Archiv des Autors: Gerhard Pierer

28. Tag Samstag, 26. Mai 2018 Heimreise Bologna – Graz

Es schläft sich gut, wenn man weiß, dass man das Ziel erreicht hat. Das meine ich nicht nur von der sportlichen Seite her.

Obwohl im Hotel das übliche Frühstück zu bekommen ist, gehe ich trotzdem außer Haus und suche mir ein altes Café.

Die große Via Ugo Bassi ist für den Verkehr gesperrt. Dafür sind Kaffeehaustische aufgebaut.

Anschließend gehe ich zum Mercato d’elle Erbe, dort wo ich gestern Abend gegessen habe. Die Händler richten gerade ihre Ware für den Verkauf.

Auch für den täglichen Bedarf gibt es fast alles.

Bologna war im Jahr 2000 Kulturhauptstadt Europas. Daran erinnern viele in den Boden eingelassene Messingplaketten.

Auf dem Weg zum Bahnhof komme ich noch beim Markt auf der Piazza dell‘ 8 Agosto vorbei. Schuhe und Textilien stehen im Vordergrund. Die Textilien werden vor allen in Wühlkisten angeboten, gerade so, als ob die Kleider von der Carla-Sammlung sortiert werden.

Die Händler mischen so richtig auf.

An mir kommt keiner vorbei!

Ich nehme den Frecciarossa, den Roten Pfeil, der auf manchen Strecken bis 300 km/h fahren könnte. Auf der Strecke nach Padua – Venedig-Mestre sind aber maximal 170 km/h drin.

Trotzdem vergehen die Kilometer wie im Flug. Vergleich: bis Rovigo 43 Minuten gegen 4 Tage; Monselice 61 Minuten gegen 5 Tage.

In Venezia-Mestre steige ich in den ÖBB – Bus nach Villach um.

Beim Überqueren des Tagliamento nur ein paar Kilometer südlicher als ich ihn querte, erinnere ich mich an den interessanten Tag bis Pravisdomini.

Von Villach nach Klagenfurt geht’s mit der Bahn.

Next station:

Und jetzt wieder mit dem Bus bis Graz, wo meine „Bodenstation“ auf mich wartet. Heimkommen und erwartet werden ist immer schön.

Ein großes Danke an Heidrun, die es so lange ohne mich aushalten musste und meine Berichte immer von überflüssigen Bestreichen befreit und die Autokorrektur besiegt hat.

Ein Danke an euch Leserinnen und Lesern für eure Geduld, Ausdauer und Kommentare.

Bis zum nächsten Mal!

An guatn Weg!! Buen Camino ! Bom caminho! Buon cammino !

27. Tag Freitag, 25. Mai 2018 San Pietro in Casale nach Bologna

So früh wie heute bin ich heuer noch nie weggegangen. Die Alberge Melograne hat viele Fernfahrer als Gäste. Da gibt es ab sechs Uhr Frühstück. Das habe ich ausgenutzt, um der vorhergesagten Hitze zu entgehen.

Das Buffet für die Reiher ist angerichtet. Eine große Fischzuchtanlage lockt die Vögel an.

Nicht weit davon führt der Weg durch ein großes Schutzgebiet, das in einem ehemaligen Reisanbaugebiet angelegt wurde. Die Natur hat sich die Flächen zurückgeholt.

Wenn nur die Maulbeerbäume mit ihren süßen Früchten nicht wären! Da kommt man einfach nicht weiter. Hier sehe ich einige sehr alte Exemplare. Die Verbreitung der Maulbeerbäume ging wohl mit der Seidenproduktion einher.

In Bentivoglio steht ein ehemaliges Kastell, in dem heute ein Krebsforschungsinstitut untergebracht ist.

In Castel Maggiore besuche ich die moderne Kirche S. Bartolomeo di Bondanello, deren Grundstein 2005 gelegt wurde.

Auf einer Bühne werden weit über 100 Kindergartenkinder von einem Animateur auf eine Vorführung vorbereitet.

Ich hatte befürchtet, dass sich der Weg in die Stadt endlos durch Häuserschluchten ziehen wird. Weit gefehlt! Ich gehe entlang eines ehemaligen, schiffbaren Kanals aus dem Jahr 1548 direkt bis zum Stadtzentrum. Sogar die Reste von alten Schleusenanlagen (sicher neuer als 1548) sind noch zu sehen.

In einem Park stehen mehrere ähnliche Sitzgruppen.

Hier entsteht der neue Marconi-Express, ein Peoplemover, der das Stadtzentrum mit dem Flughafen verbindet. Er soll 2019 in Betrieb gehen.

Im Bahnhof besorge ich mir gleich das mir noch fehlende Zugticket bis Mestre.

Durch die Via VIII Agosto gehe ich direkt auf die Piazza Maggiore, wo ich beim Neptunbrunnen meine Ankunft feiere.

Nach einem kurzen Besuch im Dom gehe ich ins nahegelegene Quartier, ca . 250 m von der Piazza Maggiore entfernt.

Eine kleine Siesta bringt Erholung, bevor ich mich ein bisschen im Zentrum umschaue.

Der Palazzo Comune ist ein riesiger Bau mit vielen Eingängen und wirkt wie eine Burg.

Im Hintergrund steht, von außen eher unscheinbar, der Dom. Tatsächlich ist es aber die fünftgrößte Kirche der Welt (nach der Kubatur berechnet).

Die Basilika ist dem Hl. Petronius geweiht – nicht der indonesischen Ölfirma.

Ich habe die Möglichkeit mit dem Bauaufzug bis zur Dachgleiche zu fahren. Die Treppen lasse ich weg – ich bin ja nicht mehr auf dem Pilgerweg.

Von dort habe ich eine tolle Aussicht auf die Altstadt.

Auf vielen Plätzen stehen Skulpturen.

In den Gassen herrscht reges Treiben. In dem Viertel sind Essen und Trinken angesagt.

Nein, die Türme sind wirklich so schief. Nach den viele Kilometern des heutigen Tages erspare ich mir eine Besteigung, obwohl ich vom letzten Mal weiß, wie spannend das ist.

Heute ist Knödeltag: Als Vorspeise gibt es Mortadella-Knödel auf Gorgonzolaschaum. Die Hauptspeise bilden Kaninchen-Bohnenknödel auf Paprikacreme. Als Nachtisch stehen Tiramisu-Knödel auf dem Programm.

Tagesstrecke: 32,4 km

Bergauf: 51 m

Bergab: 6 m

26. Tag Donnerstag, 24. Mai 2018 Ferrara nach San Pietro in Casale.

Strahlend blauer Morgenhimmel empfängt mich. Da heute eine längere Strecke geplant ist und die Temperaturen steigen, gehe ich früh weg. Im Zentrum gönne ich mir ein Standardfrühstück, doppelter Espresso und Croissant.

Die Uhr ist heute noch nicht gestellt worden.

Die menschenleeren Gassen und Plätze haben auch ihren Reiz. Die Straßenreinigung hat bereits ganze Arbeit geleistet.

Durch die alten Mauern geht es in die Vorstadt.

Auch hier kam Wasser zur Sicherung der Stadt zum Einsatz.

Mehrere Kilometer weit führt jetzt die Via Bologna gerade aus der Stadt heraus.

Direkt an der Hauptstraße steht ein altes Gebäude, das auf den ersten Blick wie ein Bahnhofsgebäude aussieht. Es war ein Verwaltungsgebäude der Strato Statale 64 (SS64), die von Ponte Petri bei Pistoia, über den Apennin, Bologna nach Ferrara führt. In Zeiten der Autobahnen ist die Straße nur mehr von lokaler Bedeutung.

Es grünt und blüht.

Durch die vielen Bewässerungskanäle ist das Land hier intensiv landwirtschaftlich genutzt. Weizen, Mais und Soja gedeihen auf den Feldern, die durch große Obstkulturen mit Birnen und Marillen unterbrochen werden.

Nicht alle Kanäle haben einladendes Wasser.

Die Birnen brauchen noch eine Zeit lang.

Auf einem Erdbeerfeld werden die Erdbeeren im Knien geendet. Die Kisten mit den geernteten Früchten werden weitergeschoben. Keine fröhlichen, Lieder trällernde Frauen wie in der Werbung, sondern ein Knochenjob auf Menge und Zeit.

Der Fiume Reno wird durch diese Brücke überspannt.

Nach Malalbergo, einem kleinem Ort, gehe ich wieder abseits der Straße. Hier sind schöne Graureiher meine einzige Ablenkung.

Wieder quere ich die Autobahn A13 von Padua nach Bologna. Es ist unvorstellbar, in welcher Frequenz die LKW hier fahren.

Die kleine Lokalstraße führt an einem Sumpfgebiet vorbei und ich komme, früher als erwartet, im Quartier an. Das nächste wäre 14 km weiter.

Tagesstrecke: 27,7 km

Bergauf: 18 m

Bergab: 24 m

25. Tag Mittwoch, 23. Mai 2018 Polesella nach Ferrara

Noch zum gestrigen Abend: ich habe in einem Restaurant direkt auf dem Po gespeist. Leider gab’s nur Pizza, aber die war gut.

Dann legte direkt vor der Haustür ein 110 m langes Kreuzfahrtschiff an, um dort bis zum nächsten Morgen liegen zu bleiben.

Heute bin ich sehr früh aus dem Haus. Frühstück hätte es erst um acht Uhr gegeben, da war mir eine frühe Ankunft im Ziel wichtiger.

Gleich zu Beginn geht es über die recht renovierungsbedürftige Brücke über den Fluss, der hier in der Mitte bis 20 Meter tief sein soll. Wenn die Brücke den LKW aushält, wird sie unter mir wohl nicht zusammenbrechen.

Der Ausblick über den Fluss lädt eigentlich zum Verweilen ein.

Nun geht es einige Kilometer auf guter, verkehrsfreier Straße am Damm entlang.

Der Fluss ist manchmal breiter, manchmal schmäler, aber immer mächtig.

Auch die Dammhöhe ist beeindruckend. Wann die aktuellen Dammschüttungen vorgenommen wurden, konnte ich nicht herausfinden.

Fischfang war früher eine wichtige Einnahmequelle der Bevölkerung. Heute gibt es Fischcamps für Touristen, die Waller (Wels) und Zander fischen wollen.

Alle Wege führen nach Rom! Manche auch weg!

Eine kleine Schönheit am Wegrand.

Ich komme in Ferrara an. Die Befestigungsmauer ist schon einmal eine Überraschung.

Über den Corso Ercole I d’Este, nach dem Stadterweiterer und Planer benannt, komme ich in das Zentrum. Die Straße ist angeblich im historisch korrekten Zustand.

Dann komme ich direkt zum Palazzo dei Diamanti, errichtet um 1500.

Gleich achtzig Meter abseits habe ich mein Quartier gefunden.

Die Stadt ist so voller Sehenswürdigkeiten, dass ich nicht weiß, wo ich anfangen soll

Der Dom ist leider an seiner Frontfassade eingerüstet. Die Seite ist aber auch überzeugend.

Ich besuche die ehemalige Festung Castello Estense im Inneren der Stadt, die später zu einem Palast umgestaltet wurde. Dort sind die Prunkräume, aber auch die Verliese und ein Turm zu besichtigen.

Die Abklebungen sind Sicherungen, die nach dem Erdbeben am 20. Mai 2012 notwendig waren. Am 19. Mai 2012 bin ich mit einer Schülergruppe von einem EU-Treffen durch diese Gegend heimgefahren.

Ein Volleyballaufschlag gefällig?

Burgcafé mit edlem Ambiente

Tagesstrecke: 22,7 km + 6 km Stadtbesichtigung

Bergauf: 14 m

Bergab: 11 m

24. Tag Dienstag, 22. Mai 2018 Rovigo nach Polesella

In der Nacht erwache ich und höre, dass es stark regnet, eher schon schüttet. Der Wetterbericht hat leider recht behalten. Ich schlafe weiter, und um 6 Uhr 30 regnet es noch immer. Nach dem Regenalarm-App, das mir Martin empfohlen hat, zieht eine Regenfront über uns hinweg und sollte bald vorbei sein. Nach dem Frühstück ist es auch so weit.

Gleich in der Früh komme ich bei zwei Schulen vorbei. Ein Bild wie überall. Die Mamis bringen ihrer Prinzen und Prinzessinnen zur Schule, lassen das Auto mit laufenden Motor auf der Straße stehen und bringen das Schatzi 10 m neben dem Schutzweg über die Straße. Der Lotse ist offenbar nur dafür zuständig, zufahrenden Autos beim Umkehren behilflich zu sein und den Platz, eine öffentliche Straße (Ringstraße), freizuhalten.

Bald habe ich den Irrsinn hinter mir und wandere entlang eines Kanals aus der Stadt.

Bei den heutigen Temperaturen ist das Gehen bedeutend lustiger als bei den gestrigen 27 ° im Schatten.

Jetzt hat das Wetter-App nicht recht. Es beginnt trotzdem zu regnen. Eine Stunde lang wechselt der Regen mit Pausen ab. Was soll’s, dafür hat man Regenschutz.

In Sant‘ Apollinare ist natürlich die Kirche wieder geschlossen.

Dieser Granatapfelbaum steht in voller Blüte.

Heute gehen die Wege manchmal auf Schotter, manchmal auf Asphalt oder sogar über Wiesen. Immer aber eben, gerade und neben einem Kanal oder Ent-/Bewässerungsgraben.

Der Canalbianco ist der größte Kanal, dem ich heute folge.

Dann stehe ich vor dem mächtigen Damm des Po, dem größten Fluss Italiens.

Das Leben hinter dem Damm ist wahrscheinlich heute nicht mehr so gefährlich, wie zu Zeiten von Don Camillo und Peppone.

Flussseitig breiten sich hier große Ausgleichsflächen aus, die mit Pappeln bewachsen sind und bei Hochwasser geflutet werden.

Für die Schottergewinnung und Nachtiefung stehen diese Museumsmaschinen.

Dann sehe ich den Fluss zum ersten Mal direkt. Er hat sichtlich mehr Wasser als im Normalfall, für Hochwasser fehlt aber sicher noch ein Meter.

Das ist das Leben mit dem Fluss. Der kleine Damm wird sicher öfters geflutet. Das Haus hat auch im ersten Stock einen Notausgang, wenn das Erdgeschoss überschwemmt ist.

Die Betonwand am Damm wurde recht anspruchsvoll von Sprayern gestaltet.

Der kleine Ort Polesella hat es sich hinter dem Damm eingerichtet.

Die Cà Rosetta ist eine Villa aus dem 17. Jhdt., die direkt im Ortszentrum steht. Es gibt noch einige davon.

Hier habe ich meine heutige Tageswanderung auch schon beendet. Bis nach Ferrara ist es mir zu weit, und bis dahin gibt es keine freien Quartiere. So bin ich mit einem 5km – Schnitt schon vor 12 am Ziel.

Lustig ist, dass schräg vor meinem B&B eine Scola media ist und ich das Treiben der Schüler und Lehrerinnen akustisch mitverfolgen kann.

Altstoffsammlung und Computerentsorgung.

Tagesstrecke: 22,4 km

Bergauf: 10m

Bergab: 13 m

23. Tag Montag, 21. Mai 2018 Monselice nach Rovigo

Im Haus ist noch alles ruhig, als ich meinen Schlüssel hinterlege und los gehe. Das Venice Hostel ist für Pilger wirklich zu empfehlen.

Ich schaue nochmals auf den Damm des Canale Bassato, ehe ich in Richtung Südosten aus der Stadt wandere.

Bald lasse ich die Einkaufs- und Industriezentren hinter mir und genieße die Ruhe der ländlichen Umgebung.

Bunte Blumen, ob auf dem Feld oder im Garten, sind überall zu finden.

Manchmal muss auch ein ausrangierter Garderobespiegel für gute Sicht sorgen.

Die Erhaltung der Villen ist eine kostspielige Angelegenheit. Die Villa Centanini bräuchte dringend eine Renovierung. Für den nahegelegenen Gutshof ist alles zu spät.

Der Damm des Canale Gorzone teilt das flache Land. Das Wasser fließt eher gemächlich dahin.

Was der Kanal trennt, müssen die Brücken verbinden.

Dann kommt sie wieder, die lange Gerade.

Endlich ist das Ende bei Boara Pisani da.

Wieder erregen zwei Villen mein Interesse:

Die Villa Oratio aus dem 17. Jhdt.

Und die Barchessa Pisani aus dem 15. Und 16. Jhdt.

Dann geht es gleich auf den Damm der Etsch (Adige) und über den Fluss. Der hat bedeutend mehr Wasser und eine hohe Fließgeschwindigkeit.

Nun ist es nicht mehr weit zu meinem Tagesziel, Rovigo. Da ich mit der Stadt keine Verbindung habe, bin ich neugierig was mich erwartet.

Gleich zu Beginn komme ich an einem Gebäude der Universität vorbei.

Die achteckige Wallfahrtskirche Chiesa della Beata Vergine del Soccorso wurde 1603 fertiggestellt und ist wegen Bauarbeiten gesperrt.

Die Innenstadt ist voll mit Palazzi.

Aus dem Mittelalter sind auch hier einige hohe Türme erhalten. Der Torre Donàist mit über 51 m ist der Eindrucksvollste, auch wegen seines freien Standortes.

Schließlich finde ich in einem Lokal, das von außen nicht unbedingt einladend ausschaut, ein ausgezeichnetes Abendessen. Der Chef macht alles: Begrüßen, Aufdecken, Kochen Servieren und Kassieren.

Zuerst lässt er mich von seinen Weinen kosten. Der Weiße war mir lieber.

Dann gibt es frisch gemachte Tagliatelle.

Das Rindfleisch ist zart und die Kartoffeln sind knusprig.

Ein schöner Tag geht zu Ende.

Tagesstrecke: 28,3 km + 4 km Stadtbesichtigung

Bergauf: 16 m

Bergab: 16 m

22. Tag Sonntag, 20. Mai 2018 Padua nach Monselice

Morgenstund‘ hat Gold im Mund – oder wenigstens touristenfreie Plätze. Wo sich gestern Tausende getummelt haben, ist heute alles menschenleer.

Ich komme auf den großen, ovalen Platz Prato della Valle, auf dem ein großer Flohmarkt stattfinden wird. Die ersten Verkäufer sind gerade beim Aufbau ihrer Stände.

In der Basilica Santa Giustina befindet sich das Grab des Evangelisten Lukas.

Ich verlasse die Stadt in Richtung Südwesten und gehe dann südwärts entlang des Canale Battaglia, der 1557 als Teil eines umfangreichen Entwässerungsprojektes errichtet wurde, um das bisherige Sumpfland verwendbar zu machen.

Die Euganeischen Hügel sind jetzt frei sichtbar.

Die ehemals prachtvollen Villen zeugen von der damaligen Wirtschaftskraft der Region.

Bei Battaglia Terme steht das Schloss Catajo mit gewaltigen Ausmaßen. Es gehörte einmal Kaiser Karl I.

Nun strebe ich auf Monselice zu, das am Fuße des östlichsten der Hügel, dem La Rocca (151 m), liegt.

Im Ort findet an diesem Wochenende das Blumenfest statt. Es gibt verschieden Aktionen, aber nichts Außergewöhnliches. Das Motto ist „Paris in Monselice“.

Der Blumenschmuck ist sehr schön.

Monselice hat eine Attraktion aus der Vergangenheit: das Santuario delle Sette Chiese, eine symbolische Nachbildung der sieben Pilgerkirchen Roms. Wer hier war, kann sich das Romgehen ersparen.

Am Ende steht die romanische Kirche Santa Giustina aus dem 12. Jahrhundert mit der angeschlossenen Villa Duodo. Die Aussicht auf die Ebene ist toll.

Ich durchstreife die Stadt, deren Burg Castello Cini oder Ca‘ Marcello alles dominiert.

Tagesstrecke: 24,5 km (ohne Stadtbesichtigung)

Bergauf: 6 m

Bergab: 24 m

21. Tag Samstag, 19. Mai 2018 Padova (Padua)

Der heutige Tag sollte dem Müßiggang gewidmet sein. Ganz gelungen ist es mir nicht, ist doch die Stadt zu interessant.

Gleich nach dem Frühstück im Café auf der anderen Straßenseite zieht es mich ins Zentrum, ca. 700 m vom Quartier entfernt.

Der Uhrturm strahlt im blauen Morgenhimmel. Mit seinem Bau wurde schon um 1400 begonnen.

Auf der Piazza dei Signori ist Markt, wie auch auf der Piazza dei frutti und der Piazza delle Erbe. Überraschend viele Stände gibt es mit Kleidung, aber vor allem mit Obst und Gemüse.

Im Erdgeschoß des Palazzo della Ragione sind Stände mit Käse, Fleisch, Fisch und Feinkost untergebracht.

Über eine Treppe gelange ich in den ersten Stock mit einer bunten Galerie und guter Aussicht auf den Marktplatz.

Im etwa 82 Meter langen, ca. 27 Meter breiten und ca. 25 Meter hohen Ratssaal wird gerade eine Kunstausstellung aufgebaut. Deshalb wird mir nur ein Blick vom Eingang gewährt. Der Bau wurde bereits am Ende des 12. Jhdt. errichtet.

Ich besuche nochmals den Dom, der jetzt am Vormittag andere Lichtverhältnisse hat. Auch das Baptisterium, den östlichen Anbau, besichtige ich heute. Der heutige Bau entstand bis 1180.

Die Innenausstattung erfolgte in verschiedenen Zeitepochen. Der Chorraum wurde 1997 neu gestaltet, u. a. mit Statuen des zeitgenössischen toskanischen Bildhauers Giuliano Vangi.

Auch die Unterkirche ist interessant gestaltet.

Das romanische Baptisterium an der Nordostecke des Doms war 1281 vollendet, die Ausmalung stammt von Giusto de’ Menabuoi 1378.

Ich besuche die alte Universität, die drittälteste nach Bologna und Paris, und erlebe einen mitreißenden Vortrag über die Geschichte, speziell der medizinischen Fakultät. Leider darf man im Inneren nicht fotografieren.

An den Wänden haben sich viele Absolventen der Vergangenheit mit ihren Wappen verewigt.

In der Stadt ist eine VIP unterwegs, angeblich die zweithöchste Person Italiens – wer auch immer das ist. Vorne Carabinere, dann dicker Audi, dann dicker Passat, dann zwei alte, gepanzerte Landrover. Überall „men in black“ und Polizisten. Ich glaube, da war nur jemand einkaufen.

Ich besuche nochmals die Basilika des Antonius.

Ein paar Eindrücke aus der Basilika, die um 1310 fertiggestellt war.

Die Gruft des Hl. Antonius

Die Reliquienkapelle.

Die Kapelle des Hl. Jakobus

Eine Marienkapelle

Im Kreuzgang ist gerade eine Ausstellung zum Thema Pilgern mit „Wanderschuhen“ installiert. Menschen, die außergewöhnliche Leistungen zu Fuß erbracht haben, sei es, dass sie über 30.000 km weit gegangen sind oder die höchsten Berge bezwungen haben, haben ihre Schuhe für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. Erschütternd das letzte Bild von den angeschwemmten Schuhen ertrunkener Flüchtlinge aus Lampedusa.

In den engen Gässchen finde ich öfters Jasmin hoch nach oben wachsen. Ich mag die Blüten, kann aber ihren Duft (Gestank) nicht leiden.

Auf dem Weg zum Abendessen komme ich durch kleine, ruhige Gassen.

Heute gibt es als ersten Gang Pasta und als zweiten Gang Perlhuhn und Avocados. Dazu einen guten Weißen aus der Region.

Tagesstrecke: wenig war’s nicht. Auf sechs bis sieben Kilometer werde ich schon wieder gekommen sein.

Sollten heute viele Fehler im Text sein: meine „Bodenstation“, die sonst eifrig die Korrekturen vornimmt, ist auf Urlaub. Heidrun, lass es dir gut gehen!!!

20. Tag Freitag, 18. Mai 2018 Camposampiero nach Padova (Padua)

In der Nacht ist ein mehrstündiges Gewitter durchs Land gezogen. Die dicken Klostermauern, wenn auch nicht sehr alt, haben dem standgehalten. Nein, so schlimm, wie es gerade in der Steiermark war, ist es nicht. In der Früh scheint die Sonne und alles ist vorbei.

Ab jetzt habe ich Tafeln zur Orientierung: „Il cammino di Sant’Antonio“. Diesen Hinweisen werde ich mich jetzt bis Bologna anvertrauen.

Kurz aus dem Ort raus und auf den Damm einer anderen ehemaligen Bahnlinie, die parallel zum Muson dei Sassi verlaufen ist. Schotter und Asphalt wechseln einander ab, nur der Bach bleibt schlammig braun von den Niederschlägen der letzten Nacht.

In den Gärten steht alles in Hochblüte, wie dieser alte Rosenstrauch.

Der Bagger kommt deswegen in den Blog, weil der Fahrer, als er mich gesehen hat, seine Maschine extra längs gestellt hat, damit ich leichter vorbeikomme. Ein Danke hat er sich verdient. Hier wird der Damm nachgebessert und verstärkt.

In Campodarsego mache ich eine kurze Rast und schaue anschließend in die Kirche. Dort werde ich kurzfristig vom Messner verhaftet und zum Pfarrer abgeschleppt, damit der mir einen Pilgerstempel gibt. Dass er mir nicht noch mehr Gutes tun kann, enttäuscht ihn fast. Das Buch vor der Kirche kündigt eine Ausstellung an.

Neben verschiedenen Vögeln wie Enten, Blässhühnern, Seiden- und Purpurreihern sind mir auch diese Bisamratten (?) aufgefallen.

Kurz vor Padua komme ich über die Brenta, die früher durch Venedig floss, aber später über den Brentakanal abgeleitet wurde. An ihrem Ufer stehen die bekannten Villen.

Über die neue Autobahnbrücke fließt der Verkehr der A4 nach Verona und Mailand.

Das Santuario dell’Arcella, der Ort wo der Hl. Antonius verstorben ist, ist natürlich zu Mittag geschlossen.

Über den Corso Giuseppe Garibaldi ziehe ich in die Stadt ein. Dank GPS und Navi finde ich bald zur Unterkunft, die sehr zentrumsnahe liegt.

Nach kurzer Rast geht es in die Innenstadt.

Mein erstes Hauptziel ist die Basilika des Hl. Antonius, wo ich einen kurzen Orientierungsrundgang mache.

Dann hole ich mir meine Pilgerurkunde für einen Tag Pilgern auf dem Antonius-Weg ab. So schnell habe ich noch keine bekommen.

Mein nächstes Ziel kommt unverhofft. Bei einem Infostand bringt eine freundliche Frau in Erfahrung, dass die Cappella degli Scrovegni morgen völlig ausgebucht ist, aber für heute noch Einzelkarten zu haben sind. Ich lasse mir kurz den Weg erklären und gehe hin.

Von außen sieht der Bau unspektakulär aus. Im Inneren entfaltet sich dann eine Pracht an Bildern und Farben. Giotto hat die Fresken in den Jahren 1303 – 1305 geschaffen. Er galt damals als einer der Großen seiner Zeit und hat viele neue Elemente in die Malerei eingebracht.

Um die Werke zu schützen, werden immer nur max. 25 Personen pro Viertstunde in die Kapelle gelassen. Man darf ohne Blitz frei fotografieren.

Morgen ist ein Stadtrundgang am Plan. An jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken.

Tagesstrecke: 24,4 km

Bergauf: 10 m

Bergab: 20 m

19. Tag Donnerstag, 17. Mai 2018 Treviso nach Camposampiero

Heute habe ich mir das Frühstück selbst zubereiten müssen. Naja, Frühstück auf Italienisch. Espresso, Saft und Toast – mehr war nicht da. Macht nix.

Dafür bin ich durch die fast menschenleeren Gassen zum Fischmarkt gegangen. Der liegt auf einer Insel, die durch einen Kanal gebildet wird.

Das Angebot ist mediterran.

Für alle Jakobsweg – Fans: Jakobsmuscheln und Pulpo alla Melide.

Gleich am Platz nebenan haben die Obst- und Gemüsehändler ihre Waren aufgebaut und warten auf Kunden.

Jetzt will ich quer durch die Altstadt endlich auf den Weg. Einige Hotspots halten mich dann doch auf.

Auf meinem Weg liegt auch die Chiésa di San Nicolo aus dem 13. Jhdt.

Das Fresko des Hl. Christophorus hat es mir wieder angetan, vor allem wenn man sieht, was sich da im Wasser tummelt.

Ich überquere den Innenstadtring, der durch einen Kanal gebildet wird. Davor stehen große Villen, die mitunter nach einem neuen Besitzer suchen. Etwas Kapital ist aber schon gefragt.

Eine solche Autobahnquerung ist schon etwas stressfreier als die von gestern.

Jetzt bin ich im Pilgerparadies. Eine der längsten Geraden meiner Wanderungen liegt vor mir. 21,5 km mit einem leichten Knick bei 12,5 km. Und das bei saftigem, sattem Grün, meist im Schatten. Da kommt auch die Gerade nach Carrión de los Condes nicht mit. Die Eisenbahntrasse ist zu einem Radweg umgestaltet worden: keine Steigungen, keine Kurven. Der Boden: feiner Schotter

Zwischendurch kommt man bei alten Bahnstationen vorbei.

Sobald ich den Kreis Padova erreiche, beginnt die Asphaltdecke des Rad-/Gehweges.

Wenn nicht immer am Wegrand solche Verlockungen wie die Maulbeeren wären! Die halten mich immer vom Marschieren ab. Eine weiße Variante war besonders süß. Gut, dass die Feigen noch nicht reif sind; ich käme gar nicht weiter.

Dann wird, etwas verrostet, Camposampiero angekündigt.

Ich komme direkt bei den zwei großen Erinnerungsstätten des Hl. Antonius an, dem Sanctuario della Visione und dem Sanctuario del Noce.

Im Sanctuario della visione ist eine Zelle des Heiligen zu besichtigen.

Auf dem Weg zum nahegelegenen Sanctuario del noce ist in gewöhnungsbedürftigen Skulpturen das Leben des Heiligen nachgestellt.

Die kleine Kapelle zeigt tolle Fresken mit Darstellungen des Antonius, der ja ein Zeitgenosse von Franziskus war.

Ich gehe noch in das Ortszentrum, wo der Turm und das Municipio beeindrucken.

Ich bin im Casa de spiritualità untergekommen. Grenzenlos preiswert bei guter Unterkunft und Verpflegung.

Auch den Weganschluss für morgen habe ich schon gefunden.

Tagesstrecke: 30,2

Bergauf: 39 m

Bergab: 38 m