Villafranca del Bierzo.

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Und zum Abschluss wieder etwas Kulinarisches: eine Suppe auf galizische Art.

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Tag 24 (Rabanal del Camino nach Molinaseca)

Gestern bin ich noch zu Massage gegangen, um meinen Fuß behandeln zu lassen. Da war eine Physiotherapeutin am Werken. Nur Frau S. kann’s besser. Sie hat die Gelenke wieder für den heutigen Tag fitgemacht.
Heute gab es keinen Wind, die Berge schauten einladend zu uns herunter. Die Bedingungen waren gut.

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Die ersten Höhenmeter sind kein Problem. Rückblickend kann man weit ins Land schauen.

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Eichenbäume säumen den Weg und Ginster- und Erikasträucher geben ein buntes Bild.

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Dann kommt plötzlich leichter Nebel vom Berg herab. In Foncebadón auf 1433 m ziehe ich mir rechtzeitig das Regenzeug an, denn kurz darauf beginnt es aus dem Nebel stärker zu nieseln. Im Laufe des Vormittags soll daraus ein gemütlicher Regen werden.

Ich erreiche das Cruz de Ferro, das eiserne Kreuz, das für viele Pilger ein wichtiger Ort ist.

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Dort legt man einen Stein, den man von zu Hause mitgebracht hat, ab. Er soll etwas, für den Pilger Wichtiges symbolisieren.

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Ich habe ein Stück des schwarz-weißen Marmorblocks, das wir aus Schweden für Papa mitgebracht haben, mit und lege es zu den vielen anderen Steinen.

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Ich bin mir sicher, Papa hätte der Jakobsweg mit allen seinen Facetten gut gefallen.

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Eine kleine Kapelle bietet im Nebel ein wenig Unterschlupf.

Dann geht’s bergab. Es regnet sich ein, die Temperatur ist aber angenehm. Unter dem Regenzeug schwitzt man trotz Funktionswäsche und Goretex.
In El Acebo kehre ich ein und stärke mich, werde aber nur unwesentlich trockener.

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Umso unangenehmer ist es dann, das nasse Zeug wieder anzuziehen.

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Über uralte Wege, teilweise aus der Römerzeit geht es talwärts.

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Durch den Regen kann der Weg auch zum Bach werden.

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Es ist auffällig wie stark sich die Vegetation mit der Höhe verändert.

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Plötzlich tauchen die ersten Nussbäume auf und dann sogar ein uralter Kastanienhain, der mich an den alten Kastanienhof in Wetzelsdorf erinnert.

Sträucher mit auffallenden Blüten kann ich nicht zuordnen

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Die meisten sind schon abgeblüht.

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Als schließlich das Ziel, Molinaseca, aus dem Tal heraufgrüßt, schaut sogar wieder die Sonne aus den Wolken hervor.

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Über die alte Steinbrücke gelange ich in den Ort, der einen netten Eindruck macht.

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Am Weg kaufe ich Kirschen, die kurz zuvor noch auf dem Baum hingen.

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Tag 23 (Astorga nach Rabanal del Camino)

So früh wie heute bin ich noch nie aufgebrochen. Kurz vor halb sieben verlasse ich die Herberge begleitet von gregorianischen Chorälen ( aus dem Stift Heiligenkreuz). Ich habe große Probleme mit dem rechten Sprunggelenk, das in der Nacht zu schmerzen begonnen hat. So bewege ich mich eher schlecht als recht dem Stadtausgang zu und rechne mit dem Schlimmsten. Nach etwa drei Kilometern wird es etwas besser und nach fünf Kilometern kehre ich in Murias de Rechiwaldo in einer Herberge zum Frühstück ein.

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Der umgestaltete Bauernhof ist sehr rustikal, aber das Frühstück ausgiebig. Zwei jüngere Amerikanerinnen aus dem Süden schwärmen mir von Sounds of Music vor und können nicht verstehen, dass mich das nicht aufregt.

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Über Feldwege wandere ich jetzt durch Gelände, das kaum noch landwirtschaftlich genutzt wird. Feinblütige Ginster beherrschen die Landschaft.

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Nach ungefähr zwei Stunden gelange ich nach Santa Catalina de Somoza, das bereits auf 980 m liegt.

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Der Ort muss erst aufwachen, ich sehe ein paar Mütter, die ihre Kinder zum Schulbus bringen.
Mit einem jungen Deutschen, der sich als Thai-Box-Profi ausgibt,  wandere ich weiter. Mein Fuß hat sich vorerst beruhigt. Ich beschließe aber sicherheitshalber im nächsten Ort, Rabanal del Camino (1150m) für heute aufzuhören. Da ist die Unsicherheit mit dem Fuß, dann ist der Berg vor uns in Nebel gehüllt und die Unterkünfte im nächsten Ort sind nicht gerade gut beschrieben. Mein Begleiter geht weiter. Ich treffe wieder eine Pilgerin der ersten Etappen und wir warten bei guter Verpflegung auf das Öffnen der Herberge.

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An der Hauptstraße liegen sogar drei Restaurants und zwei Supermärkte.

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Die bestehen aus jeweils einem einzigen Raum und haben ein überteuertes Angebot für Pilger.
Ich schaue mich ein bisschen im Ort um, der zwischenzeitlich schon sehr verfallen war.

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Ruinen prägen das Bild abseits der Hauptstraße.

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Dieses wunderschöne Tor führt ins Nichts hinter der Mauer.

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Trotzdem gibt es überall Blumen.

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Von nicht weit weg leuchtet ein schneebedeckter Berg, der 2150 m hoch sein soll.

Tag 22 (Hospital de Óbrigo nach Astorga)

Nach dem gestrigen langen Marsch mit über 37 km habe ich mir heute eine Belohnung verdient. Nach ungefähr 18 km ist für heute Schluss.
Die Landschaft wird schon hügeliger. Es gibt wieder vereinzelt Obstbäume und kleine Weingärten.

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Unterwegs findet man immer wieder Erinnerungen an den Jakobsweg, die oft recht witzig sein können.

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Eine Spanierin und ein Spanier haben unterwegs seit mehreren Jahren in the middle of nowhere einen Erfrischungsstand, wo sie Biosäfte, verschiedenes Obst, Kaffee etc., natürlich nur gegen Spenden, anbieten.

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Die hat wohl ein Pilger vergessen. Solche Schuhe wurden von der Landbevölkerung um Leon getragen.

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Eichenwäldchen zeigen die geänderte Vegetation an.

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Auf großen Flächen wurden Kiefern ausgepflanzt. Die ursprüngliche Bodenvegetation wurde dadurch völlig verändert. Es gibt keinen Thymian mehr und auch die wilden Lavendel mussten weichen.

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Ob diese „Kieferfelder“ zur Holz- oder Energiegewinnung angelegt sind, kann ich nicht herausfinden. Vielleicht sind es auch CO2 – Ausgleichsflächen.

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Dann erreiche ich das Steinkreuz von Santo Toribio, von wo man einen Blick auf Astorga werfen kann. Es sind immer noch rund sechs Kilometer ans Ziel.

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In der Stadt gibt es angeblich seit 1471 dienstags immer einen Markt. Das nütze ich, um mich vom tollen Angebot an frischem Obst und Gemüse und an Fleischwaren und Käsen zu überzeugen.

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Auch Stockfisch in verschiedenen Qualitäten wird öfters angeboten.

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Der Nachteil der Wanderei ist, dass man alles, was man kauft und nicht gleich wegisst, tragen muss.

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Da belasse ich es bei einem Tagesbedarf an Pfirsichen.
Auf dem Rathaus schlagen zwei Figuren die Stunden an.

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A. Gaudi wurde eingeladen, den abgebrannten Bischofspalast neu zu gestalten. Nachdem der auftraggebende Bischof dahinschied, war es aus mit der Gaudi. Man zerstritt sich mit dem Meister und das Gebäude wurde erst viel später fertiggestellt.

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Die edel auf Schieferplatte servierten Tapas möchte ich euch nicht vorenthalten.

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Tag 21 (Leon nach Hospital de Obrigo)

Zum ersten Mal auf dem Camino habe ich verschlafen! Wir, zwei Deutsche, ein Holländer und ich hatten für sieben Uhr das Frühstück geordert. Als ich aufwachte, war es fünf vor Sieben. Da die Frauen vom Haus sich solche Mühe geben, will ich nicht unpünktlich sein und beeile mich. Es gibt wieder alle möglichen Sachen zu Auswahl. Die Schwester, die uns betreut, kommt aus Kenia und studiert wie ihre Kolleginnen an der Universität von Leon.
Um 7.45 Uhr breche ich auf. Den Weg vorbei an der Kathedrale und an San Isidoro bis zum Hostal de San Marco bin ich gestern schon gegangen. Dann geht es auf der Straße zur Stadt hinaus.

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Viel los ist nicht, obwohl heute normaler Arbeitstag ist.
Dann geht der Weg auf einen kleinen Hügel, wo mitten in der Stadt diese Erdhäuser zu finden sind. Welche Funktion sie haben, war für mich nicht herauszufinden. Manche scheinen bewohnbar zu sein.

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Auch später treffe ich auf solche Bauten, aber die waren nicht in so gutem Zustand.

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Im letzten Vorort von Leon, in Virgen dei Camino, wäre ich fast an der Hauptattraktion vorbeigegangen. Vorbei an einer unscheinbaren Seitenfasade erblickt man den Eingang zur gleichnamigen Kirche. Der gesamte Innenraum ist schlicht modern gehalten. Die gesamte Aufmerksamkeit richtet sich auf den barocken Hochaltar mit der Marienstatue. Für mich eine einzigartige Zusammenführung von alt und neu.

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Durch neue Autobahnen sind die Pilgerwege leicht verlegt worden. Ich finde die richtige Abzweigung, während andere 25 km neben der Autobahn gehen. Mein Weg führt wieder auf die Ebenen der Meseta. Der Weg ist heute abwechslungsreich und es gibt kaum Wind.

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Die wenigen Felder werden erst jetzt bebaut. Das gibt ein Festmahl für die Störche, die dem Pflug hinterhereilen. Die rote Erde ist typisch für das Land.

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Ich habe unterwegs wieder den netten deutsch-russischen Pilgerkollegen getroffen. Wir haben den gleichen Rhythmus und dasselbe Tempo und merken nicht wirklich, wie rasch wir weiterkommen. Wir überqueren die auf alten, römischen Fundamenten errichtete Brücke über den Rio Órbigo und gelangen in das Städtchen Hospital de Órbigo.

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Der kleine Ort hat einige schöne Herbergen und Restaurants.

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Hier erhalten die Begriffe Licht an- und abdrehen wieder ihre ursprüngliche Bedeutungen.

Tag 20 (Puente Villarente nach Leon)

imageNach der gestrigen, längeren Etappe kam heute die Belohnung: Später aufstehen, frühstücken und losgehen.
Das Wetter meint es gut mit mir. Die Sonne wärmt bereits und Wind gibt es auch keinen.

Wenngleich die Bar noch geschlossen hat, sie soll ein gutes Zeichen für den heutigen Tag sein.

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Der Weg schlängelt sich sanften Hügeln entlang. Die Vegetation besteht vor allem aus kleinen Büschen und Sträuchern, die mit wildem Thymian und Blumen durchsetzt sind.

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Die Störche lassen keinen Platz aus um in sicherer Höhe zu nisten. Manchmal sind bis zu vier Horste auf engem Raum beisammen.

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Der Weg führt etwas abgesetzt, aber parallel zur Hauptstraße.

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Immer mehr Firmensitze zeigen die Stadtnähe an. Endlich komme ich über den letzten Hügel und vor mir liegt Leon.

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In Puente Castro, einem Stadtteil von Leon überquere ich den Rio Torio und stehe wenig später vor der Stadtmauer.

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Zehn Minuten später stehe ich vor der Catedral de Leon, die im reinsten frühgotischen Stil errichtet wurde.

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Bevor ich mich noch um Kunst und Kultur kümmern kann, muss ich meinen Rucksack los werden. Ich finde im Konvent Trinitatis ein kleines und feines Zimmer mit Bad zu einem Preis, zu dem bei uns der Wirt nicht einmal die Schank verlässt. Zudem wird man umsorgt und nach seinen Wünschen gefragt.
Dann kann ich die Stadt erkunden. Auch früher gab es bereits Nobelherbergen wie zum Beispiel daß Hostal de San Marcos, das früher vom Orden der Santiago-Ritter betrieben wurde.

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Ob dort im 16. Jhdt. einfache Pilger aufgenommen wurden, wage ich zu bezweifeln. Heute ist ein staatlicher Parador, eine Luxusabsteige mit historischem Flair.
Die Kirche San Isidorio mit dem angeschlossenen Pantheon de los Reyes ist sehenswert. Im Museum ist der Achatkelch der Doña Urraca zu bewundern, der nach letzten Forschungen als derHeiliger Gral gelten kann.

Auch mit dem katalanischen Architekten Antonio Gaudi hat man hier mit seinem Casa de Botines Kontakt.

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Er schuf dieses neugotische Bauwerk Ende des 19. Jhdt. Heute ist es Sitz einer Bank.

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Sonntagmittag sieht man viele Einheimische, die sich in der Stadt in und vor den vielen Vages unterhalten.
Den Abend werde ich sicher bei einem guten Abendessen verbringen. Ob sich die Lichtspiele bei San Isidoro um 11 Uhr nachts ausgehen, wage ich zu bezweifeln, obwohl uns die Schwester an der Pforte es uns nahegelegt hat.

Tag 19 (Bercianos del Real Camino nach Puente Villarente)

Heute steht wieder ein Tag auf der Meseta an. Wir bewegen uns hier immer auf einer Höhe zwischen 800 und 900 m Seehöhe. Heute ist der Himmel klar, man sieht ganz leicht den Hauch. Der Wind ist weg! Zum Frühstück gibt es ein Buffet. Es gibt zwar keine Wurst oder Käse, aber für spanische Verhältnisse ist die Auswahl enorm. Zum Abschied geht die Hostalliera noch mit zum Gartentor, fragt, ob man wohl genug Wasser mit hat und wünscht „Buon Camino“.

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Wie gewohnt, lange gerade Strecken, kaum Verkehr auf den Straßen und perfektes Wanderwetter. In dieser Landschaft sind es die kleinen Dinge, die das Besondere ausmachen. Die Weite kann ohnehin nur mit der Prärie in den Staaten konkurrieren.
Aber überall finden sich Vögel oder Blumen, die auf sich aufmerksam machen.

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So vergehen die ersten 20 km im Nu.
In Reliegos landen wir in Elvis‘ Bar und bekommen vom Chef, der etwas freeky ist, ein Stück Käse zum Bier. Meinem chinesischen Begleiter ist die Kamera zu Boden gefallen und lässt nicht mehr auslösen. Er will ein Buch über die Kirchen am Jakobsweg verfassen und ist total fertig. Bis zum Abend kann er das Problem lösen und er strahlt mir wie immer entgegen.

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Von Ferne leuchten ein paar Orte entgegen, begrenzt von den Cantabrischen Kordilleren, die über 2600 m hoch sind. Kein Wunder, dass sie nach diesem Wetter eine Schneehaube tragen.
Weil es heute so angenehm zu wandern ist, Sonnenschein mit einem Hauch einer kühlen Brise, komme ich bald nach Mansilla de las Mulas. Diese Stadt, am Rio Esla gelegen, war schon zur Römerzeit für die Gegend sehr bedeutend.

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Heute stehen noch teilweise die alten Stadtmauern, von denen der Ort im Geviert umgeben war.

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Da es noch früh ist und nicht zu heiß, entschließe ich mich noch bis zum nächsten Ort zu gehen. Wieder spanische Verhältnisse: Landstraße und daneben abgesetzt der Pilgerweg. Sechs Kilometer, vollkommen gerade und eben. Dann kommt endlich der Ort, den ich erhoffte. Es war ein anderes Dorf. Ich war erst fünf Kilometer gegangen. Besser als Verlaufen. Bei Puente de Villarente überquere ich über eine neue Fußgängerbrücke den Rio Poma, die parallel zur mittelalterlichen Steinbrücke angelegt wurde.

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Das Wasser ist sehr kalt, kommt es ja auch direkt aus den nahen Bergen.
Ich einer Herberge bekomme ich ein schönes Zimmer und gute Verpflegung.

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Im Garten lassen es sich die Pilger gut gehen und bereiten sich auf den neuen Tag vor.

Morgen ist es nur etwa zwölf Kilometer nach Leon. Da haben sich die heutigen 32 km ausgezahlt.

Tag 18 (Ledigos nach Bercianos del Real Camino)

Nachtrag zum gestrigen Tag:
Die Hälfte der Strecke von Saint Jean Pied de Port nach Santiago kurz vor dem Streckenziel erreicht!
Es gibt immer verschiedene Angaben zur Länge des Weges nach Santiago, ich beziehe mich auf die Angaben nach dem Rother-Führer.
imageNun zum heutigen Tag:
Acht Stunden war der Gerhard krank, jetzt (s)läuft er wieder! Gott sei Dank!

Nach viel Schlaf, ein bisschen Abendessen und einem Standardfrühstück starte ich sehr vorsichtig.

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Es ist strahlend schön, aber wieder windig. Kein Vergleich zu gestern. Wenn der Pilger seinen Schatten scharf sieht, passt das Wetter. Damit der Wunsch meiner Schwester nach einem Bild von mir erfüllt ist.

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Ich komme recht bald in meinen Rhythmus und genieße die freie Landschaft, die durchaus nicht eintönig ist. Die vielen Grüntöne sind toll und könnten einen Maler sicherlich inspirieren. Ich komme viel schneller nach Sahagún, wo ich auf einen Begleiter treffe.

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In Sahagún besichtige ich eine alte Kirche, die im Stil durch die Mauren beeinflusst wurde. Viele alte Bauwerke wurden nicht nur restauriert, sondern renoviert. Am Plaza mayor genehmige ich mir ein zweites Frühstück.
Da es noch recht früh ist, beschließe ich weiter zu gehen. Ich merke, dass die Kraft zurückkommt und nehme mir in  Bercianos del Real Camino ein Zimmer. Neben mir wohnt ein Priester aus Peking, den ich schon seit Pamplona immer wieder treffe.

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Aus der Ferne leuchten die frisch angeschneiten Cordillera Cantabria herüber.

Überall gibt es Storchnnester. Die Jungstörche sind schon so weit entwickelt, dass sie mit ersten Flügelübungen beginnen. Bald ist es ja zu heiß, um genügend Futter für die Aufzucht zu finden.

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In den Dörfern findet man oft Überreste von Adobe-Bauten. Diese Bauten aus ungebrannten Lehmziegeln und Verputz aus Lehm-Stroh-Gemisch haben den Nach-/ Vorteil, dass sie sich nach einer Zeit selbst recyceln.

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Heute werden wieder Gebäude in diesem Stil errichtet, wenngleich der Unterbau aus gebrannten Ziegeln besteht.

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Tag 17 (Carrión de los Condes nach Ledigos)

imageDer heutige Tag hat es in sich. Um sechs Uhr schüttet es. Es geht starker Wind. Um sieben ist es noch nicht viel besser. Ich beschließe mit meinem Begleiter den Abmarsch möglichst lang hinauszuzögern. Als wir kurz vor acht losziehen, regnet es kaum. Dafür weht der Wind. Das bekommen wir vor allem nach dem Ortsende in voller Wucht zu spüren. Um die 50 km Windgeschwindigkeit werden uns den ganzen Vormittag von vorne oder leicht links treffen. Die Strecke von ca. 18 km ist kerzengerade und hat keinen Windschutz. Es gibt auch keine geeignete Raststation, sodass man bei diesem Wetter zum Durchgehen gezwungen ist.

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Zudem haben sich kurzfristig Verdauungsprobleme eingestellt, die zwar rasch beseitigt sind, aber mich nicht an Frühstück denken lassen.

In Calzidilla de la Crueza wärme ich mich Tee auf, ehe ich im Pensionistetempo nach Ledigos schleiche. Die einzige Herberge ist meine, leider gibt es keine Zimmer mehr, nur das Lager. Zwei Stunden Schlaf bringen die Kräfte wieder.
Unterwegs treffe ich meinen ersten Pilger, der mit einem Pferd von Pamplona aus unterwegs ist.

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Er berichtet von seinen Problemen mit der Unterbringung und dass er praktisch immer im Zelt schläft.

Tag 16 (Boadilla del Camino nach Carrión de los Condes)

Gestern hatte ich noch die Möglichkeit, mit dem Herbergsbetreiber in Boadilla über das Leben in diesem Landstrich zu sprechen. Der Ort hat zwischen 80 und 100 Einwohner. Schule gibt es schon lange keine mehr, die Grundschüler müssen nach Frómista, die Älteren nach Carrión fahren. Es gibt kein Geschäft und sonst keine Versorgung. Die Kirche wird für die Touristen 2 Stunden am Abend geöffnet. Arbeitsplätze bietet der Camino für ein paar Leute vom Frühling bis zum Herbst. Sonst gibt es nichts.
imageAm Morgen nach einem kurzen Frühstück ziehe ich los. Die gute Entscheidung: Ich ziehe bald die Regenjacke an und gebe den Regenüberzug über den Rucksack. Die schlechte: Ich verzichte auf die Regenhose.
Bald beginnt es zu nieseln und wie im Wetterbericht leicht zu regnen. Der Wind treibt den Regen von der Seite her und die Hose ist bald nass.
imageDer Weg führt am Treidlpfad des Canal de Castllia entlang und ist sehr angenehm zu gehen.

Diese Wasserstraße wurde von 1753 – 1859 gebaut und verbindet über verschiedene Flusssysteme das Mittelmeer mit dem Atlantik. Der Bau hatte der Gegend ein wenig wirtschaftlichen Aufschwung beschert. Später hatte der Eisenbahnbau ähnliche Effekte.
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Leider sind die Schleusensysteme wie hier bei Frómista nicht mehr in Betrieb, sodass die Schifffahrt nicht mehr möglich ist.
Heute hängen die Bewässerungssysteme am Kanal.
image In Frómista versuche ich, eine zweite Pilger-Credential zu bekommen. Fehlanzeige! Auch der Besuch der Kirche scheitert – geschlossen!

Auch Frómista gehört zum Weltkulturerbe. Ich habe keine Gelegenheit gefunden, herauszubekommen warum.

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Der nächste Abschnitt führt entlang einer wenig befahrenen Straße durch die weite Landschaft. Der Regen wird zuerst stärker, lässt aber dann ganz nach.
imageIn Revenga de Campos – klingt großartig, ist aber nur ein Dorf, beschließe ich Pause zu machen und mich zu stärken.

Danach geht es zurück auf den Weg. Die Sonne kommt heraus, aber der Wind bläst ganz ordentlich, sodass ich die Wetterjacke anlasse.

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imageNach Villalcázar de Sirga mit einer tollen, endlich einmal offen Kirche ziehen plötzlich dicke Wolken auf. Kein Baum, keine Brücke nichts. Es beginnt zu regnen, der Wind peitscht die Tropfen, unter die sich schließlich feine Hagelkörner mischen,  von der Seite her.
Das Spektakel dauert etwa fünf Minuten, dann wird es wieder besser.

Kurz vor dem Erreichen des Ortseingangs von Carrión de los Condes beginnt das gleiche nochmals. Beim Ortseingang scheint wieder die Sonne.

imageHeute sind wir in einer sehr bequemen Klosterherberge untergebracht und ich erkunde die Stadt und finde auch was zu essen: Matrimonio von irgendwas – die Hochzeit von eingelegten Sardellen und Salzsardellen in Tomatenmarinade mit Brot. Vielleicht finde ich heraus, wie das Gericht wirklich heißt. Geschmeckt hat es auf jeden Fall.

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Es gibt richtiges Aprilwetter, einmal regnet es, dann scheint wieder die Sonne. Nur der Wind hat Bestand. Hoffentlich sind meine Schuhe morgen einigermaßen trocken.