Tag 0 Montag, 05. Mai 2014 (Von Bordeaux nach Saint-Jean-Pied-de-Port)

Heute beginnt der Tag 0 meines Abenteuers, die letzte Etappe der Anreise. Nach einem wunderbaren Tag in Bordeaux werde ich mit der Bahn über Bayonne nach Saint-Jean-Pied-de-Port reisen.
Nach dem Frühstück gehe ich über den Bahnhofsplatz und treffe auf die ersten Pilger, die mit dem Rad die gleiche Strecke bewältigen wollen. Sie sind aus Bordeaux, einer ist schon zum 7. Mal unterwegs.
Mein Zug ist schon bereitgestellt und pünktlich geht es mit der SNFC los. Nach den Vororten von Bordeaux sehe ich die flache Landschaft mit Feldern und Kiefernforsten. Es gibt viele Flächen, die nach Aufforstung aussehen. Wir fahren auch immer wieder an riesigen Spargelfeldern vorbei. Nach Dax wird die Landschaft hügeliger, bald tauchen die ersten tiefverschneiten Gipfel der Pyrenäen auf und bald sollte ich aussteigen: Nur die Station heißt nicht Bayonne. Ich informiere mich bei der Zugbegleiterin: der hintere Zugteil ist nach Pau, der vordere nach Bayonne. Ich zeige ihr, dass die Laufschrift im Wagen immer noch Bayonne anzeigt. „Our mistake, take thewpid-imag1242.jpg next train from Pau to Bayonne. It’s in one hour.“ Sie ändert mein Ticket, im nächsten Zug treffe ich sie wiederund sie erkundigt sich, ob alles in Ordnung ist.
Im Zug sitze ich mit einer Pensionistin aus Santa Fe, sie reist aber quer durch die Welt, vor allem durch Europa. Sie lebt mal hier mal da, auch für mehrer Monate. Die eine Stunde Fahrtzeit ist rasch um und ich habe noch zwei Stunden für meinen neuen Anschluss. Es ist aber kein Zug, sondern ein Bus, die Bahn wurde vor nicht zu langer Zeit eingestellt, wie die angerosteten Schienen zeigen.
Ich nutze die Zeit für ein Mittagessen und wandere dann über die L’Adour in das alte Zentrum mit vielen hübsch renovierten Häusern, einem riesigen Rathaus, das zeigt, dass man früher nicht arm war, und zur Kathedrale. Das gotische Bauwerk wurde im 19. Jhdt. offensichtlich gründlich „modernisiert“.
Zurück zum Bahnhof, treffe ich immer mehr Pilger, die den gleichen Bus nehmen. Durch eine immer hügeligere Gegend begleiten wir den Fluss und die aufgelassene Bahnstrecke, bis wir nach eineinhalb Stunden St. Jean Pied-de-Port erreichen. Das Städtchen ist entzückend, alle Häuser wie aus dem Märchenbuch, richtig wpid-imag1245.jpgtouristisch.
Ich finde mit Zielsichheit mein Quartier, eine kleine Pension, direkt an der „Hauptstraße“, der Rue de la Citadelle. Gleich mache ich mich auf eine Erkundungstour durch die Gässchen, lasse meinen Pilgerausweis mit dem ersten Stempel versehen und kaufe mir etwas Käse und Wurst für den nächsten Tag. In der alten Kirche hole ich mir den Pilgersegen, den ich sicher in den nächsten Wochen brauchen kann. Dann suche ich mir ein Restaurant: überall Pilger.
St. Jean ist aber auch bei den Franzosen als Erholungort und zum Fischen beliebt. Nach diesem ereignisreichen Tag hoffe ich auf einen guten Schlaf.

6 Gedanken zu „Tag 0 Montag, 05. Mai 2014 (Von Bordeaux nach Saint-Jean-Pied-de-Port)

  1. Bernd Lexner

    Lieber Gerhard! Ich freue mich mit dir! Hab viele schöne Erlebnisse und sammle Eindrücke, die dir lange in Erinnerung bleiben!
    Bernd

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  2. Sabina Kelz

    Lieber Gerhard!

    Schön, dass du uns Daheimgebliebene an deiner Reise teilhaben lässt.
    (Bringt ein wenig Abwechslung in den Schulalltag mit SQA, CWT, SWT, BIST… falls du noch weißt, was das bedeutet ;-))
    Ich wünsche dir, dass du wundervolle Augenblicke erlebst, besondere Begegnungen machst und auch Zeit zum Nachdenken hast…
    ganz nach H. v. Hofmannsthal „Nur wer sich auf den Weg macht, wird neues Land entdecken“
    Liebe Grüße und alles Gute
    Sabina

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    1. Franz Hartinger

      Lieber Gerhard!

      Super, ich bekomm‘ schon jetzt lange Zähne. Ich fange gerade meinen Unruhestand an zu genießen. Gestern hatten wir den ersten Römerlauf-Treff mit fast 40 TeilnehmerInnen. Heute OL-Training mit der Schule. Morgen OL-Vereinstraining. Du siehst langweilig ist auch mir nicht.
      Daher genieße die Tage und berichte uns weiter!
      Meine besten Wünsche begleiten Dich!
      Franz

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  3. Hans Georg Zach

    Lieber Gerhard!
    Ich wünsche dir tolle Eindrücke, schöne Erlebnisse und nette Erinnerungen, die dich dann ein Leben lang begleiten.
    Hans Georg
    P.S.: Das mit den Blasen an den Füßen lassen wird weg!

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  4. Jürgen Puchas

    Lieber Gerhard!
    Danke für das SMS. Ich bin im Gedanken bei Dir und erinnere mich noch gerne an St.Jean und den Weg nach Roncevalles. Viel Glück, guten Marsch und ein herrliches Wetter wünscht Dir
    Jürgen

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